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In einem ewigen Sommer festzustecken ist kein Spaß. Vor allem, wenn man die Tochter des Winters ist. Owls Freund Alberic – der zufällig auch der Sohn des Earl of Autumn ist – wird vermisst. Entschlossen, ihn zu finden und den ewigen Sommer zu beenden, begeben sich Owl und ihre beste Freundin Mallory auf ein Abenteuer, das sie tief in die magische Welt der Zeit führen wird. Dort sind dunkle Mächte am Werk, die vor nichts zurückschrecken. Werden Owl und Alberic in der Lage sein, ihre Magie zu kontrollieren und den Wechsel der Jahreszeiten wiederherzustellen? Eine Geschichte, die den Klimawandel, Verlust und Trauer thematisiert – und doch voller Magie, Freundschaft, Liebe und Hoffnung für die Zukunft ist.
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Seitenzahl: 251
Veröffentlichungsjahr: 2022
Amy Wilson
Owl und der verlorene Junge
Aus dem Englischen von Sylke Hachmeister
© der deutschsprachigen Ausgabe:
von Hacht Verlag GmbH, Hamburg 2022
Alle Rechte vorbehalten
Text copyright © Amy Wilson 2020
Illustrations copyright © Helen Crawford-White 2020
Aus dem Englischen von Sylke Hachmeister
Lektorat: Diana Steinbrede
Die Originalausgabe erschien unter dem Titel Owl and the Lost Boy bei Macmillan Children’s Books an imprint of Pan Macmillan, London 2017
Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt, jede Verwertung bedarf der Genehmigung des Verlages.
ISBN978-3-96826-703-6
www.w1-vonhacht.de
www.instagram.com/vonhacht_verlag
Für meinen seit Langem verlorenen Vater,
Harry Berry Wilson
FABELNUNDERDGEISTER
Nur wenige sind in der Welt der Menschen so mächtig wie die Herrscher über die Jahreszeiten. Frühling, Sommer, Herbst und Winter – nichts davon gäbe es ohne sie, und das ist nicht ohne Wagnis, denn sie kämpfen wie Krieger, um sich zu behaupten.
Die Maikönigin ist der Frühling, sie tritt dem Winter auf die Rockschöße und bringt neues Leben, und dem Sommer weicht sie erst, wenn er sich wirklich nicht mehr abwenden lässt. Dann wiederum muss der Sommer in Gestalt der Mittagsfrau gegen den Grafen Oktober kämpfen, der mit seinem leisen Lied über die Erde stolziert, den rotgoldenen Herbst bringt und alles wegräumt, ehe Jokul, der schelmische Winterkönig, aus seiner Welt voller Eis und Schnee ausbricht.
Jeder von ihnen würde, wenn er könnte, ganze Jahre und noch länger regieren, und nur die Macht von Mutter Erde hält sie im Zaum. Sie alle kann es nicht ohne einander geben, und jeder kommt zu seiner Zeit. Gewiss gibt es sommerliche Tage, die strahlend hell in Jokuls Winterzeit einbrechen, und Frost, der noch im Frühling verweilt, doch das sind Ausnahmen von der Regel.
Die Regel wird von Mutter Erde gemacht. Und der Einzige, der ihre Ordnung bedroht, ist der Zeitvater.
Die Hitze drückt mir auf die Haut, und je näher ich dem Wald komme, desto heißer wird es. Im Laufe des Sommers sind hier neue Pflanzen gewachsen, glänzende Schlingpflanzen ranken sich dicht um die alten Stämme der Eichen und Holunder, und als ich tiefer hineingehe, recken sie sich nach mir. Ich habe das seit Anfang September schon mehrmals versucht, und jedes Mal musste ich wieder umkehren.
Aber diesmal habe ich mir fest vorgenommen, es zu schaffen.
Ich strecke eine Hand schützend aus, doch die duftenden orangen Blüten wehren sich, drängen sich an meinen Arm, und von ihren langen gelben Staubgefäßen fällt dichter Blütenstaub herab. Ich grummele, als sich Quaddeln auf meiner Haut bilden, und einen Moment lang scheint sich alles um mich herum zu drehen. Der blaue Himmel, das trockene Gras hinter mir, das pochende, heimtückische Herz eines endlosen Feensommers in dem Wald vor mir.
Meine Brust ist wie zugeschnürt, ich weiche zurück.
Endlose Feensommer sind nichts für Feiglinge. Und mir tun sie ganz bestimmt nicht gut, denn ich bin die Tochter des Winterkönigs Jokul. Ich wende dem Wald, der den Feenhofstaat verbirgt, den Rücken zu, schaue eine Weile zur Stadt und versuche zu Atem zu kommen. In der Stadt ist alles normal: die Häuser, die Kinder, die in den länger werdenden Schatten spielen, das Glühen am Horizont, während die Sonne langsam untergeht. Niemand sonst weiß von der Magie, die hinter diesem Wald liegt. Ich reibe die wunden Stellen an meinen Armen und schaue wütend auf das dichte neue Laub, das mich zurückgedrängt hat.
Vielleicht hätte ich warten sollen, bis es dunkel ist. Und Handschuhe anziehen. Das Bedürfnis, zum Hofstaat zu gelangen, wo all die Feenwesen leben, war so groß, und mir war so heiß, dass ich keinen Moment länger warten wollte. Ich bin diesen Sommer so leid. Bin es leid, allein darin zu sein. Es ist fast November, verdammt noch mal – diese höllische Hitze soll endlich aufhören. Doch als sich im Unterholz etwas regt, leuchtend wie Glut und nach diesen fiesen orangen Blüten stinkend, merke ich beklommen, dass ich bloß meine Zeit vergeude. Was da drin läuft, geht mich nichts an. Jokul ist offensichtlich nicht da, und ohne ihn ist dort für mich kein Platz.
Im lodernden Sonnenuntergang trotte ich nach Hause. Es ist immer noch heiß, und die Luft dringt nur zäh durch meine Lunge.
»Eines Tages wird es nicht mehr Sommer sein. Eines Tages ist es vorbei. Irgendwann muss der Herbst ja mal kommen.« Zum hunderttausendsten Mal murmele ich dieses Mantra vor mich hin. Vielleicht kommt es mir dieses Jahr nur schlimmer vor, weil es der erste Sommer ist, seit ich Jokul kenne, die Feenwelt entdeckt habe und von meinen Winterkräften weiß. Von den Kräften, die mir in dieser sengenden Hitze rein gar nichts nützen.
Als ich zu der Gasse gelange, die zu unserem Haus führt, zögere ich. Ich sehe Mallorys vertraute Gestalt vor mir, wie sie beim Gehen mit der Hand an der Mauer entlangfährt. Sie blickt im Vorübergehen zum Haus hoch, und es versetzt mir einen Stich. Wie konnten wir einander so aus den Augen verlieren? Seit der ersten Klasse waren wir beste Freundinnen, und jetzt reden wir kaum noch miteinander. Ich habe mich nicht genug um sie gekümmert, als sie in den Ferien wegen der Trennung ihrer Eltern so fertig war.
Ich war zu sehr mit der Frage beschäftigt, wo Jokul steckt und ob dieser Sommer je endet.
In der Wohnung lasse ich den Rucksack von den Schultern gleiten und auf den Dielenboden plumpsen. Ich ziehe Schuhe und Strümpfe aus, um mich ein wenig abzukühlen, und marschiere dann zum Kühlschrank. Das Licht funktioniert nicht mehr, und er macht ein lautes, staubsaugermäßiges Geräusch, das sich nicht gut anhört. Aber wenigstens ist er kühl. Alle Fenster in der Wohnung stehen offen, und die Vorhänge sind halb zugezogen, um die gnadenlosen Sonnenstrahlen abzuhalten, und obwohl es bald dämmert, ist es kratzdeckenheiß.
Den ganzen Sommer lang habe ich auf den Herbst gewartet. Ich habe mir vorgestellt, messerscharfe kühle Luft einzuatmen. Habe mir ausgemalt, wie sich die Blätter an den Bäumen kupferrot und braun färben. Raureif auf den Dachspitzen und das Knirschen von blassem gefrorenen Gras unter meinen Füßen. Wie ich mit Jokul und dem Nordwind auf dem gefrorenen See tanze, wirbelnde geometrische Muster auf das blaue Eis male. Wie ich wieder zum Feenhofstaat gehe und mich alle, die ich im letzten Winter kennengelernt habe, begrüßen: die Hüterin des Sees, der Grüne Mann und die klitzekleinen flitzenden Feen.
Aber nichts davon ist eingetreten. Die Morgen sind immer noch wie geschmolzenes Feuer, alles ist klebrig. Sengend heiße Gehwege, die Flüsse nur Staub, die Wiesen, die mit Raureif bedeckt sein müssten, trocken wie Zunder, der Feenhofstaat anscheinend unerreichbar. Nachts sind meine Träume voller Eis und Abenteuer, und wenn ich aufwache, erfüllen sie einen Moment lang das ganze Zimmer mit ihrem Glanz. Eis bedeckt alle Flächen, Raureif ringelt sich die Wände hoch, und klirrende Eiszapfen hängen an den Vorhängen. Doch dann hellt sich der Himmel auf, das Winterwunderland aus meinen Träumen schmilzt, und ich starte erschöpft in einen weiteren Tag dieses verfluchten Sommers.
Ich schnappe mir ein Glas Wasser und gehe in mein Zimmer. Im Vorbeigehen raschele ich mit den Vorhängen, damit sich die Luft bewegt. Der Teppich kratzt an meinen Füßen, und das Bett kann ich kaum angucken.
»Owl!«, ruft meine Mutter, poltert die Treppe von ihrem Atelier herunter und läuft mir nach. Sie ist barfuß und hat die dunklen Haare hochgesteckt, ihre Arme sind schweißnass. Auf den Wangen hat sie Streifen von Kohlestift. »Wie war dein Tag?«
»Heiß«, sage ich.
Sie schaut mich von oben bis unten an.
»Wie wär’s mit einer kalten Dusche?«
»Au ja.«
»Du siehst müde aus«, sagt sie. »Hast du Mallory heute gesehen?«
»Nicht gesprochen.« Ich seufze, und sie lächelt traurig. Ihr fehlt Mallory auch.
»Was ist mit Alberic?«
Seit ich Alberic letztes Jahr einmal mit nach Hause gebracht habe, hat meine Mutter eine Schwäche für ihn. Er ist der Sohn vom hinterhältigen Grafen Oktober, dem Herrscher des Herbstes, und daher ungefähr so normal wie ich. Seine Mutter war ein Mensch. Sie starb, als er klein war, deshalb lebt er mit seiner Feenfamilie im Hofstaat und hat sich erst letztes Jahr in die Menschenwelt gewagt. Seitdem geht er auf meine Schule. Er war der Erste, der mir Jokul und meine Herkunft gezeigt hat. Wir haben zugeschaut, wie Jokul sich mit Boreas, dem Nordwind, gebalgt hat, und Alberic hat mich davor gewarnt, wie heimtückisch die Feenwesen sein können. Jetzt ist er verschwunden. Alle sind verschwunden, und mit ihnen der Herbst. Und ich kann noch nicht mal zum Feenhofstaat, um nachzusehen, was los ist. Sobald der Sommer anfing, wurde der Weg dorthin von diesen grässlichen Blumen erstickt. Es war wie eine Zurückweisung, und das tat weh. Doch Jokul hatte mich schon darauf vorbereitet, dass ich im Sommer eine Ruhepause einlegen müsste, und vermutlich hat er sich im Sommer auch immer so gefühlt: ausgeschlossen. Aber jetzt dauert es einfach schon viel zu lange.
»Keine Spur von ihm«, sage ich und sinke aufs Bett.
Meine Mutter zieht die Stirn in Falten und lässt sich neben mich plumpsen. »Vielleicht hat Jokul eine Ahnung?«
»Wo der steckt, weiß ich ja auch nicht!«, sage ich. »Und bei dieser bescheuerten Hitze ist es unwahrscheinlich, dass er so bald auftaucht.«
»Es ist wirklich besorgniserregend«, sagt sie und zupft an einem losen Faden der Flickendecke, die sie mir vor Jahren genäht hat. »Die Leute reden von nichts anderem.« Sie schaut mich an, steht schwungvoll auf und zieht mich hoch. »Essen. Ich mache was zu essen, du duschst – immer schön eins nach dem anderen, dann wird das schon.«
Sie nimmt mich in die Arme, und ich lasse den Kopf auf ihre Schulter sinken, nur ganz kurz, obwohl es zu heiß und ein bisschen eklig ist, weil wir beide so verschwitzt sind.
»Okay?«, sagt sie, als sie sich von mir löst.
»Gut.« Ich nicke und gehe ins Bad.
Wenn ich könnte, würde ich in der Dusche wohnen. Das Wasser ist kalt, und als ich fertig bin, liegt ein leichter Eisschauer in der Luft. Nicht viel, aber immerhin kann ich tief durchatmen, ohne das Gefühl zu haben, dass ich ersticke. Mein Kopf wird frei, und als ich mich zu meiner Mutter in unser kleines Wohnzimmer geselle, fällt mein Blick auf das alte Buch mit Feenlegenden in dem überfüllten Regal, der Buchrücken blitzt im Sonnenlicht golden auf. Da durchzuckt es mich, und ich weiß plötzlich, was zu tun ist.
Den Rest des Abends schaue ich Naturdokus mit meiner Mutter, und sie zeichnet dabei. Ich warte darauf, dass sie mal das Zimmer verlässt, damit ich mir das Buch ansehen kann: Fabeln und Erdgeifter: Wie du ihnen begegneft und den Weg fu deinem eigenen fpirituellen Wefen findeft. Das Buch hat meine Mutter mir im letzten Winter überreicht, als ich gerade die Feenwelt entdeckte und lernte, wie ich die Winterkräfte einsetzen kann, die ich von Jokul geerbt habe. In dem Buch stehen viele Legenden über die Feenwesen – den Grünen Mann, den Nordwind, die Maikönigin –, und die meisten von ihnen habe ich kennengelernt. Meine Mutter weiß Bescheid, doch seit meinen Abenteuern im letzten Winter passt sie ein bisschen besser auf. Ich darf nicht mehr allein zum Feenhofstaat gehen, aber da komme ich ja sowieso nicht hin. Das Buch hat sie mir nicht verboten, aber nur, weil sie nicht daran gedacht hat. Ehrlich gesagt hatte ich selbst nicht daran gedacht, bis ich es heute zufällig entdeckt habe. In dem Buch steht ein Zauberspruch, der mir vielleicht helfen kann. Ich muss ihn nur finden. Wir sind bei der dritten Portion Rettet-die-Meerestiere angelangt, als sie endlich nach oben geht, um einen neuen Kohlestift zu holen – die Gelegenheit für mich, das Buch unbemerkt in mein Zimmer zu bringen.
Doch als ich es später aufschlage, die Fenster weit geöffnet, um möglichst viel von der kühlen Nachtluft hereinzulassen, stimmt etwas nicht. Die alten vergilbten Seiten, die voller Märchen und Legenden waren – von Jokul und dem Nordwind und ihren Welten –, sind leer. Hektisch und mit zunehmender Verzweiflung blättere ich es durch. Das war mein Plan B. In dem Buch wollte ich Antworten finden, doch es ist unzugänglich wie der Feenhofstaat. Keine Feenmagie für Owl.
Da stimmt was nicht. Schon Ende Oktober und immer noch ausgesperrt, während der Herbst doch schon in vollem Gange sein und Jokul den ersten Frost bringen müsste. Ich schließe die Augen und atme langsam ein und aus, aber es wird nicht besser. Kein Feenhofstaat. Keine Mallory, kein Alberic und kein Jokul. Kein Zauberspruch. Ich starre die Eulenzeichnungen an meinen Wänden an und frage mich eine schwindelerregende Sekunde lang, ob ich mir im letzten Winter, als meine Kräfte sich als Raureif auf meiner Haut zeigten, alles nur eingebildet habe.
Nein. Das war echt – und ich darf mich einfach nicht unterkriegen lassen. Etwas muss in der Feenwelt gründlich schiefgegangen sein, und irgendwie sind Alberic und Jokul beide in diesem Chaos gefangen. Ich lasse mich ins Bett sinken und berühre die Holzeule an meinem Bettpfosten. Im letzten Winter ist Mutter Erde in Gestalt einer Eule erschienen, und ich habe mich oft gefragt, ob sie die Eulen benutzt, um alles im Auge zu behalten.
»Was ist los?«, frage ich und streiche über die vertraute Struktur der hölzernen Federn. Die Eule klappert mit den Augenlidern, und mit einem Kribbeln im Bauch weiche ich zurück. Das habe ich mir definitiv nicht eingebildet.
Irgendwo schwirrt die Magie hier noch herum.
Ich schaue der Eule eine Zeit lang kühl in die Augen und stelle mir vor, mit Mutter Erde zu sprechen. »Ich weiß, dass du dich nicht gerne einmischst, aber der Sommer hört einfach nicht auf, von Jokul keine Spur, und Alberic ist verschwunden. Irgendjemand muss was tun, oder? Ich habe versucht, zum Feenhofstaat zu gelangen, aber es ist zu heiß, und selbst das Buch ist leer …«
Doch es folgt nur undurchdringliches, heißes Schweigen. Natürlich. Selbst wenn das hier eine Art Feennotfall ist, wird Mutter Erde sich nicht einmischen. Ich liege hier nur rum und rede mit Möbeln. Ich strecke mich aus, suche nach kühlen Stellen in meinem Bett und falle in einen unruhigen Schlaf. Ich träume von meinen Abenteuern mit Jokul im letzten Winter, von dem Eis, das sich unter meinen Schritten ausbreitet, Eis auf meiner Haut und in den Haaren.
Die Mittagsfrau
Was macht die Welt des Sommers aus? Unter einem kobaltblauen Himmel in der Mittagssonne dösen. Goldene Felder und Pusteblumen, die beim leisesten Windhauch verwehen. Die Sommerhitze eine Decke, die sich schleichend über dich legt, erst willkommen, später erdrückend.
Hüte dich vor dem Sommer, hüte dich vor der Mittagsfrau. Sie kennt keine Gnade. Sie regiert ihr Reich mit feuriger Peitsche und dem leisen Donnergrollen von hundert regenlosen Tagen. Ihre Elfen sind flammend hell und hinterlassen schwelende Fußabdrücke. In der Welt des Sommers gibt es goldene Städte, blitzende Türme, feurige Seen und bleiche, wandernde Wüsten unter dem Sternenhimmel.
Die Gewitter, wenn sie kommen, sind krachendes Licht am Himmel, und wenn es regnet, gibt es eine Flut warmer Tränen. Sie erschüttern die Welt der Mittagsfrau in ihren Grundfesten und wecken ihren Zorn.
Sie liebt die Menschheit nicht, doch sie sonnt sich gern in ihrer irdischen Jahreszeit und giert danach – schon im März stiehlt sie sich herein und harrt bis in den September aus. Ihre mächtigsten Tage sind still und schwer, sie rauben uns die Stunden, lassen die kleinsten Aufgaben unüberwindlich erscheinen. Die Mittagsfrau schreitet langsam und träge hindurch, und ihr goldener Umhang verwandelt den Boden zu Staub.
Hüte dich vor der Mittagsfrau. Sie ist launisch wie ein Sommergewitter – und am gefährlichsten, wenn ihr sanftes Lied erklingt.
Der nächste Morgen bringt eine neue Hitzewelle. Meine Mutter ist fahrig, sie bereitet einen neuen Kunstkurs an der Uni vor und scheint jeden Zeichenstift, jeden Skizzenblock und jeden Farbkasten verloren zu haben, den sie je besessen hat. Ich stürze einen Orangensaft hinunter, während sie durch die Wohnung flitzt und ein wütendes kleines Lied über die verlorenen Dinge summt. Als ich zur Tür hinausgehe, drückt sie mir eine Banane in die Hand.
»Die wichtigste Mahlzeit des Tages!«, ruft sie.
»Eine Banane?«
»Frühstück.«
»Es ist zu heiß zum Frühstücken.«
»Ich wusste, dass du das sagen würdest. Deshalb die Banane.« Sie nickt. »Hast du dir was für die Mittagspause eingepackt?«
»Ja, danke.«
»Ich hab dir einen Kühlakku reingelegt«, sagt sie stolz. »Hab ich gestern im Eisschrank gefunden, versteckt hinter altem Fisch.«
»Reizend«, sage ich. »Du hast übrigens einen Bleistift hinter dem Ohr. Und einen im Haar. Hast du die vielleicht gesucht?«
Sie fasst sich an den Kopf, zieht die Stifte heraus und verdreht die Augen. »Unter anderem. Danke, Owl. Ich wünsche dir einen schönen Tag.« Sie umarmt mich und sieht mir nach, wie ich die Treppe hinuntergehe, bis ich sie mit einem Handwedeln wieder reinscheuche.
»Das ist schön kühl!«, ruft sie.
»Nicht wirklich!«, rufe ich zurück.
Sie grinst und macht die Tür zu.
Die Schule ist ein Albtraum. Die Ventilatoren in den Klassenzimmern verteilen die heiße Luft bloß, und die Lehrer und Lehrerinnen haben schlechte Laune. In Geschichte geht man ein vor Hitze, und Miss Leonard hat eine Zunge wie eine Viper, die bei dem kleinsten Anzeichen von Unaufmerksamkeit hervorschnellt. Die Frauen der Welt verdienen unsere Aufmerksamkeit, und sie sorgt mit aller Entschlossenheit dafür, dass sie sie bekommen.
Das Problem ist, dass ich kaum die Augen offen halten kann. Immer wieder fallen sie mir zu, und ich fahre mit einem Ruck wieder hoch. Die Schwüle dringt mir in Lunge und Hirn, meine Haut brennt vor Hitze. Immer wieder tauchen Erinnerungsfetzen daran auf, wie ich mich gestern vergeblich durch das Gestrüpp des sommerlichen Feenhofstaats gekämpft habe.
»Owl?«
»Ja!« Sofort sitze ich kerzengerade.
»Geht es dir gut? Du wirkst so schläfrig.«
»Es ist heiß«, bringe ich heraus.
Miss Leonard runzelt die Stirn. »Das wird niemand bestreiten. Brauchst du ein bisschen frische Luft?«
»Gibt es welche?«, frage ich, und Fergus neben mir prustet los.
»Sehr witzig«, sagt Miss Leonard. »Geh doch mal ins Krankenzimmer und lass dir etwas Eiswasser geben. So störst du nur die anderen.«
»Entschuldigung«, sage ich, rappele mich auf, sammele meine Sachen zusammen und schleife meine Schultasche hinter mir her. Irgendwer lacht, bestimmt über mich, aber ich drehe mich nicht um.
Die Flure sind glänzend hell und ewig lang. Ich fahre mit einer Hand an der Wand entlang, zum einen, weil sie kühl ist, und auch, damit ich nicht umkippe. Das Krankenzimmer liegt auf der anderen Seite des Gebäudes, und mit jedem Schritt verstärkt sich mein Gefühl, gar nicht richtig hier zu sein. Ein endloser, brutaler Sommer ist für jeden hart, doch für ein Mädchen, das den Winter in den Genen hat, ist er die reine Folter.
»Sollen wir deine Eltern anrufen?«, fragt die Dame im Krankenzimmer. Sie mustert mich von oben bis unten, als ich mit Puddingbeinen und pochendem Schädel zu ihr komme. Sofort sehe ich Jokul vor mir, wie er mit blitzenden Silberaugen durch die Flure schreitet und Eis mit sich bringt. Nicht dass man den Winterkönig anrufen könnte. Und selbst wenn, würde er nicht hier antanzen. Meine Mutter würde kommen, aber die würde sich nur Sorgen machen.
»Ach nein, danke«, sage ich. »Mir geht’s gleich wieder besser.«
»Meinst du wirklich?« Sie kommt auf mich zu und drückt mich auf einen Sessel. Meine Haut schreit, als die Wollfasern an meinen Beinen kleben, aber ich zwinge mich, sitzen zu bleiben. »Du siehst aus, als wärst du eine Fee.«
»Wie bitte?«, frage ich und gucke sie verwirrt an. Hat sie das gerade wirklich gesagt? Ich kann ihre Miene nicht richtig erkennen – hier ist es zu heiß und zu hell.
»Du siehst aus, als täte dir was weh«, sagt sie und reicht mir ein Glas Wasser. »Hier, trink das und ruh dich eine Weile aus.«
Weh, wiederhole ich in Gedanken und lache über mich selbst. Nicht Fee. Obwohl ich ein Feenwesen bin, jedenfalls zur Hälfte. Genau wie Alberic mit dem Grafen Oktober als Vater. Was ist, wenn er nun einfach mit den anderen auf und davon ist? Wenn sie in ihren eigenen Welten sind, mich aus der Ferne beobachten und sich über das dumme Menschenkind kaputtlachen, das mit aller Macht versucht, zu ihnen zu gelangen?
»So ist es nicht«, flüstert eine raue, krächzende Stimme in meinem Kopf. Ich schaue mich um. Im Krankenzimmer ist niemand bis auf die Dame, die etwas in ihren Computer tippt. Anscheinend halluziniere ich. Oder – kommt Mutter Erde mir jetzt zu Hilfe, nachdem ich sie gestern Abend darum gebeten habe?
»Könnte doch sein«, flüstere ich für alle Fälle. »Und sie kommen bald zurück, und alles wird besser.«
»Aber wer soll dafür sorgen, dass sie zurückkommen«, fragt die Stimme, »wenn nicht du?«
»Ach, irgendwer, der das besser kann als ich.« Ich mache die Augen zu und sehe den Wald in Jokuls eisiger Welt, durch den Alberic und ich im letzten Winter gestreift sind. Schwarze Silhouetten von Bäumen, knirschender Schnee unter unseren Füßen und eine Eule, die auf mich zusaust. »Jemand, der stärker und klüger ist, weißt du …«
Die Eule schwebt vor mir und sieht mich mit ihren goldenen Augen an.
»Du«, sagt sie.
»Owl?«
Ich mache die Augen auf, und da steht Mallory.
»Wie geht es dir? Jemand hat gesagt, dass du ins Krankenzimmer musstest …«
»Mir geht’s gut.«
Ich nehme meine Schultasche und stehe auf, und der Raum schwankt – nur ein kleines bisschen, aber Mallory entgeht nie etwas.
»Was ist los?«, flüstert sie und fasst mich am Arm, bevor ich wieder auf dem Sessel zusammenklappe. Sie mustert mich von oben bis unten. »Was ist mit deinen Armen passiert?«
Ich schaue an mir runter. Meine Arme sind immer noch rot und geschwollen von der Begegnung mit den neuen Sommerpflanzen gestern Abend.
»Nichts! Mach dir keine Gedanken.« Ich reiße mich zusammen, setze den Rucksack auf und mache Anstalten zu gehen.
»Natürlich mache ich mir Gedanken. Ich bin schließlich deine …«
»Meine was, Mallory?«, frage ich, plötzlich aufbrausend. »Meine Freundin? Das haben wir ja wohl hinter uns.«
»Haben wir nicht.« Sie reckt das Kinn vor. »Auch wenn du mir aus dem Weg gehst.«
»Ich gehe dir aus dem Weg? Ja wohl eher umgekehrt!«
»Mädchen?«, unterbricht uns die Dame am Computer stirnrunzelnd. »Das ist gerade nicht förderlich!«
»Nein, Entschuldigung«, sagt Mallory, während ich nach Luft schnappe wie ein Fisch auf dem Trockenen. »Ich habe angeboten, sie nach Hause zu begleiten, aber sie ist zu stur.«
»Ich würde mich an deiner Stelle von meiner Freundin nach Hause bringen lassen«, sagt die Dame. »Andernfalls muss ich deine Eltern anrufen und sie bitten, dich abzuholen.«
»Sie meinen, meine Mutter«, sage ich. »Ich hab keine Eltern. Nicht jeder hat zwei Elternteile.«
»Zwei Elternteile sind nicht unbedingt zu empfehlen«, sagt Mallory und schenkt der Dame ihr berühmtes strahlendes Lächeln, während sie mich in den Flur führt. »Zwei Elternteile sind total anstrengend.« Sie schnauft. »Aber was ist mit Jokul?«
»Jokul zählt nicht«, sage ich. »Will kein Vater sein, war nie ein Vater, und jetzt weiß ich nicht mal, wo er ist. Ich hab ihn seit März nicht gesehen!«
»Hast du gedacht, er geht im Sommer mit dir picknicken?«, fragt Mallory.
»Und wenn?«, frage ich. »Du hattest doch garantiert ein Sommerpicknick mit deinem Vater.«
»Okay«, lenkt sie ein. »Lass uns damit aufhören. Es tut mir leid. Es tut mir leid, dass du ihn vermisst.«
»Ich vermisse ihn nicht – er nervt«, sage ich. »Es tut mir leid, dass du deinen vermisst.«
»Na ja«, sagt sie. »Das wird schon wieder.« Sie hält eine Hand hinter meinen Rücken, als wir die Treppe hinunter- und aus der Schule hinausgehen, und obwohl sie mich nicht berührt, weiß ich, dass sie da ist, falls ich stolpere.
»Warum reden wir nicht mehr miteinander?«, frage ich, als wir in die Glut des Nachmittags hinausgehen. Ich habe Puddingbeine und mir ist zum Heulen zumute, nur weil sie nett zu mir ist. Sie hat mir so gefehlt. Die Hitze steigt vom Gehweg hoch, frisst sich in meine Schuhsohlen. »Ich kann nicht … Es ist zu HEISS!«
»Gib mir deinen Rucksack.« Sie reißt ihn mir vom Rücken und zieht mich aus dem Weg einer Gruppe von Jungs, die zur Bushaltestelle gehen. »Jetzt bind deine Krawatte ab …« Sie nimmt auch die, dann holt sie ihre Wasserflasche heraus und gießt sie über meinem Kopf aus.
»Mallory!«, keuche ich.
Sie hat die Lippen zusammengepresst, als müsste sie sich das Lachen verbeißen. »Ist es jetzt kühler?«
»Ja«, sage ich und zupfe an meiner Bluse.
»Was ist denn nun mit deinen Armen passiert?«, fragt sie.
»Ich hab versucht, zum Feenhofstaat zu gelangen, aber um den Eingang herum wachsen überall diese neuartigen Pflanzen … Offenbar bin ich dagegen allergisch. Jokul hat gesagt, der Sommer ist für uns eine Ruhepause – aber mir war nicht klar, dass ich aus der Feenwelt regelrecht ausgesperrt sein würde.«
Ich seufze, und sie schiebt mich durch das Tor, Richtung Heimweg. Viel mehr reden wir nicht, weil ich nicht kann und sie dafür sorgen muss, dass ich halbwegs gerade laufe. Als wir bei mir zu Hause ankommen, bin ich mir sicher, dass es aus meiner Nase qualmt.
»Soll ich kurz mit reinkommen?«
»Klar«, sage ich und mache mich mit dem Schlüssel an der Tür zu schaffen, bis ich sie endlich aufbekomme. Ich schleppe mich die Treppe hoch und dann in die Wohnung, während Mallory mir dicht auf den Fersen folgt. Alle Vorhänge sind zugezogen, und der Kühlschrank macht den üblichen Radau, doch nach der brütenden Hitze draußen kommt es mir ruhig vor. Ich lehne mich an die Kante des Küchentischs und hole tief Luft. Mallory lässt unsere Schultaschen fallen und holt Gläser und Eiswürfel, als wäre sie zu Hause. Das Eis klimpert im Glas, als sie es mir bringt.
»Danke«, sage ich und schaue ihr in die Augen, damit sie weiß, dass ich es so meine.
»Du siehst furchtbar aus«, sagt sie.
Ich schüttele den Kopf und lasse mich auf einen Küchenstuhl sinken.
»Das meine ich nicht böse!« Sie setzt sich neben mich. »Bist du krank?«
»Nein«, sage ich. »Jedenfalls nicht im üblichen Sinn. Der Sommer war hart … und er hört einfach nicht auf. Je länger er dauert, desto schlechter geht es mir. Ich dachte, das liegt nur daran, dass ich so bin, wie ich bin, aber allmählich mache ich mir Sorgen. So lange dürfte der Sommer nicht dauern. Vielleicht stimmt da was nicht, aber ich komme nicht zum Feenhofstaat, und ich weiß nicht, wo Alberic und Jokul sind, und das Buch der Fabeln funktioniert nicht …«
»Langsam«, sagt sie. »Erzähl mir alles der Reihe nach.«
»Aber Mallory …«
Sie sieht mich an.
»Willst du das wirklich wissen? Hast du nicht schon genug Sorgen?«
Die Trennung ihrer Eltern war echt schwer für sie. Als ihr Vater ausgezogen ist, hat sich alles verändert, und dann kamen noch weitere Veränderungen. Irgendwann in den Sommerferien war es offiziell: Ihre Eltern lassen sich scheiden. Aber das habe ich erst erfahren, als die Schule wieder anfing, denn sie hat nicht mehr auf meine Nachrichten geantwortet, und als ich einmal bei ihr vorbeigeschaut habe, war sie nicht da. Sie hat die Ferien zur Hälfte mit ihrer Mutter und zur Hälfte mit ihrem Vater verbracht, und das muss total seltsam gewesen sein. Ich wollte mit ihr darüber sprechen, aber als wir einander endlich auf den neuesten Stand brachten, schien sich zwischen uns auch alles verändert zu haben.
»Ich war wütend«, sagt sie. »Bin ich manchmal immer noch. Aber jetzt gerade mache ich mir Sorgen um Alberic. Und um dich. Können wir uns mal darauf konzentrieren?«
»… und jetzt weiß ich, dass ich etwas tun muss, ich darf also keine Zeit verlieren, Mallory. Alberic ist schon seit Schulbeginn verschwunden.« Ich halte inne, um Luft zu holen und Mallory anzusehen, die geduldig zuhört.
»Glaubst du, Alberic ist beim Feenhofstaat?«, fragt sie. »Als mir auffiel, dass er nicht zurückgekommen ist, hab ich selber versucht nachzusehen – ich hab es bis in den Wald geschafft, aber der war echt verwuchert, und den See oder den Rest des Feenhofstaats hab ich nicht gefunden. Ich dachte, er wäre bloß vor meinen menschlichen Augen verborgen.«
»Dann bist du weiter gekommen als ich. Vielleicht nutzt die Mittagsfrau die Lichtung im Sommer für ihren eigenen Hofstaat mit eigenen Regeln, keine Ahnung. Es ist so heiß in dem Wald, und alles Mögliche krabbelt im Unterholz. Ich glaube, das sind ihre kleinen Feuergeister – die dürften jetzt doch eigentlich nicht mehr da sein, oder? Drehe ich durch, Mallory? Das ist doch nicht normal, oder? Diese wahnsinnige Hitze!«
»Nein.« Sie schaut aus dem Fenster. »Ich empfinde das zwar als nicht so schlimm wie du, aber normal ist es eindeutig nicht. Vielleicht sollten wir noch mal gemeinsam versuchen, zum Feenhofstaat zu gelangen.«
Ich schaue sie an. Sie schaut zurück.
»Willst du das echt?«
»Alberic ist verschollen.« Sie zuckt die Achseln. »Und der Sommer dauert einfach schon zu lange. Alberic ist der Sohn des Herbstes, da muss es doch einen Zusammenhang geben, oder? Also ja, ich will. Ich glaube, wir haben keine Wahl, Owl.«
»Okay«, sage ich. »Morgen dann. Wenn du dir sicher bist.«
»Ich bin mir sicher«, sagt sie.
Es ist nicht direkt wie immer. In unserem Gespräch gibt es seltsame Pausen, und manche Worte haben einen scharfen Unterton, aber mit Mallory an meiner Seite kommt mir alles erträglicher vor.
»Willst du es wirklich wagen?«, fragt Mallory am nächsten Tag mit skeptischem Blick.
»Ja«, sage ich. »Aber ich kann nicht …« Mit hämmerndem Herzen drehe ich mich zu dem Wald um, wo ich im letzten Winter noch willkommen war. Und jetzt gelange ich nicht hinein. Die Hitze quillt aus dem Unterholz, und mir klingeln die Ohren. Ich stütze mich mit den Händen auf den Knien ab, schließe die Augen und sammele mich. Wenn ich das jetzt nicht schaffe, werde ich mich zu Hause die ganze Nacht grämen, mich um Alberic sorgen und mir vorwerfen, dass ich mich mehr hätte anstrengen sollen. Wenn ich nun zu lange gewartet habe und etwas Schlimmes passiert ist? Ich hätte mir mehr Mühe geben müssen, die Verbindung zu ihm zu halten. Er hat mir im letzten Winter geholfen, alles zu verstehen, und zu der Zeit hatte er es auch nicht leicht. Wir sind beide halb Mensch, halb Feenwesen, allerdings bin ich mit meiner Mutter in der Menschenwelt aufgewachsen, während er hier beim Grafen Oktober groß geworden ist, der alles Menschliche hasst. Auch die menschliche Hälfte seines Sohns.
»Owl?« Mallorys Hand ist kühl auf meinem Rücken, und das Gras unter meinen Füßen verschwimmt, als mir heiße Tränen in die Augen steigen.
Ich blinzele und richte mich auf.
»Alles gut«, sage ich. »Gehen wir.«
»Ich gehe vor.« Sie zieht mich hinter sich.
»Mallory!«
