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Butler Parker ist ein Detektiv mit Witz, Charme und Stil. Er wird von Verbrechern gerne unterschätzt und das hat meist unangenehme Folgen. Der Regenschirm ist sein Markenzeichen, mit dem auch seine Gegner öfters mal Bekanntschaft machen. Diese Krimis haben eine besondere Art ihre Leser zu unterhalten. Butler Parker ist seinen Gegnern, den übelsten Ganoven, auch geistig meilenweit überlegen. In seiner auffallend unscheinbaren Tarnung löst er jeden Fall. Bravourös, brillant, effektiv – spannendere und zugleich humorvollere Krimis gibt es nicht! »Was hat der Menschenauflauf zu bedeuten, Mister Parker?« Agatha Simpson wuchtete ihre imponierende Leibesfülle näher ans Wagenfenster. Eine wild gestikulierende Menge sperrte die Straße. »Wenn Mylady gestatten, wird meine bescheidene Wenigkeit Erkundigungen einziehen«, bot Butler Parker an. Er lenkte sein schwarzes, hochbeiniges Gefährt an die Bordsteinkante und bremste. »Darum wollte ich Sie gerade bitten«, bestätigte Agatha Simpson, und ließ sich wieder in die weichen Polster fallen. »Man ist ständig bemüht, Mylady jeden Wunsch von den Augen abzulesen«, erklärte Parker und lüftete seinen Bowler. Der Butler bot einen seltsamen Anblick, wie er würdevoll im steifen Covercoat aus der altertümlichen Karosse stieg. Wer die Melone auf dem Kopf und den schwarzen Regenschirm am Arm sah, dachte an einen hochherrschaftlichen Butler des 19. Jahrhunderts. Die Menschenmenge vor dem großen, fabrikähnlichen Gebäude beachtete ihn aber nicht so. Die meisten Leute stießen Flüche aus und drohten mit den Fäusten. »Darf man sich in aller Bescheidenheit nach dem Grund dieser allgemeinen Aufregung erkundigen?« sprach Parker höflich einen jungen Mann an, der sich durch eine besonders lautstarke Reaktion hervorgetan hatte. Der Mann schluckte dreimal und musterte Parkers Erscheinung mißtrauisch, bevor er antwortete. »Was hier los ist, wollen Sie wissen?« »So beliebt sich zweifellos der Volksmund auszudrücken«
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Seitenzahl: 121
Veröffentlichungsjahr: 2021
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»Was hat der Menschenauflauf zu bedeuten, Mister Parker?«
Agatha Simpson wuchtete ihre imponierende Leibesfülle näher ans Wagenfenster. Eine wild gestikulierende Menge sperrte die Straße.
»Wenn Mylady gestatten, wird meine bescheidene Wenigkeit Erkundigungen einziehen«, bot Butler Parker an. Er lenkte sein schwarzes, hochbeiniges Gefährt an die Bordsteinkante und bremste.
»Darum wollte ich Sie gerade bitten«, bestätigte Agatha Simpson, und ließ sich wieder in die weichen Polster fallen.
»Man ist ständig bemüht, Mylady jeden Wunsch von den Augen abzulesen«, erklärte Parker und lüftete seinen Bowler. Der Butler bot einen seltsamen Anblick, wie er würdevoll im steifen Covercoat aus der altertümlichen Karosse stieg. Wer die Melone auf dem Kopf und den schwarzen Regenschirm am Arm sah, dachte an einen hochherrschaftlichen Butler des 19. Jahrhunderts.
Die Menschenmenge vor dem großen, fabrikähnlichen Gebäude beachtete ihn aber nicht so. Die meisten Leute stießen Flüche aus und drohten mit den Fäusten.
»Darf man sich in aller Bescheidenheit nach dem Grund dieser allgemeinen Aufregung erkundigen?« sprach Parker höflich einen jungen Mann an, der sich durch eine besonders lautstarke Reaktion hervorgetan hatte.
Der Mann schluckte dreimal und musterte Parkers Erscheinung mißtrauisch, bevor er antwortete.
»Was hier los ist, wollen Sie wissen?«
»So beliebt sich zweifellos der Volksmund auszudrücken«, gab Parker zurück.
»Das hier ist das Druckhaus der MORNING NEWS, wie Sie an der Aufschrift über dem Tor sehen«, erklärte er. »Die Leute hier sind Zeitungsverkäufer – wie ich. Wir leben davon, verstehen Sie? Und seit drei Tagen gibt es keine MORNING NEWS mehr.«
»Dann muß man wohl davon ausgehen, daß Sie seit drei Tagen ohne Einkünfte sind?« fragte der Butler weiter.
»So ist es«, bestätigte der Mann. »Irgendwas stimmt da nicht. Die kommen jeden Tag mit neuen Ausreden. Bin schon gespannt, was sie uns heute wieder erzählen werden.«
In diesem Moment trat, ein Mann in grauem Arbeitskittel, offenbar der Drückereileiter, aus dem Tor und machte sich durch Handzeichen bemerkbar. Augenblicklich wurde es still auf der Straße.
»Es tut mir leid, daß ich euch auch heute nichts anderes sagen kann«, begann der Mann und wischte sich nervös den Schweiß von der Stirn. »Wir haben versucht zu drucken, aber schon nach dem ersten Anlaufen waren die Druckwalzen zerstört. Wie abgeschliffen, sage ich euch. Auf dem Papier war natürlich nichts als graue Soße.«
»Aber das ist doch nicht möglich!« rief einer der Zeitungs-Verkäufer dazwischen. »Heute ist schon der vierte Tag!«
»Wir können uns das auch nicht erklären«, gab der Meister zu. »Ich verstehe euren Ärger, aber die Wartungsfirma ist praktisch Tag und Nacht im Dauereinsatz. Bis jetzt haben sie bloß nie was gefunden. Deshalb hat Lord Batterfield auch die Polizei eingeschaltet.«
»Lord Batterfield ist Besitzer und Verleger der MORNING NEWS«, erklärte der junge Mann neben Parker.
»Was hat denn die Polizei damit zu tun?« rief eine Stimme aus der Menge.
»Diese dauernden Zwischenfälle sind doch nur noch durch Sabotage zu erklären«, antwortete der Meister im grauen Kittel. »Mehr kann ich heute aber noch nicht sagen. Tut mir leid, Leute.«
Er verschwand wieder in der Toreinfahrt, während die arbeitslosen Zeitungsverkäufer auf der Straße diskutierten.
Gemessenen Schrittes ging Parker zu seinem hochbeinigen Monstrum zurück, um Lady Agatha Bericht zu erstatten. Er ahnte schon, daß aufregende Zeiten bevorstanden.
»Der Fall hat mit Sicherheit politische Hintergründe«, verkündete die passionierte Detektivin entschieden, nachdem der Butler ihr alles berichtet hatte. »Ich denke, ich werde mich der Sache annehmen. Für so etwas braucht man Fingerspitzengefühl und taktischen Weitblick. Mit beiden ist unsere Polizei ja nicht immer gesegnet.«
»Eine Bemerkung, der meine bescheidene Wenigkeit gern widersprechen möchte, wenn es möglich wäre«, pflichtete Parker ihr höflich bei. Er hatte wieder am Steuer Platz genommen und bog gerade in den stillen Shepherd’s Market ein, wo Agatha Simpson ihr zweistöckiges Fachwerkgebäude von hochherrschaftlichem Zuschnitt bewohnte.
»Wollten Mylady vielleicht Mister Rander zum Tee bitten?« erkundigte sich der Butler, als er seiner Herrin aus dem Wagen half. »Er dürfte über Verbindungen verfügen, die sich als nützlich erweisen könnten.«
»Eigentlich wollte ich ja erst ein Stündchen meditieren«, gab Lady Agatha zurück, »aber dazu fehlt mir jetzt doch die Ruhe. Rufen Sie ihn an, Mister Parker. Die Sache duldet keinen Aufschub.«
*
»Ich habe davon gehört«, bestätigte Mike Rander, nachdem Parker von dem Menschenauflauf vor dem Druckhaus der MORNING NEWS berichtet hatte.
Der jugendlich wirkende Anwalt, der in seiner sportlichen Erscheinung an einen erfolgreichen James-Bond-Darsteller erinnerte, saß Lady Agatha gegenüber am Teetisch, den Parker in einer gemütlichen Ecke der weitläufigen Wohnhalle gedeckt hatte.
»Ein Journalist, der mich gestern anrief, erzählte zufällig davon«, fuhr Rander fort. »Von Sabotage war in dem Gespräch aber keine Rede. Vielleicht hat sich der konkrete Verdacht erst heute ergeben.«
»Journalisten sind selten gut informiert, lieber Junge«, belehrte Lady Agatha ihn. »Ich verlasse mich lieber auf meinen eigenen Spürsinn. Und der sagt mir, daß die größte politische Affäre der Nachkriegszeit darauf wartet, von Lady Agatha Simpson aufgedeckt zu werden.«
»Das könnte schon sein«, räumte Rander zögernd ein. Er ließ sich von Parker Tee einschenken, bevor er weitersprach. »Ich habe zwar auch keine andere Erklärung für eine derart auffällige Häufung von Betriebspannen, aber irgendwie fällt es mir schwer, bei den MORNING NEWS an politisch motivierte Sabotage zu denken.«
»Dann fehlt es Ihnen einfach an Erfahrung und Überblick«, kanzelte Lady Simpson ihren Vermögensverwalter ab. »Für mich ist der Fall sonnenklar. Aber zur großen Detektivin sind eben nur wenige berufen. Genauer gesagt: in jedem Jahrhundert nur eine«, setzte sie hinzu. Bescheidenheit war nun mal nicht ihre Art.
»Darf man fragen, warum es Mylady schwer fällt, bei den MORNING NEWS an politisch motivierte Sabotage zu denken?« griff Parker den abgerissenen Gesprächsfaden wieder auf.
»Die MORNING NEWS sind ein völlig unpolitisches Blatt«, erklärte der Anwalt. »Eine Boulevardzeitung, die ihre Leser mit aufreizenden Fotos und reißerisch aufgemachten Kriminalstories versorgt. In politische Streitfragen haben sich MORNING NEWS noch nie eingemischt.«
»Demnach dürfte sich die Zeitung auch keine politischen Gegner geschaffen haben«, bemerkte Parker.
Rander nickte. »Ausschließen kann man das natürlich nie«, räumte er ein. »Das Beste wäre, wir fragen den Chefredakteur persönlich. Gilbert Morrison ist ein alter Freund von mir. Ich kannte ihn schon, als er noch junger Reporter bei den MORNING NEWS war. Wenn Mylady es wünschen, könnte ich einen Gesprächstermin für morgen vormittag arrangieren.«
»Nun gut, mein Lieber, wenn Sie meinen, daß das Gespräch einen Sinn hat«, lenkte die Hausherrin ein. »Ich bin allerdings sicher, daß Mister Morrison meine Hypothese in vollem Umfang bestätigen wird. Ist es nicht so, Mister Parker?«
»Mylady zu widersprechen, würde meiner bescheidenen Wenigkeit nicht mal im Traum einfallen, wie der Volksmund sagt«, antwortete der Butler ausweichend. Er hatte sich schon seine eigenen Gedanken über den Fall gemacht.
*
Redaktion und Verlag der MORNING NEWS waren hinter der schmucklosen Fassade eines Neubaus untergebracht, der dem Druckhaus unmittelbar gegenüberlag. Parker stellte sein hochbeiniges Monstrum auf dem Besucherparkplatz ab und öffnete den Wagenschlag, um Lady Agatha aussteigen zu lassen.
»Ich hätte mich gar nicht erst auf Mister Randers Vorschlag einlassen sollen«, begehrte seine Herrin auf, als sie an der spiegelnden Fensterfront emporblickte. »Aber länger als ein paar Minuten werde ich bei diesem Mister Parkinson doch nicht verweilen.«
»Mister Morrison«, verbesserte der Butler höflich.
»Richtig«, gab Lady Agatha mürrisch zurück. »Sagte ich doch! Also länger als ein paar Minuten werde ich mich nicht aufhalten. Und auch das nur Mister Rander zu Gefallen. Was soll der Mensch schon zur Aufklärung einer politischen Affäre großen Stils beitragen? Dieser Schreiberling!«
»Als Chefredakteur bekleidet Mister Morrison eine angesehene Position, wenn man sich diesen bescheidenen Hinweis erlauben darf«, wandte Parker vorsichtig ein.
»Andernfalls hätte eine Lady Simpson sich auch gar nicht erst herbemüht«, stellte die Detektivin klar. »Zumal es mit meinem Kreislauf heute nicht zum Besten steht.«
»Eine kleine Stärkung dürfte Mister Morrison wohl anzubieten haben«, versuchte der Butler ihr das unerwünschte Gespräch schmackhaft zu machen. Mit Erfolg.
Bereitwillig ließ sie sich von Parker zum Aufzug geleiten, der das skurrile Paar unter Rütteln und Ächzen in den vierten Stock beförderte.
Mike Rander hatte Wort gehalten und Parker noch vor dem Frühstück telefonisch mitgeteilt, daß Chefredakteur Morrison sich auf den Besuch von Lady Simpson außerordentlich freue. Er selbst hatte allerdings nicht mitkommen können, weil seine Anwesenheit bei einem wichtigen Gerichtstermin erforderlich war.
Morrisons Sekretärin, eine langbeinige Schönheit namens Lucie Milton, war jedoch informiert. »Der Chef erwartet Sie schon«, erklärte sie freundlich, als Lady Agatha mit dem Butler aus dem Aufzug trat. Ihr blondes Haar glänzte im Neonlicht, als sie mit wippenden Schritten vorausging und die ledergepolsterte Tür zu Morrisons Büro öffnete.
Der Chefredakteur der MORNING NEWS war überraschend jung. Parker schätzte ihn auf höchstens Ende Dreißig. Er hatte eine sportliche Figur und ein sonnengebräuntes Gesicht mit wachsamen, hellblauen Augen. Sein Anzug wirkte eher lässig, stammte aber offensichtlich von einem der teuersten Schneider der Stadt.
Gilbert Morrison erhob sich sofort, als er Lady Simpson eintreten sah, und begrüßte sie mit ausgesuchter Höflichkeit. Dann komplimentierte er sie in einen bequemen Ledersessel.
»Von Ihren detektivischen Fähigkeiten erzählt man sich wahre Wunderdinge, Mylady«, begann er das Gespräch. »Deshalb war ich sehr froh, als Mister Rander anrief und mitteilte, daß Sie versuchen wollen, diese merkwürdige Geschichte aufzuklären.«
»Versuchen?« schien Lady Agatha beleidigt. »Dann haben Sie wohl noch nicht genug von meinen detektivischen Fähigkeiten gehört, junger Mann. Wenn ich mir erst mal vorgenommen habe, einen Fall zu lösen, ist alles Weitere nur noch eine Frage der Zeit. Nicht wahr, Mister Parker?«
»Eine Feststellung, der sich meine bescheidene Wenigkeit nur anschließen kann«, pflichtete der Butler ihr bei.
»Mister Parker ist übrigens mein Butler«, erklärte Agatha Simpson wie beiläufig. »Hin und wieder hilft er mir auch bei der kriminalistischen Arbeit. Allerdings muß man immer mit konkreten Anweisungen aufwarten, denn der große Überblick fehlt ihm natürlich. Aber immerhin kümmert er sich um die Details, mit denen eine Lady Simpson sich natürlich nicht belasten kann.«
»Verstehe«, nickte Morrison und blickte zweifelnd erst Lady Agatha, dann ihren Butler an.
»Eins steht jedenfalls fest«, fuhr die Detektivin unbeirrt fort. »Bei diesen ständigen Sabotageakten kann es sich nur um politische Anschläge handeln. Die erste Frage wäre also, welche Gruppierung ein Interesse daran hat, Ihnen zu schaden. Das ist doch wohl auch Ihre Einschätzung, Mister Morrison?«
»Nach meinen Informationen ist das alles nicht so klar«, schränkte der Chefredakteur ein. »Aber verzeihen Sie meine Unhöflichkeit. Darf ich Ihnen etwas zu trinken anbieten, Mylady?«
»Eigentlich trinke ich ja nur hin und wieder mal einen Tropfen«, schwindelte Lady Agatha ungeniert. »Aber heute könnte mein Kreislauf schon eine kleine Stärkung vertragen.«
Morrison holte eine Kognakflasche und Gläser, und Lady Agatha schnalzte erwartungsvoll mit der Zunge, als sie das Etikett einer renommierten französischen Marke auf der Flasche entdeckte. So schnell hatte sie das erste Glas hinuntergestürzt, daß Morrison ihr sofort nachgoß, bevor er sich selbst bediente.
»An politische Hintergründe habe ich natürlich auch gedacht«, fuhr er fort, als er Lady Simpsons Glas zum dritten Mal füllte. »Aber es gibt keine Anhaltspunkte dafür. Politik spielt in dieser Zeitung eigentlich keine Rolle. Wir unterhalten unsere Leser doch nur. Wo sollten da politische Feinde herkommen?«
»Aber daß die häufigen Betriebsstörungen auf Sabotage zurückzuführen sind, steht mittlerweile fest?« schaltete Josuah Parker sich in das Gespräch ein.
»Eine andere Erklärung ist kaum denkbar«, antwortete Morrison. »Unser technischer Direktor steht vor einem Rätsel, genau wie die Wartungsfirma, die unsere Rotationsmaschine seit Jahren betreut. Deshalb haben wir ja auch die Polizei verständigt. Eine konkrete Spur hat bis jetzt aber niemand gefunden. Sollte es sich wirklich um Sabotage handeln, müßten die Täter schon ungewöhnlich raffiniert sein.«
»Kein Verbrecher ist raffiniert genug, um einer Lady Simpson zu entgehen«, verkündete die Detektivin fröhlich und ohne falsche Bescheidenheit. Drei Doppelstöckige hatten nicht nur ihren Kreislauf auf Trab gebracht, sondern auch die mürrische Laune vertrieben.
»Wird Ihre Druckmaschine denn wenigstens bewacht?« wollte sie wissen.
»Natürlich«, entgegnete Morrison. »Tag und Nacht. Seit dem zweiten Zwischenfall haben wir die Anlage nicht mehr aus den Augen gelassen. Aber es ist wie verhext: Sobald die Techniker der Wartungsfirma alles repariert haben und gegangen sind, fängt der Ärger wieder von neuem an.«
»Darf man sich nach der Art der Betriebsstörungen erkundigen?« fragte Parker.
»Beim ersten und zweiten Mal waren es noch Schrauben und irgendwelche Werkzeuge, die aus unerklärlichen Gründen zwischen die laufenden Druckwalzen gerieten und beträchtliche Schäden anrichteten«, berichtete der Chefredakteur. »Aber dann wurde es richtig geheimnisvoll: Beim dritten Mal kam nach dem ersten Anlaufen nur noch schwarz verschmiertes Papier aus der Rotation. Die Zylinder sahen aus, als hätte sie jemand blank geschliffen. Auf den Druckplatten war nichts mehr zu erkennen, kein Bild, keine Schrift.«
»Und diese Störungen treten täglich auf, Mister Morrison?« wollte der Butler wissen.
»Seit fünf Tagen haben wir keine Zeitung mehr auf den Markt gebracht«, rief Morrison verzweifelt. »Können Sie sich vorstellen, was das bedeutet? Die Zeitungsverkäufer stehen Kopf und würden uns am liebsten die Scheiben einwerfen. Auch im Betrieb greift die Unruhe um sich. Die Leute fürchten um ihre Arbeitsplätze. Zu Recht«, setzte er leiser hinzu. »Wenn dieser Terror noch eine Woche weitergeht, sind die MORNING NEWS pleite. Die großen Anzeigenkunden haben ihre Aufträge natürlich auch schon zurückgezogen.«
»Dann sollte man wirklich keine Zeit verlieren, wenn meine bescheidene Wenigkeit sich diesen Hinweis erlauben darf«, erklärte der Butler. »Vermutlich wollten Mylady zunächst die Wartungsfirma besuchen, um weitere Erkundigungen einzuziehen?«
»Genau das hatte ich vor«, erklärte Agatha Simpson schnell, obwohl sie gerade mit einem vierten Kognak geliebäugelt hatte. »Und vergessen Sie nicht, sich von Mister Morrison die Anschrift geben zu lassen. Sie wissen ja, daß ich mich um Details nicht zu kümmern pflege.«
An der Tür warf sie noch einen Blick auf die Flasche, doch Parker drängte diskret zur Eile.
»Sie können froh sein, daß ich mich Ihres Falles annehme, Mister Morrison«, verkündete die Detektivin und schwebte hoch erhobenen Hauptes aus dem Raum. »Und Sie werden sehen, daß ich Recht habe. Die Sabotageakte können nur auf das Konto politischer Überzeugungstäter gehen. Eine Lady Simpson irrt sich nicht.«
*
Das fleckige Messingschild am Eingang des heruntergekommen wirkenden Hauses war nur mit Mühe zu entziffern. »DONALD THOMPSON – Wartung und Reparatur von Druckmaschinen«, las Parker vor.
»Richtig, das ist die Firma, die Mister Morrison nannte«, bestätigte Lady Agatha und gähnte herzhaft. »Ich erinnere mich genau.« Sie hatte die Fahrt durch die Stadt zu einem Nickerchen genutzt und war erst aufgewacht, als Parker sein hochbeiniges Monstrum vor dem Gebäude parkte.
»Was wollte ich diesen Brompton eigentlich fragen?« murmelte sie wie geistesabwesend und rieb sich den Schlaf aus den Augen.
»Thompson«, korrigierte der Butler vorsichtig.
