Nachtwächter Justus - Josef Koll - E-Book

Nachtwächter Justus E-Book

Josef Koll

0,0
4,99 €

oder
-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Justus stammt aus einer Zeit ohne Elektrizität. In seiner Kindheit musste er sich viel auch um Arbeiten im Haus kümmern. Sein Leben änderte sich schnell zum Positiven, als er den Beruf des Nachtwächters erlernen konnte. Hier erzählt er von seinen Geschichten der Nacht, von Freud und Leid in Toberau und seiner großen Liebe zu Henriette, die sein ganzes Leben begleitet hat. Streift mit ihm durch die kleinen Gässchen und versetzt euch dabei in eine Zeit zurück, die es so wohl nicht mehr gibt. geeignet ab 12 Jahren - für Jugendliche und Erwachsene

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2025

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Josef Koll

Nachtwächter Justus

Geschichten über sein Leben, seine Wünsche und seine Stadt

Inhaltsverzeichnis

Justus‘ Jugendjahre

Mutter geht es nicht gut

Henriette

Jonathan

Ein neuer Anfang

Der Streuner und das alte Ehepaar

Ein ungutes Gefühl

Des Pfarrers Ansprache

Überraschung auf dem Nachhauseweg

Katharinas Kinderjahre

Ausflug zur Burg

Abend voller Geschichten

Zottels Geschichten

Der Mann auf der Brücke

Nächtliche Begleitung

Die alte Frau

Katharina gibt sich zu erkennen

Der Weihnachtsbaum

Abschied von Hermine

Feuer

Allein im Wald

Gauklerfest

Der neue Nachtwächter

Der Fremde

Justus und Henriette träumen

Justus‘ Traum

Veränderungen in Toberau

Die Zukunft von Toberau

Anhang

Noch ein paar Erläuterungen

Über den Autor

Impressum

Edition Paashaas Verlag

Autor: Josef Koll

Covermotive: Anke Uzoma

Cover designed by Michael Frädrich

Lektorat: Renate Habets / Manuela Klumpjan

Printausgabe: ISBN: 978-3-96174-170-0

Juni 2025

©Edition Paashaas Verlag, Hattingen,

www.verlag-epv.de

Kontaktdaten gemäß der Verordnung 2023/988 zur allgemeinen Produktsicherheit (General Product Safety Regulation-GPSR):

Edition Paashaas Verlag, M. Klumpjan, Im Lichtenbruch 52, 45527 Hattingen

[email protected]

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über https://dnb.d-nb.de abrufbar.

Nachtwächter Justus Geschichten …

… über sein Leben, seine Wünsche und seine Stadt

Justus‘ Jugendjahre

Wer kann sich heute noch vorstellen, ohne Elektrizität zu leben? Wer kann sich heute noch ein Handwerk vorstellen, welches ohne elektrisch betriebene Geräte arbeiten kann?

Als Justus in dem kleinen Städtchen Toberau in Franken geboren wurde, gab es noch das Feuerholz, mit dem man den Kamin anheizte und das den Herd in der Küche erwärmte. Die Jungen waren in der warmen Jahreszeit in den Wäldern rund um Toberau unterwegs, um Holz zu schlagen und es für den Winter vorzubereiten.

Justus erblickte an einem Herbsttag das Licht der Welt. Sein Vater leitete die Schmiede, während seine Mutter sich um den Haushalt kümmerte. Seine Babyjahre verbrachte er in einer Holzwiege, die sein Vater aus altem Holz in der Scheune gezimmert hatte. Das mit alten Stoffresten gefüllte Kissen war eine Handarbeit der Mutter.

Als Justus alleine laufen konnte, gab es für ihn nichts Schöneres, als immer wieder mit den alten Holzscheiten oder dem großen Holzeimer zu spielen, so dass sein Vater am Abend immer eine gewisse Zeit damit verbringen musste, Justus‘ Durcheinander aufzuräumen.

Es gab in Toberau einen alten Raum, in dem Frau Schäfer, deren Mann eine Wollspinnerei besaß, eine Art Schule eingerichtet hatte. Ein großer alter Kessel diente als Ofen. Frau Schäfer las immer viele Bücher und konnte so das Wissen der damaligen Zeit an die Kinder, die zu ihr kamen, weitergeben.

In Toberau hatte niemand das Geld, um in der nächstgrößeren Stadt Schulgeld zu bezahlen. Auch Justus durfte am Unterricht von Frau Schäfer teilnehmen, die schnell seine Liebe zu Licht und Feuer entdeckt hatte. Wann immer es notwendig war, brachte Justus Feuerholz mit oder heizte vor dem Unterricht den Ofen an.

Nach sechs Jahren Unterricht bei Frau Schäfer mahnte der Vater, es sei an der Zeit, ihm in der Schmiede zu helfen.

Justus jedoch war ein schmächtiger Junge, so dass er zwar seinem Vater in der Schmiede half, jedoch nie die Kraft aufbrachte, das Hufeisen eines großen Pferdes zu bearbeiten. Auch die Pferde, die in die Schmiede gebracht wurden, vermochte Justus nicht zu halten oder an den Schlagbock zu führen. Doch sein Vater ließ nicht locker. So musste Justus tagein und tagaus in der Schmiede helfen.

Am Abend nach der Arbeit lief Justus immer schnell nach Hause, um sich im Zuber zu waschen.

Danach eilte er an den Rand der Stadt, wenn dort Nachtwächter Zottel seinen Dienst begann. Er war begeistert, wenn Zottel die Laternen anzündete und die schmalen Straßen erhellte. Die Laternen auf dem Marktplatz hatten es ihm besonders angetan. Die Vielzahl von Lichtern, sowie der leicht flackernde Schein hatten ihn immer wieder neu begeistert.

Mutter geht es nicht gut

Justus war sechzehn, als eines Morgens der Arzt ins Haus kam. Schon in der Nacht hatte die Mutter über starke Schmerzen in der Brust geklagt, war leise in Justus‘ Zimmer geschlichen und hatte ihn gebeten, Wickel für sie zu bereiten, einen Tee zu kochen und hie und da einmal ihren Schweiß abzuwischen. Als dann am Morgen der Arzt ins Haus kam und die Mutter untersuchte, teilte er dem Vater mit, dass Mutters Herz es wohl nicht mehr lange machen würde, denn der Rhythmus des Herzschlages sei sehr unregelmäßig. Dazu muss man wissen, dass die medizinische Versorgung weit entfernt von der heutigen war.

Ab diesem Tag half Justus der Mutter im Haushalt, bereitete die Mahlzeiten mit vor, die sowieso sehr dürftig waren, übernahm Putzarbeiten und sorgte dafür, dass dem Vater in der Schmiede auch geholfen wurde. Am späten Abend fiel Justus dann immer übermüdet in sein Bett.

Es ging auf die Adventszeit zu. Die Arbeit in der Schmiede hatte zugenommen, da viele Leute kamen, um die Halterungen für ihren Weihnachtsbaum oder Kerzenleuchter reparieren zu lassen. Auch der Pfarrer ließ sich oft sehen, da auch er die Hilfe von Justus’ Vater brauchte.

Eines Sonntags in der Adventszeit – Justus saß mit seinen Eltern gerade in der Kirche – begann die Mutter schwer zu atmen. Der Vater war besorgt und begleitete sie nach draußen, während der Pfarrer das Vaterunser mit der Gemeinde betete. Der Vater wies Justus an, im Gottesdienst zu bleiben, um mit den anderen Gemeindemitgliedern zu beten.

Nachdem das Gebet beendet war, lief Justus nach draußen und fand auf der Bank vor der Kirche die Mutter in Vaters Arme. Als er auf die beiden zuging, sah er die Tränen in Vaters Augen. Da sonntags auch der Doktor in der Kirche war, kam dieser schnell zu Hilfe, war aber machtlos. Justus‘ Mutter hatte diese Welt verlassen und wurde Tage später auf dem Friedhof der Stadt unter großer Anteilnahme beigesetzt. Der Vater und Justus hatten in den Tagen bis zur Beisetzung die Beschläge für den Sarg der Mutter gefertigt und ein Gebet für sie geschrieben:

Heiliger Vater im Himmel, du nahmst uns Frau und Mutter, du nahmst uns die Seele unserer Familie, und du nahmst uns den Sinn unseres Lebens. Mit deiner Hilfe werden wir unsere Zukunft meistern, werden wir immer ein gutes Bild des verlorenen Menschen in uns tragen. Sie wird im Geiste bei uns sein, und sie wird unser weiteres Leben und Tun begleiten. Sie wird unsere Gedanken steuern, immer zu uns gehören.

Als Vater das Gebet am Grab der Mutter vortrug, rollten Tränen über seine faltigen Wangen. Tränen der Art, wie er sie noch nie in seinem Leben vergossen hatte, auch damals nicht, als eine sehr schwere Zeit in der Schmiede nicht genug Geld abwarf und er beim Bauern in der Nachbarschaft am Wochenende aushelfen musste. Der Abschied von Mutter fiel beiden Männern schwer. Vater vergrub sich immer mehr in seine Arbeit. An manchen Tagen hörte man nicht einmal den Schmiedehammer auf den Amboss schlagen. Der Vater saß dann an der Werkbank und machte feinere Arbeiten. Er entgratete kleine Formteile, schliff an einem groben Stein Scheren und Messer oder betrachtete nur sein Material in den selbstgemachten Regalen. Die einstige Kraft hatte ihn mit dem Tod der geliebten Frau verlassen.

Auch Justus hatte sich nach dem Tod der Mutter zurückziehen wollen. Aber nicht nur das Haus musste in Ordnung gehalten werden, auch die Mahlzeiten waren herzurichten und die Hilfe in Vaters‘ Schmiede war zu leisten. Auch kam die Zeit, da Justus leichte Schmiedearbeiten übernahm, weil dem Vater einfach der Mut und Ansporn dazu fehlte. Er bog Hufeisen für die Pferde in die richtige Form, entrostete alte Feldwerkzeuge oder zog die Schnallen der Trensenzeuge blank.

Henriette

So ging es einige Jahre, bis auch der Vater starb. Justus, der mittlerweile 22 Lenze zählte, gab die Schmiede und sein Elternhaus auf und zog in die Nähe der Stadt, um dort in der Backstube das Bäckerhandwerk zu erlernen. Er kam bei der Nichte der Bäckers Frau unter, hatte dort ein eigenes kleines Zimmer und musste für sich selber sorgen. Ihm ging alles reibungslos von der Hand. Der Bäckermeister lobte mehrmals seine gelungene Arbeit.

Nach zwei Jahren war es an der Zeit, eine Prüfung in der Bäckerei abzulegen. Dazu gab ihm der Bäckermeister einen großen Ballen Teig, verschiedene Früchte, Butter und Salz. Daraus sollte Justus ein Gebäck machen, das sich in der Bäckerei gut verkaufen ließ. Justus prüfte den Teig, knetete ihn mehrmals durch, faltete ihn aufeinander und gab später die Butter und die Früchte hinzu. Er formte alles in eine dreieckige Form und gab es in den Backofen. Schon nach kurzer Zeit zog ein verführerischer Duft aus der Backstube in den Laden.

Der Bäckermeister betrat die Backstube. Als er eine halbe Stunde später das Gebäck kostete, verzog sich sein Gesicht zu einem breiten Lächeln. „Mein Junge, du hast die Prüfung bestanden“, sagte er, „ich möchte dich bei mir behalten und mit dir zusammenarbeiten.“

Justus war stolz auf sich und seine Arbeit. So gerne er auch in der Backstube stand, so ging er doch immer noch am Abend an den Stadtrand, um mit Zottel, dem Nachtwächter, seine Runden zu drehen. Am nächsten Tag stand er wieder stolz in der Backstube und ging seiner Arbeit nach. Die Bäckerei lief ganz gut, und es dauerte nicht lange, da konnte Justus eigenverantwortlich arbeiten und auch ohne Hilfe des Bäckermeisters Brot und andere Kleinigkeiten backen. Er lieferte das Brot und die Backwaren auch aus. Bald kannten ihn viele Leute rund um die Stadt. Einen Bauernhof belieferte er immer gerne. Das war der Schmitt-Hof, auf dem auch Henriette, die Magd, wohnte und arbeitete.

Henriette hatte es ihm schon beim zweiten Besuch angetan. Er mochte es, wie ihre Augen beim Lachen in die Welt strahlten und ihre Wangen dabei leicht rosa wurden. Ihr Lachen, hell und ansteckend, erfüllte die wohl sonst so stille Küche mit Leben. Auch wenn er nur seine Lieferungen abgeben wollte, merkte er bei jedem Besuch, wie sehr er sich auf ihre helle Stimme freute. Henriette erzählte ihm von ihren Träumen, die weit über den Hof hinaus reichten.

Eines Abends, als Justus stark verspätet den Schmitt-Hof anfuhr, begrüßte ihn der Bauer mit den Worten: „Schön, dass du da bist, geh‘ hinter das Haus, dort haben wir ein Feuer entfacht, um unser jährliches Familienfeuer zu feiern. Dort kannst du die Sachen abstellen.“

Den Feuerschein hatte Justus schon bei seiner Ankunft bemerkt. Er ging um das Haus herum und sah, wie Henriette das Feuer schor und versuchte, einen großen Topf mit duftendem Inhalt an das Gargestell zu hängen. Der Topf schien schwer zu sein. Justus kam noch rechtzeitig, um Henriette zu helfen.

„Das war knapp“, hörten sie den Bauern sagen. „Henriette, mach‘ Feierabend. Wenn dieses Familienfeuer vorbei ist, werde ich alles in Ordnung bringen. Hab‘ eine gute Nacht.“

Henriette bedankte sich und verabschiedete sich mit den Worten: „Sollte ich aber gebraucht werden, können Sie ruhig an meine Stubentür klopfen.“

„Das wird nicht nötig sein“, sagte der Bauer und ging Richtung Haus.

Auch Justus verabschiedete sich von ihm. Während er sich mit Henriette vom Feuer entfernte, hörten sie das Geschrei der Kinder und die mahnenden Worte der Bäuerin. An der Vorderseite des Hauses konnte Justus, der in die Sterne blickte, seine Gefühle nicht länger verbergen.

Henriette spürte, dass ihm etwas auf dem Herzen lag.

„Was ist los, na, sag‘ schon. Ich spüre eine Art von Unruhe in dir.“

Justus war einfach kein Mann vieler Worte, und gerade jetzt fehlten ihm die wenigen, die er auf der Zunge und im Herzen trug auch noch. Er blickte noch einmal zu den Sternen hinauf, fasste seinen ganzen Mut zusammen, traute sich aber nicht so recht, seinen Wunsch Henriette anzuvertrauen. Für Justus vergingen viele Minuten, obwohl die Zeit gar nicht so schnell vorangeschritten war. Er schloss seinen Augen, atmete die klare Luft, füllte seine Lungen mit dem Mut, der in dieser Luft lag, legte seine Hand auf die von Henriette und hörte sich fragen: „Möchtest du meine Frau werden?“ Seine Stimme klang leise, fast wie ein Flüstern im Wind. Er wendete sich zu ihr, sein Herz pochte wie wild.

Das Sternenlicht tanzte in ihren Augen, als sie ihn fragend ansah. Er wiederholte die Worte lauter und entschlossener. Ein Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus. Bevor er reagieren konnte, presste sie ihre Lippen auf die seinen und nickte ein unübersehbares Ja. Die Sterne über ihnen schienen zu funkeln und zu tanzen, als ob sie ihren Glückwunsch übermitteln wollten.

Die Hochzeit war, wie in der kleinen Stadt üblich, eine große Feier.

---ENDE DER LESEPROBE---