Parker zähmt das "Murmeltier" - Günter Dönges - E-Book

Parker zähmt das "Murmeltier" E-Book

Günter Dönges

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Beschreibung

Butler Parker ist ein Detektiv mit Witz, Charme und Stil. Er wird von Verbrechern gerne unterschätzt und das hat meist unangenehme Folgen. Der Regenschirm ist sein Markenzeichen, mit dem auch seine Gegner öfters mal Bekanntschaft machen. Diese Krimis haben eine besondere Art ihre Leser zu unterhalten. Butler Parker ist seinen Gegnern, den übelsten Ganoven, auch geistig meilenweit überlegen. In seiner auffallend unscheinbaren Tarnung löst er jeden Fall. Bravourös, brillant, effektiv – spannendere und zugleich humorvollere Krimis gibt es nicht! »Von mir bekommen Sie nichts, junger Mann«, schüttelte Lady Simpson entschieden den Kopf. »Eine alleinstehende Dame kann es sich nicht leisten, an jeder Straßenecke für irgendeine obskure Sache zu spenden.« »Dann sollten Sie wenigstens den Aufruf gegen das Töten von Pelztieren unterschreiben, Madam«, versuchte der knapp Dreißigjährige sein Glück bei der Detektivin. Der Informationsstand, den er am Straßenrand aufgebaut hatte, warb mit Fotos und Plakaten für die Ziele des Tierschutzes. »Unterschreiben?« wiederholte Agatha Simpson unwirsch. »Papperlapapp, auch davon kann nicht die Rede sein«, wies sie ihn kurzerhand ab. »Der Lümmel ist ja nur neidisch, weil er keinen Pelzmantel hat, Mister Parker«, bemerkte die immens vermögende Dame eine Sekunde später, während sie an Parkers Seite weiterging. »Nichts liegt meiner Wenigkeit ferner, als Mylady zu widersprechen«, versicherte der Butler höflich. »Dennoch sollten Mylady den edlen Zweck bedenken. Man erlaubt sich, einen bescheidenen Obolus in ihre Schatulle zu legen«, wandte sich Parker dem engagierten Tierschützer noch mal zu. Daß seine Herrin ungehalten reagierte, überraschte ihn indes nicht, denn man befand sich auf dem Weg zu einer Modenschau. Das viktorianische Schlößchen lag im noblen Londoner Vorort Richmond, nur wenige Straßen von Lady Agathas repräsentativem Sommersitz entfernt. Einladungen zu diesem Gipfeltreffen der Eitelkeit hatte Pelzcouturier Stanley Welham an solche Londonerinnen und Londoner verschickt, die nicht nur Rang und Namen vorzuweisen hatten, sondern auch über entsprechende Bankguthaben verfügten.

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Seitenzahl: 108

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Butler Parker – 287 –Parker zähmt das "Murmeltier"

Unveröffentlichter Roman

Günter Dönges

»Von mir bekommen Sie nichts, junger Mann«, schüttelte Lady Simpson entschieden den Kopf. »Eine alleinstehende Dame kann es sich nicht leisten, an jeder Straßenecke für irgendeine obskure Sache zu spenden.«

»Dann sollten Sie wenigstens den Aufruf gegen das Töten von Pelztieren unterschreiben, Madam«, versuchte der knapp Dreißigjährige sein Glück bei der Detektivin. Der Informationsstand, den er am Straßenrand aufgebaut hatte, warb mit Fotos und Plakaten für die Ziele des Tierschutzes.

»Unterschreiben?« wiederholte Agatha Simpson unwirsch. »Papperlapapp, auch davon kann nicht die Rede sein«, wies sie ihn kurzerhand ab. »Der Lümmel ist ja nur neidisch, weil er keinen Pelzmantel hat, Mister Parker«, bemerkte die immens vermögende Dame eine Sekunde später, während sie an Parkers Seite weiterging.

»Nichts liegt meiner Wenigkeit ferner, als Mylady zu widersprechen«, versicherte der Butler höflich. »Dennoch sollten Mylady den edlen Zweck bedenken. Man erlaubt sich, einen bescheidenen Obolus in ihre Schatulle zu legen«, wandte sich Parker dem engagierten Tierschützer noch mal zu.

Daß seine Herrin ungehalten reagierte, überraschte ihn indes nicht, denn man befand sich auf dem Weg zu einer Modenschau.

Das viktorianische Schlößchen lag im noblen Londoner Vorort Richmond, nur wenige Straßen von Lady Agathas repräsentativem Sommersitz entfernt. Einladungen zu diesem Gipfeltreffen der Eitelkeit hatte Pelzcouturier Stanley Welham an solche Londonerinnen und Londoner verschickt, die nicht nur Rang und Namen vorzuweisen hatten, sondern auch über entsprechende Bankguthaben verfügten.

Agatha Simpson, mit dem Geld- und Blutadel der britischen Insel verschwistert und verschwägert, durfte bei diesem Ereignis nicht fehlen. Allerdings flanierten die ersten Modelle vermutlich schon über den Laufsteg, denn die ältere Dame hatte sich wieder mal angemessen verspätet.

Bevor das skurrile Paar die Vorhalle betrat, warf Parker rasch einen Blick über die Schulter. Der junge Mann sah seine Aufgabe endgültig als erfüllt an und war damit beschäftigt, die Teile des Standes in einen betagten VW-Bus zu verladen.

Zwei würdig agierende Diener in dunkelgrüner Livree öffneten die gläserne Flügeltür, verneigten sich tief und ließen die Nachzügler eintreten. Josuah Parker, der Mylady den Weg zur Gartenhalle wies, wirkte allerdings noch eine Spur würdevoller.

Auf halbem Weg wurde plötzlich ein Tumult hörbar. Aufgeregte Stimmen übertönten sich. Polternd fielen Stühle um. Im nächsten Moment flogen die Saaltüren auf, und eine erboste Menschenmenge drängte fluchtartig zum Ausgang.

»Unverschämtheit!« war zu hören. »Ein Skandal!«

Manche der elegant gekleideten Besucher verzogen angewidert das Gesicht. Alle hatten es aber ausgesprochen eilig, ins Freie und zu ihren chromblitzenden Nobelkarossen zu kommen.

»Was halte ich davon, Mister Parker?« erkundigte sich Lady Simpson argwöhnisch.

»Sofern Mylady keine Einwände erheben, wird man sich unverzüglich in den Saal begeben«, bot der Butler an. »Der Grund für die verärgerte Reaktion der Zuschauer dürfte in Bälde zu ermitteln sein.«

»Ich werde mir persönlich ein Bild machen, Mister Parker«, entschied die resolute Dame und setzte den Weg gegen den Strom fort.

Gleich darauf stand das Paar aus Shepherd’s Market in der offenen Tür des Gartensaales, der sich geleert hatte.

»Pfui Teufel!« Mylady schimpfte und hielt sich die Nase zu.

»Mylady dürften der Annahme zuneigen, daß sogenannte Stinkbomben zum überstürzten Aufbruch der Gäste geführt haben«, bemerkte Parker, der den penetranten Gestank ebenfalls wahrgenommen hatte. Im Gegensatz zu Agatha Simpson aber keine Miene verzog.

Steif wie ein Ladestock durchquerte der Butler gemessen den Saal. Würdevoll stieg er über umgestürzte Tische und Stühle und öffnete die gläsernen Schiebetüren zum Garten. Erst dann wandte er sich dem Mann zu, der inmitten des Wirrwarrs am Boden hockte und das Gesicht in die Hände stützte.

»Vermutet man unter Umständen recht, Mister Welham persönlich vor sich zu haben?« ließ sich Parker vernehmen, nachdem er ein diskretes Räuspern vorausgeschickt hatte.

Der Mann blickte auf, als erwachte er aus einem Traum, aus einem Alptraum, wie anzunehmen war.

»Ja, natürlich«, bestätigte der schätzungsweise sechzigjährige Meister mit dem sonnengebräunten Gesicht unter dem schneeweißen Haar. Der Butler half ihm auf, während Lady Agatha zögernd näher kam, sich aber immer noch die Nase zuhielt.

»Wer hat Ihnen diesen üblen Scherz gespielt, junger Mann?« erkundigte sich die Amateurdetektivin mitleidig. »Darunter können sogar Ihre Umsätze leiden.«

»Allerdings«, bestätigte Welham bitter. »Heute nachmittag ist jedenfalls Fehlanzeige.«

»Darf man erfahren, ob Sie einen konkreten Verdacht haben, wer diese üblen Luftverpester geworfen haben könnte, Mister Welham?« fragte Parker, während Mylady interessiert das Chaos musterte.

»Wenn ich bloß eine Ahnung hätte, Mister Parker«, gab der Weißhaarige deprimiert zurück. »Ich bin einfach fassungslos.«

»Dennoch geht man vermutlich recht in der Annahme, daß es sich um einen gezielten Anschlag handelte, der Sie nervlich und wirtschaftlich schädigen sollte, Mister Welham?« vergewisserte sich der Butler.

»Das steht außer Frage, Mister Parker«, schaltete sich die ältere Dame wieder ein. »Mein kriminalistischer Instinkt hat längst Alarm geschlagen. Ich bin wohl wieder einer skrupellosen Verbrecherbande auf der Spur.«

»Ein Umstand, zu dem man Mylady nur beglückwünschen kann«, erwiderte Parker und deutete eine Verbeugung an. »Mister Welham dürfte angesichts dieser Sachlage jedoch keineswegs erfreut sein, falls die Anmerkung gestattet ist.«

»Der Gedanke an ein Delikt läßt sich kaum von der Hand weisen«, stimmte der Hausherr vorsichtig zu. »Andererseits hat doch kein Mensch von meinem Schaden einen Gewinn. Wo bleibt da das Motiv?«

»Auch Neid und Fanatismus können ein Motiv sein, junger Mann«, ließ Mylady verlauten. »Sobald ich den Lümmel überwältigt und verhört habe, werden Sie mehr darüber erfahren.«

»Kann und muß man aus dieser Äußerung schließen, daß Mylady bereits einen konkreten Verdacht hegen?« erkundigte sich der Butler.

»Selbstverständlich, Mister Parker«, gab die Detektivin unwirsch zurück. »Ich habe Augen und Ohren offengehalten«

»Meinen Mylady – mit Verlaub – den Vertreter der Tierschutzliga?«

»Wen denn sonst, Mister Parker?« bestätigte Lady Agatha mit einer Gegenfrage. »Man weiß doch, zu welchem Fanatismus solche Menschen fähig sind.«

»Sie spielen auf den Mann am Informationsstand an, Mylady?« vergewisserte sich Welham. »Dieser Auftritt hat mich natürlich geärgert. Aber da der Mann mein Grundstück nicht betreten hat und auf der Straße geblieben ist, konnte ich nicht einschreiten. Wir sind nun mal ein freies Land.«

»Ein Umstand, den man mit Dankbarkeit vermerken sollte, Mister Welham«, warf der Butler ein.

»Das tue ich auch, Mister Parker«, versicherte der Kürschner. »Aber zurück zum Thema: Wie konnte der Mann Stinkbomben werfen, wenn er die ganze Zeit draußen an seinem Stand war?«

»Das zwielichtige Subjekt, das sogar die Dreistigkeit besaß, mich um eine Spende anzubetteln, ist natürlich nur eine Randfigur, die vom wirklichen Geschehen ablenken sollte, Mister Pelham«, mußte er sich belehren lassen. »Mit Sicherheit verfügt der Mann über Komplizen, die unerkannt ins Haus eindringen und ihr Unwesen treiben.«

Welham starrte die passionierte Detektivin entgeistert an. Doch nur für Bruchteile von Sekunden. Dann ging ein Leuchten über sein Gesicht.

»Vermutlich haben Sie recht, Mylady«, nickte er. »An diese Möglichkeit habe ich noch gar nicht gedacht.«

»Sie sind ja auch kein Kriminalist, Mister Pelham«, entgegnete Agatha Simpson in herablassendem Ton. »Wenn Sie die Erfahrung einer reifen Frau besäßen ...«

»Darf man gegebenenfalls um Auskunft bitten, wie Mylady unter diesen Umständen weiter vorzugehen gedenken?« schaltete Parker sich wieder ein.

»Bringen Sie mir den Lümmel zum Verhör, Mister Parker«, ordnete die resolute Dame an. »Alles Weitere wird sich ergeben.«

»Meine Wenigkeit eilt, Mylady«, versprach der Butler und entfernte sich gemessen und würdevoll. Er hatte allerdings nur wenig Hoffnung, den Tierschützer noch anzutreffen.

*

Als Josuah Parker wenig später ins Haus zurückkehrte, hatten Lady Agatha und Stanley Welham sich in den Empfangssalon zurückgezogen. Ein livrierter Diener schenkte gerade Cognac von edelster Sorte ein.

»Man bedauert zutiefst, keine erfreulichere Mitteilung machen zu können«, meldete der schwarz gewandete Butler. »Der Herr, den Mylady zu sprechen begehrten, hat sich unter Mitnahme seiner Utensilien entfernt.«

»Sie sind mal wieder zu langsam gewesen, Mister Parker«, übte die resolute Dame Kritik. »Sie boykottieren meine Ermittlungen, wenn Sie zu spät kommen.«

»Meine Wenigkeit wird sich künftig befleißigen, Myladys Ansprüchen in jeder Hinsicht gerecht zu werden«, versicherte Parker. »Im übrigen dürfte der Hinweis erlaubt sein, daß man sich schon bei der Ankunft das Kennzeichen des Fahrzeuges einprägte.«

»Gangster benutzen grundsätzlich gefälschte Kennzeichen, Mister Parker«, bemerkte Agatha Simpson.

»Eine Feststellung, der man keinesfalls widersprechen möchte, Mylady«, antwortete der Butler.

»Sie können das Kennzeichen getrost vergessen«, erwiderte Agatha Simpson.

»Andererseits dürften Mylady die Möglichkeit in Betracht ziehen, daß nicht nur fanatisierte Tierschützer als Urheber des verwerflichen Anschlags in Frage kommen«, fuhr Parker fort.

»Natürlich, Mister Parker«, stimmte Lady Agatha nach kurzem Nachdenken zu. »Ich ziehe grundsätzlich alle Möglichkeiten in Betracht.«

»Was sind das für Möglichkeiten, an die Sie noch denken?« wollte Welham wissen.

»Mister Parker wird meine Überlegungen erläutern, junger Mann«, wich die ältere Dame aus und konzentrierte sich auf den Cognac, der ihren verwöhnten Ansprüchen zu genügen schien.

»Es könnte sich um eine Art Warnung gehandelt haben, sofern man eine persönliche Vermutung äußern darf, Mister Welham«, kam der Butler der Aufforderung nach.

»Eine Warnung? Wovor?« Der Hausherr zeigte sich ahnungslos.

»Möglicherweise müssen Sie kurzfristig mit dem Besuch eines Mannes rechnen, der Ihnen Schutz vor derartigen Unannehmlichkeiten verspricht, Mister Welham«, wurde Parker deutlicher. »Gegen entsprechende Bezahlung, wie man wohl nicht eigens, betonen muß.«

»Meinen Sie?« Welhams Gesicht wurde immer länger.

»In der Vergangenheit hat man Ihnen noch keine derartigen Angebote unterbreitet, Mister Welham?« wollte der Butler wissen.

»N... nein. Wie kommen Sie darauf, Mister Parker?«

»Es handelte sich um eine Frage, die man der Vollständigkeit halber stellte, Mister Welham«, entgegnete Parker mit der undurchdringlichen Miene eines professionellen Pokerspielers.

»Nein, nein. Das müßte ich wissen«, unterstrich sein Gegenüber.

»Sie dürfen sich übrigens glücklich schätzen, daß ich mich entschieden habe, Ihren Fall zu übernehmen, Mister Pelham«, meldete sich die passionierte Detektivin zu Wort.

»Verzeihung, Mylady«, korrigierte Welham mit säuerlichem Lächeln. »Mein Name ist Welham. Stanley Welham. Nicht Pelham.«

»Sagte ich das nicht, Mister Pelham?« erwiderte Agatha Simpson überrascht. »Sie müssen sich verhört haben.«

»Schon möglich«, räumte Welham ein. »Auf jeden Fall freue ich mich, daß Sie der Sache nachgehen wollen, denn von Ihren Fähigkeiten habe ich schon viel gehört, Mylady.«

»Das wundert mich nicht«, gab die ältere Dame zurück und lächelte geschmeichelt. »Mir kann niemand das Wasser reichen.« Bescheidenheit war eine Tugend, die Mylady mit Vorliebe an anderen Leuten schätzte.

»Kann ich Ihnen denn irgendwie behilflich sein, Mylady?« fragte der Hausherr.

»Im Moment nicht, junger Mann«, entgegnete die Detektivin. »Ich werde zunächst nach Hause zurückkehren und ein taktisches Konzept entwickeln.«

»Dann wollen Sie jetzt gar keine Fragen stellen oder Spuren sichern?« reagierte Welham verdutzt.

»Das kommt noch früh genug, Mister Pelham«, setzte Agatha Simpson ihn ins Bild und erhob sich ächzend. »Sie hören von mir.«

Der renommierte Pelzcouturier wirkte ausgesprochen entgeistert, als er das skurrile Paar zum Wagen geleitete.

»Und lassen Sie die Polizei aus dem Spiel, junger Mann«, schärfte Agatha Simpson ihm ein, bevor Parker ihr behutsam in den Fond des hochbeinigen Monstrums half. »Die stört nur.«

»Die Polizei einzuschalten, hatte ich ohnehin nicht vor, Mylady«, erwiderte Welham. »Wegen der Diskretion. Sie wissen schon.«

»Eine kluge Entscheidung«, meinte Lady Agatha.

*

»Eigentlich wollte ich strenge Diät halten, Mister Parker«, ließ die Dame des Hauses eine Stunde später verlauten. Ihre Blicke schweiften Wohlgefällig über den Tisch, den Parker in der weitläufigen Wohnhalle gedeckt hatte.

Eine Nougattorte, Früchtekuchen und knuspriges Blätterteiggebäck warteten darauf, Myladys Wohlbefinden zu dienen. Der Butler servierte rassigen Assamtee mit frischer Sahne und Kandiszucker. Der Lieblingssherry seiner Herrin stand ebenfalls bereit.

»Ein kleines Stück werde ich probieren«, entschied Agatha Simpson, nachdem sie sich lange geziert hatte, und ließ sich von Parker einen Sessel unterschieben. »Das kann nicht schaden.«

»Eine Feststellung, der meine Wenigkeit mitnichten widersprechen möchte, Mylady«, erwiderte der Butler, schenkte Tee ein und trat in seiner unvergleichlichen Art einen halben Schritt zurück.

»Ich weiß nicht«, murmelte die ältere Dame wenig später und blickte verstohlen auf das zweite Stück Nougattorte, das Parker ihr vorlegte. »Vielleicht sollte ich doch die Finger von diesem Fall lassen.«

»Eine Mitteilung, die man nicht ohne Überraschung zur Kenntnis nimmt, Mylady«, antwortete der Butler. »Darf meine Wenigkeit nach den Gründen fragen?«

»Ich fürchte, dieser Fall ist unter meinem Niveau, Mister Parker«, gab Lady Agatha deprimiert bekannt.

»Man würde gern erfahren, was Mylady mit dieser Äußerung konkret zu meinen geruhen«, lautete Parkers Antwort. »Vielleicht sind Mylady davon überzeugt, daß es sich eher um eine Ordnungswidrigkeit als um einen kriminellen Tatbestand handelt?«

»Das ist doch sonnenklar, Mister Parker. Professionelle Gangster werfen doch nicht mit Stinkbomben.«

»Sofern der Zweck des Anschlages darin bestand, die Veranstaltung in Mister Welhams Haus nachhaltig zu stören, wurde er eindeutig erreicht, Mylady«, gab der Butler zu bedenken und schenkte Tee nach.

Die passionierte Detektivin wollte widersprechen, doch in diesem Augenblick wurde an der Haustür geläutet.

»Das wird doch nicht Mister McWarden sein?« meinte Agatha Simpson argwöhnisch. »Sobald ich ein Häppchen zu mir nehme, taucht er in schöner Regelmäßigkeit auf.«

»Man wird sich zur Tür begeben und nachsehen, falls Mylady keine Einwände erheben«, bot Parker an, verneigte sich kurz und schritt steif wie ein Ladestock davon.

Die Befürchtungen der Hausherrin erwiesen sich als unbegründet. Es war nicht der Chief-Superintendent, der geläutet hatte.

»Hallo, Parker!« grüßte Anwalt Mike Rander auf seine saloppe Art, sobald die Tür geöffnet wurde.

»Guten Tag, Mister Parker«, schloß sich seine Begleiterin, die attraktive Kathy Porter, an.

»Man erlaubt sich ebenfalls, einen guten Tag zu wünschen«, entgegnete der Butler und öffnete formvollendet die Tür.