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Butler Parker ist ein Detektiv mit Witz, Charme und Stil. Er wird von Verbrechern gerne unterschätzt und das hat meist unangenehme Folgen. Der Regenschirm ist sein Markenzeichen, mit dem auch seine Gegner öfters mal Bekanntschaft machen. Diese Krimis haben eine besondere Art ihre Leser zu unterhalten. Butler Parker ist seinen Gegnern, den übelsten Ganoven, auch geistig meilenweit überlegen. In seiner auffallend unscheinbaren Tarnung löst er jeden Fall. Bravourös, brillant, effektiv – spannendere und zugleich humorvollere Krimis gibt es nicht! Der Fahrer des Sattelschleppers verließ sich auf die Vorfahrt, die ein Schild am Straßenrand signalisierte. Doch der Landrover von rechts behielt unbeirrt seine Geschwindigkeit bei. Der Mann am Steuer spürte, wie seine Handflächen feucht wurden. Wenn der Rover nicht unverzüglich bremste, würde es gleich fürchterlich krachen ... Lady Agatha wandte sich empört an ihren Butler. »Nun sehen Sie sich das an, Mister Parker! Was sagen Sie dazu? Will mir der Lümmel doch tatsächlich die Vorfahrt nehmen!« »Unverzeihlich, Mylady, aber vielleicht hat ihn ein entsprechendes Verkehrszeichen zu seinem Fehlverhalten verleitet.« Agatha Simpson schüttelte unwillig den Kopf. »Das kann man mit mir nicht machen, Mister Parker. Ich fühle, daß ich im Recht bin, und das werde ich mir nicht nehmen lassen.« Entschlossen trat sie das Gaspedal durch und hielt sich am Lenkrad fest. Parker tastete unauffällig nach dem Haltegriff am Armaturenbrett, um sich abstützen zu können, wenn gleich kam, was kommen mußte. Der Fahrer des LKW hatte inzwischen eingesehen, daß er von dem Land-Rover keine Rücksicht erwarten durfte. Verzweifelt kurbelte er am Lenkrad, um den sicheren Zusammenstoß im letzten Augenblick zu vermeiden. Dabei war eine Laterne im Weg, die der Wucht des Sattelschleppers nicht gewachsen war und ihr Leben in einem benachbarten Vorgarten aushauchte. Das Fahrzeug war nun total außer Kontrolle, streifte einige am Straßenrand abgestellte Autos, durchbrach einen Gartenzaun und bohrte sich schließlich in eine Garage, um dort zu parken. Lady Agathas Augen hingen am Rückspiegel, was ihren an sich schon eigenwilligen Fahrstil noch ausgeprägter werden ließ. Ängstliche Naturen unter den Verkehrsteilnehmern zogen es vor, ihre Fahrzeuge vehement zu beschleunigen und einen möglichst großen Abstand zwischen sich und den Land-Rover zu bringen.
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Seitenzahl: 129
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Der Fahrer des Sattelschleppers verließ sich auf die Vorfahrt, die ein Schild am Straßenrand signalisierte. Doch der Landrover von rechts behielt unbeirrt seine Geschwindigkeit bei.
Der Mann am Steuer spürte, wie seine Handflächen feucht wurden. Wenn der Rover nicht unverzüglich bremste, würde es gleich fürchterlich krachen ... Lady Agatha wandte sich empört an ihren Butler. »Nun sehen Sie sich das an, Mister Parker! Was sagen Sie dazu? Will mir der Lümmel doch tatsächlich die Vorfahrt nehmen!«
»Unverzeihlich, Mylady, aber vielleicht hat ihn ein entsprechendes Verkehrszeichen zu seinem Fehlverhalten verleitet.«
Agatha Simpson schüttelte unwillig den Kopf.
»Das kann man mit mir nicht machen, Mister Parker. Ich fühle, daß ich im Recht bin, und das werde ich mir nicht nehmen lassen.«
Entschlossen trat sie das Gaspedal durch und hielt sich am Lenkrad fest.
Parker tastete unauffällig nach dem Haltegriff am Armaturenbrett, um sich abstützen zu können, wenn gleich kam, was kommen mußte.
Der Fahrer des LKW hatte inzwischen eingesehen, daß er von dem Land-Rover keine Rücksicht erwarten durfte. Verzweifelt kurbelte er am Lenkrad, um den sicheren Zusammenstoß im letzten Augenblick zu vermeiden. Dabei war eine Laterne im Weg, die der Wucht des Sattelschleppers nicht gewachsen war und ihr Leben in einem benachbarten Vorgarten aushauchte.
Das Fahrzeug war nun total außer Kontrolle, streifte einige am Straßenrand abgestellte Autos, durchbrach einen Gartenzaun und bohrte sich schließlich in eine Garage, um dort zu parken.
Lady Agathas Augen hingen am Rückspiegel, was ihren an sich schon eigenwilligen Fahrstil noch ausgeprägter werden ließ.
Ängstliche Naturen unter den Verkehrsteilnehmern zogen es vor, ihre Fahrzeuge vehement zu beschleunigen und einen möglichst großen Abstand zwischen sich und den Land-Rover zu bringen.
»Nicht zu glauben, wer heutzutage alles einen Führerschein besitzt«, kritisierte Lady Agatha, während der Rover an einem geparkten Wagen entlangschrammte.
»Vielleicht sollte man halten und sich um eine Schadensregulierung bemühen«, schlug Josuah Parker vor.
»Das ist gar kein so schlechter Einfall, Mister Parker.« Agatha Simpson nickte wohlwollend und brachte mit resolutem Tritt auf die Bremse die folgenden Autos in gewisse Schwierigkeiten.
»Mir war tatsächlich so, als hätte uns eben erst ein Wagen gestreift.«
»Es handelte sich um ein parkendes Fahrzeug«, präzisierte Parker würdevoll.
»Das sind doch Haarspaltereien, Mister Parker. Wann gewöhnen Sie sich die endlich ab?«
Agatha Simpson riß den Hebel auf Rückwärtsgang und gab beherzt Gas. Der Fahrer hinter ihr wurde von diesem Manöver überrascht und nahm entsetzt zur Kenntnis, daß sich die vordere Partie seines Wagens leicht verformte. Bevor er dazu kam, sich darüber Gedanken zu machen, wurde die Tür an seiner Seite aufgerissen.
Vor seinen Augen präsentierte sich Lady Agathas junonische Gestalt, die in ein weites Gewand gehüllt war, bei dessen Entwurf man sich wohl an der Form eines Kartoffelsacks orientiert hatte. Das abenteuerliche Gebilde auf ihrem Kopf erinnerte an einen Napfkuchen.
»Sehen Sie sich an, was Sie gemacht haben«, herrschte Lady Agatha den entsetzten Mann an. »Der Wagen ist noch so gut wie neu, ich habe ihn erst vor ein paar Minuten vom Händler geholt, und Sie demolieren mir das Heck. Haben Sie eigentlich einen Führerschein, junger Mann?«
Der etwa fünfzigjährige Vertreter, auf dem Weg zu einem Kunden, wollte etwas sagen, aber er brachte keinen Ton heraus. Er befand sich in einer Art Schockzustand und hielt sich zitternd an seinem Fahrzeug fest, aus dem ihm Lady Agatha energisch herausgeholfen hatte.
Josuah Parker hüstelte diskret und führte den Mann beiseite, um mit ihm die Schadensregulierung vorzunehmen.
Inzwischen sah sich die resolute Dame um und suchte nach einem weiteren Kontrahenten, an dem sie sich reiben konnte.
Dann bestieg sie wieder den Land-Rover und wendete, ohne auf den Gegenverkehr zu achten.
»Ich nehme mir jetzt mal den LKW-Fahrer vor, Mister Parker, kommen Sie bitte nach.«
Huldvoll nickte sie ihm zu, während der Rover mit protestierenden Reifen davonschoß.
*
»Es ist wirklich nicht zu glauben, was sich heutzutage auf den Straßen tummelt!« erregte sich Lady Agatha nachträglich noch, während sie sich an einem dreifachen Cognac labte, den ihr der Butler auf einem Silbertablett serviert hatte.
In der Halle des alten Fachwerkhauses in Shepherd’s Market, das auf den Gewölben einer ehemaligen Abtei errichtet und nach Josuah Parkers speziellen Plänen um- und ausgebaut worden war, befand sich außer Lady Agatha und dem Butler Mike Rander und Kathy Porter.
»Ich nehme an, Sie haben für Ordnung gesorgt?« erkundigte sich der Anwalt lächelnd.
»Und ob, mein Junge, und ob!« Agatha Simpson nickte energisch und schaute mißbilligend in ihr leeres Glas, worauf der Butler seiner Herrin sofort nachgoß.
»Gab es großen Schaden?« wollte Rander wissen, während sich Kathy Porter im Hintergrund die Fäuste vor die Lippen preßte, um nicht loszulachen.
»Man hat mir in der Tat meinen fast fabrikneuen Land-Rover beschädigt«, ärgerte sich die Hausherrin.
»Sehr bedauerlich, wo der Wagen erst fünf Jahre alt ist«, stichelte der Anwalt.
Mylady ließ sich davon nicht beirren. »Ich habe Mister Parker gebeten, sich um die Schadensregulierung zu kümmern. Ich hoffe, Sie haben sich nicht übers Ohr hauen lassen«, wandte sie sich an ihren Butler.
»Meine Wenigkeit wünscht, Myladys Interesse bestmöglich vertreten zu haben«, erwiderte Parker diplomatisch.
Die Unterhaltung wurde durch den Türgong unterbrochen. Parker begab sich in den Vorflur und öffnete dort eine Art Wandschrank. Darin befanden sich eine Schalttafel und ein Fernsehmonitor.
Parker schaltete den Monitor ein und erblickte gleich darauf den Besucher am Hauseingang. Es handelte sich um Chief-Superintendent McWarden, dessen Gesichtsausdruck an eine gereizte Bulldogge erinnerte.
Parker betätigte den Öffner und wandte sich zu seiner Herrin um, die ihm neugierig entgegensah. »Mister McWarden, Mylady«, meldete der Butler, während der Yard-Beamte, der ein Sonderdezernat zur Bekämpfung des organisierten Bandenwesens leitete, bereits eintrat.
»Sie haben Glück, Mylady, ich bin rein privat hier und komme nur zufällig vorbei«, erklärte McWarden, während er in dem angebotenen Sessel Platz nahm.
»Und weshalb habe ich Glück?« erkundigte sich die Hausherrin mißtrauisch.
»Weil Sie mir gern einen Whisky anbieten können«, erwiderte kühn der Gast.
»Alkohol ist schädlich«, versuchte die Lady ihren Whisky zu schützen und beobachtete kritisch ihren Butler, der mit unbewegter Miene dem Chief-Superintendent bereits einschenkte.
McWarden kostete voller Genuß und hielt Parker sein Glas zum Auffüllen hin.« Sie hatten heute einen kleinen Unfall, Mylady?« erkundigte er sich.
»Unfall? Wie kommen Sie darauf?« Agatha Simpson sah ihn gespielt verständnislos an.
»Ich las zufällig einen Bericht der Verkehrspolizei, in dem Ihr Name erwähnt wurde«, erklärte McWarden.
»Hatten wir einen Unfall, Mister Parker?« wollte die Detektivin wissen.
»Auf keinen Fall. Mylady wurden das Opfer einiger unaufmerksamer Verkehrsteilnehmer, die Myladys Land-Rover oberflächlich beschädigten.«
»Da hören Sie’s«, erwiderte die Hausherrin zufrieden, während sie Parker ihr Glas hinhielt.
»Dabei soll auch ein Sattelschlepper eine Rolle gespielt haben«, wußte McWarden zu berichten.
»In der Tat, Sir, Mylady wurde Zeuge, wie ein solches Fahrzeug außer Kontrolle geriet«, erklärte Josuah Parker würdevoll.
»Sicher hat der Fahrer ein Schreckgespenst in Form eines zerbeulten Land-Rovers gesehen und dabei die Herrschaft über seinen Wagen verloren«, stichelte der Chief-Superintendent.
»Meinen Sie damit etwa mich?« empörte sich Lady Agatha. »Mister Parker, keinen Whisky mehr für Mister McWarden, er verträgt ihn nicht!«
»Warum erwähnen Sie den LKW?« wollte Kathy Porter, die aufmerksam zugehört hatte, wissen.
»Der Fahrer ist verschwunden«, ärgerte sich McWarden. »Er wurde zur Behandlung in ein Krankenhaus gebracht und setzte sich von dort ab. Allerdings haben wir seine Personalien, das Unfallkommando notierte sich die Angaben aus seinem Führerschein.«
»Hatte der betreffende Herr einen Grund, sich abzusetzen?« erkundigte sich Josuah Parker.
»Allerdings.« McWarden lehnte sich zurück und nippte genüßlich an seinem Glas.
Agatha Simpson sah ihn gereizt an. »Was soll eine solche Kunstpause, Mister McWarden? Reden Sie gefälligst weiter, ich spüre längst, daß Sie wieder mal meine Hilfe brauchen.«
»Der LKW war gestohlen.«
»Was hatte er geladen?«
»Personalcomputer.«
Mike Rander pfiff durch die Zähne. »Nicht gerade billig, diese Ladung, das hätte sich gelohnt.«
»Ist dies der erste Fall dieser Art, oder gab es in der Vergangenheit schon ähnliche Vorkommnisse?« Josuah Parker konnte sich, wenn er wollte, erstaunlich knapp und präzise ausdrücken.
»Der fünfte Fall... und immer teure Fracht aus dem High-Tech-Bereich«, seufzte McWarden.
»Reden Sie nicht in Rätseln«, fuhr Lady Agatha ihn an. »Um was handelte es sich dabei?«
»Wie Mylady zu wissen geruhen, ging es bei dem sogenannten High-Tech um technisch aufwendige, in der Regel elektronische und entsprechend hochwertige Ware«, erläuterte Parker.
»Das weiß ich natürlich, Mister Parker, ich werde mich um diesen Fall kümmern.«
»Wir sind für Ihre Hilfe sehr dankbar«, spöttelte McWarden.
»Ohne mich kämen Sie ja doch nicht zurecht. Wie haben Sie eigentlich Ihren Posten bekommen?«
»Er wurde ausgelost, und ich gewann«, versicherte McWarden treuherzig.
»Was ich Ihnen aufs Wort glaube!« erwiderte die Lady.
»Ich würde gern wissen, Mister Parker, was ich in diesem Fall als nächstes vorhabe.«
»Sicher gedenken Mylady, einem gewissen Mister John Wenton einen Besuch abzustatten.«
»Tatsächlich... wollte ich das?« staunte die Hausherrin.
Mike Rander grinste über das ganze Gesicht, als er sich an Agatha Simpson wandte.
»Wer ist denn dieser Wenton, Mylady?« fragte er anzüglich.
»Mister Parker, sagen Sie Mister Rander, wer Wenton ist.«
»Mister Wenton, Mylady, ist der Arbeitgeber des Mister Hank Fisher«, antwortete Josuah Parker mit unbewegter Miene.
Kathy Porter konnte sich das Lachen nicht mehr länger verkneifen. Sie wußte, was jetzt kam.
»Schluß jetzt, Mister Parker! Was sollen die vielen unnützen Namen? Sie wissen, ich interessiere mich nur für die große Linie. Unwichtige Details kann ich Ihnen unbesorgt überlassen. Also, wer soll nun dieser Risher sein?« ärgerte sich Lady Agatha.
»Besagter Mister Fisher«, korrigierte Parker den Namen, »ist der Fahrer des Sattelschleppers, der inzwischen aus dem Krankenhaus verschwunden ist. Mister Wenton wiederum ist in Kreisen der sogenannten Unterwelt nicht ganz unbekannt und gilt als Arbeitgeber des Mister Fisher.«
»Und woher haben Sie Ihre Weisheiten?« staunte Kathy Porter.
»Mister McWarden verlor einen Notizzettel mit entsprechenden Hinweisen«, erklärte Josuah Parker würdevoll.
»Das hat er absichtlich gemacht, er braucht mal wieder meine Hilfe«, triumphierte Agatha Simpson. »Wie oft soll ich eigentlich noch die Arbeit dieses Mannes tun?« seufzte sie.
»Mylady sind eben in Sachen Verbrechensbekämpfung unübertrefflich«, behauptete Parker, ohne eine Miene zu verziehen.
»Ich weiß, Mister Parker«, fühlte sie sich geschmeichelt. »Und wo finde ich diesen Gangsterboß? Ich möchte den Fall umgehend klären.«
»Mister Wenton betreibt einige Bäckereien und Cafés und dürfte um diese Zeit in seinem Hauptsitz in der New Bond Street zu finden sein.«
»Mister Parker, ich möchte in einer halben Stunde fahren, sorgen Sie dafür, daß ich mich nicht langweile.«
»Wie Mylady wünschen.« Parker verbeugte sich leicht und sah seiner Herrin nach, die sich über die breite Freitreppe ins Obergeschoß begab.
*
Agatha Simpson saß im Fond von Parkers hochbeinigem Monstrum und starrte ungeduldig aus dem Fenster. Sie konnte es nicht erwarten, endlich in Aktion zu treten.
Parker fand eine Parklücke nicht weit von Wentons Hauptgeschäft.
Formvollendet half er Mylady aus dem Wagen und geleitete sie zum verglasten Eingang eines eleganten Cafés. Passanten blieben stehen und blickten dem Paar beeindruckt nach.
»Sehr hübsch, wirklich recht ansprechend«, lobte Agatha Simpson, während sie im Eingang stehenblieb und sich umsah.
Auch Butler Parker musterte die Einrichtung wohlwollend. Die Wände waren mit cremefarbenen Seidentapeten bespannt, der Boden bestand aus polierten Marmorplatten. An der hohen Decke spendete ein mehrflammiger Kronleuchter dezentes Licht.
Parker geleitete seine Herrin in eine Nische und blieb stocksteif neben ihrem Tisch stehen, während sie Platz nahm.
»Lebt nicht schlecht, dieser Wenton«, bemerkte die ältere Dame, während sie die umfangreiche Kuchenkarte überprüfte.
»Ich denke, Mister Parker, ich runde meine heutige Diät mit einem Stück Torte ab«, verkündete sie, während sie die Karte zuklappte.
»Wie Mylady meinen«, entgegnete der Butler.
»Was darf meine bescheidene Wenigkeit bestellen?«
»Ich werde mich zurückhalten, Mister Parker. Selbstbeherrschung ist alles, das sollten Sie sich merken! Ich nehme ein Stück Sahnetorte, ein wenig Eierlikörtorte, etwas Bienenstich und ein Stück Himbeertorte. Danach könnte ich vielleicht noch ein Eclair zu mir nehmen, die Stücke sehen ja nicht allzu groß aus.«
»Sehr wohl, Mylady. Ich werde der Bedienung Myladys Wünsche überbringen.«
»Einen Augenblick noch, Mister Parker, seien Sie nicht so hektisch. Dazu nehme ich natürlich ein Kännchen Kaffee, einen dreifachen Cognac und ein winziges Schälchen Sahne. Ich sorge mich ernsthaft, ob ich mit meiner Diät nicht übertreibe, Mister Parker. Man sollte alles in Maßen tun.«
»Die diversen Lebensmittel dürften Myladys Kalorienbedarf sicher für die nächste Stunde decken«, glaubte Parker beruhigen zu müssen, während er ein Zeichen zur Theke gab.
»Verzeihen Sie, darf ich mich einen Augenblick zu Ihnen gesellen?« erkundigte sich in dem Moment ein schlanker, etwa dreißigjähriger Mann in grauem Anzug.
Agatha Simpson schaute unwillig hoch.
»Sie haben die Ehre und den Vorzug, Lady Agatha Simpson gegenüberzustehen«, informierte der Butler den Ankömmling, der miterlebte, wie die Kuchenportion gebracht wurde.
»Aha ... Mylady scheint auf Süßes zu stehen? Obwohl Sie vielleicht besser mal ’ne kleine Pause einlegen sollten.«
»War das gerade eine Beleidigung, Mister Parker?« erkundigte sich Agatha Simpson, während sie den Graugekleideten interessiert musterte.
»Unter Umständen müßte man dem zustimmen, Mylady«, befürchtete Parker und trat vorsichtshalber zur Seite, schließlich kannte er das Temperament seiner Herrin.
»Soll ich Ihnen mal etwas verraten?« fragte die resolute Dame und winkte dem jungen Mann vertraulich mit dem Finger.
Es war offensichtlich der Geschäftsführer des Cafés, der sich leichtsinnigerweise vorbeugte. Darauf hatte Agatha Simpson gewartet. Ihre rechte Hand schloß sich liebevoll um die Schale mit der Sahne und ... klatschte sie unbekümmert in das Gesicht des Mannes vor ihr. Zufrieden beobachtete sie, wie sich die Sahne verteilte und dann auf seinen Anzug kleckerte.
Der Mann prustete und wischte sich verzweifelt über’s Gesicht »Das wird Sie lehren, eine wehrlose alte Frau zu beleidigen«, grollte Lady Agatha, während ihr der Butler aus dem Stuhl half.
Josuah Parker beglich die Rechnung und rundete großzügig ab. Im Hintergrund entdeckte er eine Tür mit der Aufschrift »Privat«.
»Sicher möchten Mylady jetzt mit dem Besitzer des Hauses sprechen«, vermutete er, während er seine Herrin bereits zu der schmalen Tür führte.
»Und ob ich das will, Mister Parker! Ich werde mich über das Benehmen seines Geschäftsführers beklagen. Einfach unglaublich, wie hier die Gäste behandelt werden.«
*
Hinter der Privattür führte eine schmale Treppe nach oben und endete vor einer zweiten, stahlverstärkten Tür. Der Butler öffnete sie und trat höflich zur Seite, während Lady Agatha hoheitsvoll an ihm vorbeirauschte.
Hinter einem lederbezogenen Schreibtisch sprang ein etwa fünfzigjähriger Mann auf und starrte den Besuchern entgeistert entgegen. »Wer hat Sie heraufgelassen?« schnauzte er ungewöhnlich scharf.
»Sie haben die Ehre, Lady Agatha Simpson kennenzulernen«, stellte Parker würdevoll vor, ohne auf die Frage des Glatzkopfs einzugehen.
»Das hat Mister Parker sehr richtig gesagt, Sie lernen mich gleich kennen!« Die ältere Dame baute sich vor dem Schreibtisch auf. »Sie schulden mir eine hübsche Stange Geld, mein Lieber. Am besten ist, Sie geben Mister Parker einen Scheck, aber einen gedeckten, wenn ich bitten darf.«
»Wie... wie bitte?« John Wenton, um den es sich handelte, starrte die Lady an.
»Einer Ihrer Leute hat mich gestern auf der Straße behindert und dabei meinen Wagen beschädigt«, erfand Agatha Simpson ungeniert. »Wie hieß dieses Subjekt doch noch, Mister Parker?«
»Mister Hank Fisher, Mylady, steuerte den bewußten Lastzug.«
»Fisher... Fisher... irgendwie kommt mir der Name bekannt vor«, überlegte Wenton, während seine Hand unter die Schreibtischplatte tastete.
»Er saß in einem gestohlenen Laster«, verkündete die passionierte Detektivin, »und ich frage mich, ob Sie nicht dahinterstecken, junger Mann!«
Der junge Mann um die fünfzig sah die korpulente Dame vor sich entrüstet an. »Ich muß doch sehr bitten, Mylady! Aber jetzt fällt es mir wieder ein: Hank Fisher, genau. Den habe ich vorige Woche entlassen müssen, es gab da einige Unregelmäßigkeiten, Sie verstehen... Tut mir wirklich leid, daß ich Ihnen nicht weiterhelfen kann. Wenn Sie mich jetzt entschuldigen würden...«
