Mission SOL 2020 / 12: Der Chaopressor - Kai Hirdt - E-Book

Mission SOL 2020 / 12: Der Chaopressor E-Book

Kai Hirdt

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Beschreibung

SOL – dieser Name hat einen ruhmvollen Klang in der 3000-jährigen Geschichte der terranischen Raumfahrt. Das Hantelraumschiff spielt immer wieder eine entscheidende Rolle in den großen Kämpfen zwischen den Mächten der Ordnung und des Chaos. Im Jahr 1552 Neuer Galaktischer Zeitrechnung ist Perry Rhodan in die ferne Galaxis Yahouna versetzt worden. Dort sollen er und die Besatzung der SOL herausfinden, welche Pläne die Superintelligenz BARIL und ihre Ritter hegen. Rhodan entdeckt, dass sowohl die Chaotarchen als auch BARIL eine neue Superintelligenz hervorbringen wollen. Sie soll die Herrschaft in der chaotarchischen Streitmacht TRAITOR übernehmen. Es entbrennt ein Wettlauf darum, welche Seite zuerst Erfolg hat. Perry Rhodan will verhindern, dass die Geschehnisse in Yahouna fatale Folgen für zahlreiche Galaxien und Universen haben. Ein dramatischer Endkampf entscheidet darüber, wer sich an die Spitze von TRAITOR setzen kann – als DER CHAOPRESSOR ...

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Nr. 12

Der Chaopressor

Die Terminale Kolonne unter neuem Kommando – im Sphärenlabyrinth entscheidet sich ein Schicksal

Kai Hirdt

Cover

Vorspann

Die Hauptpersonen des Romans

1. Roi Danton

2. A-Kuatond

3. Perry Rhodan

4. A-Kuatond

5. Perry Rhodan

6. A-Kuatond

7. Roi Danton

8. A-Kuatond

9. Roi Danton

10. Perry Rhodan

11. Roi Danton

12. Perry Rhodan

13. Roi Danton

14. Perry Rhodan

15. Roi Danton

16. Perry Rhodan

17. Perry Rhodan

Impressum

SOL – dieser Name hat einen ruhmvollen Klang in der 3000-jährigen Geschichte der terranischen Raumfahrt. Das Hantelraumschiff spielt immer wieder eine entscheidende Rolle in den großen Kämpfen zwischen den Mächten der Ordnung und des Chaos.

Im Jahr 1552 Neuer Galaktischer Zeitrechnung ist Perry Rhodan in die ferne Galaxis Yahouna versetzt worden. Dort sollen er und die Besatzung der SOL herausfinden, welche Pläne die Superintelligenz BARIL und ihre Ritter hegen. Rhodan entdeckt, dass sowohl die Chaotarchen als auch BARIL eine neue Superintelligenz hervorbringen wollen. Sie soll die Herrschaft in der chaotarchischen Streitmacht TRAITOR übernehmen.

Es entbrennt ein Wettlauf darum, welche Seite zuerst Erfolg hat. Perry Rhodan will verhindern, dass die Geschehnisse in Yahouna fatale Folgen für zahlreiche Galaxien und Universen haben. Ein dramatischer Endkampf entscheidet darüber, wer sich an die Spitze von TRAITOR setzen kann – als DER CHAOPRESSOR ...

Die Hauptpersonen des Romans

Perry Rhodan – Der Terraner hat einen irrwitzigen Plan.

A-Kuatond – Die Zentrifaal sagt sich von BARIL los.

Roi Danton – Rhodans Sohn steht vor schwierigen Entscheidungen.

Eroin Blitzer

1.

Roi Danton

Der Gehörnte saß lässig zurückgelehnt am Konferenztisch. »Meine Geduld hat Grenzen«, sagte er in der Sprache der Mächtigen. Checklak Mandis Stimme klang befehlsgewohnt und herablassend.

»Er ist gleich da.« Nach außen hin wahrte Roi Danton den Anschein perfekten Gleichmuts. In Wahrheit war er nervös wie selten, seit die SOL in die Galaxis Yahouna verfrachtet worden war. »Wenn Perry Rhodan einen Plan hat, lohnt es sich, auf ihn zu warten.«

Mandi grunzte nur. Der Kosmokratenkommandant war für terranische Sehgewohnheiten wahrlich keine Augenweide: der Körper grobschlächtig und sein Kopf senkrecht in die Länge gezogen, beinahe zylindrisch. Das Gesicht selbst war in die Gegenrichtung verzerrt, als habe jemand in Mandis Wangen gegriffen und die Haut nach hinten gestrafft. Die Augen standen weit auseinander, beinahe an den Schläfen. Weiter jedenfalls als die Ansätze der beiden schwarzen Hörner, die sich von der Stirn aus abwärts bogen und neben den Wangen in silberfarbenen Spitzen ausliefen.

Danton störte das nicht. Er hatte schon vor Jahrtausenden gelernt, fremde Wesen nicht nach ihrem Äußeren zu beurteilen.

Ihr Benehmen hingegen sah er durchaus als relevanten Faktor, kultureller Hintergrund hin oder her. In dieser Hinsicht hatte er es mit einem ungewöhnlichen Repräsentanten der Hohen Mächte zu tun.

In den vergangenen 1500 Jahren hatten die Terraner einige Diener der Kosmokraten getroffen. Rückblickend hatten sich fast alle irgendwann als moralisch bankrott entpuppt. Aber: Fast alle hatten zunächst verstanden, ein Gefühl der Erhabenheit zu verbreiten, eine Aura der Unfehlbarkeit, den Nimbus absoluter Kontrolle auch über schwierigste Lagen.

All dies ging Mandi völlig ab. Er präsentierte sich ungehobelt, reizbar, ohne jede Finesse. Es war unverständlich, dass dieses Wesen eine kampfstarke Flotte von zweihundert Kosmokratenschiffen kommandierte. Aber Danton musste ihn bis zu Rhodans Eintreffen bei Laune halten, denn sein Vater brauchte diese Einheiten für seinen rätselhaften und hochgeheimen Plan.

Danton hatte noch einen zweiten, ebenso guten Grund, es sich mit dem Gehörnten nicht zu verscherzen: Kam es nicht zur Einigung, würde Mandi wohl die SOL zerstören, wie er es ursprünglich geplant hatte.

Diese Sorge stand auch Tess Qumisha, der Kommandantin des Raumschiffs, ins Gesicht geschrieben. Sie musterte Eroin Blitzer. Der kindergroße, greisenhafte Zwergandroide hatte die Kosmokrateneinheiten überhaupt erst auf die Spur der SOL gehetzt. Seine Stimme war maßgeblich für ihr Schicksal: Hatten sie sich entschieden genug für die Seite der Kosmokraten eingesetzt? Oder bestand der Verdacht fort, dass sie insgeheim den Chaotarchen dienten? Kamen Blitzer und Mandi zu letzterem Urteil, würden anderthalb Jahrtausende Geschichte dieses stolzen Schiffs in einem großen Feuerball enden.

Das Schott fuhr auf, und mit zügigen Schritten kam Perry Rhodan herein. An seiner Seite ...

Danton runzelte die Stirn. Sein Vater wurde begleitet von einem oder einer Zentrifaal. Das war nicht ungewöhnlich; schließlich war Rhodan ausgezogen, um A-Kuatond zu suchen, die letzte Überlebende dieses Volkes und Ritterin der Superintelligenz BARIL.

Allerdings war das nicht die Kriegerin des Ritterordens. Dies war ein Kind!

Rhodan bemerkte seinen Blick sofort. »Sie ist es«, versicherte er. »Sie hat einen neuen Körper. Lange Geschichte, erklären wir gleich. Wie schlimm steht es?«

Normalerweise wären solche allgemeinen Informationen vor der Besprechung per Funk ausgetauscht worden. Aber Rhodan hatte auf einem persönlichen Treffen bestanden. Jeder Informationsschnipsel, der versendet wurde, mochte in Feindeshand geraten und dem Gegner helfen.

»Zweihundert Kosmokratenschiffe haben uns im Visier«, berichtete Qumisha trocken. »Man will aber noch abwarten, ob wir uns als nützlich erweisen.«

»Werden wir«, versprach Rhodan. »Allerdings anders als erwartet. Ist die Gesamtlage denn einigermaßen stabil?«

Danton wartete kurz ab, ob Mandi oder Blitzer etwas dazu zu sagen hatten. Sie schweigen, also antwortete er selbst. »Gut zweihundert Kosmokratenschiffe sind auf unserer Seite einsatzbereit. Auf der Gegenseite riegeln fünfhundert Traitanks der Chaotarchen das Mauritiussystem ab und schützen das Sphärenlabyrinth vor einem Angriff. Wenn wir drauflosstürmen, sind unsere Chancen gering.«

»Bei einer Materialschlacht«, schränkte Rhodan ein. »Ein Vorstoß jedoch, um ein Kommandounternehmen durch die Blockade ins Labyrinth zu bringen, könnte Erfolg haben. Zumal der Gegner nicht alle Schiffe mobilisieren kann, weil er sonst das Labyrinth für Vorstöße aus allen anderen Richtungen entblößt.« Er wandte sich Mandi zu. »Können wir mit Unterstützung durch die NEUBEGINN rechnen?«

Das war eine entscheidende Frage. Die riesige Kosmokrateneinheit konnte Sonnen löschen und ganze Sternsysteme in ihre subatomaren Teilchen zerlegen. Danton hatte sich ohnehin schon gefragt, warum die NEUBEGINN nicht einfach kurzen Prozess mit dem Mauritiussystem samt der dortigen extrauniversalen Portalsektion machte.

In dieser Hinsicht konnte er nur spekulieren. Möglicherweise würde das dem eigentlich Sphärenlabyrinth gar nicht schaden, sondern nur den einzigen Zugang zerstören, der den Kosmokraten bekannt war. Das schien Roi Danton plausibel. Stimmen musste diese Annahme aber nicht.

Mandi mahlte mit großen, schwarzen Zähnen. »Niemand sollte seinen Plan auf die Unterstützung der NEUBEGINN aufbauen.«

Tolle Aussichten. Der Befehlshaber der Kosmokratenflotte wusste also auch nicht, welche Rolle das größte Machtmittel auf seiner Seite einnehmen würde. Zumindest entsprach sein Satz den Erfahrungen der Solaner. Diese waren der NEUBEGINN bislang zweimal begegnet. Dabei hatte sie einmal als Gegner, einmal als Verbündeter agiert.

Rhodan nickte gemessen. »Ohne sie wird es schwieriger.«

»Was wird schwieriger?«, fragte Tess Qumisha gereizt. »Es wird Zeit, dass du uns in deinen Plan einweihst!«

Perry Rhodan schwieg jedoch. Er nickte nur kurz A-Kuatond zu.

Die Zentrifaal drehte ihre krallenbewehrte rechte Hand, betrachtete sie aus unterschiedlichen Winkeln, sodass jeder Anwesende ein gutes Gefühl für die Tödlichkeit dieser natürlichen Waffe bekam.

»Wir entführen eine Superintelligenz«, verkündete sie.

*

Seit dem Jahr 2435 alter Zeitrechnung ging Roi Danton gemeinsam mit seinem Vater in Risikoeinsätze. Seitdem waren, sofern man die eine oder andere Komplikation durch Zeitreisen ignorierte, rund 2700 Jahre verstrichen.

Bestimmt hatten sie in dieser langen Zeit schon etwas Irrsinnigeres unternommen als das, was Perry Rhodan und A-Kuatond vorschlugen. Spontan fiel Danton allerdings nichts ein.

Der Plan der beiden lief darauf hinaus: Im Sphärenlabyrinth befanden sich die Vielen Einen, ein Geisteswesen, das sich aus Billionen von Einzelbewusstseinen zusammensetzte. Die Superintelligenz BARIL, Schutzherrin über Yahouna, hatte diese mentale Präsenz künstlich geschaffen, auf ziemlich verwerfliche Weise: Sie hatte ganze Völker in Yahouna und anderen Galaxien ausrotten lassen und ihre mentale Essenz »geerntet«.

Sinn und Zweck des Ganzen war, die Terminale Kolonne TRAITOR dauerhaft zu schwächen, den furchtbaren und unbesiegbaren Heerwurm der Chaotarchen. TRAITOR hatte im Innern des Sphärenlabyrinths TRAZULS Dorn gebaut, eine gewaltige Raumstation aus PEW-Metall. Von dort aus sollte in Kürze eine neu gezüchtete negative Superintelligenz namens TRAZUL als Chaopressor das Kommando über TRAITOR übernehmen, die zersplitterte Kolonne einen und wieder zu einer schlagkräftigen Waffe der Chaotarchen machen.

An diesem Punkt kamen die Vielen Einen ins Spiel: BARILS Plan sah vor, dass dieses Kollektivwesen den Dorn besetzen sollte, sodass TRAZUL keinen Zugang fand und im Nichts zwischen den Universen verwehte. Damit würden die Vielen Einen zum neuen Chaopressor – was TRAITOR einigermaßen handlungsfähig zurückließ, aber bei Weitem nicht mit derselben Schlagkraft wie mit TRAZUL.

BARILS Fehler bei diesem Vorhaben war gewesen, die letzte Überlebende der Zentrifaal in ihre Dienste zu nehmen. Denn nachdem A-Kuatond herausgefunden hatte, dass BARIL für das Ende ihres Volkes verantwortlich war, hatte sie mit der Superintelligenz gebrochen. A-Kuatonds neues Lebensziel lautete: die Vielen Einen aus dem Labyrinth befreien und die Zentrifaal – ebenso wie alle anderen Geernteten – mit neu gezüchteten Körpern versorgen.

Rhodan hatte eine erweiterte Strategie ersonnen, um TRAITOR dauerhaft zu schwächen und die Zentrifaal zu retten. Der Plan war im Grunde simpel; TRAZUL durfte den Dorn nicht beziehen und als »Anker« in der physischen Realität des Multiversums verwenden. Deshalb musste eine andere Superintelligenz ihn vorher besetzen. Die Vielen Einen schieden hierfür aus. Und die einzig sonst verbliebene Superintelligenz weit und breit, die an ihre Stelle treten konnte, war BARIL selbst.

»Darauf läuft es hinaus«, schloss Rhodan seinen und A-Kuatonds Gedankengang: »Wir führen die Flotte der Kosmokraten nicht gegen TRAITOR, sondern gegen das Equilibrium. Wenn wir BARILS physischen Anker im Normalraum zerstören, muss sie den Dorn beziehen, um zu verhindern, dass sie selbst verweht und vergeht. Dann kann sie selbst die Drecksarbeit übernehmen und die Terminale Kolonne leiten, wenn sie überleben will. Ihr Kunstgeschöpf, die Vielen Einen, könnten wir bergen und seine Bestandteile in individuelle Körper zurückführen.«

»Operation Von hinten durch die Brust ins Auge«, murmelte Danton rechtschaffen entsetzt.

Er tauschte einen schnellen Blick mit Tess Qumisha. Ihr stand dieselbe Furcht ins Gesicht geschrieben, die er spürte: Die aktuell größte Bedrohung für die SOL war Checklak Mandi. Der Kosmokratendiener musste sie also unbedingt als treuen Verbündeten einstufen.

Und nun kam Rhodan mit einem Plan, der die Terminale Kolonne TRAITOR unter eine einheitliche Führung bringen und dieses brandgefährliche Machtinstrument der Chaotarchen wieder benutzbar machen sollte. Am Ende würde aus Sicht der Kosmokraten alles viel schlimmer sein als im Augenblick – obgleich nicht ganz so schlimm, wie es sein mochte, wenn TRAZUL statt BARIL den Dorn als Erster erreichte.

»Das können wir auf keinen Fall ...« Danton musste sich räuspern, so belegt war seine Stimme. Das durfte nicht passieren. TRAITOR durfte nicht wieder zu Kräften kommen!

Mandi sprach in die so entstehende Pause hinein. »Ich mag es«, sagte der Kommandant der kosmokratischen Flotte. »Es ist strategisch.«

Rhodan lächelte erleichtert und richtete den Blick auf Blitzer. »Besteht dann Einigkeit?«

»Nein!«, platzte es aus Danton heraus.

Rhodan war das Erstaunen über diesen Widerspruch im Gesicht abzulesen. Sicher hatte er mit Einwänden gerechnet – aber nicht aus dieser Richtung.

Roi Danton scherte das nicht. »Ich war Teil der Terminalen Kolonne.« Er musste aufpassen, das Beben in seiner Stimme zu unterdrücken. »Ich habe mich ihrer Vernichtung verschrieben, seit ich mich aus ihren Klauen befreit habe. Unter keinen Umständen werde ich zulassen, dass TRAITOR wieder erstarkt.«

»Doch.« Es war das Erste, was Eroin Blitzer zum Gespräch beitrug. »TRAITOR kann nicht vernichtet werden. Wenn du das wirklich glaubst, bist du noch weit naiver, als ich bisher gedacht habe. Aber eine ungeeignete Superintelligenz als Führung, die sich nicht verdrängen lässt ... Das kann TRAITOR für Jahrtausende schwächen. Es ist ein winziger Vorteil für unsere Seite, der sich über weite Teile des Kosmos hinweg potenzieren wird.«

»Dann lässt du deine Anklage gegen die SOL fallen, wenn wir Perrys Plan verfolgen?«, fragte Tess Qumisha schnell.

»Das ist nicht gesagt«, antwortete Blitzer kühl.

2.

A-Kuatond

Der Kommandosessel der SOL fühlte sich größer an als beim vorigen Mal, dass A-Kuatond darin gesessen hatte – in einem anderen Körper. In ihrer zerstörten, erwachsenen Hülle.

Nicht geändert hatte sich hingegen der giftige Blick, mit dem Tess Qumisha ihr die Schiffsführung übergab. A-Kuatond empfand Mitleid mit der Solanerin. Die Frau wollte schließlich nur ihr Raumschiff und ihre Mannschaft schützen.

Doch die SOL war nun mal mitten in den Konflikt mehrerer machtvoller Parteien geraten. Alle erhoben aus den unterschiedlichsten Gründen Anspruch auf die Dienste des Hantelraumers. A-Kuatonds eigenes Anrecht war eins der plausibleren – immerhin war es die SOL gewesen, die ihr eigentliches Einsatzschiff zusammengeschossen hatte. Dass sie nun als Ersatz herhalten musste, war nichts anderes als der Ausgleich für ein selbst verursachtes Problem.

Für das bevorstehende Manöver erwies sich diese Konstellation sogar als ausgesprochen glücklich. Das Schiff der Terraner war leistungsfähiger als A-Kuatonds halb wracke Schlachtspitze. Durch diverse Umbauten der Kosmokraten und der Chaotarchen war die SOL sogar leistungsstark genug, um es mit dem Equilibrium aufzunehmen, BARILS physischem Anker. Und das Beste war: Als offizielles Ritterschiff konnte sie das Equilibrium anfliegen, ohne allzu viel Verdacht zu erregen.

Darauf fußte der aktuelle Plan: Die SOL würde vor Ort die Lage erkunden, präzise Zielkoordinaten ermitteln, einen Schlachtplan entwickeln. Dann konnte sie Checklak Mandis Flotte herbeirufen, um in kürzester Zeit den Waagturm – gewissermaßen BARILS Allerheiligstes – mit präzisen Angriffen aus dem Equilibrium herauszulösen und zum Sphärenlabyrinth zu schleppen.

Als die SOL aus dem Hypertaktmodus auf Unterlichtgeschwindigkeit zurückfiel, war sogleich klar, dass dieses Unterfangen schwieriger werden würde als gedacht. Das Equilibrium sah anders aus, als A-Kuatond es kannte: Seine zwei gewaltigen Halbschalen, eine mit einer Naturlandschaft, die andere hoch technisiert, waren zusammengerückt und hatten sich zu einer perfekten Kugel geschlossen. Wie ein Schutzpanzer umhüllte sie das Innere: eine Scheibenwelt mit höherdimensionalem Unterbau, in deren Zentrum sich der Waagturm achtzig Kilometer weit in den Himmel hob.

Dort hatte die Superintelligenz A-Kuatond erleuchtet, anders formuliert: gehirngewaschen und zur willfährigen Anhängerin umgepolt – bis die Kriegerin schließlich die Wahrheit über BARILS Rolle beim Ende ihres Volkes herausgefunden hatte. Das nächste Zusammentreffen am Waagturm hatte daher ganz anders ausfallen sollen als das erste. Aber nun hieß es, sich zunächst überhaupt erst mal Zugang zu verschaffen.

SENECA, das biopositronische Gehirn der SOL, ergänzte die Ortung um aktuelle Feindaten.

»Zu viele Schiffe«, bemerkte Perry Rhodan sofort, bevor A-Kuatond die neuen Eindrücke mental sortiert hatte. »Das ist nicht der Standardflugverkehr, von dem du uns berichtet hast. Was ist hier los?«

Der Terraner hatte recht. »Diese Flotte gehört nicht hierher.« A-Kuatond ließ sich Details anzeigen. »Das sind unterschiedlichste Bauformen«, stellte sie fest. »Das da ...« Sie erkannte eine Silhouette. »Das ist ein Fengalraumer. Da, das Geschwader sind Kepallu. Und das ...« Sie vergrößerte einen Holoausschnitt. »Ein Trägerschiff der Amelox. Eine Vielvölkerflotte. All diese Zivilisationen sind gläubige Anhänger BARILS.«

»Schön für sie«, kommentierte Roi Danton missmutig. »Und was tun sie hier?«

Eine ungewöhnliche Einheit wurde in der Ortung hervorgehoben: Das Raumfahrzeug schien flüssig zu sein, von der Größe eines kleinen Meeres oder doch zumindest gewaltigen Sees.

»Das ist die LYNONU!«, rief A-Kuatond. »Yalabas Ritterschiff!«

Yalaba von Malyon, die Forscherin im Orden der Ritter BARILS, war A-Kuatonds Mentorin gewesen. Das Wesen, das sie in Plantagoo gerettet und in Yahouna von den Toten zurückgeholt hatte. Zugleich aber auch das Monstrum, das die Zentrifaal versklavt und ihre Bewusstseine zu den Vielen Einen gezwungen hatte.

»Anfunken!«, befahl A-Kuatond knapp.

Die Forscherin reagierte schnell. Das Kommunikationshologramm in der Zentrale der SOL zeigte Yalabas riesenhaften Körper mit der durchsichtigen Haut, unter der man die Organe arbeiten und das Herz pumpen sah. »A-Kuatond!« Yalabas lidlose Augen blieben ausdruckslos, aber die Stimme klang furchtsam. Die rüsselhafte Schnauze zitterte leicht. »Was machst du hier? Du solltest in TRAZULS Dorn sein!«

»Meine Mission war erfolgreich«, log die Kriegerin. »Der Chor des Lockschiffs ist aktiviert und ruft die Vielen Einen. Sie werden TRAZUL den Platz verwehren. BARILS Weisheit und Umsicht werden für Jahrtausende viel Leid verhindern.«

»Gelobt sei BARIL«, deklamierte Yalaba. Sie klang nicht überzeugt. Verständlich, denn eigentlich war nicht damit zu rechnen gewesen, dass A-Kuatond von dem beschriebenen Einsatz lebend zurückkehrte.

Die Zentrifaal musste schnell agieren, bevor Yalaba genug Zeit zum Nachdenken hatte. »Was tut sich im System? Warum die Flotte?«

»Nur aus Vorsicht«, antwortete die andere Ritterin. »TRAITOR hat eine Flotte aus dem Labyrinth nach Yahouna beordert, und es gibt Gerüchte über kosmokratische Einheiten in der Region. Ich habe BARIL geraten, das Equilibrium abzusichern, damit es nicht zwischen die Fronten gerät.«

A-Kuatond senkte das Haupt in einer Geste der Zustimmung, um ihr Mienenspiel zu verbergen. Jedes ihrer Probleme ließ sich in irgendeiner Form auf Yalabas Wirken zurückführen. Es wurde Zeit, dass die Malyonerin dafür bezahlte.

»Ein kluges Vorgehen«, log die Zentrifaal. »Ich bin aus einem ähnlichen Grunde hier: Um nach dem Rechten zu sehen, bevor ich meinen Erfolg beim Ritterrat auf Kessaila melde. Darf ich dich an Bord meines Schiffs einladen, damit wir unser weiteres Vorgehen abstimmen?«

Yalaba verneinte umgehend. »Ich möchte in der aktuellen Lage die Flottenführung nicht vernachlässigen. Darf ich dich umgekehrt einladen, mich zu besuchen?«

A-Kuatond kreuzte die Arme vor der Brust und neigte nun den ganzen Oberkörper um ein paar Grad. »Es wird mir eine Ehre sein.«

Sie beendete die Verbindung und stand auf. »Bereitet eine Transmitterverbindung vor!«

Rhodan griff nach ihrer Schulter. »Ich komme mit«, sagte er. »Du kannst ihr nicht trauen.«

»Ich weiß.« Sie dachte über das Angebot ihres Orbiters nach. Sie kannte ihn noch nicht lange, und in dieser kurzen Zeit hatten sie vielfältige Meinungsverschiedenheiten ausgetragen, die oft genug sogar in offene Kämpfe umgeschlagen waren.