Mord aus Gnade - Brina Stein - E-Book

Mord aus Gnade E-Book

Brina Stein

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Beschreibung

Im Jahr 2020 wagte sie sich mit dem Krimi Mord im Schatten des Turms in ein neues Genre, den sogenannten cosy Regionalkrimi. Dieser Erfolg führte 2022 zur Fortsetzung Mord ohne Reue. Beide Krimis spielen in Eppstein und Umgebung und zeichnen sich durch zahlreiche Schauplätze aus, die die Autorin auch gern persönlich besucht. Für die Leser gibt es außerdem eine große Portion Humor! Ihr dritter Eppstein-Krimi Mord aus Gnade setzt die Reihe fort. Am Morgen des 1. Mai wird vor der Eppsteiner Musikschule ein Mann ermordet. Während Kriminaloberrat Eisenhauer verzweifelt nach dem Mordmotiv sucht, folgt nur eine Woche später eine zweite Leiche in Wildsachsen. Die Tathergänge sind identisch. Nicht nur der Polizei-Präsident vermutet einen Serientäter. Eisenhauer steht kurz vor seiner Pensionierung und ist wenig begeistert, dass seine Nachfolgerin Lea, frisch aus dem Polizei-Studium, eher eine Belastung bei den Ermittlungen darstellt. Aus purer Verzweiflung ruft er die Landfrauen Rita, Ute und Rosi zur Beratung an. Tage später wird Leiche Nummer drei in Niedernhausen gefunden. Alle Toten sind Junkies aus dem Drogenmilieu. Eisenhauer stößt auf eine Spur zur Elite des Frankfurter Radrennsports. Das identifizierte Tatmotiv, Mord aus Gnade, lässt einen vierten Mord am kommenden Sonntag vermuten. Die Landfrauen hält nichts mehr im Norden und sie reisen ein drittes Mal nach Eppstein. Wird es ihnen gelingen, die Serienmorde zu stoppen?

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Seitenzahl: 209

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Buchbeschreibung:

Am Morgen des 1. Mai wird vor der Eppsteiner Musikschule ein

Mann ermordet. Während Kriminaloberrat Eisenhauer verzweifelt nach dem Mordmotiv sucht, folgt nur eine Woche spater eine zweite Leiche in Wildsachsen. Die Tathergänge sind identisch. Nicht nur der Polizeipräsident vermutet einen Senentäter.

Eisenhauer steht kurz vor seiner Pensionierung und ist wenig begeistert, dass seine Nachfolgerin Lea, frisch aus dem Polizeistudium, eher eine Belastung bei den Ermittlungen darstellt. Aus purer Verzweiflung ruft er die Landfrauen Bata, Ute und Rosi zur Hilfe an. Tage später wird eine dritte Leiche gefunden - diesmal in Niedernhausen Alle Toten sind Junkies aus dem Drogenmilieu.

Eisenhauer stößt auf eine Spur zur Elite des Frankfurter Radrennports. Das identifizierte Tatmotiv - Mord aus Gnade - lässt einen vierten Mord am kommenden Sonntag vermuten. Die Landfrauen hält nichts mehr im Norden und reisen nach Eppstein. Wird es ihnen gelingen die Mordserie zu stoppen?

Über die Autorin:

Sabrina Reulecke schreibt unter dem Pseudonym Brina Stein Geboren wurde sie in Berlin, aufgewachsen ist sie in Lübeck, und heute lebt sie mit ihrem Mann im schönen Taunus. Bereits vor über zwanzig Jahren entdeckte sie ihre Leidenschaft für Kreuzfahrten. Rechnet man ihre Aufenthaltszeit an Bord zusammen, kommen 2,5 Jahre dabei heraus.

Ihre Erlebnisse verbindet sie gerne mit ihrem Schreiben, sodass ihre Reiseerfahrungen die Grundlage für ihre ersten Kreuzfahrtgeschichten bilden.

Seit ihrem Debüt im Jahr 2012 hat sie insgesamt fünfzehn Bücher veröffentlicht, die in verschiedenen Verlagen erschienen sind. Außerdem war sie Herausgeberin von zwei Anthologien, bei denen sie mit anderen Autoren zusammenarbeitete.

Im Jahr 2020 wagte sie sich mit dem Krimi „Mord im Schatten des Turms" in ein neues Genre, den sogenannten cosy Regionalkrimi. Dieser Erfolg führte 2022 zur Fortsetzung „Mord ohne Reue". Beide Krimis spielen in Eppstein und Umgebung und zeichnen sich durch zahlreiche Schauplätze aus, die die Autorin auch gern persönlich besucht. Für die Leser gibt es außerdem eine große Portion Humor! Ihr dritter Eppstein-Krimi „Mord aus Gnade " setzt die Reihe fort.

In 2023 und 2024 erschien ihr Fweiteiler „Die Familienreederei" — Stürmische Zeiten und Zeit der Wahrheiten. Dieser Familienroman dreht sich um die 38-jährigen Zwillinge Lara und Lars. Die Geschichte spielt sowohl auf einem Kreuzfahrtschiff als auch im Ostseebad Travemünde, das die Autorin liebevoll ihren „Heimathafen" nennt

Fazit: Autorin Bnna Stein schreibt nicht alles, sondern das, was sie liebt — mit Herz Humor und einem festen Kurs Richtung Meer.

Mehr Infos findet man auf der Webseite von Brina Stein www. brinastein.de und auf ihrem Reise & Lifestyleblog Kreuzfahrtautorin www.kreuzfahrtautorin.de

Autorin Brina Stein

Foto: Juel Marcand

Eppstein, du wunderschöne Stadt!

Inhalt

Freunde:

Prolog

Kapitel 1: Sackgasse

Kapitel 2: Uffenanner

Kapitel 3: Hibbelisch

Kapitel 4: Spitzgligger

Kapitel 5: Zabbeduuster

Kapitel 6: Aufert!

Kapitel 7: Dunke

Kapitel 8: Hammamäßisch

Epilog

Danke:

Freunde

Freunde teilen und wissen alles voneinander, sie sind immer da, wenn man sie braucht! Und sieht man sie auch nicht immer, so sind sie doch immer da. Im Herren und in den Gedanken. Ein Geheimnis ist gut aufgehoben bei Ihnen! Sie nehmen Dich, so wie Du bist ohne Wenn und Aber und ohne lange zu fragen, einfach so! Sie geben ohne zu erwarten, freuen sich für Dich, wenn es Dir gut geht und weinen mit Dir, wenn es mal nicht so gut läuft. Sie sind die Engel auf Erden, die wir brauchen, um zu leben. Du bist einer dieser Freunde und ich bin dankbar, dass es Dich gibt! Du warst immer da, egal wie ich war und egal, wie ich mich verhalten habe. Das weiß ich sehr zu schätzen!Danke für Deine Freundschaft und danke, dass es Dich für mich gibt! Viel Glück für Dich, für Deinen Weg mögest Du ihn finden! Schön, dass es Dich gibt!

Ulrike Dekker

Prolog

Oberkriminaloberrat Frank Eisenhauer schläft tief und fest. Es ist Sonntagmorgen, der 1. Mai und sechs Uhr in der Frühe. Am vergangenen Abend ist er mit seiner Frau bei Freunden eingeladen gewesen und es war spät geworden. Sie haben bereits ein wenig seine Altersteilzeit gefeiert, die in knapp einem Monat beginnen soll.

Im Traum sitzt er in Spanien auf der Terrasse seines gekauften Hauses in Málaga und schaut auf das türkisfarbene Meer, das in der Sonne vor ihm glitzert. Gerade genießt er einen großen Schluck Sangria.

Das Klingeln seines Smartphones befördert ihn zurück in die Realität. Nach über 40 Jahren Polizeidienst ist er immer sofort beim ersten Klingeln wach. Er schielt zur digitalen Uhrzeitanzeige seines Weckers, die unbarmherzig 06:05 Uhr zeigt. Seine Frau neben ihm schläft trotzdem tief und fest. Darin hat sie viele Jahre Übung. Er greift routiniert zum Telefon und sieht, dass seine neue Kollegin Lea anruft, die er als Nachfolgerin einarbeitet. Sein Kopf dröhnt noch ein wenig von dem guten Wein gestern Abend, und seine Beine fühlen sich schwer und müde an.

Ach nee, denkt er genervt, drückt aber auf den Annahmeknopf. Er war immer pflichtbewusst bei seiner Arbeit, und das würde sich auch in den letzten Wochen nicht ändern. „Na, Lea, wo brennt es?“ Seine Stimme klingt munterer, als er sich fühlt.

„Chef“, wispert Lea in den Hörer, „wir haben eine Leiche.“

„Wo?“ Eisenhauer setzt sich kerzengerade im Bett auf. Chef hat sie ihn zuvor noch nie genannt.

„Sie liegt im Schwarzbach in Eppstein unter der Brücke, die zum Bahnhof führt. Also neben der Musikschule.“

„Ich weiß schon, wo das ist“, sagt Eisenhauer, der mit den Örtlichkeiten in Eppstein bestens vertraut ist. „Können Sie das nicht allein machen?“

„Nein.“ Leas Stimme klingt verzweifelt. „Es ist doch meine erste Leiche und mein erster Fall. Ich brauche Sie da wirklich und mir ist irgendwie auch übel.“

„Sie werden doch schon mal einen Toten gesehen haben?“ Eisenhauers Stimme klingt ein wenig unwirsch. Nur zu gern würde er sich wieder rückwärts in die Kissen fallen lassen. „Ist die Spusi schon verständigt?“

„Ja.“ Leas Stimme hört sich am Telefon momentan wie die eines kleinen Mädchens an. In der ersten Woche ihrer Einarbeitung hatte Eisenhauer eher ihre arrogante Seite kennengelernt.

„Gut, lassen Sie das Gelände weiträumig absperren. Wer hat die Leiche gefunden?“

„Eine Joggerin.“

„Die können Sie schon mal vernehmen. Ich bin in knapp 15 Minuten da.“

„Danke.“

Eisenhauer streift wahllos ein paar Klamotten über, die über dem nächsten Stuhl liegen. Er schaut nach seiner Frau. Sie schläft noch immer fest. Es ist ihr gemeinsamer Alltag seit über 40 Jahren. Er hinterlässt ihr - wie immer - einen Zettel auf dem Küchentisch.

Eine Leiche in Eppstein, ich beeile mich. Liebe dich, Kuss

Auf der kurzen Fahrt von Hofheim nach Eppstein denkt er über seine neue Kollegin nach. Als sie ihm vor einer Woche, als seine Nachfolgerin vorgestellt wurde, traf ihn fast der Schlag. Eine 25-jährige Frau soll in Zukunft Morde in seinem Bezirk aufdecken?

Lea Wagner hat das dreijährige Studium zur Kriminalkommissarin absolviert, aber aufgrund der Tatsache, dass sie auch noch irgendeinen Bachelor hat, auf zwei Jahre verkürzen können. Nun arbeitet sie auf Probe, bevor sie dann ihre ersten, offiziellen Titel erhalten wird. Dummerweise ist beim BKA in Wiesbaden keine Stelle frei gewesen und daher hat der Polizeipräsident entschieden, Lea als Eisenhauers Nachfolgerin erst mal in Hofheim einzusetzen, trotz fehlender Ermittlungserfahrungen. Ihm hat er die Einweisung übertragen, worüber der Oberkrimmaloberrat nicht glücklich ist. In der Woche hatte er mit ihr überwiegend Bürotätigkeiten erledigt und nur eine Zeugenbefragung betreffend eines Einbruchs durchgeführt. Dabei hat Lea sich sehr selbstsicher, unnahbar und arrogant ihm gegenüber verhalten.

Umso mehr überrascht ihn jetzt ihre Unsicherheit, die er eben durch das Telefon gespürt hat. Und dazu die aufkommende Übelkeit beim Anblick einer Leiche!

Von der L455, die an der malerischen, historischen Eppsteiner Altstadt und seiner Burgruine vorbeiführt, kann er links zur Musikschule hinunterblicken. Er zählt einige Einsatzfahrzeuge der Polizei, aber keinen Krankenwagen. Dafür sieht er eine große Menschentraube vor der Musikschule stehen, trotz der frühen Morgenstunde. Er vermutet, dass es die Anwohner aus den benachbarten Häusern sind.

Eisenhauer parkt den Wagen direkt seitlich neben der Schule, im absoluten Halteverbot. Sein Blick geht hinüber zum Kaisertempel, über dem gerade die Sonne aufgeht, und er seufzt. Mühevoll drängelt sich der Kriminaloberrat durch die Menge der Menschen und schlüpft dann lässig unter dem Absperrband hindurch. Kurz nickt er den anwesenden Kollegen zu, die das Gelände nach verdächtigen Gegenständen ab suchen und entdeckt Lea. Sie ist in ein Gespräch mit einer Frau in Joggmgklamotten verwickelt, die sehr blass im Gesicht wirkt. Lea strahlt ihm förmlich entgegen.

„Mein Kollege, Kriminaloberrat Frank Eisenhauer, Frau Bein.“

Die zwei schütteln sich die Hand.

Eisenhauer schätzt die Frau auf Anfang fünfzig.

„Was machen Sie denn hier am frühen Sonntagmorgen? Noch dazu an einem Feiertag?“

„Frau Simone Bein joggt jeden Sonntagmorgen zum Kaisertempel hinauf und läuft dann auf dem Rückweg hier am Bach entlang, bevor sie durch die Altstadt den Weg zurück in Richtung oberes Villenviertel einschlägt. Sie wohnt dort. So weit waren wir schon.“

In Leas Stimme kehrt die Arroganz zurück.

„Wirklich jeden Sonntag?“ Eisenhauer zeigt sich beeindruckt.

,Ja, die einzige Chance, bevor ab 8:00 Uhr das Familienleben erwacht. Es ist meine Art, von der Woche abzuschalten und mal etwas für mich zu tun. Und wenn es heute später mit der ganzen Familie zum Radrennen geht, dann finde ich keine Zeit mehr.“

Eisenhauer nickt. „In zwei Stunden sind hier ohnehin alle Straßen gesperrt wegen des Radrennens. Da kommen Sie nicht mal als Joggerin über die Straße. Erzählen Sie bitte noch mal, was vorhin genau geschah, als sie hier eintrafen.“

„Es war heute wie immer. Ich liebe die frühen Morgenstunden am Kaisertempel. Als ich auf dem Rückweg in den Weg zur Musikschule einbog, klingelte mein Mobiltelefon. Es war mein Mann, der fragte, ob ich Brötchen mitbringen könne, da wir gestern vergessen haben, Brot zu kaufen. So blieb ich stehen und ging langsam im Gespräch weiter. Als ich auflegte und mein Telefon zurück in die Jackentasche steckte, sah ich, dass jemand mit dem Gesicht zum Wasser im Bach lag. Ich rüttelte kurz an den Schuhen, aber die Person bewegte sich nicht. Da bekam ich Angst und rief bei der Polizei an.“

„Das reicht erst mal“, bestimmt Eisenhauer.

„Haben wir Ihre Personalien und eine Telefonnummer?“

„Natürlich“, bestätigt Lea und klopft auf ihr Tablet.

Dieses neumodische Gerät, das Lea immer und überall mit sich herumschleppt, geht Eisenhauer auf den Geist. Er setzt noch immer auf sein gutes, altes Notizbuch oder eben sein Gedächtnis. Lea hatte während der Woche versucht, ihm die Vorteile des Gerätes näherzubringen, von dem sie auf ihre Cloud und von allen ihren Geräten zugreifen könne, doch es hat ihn nicht interessiert.

„Sie können jetzt gehen oder ... äh ... laufen.

Aber halten Sie sich bitte zur Verfügung in der nächsten Zeit. Auch eventuell heute noch am Sonntag und bitte trotz Radrennen. Wenn Ihnen im Nachhinein noch etwas einfällt, dann rufen Sie mich an.“ Er überreicht ihr seine Visitenkarte.

Simone Bein verspricht es und entschwindet so schnell, wie sie nur kann durch die immer noch gaffende Zuschauermenge.

„Ich bin mit Frau Bein schon via WhatsApp verbunden“, protzt Lea.

Der Kriminaloberrat ignoriert ihren, wie er findet, überflüssigen Kommentar und blickt der Frau nach. „Sie hat es ja sehr eilig.“

„Die halten Sie doch nicht für verdächtig, oder?“

Lea wirkt verunsichert. „Frau Bein muss zu ihrer Familie. Sie haben doch gehört, was da heute alles ansteht.“

Eisenhauer sieht ihr direkt ins Gesicht, ohne die Frage zu beantworten: „So, wir werfen einen Blick auf die Leiche. Kommen Sie mit, Lea.“

Ihre Augen flackern nervös, aber sie schweigt.

Am Bach treffen sie auf Norbert Engel von der Spurensicherung, den langjährigen Kollegen des Krimmaloberrats. Er ist klein und untersetzt und ein paar Jahre jünger als Eisenhauer.

Die Leiche wurde bereits aus dem Wasser gezogen und auf den Rücken gedreht.

„Gude, hast du schon was?“ Eisenhauer hofft, dass es hier schnell geht. Sein Magen hat gerade ein erstes Knurren von sich gegeben.

Norbert steht auf und reckt sich. „Gude, Frank.

Ein Mann, vermutlich um die zwanzig Jahre alt.

Papiere hat er keine bei sich. Geld auch nicht. Er stinkt wie ein ganzes Bierfass.“

Angewidert verzieht Norbert das Gesicht.

„Meine neue Kollegin Lea Wagner“, stellt Eisenhauer vor.

Norbert lächelt der jungen Frau herzlich zu.

Der Kriminaloberrat betrachtet die Kleidung des Mannes. Sie wirkt abgerissen. Seine Haare sind blond und schulterlang.

Norbert deutet auf den Kopf und dreht ihn leicht.

Eisenhauer sieht neben einer Platzwunde über der Stirn auch eine große, sehr tiefe, rote Wunde am Hinterkopf, aus der er stark geblutet haben muss.

Lea bemüht sich, ein Würgen zu unterdrücken, aber es gelingt ihr nicht. Tadelnd blickt Eisenhauer sie an.

„Die Kollegen durchkämmen gerade den Bach und die nahe Umgebung, haben aber bisher nichts Interessantes gefunden. Außer dem großen Stein, der aus dem Wasser ragt. Auf den muss er gestürzt sein, denn dort haben wir auch Spuren vom Blut gefunden. Wir haben zur Sicherheit eine Probe genommen.“ Norbert deutet auf die Platzwunde an der Stirn.

„Vermutlich ist er betrunken in den Bach gefallen. Da haben wir gar keinen Fall“, mischt sich Lea ein, die in sicherer Entfernung stehen geblieben ist. „Einfach einen Leichenwagen holen und ab mit ihm.“

Eisenhauer und Norbert mustern die Kollegin entgeistert.

„Es ist ihr erster Fall. Lea ist Kommissarin auf Probe“, erklärt Eisenhauer und beginnt selbst ein wenig das Ufer des Schwarzbaches abzusuchen.

Auf einmal stößt er mit dem rechten Fuß gegen eine leere Bierdose. Er dreht sie mit dem Fuß hin und her und sieht, dass sie von einer ihm unbekannten Brauerei stammt. „Norbert, nehmt die mal mit und untersucht sie auf Spuren.“

„Das verstehe ich jetzt nicht.“ Lea wird zickig.

„Liebe Kollegin, der Mann riecht wie eine ganze Kneipe und hier liegt eine Dose Bier. Das ist schon eine Untersuchung wert, oder? Es könnte eine wichtige Spur sein.“ Eisenhauer wird ungeduldig.

So hatte er sich den ersten Einsatz mit Lea nicht vorgestellt.

„Ich schätze den Todeszeitpunkt grob auf 04:00 Uhr, die Leichenstarre am Kiefer ist nämlich schon eingetreten. Und Frank, ich habe noch etwas Wichtiges entdeckt“, verkündet Norbert und ignoriert die abseitsstehende Kollegin bewusst.

Eisenhauer tritt wieder an die Leiche, während Lea auf ihrer Position verharrt. Norbert zieht die dünne Jacke der Leiche auf beiden Seiten an den Armen ein Stück hoch.

„Ein Junkie, ein toter Junkie in Eppstein im Bach“, ruft Eisenhauer überrascht aus, als er die Einstiche an beiden Unterarmen erkennt. „Auch das noch. Der ist garantiert nicht von hier, sondern aus dem Drogenmilieu einer Großstadt.“

„Und wie kam er hierher?“ Lea versucht zumindest, Fragen zu stellen, um sich zu beteiligen.

„Genau das zu ermitteln, ist jetzt Ihre Aufgabe.“

Eisenhauer ist unerbittlich. „Sie werden nachher in den örtlichen Restaurants und Bars in der Altstadt und Umgebung nachfragen, ob jemand unsere Leiche kennt oder gestern Abend gesehen hat. Es werden später in der Stadt viele Menschen unterwegs sein wegen des Rennens. Das ist eine große Chance für uns. Halten Sie sich zunächst heute ausschließlich an die Lokalitäten in der Eppsteiner Altstadt. Morgen suchen Sie jeden Supermarkt, jede Tankstelle, jeden Getränkemarkt, jeden Laden in Eppstein und allen Vororten auf und befragen jede Kassiererin. Und erst danach will ich Sie wieder im Büro sehen. Halten Sie mich aber auf dem Laufenden und machen Sie jetzt Fotos von der Leiche. Die können Sie mir später per What Apps senden.“

Lea rührt sich keinen Zentimeter.

„Fahren Sie von mir erst nach Hause frühstücken. Dann geht es los. Schauen Sie unbedingt in der Eppsteiner Zeitung die Straßensperren aufgrund des Radrennens nach. Sie finden sonst später keinen Parkplatz nahe der Altstadt. Alles klar?“

Lea kommt näher und macht mit ihrem Tablet Fotos des Toten. Ihre Hände zittern dabei. Ohne einen Abschiedsgruß wendet sie sich zum Gehen.

Dann übergibt sie sich auf den Rasen.

Norbert und Frank tauschen einen Blick.

Lea zückt ein Taschentuch aus ihrer Handtasche, schnäuzt geräuschvoll hinein und wischt sich den Mund ab. Schnellen Schrittes verlässt sie danach den Tatort. Eigentlich hat sich Lea heute auf einen freien Tag mit ihrem Freund gefreut, doch daraus wird offensichtlich nichts.

„Und, Lea, rufen Sie mich an, wenn sich eine Spur ergibt“, ruft Eisenhauer ihr noch hinterher, ist sich aber nicht sicher, ob sie ihn gehört hat.

„Mit der hast du ja das große Los gezogen“, findet Norbert und grinst.

„Frisch mit der Ausbildung beim BKA fertig, keine Berufserfahrung, Angst vor Leichen gepaart mit Übelkeit und obendrein eine Überheblichkeit, die ich unfassbar finde. Aber der Polizeipräsident hat so entschieden. Es müsse mal frischer Wind in den Taunus findet er und in Wiesbaden beim BKA sei gerade kein Platz frei.“

Norbert lacht.

„Die zwei Praktika bei der Landespolizei und im BKA von jeweils sechs Monaten waren wohl eher Kaffeekränzchen mit dem Innendienst. Ich habe sie mal gefragt. Noch lachst du, Norbert. Aber, in vier Wochen bin ich weg und sitze in meinem Häuschen in Spanien, dann darfst du mit ihr arbeiten.“

Erst jetzt begreift Norbert, dass bald er das Problem haben wird. Sein Vorruhestand ist mindestens noch fünf bis sechs Jahre entfernt.

„Glaubst du auch daran, dass unsere Leiche einfach betrunken in den Bach gefallen ist?“, fragt er Frank.

Eisenhauer geht zum Ufer und lässt sich den genauen Fundort der Leiche in dem Gewässer zeigen. Er steigt sogar mit den Schuhen ins Wasser.

Dann schüttelt er mit dem Kopf. „Nein, schau, wenn er sich vielleicht auch betrunken an der Leitplanke festgehalten hat, als er den Weg entlang kam, dann müsste er doch dort vorne in den Schwarzbach gefallen sein und nicht erst hier, drei Meter weiter. Sieh mal, wie tief die Wunde am Hinterkopf ist, die kann nicht von dem Sturz sein.

Das war kein Stolpern und Fallen. Der Mann wurde am Ufer mit einem Gegenstand erschlagen und in den Bach geschubst. Da gehe ich jede Wette em. Vermutlich sollte es wie ein Unfall aussehen.

Durchkämmt nochmals das Ufer, ob ihr eine mögliche Tatwaffe findet, die infrage kommt.“

„Okay.“ Norbert ruft sein Team zusammen.

„Das machen wir und dann untersuche ich ihn gleich in der Rechtsmedizin. Ich rufe dich nachher mit ersten Ergebnissen an.“

Eisenhauer klopft ihm auf die Schulter und will sich verabschieden.

„Ich glaube, ich werde unsere neue Kollegin Prinzessin Lea nennen“, feixt Norbert in Anspielung auf die berühmte Star-Wars-Serie.

„Mache es so, wie du denkst, mein Engel“, erwidert Eisenhauer und spielt wie so oft mit dem Nachnamen seines Kollegen, „aber meine Tage als Han Solo bei der Polizei sind gezählt und glaube mir, bei der verliert selbst der gutmütigste Wookiee seine Nerven.“

Norbert lacht schallend auf.

Noch immer steht die gaffende Menge hinter der Absperrung da, teilweise nur mit Bademänteln bekleidet. „Sie können wieder in ihre Häuser gehen, hier gibt es nichts mehr zu sehen. Es sei denn, jemand von Ihnen hat etwas gehört oder mitbekommen heute Nacht um 4:00 Uhr“, ruft Eisenhauer.

Alle schütteln mit den Köpfen. Eisenhauer setzt seinen Wagen zurück, wendet in der kleinen Gasse und freut sich auf ein ausgedehntes Frühstück mit seiner Frau. Je nachdem wie es weiterläuft, verspricht der eigentliche Feiertag heute noch turbulent werden.

Kapitel 1

Sackgass1

Sowohl der Gottfried- als auch der Werner-Platz in der Eppsteiner Altstadt sind mit Menschen übersät.

Die Burgstraße, durch die in Kürze der erste Durchgang der Rennradelite des Rennens Frankfurt — Eschborn führt, ist bereit für die Sportler. Zum ersten Mal sind rechts und links der holprigen Asphaltstraße Absperrgitter errichtet, die zum einen die Fahrer, aber auch das Publikum schützen sollen. Die Stadtentwicklungsgesellschaft hat die örtlich ansässigen Firmen zusammengetrommelt, und diese haben ihre Werbung mit Banderolen an den Gittern angebracht, sodass der Regionalbezug bei diesem Rennen nicht fehlt. Ganz Eppstein scheint auf den beiden Plätzen zu sein und stärkt sich an den aufgebauten Ständen der Vereine mit Bratwurst und Getränken. Auch der Eppsteiner Mundschenk, der Weinlieferant des Ortes, hat seinen Laden geöffnet.

Das Geschäft befindet sich in dem historischen Gebäude unterhalb der Eppsteiner Zeitung.

Als Lea endlich in der Altstadt eintrifft, weiß sie nicht so recht, wo sie anfangen soll. Zwar hatte sie sich vorab auf Empfehlung Ihres Chefs die Straßensperren angesehen, doch als sie in Eppstein eintrifft, sind die meisten Parkplätze belegt. Zum Bahnhof kommt sie nicht durch und nachdem sie gefühlt unzählige Runden gedreht hat, findet sie auf dem großen Parkplatz vor dem Edeka Supermarkt Baßler unerwartet doch noch einen Platz. Der Markt liegt der Eingangsstraße zur Altstadt gegenüber.

Erst jetzt fällt ihr auf, wie schön diese Altstadt ist, die am Fuße der alten Burgruine liegt. Heute Morgen hatte sie vor lauter Aufregung gar keinen Blick dafür. Sie war zuvor noch nie in Eppstein gewesen. Lea trifft auf dem Gottfried-Platz ein. Sie sieht einen Mann, mit einem Tablet in der Hand, der ein türkises Poloshirt trägt, der von einer Frau, ebenfalls im legeren Shirt, begleitet wird. Der Mann hat ein Mikrofon vor sich auf dem Bistrotisch liegen, und Lea denkt, dass diese beiden ihre ersten idealen Ansprechpartner sein könnten. Vermutlich leiten sie das Rennen für die Stadt und kennen bestimmt viele Bewohner. Mutig spricht sie den Mann an, zückt professionell ihren Ausweis und präsentiert das Foto des ermordeten Mannes aus dem Bach.

Ihr Gesprächspartner zuckt zusammen: „Was ist mit dem Mann, warum suchen sie ihn?“

Interessiert beugt sich seine Kollegin ebenfalls über Leas Tablet.

„Er wurde heute Morgen tot im Schwarzbach gefunden. Kennen Sie ihn?“

Nun blicken beide sich erschrocken an. „Warum fragen sie hier nach ihm?“, will die Frau wissen.

„Wir haben doch heute ein Fest.“

„Er roch stark nach Alkohol und mein Chef hat mir aufgetragen, mich in den Lokalitäten der Altstadt umzusehen, ob er möglicherweise gestern Abend hier war.“

Der Mann legt ihr seine Hand auf den Arm.

„Dann machen Sie bitte genau das, aber bringen Sie nicht das Publikum hier in Aufregung, ich bitte Sie.“

Ein wenig beleidigt zieht Lea ihres Weges und hört noch, wie der Mann zu seiner Kollegin sagt:

„Wieso wissen wir davon nichts? Das gibt es doch nicht. Eine Leiche wurde am Morgen in unserer Stadt gefunden.“

„Wir klären das später. Moderiere erst einmal die Durchfahrt, Alexander, die Fahrer müssten schon Ehlhalten passiert haben.“

Der Mann schaut auf sein Tablet, auf dem er das Fahrerfeld beobachtet und nickt. Dann greift der Bürgermeister zum bereitgelegten Mikrofon.

Lea findet einen Durchgang durch die Absperrungen in Höhe der Talkirche und schlüpft auf die andere Straßenseite, wo sie ein Pub entdeckt hat. Sie öffnet die Tür. Außer dem Wirt hinter der Theke ist der Laden leer. Nur der Fernseher in der Ecke läuft und überträgt das Radrennen. Gerade werden Aufnahmen aus der Luft von der Burgstadt Eppstein gezeigt, dann wird wieder auf die radelnde Menge geschwenkt.

Lea räuspert sich, doch der Wirt poliert konzentriert Gläser und nimmt keine Notiz von ihr. Sie zückt sie ihren Dienstausweis: „Kripo Hofheim, Lea Wagner mein Name, ich habe eine Frage an Sie.“

So kennt sie es aus den Vorabendkrimis und findet sich brillant.

Der Wirt hebt nicht den Kopf, sondern knurrt:

„Was wollen Sie?“

„War dieser Mann gestern Abend in Ihrem Pub?“ Sie legt Ihr Tablet auf den Tresen.

Langsam schaut der Wirt auf, dann konzentriert er sich wieder auf seine Gläser.

„Nein.“

„Kennen Sie den Mann?“ Lea beschließt, nicht so schnell aufzugeben.

„Wieso?“

„Das darf ich Ihnen nicht sagen“, versucht sie es nun anders und setzt eine wichtige Miene auf.

„Dann muss ich auch nichts sagen“, befindet der Wirt.

„Ich bin die Kripo“, platzt es aus Lea heraus.

Um ihre Worte zu unterstreichen, stapft sie mit dem rechten Fuß auf. „Also kennen Sie ihn, und wenn er gestern Abend nicht da war, dann vielleicht an einem anderen Abend?“

Der Wirt hebt den Blick und sieht ihr direkt in die Augen. „Nie gesehen.“

Lea erkennt, dass sie hier nicht weiter kommt, und verlässt den Pub grußlos.

Als sie auf die Straße tritt, hört sie die Stimme des Anzugsträgers aus dem Mikrofon: „Und jetzt, jetzt biegen sie in die Burgstraße ein. Gleich sind sie bei uns. Lasst uns gemeinsam zeigen, dass Eppstein lebt.“

Daraufhin brechen rechts und links der Straße die Menschenmengen in einen frenetischen Jubel aus und die ersten Fahrer des Radrennens schießen förmlich auf ihren Rädern durch die enge Altstadtgasse. Lea wird leicht schwindelig bei deren Tempo.

„Wie toll unser Bürgermeister das moderiert“, hört sie neben sich eine Frau zu ihrer Begleitung sagen. Diese stimmt zu. Lea zuckt zusammen. Ihr ist nicht bewusst gewesen, dass sie vorhin mit dem Oberhaupt der Stadt gesprochen hatte. Aber es war ihr auch egal. Sie wartet, bis noch der letzte Rennfahrer und ein paar Busse, die Ersatzfahrräder transportieren, durchgefahren sind, dann wechselt sie wieder auf die andere Straßenseite.

Weder in den zwei geöffneten Gasthäusern noch im Café will jemand das Mordopfer kennen oder bestätigen, dass er gestern Abend in der Altstadt gesehen wurde. Lea fühlt sich hilflos. Das Restaurant am Bahnhof steht noch zur Befragung aus. Doch sie beschließt für sich, erst mal eine Pause einzulegen. Neugierig geht sie die Rossertstraße entlang, die steil ansteigt, um mehr von der Burgruine zu sehen. Am Spielplatz bleibt sie stehen und macht ein Foto von den eindrucksvollen, dicken Burgmauern. Lea ist fasziniert. Das Foto sendet sie per WhatsApp ihrem Freund Niklas und schreibt dazu:

Schau mal, an was für einem coolen Ort ich gerade ermittle.