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Es gibt den mutigen Glauben, der nicht selbstbezogen und nicht scheinheilig ist. Leuchttürme wie Martin Luther King, Mutter Teresa, Mahatma Gandhi, Dietrich Bonhoeffer, Nelson Mandela, Desmond Tutu und viele weitere Frauen und Männer weisen darauf hin. Auch Paulus, der erste christliche Missionar, gehört zu ihnen. In seinem Brief an die Galater leuchtet deutlich auf, wie er für diesen mutigen Glauben einsteht. Wer von scheinheiligem oder nur auf sich selbst bezogenem Glauben enttäuscht wurde und zurecht nichts davon hält, findet mit Paulus einen Seelenverwandten, der nicht aufgibt. Wer unsicher geworden ist durch all die Stimmen, die einen verwirren, findet bei Paulus einen Leuchtturm, der einem den Weg zu einem tragfähigen und gesellschaftlich relevanten Glauben und Leben weist. "Die Gute Nachricht" wird heute von vielen vermisst. Das ist ein Fall für Paulus. Er kennt sie. Er hat sie am eigenen Leib erlebt. Wer mit Paulus danach sucht, wird sie finden, auch heute.
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Seitenzahl: 96
Veröffentlichungsjahr: 2022
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Marc Nussbaumer nimmt die Leser auf eine kurzweilige Weise in die Situation im Galaterbrief hinein. Dabei schafft er es, die paulinischen Texte für heute höchst aktuell werden zu lassen. Damals wie heute gilt: »Das ABC der Guten Nachricht ist schlicht und weltbewegend zugleich.« Sie darf nicht aufs Spiel gesetzt werden. Eine wichtige und lohnenswerte Lektüre, die durch Videoclips und Reflexionsfragen noch einen originellen Mehrwert erhält.
Michael Girgis
Rektor IGW
Dieses Buch bietet einen erfrischenden und anschaulichen Zugang zum Galaterbrief, der neugierig macht auf mehr. So zum Beispiel die treffenden und manchmal auch überraschenden Stichworte als Kapitelüberschriften, die zum Weiterdenken anregen. Oder die filmischen Vertiefungen oder Erweiterungen, die alle meine Sinne angesprochen haben.
Brigitte Moser
Pfarrerin und Distriktvorsteherin der EMK Schweiz
Es ist die Crux eines jeden biblischen Textes: Auf der einen Seite liegen die wertvollen Einsichten des Galaterbriefes, die das Potenzial enthalten, unser Leben von Zwängen zu befreien; auf der anderen Seite des garstigen Grabens – annähernd 2 000 Jahre tief – befindet sich der moderne Mensch, dem sowohl die Auseinandersetzungen der Gemeinden in Galatien als auch die Denk- und Sprechweise des Paulus unverständlich ist.
Marc Nussbaumer gelingt es eindrücklich, die komplexen theologischen Gedanken des Galaterbriefes zu bündeln und in die Lebenswirklichkeit heutiger Menschen hinein zu übersetzen. Das Buch ist ein sowohl leidenschaftliches wie auch verständliches Plädoyer, durch den vertrauensvollen Glauben christliche Freiheit einzuüben – eine Freiheit, die dient und gleichwohl unabhängig bleibt von Forderungen – seien diese religiöser oder säkularer Natur.
Markus Giger
Pfarrer, Theologischer Leiter streetchurch, Reformierte Kirche
Klar und anschaulich zeigt Marc Nussbaumer in diesem Buch Schritte zu einem vertrauenden Glauben, der sich an Jesus Christus orientiert. Vertrauender Glauben ermöglicht ein neues und befreites Leben, das nicht selbstbezogen ist. Gleichzeitig wurde mir Paulus zum Vorbild, wie er sich mit seiner ganzen Kraft und viel Emotionen für Menschen einsetzt, die diesen Glauben gefunden haben, und sie ermutigt, ihren eigenen Weg zu gehen und sich nicht mit anderen zu vergleichen.
Christina Bachmann-Roth
Präsidentin der Partei Die Mitte Frauen Schweiz, Unternehmerin, Betriebsökonomin
Wo immer ihr heute lebt auf der Welt, danke euch allen, die ihr bewusst und unbewusst zu diesem Buch- und Videoprojekt beigetragen habt! Danke, dass ihr euch mit euren Glaubenserfahrungen engagiert – mutig und skeptisch, fröhlich und traurig, suchend und fragend, enttäuscht und begeistert, innerhalb und außerhalb christlicher Kreise.
Besonders danke ich Annarös, mit der ich nun schon 40 Jahre gemeinsam unterwegs bin. Du hast mich stets in entscheidenden Momenten für den nächsten nötigen Schritt ermutigt. Auch unsere Kinder, mit ihren Familien und Freunden, meine Geschwister und weitere Menschen in meiner Verwandtschaft haben mir für dieses Projekt wichtige Impulse gegeben. Herzlichen Dank auch euch! Ihr habt mich mit euren Lebenserfahrungen und mit dem, was euch am Herzen liegt, immer wieder für die wirklich wichtigen Themen als Christ und für glaubwürdige Formen von Kirche sensibilisiert.
Dieses Buch als E-Book:
ISBN 978-3-943362-77-0
Dieses Buch in gedruckter Form:
ISBN 978-3-943362-76-3
Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über www.d-nb.de abrufbar
Bibelstellen werden zitiert aus:
Gute Nachricht Bibel 2000, durchgesehene
Ausgabe in neuer Rechtschreibung
© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
Lektorat und Korrektorat: Claudia Nickel, Siegen
Umschlaggestaltung: spoon design, Olaf Johannson
Umschlagabbildung: Sensay/Shutterstock.com
Erstellung Videoclips: Marc Nussbaumer
Satz und Herstellung: Edition Wortschatz, Sauerbruchstraße 16, D-27478 Cuxhaven
© 2022 Marc Nussbaumer
Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Autors
www.edition-wortschatz.de
Marc Nussbaumer
Ein Fall für Paulus
Vorwort
I verwundert
II unnachgiebig
III mutig
IV sorgenvoll
V ratlos
VI weise
VII nachdrücklich
VIII zuversichtlich
IX unermüdlich
Nachwort
Zu den Videoclips
Zum Autor
Dieses Gespräch vor 25 Jahren habe ich nicht mehr vergessen. Es war auf dem Campingplatz an der Westküste Frankreichs. Nachdem wir unser Familienzelt aufgestellt hatten, war Zeit, um mit dem Nachbarn auf dem Platz neben uns ein erstes Gespräch zu führen. Small Talk auf dem Campingplatz eben. Woher kommen Sie? Schon öfters hier gewesen? Weitere Reisepläne? Wetteraussichten? usw.
Als er mich nach meiner beruflichen Tätigkeit fragte, sagte ich ihm, dass ich als Pfarrer tätig sei. Er gehe schon lange nicht mehr in eine Kirche für einen Gottesdienst, meinte er, aber er gehe sehr gerne in Kirchenkonzerte, vor allem, wenn die großen christlichen Oratorien aufgeführt werden. Das erfülle ihn mit Ehrfurcht und bewege ihn, sowohl von der musikalischen als auch von der inhaltlichen Seite her. Er habe schon immer viel gelesen über alle großen Weltreligionen. Dabei sei ihm deutlich geworden, dass es im christlichen Glauben zwei Themen gehe, die er in allen anderen Weltreligionen so nicht gefunden habe.
Ich war neugierig und gespannt, was er als die zwei Themen nennen würde. Was ihm exklusiv im christlichen Glauben zentral aufgefallen sei, waren die Person Jesus Christus und das Konzept der Gnade, wie er es nannte. Wenn er in einen Gottesdienst gehe, dann erwarte er deshalb, dass es um diese zwei Themen gehe, fügte er noch an. Für alle anderen Themen müsse er nicht in die Kirche gehen, die könne er gut außerhalb der Kirche finden, meist eh kompetenter thematisiert als in den Kirchen.
Paulus hätte seine helle Freude gehabt, wäre er bei diesem Gespräch dabei gewesen. Darum ging es ihm ja, wenn er Menschen außerhalb der jüdischen Glaubensprägung aufsuchte: Dass sie Jesus Christus und Gnade entdecken konnten. Dass sie davon aber nur so hören, wie man oft Nachrichten hört, das war Paulus zu wenig. Sie sollten schon davon erfasst und verwandelt werden, so wie er es selbst erlebt hatte. Was ihm widerfahren war, war kein Vergleich mehr zum religiösen Leben vorher.
Die Person Jesus Christus und das Konzept der Gnade – auch für Paulus bekamen diese zwei Themen zentrale Bedeutung. Wer im Neuen Testament den Spuren von Paulus folgt, wird diesen beiden Themen überall begegnen. Ein drittes kommt für ihn noch dazu. Aber davon später.
Paulus war der erste christliche Theologe, der die Botschaft von Jesus Christus zu nichtjüdischen Völkern brachte. Bevor er eine Erscheinung von Christus hatte, die bei ihm eine radikale Umkehr auslöste, verfolgte er die Christen aufs Schärfste, war er doch von einem an Regeln und Gesetz orientiertem Glauben überzeugt.
Durch Jesus Christus hatte Paulus eine neue Wirklichkeit für sein Leben und seinen Glauben erfahren. Bisher prägten religiöse Regeln, göttliche Gebote und Verbote seinen Glauben. Es war oft ein eher gnadenloses Leben. Gnade, mit ihren vielen Facetten und Aspekten, eröffnete einen ganz neuen Weg. Dieser ganz andere Glaube konnte darum nicht einfach die Privatsache von Paulus bleiben. Diesen Glauben musste und wollte Paulus auch anderen Menschen ermöglichen.
Jener Nachbar auf dem Campingplatz hatte einen guten Teil von dem, was den Kern des Evangeliums ausmacht, gefunden. Leider wird in Kirchen dieser Kern immer wieder durch andere Themen verdeckt, verschüttet und sogar verdrängt. Kein Wunder, wenden sich Menschen ab von Kirchen und Gottesdiensten, wenn sie dort nicht den Kern des Evangeliums erkennen und erleben können.
Das Wort Evangelium kommt vom griechischen Wort euangelion und bedeutet »Gute Nachricht«.
Schon in der ersten Generation der Christen drohte die Gefahr, dass der Kern der Guten Nachricht durch andere Themen verdrängt wurde, ja noch schlimmer, dass er gar durch etwas Anderes ersetzt zu werden drohte. Das konnte Paulus nicht nur aus der Ferne beobachten und gelassen zur Kenntnis nehmen. Allenfalls nur den Kopf darüber schütteln und sich abwenden war zu wenig. Das musste für Paulus ein Fall werden, der seine ganze Aufmerksamkeit verlangte. Zuviel stand auf dem Spiel.
Ich wundere mich über euch!
Galaterbrief 1,6
Paulus wurde überrascht von dem, was er aus der Region Galatien zu hören bekam. Unter den Christen waren dort heftige Auseinandersetzungen aufgekommen. Am liebsten hätte sich Paulus sofort selbst aufgemacht nach Galatien, in die Region, die heute im Zentrum der Türkei liegt. Da ihm das nicht möglich war, schrieb er zunächst einen Brief, den Galaterbrief. Er kommt darin gleich nach den einleitenden Worten zur Sache:
Ich wundere mich über euch! Gott hat euch durch die Gute Nachricht dazu berufen, dass ihr unter der Gnade steht, die Christus gebracht hat. Und nun kehrt ihr ihm so schnell den Rücken und wendet euch einer anderen Guten Nachricht zu! Es gibt in Wirklichkeit gar keine andere …
(Galater 1,6–7)
Hier klingen sie wieder an, die beiden Themen, die damals im Gespräch auf dem Campingplatz im Mittelpunkt standen: das Konzept der Gnade und die Person Jesus Christus.
Die Christen in Galatien hätten Christus den Rücken gekehrt. So formuliert Paulus die dramatische Lage, die ihn zum Handeln bewegt hatte. Sie haben sich einer anderen Guten Nachricht zugewendet, schreibt Paulus, um gleich zu betonen, dass es in Wirklichkeit gar keine andere Gute Nachricht gibt. Er präzisiert:
… es gibt nur gewisse Leute, die unter euch Verwirrung stiften.
(Galater 1,7)
Es gibt nicht verschiedene Gute Nachrichten. Es gibt nur die eine Gute Nachricht. Alles andere sind Leute, die Verwirrung stiften. Darum gilt es, die Verwirrung zu durchschauen, nicht die vermeintlich verschiedenen Guten Nachrichten besser zu verstehen und zu respektieren.
Was ist denn die eine Gute Nachricht, für die sich Paulus so engagiert einsetzt? Schon im einleitenden Gruß seines Briefes an die Galater beginnt er die Gute Nachricht zu formulieren:
Gnade und Frieden sei mit euch, von Gott unserem Vater, und von Jesus Christus, dem Herrn, der sein Leben für unsere Sünden hingegeben hat. Das tat er, um uns aus der gegenwärtigen Welt zu befreien, die vom Bösen beherrscht wird. So war es der Wille unseres Gottes und Vaters – ihm gehört die Herrlichkeit für alle Ewigkeit! Amen.
(Galater 1,3–5)
Die Gute Nachricht beginnt für Paulus mit dem Wunsch nach Gnade und Frieden. Das soll die Menschen als Erstes erreichen. Bis heute werden die gleichen Worte in der Kirche gesagt, oft in der Einleitung in einen Gottesdienst. Vielen Ohren sind diese Worte darum bis heute vertraut. Vielleicht weil sie so oft gehört werden, lassen sie viele noch nicht aufhorchen.
Bei der nächsten Aussage jedoch horchen die Ersten auf, weil sie Einwände haben gegen das, was er hier schreibt. Er formuliert einigen zu plakativ und zu radikal. Da können sie nicht zustimmen. Ist die gegenwärtige Welt wirklich vom Bösen beherrscht? Es gibt doch auch viel Schönes und Gutes in der Welt. Es wird zwar täglich von viel Bösem, das in der Welt geschieht, berichtet, aber ist deshalb die Welt gleich vom Bösen beherrscht?
Der springende Punkt ist hier nicht nur die Frage, wie dominant das Böse in der Welt ist, sondern auch die Frage: Warum aus der bösen Welt befreien? Warum nicht die Welt vom Bösen befreien? Warum verhindert Gott Böses nicht? Oder noch anders formuliert: Wie kann man in einer Welt, in der immer wieder so viel Böses geschieht und Macht hat, noch an einen allmächtigen und allgütigen Gott glauben? Es ist diese Frage, die die Leute bedrängt und sie gegenüber der anscheinend Guten Nachricht skeptisch werden lässt.
Paulus hat gute Gründe, warum er nicht sagt, dass Jesus Christus die gegenwärtige Welt vom Bösen befreit, sondern dass Jesus Christus die Menschen aus der gegenwärtigen Welt befreit.
Paulus weiß: Wer für alles Leid und alles Böse in der Welt die Verantwortung einfach auf Gott schiebt, der offensichtlich nicht so eingreift, wie manche es erwarten, findet keine befriedigende Antwort. Wenn Gott alleine verantwortlich wäre, dann wären wir Menschen ohne Verantwortung und nur noch Marionetten, die von Gott oder irgendwelchen Mächten gelenkt würden. Aber so ist Gott nicht, und so ist der Mensch nicht.
