Parker gibt dem "Grizzly" Zunder - Günter Dönges - E-Book

Parker gibt dem "Grizzly" Zunder E-Book

Günter Dönges

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Beschreibung

Butler Parker ist ein Detektiv mit Witz, Charme und Stil. Er wird von Verbrechern gerne unterschätzt und das hat meist unangenehme Folgen. Der Regenschirm ist sein Markenzeichen, mit dem auch seine Gegner öfters mal Bekanntschaft machen. Diese Krimis haben eine besondere Art ihre Leser zu unterhalten. Butler Parker ist seinen Gegnern, den übelsten Ganoven, auch geistig meilenweit überlegen. In seiner auffallend unscheinbaren Tarnung löst er jeden Fall. Bravourös, brillant, effektiv – spannendere und zugleich humorvollere Krimis gibt es nicht! »Wenn Sie erlauben, Miß Porter, möchte ich meiner Verwunderung und Bestürzung andeutungsweise Ausdruck verleihen«, sagte Josuah Parker, nachdem er die Haustür geöffnet hatte. Die Gesellschafterin und Sekretärin der Lady Agatha Simpson bot einen beklagenswerten Anblick. Die modische Jacke war an der linken Schulter tief eingerissen, die Bluse wurde mehr als notdürftig von einigen Sicherheitsnadeln gehalten. Zudem schien Kathy Porter auch ihren rechten Schuh verloren zu haben. »Was ich eben erlebt habe, ist kaum zu glauben«, erwiderte die junge Dame und wandte sich zur Durchgangsstraße zurück. »So etwas ist mir noch nie passiert, Mr. Parker.« »Sie sollten vielleicht erst mal eine kleine Erfrischung zu sich nehmen«, schlug Josuah Parker vor. Er ließ Kathy Porter eintreten, schloß die Tür und führte sie dann in die große Wohnhalle des Fachwerkhauses. Die dreißigjährige Kathy Porter, groß, schlank und sehr attraktiv aussehend, fuhr sich durch das kastanienbraune Haar und ging unruhig auf und ab, während der Butler die Erfrischung besorgte. Er kehrte mit einem ovalen Silbertablett zurück und reichte ihr einen Brandy. »Vielen Dank, Mr. Parker«, sagte sie, »genau so etwas brauche ich jetzt.« »Kann und muß man davon ausgehen, Miß Porter, daß Ihnen Ungemach widerfuhr?« fragte Parker. Er war ein etwas über mittelgroßer, fast schlanker Mann undefinierbaren Alters, das Urbild eines hochherrschaftlichen Butlers.

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Seitenzahl: 142

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Butler Parker – 181 –Parker gibt dem "Grizzly" Zunder

Günter Dönges

»Wenn Sie erlauben, Miß Porter, möchte ich meiner Verwunderung und Bestürzung andeutungsweise Ausdruck verleihen«, sagte Josuah Parker, nachdem er die Haustür geöffnet hatte. Die Gesellschafterin und Sekretärin der Lady Agatha Simpson bot einen beklagenswerten Anblick. Die modische Jacke war an der linken Schulter tief eingerissen, die Bluse wurde mehr als notdürftig von einigen Sicherheitsnadeln gehalten. Zudem schien Kathy Porter auch ihren rechten Schuh verloren zu haben.

»Was ich eben erlebt habe, ist kaum zu glauben«, erwiderte die junge Dame und wandte sich zur Durchgangsstraße zurück. »So etwas ist mir noch nie passiert, Mr. Parker.«

»Sie sollten vielleicht erst mal eine kleine Erfrischung zu sich nehmen«, schlug Josuah Parker vor. Er ließ Kathy Porter eintreten, schloß die Tür und führte sie dann in die große Wohnhalle des Fachwerkhauses. Die dreißigjährige Kathy Porter, groß, schlank und sehr attraktiv aussehend, fuhr sich durch das kastanienbraune Haar und ging unruhig auf und ab, während der Butler die Erfrischung besorgte. Er kehrte mit einem ovalen Silbertablett zurück und reichte ihr einen Brandy.

»Vielen Dank, Mr. Parker«, sagte sie, »genau so etwas brauche ich jetzt.«

»Kann und muß man davon ausgehen, Miß Porter, daß Ihnen Ungemach widerfuhr?« fragte Parker. Er war ein etwas über mittelgroßer, fast schlanker Mann undefinierbaren Alters, das Urbild eines hochherrschaftlichen Butlers.

»Ich bin regelrecht angefallen worden«, beantwortete Kathy Porter die Frage, »und das am hellen Tag. Glauben Sie, daß mir auch nur ein einziger Mensch beigestanden hätte?«

»Sie sollten die Angst der Menschen nicht unterschätzen, Miß Porter«, erwiderte Parker gemessen und höflich, »sind Sie möglicherweise jetzt und hier in der seelischen Verfassung, sich zu dem Geschehen näher zu äußern?«

»Ich bin angefallen worden«, wiederholte sie und war endlich in der Lage, wenigstens auf der Lehne eines schweren Ledersessels vor dem mächtigen Kamin Platz zu nehmen, »ich kam aus dem Papierladen und wollte zurück zu meinem Wagen. Und dann war plötzlich dieser Kerl da, groß wie ein Grizzly. Und er kam sofort zur Sache, wie man wohl sagt.«

»Was soll meine bescheidene Wenigkeit sich darunter vorstellen, Miß Porter?« fragte Josuah Parker.

»Er wollte mich als Tänzerin engagieren und bot mir einen Job als Striptease-Schönheit.«

»Er nannte seinen Namen, Miß Porter?«

»Nein, er kam sofort zur Sache und hielt es für selbstverständlich, daß ich zu ihm in den Wagen stieg.«

»Sie hatten diese Person bereits vorher wahrgenommen?« wollte der Butler wissen.

»Überhaupt nicht«, berichtete Kathy Porter weiter, »ich habe den Kerl vorher noch nie gesehen, aber ich nehme an, daß er mir gefolgt ist, als ich aus dem Schnellimbiß kam.«

»Er war allein, Miß Porter, um auch dieses Detail noch zu klären?«

»Nein, in seiner Begleitung befanden sich zwei weitere Männer, die wie scharfe Wachhunde aussahen und ihm alles von den Augen ablasen.«

»Es kam zu einem Eklat, wie zu vermuten ist.«

»Als ich mich natürlich weigerte, in seinen Wagen zu steigen, wurden die beiden anderen Männer aufdringlich und wollten mich in den Jaguar drängen. Aber das ließ ich mir natürlich nicht gefallen.«

»Was meine Wenigkeit bereits unterstellte, Miß Porter.«

»Als alles nichts mehr half, habe ich sie zu Boden geschickt, Mr. Parker. Und der Grizzly war völlig überrascht. Bevor er sich einschalten konnte, lief ich weg.«

»Man traute Ihnen mit letzter Sicherheit wohl nicht zu, daß Sie sich in den Künsten fernöstlicher Selbstverteidigung bestens auskennen, Miß Porter«, stellte Josuah Parker fest.

»Jetzt wissen es zumindest die beiden Männer«, gab sie zurück und lächelte plötzlich, »einige gezielte Handkantenschläge genügten völlig, um sie außer Gefecht zu setzen. Aber vorher gab es ein heftiges Gerangel. Sie sehen ja selbst, daß mein Kostüm leicht gelitten hat.«

»Könnten Sie die Person beschreiben, die Ihrer Ansicht nach wie ein Grizzly-Bär aussah?« fragte der Butler.

»Der Mann ist gut und gern einsfünfundachtzig groß, breitschultrig und hat engstehende Augen, eine hohe Stirn, eine überraschend kleine Nase und Hände wie Pranken. Ein unangenehmer Typ, Mr. Parker!«

»Erdreistete der erwähnte Mann sich, Ihnen bis hierher zu folgen?«

»Und ob er sich erdreistete«, meinte sie, »er blieb meinem Mini-Cooper dicht auf den Fersen und hat den Wagen mehrfach sogar leicht gerammt. Ich glaube, er steht mit seinem Jaguar noch drüben auf der Durchgangsstraße, Mr. Parker.«

»Wer steht da drüben an der Durchgangsstraße, Kindchen?« war in diesem Moment die baritonal gefärbte Stimme der Hausherrin zu vernehmen. Lady Agatha Simpson schritt majestätisch die Treppe herab und erinnerte in ihrer Fülle und Größe an eine Heroine beim großen Auftritt im Drama.

»Miß Porter wurde belästigt«, erklärte Josuah Parker, »und es dürfte sich um mehr als nur um eine Bagatelle gehandelt haben.«

»Wie interessant!« Agatha Simpson, die einen weiten Morgenmantel trug, betrat die große Wohnhalle. »Ich bestehe darauf, Kindchen, Einzelheiten zu hören. Sie wissen, daß ich mich für Sie verantwortlich fühle.«

In diesem Augenblick wußte Josuah Parker bereits, daß wieder mal mit Komplikationen zu rechnen war.

*

»Sie haben sich hoffentlich das Kennzeichen gemerkt, Kathy«, fragte Lady Simpson, als ihre Gesellschafterin ihren kurzen Bericht beendet hatte.

»Das habe ich in der Aufregung völlig vergessen, Mylady«, antwortete Kathy Porter, »und jetzt kann ich mich darüber nur ärgern.«

»Mir wäre so etwas natürlich nicht passiert, meine Liebe«, stellte die ältere Dame klar. Sie hatte das sechzigste Lebensjahr überschritten, wie man durchaus erkennen konnte, doch sie strahlte eine unbändige Energie aus.

»Es dürfte nicht sonderlich schwer sein, Mylady, die betreffende Person ausfindig zu machen«, schaltete Josuah Parker sich ein, »meine Wenigkeit hörte bereits von einem Mann, der einem Grizzly ähnlich sieht.«

»Ich werde mir dieses Subjekt umgehend kaufen«, kündigte Lady Agatha an und nickte nachdrücklich, »Mr. Parker, ich hoffe, daß ich noch heute tätig werden kann.«

Bevor Josuah Parker sich zu diesen Wunsch näher äußern konnte, meldete sich die Türglocke. Der Butler schritt zum verglasten Vorflur und öffnete einen Wandschrank, der sich daneben befand. Er schaltete die Fernsehkamera über der Tür des überdachten Vorbaus ein und hatte Sekunden später ein gestochen scharfes Bild auf dem kleinen Monitor.

»Nun, wer erlaubt sich, mich um diese Zeit zu stören?« wollte die ältere Dame wissen.

»Zwei Personen männlichen Geschlechts, Mylady, begehren Zutritt«, informierte Josuah Parker, »sonderlich vertrauenerweckend sehen die beiden Besucher allerdings nicht aus.«

Lady Agatha bewegte ihre Fülle energisch Richtung Wandschrank, gefolgt von Kathy Porter. Die Gesellschafterin der älteren Dame warf nur einen kurzen Blick auf den Monitor und nickte dann.

»Das sind die beiden Wachhunde des Grizzly«, sagte sie, »ein Irrtum ist ausgeschlossen.«

»Wie man an diversen Gesichtsschwellungen unschwer erkennen kann«, meinte der Butler und wandte sich dann zu seiner Herrin um, »Mylady wünschen die beiden Besucher zu empfangen?«

»Aber selbstverständlich«, gab sie zurück, »lassen Sie sie herein, Mr. Parker! Etwas Abwechslung vor dem Tee ist durchaus angebracht.«

Parker bewegte einen der vielen kleinen Kipphebel, die auf einer Art Schalttafel im Wandschrank angebracht waren, worauf der elektrische Türöffner die schwere Haustür aufschwingen ließ.

Die Besucher betraten stürmisch den verglasten Vorflur und erblickten Kathy Porter neben dem Butler. Lady Agatha ließ sich hingegen nicht sehen. Sie befand sich neben dem Wandschrank, konnte ihrerseits aber die Szene gut überblicken.

Die beiden Männer waren mittelgroß, schlank und wirkten durchtrainiert. Sie trugen dunkelgraue, überraschend gut geschnittene Anzüge und bewegten sich mit sportlicher Lässigkeit. Sie gingen zur Glastür, betraten die große Wohnhalle, steuerten sofort auf Kathy Porter zu und übersahen leichtsinnigerweise den Butler.

»So sieht man sich wieder, Süße«, sagte einer von ihnen, dessen linke Gesichtshälfte deutlich geschwollen war, »so geht das aber nicht, klar?«

»Erst unseren Wagen demolieren und dann abhauen«, fügte der zweite Mann ein wenig gequält-heiser hinzu, was wohl mit der Schwellung seiner rechten Halspartie zu tun hatte, »unser Boß braucht ein paar persönliche Daten von Ihnen, von wegen Versicherung und so.«

»Du kommst besser gleich mit, klar?« Der Mann griff nach Kathys Arm. »Die Sache ist gleich überstanden.«

»Ich soll Ihren Wagen gerammt haben?« Kathy Porter tat ängstlich und überrascht zugleich, »aber das stimmt doch gar nicht.«

»Mach keine Zicken, Kleine«, sagte der andere Mann, »und komm uns nicht noch mal mit faulen Tricks. Auf so was fallen wir immer nur einmal rein.«

»Könnte man in Erfahrung bringen, meine Herren, was Sie unter der Bezeichnung faule Tricks zu verstehen belieben?« ließ Josuah Parker sich in seiner höflichen Art vernehmen, »darf man übrigens um Ihre Karten bitten?«

Der Butler streckte das ovale Silbertablett aus, auf dem er den Brandy serviert hatte.

»Karten?« Der erste Besucher runzelte die Stirn und verstand nicht.

»Ihre Visitenkarten, über die Sie doch sicher verfügen«, gab Josuah Parker zurück, »es entspricht dem Stil dieses Hauses, daß Besucher Ihre Karten überreichen.«

»Ich glaub’, ich brech’ zusammen«, belustigte sich der zweite Gast, »Visitenkarten? Mann, haben Sie noch nicht kapiert?«

»Keineswegs und mitnichten«, entgegnete der Butler und ... überreichte nun seinerseits das schwere Silbertablett, und zwar auf eine Art, mit der die beiden Besucher auf keinen Fall gerechnet hatten.

*

Der Besucher, der sich gerade noch so intensiv amüsiert hatte, tat es nicht mehr. Josuah Parker hatte ihm die Rückseite des Silbertabletts in fast diskreter Geste gegen die Brust gedrückt. Eine Schußwaffe, die sich in einer Schulterhalfter befand, wurde so fast zum Rippenbrecher. Der Mann schnappte nach Luft, fand im ersten Moment keine und bekam einen dunkelroten Kopf.

»Meine Wenigkeit wollte nur möglichen Anfängen wehren«, erläuterte Josuah Parker die Situation. Der erste Besucher, der sich hatte ablenken lassen, wandte sich zu seinem Begleiter um und starrte ihn entgeistert an. Als er dann seinerseits aktiv werden wollte, erlebte er eine mehr als peinliche Überraschung.

Lady Agatha hatte die bisherige Zurückhaltung aufgegeben und erschien seitlich hinter dem Ahnungslosen, um ihn mit einer ihrer gefürchteten Ohrfeigen zu beglücken.

Sie legte ihre wirklich nicht kleine Hand auf die linke Wange des Mannes, der daraufhin im wahrsten Sinn des Wortes den Boden unter den Füßen verlor und seitlich wegrutschte. Dabei senkte er den Kopf und brachte ihn in eine Lage, der Josuah Parker nicht zu widerstehen vermochte. Der Butler setzte sein Silbertablett noch mal gezielt ein und legte es auf den Hinterkopf des Besuchers, der sich daraufhin auf dem Boden ausbreitete.«

»Sehr schön«, stellte die passionierte Detektivin fest und nickte dem Butler wohlwollend zu. »Sie lernen es noch, Mr. Parker.«

»Vielleicht handelte meine Wenigkeit doch ein wenig zu spontan und ausgelassen«, entschuldigte sich Parker.

»Unsinn, Mr. Parker«, erwiderte Lady Agatha, »Sie hätten natürlich noch etwas fester zuschlagen können, aber das werden Sie noch lernen.«

Der Mann, dessen Rippen in Gefahr geraten waren, hatte plötzlich wieder Luft in den Lungen und griff blitzschnell nach seiner Schulterhalfter. Er griff allerdings ins Leere, wie sich zeigte. Josuah Parker hatte die Schußwaffe mit der Geschicklichkeit eines professionellen Taschendiebes an sich gebracht und in den Taschen seines schwarzen Zweireihers verschwinden lassen.

»Sie sollten vielleicht eine Erklärung abgeben«, schlug Parker dem Besucher vor und deutete auf seine Herrin, »Mylady geruht zuzuhören.«

»Erklärung?« fragte der Mann zurück und blickte die ältere Dame scheu an, »hören Sie, Lady, oder was immer Sie auch sein mögen, Sie haben einen verdammt großen Fehler gemacht.«

»Sprechen Sie sich ruhig aus, junger Mann«, lautete Agatha Simpsons Antwort. Ihre Augen funkelten.

»Das hier hätten Sie nicht tun sollen, Lady«, redete der Mann weiter, »Sie haben ja keine Ahnung, was da auf Sie zukommt.«

»Genau das will ich von Ihnen hören«, raunzte Lady Agatha, »und ... beeilen Sie sich damit, bevor ich die Geduld verliere! Sie wollten meine Gesellschafterin entführen, wie ich hörte?«

»Unsinn, Lady, Mr. Preston will sie nur sprechen, mehr nicht.«

»Wollen Sie Mylady unterstellen, Unsinn zu reden?« fragte Josuah Parker gemessen und höflich.

»Nein, nein, natürlich nicht«, kam schnell die Antwort, »ich meine nur, daß Preston sie sprechen will, mehr nicht.«

»Und wer, wenn man fragen darf, ist Mr. Preston?« erkundigte sich der Butler

»Vince Preston«, wiederholte der Besucher, »er ist der Boß, verstehen Sie? Mehr weiß ich auch nicht.«

»Und besagter Mr. Preston wartet in einem Jaguar an der nahen Durchgangsstraße?«

»Stimmt«, lautete die Antwort, »er will nur die Kleine da, äh, ich meine, die Lady da sprechen.«

Er deutete auf Kathy Porter, die interessiert zuhörte.

»Sie versuchten, Miß Porter in den Jaguar zu drängen, wenn meine Wenigkeit richtig informiert ist?«

»Das sah doch nur so aus«, verteidigte sich der Mann verzweifelt, »okay, mein Partner und ich waren vielleicht etwas zu ruppig, aber wir wollten doch nichts von ihr.«

»Mylady wünscht zu erfahren, wo man Mr. Vince Preston erreichen kann«, stellte Josuah Parker fest.

»Der Boß ist meist in seinem Lieblings-Club, im ›Granada‹.«

»Sie sollten noch zusätzlich erklären, wo dieser Club beheimatet ist.«

»In Pimlico«, wurde geantwortet, »in ’ner Seitenstraße der Lupus Street.«

»Damit sind Sie entlassen, junger Mann«, schaltete die ältere Dame sich ein, »ich werde jetzt meinen Tee trinken. Und nehmen Sie dieses Subjekt mit.«

»Zumal es sich auf dem Teppich nicht gerade dekorativ ausmacht«, fügte der Butler hinzu, »man wünscht Ihnen noch einen guten Heimweg.«

*

»Allmächtiger, ich will ja nicht gerade den Teufel an die Wand malen«, sagte Chief-Superintendent McWarden, »aber mußten Sie sich unbedingt mit Vince Preston anlegen, Mylady?«

Der Chief-Superintendent, der im Yard ein Sonderdezernat leitete und sich mit organisiertem Verbrechen befaßte, war ein untersetzter, dicklicher Mann von etwa fünfundfünfzig Jahren, der an eine stets leicht gereizte und aggressive Bulldogge erinnerte. Er war vor wenigen Minuten in Shepherd’s Market im Haus der Lady Simpson angekommen und zu seiner ehrlichen Verblüffung zu einer Tasse Tee eingeladen worden. Er kannte die Sparsamkeit der älteren Dame nur zu gut, eine Eigenschaft, die sogar von Freunden als nackter Geiz bezeichnet wurde.

»Reden Sie gefälligst nicht um den heißen Brei herum«, grollte Agatha Simpson, »wer ist dieses Subjekt? Wie war noch der Name, Mr. Parker?«

»Vince Preston, Mylady«, ließ Parker sich diskret vernehmen.

»Sagte ich doch«, erwiderte sie umgehend, »also, McWarden, warum sind Sie so entsetzt? Sie wollen wieder mal übertreiben, wie ich vermute.«

»Vince Preston ist ein gerissener und brutaler Gangster«, sagte der Chief-Superintendent eindringlich, »und es hat mich ehrlich gewundert, daß er Ihnen bisher noch nicht ins Gehege gekommen ist, Mylady.«

»Wahrscheinlich ist der Lümmel mir aus Angst systematisch aus dem Weg gegangen«, erwiderte sie wegwerfend.

»Angst ist Preston fremd«, warnte McWarden, »er hat sich sogar mit der örtlichen Mafia angelegt und sich dann mit ihr arrangiert. Preston hat sich ein kleines Imperium aufgebaut und kontrolliert eine Vielzahl von Clubs und Nachtlokalen. Darüber hinaus inszeniert er Schönheits-Konkurrenzen und dreht mit Sicherheit Pornostreifen für seinen privaten Video-Verleih.«

»Das höre ich aber sehr gern«, meinte die Detektivin und nickte beifällig, »es lohnt sich also, diesem Subjekt das Handwerk zu legen?«

»Sie können von mir jede Hilfe haben, Mylady«, erwiderte der Chief-Superintendent.

»Ich soll also wieder mal die Kastanien für Sie aus dem Feuer holen?«

»Aber nein, Mylady.« McWarden bekam einen leicht roten Kopf. »Noch mal, nehmen Sie diesen Preston nicht auf die leichte Schulter! Der Mann schreckt vor keiner Gemeinheit zurück ...«

»Darf man höflichst fragen, warum die Polizei ihm bisher nicht das Handwerk zu legen vermochte?« schaltete der Butler sich ein.

»Er hat sich bisher keine Blöße gegeben«, gab der Chief-Superintendent zurück, »Zeugen, die gegen ihn aussagen, gibt es nicht. Er setzte sie vorher unter Druck.«

»Stammt er hier von der Insel?« erkundigte sich die ältere Dame.

»Richtig, aber er war jahrelang drüben in den Staaten«, berichtete McWarden bereitwillig, »dort dürfte er auch gewisse Praktiken gelernt haben. Sie wissen, Mylady, wie man ihn in seinen Kreisen nennt?«

»Natürlich, mein lieber McWarden.« Sie nickte wissend und lächelte dazu verzeihend. »So etwas weiß man eben, wenn man sich mit Kriminalistik befaßt. Dieses Subjekt wird ... äh ... Gorilla genannt.«

»Fast«, meinte McWarden und lächelte ironisch, »Grizzly, um genau zu sein.«

»Wie auch immer.« Sie schoß einen kühlen Blick auf ihn ab. »Mit Kleinigkeiten halte ich mich grundsätzlich nicht auf. Nehmen Sie zur Kenntnis, daß ich diesem Gangster das Handwerk legen werde.«

»Ich habe Sie gewarnt«, erinnerte der Chief-Superintendent, »Sie werden sich an ihm die Zähne ausbeißen. Er hat erstklassige Leute um sich.«

»Das habe ich gemerkt.« Agatha Simpson lächelte ironisch. »Aber wollen Sie mir nicht endlich sagen, warum Sie gekommen sind, McWarden?«

»Ich möchte mich mit Mr. Pickett unterhalten«, erwiderte der Chief-Superintendent, »nein, nein, es geht nicht um seine Vergangenheit, ganz sicher nicht. Ich brauche seine Verbindungen.«

»Sie sollten sich Mylady anvertrauen«, schaltete Josuah Parker sich ein. Horace Pickett, um den es ging, war ehemaliger Taschendieb und stand nun auf der richtigen Seite des Gesetzes, nachdem Parker ihm mal das Leben gerettet hatte. Horace Pickett fühlte sich seit dieser Zeit Josuah Parker zutiefst verpflichtet und führte für ihn immer wieder spezielle Aufträge aus.

»Es geht um einen meiner besten Leute«, sagte McWarden, »aber was ich jetzt sage, sollte unter uns bleiben, Mr. Parker. Dieser Mann ist wie vom Erdboden verschwunden und hat sich seit vier Tagen nicht mehr gemeldet. Offen gesagt, ich fürchte, daß ihm etwas passiert ist.«

»Wie heißt dieser Mann?« fragte die ältere Dame.

»Dave Horlay«, gab McWarden Auskunft, »er sollte wegen einer Drogensache ermitteln.«

»Handelt es sich um den wirklichen Namen dieses Mannes, Sir?« fragte der Butler.

»Um den Namen, unter dem er in die Unterwelt eingetaucht ist«, erwiderte McWarden, »Pickett kann ohne weiteres nach einem Dave Horlay fragen. Aber er sollte vorsichtig sein, dieser Fall ist brisant.«