Perry Rhodan Neo 122: Geboren für Arkons Thron - Kai Hirdt - E-Book + Hörbuch

Perry Rhodan Neo 122: Geboren für Arkons Thron E-Book und Hörbuch

Kai Hirdt

4,0

Beschreibung

Nachdem der Astronaut Perry Rhodan im Jahr 2036 auf dem Mond ein außerirdisches Raumschiff entdeckt hat, einigt sich die Menschheit – es beginnt eine Zeit des Friedens. Doch 2049 tauchen beim Jupiter fremde Angreifer auf. Es sind Maahks, die den Krieg gegen das Imperium der Arkoniden planen. Rhodan spürt dieser Bedrohung nach; es verschlägt ihn mit der CREST in den Leerraum außerhalb der Milchstraße. Dort schafft er es, Frieden mit der Roboterzivilisation der Posbis zu schließen. Doch als Rhodan in die Galaxis zurückkehrt, erlebt er einen fürchterlichen Krieg: Rund 100.000 Kampfraumschiffe der Maahks greifen das Arkonsystem an, unterstützt von arkonidischen Verrätern. Rhodan eilt seinem Freund Atlan und dessen Volk zu Hilfe. Die schlimmste Gefahr geht von den Verrätern aus. Ihr Anführer glaubt, er sei geboren für Arkons Thron ...

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 215

Das Hörbuch können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS

Zeit:5 Std. 47 min

Sprecher:Axel Gottschick

Bewertungen
4,0 (1 Bewertung)
0
1
0
0
0



Band 122

Geboren für Arkons Thron

Kai Hirdt

Nachdem der Astronaut Perry Rhodan im Jahr 2036 auf dem Mond ein außerirdisches Raumschiff entdeckt hat, einigt sich die Menschheit – es beginnt eine Zeit des Friedens. Doch 2049 tauchen beim Jupiter fremde Angreifer auf. Es sind Maahks, die den Krieg gegen das Imperium der Arkoniden planen.

Rhodan spürt dieser Bedrohung nach; es verschlägt ihn mit der CREST in den Leerraum außerhalb der Milchstraße. Dort schafft er es, Frieden mit der Roboterzivilisation der Posbis zu schließen.

Doch als Rhodan in die Galaxis zurückkehrt, erlebt er einen fürchterlichen Krieg: Rund 100.000 Kampfraumschiffe der Maahks greifen das Arkonsystem an, unterstützt von arkonidischen Verrätern. Rhodan eilt seinem Freund Atlan und dessen Volk zu Hilfe. Die schlimmste Gefahr geht von den Verrätern aus. Ihr Anführer glaubt, er sei geboren für Arkons Thron ...

Rettet Ishy Matsu!

Die Space-Disk schoss aus dem Hangar der CREST heraus. Rhodan legte wieder einmal ein Gewaltmanöver hin. Tim Schablonski im Kopilotensitz nahm es gelassen zur Kenntnis. Er hatte bereits einige Missionen lang Zeit gehabt, sich an den Flugstil des Protektors zu gewöhnen, der irgendwo zwischen risikofreudig und selbstmörderisch rangierte.

Im Augenblick hatten sie Perry Rhodans außerordentliche Pilotenfähigkeiten auch bitter nötig. Um sie herum wurde noch immer gekämpft, obwohl das Gros der Maahkflotte bereits geflohen war. Doch die im Arkonsystem ausharrenden Einheiten setzten ihr Zerstörungswerk unerbittlich fort. Sechs der Zweitausend-Meter-Maahkschiffe schossen mit allem, was die Bordwaffen hergaben, auf die Planetenoberfläche von Arkon I. Sie hatten Unmengen von Beibooten ausgeschleust, die Angriffe von Arkons verbleibender Schutzflotte auf die Riesenraumer abwehren sollten.

Als wären die kämpfenden Raumschiffe nicht genug, drifteten immer mehr Trümmer der Elysischen Welt auf Arkon I zu. Mit der Zerstörung dieses Halbplaneten hatten die Maahks ganze Arbeit geleistet. Seine Bruchteile würden in den nächsten Tagen auch Arkon I, II und III treffen und deren Planetenoberflächen weitgehend zerstören.

Zum Teil waren die Stücke groß wie Gebirgszüge. Das war kein Problem, solchen Teilen konnte die Space-Disk ausweichen. Andere Trümmer indes waren nicht viel größer als Murmeln, und die waren hochgefährlich. In der Ortung tauchten sie erst im allerletzten Moment auf, und wenn man so schnell in sie hineinflog, wie Rhodan die Disk gerade steuerte, brachten sie den Schutzschirm an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit.

Und das hieß: Der Einsatz, in den die vier Menschen und der Ilt gerade gingen, war eigentlich schierer Wahnsinn. Wieder einmal. Zu viele solcher Treffer in zu kurzer Zeit konnten leicht ihrer aller Ende bedeuten. Und bei den Ausweichmanövern sollten die Raumfahrer tunlichst nicht in das Querfeuer der Maahks geraten.

Tim sah zur Seite. Rhodan saß an der Steuerung, die Lippen fest zusammengepresst. Schweiß stand auf seiner Stirn. Niemand wagte zu sprechen, um ihn nicht in seiner Konzentration zu stören. Cel Rainbow und Tuire Sitareh saßen, genau wie Tim selbst, mit ernsten Gesichtern auf den Sesseln in der Zentrale. Gucky kauerte auf einem weiteren Sitz. Er schwieg ebenfalls – ein ziemlich ungewöhnliches Verhalten für den Ilt.

»Eine Minute, dann sind wir aus dem Gröbsten raus.« Rhodan zwang die Disk in eine weitere viel zu enge Kurve. Ohne die Andruckabsorber wären sie von den Beschleunigungskräften zerquetscht worden.

Auch so machte Tims Magen einen Satz. Eine Täuschung, sagte er sich. Nichts von den Kräften dringt zu dir durch. Dein Gehirn rechnet nur damit und spielt dir die Wirkung vor, die es erwartet.

Ob sie wirklich aus dem Gröbsten rauskamen, konnte man nach Tims Ansicht durchaus bezweifeln. Schließlich flogen sie auf eine Welt zu, auf der in wenigen Minuten genau die Planetentrümmer einschlagen würden, denen ihr Raumfahrzeug gerade mit wahnwitzigen Kapriolen auswich. Und sie hatten nicht die blasseste Ahnung, was auf Arkon I geschehen war. Sie hatten nur den Notruf der seit zwölf Jahren verschollenen Ishy Matsu aufgefangen. Nur ein SOS und den Namen in Morsezeichen. Welcher Gefahr Rhodans frühere Weggefährtin eigentlich ausgesetzt war, wussten sie nicht. Nur dass sie mitten ins Zentrum dieser Bedrohung flogen.

Ihre Ausweichmanöver hatten sie auf die Nachtseite von Arkon I geführt. Nun umrundeten sie den Planeten, um den Kristallpalast auf der Tagseite zu erreichen. Ungefähr von dort hatte Ishy – oder derjenige, der sich als Ishy Matsu ausgab – das Notsignal gesendet. Immer größere Teile der Zentralwelt das arkonidischen Imperiums wurden sichtbar. Während die terranische Space-Disk einen weiten Bogen zog und sich immer weiter zwischen die Sonne und den Planeten bewegte, wurde zunächst eine hell erleuchtete Sichel sichtbar, dann ging der Planet vor ihnen auf wie ein Mond im Zeitraffer.

Sie näherten sich rasant. Tim legte die Hand vor den Mund, um seine Fassungslosigkeit zu verbergen. Zwar waren die Raumfahrer noch viel zu weit von der Planetenoberfläche entfernt, um Einzelheiten zu erkennen. Sie hatten gerade den äußersten Rand der Mesosphäre erreicht, vielleicht achtzig Kilometer über der Oberfläche. Doch selbst aus dieser Höhe zeigte sich deutlich, dass Arkon I verwüstet war. Ganze Landstriche waren verbrannt. Über Gebieten von mehreren Hundert Quadratkilometern Größe lagen dichte Staubwirbel in der Luft. Hier mussten bereits erste Trümmer der Elysischen Welt niedergegangen sein und schwere Erdbeben ausgelöst haben. Und die größten Stücke waren noch auf der Reise. Tim konnte sich ausmalen, was geschehen würde, wenn diese Teile ihr Ziel fanden. Ein einziger großer Meteorit hatte auf der Erde einst die Dinosaurier umgebracht. Was hier im Arkonsystem herumflog, ließ jene Naturkatastrophe geradezu harmlos wirken.

»Ich gehe runter«, sagte Rhodan.

Tim fühlte sich auf einmal unglaublich erschöpft. Seit gut vier Monaten rasten sie nun von Krisenherd zu Krisenherd. Cel und er waren von Anfang an dabei gewesen, vom ersten Augenblick an, als fünf versprengte Maahkschiffe im irdischen Sonnensystem aufgetaucht waren und das Feuer eröffnet hatten. Seitdem hatten sie beide jede Schlacht in diesem Krieg geschlagen, sie hatten unzählige Male ihr Leben riskiert. Sie waren gefangen genommen worden, zum Teil gefoltert. Sie hatten Freunde verloren.

Und wofür?

Unter ihnen erstreckte sich eine verheerte Welt. Die CREST war zu spät gekommen. Die Menschen hatten den Angriff der Maahks nicht verhindern können, obwohl sie seit Monaten wussten, was die Wasserstoffatmer vorhatten. Nicht im Detail, natürlich. Aber dass die Maahks mit einer gewaltigen Flotte gegen Arkon zogen, war den Terranern seit einer halben Ewigkeit bekannt.

Und sie hatten nichts dagegen tun können.

Er sah hinüber zu Rhodan. Tim vermeinte, Tränen in den Augen des Protektors zu erkennen. Wie mochte es wohl für Rhodan sein? Tim hatte Arkon noch nie mit eigenen Augen gesehen. Rhodan aber war hier gewesen, im Herzen des Imperiums. Im Kristallpalast selbst. Er hatte sogar einen Sohn mit einer Arkonidin!

Tim erinnerte sich, wie begeistert er einst seinen Marschbefehl empfangen hatte. Einst – vor gerade mal vier Monaten. Die Versetzung auf das Raumschiff des Protektors, des größten Helden der Menschheit. Als er dann tatsächlich mit Rhodan selbst in den Einsatz gehen durfte, hatte Tim sich gefreut wie ein kleines Kind.

Mittlerweile waren sie auf zwanzig Kilometer herunter. Unter ihnen explodierte etwas. Eine kilometerhohe Feuersäule stieg empor. Tim glaubte, die Druckwelle zu spüren. Sicher nur eine Illusion, doch sie entsprach seinem Gemütszustand.

Sie hatten gekämpft und gelitten. Sie hatten alles getan, um genau das zu verhindern, was sich gerade unter ihnen abspielte. Sie hatten verloren. Er hatte verloren. Perry Rhodan hatte verloren.

»Oh mein Gott«, flüsterte der Protektor. Beschützer, so hieß sein Titel übersetzt. Arkon hatte er nicht beschützen können.

Die Space-Disk bremste ab, nur noch wenige Hundert Meter über der Oberfläche. Tim spürte abermals seinen Magen. Diesmal war jedoch keine plötzliche Änderung der Geschwindigkeit schuld.

Der Kristallpalast lag in Trümmern. Dieses Gebäude, das vermutlich in der ganzen Milchstraße bekannt war als das Symbol für Macht und Erhabenheit – es war vollständig zerstört. Kristallscherben, zum Teil mehr als hundert Meter groß, verteilten sich über ein Areal von über einem Quadratkilometer. Große Teile des ehemaligen Palastes brannten. Der Widerschein der Flammen brach sich vieltausendmal in den kristallinen Bruchstücken der eingestürzten Mauern. Die Maahks mochten mit ihrem Angriff ganze Arbeit geleistet haben. Aber selbst im Todeskampf blieb der Sitz der Imperatrice ein Monument von unvergleichlicher Schönheit.

»Ich spüre kein Lebenszeichen dort unten«, sagte Gucky leise. »Kein einziges denkendes Wesen.«

Waren wirklich alle Bewohner des Palastes bei der Katastrophe ums Leben gekommen? Konnte das tatsächlich sein? Und wenn ja: Wofür tat ihre Einsatzgruppe das dann alles? Was Tim gerade sah, war kein Wunder des Kosmos, wie man es sich als Mitglied von Rhodans Tross versprach. Das war einfach nur ein Verbrechen. Und sie hatten es nicht verhindern können.

Er horchte in sich hinein. Die Erschöpfung entsprang tief in seiner Seele. Noch vor wenigen Wochen hätte er vor Aufregung kein Auge zugetan, wenn man ihn losgeschickt hätte, um einen der legendären Mutanten zu retten oder das Rätsel um eine verschollene Weggefährtin des Protektors zu lösen.

Mittlerweile war es einfach nur ein Job.

Tim würde ihn erledigen. Aber den Glauben an einen tieferen Sinn hatte er verloren.

Rhodan landete die Space-Disk auf einem Raumhafen nahe der Ruine des Kristallpalastes. Die meisten Gebäude am Rande des Landefelds brannten oder waren bereits eingestürzt. Glücklicherweise sah man kaum Raumschiffwracks. Es waren auch fast keine Schiffe mehr in der Luft. Nur eine einzelne Leka-Disk flog noch die Horizontlinie entlang. Auf die Entfernung war sie nicht von der Space-Disk zu unterscheiden, mit der die Menschen gerade angekommen waren.

Das leere Landefeld beruhigte Tim ein wenig. Vielen Arkoniden war also die Flucht gelungen. Ob sie dabei viel weiter gekommen waren als bis in die Schussbahn der nächsten Maahkwalze, war allerdings nicht zu sagen.

»Warum hier?«, fragte Tuire. Das Entsetzen stand dem Auloren ins Gesicht geschrieben. Seine violetten Augen waren weit aufgerissen. Es verstärkte den fremdartigen Eindruck, der durch die Rabentätowierung auf seiner Stirn entstand. »Sollten wir nicht beim Kristallpalast ...?«

Rhodan schüttelte den Kopf. »Als wir Ishys Funkruf aufgefangen haben, war der Palast bereits zerstört. Von dort kann der Notruf nicht gekommen sein. Und hier beim Raumhafen steht wahrscheinlich das dem Palast nächste Hyperfunkgerät.« Er ließ den Blick über die Trümmerwüste schweifen. »Oder stand.«

»Keine Müdigkeit vorschützen!«, rief Gucky. »Wo war hier der Tower oder die Bodenstation oder wie immer das bei den Arkoniden heißt?«

Die Gruppe sah sich suchend um. Wir hätten Thora mitnehmen sollen, dachte Tim. Die ehemalige Kreuzerkommandantin der Arkoniden hätte gewusst, wie ein Raumhafen ihres Volks angelegt war. Aber Rhodan und Thora gingen nicht gern gemeinsam in Einsätze, seit ihr Sohn geboren war.

Dann hätte halt Thora statt Rhodan mitkommen müssen.

Tim riss sich zusammen. Sein Vorwurf war unfair. Rhodan hatte nicht wissen können, welche Situation sie hier antreffen würden.

»Das eingestürzte Gebäude dort.« Cel deutete auf eine Ruine, von der nicht viel mehr übrig geblieben war als die Grundmauern und ein kleiner Teil des Dachs. »Was sind das für Antennen?«

Tim aktivierte die Zoomfunktion seines Einsatzanzugs. Die Antennenreste sprangen auf ihn zu, als stünde er plötzlich nur noch wenige Meter entfernt. Das Metall war geborsten und zum Teil geschmolzen, dennoch konnte er den ursprünglichen Konstruktionszweck erkennen. »Das war ein Hypersender!«, rief er. »Wenn Ishy Matsu wirklich aus einem Gebäude heraus gefunkt hat, müsste es das gewesen sein!«

»Dann mal los, Kleiner!« Rhodan streckte Gucky seine Hand entgegen. Der Ilt schlug ein, dann angelte er mit der freien Hand nach Tims Rechter.

Sie teleportierten. Von einem Moment auf den anderen stand Tim wirklich nur noch wenige Meter von der Ruine entfernt. Der Schutt knirschte unter seinen Stiefelsohlen. Sekunden später sprang Gucky ein zweites Mal, um Cel und Tuire zu holen. Tim aktivierte die Anzugtastung, um Lebenszeichen unter den Trümmern zu entdecken. Die Positronik lieferte jedoch keine verwertbaren Ergebnisse. Das Gestein war weiterhin in Bewegung, und zahlreiche winzige, glimmende Brandherde verhinderten eine aussagekräftige Wärmemessung. Wenn unter den Trümmern noch jemand lebte, war er mit den Mitteln ihrer Anzüge nicht auffindbar.

War das überhaupt möglich? Tim konnte sich kaum vorstellen, wie man den Einsturz hätte überleben sollen. Andererseits: Auch bei Erdbeben auf der Erde wurden oft sogar Tage später Überlebende unter den Trümmern entdeckt. Aber ihr Einsatzteam hatte keine Tage. Niemand wusste, ob oder wann die Maahkwalzen über Arkon I dieses Gebiet ein weiteres Mal unter Feuer nehmen würden.

Als wäre ihre Lage nicht bescheiden genug, meldete sich Conrad Deringhouse mit der nächsten Hiobsbotschaft. »CREST an Team Rhodan«, plärrte seine Stimme aus dem Helmakustikfeld. »Ihr müsst euch beeilen. Ein ziemlich großes Trümmerteil driftet genau auf euren Standort zu. Wir kämpfen gegen die Maahks und können es nicht ...«

»Verstanden«, unterbrach Rhodan. »Wie lange?«

»Acht Minuten.« Deringhouse unterbrach die Verbindung. Mehr Worte waren nicht nötig, das hätte nur wertvolle Zeit gekostet.

Gucky erschien mit den beiden anderen Männern. Er wirkte leicht außer Atem.

»Jetzt schon erschöpft?«, fragte Rhodan besorgt.

»Es sind nicht viele Arkoniden auf dem Planeten«, sagte der Ilt. »Sehr viele müssen geflohen sein. Aber die, die noch hier sind, sind in heller Panik. Das schlägt einem ziemlich auf die Paragaben.«

»Klappt eine telepathische Ortung trotzdem? Spürst du jemanden unter den Trümmern?«

Gucky schloss eine Weile die Augen.

Tim sah auf den Countdown in seiner Helmanzeige. Sieben Minuten und zehn Sekunden, bis das Trümmerstück an ihrem Standort einschlagen würde.

»Dort!«, rief der Mausbiber. Er zeigte auf einen Schuttberg. »Halb bewusstlos. Ich spüre Schmerz und Angst. Wahnsinnige Angst.«

»Ishy Matsu?«, fragte Rhodan.

Gucky hob die Arme. »Keine Ahnung. Ich kriege keine klaren Gedanken heraus.«

»Wir graben!«, ordnete Rhodan an.

Sechs Minuten fünfzig.

Sie begannen die Arbeit. Mit den Kraftverstärkern ihrer Anzüge konnten sie die Steine schnell beiseitewuchten. Antigravfelder und Guckys Telekinese verhinderten ein Nachrutschen des Schutts. Wie tief lag wohl der Körper, den sie freilegen mussten? Die Zeit verging viel zu schnell. Das konnten sie nicht schaffen, nicht einmal mit Arkonidentechnik und Mutantenkräften. Ishy Matsu würde unter ihren Händen sterben. Ein weiterer sinnloser Tod an diesem rabenschwarzen Tag.

Tim schaufelte ohne Hoffnung weiter. Er fragte sich, was mit ihm geschehen war. Früher war er in Krisensituationen geradezu berauscht gewesen vom eigenen Adrenalin, hatte mit irrwitziger Geschwindigkeit auf neue Situationen reagieren können. Er hatte den Eindruck gehabt, die Welt um ihn herum würde sich in Zeitlupe bewegen. Im Moment sah er nur Stein um Stein zur Seite fliegen, ohne dass ihre Gruppe sichtbare Fortschritte machte.

Hinter ihnen rutschte ein weiterer Teil des Gebäudes ab. Dichter Steinstaub wehte um ihre Helme, sodass sie einander lediglich in der positronischen Darstellung im Helmvisier sehen konnten.

Auf einmal hielt Gucky inne. »Da ist noch jemand! Da drüben, bei dem Erdrutsch!«, rief er. »Jemand hatte gerade Schmerzen!«

Was sollten sie tun? An zwei Stellen graben? Sie waren ohnehin zu langsam. Wenn sie ihre Kräfte nun obendrein teilten ...

Während Tim noch überlegte, hatte Rhodan schon seine Entscheidung getroffen. »Gucky, hin! Mit Tuire und Mister Rainbow. Schaut, ob ihr schnell etwas ausrichten könnt. Wenn nicht, kommt zurück!«

Sie hatten nicht einmal mehr sechs Minuten, um die beiden Verschütteten zu befreien und zu ihrer Space-Disk zurückzukehren.

Gucky tauchte wieder auf. »Die andere Fundstelle ist relativ stabil. Cel und Tuire kommen dort allein zurecht.«

Tim hörte die Ansage mit Erleichterung. In den Sekunden, als der Mausbiber fortgewesen war, war ein halber Zentner Steine nachgerutscht und hatte die Arbeit einer halben Minute zunichtegemacht. Tim und Rhodan brauchten Gucky dringend, um ihre Grabungsstelle telekinetisch zu stabilisieren. Im allergrößten Notfall musste der Ilt die gesamte Steinmenge auf einmal anheben. Doch damit riskierten sie den kompletten Zusammenbruch der instabilen Geröllhaufen, sodass der oder die hier Begrabene vielleicht nicht gerettet, sondern zerquetscht würde.

Die Wärmemessung in Tims Helmanzeige schlug an. War das Körperwärme? Kamen sie dem Eingeschlossenen näher?

Gucky richtete sich auf. »Cel und Tuire sind an der richtigen Stelle. Sie haben Ishys Kopf freigelegt.«

»Ist sie bei Bewusstsein?« Rhodan sah nicht hoch, sondern schaufelte unbeirrt Steine beiseite.

Gucky verneinte. »Sie brauchen noch etwas Zeit, um sie ganz herauszubekommen. Sie ist unter einem Träger eingeklemmt.«

»Brauchen sie Hilfe?«, fragte Tim. »Soll ich ...«

»Sie bleiben hier!«, befahl Rhodan. »Du auch, Gucky. Sonst schaffen wir es hier nicht mehr.«

Tim fühlte sich schwindlig. Vier Minuten noch. Wenn sie ihre Kräfte bündelten, könnten sie Ishy retten. Wenn sie weiter an zwei Stellen gruben, starben vielleicht beide Verschütteten.

Guckys Augen weiteten sich.

»Was ist?«, fragte Rhodan sofort.

»Wer hier begraben liegt, hat uns gerade bemerkt. Er ...« Der Ilt zeigte eine gequälte Miene. »Sie. Es ist eine Sie. Hier liegt ein kleines Mädchen verschüttet.«

Tim verdoppelte seine Anstrengungen. Er grub wie ein Besessener. Rhodan ebenso. Gucky dirigierte sie. Er konnte das Mädchen nun besser spüren und hatte eine ziemlich genaue Ahnung, wo sich ihr Kopf befinden musste. Sie hatten noch drei Minuten, um anderthalb Meter Geröll abzutragen.

In aller Vorsicht hob Gucky telekinetisch einen armdicken Luftkanal aus. Der Kopf des Mädchens lag in einem Hohlraum, doch ihre Luft war so gut wie verbraucht.

Sinnlos, dachte Tim. Entweder wir kriegen sie heraus, oder ... Vor seinem geistigen Auge erschien der Steinbrocken, der bald auf das Landefeld herabtosen würde. Tim wusste nicht, wie groß das von Deringhouse angekündigte Fragment war. Doch nicht weit von hier war ein ganzer Planet explodiert. Schon ein Trümmerteil von der Größe eines Hauses reichte, um eine Zone von mehreren Quadratkilometern Fläche völlig zu verwüsten. Wenn es schnell genug war, konnte es sogar den ganzen Planeten vernichten. Falls sie das Mädchen also nicht rechtzeitig ausgraben konnten, würde es gewiss nicht an Luftmangel sterben.

»Moment mal«, murmelte Gucky.

»Was ist los?«, fragte Rhodan. Er unterbrach die Arbeit keine Sekunde.

Gucky konzentrierte sich. »Sie will, dass wir gehen. Sie will nicht ...«

»Was?«, fragte Tim. Zwei Minuten. Ein großer Schatten fiel auf ihn. Voller Panik fuhr er auf und sah in den Himmel. Doch es war nur eine Wolke, die vor die Sonne gezogen war.

»Sie will uns nicht sehen«, sagte der Ilt. »Sie glaubt, wir gehören zu den Robotern.«

Cel und Tuire stießen zu ihnen. Sie trugen gemeinsam eine bewusstlose Asiatin in einem zerrissenen Kleid und Stiefeln. Ein Absatz war abgebrochen. Die Farbe ihres Kleids war unter dem Steinstaub nicht zu erkennen. Es war dunkel, vielleicht grün oder schwarz.

»Wie geht es ihr?«, wollte Rhodan wissen.

»Bewusstlos«, meldete Cel. »Verletzt, aber nicht lebensgefährlich. Muss auf die Medostation. Was ist hier los? Was für Roboter?«

»Dort unten ist ein Mädchen verschüttet«, antwortete Gucky. »Sie hat sich vor Robotern versteckt ...« Wieder zögerte er.

Noch eine Minute.

»Sie wurden von Kampfrobotern angegriffen. Die Kleine hat sich versteckt und musste mit ansehen, wie die Roboter ihre Eltern zusammengeschossen haben.«

Trotz der Anstrengung lief es Tim eiskalt den Rücken hinunter. Erneut fiel ein Schatten auf ihn. Wieder sah er hoch, und dieses Mal war es keine Wolke.

»Tief genug!«, rief Gucky. »Den Rest mach ich!«

Tim fühlte sich telekinetisch angehoben und beiseitegesetzt. Die letzte Steinschicht stieg aus ihrer Grube, ungefähr vierzig Zentimeter Geröll. Und darunter tatsächlich eine kleine Arkonidin. Sie war vielleicht sieben. Ihre Stirn und ihre Wangen waren blutverschmiert, so rot wie die Iriden ihrer Augen. Sie hielt ein verstaubtes Stofftier umklammert.

»Nein!«, schrie sie. »Nein! Lasst mich! Ich will zu meinen Eltern!«

Gucky zog sie und Rhodan zu sich, dann teleportierte er. Mit dem nächsten Sprung transportierte er Cel und Ishy Matsu. Als Letztes holte er Tuire und Tim selbst. Als sie in der Zentrale der Space-Disk materialisierten, startete Rhodan bereits.

Tim sah nicht, wie das Trümmerstück in den Raumhafen einschlug, auf dem er sich vor fünf Sekunden noch aufgehalten hatte. Doch er hörte die Explosion, und er sah den Feuerball, der die Fliehenden erreichte und die Schirme ihrer Space-Disk umfing.

Das Einsatzteam flog schweigend zurück zur CREST. Die aus dem Schutt Befreiten waren beide bewusstlos. Der Rest der Gruppe stand noch zu sehr unter dem Eindruck des gerade Erlebten.

Tim sah, dass seine Hände zitterten. Eine Schockreaktion, dachte er. So viel zu »Ich spüre kein Adrenalin mehr«. Wann war das passiert? Wann war er aus seiner seltsam resignierten Stimmung in den Einsatzmodus übergewechselt?

Als Gucky das von dem Kind gesagt hat, fiel es ihm ein. Als mir klar wurde, dass ich das hier nicht für Perry Rhodan tue, sondern um ein Kind zu retten.

Er fühlte sich ganz leicht, als er das begriff. Er begann sogar, leise zu lachen. Er war ein Idiot. Wie hatte er an seiner Aufgabe zweifeln können? Perry Rhodan war scheißegal, die Geschichtsbücher waren scheißegal. Jeder Tag, an dem Tim Schablonski ein Leben rettete, war ein guter Tag – selbst wenn sonst im Universum nur Mist passierte.

Er stand auf und schlenderte zur Panzerglassitkuppel der Space-Disk, um ins All hinauszuschauen. Noch immer waren Raumschiffe im Gefecht, aber es kümmerte ihn nicht. Im Augenblick fühlte er sich unbesiegbar. Rhodan würde sie schon heil zurück auf die CREST bringen.

Neben Guckys Sitzplatz blieb er stehen. Er tippte dem Ilt auf die Schulter. »Das haben wir gut gemacht, oder?«

Gucky zuckte zusammen. Er war wohl völlig in Gedanken verloren gewesen. Er schaute zu Tim hoch, dann drehte er den Kopf zu Ishy und dem arkonidischen Mädchen. Tuire und Cel kümmerten sich gerade um die beiden.

Gucky sah noch einmal ins All hinaus, dann nickte er Tim zu. Nun zeigte der Ilt ein kleines Lächeln.

»Ja«, sagte er leise. »Wir waren gut. Wir haben zwei Leben gerettet.« Der Telepath zwinkerte Tim zu, grinste und tippte sich sacht an die Schläfe. »Selbst wenn sonst im Universum nur Mist passiert.«

Hatte Gucky also wieder einmal in Tims Gedanken gestöbert. Tim war viel zu gut gelaunt, um sich darüber aufzuregen.

Der Neid der Götter

»Rhodans Disk hat ausgeschleust!«

Conrad Deringhouse nahm die Meldung zur Kenntnis. Es war nur eine von Hunderten, und fast alle hatten höchste Priorität. Diese eine bedeutete eine Sorge weniger. Rhodans Rettungsmission verließ gerade das unmittelbare Umfeld der CREST und musste bei Manövern bald nicht mehr berücksichtigt werden.

Nun konnte sich Deringhouse voll auf die anstehende Aufgabe konzentrieren: Es galt, weitere Zerstörungen im Arkonsystem zu verhindern. Die Elysische Welt war bereits vernichtet – die verdammten Maahks hatten den ganzen Planeten zerstört! Naat hatten sie unbewohnbar gemacht. Derzeit versuchten sie dasselbe mit Arkon I. Sechs ihrer Riesenschiffe, dieser zwei Kilometer langen Walzen unter ihren fast unzerstörbaren Hochenergie-Überladungsschirmen, feuerten aus allen Rohren auf die Planetenoberfläche.

Deringhouse verstand nicht, was die Maahks dazu trieb. Die seltsamen Sonnenfeuerwerfer auf den drei Iprasamonden hatten den Großteil der Angreiferflotte in die Flucht geschlagen. Seit diese Wunderwaffen ihr Feuer jedoch eingestellt hatten, attackierten die verbliebenen Wasserstoffatmer mit noch wilderen Angriffen als zuvor. Blinder Zorn war für Deringhouse die einzige mögliche Erklärung, denn, so bitter diese Erkenntnis war: Auch ohne diese Angriffe war Tiga Ranton längst am Ende. Das Dreieck aus den Planeten Arkon I, II und III lag genau in der Flugbahn vieler Bruchstücke, die nach der Sprengung der Elysischen Welt ins All hinaustrieben. Es mochte den paar restlichen Schiffen der Arkonidischen Flotte gelingen, die wirklich großen, planetenvernichtenden Teile zu zerstören oder abzudrängen. Doch eine ordentliche Menge kleinerer Stücke würde die drei Welten treffen. Waren sie dabei schnell genug, würden sie die Explosionsenergie von Atombomben entfalten.

»Die Maahks ändern ihre Position. Sie haben uns bemerkt.« Major Schimon Eschkols Stimme blieb völlig ruhig. Der Mann an der Funk- und Ortungsstation war ein erfahrener Profi.

»Sieht das für Sie nach einem Angriff aus?«, fragte Deringhouse.

»Bisher nicht.« Eschkol starrte konzentriert in seine Holos. Er hatte die Augen zusammengekniffen. »Sie schießen weiter auf den Planeten. Uns nehmen sie bisher nicht ernst, sie verlassen sich auf ihre HÜ-Schirme.« Eschkol zuckte die Achseln. »Von den neuen Standorten aus können zwei ihrer Großschiffe uns schneller angreifen, falls wir ihnen doch lästig werden sollten.«

Deringhouse sah auf das Holo. Das Manöver der Maahks hatte dafür gesorgt, dass die Wasserstoffatmer nicht mehr auf das Areal um den Kristallpalast feuern konnten. Stattdessen schossen sie nun auf andere Ballungszentren.

»Dann gehen wir ihnen mal ein wenig auf die Nerven!«, beschloss er. »Dafür sind wir hier. Major Lesch, sind wir bereit?«

Die Offizierin am Waffenleitpult zwirbelte nervös an einer Strähne ihres langen, blonden Haares. »Das Flottenhandbuch sagt Nein, Sir«, meldete sie schließlich. »Wir fliegen mit einer ungetesteten Waffe in eine Raumschlacht.«

»Vergessen Sie das Handbuch!«, erwiderte Deringhouse. »Das habe zu großen Teilen ich geschrieben. Ich füge später einen passenden Abschnitt ein.«

»Unter diesen Umständen sind wir bereit, Sir.« Dimina Lesch waren ihre Zweifel noch immer anzuhören.

»Dann los!«, befahl Deringhouse. »Wir fliegen tangential an Arkon I vorbei und geben eine Testsalve ab. Wir beobachten die Wirkung und ziehen uns sofort zurück.«

Auch dieses Manöver stand nicht im Flottenhandbuch. Die Menschen gaben damit ohne Not den Überraschungseffekt auf, den ihnen die von den Posbis erhaltene Waffe verschaffte. Aber wenn die auf der CREST installierte Transformkanone dieselbe Vernichtungswirkung hatte wie jene auf den Raumschiffen der positronisch-biologischen Roboter, konnten die Terraner auf die Überraschung pfeifen. Und wenn nicht, taten sie gut daran, sich schnell in Sicherheit zu bringen.

»Atlan funkt uns an«, meldete Eschkol.

»Manöver abbrechen! Wir stimmen uns erst ab.« Deringhouse ließ Eschkol die Verbindung mit Atlan durchschalten. Der Befehlshaber der arkonidischen Verteidigungsflotte erschien als lebensgroßes Hologramm vor dem Kommandanten der CREST.

»Wir testen die Transformkanone.« Deringhouse verzichtete auf jedes Begrüßungsgeplänkel. »Welche Unterstützung können Sie uns geben?«

»Wenig«, sagte Atlan. »Ich wurde meines Amtes enthoben.«

Das war eine schlechte Nachricht, aber angesichts der katastrophal gescheiterten Verteidigung des Systems sogar nachvollziehbar. Das war Atlans Zuständigkeitsbereich gewesen. Dass die Niederlage zu großen Teilen auf Verrat gründete, half ihm nicht, sich von der Verantwortung reinzuwaschen.

»Wer koordiniert stattdessen die Flotte?«, fragte Deringhouse.

»Niemand«, antwortete Atlan. »Die Imperatrice hat Selbstmordangriffe befohlen und ist danach geflohen. Und der Führungsstab mit ihr. Die Arkoniden, die noch hier sind, sind auf sich allein gestellt.«

»Ist niemand als Kommandant hier ...«

»Wahrscheinlich tot«, fiel Atlan ihm ins Wort. »Es gibt niemanden mit gültigen Kodes für den Gesamtbefehl.«

Das war eine sehr schlechte Nachricht. »Was haben wir?«, fragte Deringhouse. Er schob Atlans Hologramm beiseite, um die Position der sechs großen Maahkschiffe zu betrachten. Sie ignorierten die CREST nach wie vor.

»Ich habe noch vierhundertacht Robotkorvetten«, gab Atlan Auskunft. »Das müsste für einen der Maahkriesen reichen.«

»Wir setzen die Transformkanone ein. Erst mal ein Test im Vorbeiflug.«

»Gut«, sagte Atlan. »Ich bringe die Korvetten in Position. Bei Ihrem ersten Anflug nach dem Testlauf greife ich ein.« Der Arkonide beendete die Verbindung.