Mrs. Pings und der Glücksgarten - Kathrin Schachtschabel - E-Book

Mrs. Pings und der Glücksgarten E-Book

Kathrin Schachtschabel

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Beschreibung

Willkommen in Mrs Pings' magischer Nachhilfeschule! Englisch lernen? Langweilig! Zumindest dachten das Merle, Max und Tilda – bis sie Mrs Pings treffen. Ihre Wohnung ist ein Dschungel voller Pflanzen, sprechender Papageien und eines gefräßigen Pelikans. Hier wird Lernen zum Abenteuer! Doch der griesgrämige Hausmeister Herr Sparbier droht, ihre zauberhafte Welt zu zerstören. Jetzt müssen die Kinder nicht nur Vokabeln pauken, sondern auch für Mrs Pings' Zuhause kämpfen. Ein magisches Kinderbuch über Freundschaft, Mut und die Freude am Lernen!

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 152

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Willkommen in der Nachhilfeschule von Mrs Pings
Kapitel
Mrs Pings’ ganz kurzer Vokabeltest

Kathrin Schachtschabel

Mrs Pings und der Glücksgarten

Die magische Nachhilfeschule

Mrs Pings und der Glücksgarten

Die magische Nachhilfeschule

Copyright © 2025 VAJOSH Verlag GmbH

Lektorat: Michelle Markau

Korrektur: Désirée Kläschen und Lara Gathmann

Umschlaggestaltung: Diana Gus

Satz: VAJOSH Verlag GmbH, Oelsnitz unter Verwendung von

selbstgezeichneten Motiven von Diana Gus

VAJOSH Verlag GmbH

Carl-Wilhelm-Koch-Str. 3

08606 Oelsnitz 


Teil der SCHÖCHE Verlagsgruppe GmbH

Willkommen in der Nachhilfeschule von Mrs Pings

Entdecke die Magie des Englischlernens!

Mit Spaß und Spiel ans Ziel – das ist hier das Motto.

Mrs Pings’ außergewöhnlicher Unterrichtsstil zaubert mühelos Vokabeln in deinen Kopf.

In unserer kleinen Gruppe erlebst du individuelle Förderung und kannst deine verborgenen Talente entdecken. Denn wir glauben daran, dass jeder einzigartig ist und seine eigene magische Stärke hat.

Unser Unterricht findet im Grünen statt, an einem Ort voller Zauber und Wunder, an dem die Natur uns umgibt und uns mit ihrer Magie inspiriert. Unser Klassenzimmer ist alles andere als gewöhnlich. Kreativität und Fantasie werden hier großgeschrieben.

Langweilig war gestern. Wir lernen auf ganz besondere Art Englisch. Ob wir mit einem sprechenden Papagei die Grammatik erforschen oder mit einer singenden Geburtstagskarte Vokabeln lernen – bei Mrs Pings ist jeder Tag ein Abenteuer!

Bist du bereit?

Dann melde dich noch heute an oder vereinbare einen kostenlosen Schnuppertermin bei:

Poppy Pings, Telefon 000273849

Kapitel

Nervige Nachhilfe

Ein Tafelvogel und ein nicht sprechender Pelikan

Spitzenmäßig

Nobody is perfect

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen

Tierisch was los

Kein Sterbenswörtchen, Törtchen!

Mrs Pings’ grüner Daumen

Ein Ärgernis kommt selten allein

Weltbester Max

Nicht nur Abschied tut weh

Ach du harte Nuss

Versöhnung auf ganzer Linie

Glücksgartenglück

Wer hätte das gedacht?

Noch mehr Talente

Nur mal kurz schnuppern?

Jeder kann Englisch lernen!

Tilda streckte ihren Zeigefinger aus und suchte den richtigen Namen unter den vielen Klingelschildern.

Pings. Ganz oben links.

Ein kleiner weißer Aufkleber mit bunten Blümchen war daneben geklebt. Tilda fand ihn genauso witzig wie Mrs Pings’ Nachnamen, auch wenn sie es überhaupt nicht witzig fand, von diesem Schuljahr an jeden Montag Nachhilfestunden in Englisch zu bekommen. Als ob es nicht reichen würde, den ganzen Vormittag in der Schule zu sitzen.

Keiner durfte essen oder reden.

Nicht einmal laut denken war erlaubt.

Megalangweilig!

Gerade als sie auf die Klingel drücken wollte, ertönte hinter ihr eine Hupe und Tilda zuckte zusammen.

Sie drehte sich um. Es war nur Paps, der sie mit dem Auto hergebracht hatte, weil heute sein freier Tag war. Eigentlich wohnten sie gleich ein paar Straßen weiter, aber Papa wollte noch zum Einkaufen.

Damit er Tilda sehen konnte, beugte er sich über den Beifahrersitz, auf dem ihre kleine Schwester Sofie saß. Sofie winkte und Paps streckte einen Arm in Tildas Richtung. Sein Daumen zeigte nach oben. Tilda zog die Mundwinkel kurz nach unten, lächelte dann aber wieder.

Paps hatte gut reden. Er musste in seinem Job als Museumsführer fast jeden Tag mit Menschen sprechen, die kein Deutsch verstanden. Englisch konnte er perfekt.

Kein Wunder, dass er für die Nachhilfestunden gewesen war. Er hatte Mama, die das Geld lieber für den nächsten Sommerurlaub hatte ausgeben wollen, mit seinen Argumenten überstimmt.

»Aber in den Ferien ist Nachhilfe verboten!«, hatte Tilda protestiert.

»Strengstens!«, hatte Paps gesagt und dabei gelächelt und wie so oft in Zeitlupe mit beiden Augen gezwinkert.

Was Tilda mochte, weil es ihr immer ein richtig gutes Gefühl machte.

»Englisch ist doch das Tor zur Welt«, hörte Tilda ihren Papa in ihren Gedanken sagen.

Dann hupte es noch mal, diesmal klang es unfreundlicher. Es war auch nicht Papa, sondern ein Umzugsauto, das hier einparken wollte und dem Papa den Weg versperrte.

Tilda winkte Sofie noch einmal kurz, während ihr froschgrüner Opel schon über das Kopfsteinpflaster davonsauste.

Sie drückte die Klingel und einen Moment später summte es. Tilda lehnte sich gegen die schokoladenbraune Holztür und landete in einem Treppenhaus mit gelb gestrichenen Wänden. Das Licht brannte hell.

Hinter ihr fiel die Tür mit einem leichten Quietschen ins Schloss und der Lärm wurde leiser. Auch das Umzugsauto stellte jetzt seinen Motor ab. Nur das Klappern und Rumpeln eines Müllautos war zu hören. Und das Knarzen der abgenutzten Holzstufen, als Tilda einen Fuß vor den anderen setzte.

Hier drinnen roch es lecker nach Mittagessen. Tilda versuchte herauszubekommen, aus welcher Wohnung der Geruch kam. Im zweiten Stock wurde er noch intensiver. Hinter einer der Türen hörte Tilda Geschirr klappern.

Sie blieb davor stehen und schnupperte an dem mit goldenen Ornamenten verzierten Briefschlitz.

Eindeutig Curry.

Tilda machte die Augen zu und lächelte.

Hoffentlich öffnete jetzt niemand die Tür …

Sie musste an Tante Luises letzten Geburtstag denken.

Gemeinsam mit Omi und Opi waren sie indisch essen gewesen. Tilda stand total auf Hühnchen mit Reis, auch wenn es manchmal zu scharf für sie war.

Wenn sie es sich recht überlegte, würde sie bei Mrs Pings viel lieber Indisch lernen. Das wäre spannend!

Aber leider war das nicht Mrs Pings’ Wohnung. Und außerdem hatte Tilda schon gegessen. Nicht Curry, sondern Käsespätzle – Papas Lieblingsspeise.

An seinen freien Tagen kochte er sie oft.

Während Tilda, wenn sie nach der Schule alleine war, am kleinen Tisch in der Küche aß – meistens das Essen vom Vortag, das sie sich in der Mikrowelle aufwärmte –, deckte Papa montags immer so aufwendig den Wohnzimmertisch, als wäre Sonntag.

Er legte sogar Servietten neben den Tellern zurecht und zündete eine Kerze für Tilda an.

›Zelebrieren‹ nannte er das.

Das war Paps genauso wichtig wie Englisch.

Apropos. Tilda seufzte und ging weiter. Ob sie diese Sprache jemals lernen würde?

Für Tilda war sie jedenfalls nicht das Tor zur Welt, sondern nur ein abgesperrtes Gartentürchen. Und den Schlüssel, den hatte definitiv jemand versteckt.

Ein paar Meter vor ihr, auf dem Treppengeländer, das genauso schokobraun war wie die Haustür, entdeckte Tilda einen Schmetterling. »Ups, wo kommst du denn her?«

Tilda beobachtete einen Moment, wie er seine schwarz-orangefarbenen Flügel schloss und wieder öffnete, als wollte er ihr antworten. Dann suchte sie das Treppenhaus mit ihren Augen nach einem Fenster ab. Das einzige, das sie weiter oben an der Wand entdecken konnte, war unerreichbar für sie.

»Tut mir leid!«

Tilda wusste, man sollte Schmetterlinge nicht anfassen. Aber vielleicht hatte Mrs Pings ein leeres Einmachglas. Dann konnte Tilda später versuchen, ihn einzufangen, um ihn draußen fliegen zu lassen. Wenn er dann überhaupt noch da war …

Unten ertönte wieder das Summen der Haustür. Tilda schob ihre Umhängetasche auf die Seite und beugte sich ein Stück über das Holzgeländer. Ein Mädchen drückte die Tür auf, sah sich kurz um und kam dann nach oben.

Tilda überlegte noch, ob sie warten und das Mädchen vorbeigehen lassen sollte, doch die nahm immer zwei Stufen auf einmal und hatte Tilda schnell eingeholt.

»Willst du auch zu Mrs Pings?«, fragte Tilda, obwohl das Mädchen gar nicht aussah, als ob es kein Englisch konnte. Das Mädchen zupfte an ihrem kurzen dunkelblonden Zopf und nickte.

»Hi, ich bin Tilda.« Tilda streckte lächelnd ihre Hand aus und das Mädchen schlug vorsichtig ein.

»Merle«, sagte sie.

»Am Telefon hat Mrs Pings eigentlich ganz nett geklungen«, erwähnte Tilda, während sie nach oben gingen.

Merle zuckte mit den Schultern. Sie konnte wohl weder Deutsch noch Englisch besonders gut.

Vielleicht ja Indisch? Tilda hob freudig die Augenbrauen.

Wahrscheinlich war sie nur genauso genervt wie Tilda von der Nachhilfe.

Aber mal abgesehen davon, dass Englisch wirklich nicht Tildas Stärke war und sie am liebsten selbst entschieden hätte, ob sie herkommen wollte, musste sie zugeben, dass sie sich auch ein bisschen auf den Unterricht freute. Jetzt sogar noch mehr.

Tilda versuchte, Merle hinterherzukommen.

Als sie oben ankamen, stand die linke Wohnungstür einen Spalt breit offen, doch niemand war zu sehen.

Jetzt zuckte Tilda mit den Schultern, weil sie nicht wusste, ob sie noch mal klingeln sollten. Sie fand es unhöflich, einfach so eine fremde Wohnung zu betreten.

Gerade wollte sie auf den Knopf drücken, als Merle ihr zuvorkam.

Ein Wiehern ertönte.

Nach dem ersten Schreck sahen sich Tilda und Merle an und mussten grinsen. War das wirklich die Klingel gewesen?

»Vielleicht hat Mrs Pings ja ein Pferd im Korridor stehen«, überlegte Tilda laut.

Gleich darauf rief eine nicht weniger schrille, aber sympathische Stimme: »Nein, nein, ich habe nur einen Vogel. Also mindestens einen.«

Mit einem Schwung riss Mrs Pings kichernd die Wohnungstür auf. »Hereinmarschiert, Ladies!«

Sie trug ein kurzes himmelfarbenes Sommerkleid und war ungefähr so alt wie Tante Luise. Ihre fast schwarzen Locken waren aufgetürmt wie flauschige Wolken.

Eine richtige Lockenpracht, würde Omi dazu sagen.

Tilda fand, dass Mrs Pings zu ihrem Namen und ihrem Klingelschild passte.

»Wunderbar«, sagte Mrs Pings, als hätte sie das gehört.

»Eure Schuhe könnt ihr hier abstellen.«

Sie zeigte auf ein Schuhregal, das aus weißen Holzbrettern bestand. An der Seite waren orangefarbene Balken zu sehen, die das Ganze zusammenhielten.

Zwei Zimmerpflanzen und eine Gießkanne standen dort. Darüber hing ein Spiegel, in dem Merle etwas entdeckte. Sie tippte Tilda an und zeigte dann darauf.

Tilda drehte sich um. An der gegenüberliegenden Wand, auf einem Regal, wuchs tatsächlich … Topfsalat.

Tilda lächelte naserümpfend. Grünzeug mussten sie hier hoffentlich nicht essen!

Dann bückte sie sich, um ihre Sandalen auszuziehen.

»Hilfe, was ist das?!« Als sich Tilda wieder aufrichten wollte, flog dicht über ihrem Kopf etwas vorbei. Sie hielt sich die Hände über ihre Haare und sah erst Merle und dann Mrs Pings verwundert an.

»Nix passiert!«, sagte Mrs Pings.

»War das eine Amsel?« Merle machte große Augen.

»Sie hat leider nicht die besten Manieren.« Mrs Pings nickte und lehnte die Wohnungstür wieder an.

Und dann hörte Tilda erst einmal gar nichts mehr.

Weder Straßenlärm noch Geschirrklappern.

Die Wohnung verschluckte alles. Sogar den Geruch von Essen.

Oder war da doch etwas?

Max war völlig aus der Puste, nachdem er die vier Stockwerke hochgerannt war und endlich vor Mrs Pings’ Tür ankam. Er war viel zu spät dran. Dabei war er doch rechtzeitig zu Hause losgelaufen. Na gut, vielleicht war er nicht besonders schnell gelaufen, schließlich ging es zur Nachhilfe. Und wer wollte das schon? Aber er hatte Punkt drei Uhr das Haus seiner neuen Lehrerin erreicht.

Und wenn ihm dann nicht vier Umzugshelfer die Tür mit einem gigantischen, unförmigen und vollkornmehlfarbenen Ecksofa versperrt hätten, dann hätte er es auch geschafft. Aber als er endlich über das monströse Ding geklettert war, musste er danach noch mindestens sieben Umzugskartons umrunden, die vor der Erdgeschosswohnung standen. Und da war es leider bereits drei nach drei.

Max beugte sich nach vorn, stemmte seine Hände auf die Knie und versuchte, seinen Atem zu beruhigen. Dabei sah er, dass seine Armbanduhr nun schon fünf Minuten nach anzeigte. Mist! Er richtete sich schnell auf. Und da sah er noch etwas. Die Tür zu Mrs Pings’ Wohnung stand einen Spaltbreit offen. Kurz hielt er sein Ohr in die Richtung und lauschte. Aber es war still in der Wohnung, nur ein leises Summen war zu hören.

Hatte der Unterricht längst begonnen? Bestimmt.

Max seufzte. Er holte ein paarmal tief Luft und wollte gerade eintreten, als er stattdessen einen Schritt zurückwich.

Ein großer, langer, gelblicher Schnabel schob sich durch die Tür.

Ein Schnabel!

Kurz darauf blinzelten ihm außerdem zwei kleine, schwarze Kulleraugen aus einem hellen Federgesicht entgegen.

Max wischte sich über die Augen. Der große Vogel, denn es war einer, starrte ihn an. Und jetzt wusste Max auch, was das für ein Vogel war. Ein Pelikan.

Doch Halt! Ein Pelikan? Im vierten Stock? Mitten in der Stadt?

»Come in, Max«, ertönte eine Stimme.

»D-du kannst sprechen? Und das auch noch auf Englisch?«, wisperte Max überrascht und ziemlich erschrocken. Trotzdem ging er jetzt doch wieder auf die Tür zu.

Der Pelikan antwortete nicht, sondern verschwand in der Wohnung. Langsam stieß Max die Tür auf und lugte hinein. Von dem Vogel weit und breit keine Spur. Dafür stand dort eine Frau mit einer wilden Lockenfrisur, die ihn hineinwinkte.

»Welcome, Max«, sagte sie mit einem Lächeln.

Max nickte nur, ihm hatte es die Sprache verschlagen. Auch merkte er, dass er irgendwie enttäuscht war. Ein sprechender Pelikan als Englisch-Nachhilfelehrer – das wäre doch mal was gewesen. Da hätte er doch glatt Lust bekommen.

Noch ganz in Gedanken an die seltsame Vogelbegegnung versunken, zog er seine Schuhe aus und stellte sie neben zwei Paar Sandalen, die dort bereits ihren Platz gefunden hatten. Er folgte Mrs Pings den Flur entlang. Der Pelikan blieb verschwunden. Natürlich blieb er das! Den Vogel hatte er sich bestimmt nur eingebildet. Eine andere Erklärung gab es dafür schließlich nicht.

Im Wohnzimmer entdeckte Max zwei Mädchen, die auf einem bunten Sofa saßen und ihn neugierig betrachteten.

Na, das kann ja was werden!

»Max!«, quietschte da schon eine von ihnen, sprang auf und wiederholte: »Max! Du auch hier?«

»Äh …«, machte Max. Er musste kurz überlegen, doch dann erkannte er Tilda, die Tochter von Mamas Freundin Susi. Früher, als sie noch in den gleichen Kindergarten gegangen waren, hatte er Tilda fast täglich gesehen. Aber dann war sie auf eine andere Schule gekommen.

Tilda umarmte Max und gab ihm ein Küsschen auf jede Wange.

Genauso begrüßten sich ihre Mütter auch immer.

Das andere Mädchen auf dem Sofa aber kicherte bei den Küssen und Max merkte, dass er ganz rot anlief.

Glücklicherweise klatschte da Mrs Pings in die Hände und sagte: »Jetzt sind alle da, wie schön! Setzt euch. Sit down, sit down.«

Kurz grinste er Tilda etwas schief an und ließ sich dann schnell auf dem Sofa nieder.

»Total irre hier, oder?«, flüsterte das Mädchen, das dort bereits saß.

Max schaute sich um. Das Mädchen hatte recht. So ein Wohnzimmer hatte Max noch nie gesehen. Überall standen Blumentöpfe herum, Pflanzen in allen erdenklichen Grüntönen wuchsen darin, manche mit wunderlich schönen Blüten, andere so hoch wie die Decke.

»Da staunt ihr, was?«, bemerkte Mrs Pings. »Das ist meine Glückskastanie. Ihre Blätter sehen fast aus wie bei einer richtigen Kastanie, aber ganz so groß wird sie nicht. Anfangs war sie etwas zickig, doch nun drehe ich den Topf regelmäßig und seitdem hat sie richtig schöne grüne Blätter.«

Max nickte anerkennend.

Es gab auch einen Balkon. Vor dem stand eine fast zwei Meter hohe Sonnenblume. Die hatte dieselbe Farbe wie die Gardine dahinter.

Der Balkon allerdings erinnerte eher an einen Dschungel hinter einer Glasscheibe.

Doch bevor Max sich alles ganz genau angucken konnte, klatschte Mrs Pings erneut in die Hände und deutete auf eine besonders hohe Rankenpflanze mit wuchtigen, gummidicken Blättern, die mitten im Raum stand.

»Ich glaube, wir fangen heute einfach mal mit einer kleinen Vorstellungsrunde an. Und ich schreibe alles auf. Alright? Alright.«

Max zog die Augenbrauen hoch. Wie wollte sie da irgendwas aufschreiben? Etwa auf die Blätter? Doch dann schob die Nachhilfelehrerin ein paar Ranken beiseite und er erkannte eine altmodische grüne Tafel. So eine hatten sie noch im Kunstraum in der Schule. Ansonsten arbeiteten sie längst nur noch mit den modernen Whiteboards.

Was übrigens auch ein englisches Wort war. Tschakka.

»Ich fange einfach mal an, ja?« Mrs Pings lächelte alle der Reihe nach einmal an. »My name is Mrs Pings and I love plants.« Dabei tippte sie an die Rankenpflanze.

Sie nahm ein Stück Kreide aus der Tafelablage und schrieb auf: Mrs Pings – plants.

Dann schaute sie Max erwartungsvoll an. Er atmete erleichtert auf. So viel Englisch konnte er auf jeden Fall: »My name is Max«, sagte er also. Und was er mochte, darüber musste er sowieso nicht lange nachdenken: »And I love bakingcakes.«

Schon wieder kicherte das fremde Mädchen. Max seufzte, aber die Lehrerin strahlte ihn glücklich an und schrieb alles auf.

»Very good! Sehr gut, Max!«

Dann war das Mädchen dran. »My name is Merle and I love sports«, sprudelte es auch sofort aus ihr heraus.

»Prima. Bewegung ist das A und O!«, sagte Mrs Pings.

Da gab es für Max natürlich nichts zu lachen. Er war zwar nicht unsportlich, aber für eine Eins oder Zwei wie in den anderen Fächern reichte es selten.

Jetzt war Tilda dran. Max war gespannt.

»My name is Tilda and I love …« Tilda sprach nicht weiter. Sie schluckte und schaute sich hilflos um. »I …«, begann sie noch einmal, zuckte dann aber ratlos mit den Schultern.

»Schau!« Merle, die zwischen Max und Tilda saß, stieß erst Tilda, dann ihn an.

»Da ist die Amsel wieder«, rief Tilda und klang ziemlich froh über die Unterbrechung.

Ein kleiner dunkler Vogel war durch die Balkontür hineingeschwirrt, setzte sich kurz auf Mrs Pings’ Haare und pfiff ein Lied.

Wenn der jetzt auf ihren Kopf macht, ist die Frisur ruiniert, dachte Max und musste lächeln.

Doch im nächsten Moment hüpfte die Amsel schon auf die Tafel.

Tilda flüsterte: »Sieht so aus, als hätte Mrs Pings wirklich einen Vogel.«

Ganz schön frech.

Mrs Pings tat so, als hätte sie das nicht gehört, grinste aber in sich hinein, während sie ›Blackbird‹ anschrieb.

Max beobachtete sie. Mrs Pings schien es überhaupt nicht seltsam zu finden, dass die Amsel jetzt in ihrer Wohnung war und dort auf den Ranken herumtippelte.

Aber was war das?

Er kniff die Augen zusammen und setzte sich ganz aufrecht hin, um besser sehen zu können.

Hatten die Ranken sich etwa bewegt?

Oder lag das an dem Vogel, der dort auf ihnen hin und her tapste?

Max stand auf. Gleichzeitig hob die Amsel aufgeschreckt ab, flatterte einmal über dem Esstisch eine kleine Runde und flog dann wieder durch die Balkontür hinaus.

Hatte Max sie erschreckt? Oder war es die Pflanze gewesen?

Denn jetzt war sich Max ganz sicher: Die eine Ranke schien vor seinen Augen zu wachsen und kletterte in Z-e-i-t-l-u-p-e-n-g-e-s-c-h-w-i-n-d-i-g-k-e-i-t über Mrs Pings’ ordentliche Schreibschrift auf der dunkelgrünen Tafeloberfläche hinweg.

»Wie …?«, begann er und zeigte auf die Pflanze, als Tilda hinter ihm aufgeregt aufs Sofa sprang und Merle rief: »Seht mal! Ein Pelikan!«

»Darf ich vorstellen: This is Eddie Mercury«, sagte Mrs Pings. »Eigentlich heißt er nur Eddie, aber mir gefällt der Name so besser. Der arme Kerl hat sich bei einer Prügelei das Bein gebrochen und muss leider noch ein bisschen hierbleiben, bis ihn mein Mann wieder mit in den Zoo nehmen kann.«

»Wieso leider? Ist doch cool