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Es ist Frühling in Italien und das Liccardi Resort erwartet seine neuen Gäste. Carlo, der erst kürzlich die Leitung des Familienunternehmens übernommen hat, kehrt von einer Dienstreise nach Hause zurück. Auf dem Flughafen wird er auf Susann aufmerksam, die ihn sofort in ihren Bann zieht. Als sich herausstellt, dass sie gemeinsam mit ihrer Tochter vier Wochen Urlaub im Liccardi Resort verbringen wird, lässt er keine Gelegenheit aus, um in ihrer Nähe zu sein. Auch Susann fühlt sich von Anfang an zu Carlo hingezogen, doch nach der Scheidung von ihrem Mann fehlt ihr der Mut, erneut an die Liebe zu glauben und auf ihr Herz zu hören. Erst als sich die Ereignisse am Tag ihrer Abreise zuspitzen, trifft sie eine Entscheidung, die ihr Leben verändert. Dies ist die Vorgeschichte zum bereits erschienen Buch "Bitte bleib bei mir" und Start der Reihe um die Familie Liccardi, erschienen bei BoD.
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Seitenzahl: 252
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Willkommen im Liccardi Resort in Italien in der Nähe von Venedig. Ein traumhafter breiter Sandstrand erstreckt sich zwischen zwei Leuchttürmen an der Mittelmeerküste. Der Campingplatz, die Einkaufsmall und das Hotel liegen malerisch am Rande eines Pinienwaldes. In den Sommermonaten ist schnell alles ausgebucht im Hotel und auch auf dem weitläufigen Campingplatzgelände. Jeder möchte seinen Urlaub in dieser sagenhaften Umgebung verbringen. Zahlreiche lauschige Bars und Lokale laden zum Erholen ein. In einiger Entfernung zum Resort liegt die italienische Kleinstadt Ca´Sogno mit kleinen, familiären Cafés, einer Fußgängerzone und Boutiquen. In der nahen Umgebung des Resorts liegen in der ländlichen Idylle die kleinen Höfe von Gemüsebauern. Schmale Straßen führen in eine abgeschiedene Lagunenlandschaft in der Nähe von Venedig. Fischer fahren in den frühen Morgenstunden hinaus aufs Meer und kehren gegen Mittag mit ihrem Fang zurück, um ihn direkt frisch in der Mall zu verkaufen. Urlauber verbringen ihre Zeit an diesem heimeligen Ort und vergessen unter der warmen Sonne Italiens den Alltagsstress. Mittendrin die Familie Liccardi, nicht immer einer Meinung, doch in schwierigen Zeiten immer zusammenhaltend, bieten sie ihren Gästen einen paradiesischen Ort zum Entspannen.
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Kapitel
Epilog
Nachwort
»… In wenigen Minuten beginnen wir mit unserem Landeanflug auf Venedig. Wir bitten Sie nun, sich anzuschnallen und Ihre elektronischen Geräte auszuschalten. Bitte bringen Sie Ihren Sitz in eine aufrechte Position und klappen Sie die Tische hoch. Vielen Dank! Ladies and Gentlemen in just a few minutes …« Carlo lauschte den Anweisungen nur mit einem Ohr wie nebenbei. Er hatte sich schon vor einer Weile zur Landung bereit gemacht. Wieder zu Hause! Gab es etwas Schöneres? Das Flugzeug setzte sacht auf und Carlo folgte den anderen Fluggästen zur Gepäckhalle. Während er vor dem Gepäckband stand, blickte Carlo auf sein Smartphone. Zwei eingegangene Anrufe während der Zeit, in der er in der Luft gewesen war. Seine Nonna Michela hatte versucht, ihn zu erreichen. Sie hatte sicher wissen wollen, ob er sich etwas Bestimmtes zum Essen wünschte, aber alles, was sie kochte, schmeckte ausgezeichnet, daher rief Carlo nicht sofort zurück. Der zweite Anruf war von der Rezeption des Liccardi Resorts. Während er auf seinen Koffer wartete, konnte er diesen Anruf noch schnell erledigen. Carlo hielt sich das Smartphone ans Ohr und sah zum ersten Mal auf. Die meisten Passagiere, die, wie er, nach Venedig geflogen waren, schienen auf dem Weg in den Urlaub zu sein. Sie waren guter Laune und Carlo fand diese Ferienstimmung ansteckend. Das Freizeichen ertönte und Carlos Blick fiel auf eine Frau, die wohl ebenfalls im Flugzeug gewesen sein musste, denn sie wartete am selben Gepäckband wie er. Die Frau war wunderschön und Carlo stellte peinlich berührt fest, dass er sie einige Sekunden sprachlos angestarrt hatte.
»Rezeption Liccardi Resort Venezia. Sie sprechen mit Matteo«, meldete sich die Stimme des jungen Rezeptionsangestellten.
»Ciao, Matteo. Hier ist Carlo Liccardi.«
»Signor Liccardi, ich hatte versucht, Sie zu erreichen. Sind Sie noch am Flughafen?«, fragte Matteo.
»Ja, ich bin eben gelandet, wieso, was gibt es?«
»Lorenzo wollte mit dem Auto zwei Gäste vom Flughafen abholen, aber er hat mich vor einigen Minuten angerufen. Das Auto ist kaputtgegangen, der Motor springt einfach nicht mehr an. Könnten die Gäste vielleicht bei Ihnen mitfahren?«
»Natürlich, ich gebe dem Fahrer Bescheid. Hast du die Namen der Gäste?«
»Ja, einen Moment.« Carlo hörte, wie Matteo kurz etwas eintippte. »Eine Frau Susann Haas mit ihrer Tochter Emilie. Sie müssten im selben Flugzeug wie Sie gewesen sein.«
»In Ordnung, ich weiß Bescheid. Sollen wir Lorenzo irgendwo abholen, oder wo ist das Auto denn liegen geblieben?«
»Direkt an der großen Kreuzung in Ca´Sogno. Anscheinend konnten Sie den Wagen gleich zu Davide in die Werkstatt bringen.«
Lorenzo war ein langjähriger Angestellter der Familie und wohnte in Ca´Sogno. »In Ordnung, dann müssen wir ihn nicht mitnehmen. Danke für deinen Anruf Matteo, bis gleich.«
Das Gepäckband förderte die ersten Koffer und Taschen zutage und Carlo hatte Glück: Sein Koffer war einer der Ersten. Er beschloss, schon zur Ankunftshalle zu gehen, wo sein Chauffeur wartete und wo auch Lorenzo für gewöhnlich die Gäste des Resorts abholte. Carlo begrüßte den Chauffeur und bat ihn, das Schild mit der Aufschrift Liccardi Resort aus dem Auto zu holen. Carlo nahm es und hielt es hoch.
»Das kann ich gerne machen, Signor Liccardi, Sie können sich schon ins Auto setzen.«
»Nicht nötig, ich merke eben, dass ich noch keinen unserer Gäste persönlich vom Flughafen abgeholt habe. Das ist schon seltsam.« Viele Passagiere gingen an Carlo vorbei und er merkte selbst, dass er gespannt war auf Signora Haas und ihre Tochter. Die blonde Schönheit aus dem Flieger hatte nun ebenfalls ihr Gepäck bekommen. Sie zog zwei Rollkoffer hinter sich her und trug zudem einen Rucksack. Die Dame blieb wohl ein paar Wochen länger in Italien. Sie hielt inne und drehte sich um. Carlo sah, wie sie mit jemandem sprach. Dann tauchte ein kleines Mädchen neben ihr auf. Das Mädchen trug einen kleinen Rucksack, hatte ihr blondes Haar in zwei Zöpfe geflochten und sah kaum älter als sechs oder sieben Jahre aus. Unübersehbar die Tochter der Frau. Die Frau sah sich suchend um und Carlo widerstand dem Drang zu winken. Wobei, die Chance, dass es sich bei ihr um Signora Haas handelte, war nun doch recht hoch. Carlo ging einen Schritt auf die Frau zu. Sie bemerkte ihn, ihr Blick flog auf das Schild in seiner Hand und sie begann zu lächeln. Carlo ging ihnen entgegen.
»Frau Haas?«, fragte Carlo auf Deutsch. Er hatte während der Messe in Hannover genügend Deutsch gesprochen und da er in den ersten vier Jahren seines Lebens mit seiner Mutter ebenfalls deutsch gesprochen hatte, fühlte er sich in dieser Sprache heimisch, obwohl ihm das Italienische noch näher war.
»Buongiorno. Si, sono io. E questa è mia figlia Emilie.«
»Buongiorno«, sagte nun auch die Kleine. Damit hatte Carlo nicht gerechnet. Die Dame sprach wohl recht gut Italienisch und ihre Tochter vermutlich ebenso. Carlo nahm ihr die Koffer aus der Hand und beschloss, mit den zweien italienisch zu reden.
»Sie sprechen sehr gut Italienisch«, sagte Carlo anerkennend.
»Ich habe im Hotelbereich gearbeitet oder besser gesagt, ich war dort aus familiärer Sicht sehr eingespannt. Da kommen dann einige Sprachen zusammen. Dafür war ich in Mathe immer eine Niete. Mir liegen die Sprachen mehr, das habe ich auch an meine Tochter Emilie so weitergegeben. Ihr Vater ist Italiener, sie hatte die Möglichkeit, zweisprachig aufzuwachsen.« Carlo sah Signora Haas von der Seite an. Das hatte er sich schon gedacht, dass sie verheiratet war. Die Signora war recht groß, sodass sie trotz ihrer flachen Schuhe nur einen halben Kopf kleiner war als er. Sie trug ihre hellblonden Haare kinnlang und Carlo konnte an ihrer Halskette einen Ring erkennen. Das gab es ja öfter, dass Ehepaare ihre Ringe nicht am Finger, sondern an Halsketten trugen. Der Chauffeur und er verstauten das Gepäck im Kofferraum der Limousine. Carlo stieg vorne neben dem Fahrer ein, hielt aber vorher Susann und Emilie die Tür auf.
»Wie sagten Sie noch einmal, heißen Sie?«, fragte die Signora, als der Chauffeur den Wagen vom Gelände des Flughafens fuhr.
»Verzeihung, ich glaube, ich hatte mich gar nicht vorgestellt. Mein Name ist Carlo Liccardi.«
»Dann gehört das Resort Ihnen?«, fragte Susann überrascht.
»Ja, meiner Familie. Ich habe vor wenigen Wochen meinen Vater als Resortchef abgelöst. Was natürlich nicht heißt, dass er sich zur Ruhe gesetzt hätte, es war der traditionelle Generationswechsel in der Firmenleitung.«
»Ich bin überrascht. Und da schaffen Sie es, alle Ihre Gäste persönlich abzuholen?« Carlo und auch der Chauffeur mussten lächeln.
»Nein, das ist nur ein Zufall, wobei ich merke, dass es hin und wieder wohl ganz angenehm wäre, wenn ich die Fahrer begleite.«
Susann entgegnete darauf nichts. Meinte er, es wäre angenehmer, weil er dann die Gäste des Resorts generell kennenlernen würde, oder hatte er speziell auf sie anspielen wollen? Aber das war ja abwegig. Sie hatten sich gerade erst kennengelernt und da Carlo ein wirklich attraktiver Mann war, machte es diesen Gedanken noch törichter.
»Mama, gehen wir als Erstes an den Strand?«, fragte Emilie sie plötzlich.
»Hast du keinen Hunger, Schatz? Ich dachte, wir essen vielleicht erst eine Kleinigkeit.«
»Na gut, aber danach gehen wir sofort zum Strand.« Susann sah ihrer Tochter die Freude, bald am Meer zu sein, deutlich an. Gedankenverloren blickte Susann aus dem Fenster, sie hatten Venedig hinter sich gelassen und fuhren auf einer breiten Straße Richtung Ca´Sogno. Ein kleines Städtchen direkt am Meer gelegen und in geringer Entfernung zum Resort. Ihr Blick fiel schließlich auf Carlo. Er saß auf dem Beifahrersitz und so konnte sie sein Gesicht nicht sehen, doch da war vorhin etwas gewesen. Susann wusste nicht, ob es Carlo ebenso ergangen war, doch sie hatte das Gefühl gehabt, dass sie sich schon einmal begegnet waren.
»Scusi, Signor Liccardi, ich habe eine Frage«, begann Susann schließlich. »Sie kommen mir irgendwie bekannt vor, sind wir uns schon einmal begegnet?« Carlo drehte sich zu ihr um.
»Ich denke ebenfalls schon die ganze Zeit darüber nach, aber ich komme nicht darauf, wo wir uns schon einmal gesehen haben könnten. Aber ich hatte vorhin auch das Gefühl, Sie zu kennen.« Susann betrachtete Carlo nachdenklich. Er war wirklich ein attraktiver Mann, einen halben Kopf größer als sie und hatte dunkle Haare, grüngraue Augen und einen Drei-Tage-Bart. Susann schätzte ihn auf Ende 30 und fand das Anziehendste an ihm waren die feinen Lachfältchen um seine Augen, die ihm eine unglaublich charmante und sympathische Art verliehen. Wo hatte sie diesen Mann schon einmal gesehen? Sie müsste sich doch daran erinnern können?!
Susann lächelte Carlo entschuldigend an. »Verzeihen Sie, ich komme nicht darauf, woher ich Sie kenne, Signor Liccardi.« Carlo war verzaubert von diesem unbeschwerten Lächeln, das Susann umwerfend aussehen ließ. An diese Frau solltest du dich wirklich erinnern können, schalt Carlo sich. Generell versuchte er sich, seit er die Leitung des Resorts von seinem Vater Edmondo übernommen hatte, die Gesichter und Namen der Gäste, die er kennenlernte, zu merken. Carlo empfand es als größtes Lob, wenn Gäste zufrieden waren und ihren Urlaub immer wieder im Resort verbrachten und oft schon bei der Abreise eine Buchung für das nächste Jahr vornahmen. Es gab nicht wenige, die mittlerweile über Wochen blieben und hier fast schon eine zweite Heimat gefunden hatten. Es war gleichzeitig die Bestätigung, dass der hohe Standard, den die Liccardis an das Personal und an sich selbst stellten, zu Recht so anspruchsvoll war.
»Waren Sie schon einmal bei uns im Resort?«, fragte Carlo, doch er glaubte, die Antwort darauf bereits zu kennen.
»Nein, noch nie. Meine Tochter und ich sind schon sehr gespannt. Wir haben den Urlaub von meiner Mutter geschenkt bekommen.«
»Ich möchte unbedingt den Strand sehen und mit einem Tretboot fahren. Und Mama hat gesagt, es gibt einen Kurs für Kinder, wo man Einrad fahren und Jonglieren lernen kann. Das will ich auf jeden Fall machen!« Emilie sprach wirklich sehr gut Italienisch und sie war ein aufgewecktes Kind. Carlo erinnerte sie in ihrer Art sehr an seine Schwester Katie, wie sie als Kind gewesen war. Voller Tatendrang und immer bereit, alles Mögliche zu lernen und auszuprobieren.
»Wir haben auch noch einen speziellen Kindertauchkurs, aber ich denke, da bist du noch etwas zu jung«, sagte Carlo, als im einfiel, dass der Kurs erst für Kinder ab acht Jahre geeignet war.
»Den kannst du dann übernächstes Jahr machen, wenn wir nochmal kommen«, sagte Susann und strich ihrer Tochter über den Kopf.
»Oma hat uns einen Bungalow direkt am Strand gebucht«, verkündete nun Emilie und sah Carlo begeistert an.
»Nicht direkt am Strand, Schatz. Aber sehr nah dran«, berichtigte Susann.
»Und wie lange bleibt ihr«, fragte Carlo an Emilie gewandt.
»Vier Wochen, oder, Mama?«, fragte Emilie mit einem Seitenblick zu ihrer Mutter. Susann nickte.
»Ein Monat, das ist ideal, dann sind Sie auch noch die ersten zwei Wochen im Mai hier, da ist es meist schon etwas wärmer und weniger regnerisch als im April. Zurzeit sind noch nicht so viele Gäste hier, wie dann später in der Hochsaison.«
»Das hatte ich gehofft und meine Mutter hatte das wohl auch im Sinn, als sie uns diesen Urlaub gebucht hat.« Susann dachte an das Gespräch mit ihrer Mutter.
»Ich kann das nicht annehmen, Mutter. Vier Wochen im Liccardi Resort für Emilie und mich, das kostet doch viel zu viel und wie soll ich dir das zurückzahlen, ich muss mich jetzt erst nach einem neuen Job umsehen«, hatte sie gesagt und abwechselnd von der Buchungsbestätigung zu ihrer Mutter gesehen. Vier Wochen Entspannung, nur für sie und Emilie, das hatte wie ein Traum geklungen. Nach der ganzen Anstrengung in der letzten Zeit, nach dem Scheidungsstress mit ihrem inzwischen Ex-Mann hatte sich das angefühlt wie ein Ausblick auf ein »zur Ruhe kommen«.
»Keine Widerrede, Susann. Du verbringst jetzt ein bisschen entspannte Zeit mit deiner Tochter, nach diesen letzten Monaten habt ihr das wirklich verdient. Es war nicht leicht für euch.«
Und so saßen sie und Emilie nun hier in diesem schicken Auto und fuhren vier entspannten Wochen entgegen. Für Susann war es fast schon egal, ob es regnete oder die Sonne schien, einfach das alte Leben hinter sich lassen. Die negativen Gefühle, die sie die letzten Wochen und Monate ausgefüllt hatten, wollte sie nun ablegen, um sich voll und ganz auf ihre Tochter zu konzentrieren.
Carlo erkannte, dass Susann tief in Gedanken versunken war. Ihre Gedanken ließen sie auf einmal etwas schwermütig wirken und es tat ihm leid, als er diesen Wechsel fast spüren konnte. Die heitere Stimmung war gewichen und ein dunkler Schatten hatte sich auf ihr Gesicht gelegt. Carlo sah wieder nach vorne auf die Straße. Inzwischen waren sie in Ca´Sogno. Da durchbrach die Sonne plötzlich die Wolkenbank und strahlte mit ungewohnter Stärke auf die kleinen Eisdielen und Geschäfte, die entlang der Hauptstraße, die sich durch den Ort schlängelte, lagen. Am Ortsende von Ca´Sogno wurden die Häuser links und rechts nun von ein paar Feldern, auf denen im Mai der Mohn blühen würde, verdrängt. Die ersten Blüten spitzten bereits hervor und hinter den Feldern konnte man an der rechten Straßenseite die Lagune erkennen. Wie lange Finger ragte das Meer hier in das Land und schien sich dieses Schritt für Schritt zu eigen machen zu wollen. Sie fuhren entlang der Lagune und der Streifen aus Wasser wurde immer breiter. Schließlich bog der Fahrer nach links ab und fuhr auf das Eingangstor des Liccardi Resorts zu. Carlo spürte, wie ihm das Gefühl von Heimat, das er jedes Mal bekam, wenn er von einer Reise zurückkehrte, fast den Atem raubte.
Die Limousine hielt direkt vor der Rezeption und Carlo half dem Fahrer, das Gepäck von Susann und ihrer Tochter aus dem Kofferraum zu holen. Zusammen trugen sie es zur Rezeption.
»Buongiorno, Signor Liccardi, schön, dass Sie wieder hier sind.«
»Ciao, Matteo. Ich bin auch froh, wieder hier zu sein, darf ich dir unsere Gäste Signora Haas und ihre Tochter Emilie vorstellen?«
Matteo begrüßte die zwei und hatte schon alles für das Einchecken vorbereitet.
»Gerne bringe ich Sie und Ihr Gepäck zu Ihrem Bungalow.« Matteo führte Susann und Emilie zu einem der kleinen Wagen, wie sie innerhalb des Campingplatzes für den Transport der Gäste und deren Gepäck benutzt wurden.
»Vielen Dank fürs Abholen«, bedankte sich Susann bei Carlo und dem Fahrer.
»Sehr gerne, ich wünsche Ihnen einen schönen Urlaub«, sagte Carlo ehrlich und gab Susann die Hand zum Abschied. Eigentlich hätte er sie jetzt gerne zum Essen eingeladen, um noch mehr von ihr zu erfahren, doch sie war verheiratet und außerdem wollte sie den Urlaub sicher mit ihrer Tochter verbringen und er war auch nicht der Mann für einen Urlaubsflirt ohne Zukunft. Auch wenn er Susann Haas überaus attraktiv fand und sie mit ihrem zauberhaften Lächeln eine Saite in ihm zum Klingen brachte, die er schon sehr lange nicht mehr gehört und deren Existenz er nicht mehr vermutet hatte.
»Auch dir, Emilie, einen schönen Urlaub und viel Spaß.«
»Danke, ci vediamo, bis bald«, sagte Emilie fröhlich und zog ihre Mutter zu dem kleinen Wagen.
»Ci vediamo«, sagte Carlo. Warum nicht, das Resort war groß, aber sicher würde er die zwei innerhalb von vier Wochen noch einmal sehen.
Susann warf ihm vom Wagen aus ein bezauberndes Lächeln zu und winkte ihm zum Abschied. Carlo sah ihnen nach und stand auch noch dort, als sie schon längst aus seinem Blickfeld verschwunden waren. Wem versuchte er etwas vorzumachen, er wollte sie wiedersehen, unbedingt!
Matteo hatte sie zu ihrem Bungalow gebracht und ihnen beim Hineintragen des Gepäcks geholfen. Emilies Vorfreude war nicht enttäuscht worden. Der Bungalow war klein, aber gemütlich. Und wenn sie auf der kleinen Terrasse standen, konnten sie hinter einer höheren, mit Büschen bewachsenen Düne das Meer erspähen. Das rhythmisch gleichmäßige Rauschen der Brandung war auch noch am Bungalow zu hören und Susanns letzte Zweifel, dass dieser Urlaub ihr und Emilie nicht zur Erholung dienen würde, schwanden endgültig dahin. Matteo hatte ihnen ebenfalls noch einen schönen Urlaub gewünscht und stand, wie er selbst sagte, bei Fragen immer zur Verfügung.
»Mama, können wir nicht doch erst zum Strand?«, versuchte Emilie sie zu überreden, doch Susann musste von ihrer Tochter nicht überzeugt werden, auch sie wollte nun gleich ans Meer.
Die Sonne schien, doch am Strand ging ein recht starker Wind und so nahmen sie die Jacken mit. Das Wasser war von einem durchdringenden Blaugrau und die Wellen schlugen mit enormer Wucht an den Strand und brachten viele schöne Muscheln mit. Emilie suchte begeistert nach besonders einzigartigen Fundstücken und schon bald hatte Susann beide Hände voll mit Sand und Muscheln, die ihr ihre Tochter gegeben hatte.
»Morgen nehmen wir einen kleinen Eimer mit, wenn du hier den ganzen Strand aufsammeln willst.«
»Ich sammle doch nicht alle Muscheln, nur die schönsten!«
Susann ging mit Emilie den Strand entlang und genoss das Gefühl, nun wirklich einmal ausspannen zu können.
»Emilie, ich verspreche dir, dass ich in Zukunft wieder mehr Zeit für dich haben werde«, erwiderte Susann, als sie einige Augenblicke dem Rauschen der Wellen und dem Gezeter der Möwen über ihnen, die im Wind die waghalsigsten Flugmanöver absolvierten, gelauscht hatte.
»In Ordnung«, sagte Emilie nur und sah auf ihre sandigen Hände.
»Ich meine das wirklich ernst, Emilie. Die letzten Monate waren für uns beide schwer, aber du darfst niemals vergessen, dass Papa und ich dich sehr lieb haben.«
»Aber Papa ruft nie an und seit der Scheidung hat er sogar noch weniger Zeit als vorher. Und jetzt hat er sowieso nur noch Augen für seine neue Frau.« Das waren nicht Emilies Worte, die Susann da hörte, mehr die Worte ihrer Mutter, die Emilie aufgeschnappt hatte und jetzt nur wiederholte.
»Hast du das von Oma?«, fragte Susann nach.
»Oma hat es zu Tante Ingrid gesagt, als sie telefoniert haben, das habe ich gehört.«
Susann versuchte in Emilies Gegenwart so gut sie konnte nichts Schlechtes über ihren Ex-Mann Luca zu sagen. Sie wusste, dass er hingegen am Anfang der Trennung nicht so rücksichtsvoll gewesen war und erst als sich herausstellte, dass sich Lucas neue Freundin mit Emilie nicht allzu gut verstand, hatte er mit den Versuchen aufgehört, Emilie von ihrer Mutter zu entfremden. Im Gegenteil, seit klar geworden war, dass die neue Freundin an Lucas Seite sich für Emilie nicht erwärmen konnte und dies auf Gegenseitigkeit beruhte, hatte Luca alles versucht, um Emilie einzureden, sie wäre bei ihrer Mutter Susann besser aufgehoben.
»Ein Kind braucht zwei Elternteile und du warst schon vorher nicht richtig für sie da, dich jetzt ganz aus ihrem Leben zu stehlen, das lasse ich nicht zu, Luca!« Das hatte Susann ihm klipp und klar gesagt, doch natürlich hatte ihn das nicht interessiert. Während des Scheidungsprozesses hatte Susann sich auch öfters gefragt, ob Luca sie oder Emilie denn überhaupt geliebt hatte. Ob Luca überhaupt fähig war, jemanden außer sich selbst zu lieben? Susann hatte immer gewusst, dass Lucas Familie recht arm gewesen war. Seine Firma, alles, was er erreicht hatte, hatte er durch sein Durchhaltevermögen, seine Überzeugungskraft und seinen Ehrgeiz geschaffen. Dies war etwas, das Susann von Anfang an an diesem Mann beeindruckt hatte, doch im Endeffekt war es nun auch der Hauptscheidungsgrund gewesen. Nicht die Affäre, mit der hatte Susann fast schon gerechnet. Sie hatte Luca vorgeworfen, für alles, wenn es die Arbeit und das Geld, das er dabei verdiente, betraf, Ehrgeiz zu besitzen. Aber für seine Frau oder zumindest für seine Tochter schaffte er es nicht, ebenso diese Energie aufzubringen.
»Es ist wohl so«, war alles gewesen, was Luca ihr daraufhin gesagt hatte.
Emilie riss sie aus ihren düsteren Gedanken. »Mama, schau, das wurde eben an den Strand gespült. Che cos’è? Was ist das?«, entgegnete Emilie andächtig und sie wechselte zwischen Italienisch und Deutsch hin und her, wie immer, wenn sie aufgeregt war. Susann versuchte zu erkennen, was Emilie entdeckt hatte. Zuerst hielt sie es für eine Plastiktüte, die an den Strand gespült worden war. Dann sah sie, dass es eine Qualle war.
»Das ist eine Qualle, Schatz. Una medusa«, erklärte Susann. »Sie ist nicht giftig, aber fass sie bitte trotzdem nicht an«, bat Susann, als sie sah, wie ihre Tochter interessiert das Tier genauer betrachtete. »Das hätte uns gerade noch gefehlt, dass du den Urlaub in einem italienischen Krankenhaus verbringen musst, Schatz.«
Carlo beschloss, bevor er in sein Büro hinaufging, erst einmal zu Hause vorbeizuschauen. Bestimmt hatte seine Nonna etwas gekocht. Ihm fiel ein, dass er seine Nonna Michela gar nicht mehr zurückgerufen hatte. Er war in Gedanken noch immer bei der bezaubernden Signora Haas. Susann. Woher kannte er sie? Er war sich nun wirklich sicher, dass er sie schon einmal gesehen hatte und sie hatte ihn ja schließlich auch wiedererkannt, oder zumindest ging es ihr genauso wie ihm. Sie hatten sich schon einmal gesehen, jetzt musste er nur noch herausfinden, wann und wo.
Er hoffte, dass seine Nonna Michela nicht allzu böse auf ihn wäre, sie war es nicht gewohnt, dass er sich nicht meldete. Da die Familie oft den Tag über unterwegs war, fanden sich alle Mitglieder zum späten Abendessen ein, aber Michela kochte trotzdem auch mittags meist schon so viel, als wären alle da, und so versuchte es Carlo, wann immer es ihm möglich war, auch zum Mittagessen nach Hause zu kommen. Und ein sehr verspätetes Mittagessen war genau das, was er jetzt brauchte. Die Liccardi-Familienvilla befand sich praktischerweise gegenüber des Resorteingangs. Durch ein schmiedeeisernes Gartentor und eine schöne Rosenpergola führte ein gepflasterter Weg bis zur Terrasse. In einer großen Kiefer, die schon mehrere hundert Jahre alt war, hing eine Schaukel, die Carlo und seine Geschwister in ihrer Kindheit rege genutzt hatten. Nun saß Maurizio, der ältere Sohn von Carlos Cousin Renato, auf der Schaukel.
»Ciao, Carlo!«, rief der Junge fröhlich, als er ihn sah. Für Carlo waren die Söhne von Renato fast wie seine eigenen Kinder. Maurizio und sein zwei Jahre jüngerer Bruder Filippo waren Renatos Ein und Alles. Zuerst hatte Renato mit seiner Frau Franca im Resort am Gardasee gewohnt. Dann war er von Franca kurz nach Filippos Geburt verlassen worden. Renato hatte es irgendwann in der Wohnung am Gardasee nicht mehr ausgehalten und so waren er und seine Jungs hierhergezogen. Während der Woche arbeitete Renato am Gardasee, im dortigen Liccardi Resort in Sant’ Andrea del Garda. Am Donnerstagabend fuhr er nach Hause. Auf seine Söhne passte während der Woche Michela auf. Sie freute sich, dass sie ihre Urenkel im Haus hatte.
»Buongiorno, Maurizio, ach, es ist schön, wieder hier zu sein.« Carlo umarmte Maurizio glücklich und sah sich um. Der Tisch auf der Terrasse war gedeckt. In der Sonne war es auch schon angenehm warm. Carlo liebte es, die Familie um sich zu haben. Er war noch immer nicht verheiratet und ein eigenes Haus wäre ihm leer und einsam erschienen. Natürlich war es wichtig, dass sich jeder auch zurückziehen konnte, aber das war bei der großen Villa ohne weiteres möglich.
»Carlo, du hast mich gar nicht zurückgerufen«, begrüßte ihn seine Nonna und drückte ihn herzlich an sich.
»Was wäre, wenn ich jetzt nichts zu essen gemacht hätte oder zu wenig, nur für die Jungs und mich?«
»Nonnina, ist es jemals vorgekommen, dass du zu wenig gekocht hättest?«, fragte Carlo liebevoll. Noch ehe er sich an den Tisch gesetzt hatte, stand ein Teller, ein Topf mit Pasta und eine Schale mit gemischtem Salat auf dem Tisch.
»Nonna, ich habe auch wieder Hunger. Kann ich noch etwas essen?«, meldete sich Maurizio zu Wort und setzte sich auf einen Stuhl gegenüber von Carlo. Er sah seinem Vater Renato sehr ähnlich.
»Es ist genug da, ragazzino.« Michela holte einen weiteren Teller. Bevor sie sich zu ihnen setzte, rief sie: »Filippo, möchtest du auch noch etwas essen?« Filippo kam aus dem Wohnzimmer. Er war erst vier, etwas schüchtern und ein recht ernsthaftes Kind. Renato machte sich oft genug Sorgen, doch Michela sagte immer: »Renato, mach dir keine Gedanken. Kinder sind unterschiedlich und Filippo ist halt etwas zurückhaltender und stiller, das ist nicht schlechter, sondern einfach nur anders.«
Carlo strubbelte Filippo durch die schwarzen, lockigen Haare. »Na, passerotto, was hast du gerade gemacht?« Passerotto, Spatz, so wurde Filippo oft von fast allen aus der Familie genannt.
»Ich habe für Papà ein Bild gemalt.«
»Man erkennt gar nicht, was drauf ist«, erwiderte Maurizio.
»Das ist ein Fisch«, sagte Filippo energisch und stand auf, um das Bild zu holen. Er zeigte es erst seiner Uroma, dann zeigte er es Carlo.
»Natürlich ist das ein Fisch, Maurizio. Das kann man genau sehen«, sagte Carlo. »Da freut sich dein Papà sicher sehr darüber, dann kann er es bei sich ins Büro hängen.« Filippo lächelte kurz und betrachtete sein Bild stolz.
»Ach ja, Carlo, das wollte ich dir noch erzählen: Edmondo ist nach England geflogen«, sagte Michela, nachdem jeder von ihnen zu essen hatte. Carlo hatte sich schon gefragt, wo sein Vater steckte. In der Regel wollte er immer sofort wissen, wie es auf der Messe war.
»Ist etwas passiert? Geht es Eli schlechter?«, fragte Carlo alarmiert. Carlos Halbgeschwister, Eli und Katie, die Kinder aus Edmondos zweiter Beziehung zu Morgan Grantham, lebten in London. Viele Jahre hatte nur Katie und hin und wieder auch Morgen die Beziehung zu dem italienischen Teil der Familie aufrechterhalten, doch nun, seit letztem Jahr im Sommer, als Eli einen Motorradunfall gehabt hatte, wuchs die Familie wieder ein bisschen stärker zusammen.
»Nein, das nicht direkt«, entgegnete Michela ausweichend auf Carlos Frage. »Aber er schläft und isst wohl kaum noch etwas. Katie hat gestern kurz nach Mittag hier angerufen und gemeint, dass sie und Morgan sich mit jedem Tag mehr Sorgen um Eli machen. Sie wusste, dass du auf der Messe bist, und bat euren Vater vorbeizukommen. Edmondo hat gestern Abend einen Flieger nach London genommen. Katie hat ihn abgeholt. Er war heute Vormittag bei Eli und ich weiß noch nicht, was dabei herausgekommen ist. Edmondo wollte mit Eli noch einmal sprechen, ob es nicht doch besser wäre, dass er hierherzieht.« Carlo dachte an seinen kleinen Bruder. Er selbst hatte mit Eli schon einmal darüber gesprochen. Doch Eli wollte sich damals nicht überzeugen lassen.
»Ich genieße es, ein eigenes Leben zu haben, Carlo. Das möchte ich nicht aufgeben. Gerade jetzt muss ich mir auch beweisen, dass ich es schaffe, alleine zurechtzukommen.« Carlo hätte damals einiges dagegen einwenden können, doch das hatte er nicht getan. Wenn er auf Eli einreden würde, wäre niemandem geholfen. Eli reagierte wie viele seiner Verwandten der Liccardi Familie mit Sturheit, wenn man versuchte, sie von einer Sache zu überzeugen. Carlo war da nicht anders. So hatte sich Carlo also damals von seinem Bruder verabschiedet und ihm gesagt, dass er ihn jederzeit anrufen könnte, wenn er Hilfe bräuchte, und in Italien immer willkommen wäre.
»Na dann bin ich schon gespannt, was Vater zu berichten hat, wenn er anruft«, sagte Carlo.
»Ich auch«, bestätigte Michela.
Carlo aß die Pasta. Wie immer war sie köstlich. Die Jungs waren bald mit dem Essen fertig und sie gingen in den Garten, um zu spielen. Carlos Gedanken wanderten, während er aß, wieder zu Susann zurück. Vielleicht hatte er sie während seines Studiums getroffen? Er war für mehrere Semester in Deutschland gewesen, es konnte also gut möglich sein. In Gedanken ging Carlo die einzelnen Leute durch, an die er sich aus seinem Studium erinnern konnte, doch eine Susann Haas war nicht dabei.
»Wie war es auf der Messe, Carlo?«, fragte Michela ihn unvermittelt. Sie war ebenfalls fertig mit Essen und sah ihn interessiert an.
»Och, ganz gut. Es waren viele Stammgäste am Stand. Einige haben nach Papà gefragt.« Sein Vater hatte in den vergangenen Jahren zunehmend mehr Probleme mit seinem Herzen bekommen und die Ärzte hatten ihm geraten kürzerzutreten. Für einen Mann wie Edmondo eine schwer zu begreifende Diagnose und eine noch schwerer umzusetzende Empfehlung.
»Ja, das hat deinem Vater auch immer am besten gefallen, wenn er auf Messen war. Von den Gästen zu erfahren, wie wohl sie sich hier immer fühlen und wie sehr sie sich auf den nächsten Urlaub freuen. Das war Edmondo nach anstrengenden und langen Arbeitstagen das Wichtigste!« Carlo nickte. Er war in Gedanken noch immer bei Susann. Es musste doch möglich sein, dass er sich an diese Frau erinnerte, sie war ihm unter allen Fluggästen aufgefallen, da musste sie doch einen bleibenden Eindruck in seiner Erinnerung hinterlassen haben.
»An was denkst du? Und sag nicht, es ist nichts. Du bist deinem Vater in dieser Hinsicht sehr ähnlich«, hörte er Michela sagen. Carlo sah zu ihr. Sie lächelte ihn an. Wie gut sie ihn doch kannte!
»Ich sehe schon, dir kann man nichts vormachen, nonnina.«
»Carlo, ich kenne dich inzwischen seit 39 Jahren, ragazzo, ich würde sogar so weit gehen und sagen, du denkst an eine Frau.«
»Und damit liegst du ganz richtig. Ich habe sie am Flughafen kennengelernt, aber bevor du jetzt etwas sagst, sie ist verheiratet, hat eine Tochter und macht für vier Wochen Urlaub hier bei uns im Resort.«
»Und ihr Mann ist nicht dabei?« Carlo verstand sofort, auf was seine Nonna anspielte.
»Das muss nichts heißen. Wenn du sie siehst, wirst du erkennen, dass sich niemand von so einer Frau trennen würde! Sie ist sicher verheiratet. Und irgendwo habe ich sie auch schon einmal gesehen, doch ich kann mich nicht erinnern, wann und wo das gewesen ist. Aber es fällt mir schon noch ein, da bin ich mir sicher.«
