Beschreibung

Der neue Roman von Bestseller-Autorin Lauren Oliver ("Wenn du stirbst", "Delirium"): atemraubend und elektrisierend! --- PANIC verändert alle(s). HEATHER hatte nie vor, an dem verbotenen Spiel für Schulabgänger teilzunehmen. Denn der Gewinn ist zwar hoch, aber der Einsatz auch, und sie ist keine Kämpferin. Doch schnell wird ihr klar, dass es nur den richtigen Grund braucht, um dabei sein zu wollen. Und dass Mut auch eine Frage von Notwendigkeit ist. DODGE war sich immer sicher, dass er bei Panic mitmachen würde. Er hat keine Angst, denn es gibt ein Geheimnis, das ihn durchs Spiel pushen wird. Aber um zu gewinnen, muss man auch seine Gegner kennen.

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Für meine Lektorin Rosemary Brosnan.

Ich danke dir für deinen Rat, deine Unterstützung und vor allem für deine Freundschaft.

Ohne deine Ermutigung hätte ich dieses Buch nicht zu Ende gebracht.

Danke, dass du mir hilfst eine bessere Autorin zu werden.

SAMSTAG, 18. JUNI

HEATHER

Das Wasser war so kalt, dass es Heather den Atem raubte, als sie sich zwischen den Jugendlichen hindurchdrängte, die den Strand bevölkerten und im seichten Wasser standen, jubelnd Handtücher und selbst gebastelte Schilder schwenkten und die übrigen Springer anfeuerten.

Sie holte tief Luft und tauchte unter. Die Stimmen, Rufe und das Gelächter klangen augenblicklich gedämpft.

Nur eine Stimme begleitete sie.

Ich hab das nicht geplant.

Diese Augen; die langen Wimpern, das Muttermal unter seiner rechten Augenbraue.

Sie hat einfach etwas an sich.

Etwas an sich. Was bedeutete: Du hast das nicht.

Sie hatte vorgehabt ihm heute Abend zu sagen, dass sie ihn liebte.

Die Kälte war schneidend, eine sirrende Welle, die ihren Körper durchzuckte. Ihre Jeansshorts fühlte sich an wie mit Steinen beschwert. Glücklicherweise hatten die Jahre, in denen sie dem kleinen Fluss getrotzt und sich mit Bishop Wettrennen durch den Baggersee geliefert hatte, aus Heather Nill eine gute Schwimmerin gemacht.

Im Wasser wimmelte es von Körpern, die um sich schlugen, zappelten, planschten und herumstrampelten – die Springer und die Leute, die mitfeiern wollten, die vollständig bekleidet, mit Bierdosen und Joints in der Hand, in den Baggersee gewatet waren. Heather konnte einen fernen Rhythmus hören, ein leises Trommeln, und davon ließ sie sich durchs Wasser treiben – ohne nachzudenken, ohne Angst zu haben.

Denn darum ging es bei Panic: keine Angst zu haben.

Sie tauchte auf, um Luft zu holen, und sah, dass sie den schmalen Streifen Wasser bereits durchquert und das gegenüberliegende Ufer erreicht hatte: einen hässlichen Haufen unförmiger Felsen, die glitschig waren von schwarzem und grünem Moos, aufeinandergetürmt wie ein Berg uralter Legosteine. Zerfurcht von Ritzen und Spalten, stiegen sie in den Himmel auf und ragten über das Wasser hinaus.

Einunddreißig Leute waren bereits gesprungen – alle Heathers Freunde und ehemalige Mitschüler. Nur eine kleine Gruppe stand noch oben an der Klippe – dem gezackten Felsvorsprung, der sich am Nordufer des Baggersees gut zehn Meter in die Luft reckte wie ein riesiger Zahn, der sich durch den Boden biss.

Es war zu dunkel, um sie sehen zu können. Die Taschenlampen und das Lagerfeuer erhellten nur das Ufer, ein paar Meter des pechschwarzen Wassers und die Gesichter der Leute, die bereits gesprungen waren, die jetzt triumphierend im Wasser schaukelten und ihre Mitspieler neckten – zu glücklich, um die Kälte zu bemerken. Der obere Teil der Klippe war eine schwarze Masse, wo die Bäume bis zum Felsen vordrangen oder der Fels langsam in den Wald gezogen wurde, das war schwer zu sagen.

Aber Heather wusste, wer sie waren. Alle Teilnehmer mussten ihren Namen nennen, sobald sie oben auf der Klippe ankamen, und dann wiederholte Diggin Rodgers, der diesjährige Kommentator, die Namen in sein Megafon, das er von seinem älteren Bruder, einem Polizisten, geliehen hatte.

Drei Leute mussten noch springen: Merl Tracey, Derek Klieg und Natalie Velez. Nat.

Heathers beste Freundin.

Heather verkeilte ihre Finger in einer Felsspalte und zog sich hoch. Vorhin und in früheren Jahren hatte sie all die anderen Spieler wie riesige, durchnässte Insekten über die Felsen krabbeln sehen. Jedes Jahr versuchten alle als Erste zu springen, obwohl es dafür keine Bonuspunkte gab. Es war eine Frage der Ehre.

Sie stieß sich das Knie heftig an einem scharfen Felsvorsprung. Als sie hinunterblickte, sah sie ein dünnes Rinnsal Blut über ihre Kniescheibe laufen. Komischerweise verspürte sie keinen Schmerz. Und obwohl alle immer noch jubelten und schrien, klang alles ganz weit weg.

Matts Worte übertönten die Stimmen.

Das mit uns funktioniert einfach nicht.

Sie hat etwas an sich.

Wir können doch Freunde bleiben.

Die Luft war kühl. Der Wind hatte aufgefrischt, pfiff zwischen den alten Bäumen hindurch, sandte ein tiefes Ächzen aus dem Wald – aber Heather war nicht mehr kalt. Das Herz schlug ihr bis zum Hals. Sie fand einen weiteren Halt im Fels, stemmte die Beine auf das glitschige Moos, hob und schob sich aufwärts, wie sie es jeden Sommer seit der achten Klasse bei den Spielern beobachtet hatte.

Undeutlich nahm sie Diggins vom Megafon verzerrte Stimme wahr.

»Spät im Spiel … hier kommt ein Nachzügler …«

Aber die Hälfte seiner Worte wurde vom Wind verweht.

Auf, auf, auf – den Schmerz in den Fingern und Beinen ignorierend versuchte Heather sich auf der linken Seite der Klippe zu halten, wo die Steine so ineinander verkeilt waren, dass sie einen breiten, herausragenden Felsvorsprung bildeten, den man leicht erklimmen konnte.

Plötzlich schoss ein dunkler Umriss, ein Mensch, an ihr vorbei. Beinahe wäre sie abgerutscht. Im letzten Moment schob sie die Füße tiefer in den schmalen Absatz hinein und krallte sich mit den Fingern fest, um wieder Halt zu finden. Lauter Jubel ertönte und Heathers erster Gedanke war: Natalie.

Aber dann rief Diggin mit dröhnender Stimme: »Und er ist dabei, meine Damen und Herren! Merl Tracey, unser zweiunddreißigster Spieler, ist dabei!«

Jetzt war sie beinahe oben. Sie riskierte einen Blick über die Schulter und sah einen steilen Abhang aus gezacktem Fels und das Wasser, das sich am Fuß der Klippe brach. Es schien plötzlich eine Million Kilometer entfernt zu sein.

Einen Augenblick hob sich der Nebel in ihrem Kopf, die Wut und die Kränkung wurden weggeweht und sie wollte wieder hinunterklettern, zurück in die Sicherheit des Strandes, an dem Bishop wartete. Sie könnten zu Dot’s gehen, auf eine nächtliche Portion Waffeln mit Extra-Butter und -Sahne. Sie könnten mit heruntergekurbelten Fenstern durch die Gegend fahren und auf das zunehmende Zirpen der Grillen lauschen oder nebeneinander auf der Motorhaube seines Autos sitzen und über gar nichts reden.

Aber es war zu spät. Matts flüsternde Stimme kehrte zurück und sie kletterte weiter.

Niemand weiß, wer Panic erfunden hat oder wann es zum ersten Mal stattfand.

Es gibt verschiedene Theorien. Einige machen die Schließung der Papierfabrik dafür verantwortlich, durch die vierzig Prozent der erwachsenen Bevölkerung in Carp, New York, über Nacht arbeitslos wurden. Auch Mike Dickinson, der berüchtigt dafür ist, dass er am selben Tag, an dem man ihn zum Abschlussballkönig ernannte, wegen Dealerei verhaftet wurde, und der jetzt in einer Autowerkstatt an der Route 22 Bremsbeläge wechselt, beansprucht den Ruhm gerne für sich; deshalb geht er sieben Jahre nach seinem Schulabschluss auch immer noch zum Eröffnungssprung.

Allerdings stimmt keine dieser Geschichten. Panic begann wie so viele andere Dinge in Carp, einer armen Stadt mit zwölftausend Einwohnern mitten im Nichts: weil Sommer war und es nichts Besseres zu tun gab.

Die Regeln sind einfach. Am Tag nach dem Schulabschluss findet der Eröffnungssprung statt und das Spiel erstreckt sich anschließend über den ganzen Sommer. Nach der letzten Runde bekommt der Gewinner den Jackpot.

Jeder Schüler an der Highschool von Carp zahlt in den Topf ein, es gibt keine Ausnahmen. Die Gebühr beträgt einen Dollar pro Schultag von September bis Juni. Wer sich weigert das Geld abzudrücken, erhält Erinnerungen, die von sanft bis überzeugend reichen: zerstörtes Schließfach, zerschmetterte Scheiben, zerschmettertes Gesicht.

Das ist nur gerecht. Jeder, der mitspielen will, hat die Chance zu gewinnen. Das ist eine weitere Regel: Alle Schulabgänger, und nur die, dürfen mitmachen und müssen ihre Teilnahme durch den Sprung, die erste Runde, bekannt geben. Manchmal sind bis zu vierzig Leute dabei.

Es gibt immer nur einen Gewinner.

Zwei Punktrichter planen das Spiel, bestimmen die Aufgaben, erteilen Anweisungen, geben und entziehen Punkte. Sie werden unter größter Geheimhaltung von den Punktrichtern des Vorjahres ausgewählt. Niemand in der gesamten Geschichte von Panic hat je zugegeben einer zu sein.

Es gab natürlich immer wieder Vermutungen – Gerüchte und Spekulationen. Carp ist eine Kleinstadt und die Punktrichter werden bezahlt. Wie konnte Myra Campbell, die in der Schulmensa immer eine zusätzliche Portion stahl, weil es zu Hause nichts zu essen gab, sich plötzlich den gebrauchten Honda leisten? Sie sagte, ihr Onkel sei gestorben. Aber niemand hatte je von Myras Onkel gehört – eigentlich hatte niemand je auch nur einen Gedanken an Myra verschwendet, bis sie rauchend und mit heruntergekurbelten Scheiben vorgefahren kam und die Sonne so hell auf die Windschutzscheibe schien, dass sie das Lächeln in Myras Gesicht fast völlig verdeckte.

Zwei Punktrichter, die zusammenarbeiten, heimlich ausgewählt, zur Heimlichkeit verpflichtet. So muss es sein. Sonst würden sie das Ziel von Bestechungsversuchen und möglicherweise auch Drohungen. Deshalb gibt es zwei – um sicherzugehen, dass die Dinge im Gleichgewicht bleiben, um zu verhindern, dass einer betrügt und Informationen weitergibt, Hinweise verrät.

Wenn die Spieler wissen, was sie erwartet, können sie sich vorbereiten. Und das wäre nicht gerecht.

Denn es ist vor allem das Unerwartete, das Nichtwissen, das sie langsam weichkocht und einen nach dem anderen ausscheiden lässt.

Der Jackpot beläuft sich normalerweise nach Abzug der Kosten und nachdem sich die Punktrichter – wer immer sie sind – ihren Anteil genommen haben, auf gut 50000 Dollar. Tommy O’Hare schnappte sich vor einigen Jahren seinen Gewinn, kaufte beim Pfandleiher zwei Sachen, von denen eine ein zitronengelber Ford war, fuhr direkt nach Vegas und setzte alles auf Schwarz.

Lauren Davis kaufte sich neue Zähne und ein neues Paar Titten und zog nach New York. Zum übernächsten Weihnachtsfest kehrte sie nach Carp zurück, blieb gerade lang genug, um mit einer neuen Handtasche und einer noch neueren Nase anzugeben, und verzog sich dann wieder in die Stadt. Gerüchte wurden angeschwemmt: Sie ginge mit dem ehemaligen Produzenten irgendeiner Reality-Diät-Show; sie sei Model für Victoria’s Secret geworden, obwohl sie nie jemand in einem Katalog gesehen hat. (Und viele der Jungen haben nachgeschaut.)

Conrad Spurlock stieg in die Herstellung von Methamphetaminen ein – das Geschäftsmodell seines Vaters – und steckte das Geld in einen neuen Schuppen in der Mallory Road, nachdem ihr altes Haus bis auf die Grundmauern abgebrannt war. Sean McManus dagegen ging mit dem Geld aufs College; er will Arzt werden.

In den sieben Jahren des Spiels gab es drei Todesfälle – vier, wenn man Tommy O’Hare mitzählt, der sich mit der zweiten Sache, die er beim Pfandleiher gekauft hatte, erschoss, nachdem die Kugel auf Rot gelandet war.

Seht ihr? Sogar der Gewinner bei Panic hat vor irgendetwas Angst.

Also: zurück zum Tag nach dem Schulabschluss, dem ersten Tag von Panic, dem Tag des Sprungs.

Spulen wir zum Strand zurück, stoppen aber ein paar Stunden, bevor Heather plötzlich wie versteinert auf der Klippe stand und Angst hatte zu springen.

Drehen wir die Kamera ein kleines Stück. Wir sind noch nicht ganz da. Aber fast.

DODGE

Niemand von den Leuten am Strand feuerte Dodge Mason an – niemand würde ihn je anfeuern, egal wie weit er es schaffte.

Es spielte keine Rolle. Das Einzige, was zählte, war der Sieg.

Und Dodge hatte ein Geheimnis – er wusste etwas über Panic, wusste wahrscheinlich mehr darüber als irgendjemand sonst am Strand.

Eigentlich hatte er sogar zwei Geheimnisse.

Dodge mochte Geheimnisse. Sie beflügelten ihn, verliehen ihm ein Gefühl der Macht. Als er klein war, hatte er sich sogar vorgestellt, er hätte eine eigene geheime Welt, einen privaten Schattenort, wo er sich zusammenrollen und verstecken konnte. Selbst jetzt – an Daynas schlechten Tagen, wenn der Schmerz sie wieder überrollte und sie anfing zu weinen, wenn seine Mutter die Wohnung mit Febreze einsprühte und ihren neuesten Scheiß-Lover einlud und Dodge spät in der Nacht das Bettgestell gegen die Wand knallen hörte, was sich jedes Mal anfühlte wie ein Schlag in die Magengrube – dachte er daran, an diesem dunklen, kühlen und privaten Ort zu versinken.

Alle in der Schule hielten ihn für ein Weichei. Das wusste er. Er sah auch aus wie ein Weichei. Er war schon immer groß und dürr gewesen – überall Ecken und Kanten, sagte seine Mutter, genau wie sein Vater. Soweit er wusste, waren die Kanten – und die dunkle Haut – das Einzige, was er mit seinem Vater gemeinsam hatte, einem dominikanischen Dachdecker, mit dem seine Mutter damals in Miami eine heiße Sekunde verbracht hatte. Dodge vergaß immer wieder seinen Namen. Roberto. Oder Rodrigo. Oder irgend so ein Mist.

Damals, als sie gerade frisch in Carp hängengeblieben waren (so nannte er es immer, hängenbleiben – Dayna, er und seine Mutter waren wie leere Plastiktüten, die von vereinzelten Windböen durchs Land getrieben wurden und sich an einem Telefonmast verhakten oder unter den Reifen irgendeines Sattelschleppers stecken blieben, wo sie eine Weile festsaßen), war er dreimal verprügelt worden: einmal von Greg O’Hare, dann von Zev Keller und schließlich noch mal von Greg O’Hare, der nur sichergehen wollte, dass Dodge die Regeln verstanden hatte. Und Dodge hatte nicht einmal zurückgeschlagen.

Er hatte schon Schlimmeres erlebt.

Und das war Dodges zweites Geheimnis und die Quelle seiner Macht.

Er hatte keine Angst. Es war ihm einfach egal.

Und das war etwas völlig anderes.

Der Himmel war mit roten, lila und orangefarbenen Streifen durchzogen. Es erinnerte Dodge an einen riesigen Bluterguss oder an ein Bild vom Inneren eines Körpers. Erst in einer Stunde würde die Sonne untergehen und erst dann würde die Höhe des Jackpots verkündet und anschließend der Sprung angesagt werden.

Dodge machte sich ein Bier auf. Sein erstes und einziges. Er wollte nicht betrunken werden und brauchte es auch nicht. Aber es war ein heißer Tag gewesen und er war direkt vom Baumarkt hierhergekommen und hatte Durst.

Langsam versammelte sich die Menge. Gelegentlich hörte Dodge das gedämpfte Geräusch einer zuschlagenden Autotür, einen gerufenen Gruß aus dem Wald, das ferne Dröhnen von Musik. Die Whippoorwill Road war knapp fünfhundert Meter entfernt; die Leute tauchten nach und nach auf dem Pfad auf, kämpften sich durch dichtes Unterholz, schlugen herunterhängendes Moos und Schlingpflanzenranken zur Seite, schleppten Kühltaschen, Decken, Flaschen und iPod-Lautsprecher und ließen sich auf einem Fleckchen Sand nieder.

Die Schule war aus – endgültig, für immer. Er atmete tief durch. Von all den Orten, an denen er schon gelebt hatte – Chicago, Washington, Dallas, Richmond, Ohio, Rhode Island, Oklahoma, New Orleans –, roch es im Bundesstaat New York am besten. Nach Wachstum und Wandel, nach Dingen, die sich veränderten und zu anderen Dingen wurden.

Ray Hanrahan und seine Freunde waren als Erste gekommen. Das war nicht weiter überraschend. Obwohl die Teilnehmer offiziell erst beim Sprung verkündet wurden, prahlte Ray schon seit Monaten damit, dass er den Jackpot gewinnen würde, genau wie sein Bruder Luke vor zwei Jahren.

Der hatte in der letzten Runde von Panic nur knapp gewonnen. Luke war mit fünfzig Riesen in der Tasche nach Hause gegangen. Die andere Fahrerin war nirgendwohin gegangen. Den Ärzten zufolge würde sie überhaupt nie wieder gehen können.

Dodge spielte mit einer Münze in seiner Handfläche, ließ sie verschwinden und dann mühelos zwischen den Fingern wieder auftauchen. In der vierten Klasse hatte ihm der Freund seiner Mutter – er konnte sich nicht mehr erinnern, welcher – ein Buch mit Zaubertricks gekauft. In dem Jahr hatten sie in Oklahoma gewohnt, einem Drecksloch in einer flachen Senke mitten in den Staaten, wo die Sonne die Erde zu Staub versengte und das Gras grau werden ließ, und er hatte einen ganzen Sommer damit zugebracht zu lernen, wie man jemandem Münzen aus dem Ohr zaubert und ihm so schnell eine Karte in die Tasche steckt, dass er es nicht merkt.

Damit angefangen hatte er zum reinen Zeitvertreib, aber dann war es geradezu eine Obsession geworden. Es hatte etwas Elegantes an sich: wie Leute sahen, ohne zu sehen, wie der Verstand das ergänzte, was er erwartete, wie einen die Augen in die Irre führen konnten.

Er wusste, dass auch Panic ein gigantischer Zaubertrick war. Die Punktrichter waren die Zauberer; der Rest nur das dämliche, staunende Publikum.

Als Nächstes kam Mike Dickinson mit zwei Freunden, die alle sichtbar betrunken waren. Dicks Haare wurden langsam dünner und man sah seine Kopfhaut durchscheinen, als er sich bückte, um seine Kühltasche am Strand abzustellen. Seine Freunde trugen einen halb zerfallenen Bademeisterstuhl zwischen sich: den Thron, auf dem Diggin, der Kommentator, während der Veranstaltung sitzen würde.

Dodge hörte ein hohes Sirren. Ohne nachzudenken, schlug er zu und erwischte die Mücke, als sie gerade anfing zu saugen, wobei er einen kleinen schwarzen Schmierfleck auf seiner nackten Wade hinterließ. Er hasste Mücken. Spinnen auch, dabei mochte er andere Insekten, fand sie faszinierend. Eigentlich fast wie Menschen – beschränkt und manchmal aggressiv, von ihren Bedürfnissen geblendet.

Der Himmel verdunkelte sich; das Licht verblasste und damit auch die Farben, die in einem Strudel hinter der Linie aus Baumkronen jenseits der Klippe verschwanden, als hätte jemand den Stöpsel gezogen.

Die Nächste, die zum Strand kam, war Heather Nill, gefolgt von Nat Velez und schließlich Bishop Marks, der zufrieden hinter den beiden hertrottete wie ein großer Schäferhund. Sogar aus der Entfernung erkannte Dodge, dass die beiden Mädchen nervös waren. Heather hatte irgendwas mit ihren Haaren gemacht. Er wusste nicht genau, was, aber sie waren nicht zu ihrem üblichen Pferdeschwanz gebunden und sahen so aus, als hätte sie sie vielleicht geglättet. Und er war sich nicht sicher, aber er hatte den Eindruck, dass sie geschminkt war.

Er überlegte, ob er aufstehen und rübergehen sollte, um sie zu begrüßen. Heather war in Ordnung. Es gefiel ihm, dass sie so groß war und auf ihre Art auch zäh. Er mochte ihre breiten Schultern und ihren aufrechten Gang, obwohl er sich sicher war, dass sie lieber ein paar Zentimeter kleiner gewesen wäre – das erkannte er daran, dass sie immer nur flache Schuhe und ausgelatschte Sneakers trug.

Aber wenn er aufstand, musste er auch mit Natalie reden – und allein schon Natalie über den Strand hinweg zu sehen verursachte ihm ein flaues Gefühl im Magen, als wäre er getreten worden. Nat war nicht direkt gemein zu ihm – nicht wie einige der anderen an der Schule –, aber sie war auch nicht wirklich nett und das machte ihm mehr aus als alles andere. Sie lächelte normalerweise abwesend, wenn sie sah, wie er sich mit Heather unterhielt, und wenn ihr Blick über ihn hinwegging, durch ihn hindurch, wusste er, dass sie ihn niemals richtig ansehen würde. Einmal, beim Freudenfeuer zum Schulfest, hatte sie ihn sogar Dave genannt.

Er war nur hingegangen, weil er gehofft hatte, sie dort zu treffen. Und dann hatte er sie in der Menge entdeckt; er war auf sie zugegangen, berauscht vom Lärm, der Hitze und dem Schluck Whiskey, den er auf dem Parkplatz getrunken hatte, und wollte zum ersten Mal mit ihr reden, richtig reden. Gerade als er die Hand ausgestreckt hatte, um sie am Ellbogen zu berühren, war sie einen Schritt zurückgetreten, auf seinen Fuß.

»Ups! Entschuldige, Dave«, hatte sie kichernd gesagt. Ihr Atem roch nach Vanille und Wodka. Der Magen drehte sich ihm um und er hatte direkt auf seine Schuhe gekotzt.

Von den 150 Schülern, die in der neunten Klasse an der Highschool von Carp angefangen hatten, waren nur noch 107 in der Abschlussklasse. Und sie kannte noch nicht einmal seinen Namen.

Also blieb er, wo er war, grub seine Zehen in den Sand und wartete auf die Dunkelheit, wartete darauf, dass der Pfiff ertönte und das Spiel begann.

Er würde Panic gewinnen.

Er tat es für Dayna.

Er tat es aus Rache.

HEATHER

»Test, Test. Eins, zwei, drei.« Das war Diggin, der das Megafon ausprobierte.

Der alte Steinbruch hinter der Whippoorwill Road, der seit Ende des 19. Jahrhunderts außer Betrieb war, war in den Fünfzigerjahren geflutet worden, um einen Baggersee zu schaffen. Am Südufer lag der Strand: ein schmaler Streifen aus Sand und Stein, eigentlich nach Einbruch der Dunkelheit verbotenes Gelände, aber selten vorher genutzt; eine Müllhalde voller Zigarettenkippen, zerdrückter Bierdosen, leerer Gefrierbeutel und manchmal widerlicherweise auch Kondome, die schlaff auf dem Boden verstreut lagen wie röhrenförmige Quallen. Heute war der Strand brechend voll – dicht belegt mit Decken und Strandstühlen, die Luft schwer vom Geruch nach Mückenspray und Alk.

Heather schloss die Augen und atmete tief ein. Dies war der Geruch von Panic – der Geruch des Sommers. Am Wasser gab es plötzlich eine Explosion aus Farbe und Klang, kreischendes Gelächter. Feuerwerkskörper. Im kurzen Aufleuchten des roten und grünen Lichts sah Heather, wie sich Kaitlin Frost und Shayna Lambert vor Lachen krümmten, während Patrick Culbert versuchte noch ein paar Raketen zu zünden.

Es war seltsam. Erst gestern war die Abschlussfeier gewesen – Heather hatte die Zeremonie geschwänzt, da Krista, ihre Mutter, nicht auftauchen würde und es keinen Zweck hatte, so zu tun, als wäre es eine Glanzleistung, sich vier Jahre lang durch Pflichtstunden treiben zu lassen. Aber sie hatte das Gefühl, als wäre sie schon Lichtjahre von der Highschool entfernt, als wäre alles ein langer Traum, an den sie sich nicht mehr erinnern konnte. Vielleicht lag es daran, dass Menschen sich nicht veränderten, dachte sie. All diese Tage waren einfach ineinander verschwommen und würden jetzt von der Vergangenheit aufgesaugt werden.

In Carp geschah nie etwas. Es gab keine Überraschungen.

Diggins Stimme hallte über die Menge.

»Meine Damen und Herren, hiermit verkünde ich: Die Schule ist aus, es sind Sommerferien.«

Es ging los. Alle jubelten. Ein weiteres Pang-pang-pang ertönte, eine Salve Feuerwerkskörper. Sie waren mitten im Wald, über fünf Kilometer vom nächsten Haus entfernt, und konnten so viel Lärm machen, wie sie wollten.

Sie konnten schreien. Niemand würde sie hören.

Heather wusste, dass Nat bestimmt wahnsinnig nervös war. Sie wusste, dass sie ihr irgendwie Mut machen sollte – Heather und Bishop waren wegen Natalie hier, um ihr moralische Unterstützung zu bieten. Bishop hatte sogar ein Plakat gebastelt: Los, Nat, hatte er darauf geschrieben. Neben die Worte hatte er ein riesiges Strichmännchen gemalt, das auf einem Haufen Geld stand – Natalie konnte erkennen, dass sie das sein sollte, weil das Strichmännchen ein rosa Sweatshirt trug.

»Wieso hat Nat keine Hose an?«, hatte Heather gefragt.

»Vielleicht hat sie die beim Sprung verloren«, sagte Bishop. Er drehte sich grinsend zu Nat um. Immer wenn er so lächelte, veränderte sich die Farbe seiner Augen von sirupbraun zu honigfarben. »Ich konnte noch nie gut zeichnen.«

Heather sprach nicht gerne in Bishops Anwesenheit über Matt. Sie konnte es nicht ertragen, wie er die Augen verdrehte, wenn sie ihn erwähnte, als hätte sie im Radio gerade einen miesen Pop-Sender eingestellt. Aber schließlich konnte sie nicht länger an sich halten. »Er ist immer noch nicht da.« Heather sprach leise, damit nur Nat sie hörte. »Tut mir leid, Nat. Ich weiß, das ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt – ich meine, wir sind ja schließlich deinetwegen hier …«

»Schon okay.« Nat nahm Heathers Hand zwischen ihre Hände und drückte sie. Sie verzog das Gesicht – als hätte jemand sie gerade gezwungen ein Glas Limonenwasser auf ex zu trinken. »Hör zu. Matt hat dich nicht verdient. Okay? Du kannst jemand Besseren kriegen.«

Heather lachte kurz auf. »Du bist meine beste Freundin, Nat«, sagte sie. »Lüg mich nicht an.«

Nat schüttelte den Kopf. »Er kommt bestimmt gleich. Das Spiel fängt jeden Moment an.«

Heather warf erneut einen Blick auf ihr Handy, zum tausendsten Mal. Nichts. Sie hatte es schon mehrmals aus- und wieder eingeschaltet, nur um sicherzugehen, dass es auch funktionierte.

Diggins Stimme dröhnte erneut: »Die Regeln von Panic sind einfach. Jeder kann mitmachen. Aber nur einer wird gewinnen.«

Diggin verkündete die Höhe des Jackpots.

67000 Dollar.

Heather hatte das Gefühl, als hätte sie einen Schlag in die Magengrube erhalten. 67000 Dollar. Das musste der größte Jackpot aller Zeiten sein. Die Menge begann zu summen – die Zahl durchfuhr sie wie elektrischer Strom und sprang von Mund zu Mund. Scheiße, Mann, da muss man ja verrückt sein, wenn man nicht mitspielt. Nat sah aus, als hätte sie gerade einen riesigen Löffel Eiscreme gegessen.

Diggin machte weiter, ohne sich um den Lärm zu kümmern, und erklärte die Regeln – ein halbes Dutzend Aufgaben über den ganzen Sommer verteilt, die unter strengster Geheimhaltung stattfanden; nach jeder Runde schieden Mitspieler aus; Einzelprüfungen für die Teilnehmer, die über die Halbzeit hinauskamen –, aber niemand hörte ihm zu. Es war die gleiche Rede wie immer. Heather hatte seit der achten Klasse bei Panic zugesehen. Sie hätte die Rede auch selbst halten können.

Diese Zahl – 67000 – wickelte sich um ihr Herz und drückte zu. Unwillkürlich musste sie an alles denken, was sie mit dem Geld anfangen könnte; sie dachte daran, wie weit weg sie damit kommen könnte, was sie sich davon kaufen könnte, wie lange sie davon leben könnte. Wie viele Kilometer sie zwischen sich und Carp bringen könnte.

Aber nein. Sie konnte Matt nicht verlassen. Matt hatte gesagt, er liebe sie. Er war ihr Plan. Der Druck um ihr Herz ließ etwas nach und sie stellte fest, dass sie wieder Luft bekam.

Neben Heather schälte sich Natalie jetzt aus ihrer Jeansshorts und streifte die Schuhe ab. »Ist das nicht irre?«, sagte sie. Sie zog ihr T-Shirt aus und fröstelte im Wind. Was Heather irre fand, war, dass Nat auf diesem albernen Bikini bestanden hatte, der sich verabschieden würde, sobald sie auf dem Wasser aufkam. Natalie hatte bloß gelacht. Vielleicht würde ihr das Bonuspunkte einbringen, hatte sie gescherzt.

So war Natalie: stur. Und eitel. Heather konnte immer noch nicht verstehen, warum sie überhaupt beschlossen hatte mitzuspielen. Nat hatte vor allem Angst.

Irgendjemand – wahrscheinlich Billy Wallace – pfiff laut. »Netter Arsch, Velez.«

Nat ignorierte ihn, aber Heather sah, dass sie es gehört hatte und nur so tat, als freute sie sich nicht darüber. Heather fragte sich, was Billy Wallace wohl sagen würde, wenn sie selbst so einen Stofffetzen an ihrem Hintern trüge. Boh. Guckt euch das Riesenteil an! Brauchst du eine Erlaubnis, um das mit dir rumzuschleppen, Heather?

Aber Matt liebte sie. Matt fand sie hübsch.

Der Lärm am Strand schwoll zu einem Dröhnen an: Rufe und Schreie, Leute, die selbst gebastelte Transparente und Fahnen schwenkten, Feuerwerkskörper, die wie knatternde Gewehrschüsse explodierten, und sie wusste, jetzt war es so weit. Der Pfiff würde erklingen.

Gleich fing Panic an.

Genau in diesem Moment sah Heather ihn. Die Menge teilte sich für einen Moment; sie konnte sehen, wie er sich lächelnd mit jemandem unterhielt; dann verschob sich die Menge wieder und sie verlor ihn aus den Augen. »Er ist da. Nat, er ist da.«

»Was?« Nat achtete nicht mehr auf sie.

Heather blieben die Worte im Hals stecken. Denn die Menge hatte sich wieder geöffnet, gerade als sie auf ihn zugehen wollte, wie von einem Magneten angezogen – voller Erleichterung über die Chance, die Dinge in Ordnung zu bringen, die Chance, einmal etwas richtig zu machen –, und in diesem Augenblick hatte sie gesehen, dass er mit Delaney O’Brien sprach.

Nicht nur sprach. Flüsterte.

Und dann: ein Kuss.

Der Pfiff ertönte – schrill und durchdringend in der plötzlichen Stille, wie der Schrei eines seltsamen Vogels.

Heather erreichte die Oberkante der Klippe in dem Moment, als Derek Klieg Anlauf nahm und absprang, schreiend und mit verdrehtem Körper. Kurz darauf ertönte Jubel, als er aufkam.

Natalie kauerte mit bleichem Gesicht ein Stück von der Kante entfernt; einen Moment hatte Heather den Eindruck, sie zählen zu hören. Dann drehte sich Nat um und blinzelte mehrmals, als versuchte sie Heathers Gesicht klar zu sehen. Sie öffnete den Mund und schloss ihn wieder.

Heathers Herz hämmerte ihr heftig bis zum Hals. »Hey, Nat«, sagte sie, gerade als ihre Freundin sich aufrichtete.

»Was willst du denn hier?«, stieß Natalie hervor.

Jetzt nahm Heather auf einmal alles gleichzeitig wahr: den Schmerz in ihren Händen und Schenkeln, den Krampf in ihren Fingern, den schneidenden Wind. Natalie sah wütend aus. Sie zitterte, obwohl das auch an der Kälte liegen konnte.

»Ich werde springen«, sagte Heather. Als sie es aussprach, wurde ihr bewusst, wie dumm es klang – wie dumm es war. Plötzlich hatte sie das Gefühl, sich übergeben zu müssen.

Ich werde dich anfeuern, hatte Heather zu Natalie gesagt. Das Schuldgefühl dröhnte neben der Übelkeit. Aber Matts Stimme übertönte alles. Matts Stimme und dahinter eine Vision der Wasserflecken über ihrem Bett; das dumpfe Hämmern der Musik in der Siedlung; der Geruch nach Zigaretten und Gras; das Geräusch von Gelächter und später jemand, der schrie: Du elendes Mist…

»Du kannst nicht springen«, sagte Nat, die sie immer noch anstarrte. »Ich springe.«

»Wir springen zusammen«, sagte Heather.

Natalie trat zwei Schritte vor. Heather bemerkte, dass sie fast rhythmisch die Fäuste ballte. Ballen, lösen. Ballen, lösen. Drei Mal.

»Warum tust du das?« Die Frage war nicht mehr als ein Flüstern.

Heather konnte nicht antworten. Sie wusste es selbst nicht genau. Alles, was sie wusste – alles, was sie fühlte –, war, dass dies ihre letzte Chance war.

Deshalb sagte sie nur: »Ich springe jetzt. Bevor ich kneife.«

Sie drehte sich zum Wasser um und Natalie streckte die Hand aus, als wollte sie Heather zurückhalten. Aber sie tat es nicht.

Heather hatte das Gefühl, als bewegte sich der Fels unter ihr, als bäumte er sich auf wie ein Pferd. Sie hatte plötzlich Angst, sie würde das Gleichgewicht verlieren, den felsigen Abhang hinunterstürzen und sich im flachen Wasser den Schädel zertrümmern.

Panik.

Sie machte kleine, zögernde Schritte und dennoch erreichte sie die Kante viel zu schnell.

»Sag, wie du heißt!«, rief Diggin mit dröhnender Stimme.

Unter Heather war das Wasser, das so schwarz wirkte wie Öl, immer noch aufgewühlt von all den Körpern. Sie wollte hinunterrufen – aus dem Weg, sonst springe ich auf euch –, aber sie konnte nicht sprechen. Sie konnte kaum atmen. Ihre Lunge fühlte sich an, als würde sie zwischen zwei Steinen zerquetscht.

Und plötzlich konnte sie an nichts anderes denken als an Chris Heinz, der vor vier Jahren einen Dreiviertelliter Wodka vor dem Sprung getrunken hatte und gestolpert war. Das Geräusch, das sein Kopf gemacht hatte, als er gegen den Felsen schlug, war ganz zart gewesen, fast wie ein zerbrechendes Ei. Sie wusste noch, wie alle durch den Wald gerannt waren; erinnerte sich an den Anblick seines Körpers, der gebrochen und schlaff halb unter Wasser lag.

»Nenn deinen Namen!«, forderte Diggin sie erneut auf und die Menge skandierte: Name, Name, Name.

Sie klappte den Mund auf. »Heather«, krächzte sie. »Heather Nill.« Ihre Stimme brach, wurde vom Wind verweht.

Der Sprechgesang dauerte an: Name, Name, Name, Name. Dann: Spring, spring, spring, spring.

Ihr Inneres war weiß, mit Schnee angefüllt. Sie hatte einen leichten Geschmack nach Erbrochenem im Mund. Sie holte tief Luft und schloss die Augen.

Sie sprang.

SAMSTAG, 25. JUNI

HEATHER

Heather hatte noch nie etwas so bereut wie ihre Entscheidung am Strand, bei dem Spiel mitzumachen. An den folgenden Tagen kam es ihr wie Wahnsinn vor. Vielleicht hatte sie am Strand zu viele Alkoholdämpfe eingeatmet. Vielleicht hatte sie beim Anblick von Matt mit Delaney eine vorübergehende Psychose erlitten. So etwas kam schließlich vor, oder nicht? Bauten nicht ganze Verteidigungsplädoyers vor Gericht auf solchen Sachen auf, wenn Leute verrückt wurden und ihre Exfrauen mit einer Axt in Stücke hackten?

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