Noah, Darwin und KI - David R. Parsons - E-Book

Noah, Darwin und KI E-Book

David R. Parsons

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Beschreibung

Dieses Buch ist ein Muss für jeden, der die Zeiten verstehen will, in denen wir leben. David Parsons verbindet sein tiefes Wissen und seinen ausgewogenen Umgang mit der Schrift mit einzigartigen historischen Erkenntnissen. Die Verbindung, die er zwischen Hitlers Nazismus und Sozialdarwinismus herstellt, sollte heute an jeder Schule und Universität gelehrt werden. Dieses Buch ist ein ausgezeichnetes Werkzeug, das der Kirche helfen wird, die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen und sich auf die bevorstehenden Prüfungen vorzubereiten. (Dr. Jürgen Bühler, Präsident der ICEJ)

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Seitenzahl: 412

Veröffentlichungsjahr: 2019

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David R. Parsons

NOAH,DARWIN UND KI

Endzeitliche Zusammenhängezwischen biblischen Zeiten und heute

© Copyright 2018 by David R. Parsons, P.O. Box 1192, Jerusalem 9101002, Israel, david. [email protected]. All rights reserved.

© Copyright der deutschen Ausgabe 2019 by Asaph-Verlag

1. Auflage 2019

Titel der amerikanischen Originalausgabe: Floodgates: Recognize the End-Time Signs to Survive the Coming Wrath

Aus dem Englischen übersetzt von Lisa Schmid

Bibelzitate wurden folgendermaßen gekennzeichneten Übersetzungen entnommen:

E: Revidierte Elberfelder Bibel (Rev. 26) © 1985/1991/2008 SCM R. Brockhaus, Witten

EÜ: Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift © 1980 Katholische Bibelanstalt, Stuttgart

Hfa: Hoffnung für alle © 1983, 1996, 2002, 2015 Biblica, Inc.®, hrsg. von Fontis – Brunnen Basel

L: Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

M: Menge-Bibel, public domain

NeÜ: Neue evangelistische Übersetzung, © 2018 by Karl-Heinz Vanheiden, www.kh-vanheiden.de

NL: Neues Leben. Die Bibel © 2002 und 2006 SCM R. Brockhaus, Witten

S: Schlachter © 2000 Genfer Bibelgesellschaft

Z: Zürcher Bibel (Ausgabe 2007), © Verlag der Zürcher Bibel beim Theologischen Verlag Zürich

Umschlaggestaltung: Fontis Media, René Graf

Satz: Fontis Media, René Graf

E-Book-Herstellung: Zeilenwert GmbH 2019

ISBN 978-3-95459-604-1

Bestellnummer 148604

Für kostenlose Informationen über unser umfangreiches Lieferprogramm an christlicher Literatur, Musik und vielem mehr wenden Sie sich bitte an:

Fontis Media GmbH, Postfach 2889, D-58478 Lüdenscheid, [email protected] oder www.fontis-shop.de

Für meine Mutter,Loretta JoAnn Parsons,die um meine Berufung gerungen hat

Stimmen zu David Parsons undNoah, Darwin und KI …

Wenn Sie sich jemals gefragt haben, was Jesus mit der Aussage gemeint hat: „Denn wie es in den Tagen Noahs war, so wird es sein beim Kommen des Menschensohns“, dann ist Noah, Darwin und KI das richtige Buch für Sie. David Parsons gibt uns eine meisterhafte Erklärung, die tiefe Einsichten in die Bibel, in die Archäologie und in die Geschichte miteinander kombiniert. Am Ende des Buches werden Sie wissen, ob wir heute in den Tagen leben, in denen der Menschensohn kommt.

Gordon Robertson

Geschäftsführer, The Christian Broadcasting Network

Noah, Darwin und KI ist eine Pflichtlektüre für jeden, der unsere Zeit verstehen will. David Parsons verbindet seine tiefen biblischen Einsichten und seine ausgewogene Herangehensweise an die Heilige Schrift mit einzigartigen historischen Erkenntnissen. Der Zusammenhang, den er zwischen Hitlers Nationalsozialismus und dem Sozialdarwinismus herstellt, sollte heute an jeder Schule und Universität gelehrt werden. Dieses Buch ist eine exzellente Hilfestellung für die christliche Gemeinde, damit sie die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholt und sich auf die künftigen Herausforderungen vorbereiten kann.

Dr. Jürgen Bühler

Präsident der Internationalen Christlichen Botschaft Jerusalem

In einer Zeit brutaler und verheerender Umwälzungen benötigen wir dringend eine göttliche Perspektive, um nicht die Orientierung zu verlieren. Durch sein neues Buch Noah, Darwin und KI bietet uns David Parsons einen derartigen Ausblick. Seine Botschaft ist eine willkommene und notwendige Erinnerung daran, dass wir Entscheidungen treffen müssen. Seine Hauptaussagen sind zeitgemäß, beruhen auf der Bibel und sind voller Hoffnung für den, der ein offenes Herz hat.

Allen Jackson

Hauptpastor, World Outreach Church, Murfressboro, Tennessee

Noah, Darwin und KI stellt einen zeitgemäßen, erfrischenden und willkommenen Beitrag zur Endzeit-Debatte dar. Mit einem roten Faden der Erlösung, der das gesamte Buch durchzieht, exzellenter Forschungsarbeit und einer durchdringenden Analyse unserer Zeit gibt David Parsons dieser Generation die Mittel in die Hand, um die Gegenwart zu verstehen und den biblischen Söhne Issaschars zu gleichen – die wussten, was zu tun war. Juristisch gebildet, zeichnet er den moralischen Verfall unseres Zeitalters nach, doch seine biblische Perspektive zeigt uns den Ausweg. Ich empfehle dieses exzellente, leicht zu lesende und erste Werk einer ganzen Serie von Büchern, die Parsons schreibt, mit Nachdruck. Es hilft uns, die prophetischen Zeichen unserer Zeit zu erkennen.

Chris Mitchell

Nahost-Chefkorrespondent, CBN News, Jerusalem, Israel

Völlig überzeugt! In den letzten 40 Jahren habe ich verschiedene Ansichten zu den biblischen „Riesen“ in Genesis 6 und zahlreichen anderen Passagen gelesen, doch ich bin noch nie auf derartig gut recherchierte und überzeugende Thesen gestoßen, wie David Parsons sie in diesem Buch vertritt. Er taucht in diese verblüffende vorsintflutliche Frage ein und gibt zutiefst biblische Antworten, die theologisch vernünftig und prophetisch relevant sind. Ich habe Noah, Darwin und KI an einem Stück durchgelesen, nur um es mir danach nochmal vorzunehmen. Es ist eine Pflichtlektüre für jeden ernsthaften Bibelleser!

Dr. Tony Crisp

Hauptpastor, Eastanalle Church, Riceville, Tennessee

Direktor für strategische Initiativen,

Internationale Christliche Botschaft Jerusalem, USA

David Parsons verfügt über die einzigartige Fähigkeit, wichtige historische Trends im Kontext der aktuellen Entfaltung biblischer Prophetie zu verstehen. Von Jerusalem aus, wo die geistlichen politischen Strömungen der Welt aufeinandertreffen, rekonstruiert er die Entwicklung des humanistischen Verständnisses – in Übereinstimmung mit Gottes Warnungen vor dem kommenden endzeitlichen Gericht. Davids Schreibstil lässt die Leichtigkeit eines begnadeten Kommunikators erkennen. Sein Buch Noah, Darwin und KI ist ein Weckruf an alle, die die Zeichen der Zeit beobachten, und ein Hoffnungsschimmer für die Menschen, die auf die Erlösung unseres Herrn warten.

Peter Tsukahira

Autor und internationaler Vortragssprecher

Mitbegründer der Carmel-Gemeinde in Israel

Nur selten findet man einen Autor, der eine derartige Kombination von Einsichten vermitteln kann, wie sie in Noah, Darwin und KI zu finden ist. David Parsons zeigt uns, warum die Geschichte der Sintflut für unsere Zeit immer relevanter wird, und welche Parallelen es zu unserer modernen Welt gibt. Wie üblich fügt er auch viele prophetische Puzzelteile über Israel, das jüdische Volk und die Endzeit in das große Ganze mit ein. Machen Sie sich auf viele „Aha-Momente“ gefasst!

Jerry Dirmann

Hauptpastor, The Rock, Anaheim, Kalifornien

INHALT

Cover

Titel

Impressum

Vorwort

Einleitung: Die Geschichte zweier Schiffe

TEIL EINSNOAH UND DIE SINTFLUT

1Das Wesen Gottes

2Beweise für die Sintflut

3Der Grund für die Überflutung

4Die verbotene Verbindung

5Ein Neuanfang

6Warum nochmal?

7Die Dekadenz Roms

TEIL ZWEIDIE MODERNE REBELLION

8Der parallele Absturz

9Zerstörerische Gewalt

10Die sexuelle Revolution

11Wo sind wir falsch abgebogen?

12Der Wendepunkt

13Die verbotene Frucht

14Die nächste Revolution

15Der gerechte Überrest

16Der Aufbau Zions

17Vernunft und Offenbarung

Fazit

Danksagungen

Endnoten

Bibliografie

Über den Autor

Es war im 600. Lebensjahr von Noah …

Alle Quellen in der Tiefe brachen auf,

und die Schleusen des Himmels öffneten sich.

Genesis 7,11 Hfa

Wenn der Menschensohn kommt,wird es sein wie zur Zeit Noahs.

Matthäus 24,37 Hfa

VORWORT

Die Geschichte Noahs übt seit Jahrhunderten eine große Faszination auf uns Menschen aus, insbesondere auf Kinder. Sie beinhaltet alles, was zu einem richtigen Märchen dazugehört: ein großes Boot, das Tiere und Menschen rettet, einen geheimnisvollen Helden, der behauptet, im Namen Gottes zu sprechen, eine Welt, die seine Warnungen vor der kommenden Flut verlacht, eine weltweite Überschwemmung, gefolgt vom Happy End, das von einem Regenbogen eingerahmt wird. Mehr kann man kaum verlangen. Daher ist es nicht überraschend, dass viele vermeintlich weise Menschen diese Geschichte als reine Legende abtun. Selbst Bibelwissenschaftler schlagen in dieselbe Kerbe. Unglaube hat sich schon immer hinter „klugen Worten“ versteckt. Was die Bibel betrifft, so hat uns allerdings die Geschichte, gepaart mit der archäologischen Forschung, Folgendes gelehrt: Wir müssen vorsichtig sein, was wir als reine Fabel bezeichnen. Es gibt tatsächlich überzeugende Beweise dafür, dass die Arche Noah existiert hat – ihre Überreste sind im Laufe der Jahrhunderte von vielen verlässlichen Augenzeugen auf dem Berg Ararat gesichtet worden!

Das wichtigste Zeugnis jedoch, dass die Sintflut wirklich stattgefunden hat, stammt von Jesus selbst. Er behandelte sie als ein reales historisches Ereignis und warnte vor einer vergleichbaren Katastrophe, die sich in der Endzeit ereignen würde:

Wenn der Menschensohn kommt, wird es sein wie zur Zeit von Noah. Die Menschen aßen, tranken und heirateten, wie sie es immer taten. So ging es, bis Noah in die Arche stieg. Dann kam die große Flut, und keiner von ihnen überlebte.

(Lukas 17,26–27 Hfa)

Für Jesus war die Geschichte Noahs kein Mythos, sondern Realität – und wir tun gut daran, ihre Warnung ernst zu nehmen.

Dieses bemerkenswerte Buch, Noah, Darwin und KI, das mein lieber Freund David Parsons geschrieben hat, erläutert uns die Ereignisse „zur Zeit von Noah“, damit wir unsere moderne Welt besser verstehen lernen und erfahren, welche Gefahren auf uns zukommen. Auf der Grundlage sorgfältiger Forschungen und eines tiefgründigen Bibelwissens enthüllt uns Parsons, was zur damaligen Zeit geschah; er offenbart alle widergöttlichen und dämonischen Einflüsse, die zur Zerstörung der Menschheit führten. Gott wird dem Bösen nicht erlauben zu triumphieren; wenn es sich seuchenartig ausbreitet, wird er es in göttlichem Gericht fortschwemmen. Dieses Thema erfreut sich heutzutage keiner großen Beliebtheit, doch es ist notwendig, dass wir uns damit auseinandersetzen.

Jesus versicherte seinen Nachfolgern, dass die Welt vor seiner Rückkehr immer verdorbener werden würde, genauso wie es zur Zeit Noahs geschah. Parsons zeigt uns, wo und wie dieser „parallele Absturz“ schon heute stattfindet. Einer der größten Katalysatoren dieses Absturzes war Darwins Evolutionstheorie, weil sie Gott als den Schöpfer verworfen und den Menschen zum Maß aller Dinge gemacht hat. Die Frucht dieser widergöttlichen Theorie ist durch und durch verdorben! Diese Entwicklung, gepaart mit der Wiederherstellung des Volkes Israel in seiner alten Heimat, ist ein sicheres Zeichen dafür, dass wir Jesu Warnungen im Kontext der „Zeit Noahs“ ernst nehmen sollten.

Noah, Darwin und KI ist ein aktuelles, überzeugendes und äußerst lesenswertes Buch. Als jemand, der viele Jahre mit David Parsons zusammengearbeitet hat, weiß ich, dass ihm dieses Thema seit Langem unter den Nägeln brennt. Ich bewundere David sehr und kann Ihnen dieses wichtige Buch nur wärmstens empfehlen. Es wird Ihnen biblische Grundwahrheiten offenbaren, Ihren Glauben stärken und Sie dazu inspirieren, durch Jesus Christus an Gott festzuhalten.

Malcolm Hedding

Ehrenpräsident

Internationale Christliche Botschaft Jerusalem

EINLEITUNG: DIE GESCHICHTE ZWEIER SCHIFFE

„Es war die beste und die schönste Zeit, ein Jahrhundert der Weisheit und des Unsinns, eine Epoche des Glaubens und des Unglaubens, eine Periode des Lichts und der Finsternis. Es war der Frühling der Hoffnung und der Winter des Verzweifelns … wir steuerten alle unmittelbar dem Himmel zu und auch alle unmittelbar in die entgegengesetzte Richtung."

Charles Dickens, Eine Geschichte von zwei Städten1

„Er ist der Herr der Zeit und bestimmt, was wann geschieht; er setzt Könige ab und überlässt anderen ihren Thron."

Daniel 2,21 Hfa

Die Zeit vergeht, und wir neigen dazu, die Geschichte in klar unterscheidbare Epochen einzuteilen. Charles Dickens verfasste seinen Roman „Eine Geschichte von zwei Städten“ im Kontext der Übergangszeit von einer Ära in die nächste. Nach der blutigen Französischen Revolution herrschte im Europa des frühen 19. Jahrhunderts relative Ruhe, während die industrielle Revolution gerade erst an Fahrt aufnahm. Grenzenloser Optimismus und dunkle Vorahnungen prägten diese Zeit.

Georg Wilhelm Friedrich Hegel verlieh der damaligen optimistischen Grundhaltung Ausdruck, indem er mutig das „Ende der Geschichte“ verkündete. Damit meinte er, dass sich die westlichen Gesellschaften unaufhaltsam auf die Akzeptanz der liberalen Werte „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ zubewegen würden.2 Das Zeitalter der Könige und des Klerus, die kraft göttlicher Beauftragung regierten, ginge seinem Ende entgegen und würde bald durch Demokratie und Säkularismus abgelöst werden. Gleichzeitig konnte Dickens in Großbritannien den hohen Preis beobachten, den die Industrialisierung der Bevölkerung abverlangte, insbesondere den glücklosen Frauen und Kindern. Dieses Spannungsverhältnis erklärt die intensive Widersprüchlichkeit in den Anfangszeilen seines Romans.

Im Jahr 1989 verkündete der Philosoph Francis Fukuyama von der Universität Princeton ebenfalls das „Ende der Geschichte“, und zwar in einem aufsehenerregenden Artikel in der amerikanischen Fachzeitschrift „The National Interest“. Darin behauptete er, dass der kurz bevorstehende Zusammenbruch der Sowjetunion dazu führen würde, dass die widerstreitenden Ideologien, die die Menschheitsgeschichte beherrscht hätten, sich nun im Triumph der liberalen Demokratie und der marktorientierten Wirtschaftsordnungen zusammenfinden würden. Hoffentlich bedeute das Ende des Kalten Krieges nun auch ein Ende der großen Konflikte auf der ganzen Welt.3

Doch in einem weiteren Artikel in derselben Zeitschrift bekannte Fukuyama zehn Jahre später, dass er voreilige Schlüsse gezogen habe. Das Ende der Geschichte sei noch nicht erreicht, weil wir noch nicht am Ende der Wissenschaft angekommen seien.4 Noch beschwingter als je zuvor verkündete er, dass wir gerade erst damit beginnen würden, das erstaunliche Potenzial zu erschließen, das moderne Technologien und biomedizinischer Fortschritt für die Menschheit bereithielten. Dieses Thema führte er in seinem Buch „Our Posthuman Future“ (Unsere posthumane Zukunft) weiter aus. Es beschäftigt sich mit der faszinierenden Welt der Biotechnologie und der Transformation, die sie dem sterblichen Menschen bald bescheren wird.5

Zweifellos leben wir gerade jetzt in einer Zeit extremer Widersprüche. Grenzenlose Hoffnung und große Angst vor der Zukunft existieren Seite an Seite. Es liegt nur wenige Jahrzehnte zurück, dass Präsident John F. Kennedy in seiner denkwürdigen Antrittsrede einen ähnlich starken Kontrast erwähnte: „Der Mensch hält die Macht in seinen sterblichen Händen, alle Formen menschlicher Armut und alle Formen menschlichen Lebens auszulöschen“,6 warnte er damals. Der Kalte Krieg mag zwar heute vorüber sein, doch nach wie vor bestimmen Gewalt und Terror auf der ganzen Welt die Schlagzeilen, insbesondere im Kontext der Ausbreitung des radikalen Islam. Zusätzlich zu den Befürchtungen, dass Dschihadisten Massenvernichtungswaffen in Gebrauch nehmen könnten, wächst die Sorge über die Erderwärmung, Pandemien und andere ernsthafte Bedrohungen. Viele dieser dunklen Vorahnungen drehen sich um denselben Fortschritt von Wissenschaft und Technologie, der uns eine derart strahlende Zukunft verheißt. Tatsächlich gelten die Klimaveränderung und virale Epidemien größtenteils als menschengemachte Gefahren. Können wir also unsere eigenen schädlichen Machenschaften lange genug überleben, um dieses verheißungsvolle Zeitalter zu erreichen? Diese Ära, die geprägt ist von bisher unvorstellbaren Erleichterungen durch Technologie und biomedizinischen Fortschritt, durch unbegrenztes Wissen, unangreifbare Gesundheit, beispiellose Lebensdauer und weltumspannendes Glück? Oder fallen wir einer globalen Katastrophe zum Opfer, die wir selbst herbeigeführt haben?

Genau genommen trifft die Bibel zahlreiche Aussagen über das Zeitalter des Menschen. Sie erklärt, dass es tatsächlich bestimmte Zeiten gibt (siehe Daniel 2,21), dass Gott diese Epochen beherrscht und sie sogar vorherbestimmt hat (siehe Apostelgeschichte 17,26). Es wird ein „Ende der Geschichte“ geben – in dem Sinne, dass wir bald das Ende „dieser gegenwärtigen bösen Welt“ erreichen (Galater 1,4 L; siehe auch 1. Korinther 10,11). Die Bibel erwähnt auch das Paradoxon von Hoffnung und Verzweiflung, welches das Ende unseres jetzigen Zeitalters prägen wird. Uns wird versichert, dass ein ewiges Paradies auf die Menschen wartet, die Gott vertrauen; allerdings erst nach einer Periode des Zorns und der plötzlichen Finsternis, die über jene kommt, die gegen Gott rebellieren (siehe z. B. Jesaja 60,1–2).

Viele Menschen sind fasziniert von diesen biblischen Prophetien über das kommende Weltenende; man bezeichnet sie auch als die Apokalypse oder die Enthüllung des messianischen Zeitalters. Hollywood ist schon lange auf diesen Zug aufgesprungen und hat eine endlose Flut von Filmen zum Thema „Armageddon“ und über düstere, post-apokalyptische Welten produziert. Sowohl die Filmstudios als auch die Produktionsfirmen wissen, dass sich diese Themen sehr gut verkaufen lassen! Gleichzeitig gibt es mittlerweile ein eigenes Genre christlicher Bücher über die Endzeit, wobei viele dieser Schriften in halbprofessioneller „Heimarbeit“ entstanden sind. Die meisten Autoren neigen dazu, jedes negative Ereignis, das die Bibel vorhersagt, in die siebenjährige Spanne ganz am Ende der Zeit hineinzupressen, die auch als die große Trübsal bekannt ist. Dabei liefern sie kaum neue Erkenntnisse zu den Geschehnissen, die dieser turbulenten Zeit vorausgehen werden.

Mit diesem Buch beabsichtige ich, neue Wege in unserem Verständnis der prophetischen Schriften einzuschlagen. „Noah, Darwin und KI“ soll insbesondere unseren Blick weiten und das offenbaren, was geschehen wird, bevor wir diese letzten sieben Jahre erreichen. Wenn unsere Welt in die Phase der großen Trübsal eintritt, werden es alle wahrnehmen; doch was ist mit der Zeitspanne, die davor liegt? Welche Informationen können wir aus der Bibel über die Zeichen erhalten, die darauf hinweisen, dass wir uns diesem Tag nähern? Erneut zeigt sich, dass die Bibel zu diesem Thema viele Angaben macht.

Gott ist souverän. Er ist es, der nach wie vor entscheidet, wann Königreiche aufsteigen und untergehen. Er setzt die Zeiten und Epochen der Menschheitsgeschichte fest und kennt von Anfang an ihr Ende. Darüber hinaus hat Gott auch eine spezifische Strategie für die Schlussphase; er weiß ganz genau, wie er dieses Zeitalter zu Ende bringen wird. Die Bibel gibt uns ein sehr klares Bild dieser Schlussphase, indem sie auf zwei Hauptereignisse aus der Vergangenheit hinweist. Beide dienen als Analogien oder Modelle für das Ende der Zeit. Eines ist die „Zeit Noahs“, das andere ist der Auszug aus Ägypten. Diese Paradigmen der biblischen Geschichte enthüllen uns Erstaunliches über unsere heutige Realität. Daher beschäftigt sich dieses Buch mit der Sintflut als einer umfassenden Analogie der Endzeit – und diese Analogie ist vollständiger, als den meisten Menschen bewusst ist. Mein nächstes Buch wird zeigen, dass auch der Exodus tiefgreifende Parallelen zur Endzeit aufzuweisen hat.

Bei diesen Modellen geht es um Typologie, d. h., dass die Bibel vergangene Episoden als „Präzedenzfälle“ künftiger Ereignisse bezeichnet. Manchmal stellten die biblischen Autoren direkte Vergleiche an, wie z. B. Paulus, der Adam als einen „Typus“ Christi beschrieb (siehe Römer 5,14) oder die Feste und Sabbate Israels als einen „Schatten des Zukünftigen“ (siehe Kolosser 2,16–17). Eine andere, weit verbreitete Form der Typologie kommt in den prophetischen Passagen der Bibel vor. Dort heißt es, dass ein künftiges Ereignis sein wird „wie“ ein bestimmtes Geschehen in der Vergangenheit (siehe z. B. Sacharja 12,11.)

Eine dritte Form der Typologie verwendet dezente Hinweise auf vergangene Begebenheiten, um zu prognostizieren, was künftig geschehen wird. Dementsprechend machten die hebräischen Propheten eine Reihe von Anspielungen auf die Sintflut, um das Ende unserer Zeit vorherzusagen. Mehrere Akteure des Neuen Testaments, einschließlich Jesus, verwiesen direkt auf die Sintflut als Paradigma für das Ende der Welt. Die Bibel berichtet, dass Jesus bei zwei verschiedenen Gelegenheiten Folgendes erklärte: „Wenn der Menschensohn kommt, wird es sein wie zur Zeit Noahs“ (Matthäus 24,37 Hfa; siehe auch Lukas 17,26). Die Apostel Petrus, Johannes, Paulus und Judas verwendeten ebenfalls die Flut-Analogie und machten sie dadurch zu einer der vorherrschenden biblischen Typologien für die Endzeit.

In den folgenden Kapiteln werden wir verschiedene Bibelabschnitte untersuchen, die erläutern, wie die Welt vor der Flut aussah – und erkunden, warum Gott beschloss, alles Leben auf dieser Erde, außer einer kleinen Gruppe von Menschen und Tieren, zu zerstören. Schließlich werden wir diese Erkenntnisse auf unsere heutige Welt anwenden, um die wichtige Frage zu beantworten, ob erneut ein Countdown der Zerstörung in Gang gesetzt worden ist. Letztendlich werden wir erkennen, dass die Parallelen zwischen dieser dramatischen Episode in der Vergangenheit und unserer heutigen Zeit nicht zu leugnen sind. Der moralische Verfall der Tage Noahs wiederholt sich in fast jeder Hinsicht. Auch wenn wir annehmen, dass wir uns kurz vor dem Durchbruch befinden, nämlich unsere Welt und unsere eigenen sterblichen Körper durch Wissenschaft und Technologie zu transformieren, so sind wir doch tatsächlich im Rückschritt begriffen; und wir laufen ernstlich Gefahr, uns den Zorn Gottes zuzuziehen.

Ich bin ganz sicher nicht der Erste, der den Vergleich mit der Sintflut als Schreckensszenario verwendet, das nur durch Buße abgewendet werden kann. Doch ich gehe noch einen Schritt weiter und wage zu behaupten, dass der starke moralische Verfall, der um uns herum geschieht, ein Zeichen dafür ist, dass Gott bereits beschlossen hat, diese Welt zu richten. Das bedeutet meiner Ansicht nach, dass wir bereits in den „Tagen Noahs“ leben – in dieser göttlichen Wartezeit zwischen Gottes Entscheidung, der Menschheit ein Ende zu setzen, und seiner Vollstreckung dieses göttlichen Urteilsspruchs. (Siehe z. B. 1. Mose 6,3; 1. Petrus 3,20.) Dies ist ein wichtiger Aspekt der Flut-Analogie. Gott ist zu einem Urteil gelangt und lässt nun schlicht und einfach die Rebellion in den Herzen der Menschen bis zur Urteilsvollstreckung reif werden. Ich persönlich glaube, dass sich sein Zorn auf eine widerspenstige und ahnungslose Welt schon seit geraumer Zeit angesammelt hat. Buße mag vorübergehend das unvermeidliche Gericht hinausschieben, doch wir werden es niemals abwenden können. In der Rechtswissenschaft nennen wir diese Realität eine res judicata – einen rechtskräftig entschiedenen Fall, ohne weitere Möglichkeiten, gerichtlich dagegen vorzugehen.

Ich behaupte, dass die weit verbreitete Akzeptanz der Evolutionstheorie von Charles Darwin, und insbesondere ihre Ablehnung des göttlichen Ursprungs menschlichen Lebens, ein entscheidender Wendepunkt der Menschheitsgeschichte war. Dabei haben sich ihre verhängnisvollen Konsequenzen für unsere Welt noch nicht vollumfänglich realisiert. Zunächst gab diese Theorie der Eugenik der Nationalsozialisten und den Grausamkeiten des Holocaust einen „wissenschaftlichen Anstrich“. Abtreibungen auf Abruf, die wachsende Akzeptanz der Homosexualität und die Zunahme eines militanten Atheismus sind Früchte dieses moralischen und intellektuellen Fehlgriffs. Darüber hinaus treibt diese Theorie den biomedizinischen Fortschritt an, der an unserer ureigenen menschlichen Identität herumpfuscht. Vor allem aber hat der Darwinismus der Menschheit eine Entschuldigung bzw. einen wissenschaftlichen Vorwand geliefert, sich von Gott abzuwenden – und zu einer zunehmenden Rebellion gegen unseren Schöpfer geführt, die am Ende, davon bin ich überzeugt, eine Manifestation seines großen Zorns nach sich ziehen wird.

Es gibt viele bemerkenswerte Ähnlichkeiten zwischen dem heutigen moralischen Verfall und dem Zustand der antiken Welt, die durch die Sintflut zerstört wurde. Zusätzlich dazu können wir eine weitere unglaubliche Parallele beobachten: Das phänomenale Wachstum der evangelikalen Christenheit auf der ganzen Welt (einschließlich pfingstlicher und charismatischer Gläubiger) kann mit Noah und seiner Familie verglichen werden, dem gottesfürchtigen „Überrest“. Gott ließ diese Menschengruppe die Überschwemmung überleben und machte mit ihr einen Neuanfang auf dieser Erde. Zu guter Letzt: Genau so, wie der Bau der Arche der vorsintflutlichen Welt als deutlich sichtbares und unmissverständliches Zeichen diente, dass sie in Kürze gerichtet werden würde, gibt es auch heute ein ähnliches Zeichen, das nicht von der Hand zu weisen ist: der Aufbau Zions, d. h. die Wiederherstellung Israels in unseren Tagen.

Noch verblüffender ist, dass jede dieser drei Entwicklungen im Verlauf der letzten 100 Jahre parallel zu den anderen zweien verlaufen ist. Die Akzeptanz der Evolutionstheorie durch die breite Masse, das explosionsartige Anwachsen der evangelikalen Christenheit und die zionistische Bewegung zur Wiederherstellung Israels gehen alle ungefähr auf das Jahr 1900 zurück – und seither bewegen sie sich quasi im Gleichschritt vorwärts. Zudem gibt es zwischen diesen historischen Trends erstaunliche Zusammenhänge; und sie wurden alle in der Bibel vorhergesagt.

Dieses Buch zielt darauf ab, ein neues Muster zu definieren, anhand dessen wir feststellen können, wo im prophetischen Zeitplan wir uns befinden. In unserer heutigen Zeit gibt es ein großes Bedürfnis und einen ebenso großen Hunger nach solider prophetischer Wahrheit. Das trifft besonders auf die Millennials (die Generation Y) zu, die im Gegensatz zu ihren Eltern nicht mehr an die standardisierten alten Schaubilder prophetischer Ereignisse glauben. Dieses Buch bietet ein anderes Bezugssystem, sich der Endzeit zu nähern. Es liefert uns dringend benötigte Erklärungen zum Zustand unserer heutigen Welt, während es sich auf ein verlässliches Fundament gründet: die Lehren Jesu und der Apostel. Ein objektiver Blick auf seine Inhalte wird es dem Leser in beispielloser Art und Weise ermöglichen, sowohl die Realität und den Charakter Gottes zu erkennen als auch seinen Umgang mit der Menschheit und das Schicksal, das unsere Welt ereilen wird.

Ich hoffe, dass dieses Buch für viele eine effektive Warnung darstellt, die sie sich zu Herzen nehmen werden – eine Warnung, dass sich die „Schleusen“ des göttlichen Zorns am Ende öffnen werden, allerdings diesmal in anderer Form. Diese Tatsache ist furchterregend und gleichzeitig unvermeidlich. Wer sich der Rebellion gegen Gott jedoch nicht anschließt, sondern ihm stattdessen treu bleibt, wird als ein „gerechter Überrest“ auf der Erde bewahrt bleiben und gemeinsam mit vielen anderen einer herrlichen Zukunft entgegengehen. Tatsächlich befinden wir uns in einer Periode des Lichts und der Finsternis. Doch anders als in Charles Dickens’ berühmtem Roman werden nicht alle von uns direkt in den Himmel oder direkt in die Hölle kommen. Jeder von uns muss eine klare Entscheidung über seinen letztendlichen Bestimmungsort treffen. Hier handelt es sich weniger um „Eine Geschichte aus zwei Städten“, sondern eher um „Eine Geschichte zweier Schiffe“. Eines der beiden war eine primitive Arche, die von einem demütigen Mann erbaut und gesteuert wurde. Er fürchtete und gehorchte Gott und war daher in der Lage, seine Familie und die gesamte Tierwelt vor der Zerstörung zu bewahren. So konnte er den Anfang einer neuen Zeit einläuten. Das andere Schiff war ein Segelboot, die „HMS Beagle“, die einen jungen Naturkundler namens Charles Darwin um die Welt trug. Er befand sich auf einer Entdeckungsreise, die zum Entstehen seiner atheistischen Evolutionstheorie führte. Obwohl Darwin sich um die Menschheit, die Tierwelt und die Natur sorgte, tragen die von ihm inspirierten, meiner Meinung nach gottlosen Ideologien dazu bei, dass die Welt dem Untergang geweiht ist; das ist die Ironie der Geschichte. Am Ende dieses Buches wird der Leser entscheiden müssen, mit welchem Schiff er vorzugsweise unterwegs sein will. Diese Entscheidung wird sein ewiges Schicksal bestimmen.

TEIL EINSNOAH UND DIE SINTFLUT

1

DAS WESEN GOTTES

Gott ist der einzige Trost, und er ist zugleich auch der größte Schrecken: das Wesen, das wir am meisten brauchen und vor dem wir uns am meisten verbergen möchten.

C.S. Lewis, Pardon, ich bin Christ1

Alles hat der HERR zu seinem Zweck gemacht, so auch den Gottlosen für den Tag des Unglücks. Sprüche 16,4 E

Da ich auf den „Outer Banks“, einer Inselkette vor der Küste North Carolinas, aufgewachsen bin, habe ich schon viele Wirbelstürme durchlebt. Manche von ihnen trafen mit voller Wucht auf unsere zerbrechliche Inselbarriere; dabei richteten sie verheerende Schäden an, ließen neue Buchten entstehen und schlugen die Sommertouristen in die Flucht. Andere prallten harmlos am Kap Hatteras ab und nahmen dann Kurs auf den offenen Atlantik; uns Surfern hinterließen sie dabei epische Riesenwellen. Die stärksten Stürme fühlten sich wie Güterzüge an, die stundenlang direkt über meinen Kopf hinwegratterten. Gleichzeitig verursachte die vorübergehende Ruhe im Auge des Sturms „Schmetterlinge im Bauch“ – aufgrund des extrem niedrigen Luftdrucks. Daher entwickelte ich eine wirkliche Hassliebe auf diese tropischen Monster.

Hurrikane waren nicht die einzigen Stürme, die wir erlebten; viele Jahre lang waren sie nicht einmal die schlimmsten. Diese Auszeichnung war den Nordostwinden vorbehalten, mächtigen Winterstürmen, die tagelang auf die gesamte östliche Atlantikküste einhämmerten. Weil ihre Winde über einen langen Zeitraum in einer derart breiten Wucht auf die Küste treffen, produzieren sie massive Wellen, die die Küstenlinie während mehrerer Tidehochwasser abschwemmen und so direkt am Strand umfangreiche Schäden verursachen. Doch auch diese Stürme hatten ihre guten Seiten; so gingen wir nach ihrem Abebben Strandgut sammeln und fanden dabei viele interessante Dinge, die das Meer an den Strand gespült hatte. Einmal stießen wir auf ein Schiffswrack, das zuvor bedeckt, durch die hämmernde Meeresbrandung aber nun freigelegt worden war.

Meine früheste Kindheitserinnerung betrifft einen derartigen Sturm – den „Aschermittwoch-Sturm“ vom 7. März 1962. Meine Familie wohnte direkt am Atlantik, an der Anlegestelle meines Großvaters, der von dort aus fischen ging, in Nags Head. Mein Opa erwachte am frühen Morgen durch das Geräusch riesiger Wellen, die über sein Haus hereinbrachen. Die eiskalten Winde erreichten Geschwindigkeiten bis zu 160 Kilometern pro Stunde und bombardierten uns mit Schnee und Sand, als wir uns in mehrere Fahrzeuge zwängten, um dem Unwetter zu entfliehen. Doch unsere Autos versackten, als die wuchtigen Atlantikwellen durch die Küstendünen brachen und die Strandstraße überschwemmten – unsere einzige Fluchtroute.

Ich war damals noch ziemlich klein, doch ich erinnere mich, wie ich mich am Autofenster abstützte und auf das Meer hinausblickte. Dort draußen in der Dunkelheit rollte eine Wasserwand nach der anderen heran, wie hochaufgetürmte Stufen, die erbarmungslos auf uns zumarschierten. Dank eines mutigen Nachbarn, der ein geländegängiges Fahrzeug hatte, wurden wir vor den tosenden Fluten gerettet. Doch das Haus und der Steg meines Großvaters wurden völlig zerstört. Bereits am nächsten Tag war er auf einem Bildtelegramm der Associated Press im ganzen Land zu sehen: ein grimmig dreinblickender Ire mit Tränen in den Augen, der dort stand, wo einst sein Haus gewesen war. Doch mein Großvater baute seine Anlegestelle wieder auf, so wie er es schon immer getan hatte. In den acht Jahren, die er diese Pier sein eigen nannte, wurde sie sechsmal durch Hurrikane oder Nordostwinde schwer beschädigt – dennoch errichtete er sie immer wieder neu.

Aufgrund dieser Kindheitserinnerungen reagiere ich etwas ungehalten, wenn jemand behauptet, Gott würde eine Stadt oder ein Land durch einen bestimmten Sturm oder eine Naturkatastrophe für ihre Sünden bestrafen. Tatsächlich sind Wirbelstürme natürliche Phänomene, die sowohl Gerechte als auch Ungerechte heimsuchen. Daher bin ich immer zurückhaltend, wenn es darum geht, Gott die Ehre oder die Schuld für Tragödien zu geben, die durch die Natur verursacht werden. Derartige Behauptungen gehen mir einfach zu nah. Als junger Rechtsanwalt wehrte ich mich sogar dagegen, Klauseln in Geschäftsverträge aufzunehmen, die eine Partei aufgrund höherer Gewalt, was im Englischen acts of God, „Taten Gottes“ heißt, von ihren Verpflichtungen entbanden.

Doch manche Menschen neigen dazu, recht schnell einen Kausalzusammenhang zwischen Naturkatastrophen und bestimmten Sünden herzustellen, von denen sie glauben, sie hätten den Allmächtigen verärgert. Und in letzter Zeit gibt es für diese Art des „Kombinierens“ merkwürdigerweise immer neue Anlässe. Im Jahr 2010 überzog beispielsweise ein isländischer Vulkan ganz Europa mit einer Aschewolke und hinderte alle Flugzeuge auf dem Kontinent vorübergehend am Abheben. Gleichzeitig ließen apokalyptische Fluten große Landstriche Australiens versinken, während bizarre Flächenbrände den Bewohnern Moskaus wochenlang den Atem nahmen. Zirka 15 000 Menschen starben. Im darauffolgenden Jahr brach Wirbelsturm Sandy über New York City herein und Japan wurde von einem massiven Erdbeben samt Tsunami heimgesucht. Derartige Erschütterungen werfen bei uns allen Fragen auf: Was ist der Grund für dieses exzentrische Verhalten der Natur? Liegt es an der Erderwärmung? Oder an El Niño? Und was ist mit den Sonneneruptionen? Oder ist Gott wirklich wütend? Sind diese Katastrophen Zeichen der Endzeit?

Unter Christen scheint es heutzutage zwei Extrempositionen zu diesen Fragen zu geben. Eine Gruppe ist zutiefst davon überzeugt, dass Gott Gericht übt. Aufgrund unserer wachsenden Unmoral gieße er seinen Zorn über uns aus, hier ein wenig und dort ein wenig. Diese Gruppe schließt viele christliche Zionisten2 mit ein, die ich grundsätzlich zu meinen Gesinnungsgenossen zähle. Sie betrachten diese Dinge als göttliches Strafgericht, das Gott über die Nationen verhängt, die Israel schikanieren. Manche ziehen als Anschauungsbeispiel Hurrikan Katrina vom August 2005 heran. Sie behaupten, Gott habe Amerika dafür bestraft, dass es Israel im selben Sommer gezwungen hatte, den Gazastreifen zu verlassen. Doch nur zwei Jahre später war die Stadt New Orleans wiederaufgebaut und kehrte zu ihrem gewohnt sündhaften Lebensstil zurück. Nach einem wahrhaftigen Gericht Gottes erholt sich eine Stadt nicht so schnell. Tatsächlich suchen wir immer noch nach den Überresten von Sodom und Gomorra!

Das andere Extrem sind Christen, die dem entgegenhalten, sie dienten einem Gott der Liebe, der so etwas niemals tun würde. Auf mich wirkt ihre Botschaft wie eine Art „schlampige Agape-Liebe“: Sie behaupten, dass aufgrund des Kreuzestodes Jesu keinerlei ernst zu nehmendes Strafgericht Gottes an der Menschheit mehr zu erwarten sei. Es handelt sich um ein Evangelium der Super-Gnade, das Gott wie einen rührseligen Alten erscheinen lässt und in dem es für die Sünde keinerlei Konsequenzen mehr gibt.

Der Apostel Paulus stand direkt zwischen diesen beiden Lagern, als er ausrief: „Darum sieh die Güte und die Strenge Gottes“ (Römer 11,22 L). Paulus hatte verstanden, dass sich diese zwei vermeintlichen Gegenpole im Charakter Gottes die Waage halten. Er erkannte, dass Gott tatsächlich ein Gott der Liebe und des Erbarmens ist. Gleichzeitig ist er aber auch ein heiliger Gott, der Sünde nicht tolerieren kann. Und Paulus wusste, dass sich diese widersprüchlichen Eigenschaften Gottes in seinem gerechten Wesen miteinander vereinen. Das bedeutet, dass Gott niemals ungerecht richtet; seine Gerichte sind „wahrhaftig und gerecht“ (Offenbarung 19,2 L) und er kündigt sie immer rechtzeitig vorher an.

Paulus sprach auch davon, dass die Schöpfung selbst wie eine Frau in Wehen liege und auf die Vollendung der Welt sowie auf die Offenbarung der Söhne Gottes warte (siehe Römer 8,18–22). Daher glaube ich, dass die Sünde zunimmt, während wir dem Ende unserer Zeit immer näher kommen. Gleichzeitig spürt die Natur die wachsende Rebellion der Menschheit gegen ihren Schöpfer und spielt daher ein wenig verrückt. Das erklärt, mehr als alles andere, all die merkwürdigen Wetterphänomene und Naturkatastrophen der letzten Zeit.

Auch Jesus erörterte die um sich greifenden Naturkatastrophen unserer Tage. Er sagte „Hungersnöte und Erdbeben … hier und dort“ (siehe Matthäus 24,7) voraus. Die meisten Christen kennen diese Bibelstelle und betrachten die aktuellen Erschütterungen richtigerweise als Zeichen der Endzeit. Allerdings schrieb Jesus diese Unglücke nicht direkt Gott zu, sondern erklärte stattdessen, sie fänden willkürlich statt. Darüber hinaus laute die Botschaft dieser Desaster immer: „Tut Buße!“ So sprach er beispielsweise einmal über den Einsturz eines Turmes, der 18 Menschen getötet hatte: „Erinnert euch an die achtzehn Leute, die starben, als der Turm am Teich Siloah einstürzte. Glaubt ihr wirklich, dass ihre Schuld größer war als die aller anderen Leute in Jerusalem? Nein! Wenn ihr nicht zu Gott umkehrt, wird es euch ebenso ergehen“ (Lukas 13,4.5 Hfa). Mit anderen Worten: Ein solcher Unglücksfall kann jedermann zu jeder Zeit treffen. Bringt daher euer Leben in Ordnung und führt es so, wie es Gottes Willen entspricht!

Doch Jesus warnte seine Jünger auch sehr deutlich davor, dass die Erde eines Tages von einer schweren göttlichen Strafe heimgesucht würde, und zwar wenn er selbst sich bereitmachen würde, endlich zurückzukehren. Er äußerte diese Warnung in seiner Rede auf dem Ölberg, in der er seinen Jüngern seine Eschatologie, d. h. seine Lehre über die Endzeit, vermittelte:

„Und doch weiß niemand, wann das Ende kommen wird, auch die Engel im Himmel nicht, ja, noch nicht einmal der Sohn. Den Tag und die Stunde kennt nur der Vater. Wenn der Menschensohn kommt, wird es sein wie zur Zeit Noahs. Damals vor der großen Flut aßen, tranken und heirateten die Menschen, wie sie es immer taten. So ging es, bis Noah in die Arche stieg. Die Leute merkten nichts von dem Unheil, das ihnen bevorstand, bis die Flut sie alle mit sich riss. So wird es auch beim Kommen des Menschensohnes sein.“

(Matthäus 24,36–39 Hfa)

Bei einer anderen Gelegenheit, in einem Gespräch mit einigen Pharisäern, warnte Jesus erneut sehr spezifisch vor „der Zeit Noahs“. In dieser Warnung stellte er einen Zusammenhang zu einer weiteren Episode her, die durch strenges göttliches Gerichtshandeln gekennzeichnet war: die Zerstörung von Sodom und Gomorra.

„Wenn der Menschensohn kommt, wird es sein wie zur Zeit von Noah. Die Menschen aßen, tranken und heirateten, wie sie es immer taten.

So ging es, bis Noah in die Arche stieg. Dann kam die große Flut, und keiner von ihnen überlebte. Es wird genauso sein wie zu Lots Zeiten. Auch damals ging alles seinen gewohnten Gang: Die Menschen aßen und tranken, kauften und verkauften, pflanzten und bauten. So ging es bis zu dem Tag, an dem Lot die Stadt Sodom verließ. Da regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel, und alle kamen um. Genauso wird es sein, wenn der Menschensohn erscheint.“

(Lukas 17,26–30 Hfa)

Zweimal äußerte Jesus eine sehr ernste Warnung, einmal gegenüber seinen Nachfolgern, das andere Mal gegenüber den Pharisäern. Er warnte sie vor einer verheerenden endzeitlichen Strafe, die die gesamte Erde treffen würde. Daher sollte jeder Christ diese Warnungen ernst nehmen, ja sogar Nichtchristen sollten dies tun. Wenn sich etwas Derartiges künftig wiederholen wird, müssen wir verstehen, was zur Zeit Noahs passiert war. Womit hatte die Welt dieses Schicksal verdient? Die Bibel macht ausführliche Angaben zu diesem Thema.

Eine sorglose Welt

An den Warnungen Jesu fällt besonders auf, dass er betont, wie sorglos und optimistisch die Menschen kurz vor der Sintflut lebten. In dem Abschnitt aus Matthäus 24 erklärte er, dass sie „aßen und tranken“ (Vers 38) – heute würden wir sagen, dass sie „Party machten“ oder ihre Freizeit genossen. Zudem „heirateten“ (Vers 38) sie. Dieser Vers hat nicht zwangsläufig etwas mit einer hohen Scheidungsrate zu tun, sondern damit, dass sie sich darauf freuten, Familien zu gründen. Das bedeutet, dass sie zuversichtlich in die Zukunft blickten, trotz der sich immer weiter ausbreitenden Sünde in ihrem Umfeld. Das Leben war von Sorglosigkeit geprägt, doch dieser Eindruck von Normalität und Optimismus täuschte – denn eine Katastrophe stand kurz bevor.

Dieselbe Lebenseinstellung herrschte in Sodom und Gomorra. Die Menschen kauften und verkauften, sie pflanzten und bauten, bis zu dem Moment, als Feuer und Schwefel vom Himmel fielen. Sie lebten ihren ganz normalen Alltag und waren absolut nichtsahnend, dass der Gestank ihrer Bosheit das Gericht eines heiligen Gottes heraufbeschworen hatte.

Eine derart gleichgültige Haltung scheint uns völlig deplatziert zu sein, wenn wir uns bewusst machen, wie das Buch Genesis die vorsintflutliche Welt und Sodom vor ihrer Zerstörung beschreibt. So gab es mutwillige Gewalt und ungezügelte sexuelle Perversion vor der Flut, und zwar in einem solchen Ausmaß, dass ein liebender Gott beschloss, alle Menschen auf der Erde zu vernichten, außer Noah und seiner Familie, und noch einmal von Neuem anzufangen. Und doch benahmen sich die Menschen der damaligen Zeit so, als ob die guten Zeiten niemals enden würden.

Viele Christen können sich des Eindrucks nicht erwehren, heute in einer ähnlichen Realität zu leben; die Welt ist viel zu optimistisch, was unsere Zukunft betrifft, angesichts ernst zu nehmender weltweiter Bedrohungen und unseres stetigen moralischen Verfalls. Dank eines militanten Säkularismus, einer Multikulti-Einstellung und anderer Faktoren glauben viele Menschen heute nicht mehr, dass es moralisch-ethische Werte gibt, die absolut gelten. Und was noch schlimmer ist: Böses wird gut, und Gutes wird böse genannt, genau so wie der Prophet Jesaja es vorhergesagt hat (siehe Jesaja 5,20).

Zweifellos entwickelt sich unsere Welt in vielen Bereichen zu einem besseren Lebensraum. Zwar gibt es immer noch kriegerische Konflikte auf der ganzen Welt, doch weniger Menschen kommen in ihnen ums Leben. Selbst in armen Entwicklungsländern gewinnen wir allmählich den Kampf gegen die Armut. Weniger Menschen leiden unter Hunger, Bildungschancen verbessern sich stetig, die Alphabetisierungsraten steigen, während die Kindersterblichkeit sinkt. Das Internet beschleunigt die Globalisierung, die uns politischen, wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt verspricht, und technologische Entwicklungen bringen uns scheinbar voran, in eine spannende Zukunft.

Allerdings macht auch das Böse Fortschritte, und niemand scheint es aufhalten zu können. Zumindest viele Christen haben den Eindruck, dass ein böser Flaschengeist seinem Gefängnis entwichen ist, den niemand wieder einsperren kann. Unser Kampf gegen Abtreibung in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten hat kaum Erfolge gezeigt, in unseren Schulen wird die gottlose Evolutionstheorie gelehrt, gleichgeschlechtliche Ehen werden weltweit für rechtmäßig erklärt, wobei einige Kirchen sogar homosexuelle Priester ordinieren, und sowohl der radikale Islam als auch der militante Atheismus breiten sich immer weiter aus. Wir rufen mit aller Dringlichkeit zur Fürbitte für unsere Heimatländer auf, was ja auch richtig ist. Wir machen Lobbyarbeit, predigen und hängen Plakate auf. Doch der aktuelle moralische Verfall geht unvermindert weiter.

Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitut „Gallup“ demonstriert diesen Abwärtstrend sehr deutlich. Eine jährliche Analyse der „Werte und Glaubensansichten“ hat ergeben, dass in den letzten 15 Jahre Verhaltensweisen, die früher als tabu galten, immer mehr in Mode gekommen sind und jetzt von der Bevölkerungsmehrheit akzeptiert werden. So ist beispielsweise die Akzeptanz schwuler und lesbischer Beziehungen in Amerika von 38 Prozent im Jahr 2002 auf 58 Prozent im Jahr 2015 angestiegen. 2015 war das Jahr, in dem der Oberste Gerichtshof der USA gleichgeschlechtliche Ehen landesweit legalisierte. Derselbe Trend macht sich nun auch beim Thema Transsexualität bemerkbar. Gleichzeitig fand „Gallup“ jedoch auch heraus, dass beachtliche 74 Prozent der Amerikaner finden, der moralische Zustand ihres Landes verschlechtere sich. Mit anderen Worten: Die meisten Amerikaner werden toleranter gegenüber umstrittenen Verhaltensweisen, sind jedoch gleichzeitig besorgt über den allgemeinen moralischen Verfall. 3

Viele Christen empfinden diese Trends, die sich in der ständigen Erosion unserer Werte zeigen, alarmierend. Es scheint, als würde dem Bösen auf mysteriöse Art und Weise gestattet, erfolgreich zu sein. Etwas Unumkehrbares spielt sich ab. Auch ich teile diese Einschätzung, doch sie frustriert mich nicht mehr. Denn mir ist bewusst geworden, dass Gott seine Hand im Spiel haben könnte. Das mag merkwürdig klingen, doch die Bibel lehrt uns, dass Gott in manchen Fällen so verärgert über die Rebellion der Menschen werden kann, dass er ihnen gestattet, sich selbst zu zerstören. Die Sintflut im Buch Genesis ist ein Beispielsfall für eine derartige Manifestation göttlicher Gerechtigkeit: Gott erlaubte einer unverbesserlichen Generation, so verdorben zu werden, dass er keine andere Wahl mehr hatte, als nahezu die gesamte Bevölkerung auszulöschen und neu anzufangen. Dieses theologische Konzept bedarf einer umfassenderen Erklärung, bevor wir uns den Details der Sintflut zuwenden.

Die Dimensionen göttlicher Gerechtigkeit

Viele von uns haben Persönlichkeitstests gemacht und Vorstellungsgespräche geführt, in denen wir uns selbst beschreiben und unsere Stärken und Schwächen auflisten mussten. Stellen wir uns einmal vor, wir könnten uns mit Gott zusammensetzen und ihn bitten, uns seine Persönlichkeit oder seine besonderen Eigenschaften zu erläutern. Gott ist in der Bibel sehr ehrlich, was seine eigene Persönlichkeit betrifft. Als er sich Mose am Berg Sinai offiziell vorstellte, gab er uns die prägnanteste Selbstbeschreibung seines göttlichen Wesens:

„Und der HERR ging vor seinem Angesicht vorüber, und er rief aus: HERR, HERR, Gott, barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue, der da Tausenden Gnade bewahrt und vergibt Missetat, Übertretung und Sünde, aber ungestraft lässt er niemand, sondern sucht die Missetat der Väter heim an Kindern und Kindeskindern bis ins dritte und vierte Glied.“

(2. Mose 34,6–7 L)

Zu Moses Lebzeiten galten die meisten Götter der umliegenden Nationen als sehr anspruchsvoll und launisch. Wenn sie irgendetwas verärgerte, wusste man nie, wann sie aus der Haut fahren und wann einen der Blitzschlag treffen würde. Anders ausgedrückt: Sie hatten große Ähnlichkeit mit uns Menschen. Im zweiten Buch Mose, Kapitel 34 stellt der Gott der Bibel seine eigene Persönlichkeit jedoch als ganz anders dar. Erstens beschreibt er sich als liebevoll und gütig, langsam zum Zorn und bereit zur Vergebung. In der Bibel heißt es tatsächlich, dass Gott es liebe, gnädig zu sein (siehe Micha 7,18; Jeremia 9,25). Zweitens führt Gott uns eine weitere Dimension seiner Persönlichkeit vor Augen: seine Heiligkeit. Viele Menschen verkennen diesen Aspekt seines Wesens, sodass sie ihre Ehrfurcht und ihren Respekt vor Gott verlieren. Wie schon erwähnt, erfasste Paulus die ganze Bandbreite des göttlichen Wesens, und zwar kurz und knapp mit folgenden Worten: „Darum sieh die Güte und die Strenge Gottes“ (Römer 11,22 L). Im Gegensatz zu den Stimmungsschwankungen der falschen Götter ist Gottes Zorn weder willkürlich noch launisch, sondern absolut gerecht.

Da Gott selbst Liebe ist, muss es per Definition ein Objekt dieser Liebe geben, und nun kommt die Menschheit ins Spiel. Die Bibel stellt uns Gott als den liebenden, treuen Vater seiner gesamten Schöpfung vor. Er ist kein unnahbarer, erhabener Uhrmacher, der die Planeten quasi aufgezogen und in Bewegung gesetzt hat – nur um sich dann zurückzuziehen und das Universum sich selbst zu überlassen. Vielmehr sorgt er sich um alles, was er erschaffen hat, und wendet sich ihm uneingeschränkt zu. Seine Vaterliebe ist unermesslich und unabänderlich, und er hat den Menschen als den wichtigsten Empfänger dieser Liebe geschaffen. Die Bibel ist an diesem Punkt sehr klar, sie berichtet wiederholt über Gottes Wunsch, unter uns zu „wohnen“. Diese Gemeinschaft mit den Menschen wünscht er sich immer noch; er will unsere Gesellschaft genießen, so wie er mit Adam im Garten Eden spazieren ging, da wir der Teil seiner Schöpfung sind, der ihm am ähnlichsten ist (siehe beispielsweise 1. Mose 3,8; 2. Mose 25,8; 29,45–46; Psalm 132,13; 2. Korinther 6,16; Offenbarung 21,3).

Da wir als Gottes Ebenbild geschaffen sind, verfügen wir Menschen über einen freien Willen. Roboter sind nicht dazu in der Lage, ihrem Schöpfer wahre Gegenliebe und Anbetung zu schenken. Doch weil wir die Freiheit besitzen, unsere eigenen Entscheidungen zu treffen, haben wir die Fähigkeit, uns für das Richtige oder das Falsche zu entscheiden. Tatsächlich sind Menschen sowohl zu sehr Gutem als auch zu furchtbar Schlechtem fähig. Und Adam, der erste Mensch, traf eine furchtbar falsche Entscheidung, nämlich Gott ungehorsam zu sein – diese Entscheidung ist uns alle teuer zu stehen gekommen.

Als Folge des menschlichen Ungehorsams trat ein Problem auf. Gott ist tatsächlich liebevoll und freundlich, doch er ist gleichzeitig heilig und kann Sünde nicht einfach hinnehmen. Ungehorsam innerhalb seiner Schöpfung beleidigt ihn, vergleichbar einem Angriff auf seinen Charakter. Daher mussten die beiden Aspekte seines Wesens, seine Liebe und seine Heiligkeit, in seiner Beziehung zur Menschheit miteinander in Einklang gebracht werden. In seiner unendlichen Weisheit und Voraussicht hatte Gott bereits einen Plan geschmiedet, wie er die Menschheit, nachdem sie ungehorsam geworden war, erlösen und zu ihm selbst zurückbringen könnte, und zwar noch bevor das Universum in Existenz kam (siehe beispielsweise Micha 5,2; Epheser 1,3–6; 1. Petrus 1,20; Offenbarung 13,8). Dieser vorherbestimmte Plan nahm vor rund 4000 Jahren mit der Berufung Abrahams seinen Lauf. Es ist die Geschichte eines liebenden Gottes, der sich auf die Suche nach einer abtrünnigen Menschheit machte und einen Lösungsweg initiierte, durch den er endlich zu uns kommen kann, um bei uns zu wohnen – trotz unserer Neigung zum Ungehorsam.

Dieser Erlösungsplan wird in der Bibel schrittweise offenbart und gipfelt in der guten Nachricht, dem Evangelium. Es besagt, dass Gott seinen eigenen Sohn, Jesus, mit seinem gerechten Zorn und der gerechten Strafe für die Sünden der gesamten Menschheit schlug. Durch seinen Tod am Kreuz nahm Jesus die Strafe, die wir für unsere Rebellion gegen Gott verdient hätten, auf sich. Diesen Akt göttlicher Gerechtigkeit prophezeite Jesaja, als er den Messias mit folgenden Worten beschrieb: „Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen … Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der HERR warf unser aller Sünde auf ihn“ (Jesaja 53,5–6 L). Gleichermaßen bezeichnet das Neue Testament das Leiden Christi als eine „Sühne“ für unsere Sünden, sodass Gott dem Aspekt seines Charakters, der nach Gerechtigkeit verlangt, Genüge tun konnte. (Siehe beispielsweise Römer 3,25; Hebräer 2,17; 1. Johannes 2,2; 1. Johannes 4,10.)

Die Bibel berichtet uns, wie ein heiliger Gott die Menschheit liebte und gleichzeitig ihren Eigensinn bestrafte, sowohl auf individueller als auch auf kollektiver Ebene, während die Menschheit auf das Kreuz wartete. Beim Lesen des Alten Testaments stellen wir fest, dass tatsächlich „jede Übertretung und jeder Ungehorsam gerechten Lohn empfing“ (Hebräer 2,2 L). Gottes Beziehung zu Israel dient dabei als wichtigstes Anschauungsbeispiel. Manchmal war das Volk Israel Gott gehorsam und genoss seinen Segen, während es zu anderen Zeiten gegen ihn rebellierte und unter den Konsequenzen zu leiden hatte. Gott zeigte sich geduldig und vergebungsbereit, doch manchmal zwangen sie ihn dazu, strafend einzugreifen. Der Apostel Paulus hebt diesen wichtigen Punkt besonders hervor, dass ein gerechter Gott sein eigenes Volk oft streng bestrafte: „Wenn aber unsere [Israels] Ungerechtigkeit Gottes Gerechtigkeit beweist, was sollen wir sagen? Ist Gott etwa ungerecht, wenn er das Zorngericht verhängt? (Ich rede nach Menschenweise.) Das sei ferne! Wie könnte Gott sonst die Welt richten?“ (Römer 3,5–6 S). Das bedeutet, dass Gott kein Recht hätte, den Rest der Menschheit zu richten, wenn er Israel je ungerecht behandelt hätte. Tatsächlich jedoch wird Gott niemals irgendjemanden bestrafen, der es nicht verdient hat. (Siehe beispielsweise Jesaja 3,11; Hesekiel 7,27; Römer 1,32; Offenbarung 16,6.)

Noch einmal, Gott warnt uns immer rechtzeitig vor seinem kommenden Strafgericht. (Siehe beispielsweise 2. Chronik 36,15; Psalm 19,11; Hesekiel 3,17–21; Jona 1,1–2; 3,1–4.) Langmütig ist er mehr als bereit, die Gebete der Zerknirschten zu erhören. (Siehe beispielsweise Psalm 34,18; Jesaja 66,2.) Gott hat uns allen ein Gewissen und die Fähigkeit geschenkt, seine Aufforderungen, zu ihm zurückzukehren, auch zu hören. (Siehe beispielsweise Römer 2,15; 2. Korinther 4,2; 1. Timotheus 1,5–6.) Schließlich denkt er inmitten des Gerichts immer an seine Barmherzigkeit. (Siehe beispielsweise 2. Samuel 24,14; Habakuk 3,2; Jakobus 2,13.) Der Apostel Paulus beschrieb die Herzenshaltung Gottes in diesen Gerichtsfragen folgendermaßen: „Der Herr verzögert nicht die Verheißung, wie es einige für eine Verzögerung halten; sondern er hat Geduld mit euch und will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass jedermann zur Buße finde“ (2. Petrus 3,9 L).

Doch was geschieht, wenn ein Land oder ein Volk sich konsequent weigert, Buße zu tun? Wenn sie nicht mehr auf Gottes Stimme oder ihr eigenes Gewissen hören? In diesen Fällen wählt Gott einen gewissen drastischen Weg, der vorhersehbar ist. Erweisen wir uns als vollkommen unbußfertig, so verlangt eine Facette von Gottes gerechtem Wesen, uns auf eine bestimmte Art und Weise zu bestrafen: Er erlaubt dann unserer Sünde und Rebellion „gerichtsreif“ zu werden, sodass er Gerechtigkeit üben kann. Sind wir widerspenstig, beharren auf unseren Verfehlungen und erfreuen uns sogar an ihnen, hört sein Geist auf, um uns zu ringen. Er setzt uns frei, sodass die Rebellion in unserem Herzen ihren Lauf nehmen kann. Er liefert uns unseren Lüsten und Begierden aus, während er seinen Zorn sich anstauen lässt. Wenn Gott dann schließlich auf den Plan tritt, um unsere Widerspenstigkeit zu bestrafen, haben wir keine Entschuldigung mehr und bekommen stets genau das, was wir verdienen. Wie auch immer dieses Gericht aussehen mag, Gott ist vollkommen berechtigt, jeden Teil seiner Schöpfung zu bestrafen, der ihm in einer derart offenen Rebellion entgegentritt.

Der Apostel Paulus beschreibt diesen Prozess detailliert in Römer 1,18 ff. Aber selbst dann, wenn Gott sich zurückzieht, um seine göttliche Gerechtigkeit walten zu lassen, ist er immer noch geduldig – er wartet auf die Menschen, die bereit sind, sich ihm wieder zuzuwenden. Zudem bewahrt er mitten im Gericht immer einen gerechten „Überrest“ und er denkt immer an seine Gnade und schenkt einen Neuanfang.

Wir können beobachten, wie sich diese Prinzipien göttlicher Gerechtigkeit in der biblischen Geschichte ständig wiederholen. So kündigte Gott beispielsweise Abraham an, dass die Kinder Israels in der Sklaverei Ägyptens bleiben müssten, „denn die Missetat der Amoriter ist noch nicht voll“ (siehe 1. Mose 15,13–16 L). Das bedeutete einen Aufschub der Befreiung Israels aus den Händen der strengen Aufseher Pharaos, bis die Verdorbenheit der Völker im Land Kanaan ein solches Maß erreicht hatte, dass Gott endlich bereit war, sie zu bestrafen. Hinzu kommt noch, dass der Exodus selbst ein Musterbeispiel für einen geduldigen Gott ist, der deutliche und rechtzeitige Warnungen vor jeder Plage gab, die Ägypten befallen würde. Und Gott ließ dem Pharao Gerechtigkeit widerfahren, und zwar auf der Grundlage der widerspenstigen Reaktionen dieses ägyptischen Herrschers.

Wir können in der Bibel viele weitere Beispiele finden, an denen sich Gottes Gerechtigkeit ganz praktisch zeigt, doch das deutlichste ist die Geschichte von Noah und der Sintflut. Sie folgt einem spezifischen Muster: der unumkehrbare moralische Verfall der Menschheit zieht göttliche Warnungen, Geduld und Gericht nach sich. Diese Geschichte verlangt eine nähere Betrachtung, denn Jesus selbst hat erklärt, dass sich dieses Muster am Ende der Zeit wiederholen wird. Bei der Untersuchung der Fluterzählung werden wir feststellen, dass sie den Schlüssel zum Verständnis von Gottes wahrem Endzeitplan für unsere heutige Zeit enthält.

Es ist nur natürlich, unsere Betrachtung mit ein paar grundlegenden Fragen zu beginnen. Sie stellen den Rahmen für die folgenden Kapitel dar und lauten folgendermaßen:

1. Hat sich die Sintflut tatsächlich ereignet?

2.