Nati's Diary 1 - Natalie Kaschuge - E-Book

Nati's Diary 1 E-Book

Natalie Kaschuge

0,0

Beschreibung

Mit 13 Jahren verändert sich alles! Nati schreibt mehr Tagebuch als Hausaufgaben. Aber das Leben hat ja auch aufregenderes zu bieten als Schularbeiten. Sagt sie. Ihre Eltern sagen etwas anderes. Zoff ist zu Hause also vorprogrammiert. Da wird es nicht besser, als Mathelehrer Schulz die Klassenclowns Marc und Jonathan auseinandersetzt. Und Jonathan neben Nati! Das kann ja was werden, denn eigentlich findet Nati Jungs doof! Die meisten zumindest. J Jonathan auch. Meistens. Na gut, manchmal. Verflixt diese Jungs ... Gut, dass Nati Freundinnen hat, auf die sie sich verlassen kann. Die vier Mädels gehen gemeinsam durch dick und dünn, durch Mathehausaufgaben und Vokabeltests, überstehen gemeinsam nervige Klassenkameradinnen und stellen das Leben der Jungs auf den Kopf! Auch der erste Liebeskummer kann einem mit guten Freundinnen nichts mehr anhaben! Naja, fast! Denn am Ende kommt es zum großen Showdown, der alles verändern wird!

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 271

Veröffentlichungsjahr: 2016

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Für alle Freundinnen:

Ein Freund ist wie eine Freundin, allerdings kann er nicht so gut zuhören und bringt euch nicht so gut zum lachen - also vergesst eure Mädels nicht!

Inhaltsverzeichnis

Montag, der 01. März

Dienstag, der 02. März

Mittwoch, der 03. März

Donnerstag, den 04. März

Donnerstag, den 04. März, später

Freitag, den 05. März

Freitag, den 05. März, später

Freitag, der 5. März, nochmals später

Samstag, der 6. März

Sonntag, der 7. März

Montag, den 8. März

Mittwoch, den 10. März

Donnerstag, den 11. März

Freitag, den 12. März

Samstag, der 13. März

Sonntag, der 14. März

Montag, den 15. März

Dienstag, den 16. März

Mittwoch, den 17. März

Donnerstag, den 18. März

Freitag, den 19. März

Samstag, den 20. März

Montag, den 22. März

Dienstag, den 23. März

Dienstag, den 23. März, später

Dienstag, den 23. März, noch später

Mittwoch, den 24. März

Donnerstag, den 25. März, abends

Freitag, den 26. März

Samstag, der 27. März

Montag, der 29. März

Dienstag, der 30. März

Mittwoch, der 01. April

Donnerstag, der 02.April

Donnerstag, der 02. April, später

Donnerstag, der 02. April, noch später

Freitag, der 03. April, morgens, sehr früh morgens

Freitag, der 03. April, abends

Samstag, der 04. April

Sonntag, der 05. April

Sonntag, der 5. April - immer noch verliebt!

Sonntag, der 5. April - ich bin natürlich nicht verliebt!

Sonntag, der 5. April – oh ich bin so verliebt!!!!

Montag, der 06. April

Montag, der 06. April

Montag, den 06. April, Nachmittag

Montag, den 06. April, später

Montag, den 06. April, 5 Minuten später

Montag, den 06. April, 10 Minuten später

Dienstag, den 07. April, morgens

Dienstag, 7. April, abends

Mittwoch, der 8. April

Donnerstag, der 10. April

Freitag, der 11. April

Samstag, der 12. April

Samstag, der 12. April, bissel später

Samstag, der 12. April, noch bisschen später

Sonntag, der 13. April

Mittwoch, der 15. April

Donnerstag, der 16. April

Freitag, der 17. April

Sonntag, der 18. April

Montag, der 19. April

Dienstag, der 20. April

Mittwoch, der 21. April

Donnerstag, der 22. April

Freitag, der 23. April

Montag, den 26. April

Dienstag, den 26. April

Dienstagabend, den 26. April

Mittwoch, den 27. April

Donnerstag, den 28. April

Donnerstag, den 28. April, später

Donnerstag, den 28. April, 2 Minuten später

Donnerstag, den 28. April, Mitternacht

Freitag, den 29. April, 0.24 Uhr

Freitag, den 29. April, 2.43 Uhr

Freitag, den 29. April, 4.38 Uhr

Freitag, den 29. April, 7.10 Uhr

Freitag, den 29. April, irgendwann mittags

Freitag, den 29. April, etwas später

Freitag, den 29. April, 18.23 Uhr

Samstag, den 1. Mai

Sonntag, den 2. Mai, morgens

Sonntag, der 2. Mai, später

Montag, den 3. Mai

Dienstag, den 4. Mai

Mittwoch, den 5. Mai

Donnerstag, der 6. Mai

Freitag, der 7. Mai

Freitag, der 7. Mai, später

Freitag, der 7. Mai, einen Wutausbruch später

Samstag, der 7. Mai

Samstag, der 7. Mai, später

Sonntag, der 8. Mai, sehr früh morgens

Sonntag, der 8. Mai, etwas später

Montag, der 9. Mai

Dienstag, der 10. Mai

Mittwoch, der 11. Mai

Donnerstag, der 12. Mai

Donnerstag, der 12. Mai, spät am Abend

Freitag, der 13. Mai

Montag, der 01. März

Toll, ein Tagebuch!

Ich weiß gar nicht, was ich da jetzt schreiben soll.

Meine Oma sagte: „Kind, das wird Deinem Chaos im Leben mal ganz gut tun!“.

Sie meinte, ich solle mein Leben neu ordnen.

Ja, genau. Bei mir gibt es nichts zu ordnen. Bei mir ist es todlangweilig. Bei mir gibt es nämlich überhaupt rein gar nichts, was im Leben passiert.

Wobei, ungeschickt zu sein ist auch eine Form von chaotisch – oder?

Meine Oma war gestern zu Besuch bei uns. Es gab Abendessen. Ich hatte einen Bärenhunger und schnappte allen das Brot, die Butter und die Wurst weg.

Ich mampfte schon zufrieden, als meine Eltern gerade anfingen, meiner Oma die erste Vollkornbrotscheibe zu reichen (sie bekommt Vollkorn wegen der Verstopfung), als ich unbedingt was trinken musste.

Ich konnte wirklich unmöglich warten, bis meine lahmen Eltern sich endlich dazu aufraffen konnten, mir die Kanne mit Saft zu reichen. Ich wusste ja, dass sie nur wieder rummeckern würden, von wegen ich könnte ruhig mal langsamer machen und warten, bis alle anfangen zu essen.

Tut mir wirklich leid, ich wachse noch! Ich brauche meine geregelten Mahlzeiten, und zwar immer umgehend! Also griff ich mit meinen Butter und wurstverschmierten Händen nach der Kanne am anderen Ende vom Tisch. Diese glitt mir natürlich durch die Hände und „Knall“! Die Saftkanne plumpste unsanft auf den Esstisch und der Orangensaft schwappte energisch über (kein Wunder bei so viel Vitamin C).

Doch damit natürlich nicht genug. Denn bis jetzt war der Orangensaft nur über Omas Hand, die Butter in Omas Hand und die weiße Tischdecke gelaufen.

Ich war aber so von den schnellen, orangenfarbigen Flecken auf der Tischdecke fasziniert, dass ich ganz verzückt die ihre Entstehung verfolgte und damit die Kanne anscheinend ganz aus den Händen gleiten ließ.

Meine Mutter schrie auf, Oma konnte kaum atmen vor Schreck und Papa schimpfte. Dann sagte er zu meiner Mutter, sie solle mich besser erziehen. Ich sei schließlich ihr Kind.

Das ist immer so eine komplizierte Sache mit den beiden. Die rücken sich das nämlich gerade immer so zurecht, wie sie es brauchen.

Hab ich mal was Tolles zu Stande gebracht, was nicht allzu oft vorkommt, dann nehmen mich meine Mutter oder mein Vater immer ganz fest in den Arm, drücken mich an sich und behaupten, wie toll ich doch sei. Aber kein Wunder, ich sei schließlich ihr Kind.

Hab‘ ich aber mal was weniger Tolles angestellt, was öfter vorkommt, dann behaupten sie auf einmal, ich sei ja schließlich des anderen sein Kind.

Die können mich doch nicht einfach immer nur abschieben oder annehmen wie ihre Laune ist!

Wo kommen wir denn da hin? Ich werde ja total in meiner Entwicklung aufgehalten, wenn ich nie weiß, wessen Kind ich bin!

Und überhaupt, sie dürfen das machen. Aber wehe ich mache das mal!

Wenn meine Mutter mal wieder etwas verschwitzt, was häufig vorkommt, dann sage ich immer, dass sie das aber nicht von mir hat. Dann ist das Gezeter aber groß! Von wegen sie akzeptiert das still und leise, so wie ich, weil jede Gegenwehr ohnehin sinnlos ist.

Sie raunzt mich an, ich solle gefälligst nicht so frech sein, sie hat, was auch immer, sowieso nur wegen mir vergessen. Weil ich immer so viel Chaos anrichte. Ich bin es dann also wahrscheinlich auch gerade mal wieder das Kind von meinem Vater.

Egal, das ist auch alles, was es an Chaos bei mir im Leben gibt.

Wobei ich jetzt mal so behaupte, dass mein chaotisches Leben von meinen Eltern herbeigeführt wird. Die sind nämlich schuld an meinem verwirrten Wesen, und nicht die Pubertät, wie sie behaupten.

Ständig hängen sie zurzeit aufeinander und fetzen sich. Ich mache mir so langsam echte Sorgen. Gerade 14 und fast schon Scheidungskind!

Wobei das ja schon sehr alt ist. Bei mir in der Klasse gibt es kaum noch Familien, die in der Originalbesetzung zusammen leben.

Hat aber auch seine Vorteile. Fast jeder behauptet immer, ausgerechnet das Schulbuch, das man mal wieder vergessen hat, liegt bei dem Elternteil, bei dem man ausgerechnet gerade diese Woche nicht lebt. Dummerweise kann man so nicht lernen oder Hausarbeiten machen.

Ich hab das auch mal probiert. Ich hab einfach behauptet, dass mein Englischbuch bei meinem Vater liegt. Meine Lehrerin meinte: „Und?“, und sah mich erwartungsvoll an. Ich sie auch. Was wollte sie denn noch hören?!

„Ich wohne diese Woche bei meiner Mutter“, meinte ich mit einem gekonnt traurigen Augenaufschlag. Meine Lehrerin sah mich erwartungsvoll an und meinte schließlich: „Und?“. Und nach einer kurzen Pause fügte sie hinzu: „Deine Mutter lebt bei deinem Vater!“.

Stimmt ja. So ein Mist. Hatte ich in dem Moment ganz vergessen. Und meine Lehrerin wusste das, da sie mit meiner Mutter befreundet war.

Hab ich noch nie verstanden. Mit einer Lehrerin befreundet zu sein. War meine Mutter denn nie jung?!

Aber so spießig und kleinlich wie sie manchmal ist, glaube ich echt, die ist schon erwachsen auf die Welt gekommen.

Egal, ich muss jetzt Englisch und Mathe pauken. Und mit dem Scheidungskind - man kann ja nie wissen…

Dienstag, der 02. März

Mist. Wieder mal versagt. Wir haben heute eine Matheklausur und einen Englisch-Vokabeltest geschrieben. Gestern wollte ich eigentlich auch lernen. Ich hatte es mir sogar richtig fest vorgenommen. War leider ein etwas schwierigeres Unterfangen.

Erst saß ich im Zimmer auf meinem Bett und wollte lernen. Nach zwei Minuten hatte ich aber schon unglaubliche Kopfschmerzen. Die kurierte ich erst einmal aus, indem ich mich ein bisschen schlafen legte.

Danach würde ich wenigstens fit zum Lernen sein. Ich fühlte mich aber nach meinem Nickerchen wie erschlagen, deshalb ruhte ich mich gleich noch mal beim Lesen aus, damit ich wenigstens etwas Sinnvolleres tue als zu schlafen. Dann fand ich, es sei aber doch mal an der Zeit zu lernen.

Irgendwie war es aber auf einmal viel interessanter, den Verlauf der Muster an der Tapete zu verfolgen. Und als mir dann klar wurde, dass ich ja unbedingt noch meine Emails checken musste, schlich ich mich in das Arbeitszimmer von meinem Vater und surfte durchs Internet.

Hatte natürlich keine Emails. Von wem auch?

Na ja, ich hab jedenfalls nichts gelernt und hab die Klausuren heute mal wieder voll verhauen.

Wenn ich das meinen Eltern beichte, dann geht die Leier, wem-sein-Kind-ich-bin wieder von vorne los.

Dabei sind sie die beiden, die gerade nerven, nicht ich! Die gehen mir gerade zur Zeit voll auf den Geist.

Meine Mutter, weil sie die ganze Zeit meint, mich noch erziehen zu müssen, wobei ich ja wohl mit 14 Jahren eh schon aus dem Gröbsten raus bin, und mein Vater, weil er mich ständig mit so einem Schnösel verkuppeln will.

Nervt mich voll!

Das ist so ein kleiner pickeliger Sohn von seinem Chef. Nur weil der Eierkopf der Sohn des Chefs ist, muss ich ja wohl nicht mit ihm befreundet sein!

Wir sind hier doch nicht mehr im Mittelalter und ich werde ohne Einwilligung verheiratet!

Meine Mutter sagt dann stets zu meinem Vater, dass ich ja wohl noch zu jung sei für einen Freund. Also, so ist das nun ja wohl auch nicht!

Ich könnte durchaus einen haben - wenn ich nur wollte. Ich will nur nicht!

Obwohl ich durchaus bereit wäre!

Aber nur für einen, der nicht ein kompletter Hornochse ist, so wie zum Beispiel die Deppen aus unserer Klasse.

Ein paar von denen sind ja ganz lustig, aber mit der Zeit nervt es doch, wenn sie in der Klasse morgens breitbeinig da sitzen, ganz viel Luft schlucken, um richtig viel pupsen zu müssen und die ausgestoßene Luft anzuzünden, um zu wetteifern, wer die größere Stichflamme schlägt! Also bitte! Pubertärer geht es nicht!

Und wenn wir dann genervt von ihnen sind, dann meinen sie, wir hätten wohl unsere Tage und füllen Tampons mit Wasser auf und schießen sie als Wurfgeschosse durchs Klassenzimmer. Echt erbärmlich!

Allem voran, weil’s mir peinlich ist.

Ich hab meine Tage noch nicht, und wenn ich das sagen würde, dann würden sie meinen, ich sei noch ein Baby, und sag ich nichts, dann muss ich mich ständig mit diesen Witzen beleidigen lassen.

Jungs sind echt dämlich!

Marc und Jonathan aus meiner Klasse behaupten das umgekehrt von uns Mädchen. Also bitte, wir tröpfeln keine Bananen mit Wasser und fragen sie, ob sie feuchte Hosen haben - ist aber nebenbei bemerkt eine coole Idee.

Und die Jungs aus unserer Klasse, die nicht die ganze Zeit ihre dumme Klappe aufreißen, sind Streber und haben so einen ekelhaften Flausch auf der Oberlippe, nur weil sie sich noch nicht rasieren wollen.

Ich weiß nicht, ob sie es unmännlich finden, sich zu rasieren, oder ob sie es nicht checken, dass sie sich mal dieses haarige Fell entfernen könnten. Ist auf alle Fälle echt eklig!

Trotzdem, nur weil die Buben aus meiner Klasse dämlich sind, heißt das ja nicht, dass ich nicht bereit wäre für einen Freund!

Da müsste ich vermutlich nur woanders suchen. Wobei Jungs eh alle gleich sind.

Selbst wenn sie eines Tages behaupten, „Männer“ zu sein. Im Prinzip bleiben es Jungs, die immer davon träumen Baggerfahrer oder Feuerwehrmann zu werden. Deswegen bleiben Männer auch immer mit ihrem Auto ganz wichtig auf der Straße stehen, um der Feuerwehr im Einsatz Platz zu machen. So in der Art: „Ja Kumpels, gebt schon richtig Gas und rettet die Kinder!“. Denn nur weil sie es nicht zur Feuerwehr geschafft haben, heißt das ja nicht, dass sie nicht auch Manns genug wären, um uns arme Geschöpfe zu retten. Dass es sowohl bei der Feuerwehr, als auch bei Polizei und beim Bund mehr und mehr Frauen gibt, finden sie deshalb auch so richtig scheiße. Denn jetzt nehmen wir ihnen auch noch die letzte Männlichkeit weg, die sie noch hatten.

Und im Prinzip sind Männer eh wie Haustiere! Und damit hab ich Erfahrung. Ich hatte schließlich mal zwei Wellensittiche und später Meerschweinchen.

Denen musste ich immer den Käfig sauber machen, das Futter hinstellen und was zu trinken geben, und darauf achten, dass sie wenigstens ein bisschen beschäftigt werden, um nicht ganz zu verblöden.

Und wenn ich mir jetzt so meinen Vater ansehe, dann muss ich sagen, dass er meinen Meerschweinchen doch sehr ähnelt. Er kommt total erledigt von der Arbeit heim und lässt sich nur noch auf die Couch fallen, was bei meinen Meerschweinchen ungefähr dem gleicht, dass sie, nachdem sie fünf Minuten im Rädchen gedreht haben, danach komplett erledigt im Heu rumlagen.

Weil sie natürlich so erledigt sind, brauchen sie Futter und Wasser. Mein Vater bekommt Bier und ein paar Brote. Und damit er nicht wie ein Meerschweinchen verblödet, schaut er die Tagesschau und danach noch irgendeinen Krimi. Meine Mutter hat selbstverständlich kein Mitspracherecht über das Fernsehprogramm. Er ist schließlich der Chef im Haus. Außerdem hat er ja den ganzen Tag gearbeitet.

Dass meine Mutter auch Vollzeit arbeitet, nebenbei noch den Haushalt schmeißt, einkaufen geht, putzt, ihm das Essen macht und nebenbei noch die Tochter erzieht, das scheint ihm völlig zu entgehen.

Ich hingegen würde meiner Mutter gerne etwas Arbeit abnehmen. Nicht im Haushalt, aber wegen mir müsste sie mich nicht mehr erziehen!

Ich bin meiner Meinung nach eh schon fertig. Was bis jetzt nicht geregelt wurde, ist eh nicht mehr reparaturfähig…

Egal.

Hiermit habe ich nun auch nur festgestellt, dass ich durchaus einen Freund haben könnte, wenn ich wollen würde, was ich aber nicht will, weil ich nicht weiß, wieso ich mir die zusätzliche Arbeit aufhalsen sollte. Blumen kann ich mir auch selber schenken.

Trotzdem wünsche ich nicht, dass meine Eltern mir da rein reden. Ist immer noch meine ganz eigene Entscheidung, ob ich einen wie den pickeligen Kollegensohn (buh, äh, kotz) treffen will, oder nicht! Basta!

Außerdem will ich mal Kariere machen, ganz viel Geld verdienen, Schriftstellerin werden und ein megagroßes Haus haben, was meine Haushälterin und mein Au-pair Mädchen sauber halten. Dann überlege ich mir das mit den Männern noch mal. Aber so lange mach ich erst mal die Schule, damit aus mir auch was wird!

Mittwoch, der 03. März

Die Schule war heute mal wieder total doof. Erstens waren es nur langweilige Fächer und zweitens war es ein langweiliger Tag und drittens: Ich hab ein langweiliges Leben!!

Ich glaube doch, langsam ich bin in der Pubertät!

Ich steige nämlich gerade um, von Pferdezeitschriften zu Mädchenzeitungen. Und da kommt man sich so verloren vor, wie wenn man versucht, sich die Haare wachsen zu lassen und man hat diese blöden Übergangsfrisuren, die einfach total bescheuert aussehen.

Genauso ist es bei mir auch! Ich weiß gar nicht, wo ich hingehöre. :(

Ein paar Mädchen in unserer Klasse schwärmen für Boygroups - ich nicht. Find ich ätzend. Die Musik ist schleimig und die Jungs haben so viele Haare an den Beinen. Das taugt mir überhaupt nicht!

Das sagt auch Marie. Die ist bei mir in der Klasse und eigentlich ganz in Ordnung. Wir hängen immer zusammen ab.

Eigentlich zwar nur, weil wir beide sonst immer so alleine rum stehen, aber egal.

Neulich kam nämlich Marie zu mir und hat gemeint, sie hätte keinen Bock mehr ständig bei Stefanie rumzuhängen. Die sei so arrogant und eingebildet. Denn wer in Stefanies Clique sein will, muss immer das tun, was sie sagt. Total bescheuert so was.

Bei mir hat Stefanie das auch mal probiert. Wir haben uns dabei schon im Kindergarten nicht verstanden. Ständig hat sie mein Brot gegessen, das mir meine Mutter morgens gemacht hat. Und wer mich kennt, weiß, wie empfindlich ich bin, wenn es ums Essen geht! Einzelkind – da kenne ich nichts. Teilen? Wozu? Kauf dir selber was!

Ich war also jeden Tag so sauer auf sie, dass mir die Tränen kamen. Wie kann man so gemein sein und jemanden immer das Essen klauen? Schlimmer geht’s echt nicht! Außerdem waren wir noch im Kindergartenalter – das darf man nicht vergessen. Wer ist da schon so fies?

Sie hat dann jedenfalls immer nur triumphierend mein Brot in ihren Händen gehalten und gelacht und vor allen anderen auf mich gezeigt und gegrölt: „Guck mal, Nati heult schon wieder!“. Und die blöden Tanten im Kindergarten haben auch nichts gesagt.

Als sie dann mal wieder mein Brot geklaut hatte, hab ich einfach ihre Kindergartentasche genommen und ins Klo geschmissen und gespült. Gab ´ne Riesenverstopfung und die Tasche habe ich wieder rausfischen müssen. Aber dieses Mal war Stefanie zu entsetzt, um zu triumphieren. Außerdem hab ich ihr die tropfende Tasche ins Gesicht geworfen! Lektion gelernt!

Nach ein paar Wochen hatte sie sich dann aber leider schon wieder von dem Schock erholt und meine Tasche geklaut. Also nicht mehr nur mein Brot, sondern die ganze Tasche! Mit den Süßigkeiten! Das war jetzt echt zu viel! Mein Essen gehört nur mir!

Also hab ich sie einfach aus dem Fenster gestoßen!

Sie stand grad so einladend da, mit meinen Sachen in der Hand und hat sie aus dem Fenster gehalten. Da bin ich einfach hin und hab sie mit solch einer Wucht gestoßen, dass sie kopfüber aus dem Fenster fiel. Da haben dann auch die Erzieherinnen gemerkt, dass Stefanie und ich ein Problem haben.

Hatte ich ja schon vorher gesagt! Das passiert, wenn keiner eine 5-jährige ernst nimmt!

Wobei ich sagen muss, dass der Schlag auf den Kopf und die 3 cm große Platzwunde ihr jetzt auch nicht geschadet haben. Musste übrigens genäht werden.

Ich habe zwar Megaärger bekommen, aber der war es wert. Muss heute noch lachen wenn ich dran denke, wie sie heulend vor dem Fenster stand. War doch nur das Erdgeschoss!

In der Grundschule waren wir Gott sei Dank nicht in einer Klasse, ab der fünften aber schon. Im ersten Jahr haben wir uns noch so einigermaßen verstanden. In der sechsten aber schon nicht mehr. Ich war dann meistens mit Natascha zusammen, aber die ist an Weihnachten umgezogen, und seitdem bin ich eigentlich alleine.

Aber jetzt ist Marie in der Pause öfter bei mir. Denn sie hat ja ohne Stefanie sonst auch niemanden mehr so.

Aber wir treffen uns jetzt nicht so privat. Nur halt in der Schule.

Nicht so wie die anderen, die mittags immer zusammen weggehen. Das machen wir nicht. Ich weiß zwar nicht wieso, ist aber so.

Hm, warum eigentlich?

Wir könnten uns ja rein theoretisch auch mal mittags treffen. Dann müsste ich nicht mehr alleine mit mir in meinem dunklen Zimmer rumhängen, während alle anderen draußen in der Sonne sind und gut aussehen.

Ich könnte Marie ja mal fragen, ob sie Bock hat mit mir mittags wegzugehen.

Wenn sie nicht will, ist sie selber schuld.

Fragen kostet ja nichts…

Donnerstag, den 04. März

Fragen kostet doch was: Überwindung! Vor allem nach der Frage!

Ganz cool hab ich Marie gefragt, ob wir uns vielleicht eventuell mal ganz unkompliziert treffen wollen. Marie hat etwas gelangweilt geguckt. Mir wurde schon ganz schwarz vor Augen und mein Magen hat sich zusammen gekrampft, während ich ganz cool und lässig gewartet habe.

„Können wir schon machen“, hat sie sich so rauspressen können.

„Und was?“, fragte ich.

„Keine Ahnung“.

Na toll, das ist ja super gelaufen!

Wäre es nicht ein Mädchen, dann würde ich glatt behaupten, einen Korb bekommen zu haben. Oder gilt das auch unter Frauen? Ich meine, dass lesbische Frauen sich einen Korb verpassen können, ist klar. Ist ja in dem Moment nichts anderes, als bei Männlein und Weiblein.

Aber gibt’s Körbe auch unter einfachen Frauen, die beide auf Männer stehen und sich nur mal kennenlernen wollen? Ich meine, ich kann ja jetzt nicht behaupten zu wissen, ob Marie auf Männer oder auf Frauen steht, aber ich nehme jetzt doch mal stark an, auf Männer.

Wir hatten bis jetzt ja nie so viel miteinander gesprochen, als dass wir die Vorlieben des anderen kennen würden. Jedenfalls haben wir dann beide nichts mehr gesagt, und nur noch cool da gestanden.

Dann hat es zur nächsten Stunde geklingelt und ich war richtig dankbar dafür.

Auch wenn es der Gong zur Mathestunde war und ich wusste, dass ich höchstens einen Dreier für die am Montag abgelegte Klausur zurückbekommen würde.

Donnerstag, den 04. März, später

Achja, es ist übrigens ein Vierer!

Und bis jetzt hab ich es zu Hause auch noch nicht gestanden.

Ich bin nämlich gerade heimgekommen, als sich meine Mutter mal wieder fluchend über meinen Vater, mich, die Verwandten und ihr Leben aufgeregt hat. Weil mein Vater die Socken immer überall liegen lässt, ich sowieso immer alles falsch mache, die Eltern von meinem Vater wollen, dass wir uns öfter melden, was eh immer an meiner Mutter hängen bleibt und sie neben dem Fulltimejob Mutter und Hausfrau noch arbeiten geht und wir das alle nicht zu schätzen wüssten!

Also Mutter sein scheint mir doch auch nicht ganz so einfach zu sein!

Ich hab das Schlaueste gemacht, was mir in dieser Situation übrig blieb: Ich hab mich in meinem Zimmer verkrochen. Denn wenn meine Mutter ihren „Ich-ärger-mich-über-die-ganze-Welt-und-wo-ist-der-nächste-an-dem-ich-es-auslas-sen-kann“-Anfall hat, verdrückt man sich lieber.

Mein Vater fährt dann entweder immer in den Baumarkt oder macht irgendwelche handwerklichen Arbeit im Keller und hört Radio. Je nachdem ob Samstag ist und er wegfahren kann, oder eben nicht.

Da ich noch keinen Führerschein habe, bleibt mir also nur mein Zimmer.

Und als das nichts genutzt hat, bin ich gegangen. Weil meine Mutter immer wieder rauf in mein Zimmer gekommen ist, um zu motzen, indem sie mir irgendwelche Hausarbeiten aufgedrückt hat oder mir die ungebügelte Wäsche hingeworfen hat, weil sie mir damit demonstrieren wollte, dass sie es nicht nötig hat, mir alles hinterherzutragen. Wundert man sich da, wenn pubertierende Kinder austicken? Also, ob wir nicht genug mit unserem Leben zu kämpfen hätten. Jetzt müssen wir uns auch noch um unsere Eltern kümmern!

Ich hab gesagt, ich geh zu Marie – lernen.

Ich hatte keine Ahnung wohin ich gehen sollte, also bin ich einfach nur so durch die Stadt gelaufen. Dummerweise ist mir natürlich sofort unsere geschwätzige alte Nachbarin über den Weg gelaufen.

Hat mich voll angekotzt.

Sofort wollte sie natürlich wissen, was ich denn mache.

„Ich bin auf dem Weg zu einer Freundin – lernen!“. Ganz entzückt schrie sie auf, so dass ich dachte, mir fliegt mein Trommelfell raus.

Ich wusste leider gar nicht, wie ich diese Nervensäge von Frau Nachbarin Else wieder loswerde, denn auch all meine Versuche ihr zu erklären, dass ich jetzt wirklich los musste, verstand sie nicht und plapperte munter drauf los.

Wie viel Glück meine Eltern doch mit mir hätten. Hach! Das sollte sie denen doch mal sagen. Aber wenn sie mit meinen Eltern redet, dann sagt sie bestimmt was anderes. Zumindest nach meinem Farbunfall!

Ich hatte mir an Fastnacht nämlich die Haare gefärbt. Erst hab ich sie mit so auswaschbaren Grünspray bearbeitet. Hat mir nicht gefallen. Bin in die Stadt gegangen um mir eine andere Farbe zu holen. Hab mich für Pink entschieden.

Hey, es war immerhin Fastnacht!

Außerdem macht Farbe lebendig, und von Lebendigkeit kann ich in meinem Leben ruhig noch etwas mehr brauchen. Dumm war jedenfalls auch nur, dass ich die Packungsanleitung von diesem blöden Hersteller beachtet habe. Und da stand drin, die Farbe hält nur auf trockenen und ungewaschenen Haaren. Also hab ich das gemacht!

Hab allerdings nicht daran gedacht, dass ich ja noch das Grünspray drin hatte. Es sah jedenfalls am Ende ziemlich vermurkst aus und mein Vater behauptete mal wieder, ich sei die Tochter meiner Mutter und das mit dem Haarfimmel hätte ich von ihr.

Also von einem Haarfimmel bei einmal Haare färben kann man ja wohl noch nicht wirklich sprechen. Außerdem hab ich das nicht von meiner Mutter. Die färbt sich die Haare nur wegen ihrer grauen Haare.

Ich nicht.

Ich färbe sie mir aus Langeweile.

Ich sah jedenfalls dann im Februar so scheußlich aus, dass ich anstatt als fetzige Krankenschwester im Minirock im Punklook gehen musste. Nach Fastnacht wartete jeder gespannt, was ich jetzt mit meinen Haaren machen würde.

Erst hab ich versucht mit Blondiercreme das Ganze zu retten.

Sah scheiße aus.

Wie ein Regenbogen, aber mit den hässlichsten Farben, die man sich vorstellen kann. Und das hat meinen eigentlich schönen blauen Augen gar nicht gestanden.

Da blieb mir nichts anderes übrig, als die Haare schwarz zu färben.

Seitdem versuche ich zu meiner Ausgangshaarfarbe, die dunkelblond ist, zurückzukehren – was sich als gar nicht so einfach erweist. Ich färbe sie mir aber jetzt alle zwei Wochen. Ich hab mir deshalb extra eine Mütze gekauft.

Ist nämlich ein ziemlich komplizierteres Unterfangen:

Zuerst kauf ich mir eine Blondierungscreme, so vier bis sechs Nuancen.

Wenn das fertig ist, sehen die Haare mal wieder total beschissen aus.

Dann kommt die Mütze auf. Je nachdem wie hell sie sind, muss ich mir dann ne passende Haarfarbe kaufen. Das erste Mal war es noch dunkelbraun, dann mittelbraun, mittlerweile bin ich immerhin schon bei Rehbraun angelangt. Vielleicht sind meine Eltern deshalb zurzeit so schlecht auf mich zu sprechen?

Immerhin machen dunkle Farben trübe.

Eigentlich könnte ich ja auch die Farbe rauswachsen lassen, das dauert mir aber zu lange. Und abschneiden will ich sie auch nicht. Meine schönen kinnlangen Haare werden nur den Boden fühlen, wenn sie so lang gewachsen sind! Egal.

Vielleicht meinte meine Oma dies ja mit dem Chaos? Meine Eltern müssen echt was mitmachen.

Aber hey, ich bin in der Pubertät! In zehn Jahren werden wir, wenn ich diese Zeit überlebe, mit Sicherheit darüber lachen.

Aber dann kann es unsere Nachbarin ja vorher nicht gerade nett gemeint haben, als sie sagte, dass meine Eltern schon Glück hätten mit mir.

So eine Unverschämtheit!

Mit zusammengekniffenen und blitzenden Augen starrte ich unsere Nachbarin an, während sie mich weiter mit ihrem Geplapper nervte.

Sie würde an meinen Blicken schon sehen, was ich von ihr halte – dachte ich. Sie hielt nämlich plötzlich inne und meinte, ob mir nicht gut sei. Ich hätte so einen glasigen Blick drauf.

Ich kniff die Augen noch mehr zusammen. Es heißt doch: „wenn Blicke töten könnten“.

Doch unsere Dorftante kapierte gar nichts und meinte ganz erschrocken: „Oh Kindchen, du hast was im Auge stimmt’s?! Warte, ich helfe dir!“.

Dann kam der Hammer: Nicht nur, dass sie mich tatsächlich noch für ein Kind hielt und das auch noch auf der offenen Straße zu mir sagte (dabei hab ich schon einen leichten Brustansatz), nein, sie fing auch noch an, mir mit ihren dicken Fingern an den Augen rum zu fummeln.

Dabei hielt sie mit der einen Hand mein Gesicht fest und mit der anderen spreizte sie meine böse guckenden Augenlider auseinander.

„Also ich sehe nichts!“, betonte sie, während sie weiter fleißig daran arbeitete, meine Augen erblinden zu lassen.

Ich war gerade dabei aufzugeben und sie in die Nase zu beißen, als ich Marie vorbei gehen sah, mit dem einen Auge halt, was mir noch geblieben war.

Marie schaute verdutzt und grüßte sehr kurz angebunden und lief direkt weiter.

Ich konnte mich aus den Klauen der alten Zicke befreien und rief nach Marie. Zögernd blieb sie stehen und drehte sich um.

„Marie?!“, fragte mich meine leider zu aufmerksame Nachbarin.

„Ist das nicht das Mädchen mit dem du zum Lernen verabredet bist?“.

„Ähh“ stotterte ich dumm vor mich hin.

So eine Blamage!

Was lief Marie auch ausgerechnet in diesem Moment zufällig an unserem Haus vorbei.

Marie legte den Kopf schief und kniff die Augen zusammen.

Oh, das sollte sie lieber nicht tun. Die Nachbarin war schwer motiviert doch noch etwas aus einem Auge zu retten, aus wessen auch immer.

Ich wusste nicht, was ich sagen soll, deshalb sagte ich gar nichts.

„Lernen willst du also?“, fragte mich Marie.

Wie dumm gelaufen.

Dabei wollte ich Marie eigentlich fragen ob wir an unserem ersten Treffen Inline-Skaten wollen. Aber doch nicht lernen?!

„Na, dann lass ich euch zwei jungen Mädchen mal alleine.

Geht nur schön lernen, das wird eure Eltern zur Abwechslung mal wirklich erfreuen.“.

Ha! Da war es. Der Satz, mit dem sich Nachbarin Else outete.

Jetzt war es klar: Sie hatte mich vorher nur gelobt, weil sie zu feige war, mir ins Gesicht zu sagen, dass sie nicht allzu viel bis gar nichts von mir hält und ihr meine Eltern leidtun!

Ja und, wen juckt‘s? Mir tun ihre Kinder auch leid und keinen interessiert es. Als die Tussi endlich weg war standen Marie und ich blöd auf der Straße rum. Wir waren ja gar nicht für heute verabredet und nun standen wir unschlüssig rum, im kalten März.

Schließlich fragte Marie mich, ob wir zu ihr gehen. Ich nickte. Eigentlich hatte ich keine Lust. Erstens, weil Marie immer so lahm ist und zweitens, weil sie anscheinend wirklich lernen wollte.

So bin ich jedenfalls neben Marie zu ihr nach Hause gelaufen. Marie wohnt in der Nachbarschaft, also war´s wenigstens nicht weit.

„Hatten wir nicht morgen ausgemacht?“, fragte sie mich unterwegs.

Ja schon, aber ich konnte ich ihr ja wohl schlecht erzählen, was vorgefallen war. Die würde ja sonst was von mir halten.

Ich erzählte Marie ganz genau, waspassiert war, mit meinen Haaren, der Nachbarin und dass ich davon ausgehe, dass meine Nachbarin als Lehrerin arbeiten muss, niemand sonst kann so doof sein.

War ein Schuss in den Ofen. Maries Vater ist Lehrer.

„Aber der ist auch doof“ meinte Marie plötzlich und fing an zu lachen. Endlich. Sie kann doch lachen! Ich hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben!

Und sie hat ja richtige Zähne! Das konnte ich bisher noch nie so genau erkennen, weil Marie sonst nie lachte.

Kurz vor ihrem Haus sagte sie dann plötzlich, dass sie es echt voll nett fände, dass ich ihr beim Lernen helfen würde. Sie sei schon voll deprimiert, weil sie nur noch schlechte Noten bekäme.

Dabei war sie früher echt mal ganz gut. Weiß ich auch noch. Sie hatte immer Einsen. Jetzt nicht mehr.

Der Mittag war dann aber echt lustig.

Wir haben zusammen Deutschhausaufgaben gemacht, für die Klausur morgen Geschichte gelernt und Kakao getrunken.

Maries Mutter hat mich dann noch heimgefahren, weil es schon ziemlich spät war und sie genauso Angst hat wie meine Mutter, wenn ich alleine durch die Stadt laufe.

Zu Hause angekommen war meine Mutter zuerst sauer, aber ich war so zufrieden mit mir und dem Leben, dass sie das selbst bemerkte und mich später, nachdem sie geschimpft hatte, ganz lieb in den Arm nahm, mich drückte und mir sagte, dass sie mich ganz doll lieb hat.

Jetzt war ich wohl gerade wieder nur ihre Tochter…

Freitag, den 05. März

Bis jetzt war es heute echt wieder ein cooler Tag.

Vorhin war Marie bei mir und wir haben noch mal zusammen gelernt. Aber nicht so lange. Jetzt geht’s schon los.

Wir verstehen uns nämlich eigentlich jetzt schon ganz gut, und dann lernt man nicht mehr so viel, sondern quatscht nur noch.

Unsere Noten werden wohl dieselben wie bisher bleiben.

Aber wichtiger ist doch sowieso, dass man glücklich ist. Und das ist man ganz bestimmt nicht durch Noten. Vielleicht doch, aber nicht durch Lernen, und das hängt leider wohl oder übel zusammen.

Meine Mutter war aber heute echt ganz cool drauf. Sie hat uns heiße Schokolade mit Sahne gemacht. Damit wir Kinder besser lernen können, wie sie sich ausdrückte.

Da haben wir es wieder: Kinder! Ich bin 14! Kein Kind mehr!