Mit Franziskus unterwegs - Susanne Elsner - E-Book

Mit Franziskus unterwegs E-Book

Susanne Elsner

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Beschreibung

Zwischen Florenz und Rom führt der Franziskusweg nicht nur zum Grab des Heiligen in Assisi, sondern an unzählige Stätten seines Lebens und Wirkens. Die zu diesen Orten passenden franziskanischen Geschichten würden den Rahmen jedes Pilgerführers sprengen, weshalb sie hier im Rahmen von spirituellen Tagesimpulsen erfasst sind. Aber nicht nur Fußpilger auf dem Franziskusweg, sondern alle an Franz von Assisi interessierten Menschen, die sich in der Toskana, in Umbrien und Latium auf seine Spuren begeben, erhalten hier, unterstützt durch zahlreiche, auch farbige Fotos, sowohl wertvolle Informationen als auch Anleitung zu geistiger Einkehr und Besinnung.

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Seitenzahl: 158

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Susanne Elsner, in München als Gymnasiallehrerin für Religion/Latein und als Autorin im theologischen Bereich tätig, und ihr Ehemann Walter Elsner sind seit ihrer Jugend immer wieder auf den Spuren des hl. Franziskus unterwegs. Dieses Interesse und ihre Leidenschaft fürs Pilgern führte sie schon vor Jahren auf verschiedene Etappen in Italien. Für ihr Buch „Franziskusweg“, das beim Rother Bergverlag erschienen ist, recherchierten sie eigenständig einen durchgehenden Verlauf von Florenz bis Rom. Mit diesem Begleitbuch möchten sie Lust darauf machen, sich auf den historischen Wegen in Mittelitalien von der Spiritualität des Franz von Assisi anstecken und inspirieren zu lassen. Auf ihrer Internetadresse www.pilgerimpulse.jimdo.de finden Sie über dieses Buch hinaus weitere Anregungen zur spirituellen Gestaltung von Pilgerwanderungen.

Vorwort

Liebe Mit-PilgerInnen auf dem Franziskusweg!

Sie suchen nach einer kleinen geistlichen Begleitung für Ihr Vorhaben, den Franziskusweg ganz oder in Teilen zu pilgern?!

Hier sind einige Anregungen. Sie stammen aus Gedanken, die wir selbst beim Pilgern auf den Spuren des Franziskus hatten. Meist angeregt von den vielen Geschichten rund um den sympathischen Heiligen, der schon seit früher Jugend unser beider Leben begleitet, haben wir jeden Tag unter ein passendes Motto gestellt.

Wir danken allen, die in uns diese Begeisterung für Franziskus geweckt und wach gehalten haben – besonders unseren langjährigen franziskanischen geistlichen Begleitern Sr. Theresia Wittemann OSF und Br. Georg Greimel OFMCap, die uns seit unserer Jugend vorgelebt haben, was es bedeutet, von Franziskus ergriffen und begeistert zu sein. Dazu, Pilgertage mit Impulsen zu begleiten, inspirierte uns unsere Freundin Barbara Bierprigl, die ein Teilstück des Franziskusweges mit uns unterwegs war. Ihnen allen und unseren Kindern, die uns immer unterstützen, widmen wir diese Texte.

Susanne und Walter Elsner

Pilgermaus © Verena Elsner

Inhalt

Vorwort

Franziskus – Kurzbiographie

Hinführung

Florenz – Pontassieve: BEGEGNUNG

Pontassieve - Consuma: Berg – AUF – Bau

Consuma – Stia: SICH BESCHÜTZT WISSEN

Stia – Camaldoli: VITA CONTEMPLATIVA

Camaldoli – Biforco: BÄUME

Biforco - la Verna: MYSTIK

La Verna - Caprese Michelangelo: ABSCHIED

Caprese – Sansepolcro: RUHM

Sansepolchro - Citta di Castello: OFFENHEIT

Citta di Castello – Pietralunga: EINSAMKEIT

Pietralunga – Gubbio: WEITE

Gubbio – Val di Chiascio: BRÜDERLICHKEIT

Val di Chiascio – Valfabbrica: FRIEDE

Valfabbrica – Assisi: ZIEL

Mit Franziskus unterwegs durch Assisi

Assisi – Monte Subasio: VITA ACTIVA

Assisi – Foligno: ANFANG

Foligno – Clitunno: DEMUT

Clitunno – Spoleto/Monteluco: ENTSCHEIDUNG

Spoleto/Monteluco – Baiano: ORIENTIERUNG

Baiano – Romita: LOB GOTTES

Romita di Cesi – Terni: WORTE

Terni – Piediluco: WASSER

Piediluco – Poggio Bustone: GEHORSAM

Poggio Bustone – Rieti: WUNDER

Rieti – Greccio: SCHMERZEN

Greccio – Stroncone: ARMUT

Stroncone – Calvi dell Umbria: LEBENSZEUGNIS

Calvi dell Umbria – Selci Sabino: WURZELN

Selci Sabino – Farfa: AUSSICHT

Farfa – Montelibretti: GRÖSSE

Montelibretti - Mentana: WEGE

Mentana – Rom: RUHE

Rom: TRAUM

Anmerkungen zu den Quellen

Franziskus – Kurzbiografie

Winter 1181/1182

Franziskus wird in Assisi geboren und in Abwesenheit des Vaters in S. Rufino auf den Namen Giovanni (Johannes) getauft. Nach dessen Rückkehr aus Frankreich wird der Name in Francesco (Französlein) geändert. Franziskus wächst unbeschwert heran und genießt ein sorgloses Leben als Sohn eines reichen Tuchhändlers.

1202

Städtekrieg zwischen Assisi und Perugia: In der Schlacht bei Ponte S. Giovanni wird Franziskus gefangen genommen.

1203

Franziskus kehrt krank aus der Gefangenschaft zurück.

1205

Franziskus will als Ritter in den Kreuzzug ziehen, kehrt aber wieder um und verschenkt seine Ausrüstung. Er beginnt über sein bisheriges Leben nachzudenken. Im halb verfallenen Kirchlein S. Damiano hört er das Kreuz zu sich sprechen: "Franziskus, siehst Du nicht, dass mein Haus in Verfall gerät? Geh also hin und stell es mir wieder her!" Sein Lebensinhalt besteht nun darin, sich für den Aufbau dieser Kirche und auch für die Armen einzusetzen.

1206

Streit mit dem Vater. Franziskus zieht seine Kleidung in Anwesenheit des Bischofs aus und gibt sie und all seinen Besitz seinem Vater zurück. In der Zeit danach renoviert er u.a. die Kirchen S. Damiano und Portiuncula.

1208

Erste Gefährten schließen sich Franziskus an. Sie leben ohne Besitz und sind Bettler.

1209

Mit elf Gleichgesinnten erbittet er vor Papst Innozenz III. in Rom die Bestätigung der Lebensweise als Minderbrüder mit den Gelübden Armut, Gehorsam und Keuschheit.

1212

Klara (ital. Chiara), eine reiche Adlige, schließt sich Franziskus an. Dadurch entsteht ein weiblicher Ordenszweig. Beide Orden breiten sich in den Folgejahren aus.

1219

Franziskus trifft mit dem Sultan im Heiligen Land zusammen und versucht vergeblich, Frieden zu stiften.

1220

Verzicht auf die Ordensleitung.

1223

Franziskus feiert erstmals den Heiligen Abend mit einer Weihnachtskrippe in Greccio.

1224

Stigmatisation: Franziskus empfängt die Wundmale Jesu auf dem Berg La Verna.

1225

Er erblindet fast vollständig; dennoch dichtet er den Sonnengesang, vermutlich in S. Damiano. Sein Gesundheitszustand verschlechtert sich rapide.

03. Okt 1226

Franziskus stirbt in Portiuncula.

16. Jul 1228

Papst Gregor IX spricht ihn in Assisi heilig.

Hinführung

Für das Langstreckenpilgern wie am Franziskusweg hat es sich bewährt, einen Tag lang mit einem Motto und einem Anfangsimpuls zu pilgern. Diesen oder einen Teil davon kann man oft auch gut wie ein Mantra vor sich her sprechen.

Darum ist dieser „Morgenimpuls“ immer nur ein (kurzer) Satz mit wenigen Gedankeninspirationen dazu.

Unterwegs halten wir eine Pilgerrast, bei der auch ein längerer Impuls dazu kommen kann. Es sind Geschichten aus dem Franziskusleben oder der franziskanischen Tradition, biblische Perikopen oder auch Betrachtungen über einen für die Etappe typischen und zu ihr passenden Vorfall oder Gegenstand. Die Einteilung der Etappen richtet sich nach unserem im Rother Bergverlag erschienenen Pilgerführer „Franziskusweg“, über den Sie sich auch auf unserer Homepage https://pilgerimpulse.jimdo.com/ informieren können.

Abends klingt der Pilgertag dann in einer kurzen Meditation aus, die meist viel Raum für eigene Gedanken lässt. Ein kurzes Gebet beschließt den Pilgertag.

Das erste folgt gleich hier. Ob nun daheim vor der Abreise oder am Startpunkt vor der Übernachtung: Vor dem ersten Pilgertag wollen wir abends mit diesem Rhythmus beginnen und ein Gebet sprechen:

Guter Gott, morgen mache ich mich auf einen besonderen Weg. Ich pilgere auf den Spuren des heiligen Franziskus. Ich bin aufgeregt und gespannt auf das, was auf mich zukommen wird. Ich freue mich auf die Landschaft in Italien, auf Kontakte zu Mitpilgern, auf Begegnungen und die Gastfreundschaft der Einheimischen, auf die inneren Gewinne, die ich mir erhoffe! Mach mich empfänglich für die Wunder deiner Schöpfung, wie sie Franziskus erfahren hat. Lass mich immer darauf vertrauen, dass du bei mir bist und wache nun über meinen Schlaf, damit ich morgen mit Kraft und Mut erwache und mit dem Pilgerweg beginne! Amen.

1. Florenz – Pontassieve: BEGEGNUNG

A MORGENIMPULS

Unser Motto speist sich heute aus mehreren Quellen:

In Florenz spielt sich eine wichtige Begegnung des Franziskus ab, da er im Sommer 1217 hier Kardinal Hugolin trifft, der ihn davon abhält, nach Frankreich auf Predigtreise zu gehen.

Der italienische Name „Incontro“ des Klosters, das wir heute auf dem höchsten Punkt der Etappe erreichen, bedeutet übersetzt Begegnung.

Wir selber werden heute zuerst in Florenz vielen Menschen begegnen, später immer wenigeren – die Qualität der Begegnungen wird allerdings eher stärker.

Unser Impuls stammt von Dietrich Bonhoeffer, der 1945 im KZ Flossenbürg ermordet wurde:

DER MENSCH LEBT NOTWENDIG IN EINER BEGEGNUNG MIT ANDEREN MENSCHEN, UND IHM WIRD MIT DIESER BEGEGNUNG IN EINER JE VERSCHIEDENEN FORM EINE VERANTWORTUNG FÜR DEN ANDEREN MENSCHEN AUFERLEGT.

B UNTERWEGS

Kloster Incontro

Es ist eine Begegnung, die für Franziskus nicht so endet wie erhofft. Pfingsten 1217 hatten sich die Mitglieder seines Ordens bei der Portiuncula-Kapelle bei Assisi getroffen. Das Ergebnis war, dass die Aussendung von Brüdern ins Ausland beschlossen wurde – etwa nach Frankreich, Spanien und Deutschland. Franziskus entscheidet sich für Frankreich und reist in die Toskana, um auf der Via Francigena, dem alten Frankenweg, weiter nach Westen zu gelangen.

In Florenz trifft Franziskus einen guten Freund und wichtigen Ratgeber, Kardinal Hugolin, der ein Jahr später auch zum Protektor des Ordens werden wird, ihn also in wichtigen kirchlichen Angelegenheiten vertritt. Dieser befiehlt ihm im Gehorsam, in Italien zu bleiben, da für den noch jungen Orden seine Gegenwart notwendig ist. Der weitsichtige Kardinal spürt seine Verantwortung, er weiß, dass es jetzt darauf ankommt, dem jungen Orden Strukturen zu geben, damit er in seinem Wachstumsboom nicht in falsche Bahnen gelenkt wird. Dazu ist die Anwesenheit des Ordensgründers wichtig, und die Reiseleitung der Gruppe nach Frankreich übernimmt Bruder Pazifikus an Stelle von Franziskus.

Wir sehen hier ein Beispiel für den Franziskus eigenen Gehorsam kirchlichen Autoritäten gegenüber. Er lässt seine Pläne durchkreuzen, gibt sie auf und widmet sich der alten neuen Aufgabe im Land.

Begegnungen durchkreuzen oft Pläne, ob positiv, wenn ich an die erste Begegnung mit Freunden oder geliebten Menschen denke, an inspirierende Treffen, an guten Gedankenaustausch. Aber auch negativ, wenn in einer Begegnung jemand in mein Leben tritt, der es mir schwer macht und mir schadet.

Wie es wohl Franziskus bei dieser Begegnung mit Hugolin ging? Der Kardinal verbietet ihm das, was er eigentlich immer wollte: in ferne Länder reisen und predigen, mit Unbekannten über Gott sprechen und den Glauben verkünden. Stattdessen soll er den Orden, der für ihn ja eher beiläufig entstanden ist, mit all seinen aktuellen Grabenkämpfen und Denkrichtungen einen und leiten. Sicher erst einmal ein schwerer Weg, da zuzustimmen, sich zu fügen. Und natürlich ist es unhistorisch, zu fragen, wie die (Ordens-)Geschichte wohl anders verlaufen wäre.

Begegnung verändert. Pläne. Ansichten. Mich.

C ABENDIMPULS

Der Mensch lebt notwendig in einer Begegnung mit anderen Menschen, und ihm wird mit dieser Begegnung in einer je verschiedenen Form eine Verantwortung für den anderen Menschen auferlegt.

Welche Begegnungen habe ich heute erfahren? Mit anderen, mit mir selbst, mit Gott?

Wie beurteile ich diese Begegnungen? Oder will ich sie gar nicht beurteilen?

Wie beurteile ich die Begegnung von Franziskus und Hugolin? Kann ich mit dieser Art von Gehorsam etwas anfangen? Hat mich die Geschichte begleitet, umgetrieben?

An welche eigenen Begegnungen hat sie mich erinnert?

An welche Begegnungen habe ich heute überhaupt gedacht? Mit Freude und Dankbarkeit?

Legen wir unsere Gedanken in das folgende kurze Gebet:

Guter Gott, du schenkst mir Mitmenschen, die mir begegnet sind, die mir gut tun und Gutes wollen. Vergelte ihnen ihre Freundlichkeit mir gegenüber und lass sie heute gut schlafen! Gib auch mir gute Gedanken und einen frohen Abschluss dieses ersten Pilgertages! Lass mich morgen mit neuer Kraft und neuem Mut erwachen – und in Freude auf Begegnungen auf meinem Weg! Amen.

2. Pontassieve - Consuma: Berg – AUF – Bau

A MORGENIMPULS

Unser Motto heute, bei einer Etappe fast nur bergauf, kreist um das Wort AUF, da wir ziemlich in der Mitte der Wanderung bei einer im Verfall befindlichen Felsenkapelle vorbeikommen. Hier ist für einen franziskanischen Pilger die Assoziation zum Auf-Bau von S. Damiano bei Assisi durch Franziskus naheliegend.

Aus dieser Episode stammt auch unser Impuls:

„STELL MEIN HAUS WIEDER HER, SIEHST DU NICHT, WIE ES VER-FÄLLT?“

B UNTERWEGS

Felsenkapelle

Es ist das Jahr 1206, Franziskus ist auf der Suche nach einem Lebensinhalt, nachdem sein bisheriger Lebensentwurf durch Krieg, Gefangenschaft und Krankheit gescheitert ist.

Bonaventura beschreibt den ca. 24jährigen Franziskus vor dem Kreuz in der halb zerfallenen Kirche S. Damiano, wo er betet: „Höchster, herrlicher Gott, erleuchte die Finsternis meines Herzens, damit ich deinen heiligen und wahren Auftrag erfülle.“ Weiter wird erzählt, dass sich Franziskus in S. Damiano vor dem Bild des Gekreuzigten niederwarf und während des Betens mit geistlichem Trost erfüllt wurde. Als er dann zur Kreuzesikone aufschaute, hörte er mit seinen leiblichen Ohren, wie dreimal eine Stimme die Worte zu ihm sprach: „Franziskus, gehe hin und stelle mein Haus wieder her, siehst du nicht, wie es verfällt?“ Erschrocken, weil er jaganz allein in der Kirche war, staunte Franziskus über die wunderbare Stimme und sein Herz spürte die Kraft des göttlichen Wortes. Nachdem er wieder zu sich gekommen war, gehorchte er dem Wort des Herrn. Er begann, das steinerne Kirchlein wiederherzustellen.

Der Biograf fügt kurz an, dass sich der Auftrag eigentlich auf die ganze Kirche bezog. Aber wie hätte der junge Beter das gleich „richtig“ verstehen sollen?

Wer würde nicht konkret den Kirchenbau um sich herum meinen und als gemeint denken, besonders, wenn dieser sich in schlechtem Zustand befindet? Würde irgendjemand – ob damals oder heute - gleich die Kirche als ganze, als Institution angesprochen sehen? Die Kirche wiederherstellen, mehr als „nur“ das Gebäude - wie sollte das auch gehen? Und außerdem: Brauchen wir etwa keine Gebäude mehr, da die Gottesdienstbesucherzahlen zurückgehen? Schließlich baut das eine auf dem anderen auf.

Kirche lebt von und in Kirchen.

Franziskus denkt praktisch, er versteht den Auftrag ganz konkret. Und fängt an, S. Damiano zu renovieren. Dass daraus dann mehr wird, das ist erst einmal nicht im Blick.

Bei der Renovierung einer Kirche ist das ähnlich: es wird gebaut, ganz konkret, handwerklich, Stück für Stück. Es ist mühsam, kostet Zeit, Mühe und viel Geld. Doch auch in diesem ganz Handgreiflichen steckt mehr. Es steht eine Idee dahinter, ein größeres Ziel, ein tieferer Sinn und Zweck – ein heiliger Bau entsteht wieder neu, Gottes Haus, Gebäude aus Menschenhand, Gebäude aus Gottesgeist.

Ob sich hier einmal jemand findet, der das Wort vom Aufbau der Kirche auf dieses Kirchlein bezieht und sich berufen fühlt?

C ABENDIMPULS

Stell mein Haus wieder her, siehst du nicht, wie es verfällt?

Aufbauen und bergauf pilgern haben uns heute geistig und körperlich beschäftigt.

Auf

Auf!!!

Ein Weckruf, eine AUFforderung.

Wie geht es mir mit solchen Aufforderungen? Von Vorgesetzten, Autoritäten, Gott? Bin ich schnell dabei und dann auch schnell überfordert? Oder prallen solche Ansprüche an mir ab?

Wann fühle ich mich aufgefordert, etwas zu tun? Und was dann – oder was auf keinen Fall?

Wie ging es mir heute mit dem vielen Berg-AUF? Fühle ich mich angestrengt, gefordert? Oder war ich stolz und erfreut, wie sich der Horizont bei jedem Schritt des AUFstiegs weitete?

Ich habe heute Ja gesagt zum Berg-AUF.

Vielleicht fällt es mir daher leichter, wie Franziskus den Ruf Gottes an mich auch mit einem „Ja“ zu beantworten – wie er vor dem Kreuz in S. Damiano.

Legen wir unsere Gedanken in das folgende kurze Gebet:

Guter Gott, du forderst etwas von uns Menschen, von jedem einzelnen von uns. Auch ich soll am Aufbau von Gesellschaft und Kirche mitarbeiten. Gib mir Fantasie und gute Gedanken dafür! Zeige mir Wege und Möglichkeiten, deinen Auftrag zu erkennen und zu erfüllen! Lass mich morgen mit neuer Kraft und neuem Mut erwachen – und in Vorfreude auf den weiten Blick am Gipfel bzw. am Pass! Amen.

3. Consuma – Stia: SICH BESCHÜTZT WISSEN

A MORGENIMPULS

Unser Motto speist sich heute aus der Erfahrung auf dieser Etappe, dass der Wechsel von tiefem Wald und kleinen Ortschaften eine wohltuende Auswirkung auf die Seele eines Pilgers hat. Man kommt immer mal wieder „unter Menschen“, ganz unwillkürlich fühlt man sich geschützt, wenn man auf besiedelten Boden trifft.

Beschützt wussten sich auch schon Pilger aller Zeiten durch himmlische Mächte, etwa durch die Heiligen Christophorus oder Jakobus, deren Kirche in Villa unser heutiger Ruhepunkt etwa in der Mitte der Etappe ist.

Franziskus liefert uns heute dafür unseren Impuls, von dem wir einen Lieblingssatz als Mantra mitnehmen können:

O HERR, IN DEINEM ARM BIN ICH SICHER. WENN DU MICH HÄLTST, HABE ICH NICHTS ZU FÜRCHTEN. ICH WEIß NICHTS VON DER ZU-KUNFT, ABER ICH VERTRAUE AUF DICH.

B UNTERWEGS

Kirche von Villa

Mitten in der Waldeinsamkeit treffen wir hier auf eine Kirche mit gleich zwei Schutzpatronen, deren Gemeinsamkeit es ist, von Pilgern oder anderen Reisenden um Schutz angerufen zu werden: Christophorus und Jakobus.

Es ist ein Grundbedürfnis:

Schutz zu erflehen.

Auf Schutz zu hoffen.

Sich geschützt wissen.

Und dann

Sicher über einen Pass kommen.

Sicher durch den Wald.

Sicher durch die Wasser des Lebens.

Doch warum diese beiden Heiligen?

Der kaum durch Lebensdaten oder Fakten bekannte heilige Christophorus ist oft außen an Kirchen aufgemalt, die an Passstraßen stehen und mit der Figur des Riesen den Reisenden eine gute Fahrt und gesunde Heimkehr wünschen. Ein Riese schützt allein schon durch seine Größe vor den Gefahren im riesen-großen Wald. Auch wenn er einen überragt, ist dies kein Problem, er steht ja auf der gleichen Seite. Christophorus-Medaillons oder Abzeichen im Auto oder am Motorrad, vielleicht sogar gesegnet, stehen bis heute für den göttlichen Schutz für die motorisierte und mobile Bevölkerung. Die Rettungshubschrauber in Deutschland und Österreich tragen diesen Namen ebenfalls.

Eine beachtliche Verbreitungsgeschichte für einen Mann, dessen Namen wir eigentlich nicht kennen, der nur wegen seiner Tat, Christus über einen Fluss zu tragen, so heißt: Christo-phorus, Christus-träger

Und Jakobus? Mit seinem Namen verbindet ein christlicher Pilger seit dem Mittelalter den Pilgerweg schlechthin, den Jakobsweg nach Santiago de Compostela, wo das Grab des Apostels zu einer der bedeutendsten Pilgerstätten des Christentums wurde.

Wie ist das bei uns? Haben wir für diese Tradition noch etwas übrig? Oder ist unser Schutz im Wald oder im Gebirge unser GPS-Gerät, das Handy oder wenigstens die analoge Landkarte? Der Wetterbericht? Nur das? Reicht das?

Welche Rolle spielt Gott in diesen Überlegungen? Glaube ich daran, auch von ihm mittels „übernatürlicher Kräfte“ geschützt zu werden – ob nun durch Schutzengel, liebe Verstorbene oder traditionelle Heilige?

Reflektieren wir diese Fragen beim nun folgenden längeren Wegstück auf der bequemen Straße! Wenn wir andere Pilger um uns haben, ist es auch ein schönes Zeichen, sich auf diesem Stück an den Händen zu fassen, denn auch Gemeinschaft macht sicher und stark!

C ABENDIMPULS

O Herr, in deinem Arm bin ich sicher. Wenn du mich hältst, habe ich nichts zu fürchten. Ich weiß nichts von der Zukunft, aber ich vertraue auf dich.

Wieder bin ich geborgen und geschützt in einer alten Siedlung. Menschen sind um mich herum. Ich habe einen Schlafplatz und etwas zu essen (bekommen).

Für ein paar Minuten stelle ich mir nun aber vor, draußen im Wald oder auf einem Feld geblieben zu sein. Ganz konkret. Mit der Temperatur dort draußen, mit den Geräuschen, mit den Gerüchen, mit meinen Gefühlen.

Wie geht es mir bei diesen Gedanken? Was macht mir dabei vor allem Angst?

Warum ist das so?

Legen wir unsere Gedanken in das folgende kurze Gebet:

Guter Gott, ich danke dir für deinen Schutz auf diesem Pilgertag! Ich bin froh, den Weg gefunden und bewältigt zu haben. Ich fühle mich geleitet und sicher. Schütze alle, die heute Nacht im Freien nächtigen müssen – auf der Flucht oder aus Not! Wache nun über meinen Schlaf und lass mich morgen mit neuer Kraft und neuem Mut erwachen! Amen.

4. Stia – Camaldoli: VITA CONTEMPLATIVA

A MORGENIMPULS

Unser Motto speist sich heute daraus, dass wir in der Einsiedelei von Camaldoli mit der kontemplativen Lebensausrichtung von Mönchen konfrontiert werden. Auch Franziskus stand dieser sehr nahe und zog sich gern zurück, um zu schweigen und zu beten. Für uns bietet die lange und ab Lonnano auch längere Zeit der Zivilisation abgewandte Etappe die Möglichkeit der Betrachtung und der Stille.