Nothing Like Us - Kim Nina Ocker - E-Book

Nothing Like Us E-Book

Kim Nina Ocker

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Beschreibung

Sie kam nach New York, um ihren Traum zu leben.
Doch dort findet sie so viel mehr ...


Die 19-jährige Lena Winter kann ihr Glück kaum fassen: Sie hat einen Praktikumsplatz in der Küche des WEST Hotel & Residences ergattert - eines der größten und angesehensten 5-Sterne-Hotels in New York. Doch statt den Köchen und Pâttisieren bei der Arbeit zuzuschauen oder gar zur Hand zu gehen, muss sie an ihrem ersten Tag im Hotel den Hof fegen und Wäschekammern aufräumen. Das hatte sie sich eigentlich anders vorgestellt. Zumal ihr dann auch noch ein anderer Praktikant zur Seite gestellt wird, der zwar unverschämt attraktiv ist, dessen überhebliche Art sie aber vom ersten Moment an in den Wahnsinn treibt. Was sie nicht ahnt: Der Mann, den sie soeben zum Bodenfegen verdonnert hat, ist niemand anders als Sander West, der Sohn und Erbe des milliardenschweren Besitzers der WEST-Hotelkette. Doch Sander ist so fasziniert von der schlagfertigen und ehrgeizigen jungen Frau, dass er das Missverständnis nicht aufklärt. Schon bald knistert es heftig zwischen den beiden. Aber was geschieht, wenn Lena die Wahrheit erfährt?


Band 1 der Upper-East-Side-Reihe!






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Seitenzahl: 610

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Inhalt

TitelZu diesem BuchWidmung1234567891011121314151617181920212223242526272829303132333435DanksagungDie AutorinKim Nina Ocker bei LYX.digitalImpressum

KIM NINA OCKER

Nothing Like Us

Roman

Zu diesem Buch

Sie kam nach New York, um ihren Traum zu leben.

Doch dort findet sie so viel mehr …

Die 19-jährige Lena Winter kann ihr Glück kaum fassen: Sie hat einen Praktikumsplatz in der Küche des WEST Hotel & Residences ergattert – eines der größten und angesehensten 5-Sterne-Hotels in New York. Doch statt den Köchen und Pâttisieren bei der Arbeit zuzuschauen oder gar zur Hand zu gehen, muss sie an ihrem ersten Tag im Hotel den Hof fegen und Wäschekammern aufräumen. Das hatte sie sich eigentlich anders vorgestellt. Zumal ihr dann auch noch ein anderer Praktikant zur Seite gestellt wird, der zwar unverschämt attraktiv ist, dessen überhebliche Art sie aber vom ersten Moment an in den Wahnsinn treibt. Was sie nicht ahnt: Der Mann, den sie soeben zum Bodenfegen verdonnert hat, ist niemand anders als Sander West, der Sohn und Erbe des milliardenschweren Besitzers der WEST-Hotelkette. Doch Sander ist so fasziniert von der schlagfertigen und ehrgeizigen jungen Frau, dass er das Missverständnis nicht aufklärt. Schon bald knistert es heftig zwischen den beiden. Aber was geschieht, wenn Lena die Wahrheit erfährt?

Für Mona

1

Konnte man eigentlich verhaftet werden, weil man mitten in New York, im Zentrum der Schönen und Reichen, randalierte? Falls ja, bestand für mich aktuell große Gefahr, die kommende Nacht hinter schwedischen Gardinen zu verbringen. Beziehungsweise amerikanischen.

Mein erster Arbeitstag im Herzen New Yorks gestaltete sich vollkommen anders, als ich ihn mir vorgestellt hatte. Und ich hatte ihn mir oft vorgestellt. Seit ich vor knapp drei Wochen die Zusage für diese Stelle bekommen hatte, hatte ich Nacht für Nacht in meinem Bett gelegen, die Zimmerdecke angestarrt und mir aufgeregt jede Minute meines neuen Lebens ausgemalt. Auch wenn ich lediglich in der Küche eines Fünf-Sterne-Hotels arbeiten und die wahre Prominenz wahrscheinlich so gut wie nie zu Gesicht bekommen würde, war ich nervös gewesen. Ich hatte mir Glamour vorgestellt, Prunk, ausschweifende Gala-Dinner und Empfänge, zu denen ich kunstvolle Desserts würde anrichten müssen.

Bullshit.

Stattdessen war ich, als ich heute Morgen die Hotellobby betreten hatte, recht barsch begrüßt und nach einem kurzen Rundgang durch die Personalräume zum Fegen abkommandiert worden. Was grundsätzlich kein Drama war – mir war durchaus bewusst, dass ich lediglich eine billige Arbeitskraft darstellte. Ich hatte mir nicht eingebildet, die kommenden sechs Wochen in Saus und Braus zu leben. Doch ich hatte immerhin damit gerechnet, wenigstens in der Küche arbeiten zu dürfen. Klar, ich war eine Praktikantin und würde Praktikantenarbeit erledigen. Doch ich war auch zum Lernen hier, verdammt noch mal, und mir ging absolut nicht auf, wie das Fegen des Eingangsbereiches mir irgendeinen Nutzen bringen sollte. Das hier sollte der Grundstein für meine beeindruckende Patisserie-Karriere werden. Von Handlangerarbeiten im Außenbereich hatte nichts in meiner Stellenbeschreibung gestanden.

Ich stand ernsthaft kurz davor, mit meinem Besen Amok zu laufen.

Verschwitzt richtete ich mich auf, strich mir die Haare aus der Stirn und stützte mich auf den Besen. Immerhin war die Aussicht ziemlich beeindruckend. Mein neuer Arbeitsplatz, das WEST Hotel & Residences, war wirklich … groß. Laut meiner Internetrecherche war es irgendwann in den Achtzigern gebaut und seitdem mehrmals modernisiert und erweitert worden. Der u-förmige Wolkenkratzer hatte über dreißig Etagen, Dachterrasse und Innenhof und galt als eines der imposanteren Gebäude der Upper East Side. Auch wenn ich keinerlei Verständnis für Architektur oder den New Yorker Lifestyle besaß, konnte ich dieser Einschätzung absolut zustimmen. Ein blitzsauberer roter Teppich lag vor dem riesigen Eingang, goldene Pfosten standen zu beiden Seiten, und mindestens zwei Lakaien hielten Autotüren und die Türen zur Hotellobby auf oder nahmen Gepäck entgegen. Die Fassade war komplett verspiegelt, und Gerüchten zufolge gab es mehrere Mitarbeiter, die einzig und allein dafür verantwortlich waren, jegliche Fingerabdrücke bestenfalls noch vor deren Entstehung zu entfernen. Über allem prangte der schlichte, aber doch beeindruckende Schriftzug des Hotelnamens, der in der Mittagssonne silbern glänzte. Das Gebäude war so hoch, dass ich den Kopf in den Nacken legen musste, um sehen zu können, wie die Spitze oben im Himmel verschwand.

Ich fühlte mich im Schatten dieser Residenz ein wenig demütig. Winzig. Zumal ich mich genau auf dem Gehweg der Fifth Avenue befand. Die Geschäftigkeit der Fußgänger, das Hupen der Taxis und die vorbeirasenden Fahrräder ließen mich blass erscheinen. Unsichtbar. Was sich dadurch noch bestärkte, dass mich niemand wirklich ansah. Mit meiner Jeans und meinem schlichten T-Shirt wirkte ich neben all dem Prunk so unscheinbar wie der Asphalt unter meinen Schuhsohlen.

Ich ließ den Blick über die zahllosen Etagen schweifen und fragte mich, wer wohl gerade in meinem neuen Arbeitsplatz residierte. Irgendwo mussten die Promis ja schlafen, die gerade zweifelsfrei irgendwo in dieser Stadt herumliefen, und das WEST zählte zu den angesagten Adressen.

Ich hingegen war ein deutsches Landei, was bedeutete, dass Blitzlichtgewitter und Prominente für mich bislang nur in Klatschmagazinen existiert hatten. Dass ich jetzt ganz in ihrer Nähe war, auch wenn ich sie bislang nicht hatte entdecken können, war irgendwie cool. Ich meine, ich war in New York. In New York City! Und dieses Hotel machte den Eindruck, als könnte Carrie Bradshaw höchstpersönlich jeden Moment durch die Türen kommen.

Ja, ziemlich cool. Allerdings war ich zum Kochen hier. Zum Lernen. Nicht, um irgendwelchen Stars hinterherzuhecheln.

Gerade, als ich mich von meinem Besen lösen und wieder an die Arbeit machen wollte, hörte ich hinter mir eine Tür zuschlagen. Ich drehte mich um und zwang mir ein höfliches Lächeln aufs Gesicht. Carla kam von einem unscheinbaren Nebeneingang auf mich zu, die sonst unnatürlich glatte Stirn in tiefe Falten gelegt. Ich kannte sie erst seit ein paar Stunden und hasste sie jetzt schon. Sie hatte mich herumgeführt und mir ihren Posten erläutert, aber so richtig hatte ich sie nicht verstanden. Ich vermutete, dass sie so etwas wie das Ober-Hausmädchen war. Wie auch immer, sämtliche Angestellte in diesem Kasten schienen sie zu fürchten und das konnte ich absolut nachvollziehen. Die streng zurückgekämmten mausgrauen Haare und das dunkelblaue Rock-Blazer-Ensemble wirkten genauso streng wie ihr Gesichtsausdruck. Dazu noch das Fehlen jeglicher Lachfältchen und eine Stimme wie Schmirgelpapier, und das Bild der bösartigen Chefin war perfekt.

Sie erwiderte mein Lächeln natürlich nicht, sondern sah sich mit ausdrucksloser Miene um. Dann nickte sie knapp, was ich als Zustimmung deutete, dass ich meine Arbeit zu ihrer Zufriedenheit erledigt hatte, und warf mir einen schnellen Blick zu.

»Kämm deine Haare zurück. Dann geh zur Wäschekammer, Raum eins-drei-siebzehn. Ordne alles und notier den Bestand. Das Housekeeping braucht einen genauen Überblick für die nächste Bestellung.«

Nur mit Mühe konnte ich ein Stöhnen unterdrücken. Das T-Shirt klebte mir bereits am Rücken und ich wollte mich dringend einen Moment hinsetzen. Warum die Zimmermädchen, Pardon, das Housekeeping seine Bestände nicht selbst notieren konnte, war mir schleierhaft. Wer erledigte eigentlich sonst diese Arbeiten? Wo war der Rest des Personals, verdammt?

Carla musterte mich, als könnte sie meine Gedanken lesen. Dann drückte sie mir Block und Stift in die Hand und wandte sich zum Gehen.

Ich unterdrückte den Drang, einen Knicks zu machen.

»Ähm, Carla?«, fragte ich zögernd.

Sie blieb stehen, drehte sich jedoch nicht zu mir um.

Als keine Antwort mehr von ihr zu erwarten war, fragte ich: »Wo finde ich die Kammer?«

Sie machte eine Handbewegung Richtung Nebeneingang. »Erste Etage, dritter Flur links. Mit deiner Schlüsselkarte kommst du rein, nimm aber nicht den Gästeaufzug, verstanden? Solange du deine Uniform nicht hast, darf kein Gast dich so sehen. Ich habe vor etwa fünf Minuten einen anderen Praktikanten hochgeschickt, ihr macht das zusammen.«

Aha! Also war ich doch nicht die Einzige, die hier die Drecksarbeit machen musste. Großartig.

Ich warf einen letzten prüfenden Blick auf den Hof und wandte mich dann wieder um, um Carla zu folgen, doch sie war bereits verschwunden. Na toll.

Seufzend klemmte ich mir den Besen unter den Arm, weil ich mir ziemlich sicher war, dass ich ihn nicht einfach gegen die Wand lehnen durfte, und marschierte durch den Nebeneingang. Grundsätzlich durfte niemand vom Personal, abgesehen natürlich vom Service und dem Front Office, die Räumlichkeiten der Gäste betreten. Lobby, Aufzüge und so weiter waren tabu. Da ich beim Fegen schlecht meine Küchenschürze tragen konnte, musste ich noch mehr aufpassen, nicht aus Versehen einem hochwohlgeborenen Hotelgast über den Weg zu laufen. Mit Jeans und T-Shirt war ich eindeutig underdressed.

Ein wenig hilflos sah ich mich in dem schlichten Flur um. Wobei schlicht eher eine Frage der Definition war. Im Gegensatz zum öffentlichen Teil des Hotels war der Personaltrakt nichts Beeindruckendes, aber mit seinen Marmorfliesen, den versilberten Türschildern und Fotografien an den Wänden immer noch teurer als das komplette Haus meiner Eltern. Ich war bislang noch nicht in den oberen Fluren gewesen und daher ein wenig unschlüssig, wo genau ich hingehen musste. Carla hatte etwas von einem Aufzug erwähnt und ich war mir ziemlich sicher, dass wir bei unserer kurzen Runde am Morgen an einem Personallift vorbeigekommen waren. Ruckartig bog ich nach rechts in einen weiteren identisch aussehenden Gang ab und hatte keine Ahnung, ob ich auf dem richtigen Weg war. Ich war jemand, der strikte Anweisungen brauchte. Improvisation war nicht gerade meine Stärke. Ich arbeitete gern nach Listen, befolgte Befehle und hakte einen Punkt nach dem anderen ab. Der einzige Bereich, in dem ich es wagte, kreativ zu sein, war die Küche. Dort war ich frei, dort dachte ich an gar nichts, dort war ich einfach nur Lena.

Ich vermisste die Küche.

Mit einem etwas dramatischen, wehleidigen Seufzen schritt ich über einen dunkelblauen Teppich, vom dem sich meine weißen Vans schmutzig abhoben. Ja, ich tat mir selbst leid. Und ging mir damit gleichzeitig wahnsinnig auf die Nerven. Ich sollte der Sache eine Chance geben und von meinem hohen Ross herunterkommen. Immerhin war ich ein Niemand auf dem Arbeitsmarkt. Ich war gerade mit der Schule fertig, konnte keinerlei praktische Erfahrung vorweisen. Allein die Tatsache, dass ich ein Praktikum in einem Hotel dieser Größenordnung ergattert hatte – wenn auch durch Beziehungen –, war ein Wunder. Ich sollte glücklicher sein.

War ich aber nicht. Was sich auch nicht änderte, als besagter Lift in Sicht kam.

Ich stieg hinein, mied den Blick in den Spiegel und zog die Schlüsselkarte hervor, die mit einem dünnen Nylonband an meinem Gürtel befestigt war, schob sie in die Halterung und wartete auf das grüne Licht, dann drückte ich auf den Knopf mit der Eins. Das alles tat ich eher instinktiv, da sich niemand die Mühe gemacht hatte, mir das System dieser Keycards zu erklären. Doch der Aufzug sagte einmal höflich »Pling«, dann setzte beruhigende Musik ein und beinahe im selben Moment öffneten sich die Türen schon wieder.

Vorsichtig machte ich einen Schritt in den Flur hinein. Oha, eindeutig verbotenes Gelände. Hatte ich den Flur dort unten bereits elegant gefunden, so wusste ich nicht, was ich hierzu sagen sollte. Der Boden bestand aus hellbeigem Marmor, in den an beiden Rändern jeweils ein goldener und ein schwarzer Streifen eingelassen worden waren. Ein dezentes Schild wies darauf hin, dass die goldene Linie zum Wellnessbereich, die schwarze zu den Zimmern führte. Ah ja. Die Wände schienen aus Naturholz gefertigt, doch das Material wirkte wesentlich ordentlicher und eleganter, als es die Natur hinbekommen würde. Es war zu perfekt. Wie auch im unteren Flur schmückten Fotografien die Wände, die teilweise vom Boden bis zur Decke reichten. Sie waren allesamt in Schwarz-Weiß gehalten und zeigten offenbar verschiedene Ecken von New York. Ich glaubte, auf einem Bild eine Lagerhalle oder eine Werkstatt oder etwas in der Art zu erkennen, doch um es genauer sehen zu können, hätte ich den Gang hinuntergehen müssen, und das wagte ich nicht. Ich stand schon viel zu lang hier herum, länger als es mir erlaubt war. Und mit Sicherheit war jeder Zentimeter dieses Bunkers videoüberwacht.

Ich riss den Blick von all dem Prunk los und bog nach links ab, passierte ein paar Türen und blieb schließlich vor dem Raum stehen, der laut Kennzeichnung die Wäschekammer sein sollte. Erst da fiel mir auf, dass ich immer noch den verdammten Besen mit mir herumschleppte. Mitarbeiterin des Monats, würde ich sagen.

Stirnrunzelnd sah ich mich um. Eigentlich sollte hier irgendwo Verstärkung auf mich warten. Achtlos lehnte ich den Besen gegen die Wand und drehte mich einmal um mich selbst, als würde der Praktikant sich einfach aus dem Nichts materialisieren. Vermutlich fiel gerade irgendwo ein Sicherheitsmensch ohnmächtig von seinem Stuhl, weil ich mittlerweile mit Sicherheit seit zehn Minuten gut sichtbar im Gästebereich herumlungerte.

Als ich mich wieder zur Tür umdrehte, musste ich den Tatsachen ins Auge sehen: Ich war wohl allem Anschein nach allein, was bedeutete, dass ich auf die versprochene Unterstützung verzichten musste. Meine Laune sank noch ein ganzes Stück weiter, was ich kaum für möglich gehalten hatte.

Genau in diesem Moment schien sich das gesamte Universum gegen mich zu verschwören. Denn gerade als ich die Schultern straffte, meine Schlüsselkarte zückte und an die Tür herantreten wollte, um meine Arbeit in Angriff zu nehmen, kippte der Besen von der Wand vor meine Füße. Ich stolperte. Wild ruderte ich mit den Armen in der Luft herum, doch es brachte nichts. Den Bruchteil einer Sekunde später landete ich bäuchlings auf dem harten Marmor. Mit einem unschönen Grunzen entwich die Luft aus meinen Lungen. Einen Moment schloss ich die Augen, dann stieß ich einen entnervten Schrei aus und ließ die Stirn auf den Boden sinken. Das konnte doch alles nicht wahr sein. Wenn ich abergläubisch wäre, hätte ich befürchtet, dass das Schicksal etwas gegen meine Anwesenheit in diesem Land hatte.

Während ich so dalag, ausgestreckt und mit dem Gesicht nach unten, hörte ich plötzlich Schritte. Schwere Schritte, die sich eindeutig auf mich zubewegten.

Ein Stoßgebet gen Himmel schickend richtete ich mich hastig auf. Ich konnte nur hoffen, dass es nicht Carla war, die mich in dieser Position erwischte. Sie wäre mit Sicherheit überhaupt nicht begeistert, dass ich den Fußboden mit meiner bürgerlichen Erscheinung besudelte.

Doch es war nicht Carla. Ich rappelte mich auf die Knie, während der Typ schnellen Schrittes auf mich zukam. Und Scheiße, was für ein Typ das war. Er war groß, bestimmt um die eins fünfundachtzig, hatte breite Schultern und ziemlich beeindruckende Muskeln, die sich unter dem dunklen Stoff seines T-Shirts abzeichneten. Ich holte tief Luft und hob den Blick zu seinem Gesicht. Und ich wurde nicht enttäuscht. Der Kerl war dunkelblond, trug eine Art Armeehaarschnitt und einen unordentlichen Dreitagebart, dazu hatte er ein breites Kinn, eine gerade Nase und Augen, die sich in meine bohrten.

Als sich unsere Blicke begegneten, schaltete sich mein Gehirn mit einem Mal wieder ein. Das Blut schoss mir ins Gesicht, als mir klar wurde, dass er mich beim Starren erwischt hatte. Ich hockte hier auf den Knien und stierte einen Kerl an, der offensichtlich an meinem gesunden Menschenverstand zweifelte, denn der Blick, den er mir zuwarf, war eine Mischung aus Neugier und Belustigung. Ich konnte auf beides verzichten.

Hastig kam ich auf die Füße und richtete mich auf, bevor er mich erreichte.

»Alles in Ordnung?«, fragte er und blieb etwa einen Meter von mir entfernt stehen. Anscheinend hatte er bereits erkannt, dass ich nicht von hier war, denn er sprach langsam und deutlich. Seine Augen – grau, wie ich jetzt erkannte – huschten über meinen Körper. Man hätte meinen können, dass er mich abcheckte, doch vermutlich suchte er lediglich nach irgendwelchen Verletzungen und einer Erklärung, warum ich mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden gelegen hatte.

Ich räusperte mich. Das war wohl der Praktikant, der mir helfen sollte – für einen Gast dieses Hotels war er deutlich zu leger gekleidet. Hoffentlich hielt er mich nicht gleich zu Anfang für eine gestörte Null. Ich wollte mir hier eine Stellung erarbeiten. Mit einem gezwungenen Lächeln streckte ich ihm meine Hand entgegen.

»Ich bin Lena. Danke, alles okay bei mir«, sagte ich und bemühte mich um perfektes Englisch.

Die Augen des Kerls weiteten sich kurz, dann schlug er ein, wobei seine Finger meine Hand beinahe komplett umfassten. »Warum hast du auf dem Boden gelegen, Lena?«

Oh, er wollte sich über mich lustig machen. Hervorragend. »Ich habe mich ein bisschen ausgeruht«, erklärte ich, ohne mit der Wimper zu zucken. »Und für gewöhnlich stellt man sich bei einer Begrüßung gegenseitig vor.«

Er lachte leise, doch in seinen Augen stand Verwirrung. »Recht hast du. Ich heiße Sander. Nett, dich kennenzulernen.«

Ich riss den Blick von seinem wirklich netten Gesicht los und bückte mich nach dem Besen. Dann strich ich seufzend meine Klamotten glatt und deutete auf die verschlossene Tür zu meiner Rechten. »Also, wollen wir anfangen?«

Einen Moment lang starrte er mich verständnislos an, dann folgte er meinem Blick. »Wie bitte?«

Ich zog eine Augenbraue hoch. »Ich soll das Ding aufräumen. Und wenn ich es richtig verstanden habe, sollst du mir helfen.«

»Ach ja? Soll ich das?«

Nur mit Mühe unterdrückte ich ein Stöhnen. Wie auch immer dieser Kerl an das Praktikum gekommen war – ein Arbeitstier schien er nicht zu sein. Vermutlich saß er lediglich die Zeit hier ab, um diesen Punkt in seinem Lebenslauf ergänzen zu können. Ich musterte ihn aus zusammengekniffenen Augen. Er wirkte älter als ich, was bedeutete, dass er entweder bereits eine Ausbildung abgeschlossen hatte oder im Studium war. Oder arbeitslos. Vielleicht leistete er auch Sozialstunden ab. Möglicherweise ließ Amerika seine Kleinkriminellen ja hochherrschaftliche Abstellkammern aufräumen.

»Was starrst du mich so an?«, fragte der Kerl amüsiert und hob ebenfalls eine Augenbraue. Er verschränkte die Arme vor der Brust, wobei seine Oberarmmuskeln ziemlich gut zur Geltung kamen, und ich war mir sicher, dass er sich dieser Tatsache durchaus bewusst war.

Ich riss den Blick von seinem Oberkörper los und bemühte mich um eine gleichgültige Miene. »Hör mal, ich kann verstehen, dass du keinen Bock hierauf hast, aber wenn ich ehrlich bin, ist mir das ziemlich egal. Es ist unser Job und ich für meinen Teil habe vor, ihn gut zu machen. Du wirst mir helfen, ob es dir nun gefällt oder nicht.«

Sander wirkte nun nicht länger verwirrt, sondern geradezu überrascht. Vermutlich hatte er gehofft, ich würde klein beigeben und mich an die Arbeit machen. Kerle wie ihn kannte ich schon: Typen, die sich viel zu sehr auf ihr Aussehen verließen und denen der Weg quasi unaufgefordert geebnet wurde. Tja, da war er bei mir aber an der falschen Adresse.

»Okay, was immer du sagst«, meinte er schließlich, auch wenn ich den Eindruck hatte, dass er sich über mich lustig machte. Wie zur Bestätigung sank er in eine übertriebene Verbeugung. »Ich bin dein ergebener Diener.«

»Lass den Quatsch«, fauchte ich, griff nach dem Besen und drückte ihn ihm in die Hand. »Wenn Carla uns hier beim Rumstehen erwischt, macht sie uns einen Kopf kürzer, und darauf kann ich am ersten Tag wirklich verzichten.«

Er grinste breit und stützte sich auf den Besen, genau wie ich es vorhin getan hatte. »Ich bin mir sicher, ich werde mit ihr fertig.«

»Arroganz ist ein wahnsinnig attraktiver Charakterzug«, bemerkte ich und wandte mich von ihm ab, um endlich das verdammte Wäschelager zu betreten. Der Kerl ging mir auf die Nerven und auf einmal wünschte ich mir gar keine Unterstützung mehr. Klar, Sander war heiß. Sehr heiß sogar. Doch für mich stand schon nach diesen wenigen Minuten, die ich ihn kannte, fest, dass er ein überheblicher Vollidiot war.

»Du fängst am besten damit an, dass du die größeren Sachen nach draußen bringst, dann gehen wir die Regale durch, schreiben alles auf, machen sauber und räumen am Ende alles wieder ein«, sagte ich, ohne über die Schulter zu sehen, und zählte die einzelnen Punkte an den Fingern ab. Ich war in meinem Element. »Irgendwelche Einwände?«

Sander stieß ein amüsiertes Lachen aus. »Nein, Ma’am«

»Gut.« Ich atmete tief durch. »Dann los.«

SANDER

Dieses Mädchen war ja der Hammer.

Ich musste mich gewaltig zusammenreißen, um nicht jedes Mal laut loszulachen, wenn ihr wütender Blick meinen traf. Ich hatte mir ernsthaft Sorgen gemacht, als ich sie auf dem Boden hatte liegen sehen. Doch dann war sie aufgestanden und derart geladen über mich hergefallen, dass ich einen Moment lang sprachlos gewesen war. Sie hatte mich zum Arbeiten verdonnert.

Wie zur Hölle war das passiert?

Ohne Frage hatte sie keine Ahnung, wer ich bin. Das war schon komisch. Auch wenn mein Gesicht seit Jahren nicht mehr durch die Klatschpresse geisterte und mich kaum mehr jemand auf der Straße erkannte – die Angestellten dieses Bunkers wussten in der Regel ein wenig Bescheid über die Familie, deren Wäschekammern sie hier aufräumten. Offensichtlich war sie eine Praktikantin und auf jeden Fall nicht von hier, auch wenn sie beinahe perfekt Englisch sprach.

Vielleicht würde ich ihr noch ein wenig Zeit geben. Falls ihr doch noch ein Licht aufgehen und sie plötzlich erkennen würde, dass sie gerade ihren Chef herumkommandierte, wäre ihr Gesichtsausdruck mit Sicherheit unbezahlbar. Das wollte ich auf keinen Fall verpassen.

Ja, sie machte mich neugierig. Was wohl auch der Grund dafür war, dass ich tatsächlich Staubsauger und Wäschewagen durch die Gegend schleppte, obwohl ich mich eigentlich vor zehn Minuten mit meinem Vater hätte treffen sollen. Doch aus irgendeinem Grund gefiel mir dieser Zeitvertreib um einiges besser. Lena war zwei Köpfe kleiner als ich, doch sie konnte anpacken. Mit Feuereifer war sie über das Chaos hergefallen, das sie mit unheimlicher Präzision beseitigte. Ihre blonden lockigen Haare hatte sie zu einem Knoten am Hinterkopf zusammengefasst, doch beim Arbeiten rutschten ihr ein paar Strähnen aus dem Zopf, die sie immer wieder empört aus dem Gesicht pustete. Sie war schlank, hatte Rundungen an den richtigen Stellen und einen festen Blick aus hellen blauen Augen. Sie war wirklich hübsch, auch wenn der griesgrämige Ausdruck in ihrem Gesicht sie ein wenig albern wirken ließ. Wie ein zähnefletschender Rauhaardackel. Ich konnte sie einfach nicht ernst nehmen.

»Das ist dein erster Tag?«, fragte ich schließlich, als der Raum mit Ausnahme der Regale an den Wänden vollkommen leer war.

Sie warf mir einen Blick zu, der eindeutig sagte, dass sie nicht gerade scharf auf Small Talk war. »Ja. Deiner nicht, nehme ich an.«

Ich zog eine Augenbraue hoch und lehnte mich gegen eines der Regale. »Wie kommst du darauf?«

»Du drückst dich vor der Arbeit«, stellte sie nüchtern fest. »Normalerweise sind Menschen, die eine neue Stelle anfangen, ambitionierter.«

Nur mit Mühe konnte ich ein Lachen unterdrücken. »Du hältst mich nicht für ambitioniert?«

Stöhnend richtete sie sich auf und streckte sich. Dann sah sie mich an, ein spöttisches Lächeln auf den Lippen. »Sander, richtig?«

Ich deutete eine Verbeugung an und sie verdrehte die Augen. »Man sieht dir an, dass du dich eigentlich für zu fein für diese Arbeit hältst.« Sie riss die Hände hoch, als ich die Stirn runzelte. »Und hey, das ist vollkommen okay. Ich bin auch nicht gerade scharf darauf und ich habe mir bei Gott etwas anderes von diesem Praktikum versprochen. Aber vielleicht ist dir nicht ganz klar, dass wir nicht in der Position sind, hier irgendwelche Forderungen zu stellen. Die haben wahrscheinlich eine ganze Liste von Leuten, die gerne an unserer Stelle wären. Also gebe ich dir einen Tipp: Komm von deinem hohen Ross runter.«

Okay, jetzt konnte ich ein Lachen nicht mehr unterdrücken. Ihre Augen blitzten und sie wandte sich abrupt wieder dem Regal zu, das sie gerade ordnete.

»Du bist ziemlich sauer, oder?«, mutmaßte ich und presste die Lippen zusammen.

»Ja, bin ich.«

»Und warum?«

Erneut wirbelte sie zu mir herum und sah aus, als wollte sie mir jeden Moment an die Kehle springen. »Weil ich Leute wie dich nicht ausstehen kann. Leute, die der Meinung sind, es würde ihnen alles in den Schoß fallen, wenn sie nur nett lächeln.«

Das brachte mich ein wenig runter. Ich kniff die Augen zusammen. »Glaub mir, der Meinung bin ich ganz und gar nicht.«

Sie zuckte wenig überzeugt mit den Schultern. »Wie auch immer, ich will hier fertig werden.«

Einen Moment beobachtete ich sie. Ich konnte lediglich ihr Profil erkennen, doch sie wirkte so konzentriert, als würde sie gerade eine Bombe entschärfen. »Was hast du dir versprochen?«

Sie hielt inne und schloss die Augen, als würde sie beten, und vielleicht tat sie das sogar. Dann wandte sie den Kopf und sah mich verständnislos an.

»Was?«

Ich stieß mich von der Wand ab und stellte mich neben sie, sodass sie zu mir aufschauen musste.

»Was hast du dir von diesem Praktikum versprochen? Warum bist du hier, wenn es nicht um die Neugestaltung dieses Lagers geht?«

»Was geht es dich an?«, murmelte sie und wandte den Blick ab. Sie fügte irgendetwas hinzu, das ich nicht verstehen konnte. Meine Deutschkenntnisse waren ehrlich gesagt ein wenig eingerostet und sie sprach zu schnell und zu leise.

Ich zuckte mit den Schultern. »Ich bin neugierig.«

Sie schnaubte. »Ich bin eigentlich in der Küche angestellt. Ich hatte gehofft, etwas lernen zu können.«

»Vielleicht kannst ja etwas von mir lernen«, gab ich grinsend zu bedenken und erntete postwendend ein verächtliches Schnauben. »Glaubst du nicht?«

Die losen Strähnen flogen hin und her, als sie energisch den Kopf schüttelte. »Danke, aber ich kann selbst herumstehen und nichts tun. Dafür brauche ich dich nicht.«

Ich lachte und griff mir mit der Hand ans Herz. »Autsch.«

»Gern geschehen«, sagte sie und ich glaubte sogar, so etwas wie den Anflug eines Lächelns erkannt zu haben. Natürlich hätte ich ihr erzählen können, dass ich vier Sprachen sicher beherrschte und handwerklich ziemlich gut ausgebildet war, doch ich tat es nicht. Sie hatte mich bislang nicht erkannt und das gefiel mir, auch wenn ich nicht genau benennen konnte, warum.

»Bist du immer noch sauer?«, fragte ich sie stattdessen.

Sie nickte, ohne mich anzusehen. »Bin ich.«

Gespielt nachdenklich legte ich den Kopf schief. »Ich könnte dir einen Umhang besorgen.«

»Wie bitte?«

»Na, einen Umhang«, sagte ich langsam. »Dann wärst du supersauer.«

Einen Augenblick lang starrte sie mich ungläubig an, dann – endlich! – breitete sich langsam ein Lächeln auf ihrem Gesicht aus. Als sie lachte, war ich für einen Moment schier überwältigt, dann stimmte ich mit ein. Ihr Gesicht hatte sich von einer Sekunde auf die andere aufgehellt und ihr Lachen schien den gesamten Raum zu erfüllen. Es stand ihr in jedem Fall besser als diese missmutige Miene.

»Wow«, lachte sie und hielt sich mit einer Hand am Regalbrett fest. »Der war richtig, richtig schlecht.«

»Der war super«, korrigierte ich grinsend. »Und das weißt du auch.«

Mit einer Hand wischte sie sich über die Augen, mit der anderen überprüfte sie ihre Frisur, die meiner Meinung nach bereits völlig zerrupft war. Immer wieder gluckste sie verhalten, als würde es ihr nicht besonders passen, dass sie über einen meiner Witze lachte. Was vermutlich auch der Wahrheit entsprach.

»Okay«, sagte sie schließlich und warf mir einen übertrieben strengen Blick zu. Sie drückte mir einen Block und Stift in die Hand. »Notier den Bestand, ich mach hier weiter. Dann sind wir bald durch und du kannst dich wieder dem Nichtstun widmen.«

Ich rührte mich nicht vom Fleck. Ich sah ja gar nicht ein, dieses Gespräch zu beenden. Es war das Unterhaltsamste, was ich in den letzten Wochen in diesem Schuppen erlebt hatte. Genau betrachtet war das ziemlich traurig.

»Wo kommst du her, Lena?«, fragte ich und nahm eine Packung Erfrischungstücher entgegen, die ich ihren Gesten nach auf eines der oberen Regalfächer verfrachten sollte.

»Du redest zu viel, hat dir das schon einmal jemand gesagt?«

»Und du bist ziemlich gereizt.«

Sie wandte kurz das Gesicht in meine Richtung, verdrehte die Augen und widmete sich wieder ihrer Arbeit. »Ich bin heute einfach emotional sehr nah am Mittelfinger gebaut.«

Ich lachte. »Das merkt man. Also, wo kommst du her und was machst du im schönen New York?«

»Ich komme aus Deutschland«, seufzte sie und zuckte mit den Schultern. »Zufrieden?«

»Nicht ganz«, sagte ich kopfschüttelnd und erntete ein weiteres Seufzen. »Was verschlägt dich hierher? Ich wette, in Deutschland gibt es auch Küchen, in denen man etwas lernen kann.«

Es dauerte eine Weile, bis sie antwortete. Einen Moment lang war ich mir sicher, dass sie mich einfach ignorieren würde. Es sah tatsächlich so aus, als wollte sie hier nur ihre Arbeit erledigen und abhauen. Doch aus irgendeinem Grund wollte ich das nicht zulassen. Für gewöhnlich war das Personal in diesem Schuppen nervtötend freundlich, zurückhaltend und langweilig. Wie es sich für einen guten Hotelangestellten im anonymen Manhattan gehörte. Und vermutlich würde Lena sich genauso benehmen, wenn sie wüsste, mit wem sie es zu tun hatte. Die Tatsache, dass sie es nicht wusste und sich deswegen keinerlei Gedanken über Höflichkeit machte, war irgendwie erfrischend. Und allemal besser als ein Gespräch mit meinem Vater.

Schließlich antwortete sie doch noch. »Wir haben Familie in der Nähe und ich wollte nach der Schule ein Auslandspraktikum machen. Amerika war da eine logische Schlussfolgerung.«

Stirnrunzelnd betrachtete ich sie. Die Antwort hatte wie einstudiert geklungen, als hätte sie diesen Spruch schon viel zu oft wiederholt. Es mochte an ihrer Stimmung liegen, doch für mich klang es nicht so, als wäre sie glücklich über ihre Entscheidung. »Wohnst du bei deinen Verwandten?«, fragte ich in der Hoffnung, ein wenig mehr aus ihr herauszubekommen.

Sie schüttelte den Kopf, dann sah sie mich aus zusammengekniffenen Augen an. »Ich rede nicht mehr mit dir, solange du nicht arbeitest.«

»Du willst nicht mehr mit mir reden? Wie alt bist du, sechs?«

»Ich kann dich so konsequent ignorieren, dass du glaubst, du wärst ein Baumarktkunde.«

Keine Ahnung, was sie damit meinte, doch es klang eindeutig nach einer Drohung. Amüsiert schnappte ich mir irgendeinen Gegenstand aus dem Regal und räumte ihn, ohne richtig hinzusehen, zu den Erfrischungstüchern nach oben.

Ihre Lippen zuckten. »Das gehört da eigentlich nicht hin.«

»Völlig egal. Also, lebst du bei deinen Verwandten?«

Wieder schüttelte sie den Kopf, doch sie sah nicht mehr ganz so grantig aus wie noch vor einer Minute. Punkt für mich. »Nein, ich wollte allein leben. Aber sie wohnen nur etwa eine Stunde Autofahrt entfernt, also könnte ich sie anrufen, falls irgendetwas wäre. Das lässt meine Mutter nachts besser schlafen.«

Ich speicherte diese Information für später ab, schnappte mir wieder etwas aus dem Regal und warf es achtlos an eine andere Stelle. »Und wie bist du genau hierhergekommen?«

»Mein Onkel hat früher die Küche …« Sie brach stirnrunzelnd ab und wedelte mit den Händen in der Luft herum, als wolle sie eine Fliege verscheuchen. »Wie heißt das noch mal? Er hat mit dem Auto Lebensmittel hergefahren! Ich komm nicht auf das englische Wort.«

Nur mit Mühe konnte ich ein Grinsen unterdrücken. Wie sie dastand und sich über sich selbst ärgerte, war irgendwie putzig. »Beliefern?«, schlug ich schließlich vor.

Sie klatschte in die Hände und zeigte mit einem Finger auf mich. »Ha, genau! Er hat die Hotelküche beliefert. Er ist zwar pensioniert, hat aber noch ein paar Beziehungen.«

Lachend streckte ich ihr meine Handfläche entgegen und zu meiner Überraschung schlug sie tatsächlich ein.

»Jetzt bin ich an der Reihe«, sagte sie, bevor ich erneut zum Sprechen ansetzen konnte. »Wie lange bist du bereits im Hotel?«

Verdammt, ich hatte gehofft, dass sich das Gespräch noch eine Weile um sie drehen würde. »Seit etwa drei Monaten«, antwortete ich und musste den Impuls unterdrücken, den Kopf einzuziehen. Genau genommen belog ich sie nicht. Ich war vor drei Monaten in dieses Hotel gezogen. Trotzdem mied ich ihren Blick, weil ich Angst hatte, sie könnte die Wahrheit in meinen Augen lesen.

Stattdessen grinste sie mich an. »Falls es mit deiner Arbeitsmoral weiter dermaßen in den Keller geht, wirst du nicht mehr allzu lange hier sein, fürchte ich.«

Ich schnaubte. Wenn sie wüsste.

2

Tatsächlich hatte ich es geschafft, Sander zum Arbeiten zu bringen. Das allein empfand ich als ziemlichen Erfolg für meinen ersten Arbeitstag. Er meckerte zwar beinahe ununterbrochen oder seufzte theatralisch, doch er notierte brav alles, was sich in der Kammer befand, und räumte zum Schluss die Geräte wieder in den Raum.

Ich fegte hinter ihm her, konnte mich aber nicht davon abhalten, ihn anzustarren. Immerhin war ich eine Frau, hatte Augen im Kopf und Hormone im Körper. Das reichte mir als Ausrede, um seinen Rücken zu mustern, als er sich nach einem umgefallenen Wischmopp bückte: die Muskeln, die sich unter seinem Shirt abzeichneten, wenn er sich bewegte, oder die Sehnen an seinen Armen. Er hatte wirklich nette Arme. Ja, ich hielt ihn immer noch für faul und vermutlich eine Spur arrogant, doch immerhin machte er mir keine Schwierigkeiten. Er hätte mich auch allein mit der Arbeit sitzen lassen können.

»Also, was machst du hier?«, fragte ich schließlich, als er mit wehleidiger Miene den Raum verließ.

Er streckte sich. »Was meinst du?«

Ich verdrehte die Augen. »Du willst mir doch nicht erzählen, dass du ein Praktikum im Housekeeping machst, oder?«

»Nein, ich denke, dafür fehlt mir die Begeisterung.«

»Ist nicht zu übersehen«, schnaubte ich und sah ihn auffordernd an. »Also, was machst du dann hier?«

»Das ist eine wahnsinnig gute Frage«, murmelte er, wobei ich mir nicht sicher war, ob er mit mir oder mit sich selbst sprach. »Ich denke, ich sitze hier meine Zeit ab.«

Das war eine merkwürdige Antwort. »Und dann? Nachdem du deine Zeit abgesessen hast?«

Er zuckte mit den Schultern. »Keine Ahnung. Dann mache ich das, was mir gefällt.«

Wow, er schien den Geheimnisvollen spielen zu wollen. Solange es um mich ging, war er ziemlich gesprächig, doch sobald das Gespräch in seine Richtung steuerte, hielt er sich merkwürdig bedeckt. Auf diese Masche würde ich mich nicht einlassen. Ich würde nicht nachfragen und begeistert an seinen Lippen hängen, während er sich jedes Wort aus der Nase ziehen ließ, wie er es sich vermutlich wünschte. Also zuckte ich nur mit den Schultern und wandte mich zum Gehen.

»Also dann, Sander, war wirklich … interessant, dich kennenzulernen.«

Ich hörte Schritte hinter mir und keine Sekunde später war er an meiner Seite. »Wo willst du hin?«

»Carla suchen, was du vermutlich auch tun solltest«, erinnerte ich ihn mit hochgezogenen Augenbrauen. »Oder irgendjemand anderen.«

»Warum die Eile?«, fragte er. »Du kannst bestimmt noch eine Stunde rausschlagen, ohne dass sie etwas merkt.«

Frustriert verdrehte ich die Augen. »Ich kenne Carla zwar erst seit ein paar Stunden, aber ich bin mir sicher, dass sie es merken würde.« Ich senkte die Stimme und sah ihn verschwörerisch an. »Sie hat ihre Augen und Ohren überall.«

Er ließ sich auf das Spiel ein und sah sich langsam um. »Vielleicht bin ich ja ihr Spitzel und soll ihr über deine Arbeit berichten.«

»Na, wenn dem so wäre, hätte ich ja wohl bestanden«, gab ich zurück und musterte ihn von Kopf bis Fuß. »Immerhin habe ich dich zum Helfen gebracht.«

Mit gerunzelter Stirn sah er mich an. »Du musst ja eine wahnsinnig hohe Meinung von mir haben.«

Ich zuckte mit den Schultern. »Ich kenne dich nicht gut genug, um eine Meinung von dir zu haben.« Das stimmte nicht. Ich hatte durchaus eine Meinung von ihm. Ich hielt ihn für einen verwöhnten Schnösel, der vermutlich durch Kontakte an diese Stelle gekommen oder sogar von Papa zu dem Praktikum gezwungen wurde. Ja, er war definitiv ein Schnösel, wenn auch ein ziemlich niedlicher.

Sander lachte. »Sehr diplomatisch, Yapper.«

Ruckartig hielt ich inne und kramte in meinem Kopf nach der Übersetzung des letzten Wortes, doch ich kam nicht drauf. »Wie bitte?«

Mit einem breiten Grinsen erwiderte er meinen Blick, anscheinend mehr als erfreut, dass ich keine Ahnung hatte, wovon er redete. Wie gesagt, arroganter Mistkerl.

»Du wirst schon noch dahinterkommen«, sagte er und lachte, als ich das Gesicht verzog. »Also, was machen wir jetzt?«

Einen Moment überlegte ich, ob ich nachhaken sollte, doch das war vermutlich genau das, was er erreichen wollte.

»Wie gesagt, ich gehe zu Carla«, erklärte ich knapp. »Aber du findest hier sicher irgendwo ein Zimmermädchen, das sich liebend gern von dir nerven lässt.«

»Hast du jetzt indirekt das Zimmermädchen beleidigt oder mich?«

»Dich«, gab ich nüchtern zu und sah zu ihm auf. »Wie gesagt, war nett, dich kennenzulernen.«

»Interessant hast du gesagt.«

»Dann eben das.«

Ich beschleunigte, doch er hielt mühelos mit mir Schritt. Die Aufzüge kamen in Sicht.

»Warum bleibst du nicht noch ein bisschen? Du hast doch selbst gesagt, dass du zum Lernen hier bist. Und bei ihr lernst du offenbar nichts.«

Meine Augenbrauen wanderten in die Höhe. »Ich bin hier, um etwas über das Kochen zu lernen. Nimm es mir nicht übel, aber ich glaube nicht, dass du mir da weiterhelfen kannst.«

Auf einmal hellte sich sein Gesicht auf und er blieb stehen. Ich wollte weitergehen, doch er griff nach dem Saum meines T-Shirts. Seine Augen sprühten geradezu vor Aufregung, was mich ziemlich nervös machte.

»Was ist?«

»Komm mit«, flüsterte er verschwörerisch. »Und ich verspreche dir, dass dein erster Arbeitstag kein totaler Reinfall bleiben wird.«

»Du klingst, als wolltest du mich mit Süßigkeiten in deinen Lieferwagen locken«, bemerkte ich trocken, ging aber nicht weiter. Er hielt mich nicht fest, natürlich nicht. Ich konnte einfach abhauen und ihn seiner Wege gehen lassen. Doch aus irgendeinem Grund tat ich es nicht. Vielleicht, weil mein erster Arbeitstag tatsächlich bislang ein Reinfall gewesen war und irgendetwas in Sanders Augen mich überzeugte, dass er recht behalten könnte.

Er lachte und machte eine auffordernde Geste in die Richtung, aus der wir gekommen waren. »Ich habe keinen Lieferwagen, also kannst du beruhigt sein.«

Irgendwie schaffte ich es, den Kopf zu schütteln. »Das geht wirklich nicht. Wenn mich jemand erwischt, dann bin ich meine Stelle hier los. Das scheint dir nicht viel auszumachen, mir allerdings schon.«

»Ich verspreche dir, dass du nicht fliegst, in Ordnung? Gib mir eine Stunde, danach kannst du immer noch zu Carla gehen und dir deine neue Aufgabe abholen. Und falls sie uns erwischt, werde ich einfach behaupten, ich hätte dich gezwungen.«

»Falls du der Meinung bist, dass du dich gegen Carla behaupten kannst, dann bist du tatsächlich dämlicher, als du aussiehst.«

Genervt seufzte er. »Ich hab weder die Geduld noch die Buntstifte, um dir das jetzt zu erklären. Also, was ist? Traust du dich?«

Auffordernd streckte er mir seine Hand entgegen. Er ließ mir die Wahl. Wenn ich Nein sagte und zu Carla ging, würde sie mich vermutlich erneut zum Putzen oder Aufräumen abkommandieren. Und auch wenn die Vernunft in meinem Kopf mit Fähnchen und Megafonen protestierte, gab ich mich geschlagen und legte meine Hand in die von Sander.

Ich musste vollkommen verrückt sein! Vielleicht waren in dieser Kammer ja irgendwelche Gase ausgetreten, die mich vorübergehend unzurechnungsfähig gemacht hatten. Ob das vor Carla als Ausrede durchgehen würde? Denn, was auch immer Sander behaupten und welche Beziehungen er auch haben mochte, ich war mir ziemlich sicher, dass dieses Biest mich mit einem Tritt in den Hintern auf die Straße befördern würde, wenn sie erfuhr, dass ich mich im Hotel herumgeschlichen hatte. Während meines kurzen Rundgangs hatte sie mir unmissverständlich klargemacht, wo ich hier stand: ganz unten. Ich durfte eigentlich nicht mal die öffentlichen Bereiche des WEST betreten und den Personaltrakt nicht unaufgefordert verlassen. Ich durfte mich mit niemandem über die Arbeit und die Menschen hier unterhalten, vor allem nicht mit Reportern, und sollte ich einmal aus Versehen einem Gast begegnen, würde ich knicksen, mich möglichst unsichtbar machen und, sobald die Situation es erlaubte, verschwinden. Da Sander in diesem Moment der goldenen Linie folgte und die Aufzüge vollkommen ignorierte, brachte ich mich höchstwahrscheinlich in ziemliche Schwierigkeiten.

Dennoch. Ich ließ seine Hand nicht los, die sich warm und besitzergreifend um meine Finger geschlossen hatte.

Als wir eine Tür erreichten, die allem Anschein nach in die Wellnessbereiche führte, eindeutig feindliches Terrain, blieb Sander kurz stehen und musterte mich von oben herab. »Okay, hier wird’s knifflig.«

»Was du nicht sagst«, erwiderte ich trocken. »Hör mal, wir sollten wirklich wieder zurückgehen und …«

»So ein Quatsch, ich habe das hier schon tausendmal gemacht«, sagte er mit einer Selbstsicherheit, die ich mir beim besten Willen nicht erklären konnte. »Wir müssen nur aufpassen, dass uns niemand erwischt.«

Das klang ja einfach. Mein Herz klopfte, als Sander die Hand nach der Klinke ausstreckte, sie herunterdrückte, vorsichtig die Tür öffnete und seinen Kopf durch den Spalt steckte. Ein paar Sekunden lang musterte er offenbar den Raum, dann richtete er sich wieder auf. »Niemand zu sehen. Komm!«

»Warte!«, rief ich, dämpfte aber sofort die Stimme, als er mir einen genervten Blick zuwarf. »Warte, wo wollen wir hin?«

»Lass dich überraschen.« Er grinste, umfasste meine Hand fester und zog mich mit sich.

Auf der anderen Seite der Tür sah es im Großen und Ganzen genauso aus wie in dem Flur, der hinter uns lag: ausladende Korridore, penibel arrangierte Fotografien, hier und da eine Designstatue. Wie man sich ein Fünfsternehotel vorstellte. Genau wie Sander gesagt hatte, war weit und breit niemand zu sehen. Ich atmete erleichtert aus und versuchte, meinen Herzschlag wieder zu einem normalen Rhythmus zu überreden. Als mir jedoch klar wurde, worauf Sander zusteuerte, lachte ich fassungslos auf.

»Du willst nicht ernsthaft da rein, oder?«, fragte ich ihn und deutete auf ein Schild neben einer Milchglastür. Das WEST-Hotel bot neben dem üblichen Kram auch Konferenz- und Tagungsräume an, die, laut Internet, vom Feinsten ausgestattet waren. Diese gehörten zweifellos auch nicht zu den uns erlaubten Bereichen des Hotels. Wir waren geliefert. Vermutlich würde man uns beschuldigen, es auf die Beamer oder Laptops oder was auch immer abgesehen zu haben. »Ernsthaft, Sander, das können wir nicht machen! Wir kennen uns doch überhaupt nicht aus! Wahrscheinlich platzen wir mitten in irgendeine Versammlung von Google oder so.«

»Google sitzt in Kalifornien. Und wer sagt, dass ich mich nicht auskenne?«, fragte er mich über die Schulter und wurde schließlich langsamer, als wir eine breite Doppeltür erreichten. »Komm schon, Lena, sei nicht so eine Spaßbremse.«

So nannte man mich nicht zum ersten Mal, doch ich mochte es trotzdem nicht. Ich war gewissenhaft, penibel und möglicherweise ein wenig überehrgeizig, was aber noch lange nicht bedeutete, dass ich langweilig war. Also nickte ich, konnte es mir aber nicht verkneifen, mich ein wenig hinter Sander zu verstecken, als dieser die Tür öffnete. Er warf mir einen amüsierten Blick zu und schlüpfte hinein.

Ich folgte ihm und fand mich erneut in einem Flur wieder, dieser war allerdings heller, die Türen zu beiden Seiten bestanden aus Milchglas und daneben hingen Gravuren von verschiedensten New Yorker Wahrzeichen, vermutlich ersetzten die Bilder die Raumbezeichnungen.

Hilflos sah ich Sander an, der nach wie vor sorglos dreinblickte. Entweder hatte er tatsächlich keinerlei Bedenken und seine Beziehungen waren besser, als ich gedacht hatte, oder er war ein hervorragender Schauspieler. Ich war mir nicht sicher, welche der beiden Möglichkeiten mir besser gefiel.

Er zog mich mit sich, bog nach rechts ab und schielte um eine Ecke, bevor wir abbogen. Wir schlüpften durch eine Tür, auf der »Staff only« geschrieben stand, und liefen durch ein Treppenhaus nach unten, ohne dass wir aufgehalten oder überhaupt gesehen wurden. Immer noch hatte ich keine Ahnung, wo wir hinwollten. Schließlich hielt Sander erneut an, dieses Mal vor einer unscheinbaren Tür auf der linken Seite. Er legte einen Finger an die Lippen und lauschte, bevor er sie öffnete und mich vor sich hineinschob.

»Eine Abstellkammer?«, fragte ich, sobald er die Tür hinter uns geschlossen hatte und ich mich wieder zu sprechen traute. »Im Ernst?« Ich sah mich um. »Das soll meinen Tag verbessern?«

Er warf mir einen genervten Blick zu. »Du hast echt ganz schön viel Meinung für so wenig Ahnung!«

Entrüstet stemmte ich die Fäuste in die Seiten und baute mich so gut wie möglich vor ihm auf, auch wenn er mich um mehr als einen Kopf überragte. »Wie bitte?«

»Kannst du nicht einfach mal abwarten, bevor zu dich beschwerst? Das ist ja furchtbar.«

Ich schwieg und bedeutete ihm mit einer Handbewegung, dass ich ganz Ohr war. Denn wenn ich meinen Job tatsächlich für einen Verführungsversuch in einer Abstellkammer aufs Spiel gesetzt hatte, dann würde ich ihm eine gewaltige Abreibung verpassen.

Statt einer Erklärung drehte Sander sich um und griff hinter sich in eines der Regale an der Wand. Ich hatte nicht sonderlich darauf geachtet, doch jetzt erkannte ich, dass es sich wieder um eine Art Wäschekammer handeln musste, auch wenn diese deutlich kleiner und mit weniger Kram zugestellt war. Bis zur Decke stapelten sich verschiedene Kleidungsstücke in zurückhaltendem Dunkelblau. Mit gerunzelter Stirn beobachtete ich, wie er Stück für Stück durchging, mir einen flüchtigen Blick zuwarf und dann triumphierend eine Art Kittel hervorzog.

»Zieh das an«, sagte er und hielt mir das unförmige Ding hin.

Eine Sekunde lang starrte ich ihn an, dann hob ich die Hände und trat einen Schritt zurück. »Okay, du bist anscheinend wirklich durchgeknallt. Ich gehe jetzt.«

»Zieh das an, Lena, komm schon. Falls uns jemand sieht, wird man dich in dem Ding kaum weiter beachten.« Er machte eine ungeduldige Handbewegung. »Los jetzt!«

Ich stieß frustriert die Luft aus und nahm den dunkelblauen Stoff mit spitzen Fingern entgegen. »Meinst du nicht, dass es dafür jetzt zu spät ist? Was ist das überhaupt?«

»Das tragen hier die Reinigungskräfte, die stundenweise arbeiten. Kommen von einer externen Firma«, erklärte er abwesend. »Niemand wird auf dich achten, also entspann dich mal.«

Ich faltete den Kittel auseinander und hielt ihn mir vor die Brust. Er war mindestens zwei Nummern zu groß, doch Sander hatte recht. In dem Ding würde mir ganz sicher niemand Beachtung schenken. Also streifte ich ihn mir über die Klamotten und zupfte eine Weile daran herum, bis ich aufgab und die Arme seufzend herabbaumeln ließ. Ich fühlte mich unförmig.

»Niedlich«, sagte Sander, doch um seine Mundwinkel zuckte eindeutig ein Grinsen, das er zu unterdrücken versuchte.

Ich zeigte ihm den Finger. »Du kannst mich mal. Warum musst du so was nicht anziehen?«

Der Ausdruck auf seinem Gesicht geriet ein wenig schief und wieder hatte ich das Gefühl, etwas Entscheidendes nicht mitbekommen zu haben.

»Ich brauche nichts. Also komm, es ist nicht mehr weit.«

Ich wollte nachfragen, ließ es dann aber bleiben. Anscheinend verfolgte Sander irgendeine Art von Mission, die er mir nicht verraten wollte. Ich folgte ihm hinaus ins Treppenhaus, in dem wir nach unten liefen. Es gab keine Fenster, inzwischen mussten wir im Keller angekommen sein. Nicht wirklich vertrauenerweckend. Wir begegneten einer jungen Frau, die mich jedoch wie erwartet keines Blickes würdigte. Ihre Augen klebten förmlich an Sander, was ich ihr nicht verübeln konnte.

Mein Blick glitt über sein Gesicht, seine Schultern und seine Arme, bemüht, ihn vorbehaltlos zu betrachten. Eigentlich sah er nicht wie die Sorte Junge aus, die es nötig hatte, sich ins Zeug zu legen, um Mädchen zu beeindrucken.

»Warum tust du das?«, fragte ich ihn und versuchte, meine Stimme so unbeteiligt wie möglich klingen zu lassen.

Er warf mir ein verschmitztes Grinsen zu. »Warum tue ich was?«

»Das alles hier.« Ich machte eine Geste, die uns beide einschloss. »Warum setzt du deinen Job aufs Spiel, nur um mir irgendetwas zu zeigen?«

»Vielleicht habe ich Mitleid mit dir«, gab er feixend zu bedenken. »Du hast ziemlich mitleiderregend ausgesehen, als du da mit dem Gesicht nach unten im Korridor gelegen hast.«

Ich spürte, wie mir das Blut ins Gesicht schoss, und zog automatisch den Kopf ein. Beinahe hatte ich vergessen, wie wir uns kennengelernt hatten. »Autsch, vielen Dank.«

»Oder«, fuhr er fort und zog das Wort unnatürlich in die Länge, »vielleicht war mir auch einfach nur langweilig und du hast dich als überraschend unterhaltsam herausgestellt.«

Stirnrunzelnd schüttelte ich den Kopf. »Keine Ahnung, ob das ein Kompliment oder eine Beleidigung sein soll.«

»Fass es als Kompliment auf«, sagte er und zwinkerte mir zu. Dieses Zwinkern stellte merkwürdige Dinge mit meinem Körper an. Meine Haut begann zu prickeln und meine Handflächen waren plötzlich so feucht, dass ich sie unauffällig an dem schäbigen Kittel abwischte. Himmel, das war geradezu demütigend. Ich war niemals wirklich eine Aufreißerin gewesen, doch als verzweifelt hatte ich mich bislang nicht gesehen. Es musste wohl ziemlich schlimm um mich stehen, wenn mein Körper bei dem ersten schnuckligen Gesicht, das ich traf, eine Hormonparty inklusive Partyhütchen veranstaltete.

Bevor ich jedoch in die Verlegenheit kommen konnte, auf das Kompliment zu reagieren, verlangsamte Sander seine Schritte. Ich sah mich um, in der Erwartung irgendetwas potenziell Aufregendes zu sehen, doch da war nichts. Lediglich eine weitere verschlossene Tür und ein Hinweis darauf, dass der Zugang nur für Berechtigte gestattet war. Ich war so was von nicht berechtigt, aber gut.

Sander warf mir einen erwartungsvollen Blick zu, der das Kribbeln in meinem Magen nur noch verstärkte, und hielt mir die Tür auf.

»Wenn du denkst …« Was auch immer ich hatte sagen wollen, die Worte blieben mir im Hals stecken.

Der Anblick, der sich mir bot, raubte mir schlichtweg den Atem. Von der Seite spürte ich Sanders Blicke auf mir, doch ich konnte die Augen nicht von der Szenerie vor mir abwenden. Wir standen mitten in der Küche des WEST-Hotels. An dem Ort, den ich Wochen vor meinem Arbeitsantritt in meinen Träumen heraufbeschworen hatte und von dem ich in den letzten Stunden schon nicht mehr geglaubt hatte, dass ich ihn je zu Gesicht bekommen würde.

»Wow«, hauchte ich, auch wenn ich nicht wusste, ob Sander meine Stimme bei all der Betriebsamkeit überhaupt hören konnte. Die Küche war riesig, viel größer, als ich sie mir vorgestellt hatte, und so voller Menschen, dass man uns überhaupt keine Aufmerksamkeit schenkte. Wie in einem Bienenstock verrichteten die Leute ihre Arbeit mit eingespielten Bewegungen, als würden sie miteinander tanzen. Es gab unzählige Köche und ich konnte sie alle unterscheiden: den Entremetier, der für die Beilagen zuständig war, den Gardemanager für die kalte Küche, den Saucier, den Boucher, den Poissonnier und, und, und. Als Letztes, in einem separaten Teil, entdeckte ich schließlich den Patissier. Die Konditorei war das Aufgabenfeld, weswegen ich unbedingt ein Praktikum in einer großen Küche hatte machen wollen. Natürlich hätte ich auch zu jedem heimischen Bäcker gehen können, doch ich interessierte mich nicht für die Herstellung von Apfelkuchen. Ich wollte einem richten Patissier bei der Arbeit zusehen, beim Herstellen von Nachspeisen, die beinahe zu schön zum Verzehren waren. Nebenbei auch noch die anderen Bereiche einer Großküche kennenzulernen, war lediglich ein weiterer Pluspunkt für die Entscheidung gewesen.

Mein Körper schien ein Eigenleben zu entwickeln, während ich dastand und den Helden meiner eigenen kleinen Welt bei der Arbeit zusah. Ein Mann in blauer Schürze, vermutlich ein Lehrling, verstrich gerade Creme auf der Oberfläche einer Torte und meine Hände imitierten wie von selbst seine Bewegungen. Der Geruch von unzähligen verschiedenen Gerichten stieg mir in die Nase und zauberte ein verträumtes Lächeln auf mein Gesicht. Verdammt, das war es gewesen, weswegen ich hergekommen war. Das hier war mein Ziel.

Begeistert drehte ich mich zu Sander um. Als ich erkannte, dass der Platz hinter mir leer und die Tür zum Flur geschlossen war, erstarb mein Lachen. Ein wenig panisch drehte ich mich im Kreis, doch er war weg. Ich wäre gern noch geblieben und hätte die Leute beobachtet, doch wenn Sander mich hier stehen ließ, würde ich nie wieder allein aus dem Gebäude finden. Zumindest nicht, ohne gesehen und vermutlich gefeuert zu werden.

»Scheiße«, murmelte ich und überprüfte hastig, ob jemand auf mich aufmerksam geworden war.

Immer noch völlig überwältigt senkte ich den Kopf und steuerte den Rückzug an. Sobald ich die Küche verlassen hatte, ließ ich mich mit dem Rücken gegen die Tür sinken und schloss für einen Moment die Augen. Mein Herz klopfte in der Brust und ein überschwängliches Lachen entfuhr meiner Kehle. Ich fühlte mich wie ein kleines Mädchen, das zum ersten Mal Disneyland besuchte. Es war für Außenstehende vermutlich schwer nachzuvollziehen, dass eine Großküche einen derartigen Reiz für mich darstellte. Tage und Nächte hatte ich damit verbracht, mir vorzustellen, wie ich selbst in diesen Räumlichkeiten arbeitete. Stundenlang hatte ich mir im Internet Kochwesten angesehen, mir ausgemalt, wie ich mich morgens fertig machte und die Küche betrat, noch bevor die ersten Gäste überhaupt aus ihren Betten aufstanden. Das hier war es, wofür ich während dieses Praktikums härter arbeiten wollte als irgendjemand anderes.

»Und? Gut?«

Erschrocken fuhr ich herum und entdeckte Sander, der mit einem belustigten Grinsen an der Wand lehnte und mich beobachtete. Ein Teil von mir wollte ihm um den Hals fallen und ihm danken, ein anderer wollte ihn anschreien, weil er mich einfach in der Küche hatte stehen lassen. Doch alles, was ich zustande brachte, war ein vermutlich leicht dümmliches Lächeln. Ich fühlte mich wie betäubt, als wäre ich high. Und irgendwie war es ja auch so – ich war beflügelt von den Aussichten, die dieses Haus trotz meines steinigen Starts für mich bereithielt.

»Lena?«, hakte Sander nach. Er klang leicht beunruhigt und kam einen Schritt auf mich zu.

Ich stieß mich von der Wand ab, überbrückte den Abstand zwischen uns und schlang meine Arme um seinen Hals. Er verspannte sich eine Sekunde lang, dann lachte er und klopfte mir etwas unbeholfen auf den Rücken. Ich war nicht gerade der Mensch für überschwängliche Zuneigungsbekundungen, doch mein Herz schlug immer noch zu schnell und erinnerte mich daran, was Sander für mich getan hatte.

»Danke«, sagte ich von ganzem Herzen, als ich mich wieder von ihm löste.

Seine Hände verweilten kurz auf meinen Schultern, dann wich er zurück und verschränkte die Arme vor der Brust.

»Wow«, meinte er mit einem schiefen Grinsen. »Du kannst ja richtig nett sein.«

Ich zuckte mit den Schultern. »Soll vorkommen. Warum bist du einfach verschwunden? Ich dachte schon, du haust mich in die Pfanne und lässt mich da drinnen auffliegen.«

Er lachte, es klang eine Spur bitter. »Beziehungen zwischen Angestellten sind verboten«, erklärte er und wackelte mit den Brauen, was ich mit einem Augenrollen quittierte. »Wenn man uns zusammen auf Abwegen erwischt, bekommen wir Probleme.«

»Sprichst du da aus eigener Erfahrung?«

»Ein Gentleman genießt und schweigt«, murmelte er, trat vor und griff im Vorbeigehen nach meinem Ellbogen. »Und jetzt komm, wir haben dein Glück für heute genug herausgefordert.«

Immer noch beflügelt folgte ich ihm, wobei der Großteil meiner Gedanken von seiner Hand an meinem Arm abgelenkt wurde.

»Danke«, sagte ich noch einmal und legte den Kopf schief, um ihm ins Gesicht sehen zu können. Ich wiederholte mich, doch das war mir egal. Ich war kurz davor, einen verdammten Kniefall zu machen. »Wirklich, danke. Das war toll!«

Er verdrehte die Augen, doch ein kleines Lächeln zuckte um seine Mundwinkel. »Kein Thema, Lena.«

Ich schnaubte über den gewollten Reim. »Hah! Brüller!«

»Ja, oder?«, gluckste er. »Aber wirklich, es hat Spaß gemacht. Auch wenn ich deine Begeisterung für Kochtöpfe nicht ganz nachvollziehen kann.«

Das hatte ich auch nicht anders erwartet. Meine Eltern waren beide Architekten, mein Bruder studierte Wirtschaftswissenschaften. Niemand aus meiner Familie verstand, was mich am Kochen und Backen so faszinierte. »Trotzdem. Das hat meinen Tag wirklich gerettet.«

Sander lachte.

Jetzt, da ich seine ehrenwerten Absichten akzeptiert hatte, verursachte der Klang seines Lachens einen wohligen Schauder in meiner Magengegend.

Nein, der Tag war eindeutig kein Reinfall mehr.

3

Mein Wecker hatte Glück, dass er in meinem Smartphone wohnte. Das rettete ihm jeden Morgen sein armseliges Leben.

Ich blinzelte und warf einen mürrischen Blick auf die Uhr. Es war halb fünf Uhr morgens. Gut, ich wollte Patissière werden. Das bedeutete aber noch lange nicht, dass ich mich an dieses verdammt frühe Aufstehen gewöhnen würde. Fluchend und schimpfend hievte ich mich in eine sitzende Position und rieb mir den Schlaf aus den Augen. Nach Sanders und meinem kleinen Ausflug hatten wir uns gestern knapp verabschiedet und ich war zurück zu Carla marschiert, der Gott sei Dank nicht aufgefallen war, wie lang ich für meine Aufräumaktion gebraucht hatte. Den Rest des Tages hatte sie mich mit Botengängen und anderem Pillepalle beschäftigt und mich schließlich entlassen.

In dem winzigen WG-Zimmer in Harlem, das ich für drei Monate mietete, war ich sofort aufs Bett gefallen und beinahe zeitgleich eingeschlafen. Dennoch fühlte ich mich nun, als wäre ich von einem Panzer überrollt worden. Ich war körperliche Arbeit eindeutig nicht gewohnt. Es war fast peinlich, wie sehr meine Muskeln und Gelenke protestierten, als ich mich mühsam hochstemmte. Verdammt, sogar im Hintern hatte ich Muskelkater!

Ächzend rollte ich aus dem Bett und sah mich in meinem neuen Zuhause auf Zeit um. Das Zimmer war, genau wie die dazugehörige Wohnung und die ganze Gegend, heruntergekommen und klein, aber es genügte mir. Meine finanziellen Möglichkeiten schränkten meine Auswahl ein; die Tatsache, dass ich in einer der teuersten Gegenden New Yorks arbeitete, machte die Sache nicht unbedingt leichter. Natürlich hätte ich mir etwas in einem weniger noblen Stadtteil als Manhattan suchen können, doch dann wäre mein Arbeitsweg enorm gewesen. So oder so musste ich in den sauren Apfel beißen, also hatte ich mich für mehr Wohnkosten und weniger Fahrtzeit entschieden. Das Zimmer war winzig, es reichte lediglich für ein schmales Bett, eine Kommode und einen mottenzerfressenen Sessel, über den ich einen breiten Schal gelegt hatte, um mir nicht ständig Gedanken über die Verursacher der Löcher im Bezug zu machen. Dumpfes Tageslicht fiel durch die getrübten Fensterscheiben, die auf eine schmale Gasse hinausgingen, sodass die Sonne größtenteils von umstehenden Gebäuden abgeschirmt wurde. Außerdem musste irgendwo in der Nähe die U-Bahn durchfahren, denn das Gebäude schepperte beinahe im Minutentakt. Abgesehen von meinem Zimmer gab es noch ein Wohnzimmer mit Küchenzeile und ein Bad mit Duschbadewanne und kleinem Fenster. Das alles teilte ich mir mit einem schwulen Künstlerpärchen. Die beiden waren eher wortkarg, beinahe unfreundlich. Als ich mir das Zimmer angesehen hatte, hatten sie mir lediglich den Preis genannt und mich ermahnt, meinen Kram nicht im Badezimmer rumstehen zu lassen. Das Wohnzimmer sei kein Gemeinschaftsraum, aber die Küche durfte ich zur Not benutzen. Alles in allem war meine Bleibe katastrophal, doch ich würde mich nicht beschweren. Ich würde ohnehin die meiste Zeit arbeiten.

Schlaftrunken schlurfte ich ins Badezimmer, streifte mir Schlafshorts und T-Shirt ab und stellte mich unter den heißen Strahl der Dusche. Die Wohnung mochte Schrott sein, doch die Dusche war ein Traum; sie besaß einen Massageduschkopf. Meine verspannten Muskeln begannen sich zu lockern, und entlockten mir ein Seufzen. Heute war Tag zwei meines Praktikums und ich konnte nur hoffen, dass dieser besser laufen würde als der vorangegangene.

Mein verräterisches Hirn beschwor Sanders Gesicht vor meinem inneren Auge herauf und ich schob es zur Seite, so wie ich es gestern den ganzen Nachmittag über getan hatte. Ja, er sah gut aus. Und ja, das, was er für mich getan hatte, war wirklich nett gewesen. Und ich mochte ihn vielleicht sogar. Doch das änderte nichts an der Tatsache, dass er überheblich, vermutlich verhätschelt und ein wenig realitätsfremd war. Er verhieß Schwierigkeiten, die ich im Moment wirklich nicht gebrauchen konnte. Ich war hierhergekommen, um mich auf meine bevorstehende großartige Karriere zu konzentrieren, nicht, um mit irgendwelchen Kollegen zu flirten. Zumal so etwas laut Sanders Aussage ohnehin verboten war. Abgesehen davon hatte ich ihn nach unserem kleinen Ausflug nicht mehr zu Gesicht bekommen, was wohl bedeutete, dass er irgendwo anders arbeiten musste. Carla jedenfalls hatte ihn nicht erwähnt.

Vermutlich würde ich ihn nicht mehr wiedersehen.

Alles in allem also genug Gründe, nicht weiter über ihn nachzudenken.

Und das war besser so. Ja, das war es.

Dieses Mantra wiederholte ich in Gedanken immer wieder während des Duschens, zog mich an und verließ schließlich das Apartment, ohne auch nur einen meiner Mitbewohner zu Gesicht zu bekommen. Vermutlich schliefen sie im Gegensatz zu mir wie normale Menschen.

Am ersten Morgen war ich aufgeregt gewesen, heute war ich eher argwöhnisch und ein wenig hoffnungslos. Das Gefühlsrodeo mit Sander war zwar eine nette Abwechslung gewesen, änderte jedoch nichts an meiner Befürchtung, einen Fehler mit diesem Praktikum gemacht zu haben. Ich würde mit Carla darüber reden müssen und darauf war ich nicht scharf.

Ich lief durch die verschlafenen Straßen von Harlem, ließ meinen Blick über Fassaden und vereinzelte Jogger wandern und grüßte eine alte Frau, die genau wie gestern auf einer Vortreppe saß und Tauben fütterte. Auch wenn New York als die Stadt bekannt war, die niemals schlief, hatte ich während meiner ersten drei Tage feststellen müssen, dass vor zehn Uhr morgens wenig mit den Leuten hier anzufangen war. Viele Geschäfte öffneten erst spät, sogar manche Büros. Da ich ein wenig zu früh dran war, schlenderte ich durch die schmalen Gassen. Der Großteil der Stadt schlief noch, sodass es mir einen Moment lang so vorkam, als wäre ich vollkommen allein auf der Welt. Deutschland lag irrsinnig weit hinter mir.