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Butler Parker ist ein Detektiv mit Witz, Charme und Stil. Er wird von Verbrechern gerne unterschätzt und das hat meist unangenehme Folgen. Der Regenschirm ist sein Markenzeichen, mit dem auch seine Gegner öfters mal Bekanntschaft machen. Diese Krimis haben eine besondere Art ihre Leser zu unterhalten. Butler Parker ist seinen Gegnern, den übelsten Ganoven, auch geistig meilenweit überlegen. In seiner auffallend unscheinbaren Tarnung löst er jeden Fall. Bravourös, brillant, effektiv – spannendere und zugleich humorvollere Krimis gibt es nicht! »Man sollte wieder mal Sport treiben, Mister Parker«, sagte Lady Simpson mit schwärmerischem Unterton in der Stimme und beobachtete zwei junge Jogger, die sich ihr in weitem Bogen näherten. Die ältere Dame, die mit Sicherheit das sechzigste Lebensjahr überschritten hatte, war eine recht füllige Erscheinung. Sie trug ein weites, bequemes Tweedkostüm und hatte sich in Anbetracht des warmen Nachmittages ein neckisches Hütchen aufgesetzt, das an ein Blumenbeet erinnerte, an dessen Flora eine Art Kolibri zupfte. Am linken Handgelenk baumelte an langen Lederschnüren ein perlenbestickter Handbeutel. Dieser sogenannte Pompadour sah harmlos aus, hatte es jedoch in sich. Mylady trug keineswegs modische Kleinigkeiten mit sich herum, sondern das Hufeisen eines stämmigen Brauereipferdes. »Ich habe als Pfadfinderin Leistungssport getrieben«, sagte die ältere Dame und blieb vor einer Nische in der Hecke stehen. Mylady befand sich zusammen mit ihrem Butler im Hyde Park und wollte sich ein wenig die Beine vertreten und Appetit für das anstehende Dinner holen. »Man dürfte Mylady die ehemals sportliche Betätigung ansehen«, behauptete der Butler. Josuah Parker war ein etwas über mittelgroßer, fast schlanker Mann mit dem glatten und ausdruckslosen Gesicht eines Berufsspielers. Es war so gut wie unmöglich, sein Alter zu schätzen. Parker war, was auch seine konventionelle Kleidung betraf, das Urbild eines hochherrschaftlichen englischen Butlers. Über dem schwarzen Zweireiher mit dem weißen Eckkragen trug er stets den ebenfalls schwarzen Covercoat und die Melone. Am linken angewinkelten Unterarm hing der eng zusammengerollte Regenschirm. »Erinnern Sie mich daran, Mister Parker, daß ich mir einen Jogging-Anzug kaufe«, fuhr die alte Dame fort. »Ich habe vor, ab sofort jeden Morgen einige Male den Hyde Park zu umrunden.«
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Seitenzahl: 118
Veröffentlichungsjahr: 2023
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»Man sollte wieder mal Sport treiben, Mister Parker«, sagte Lady Simpson mit schwärmerischem Unterton in der Stimme und beobachtete zwei junge Jogger, die sich ihr in weitem Bogen näherten.
Die ältere Dame, die mit Sicherheit das sechzigste Lebensjahr überschritten hatte, war eine recht füllige Erscheinung. Sie trug ein weites, bequemes Tweedkostüm und hatte sich in Anbetracht des warmen Nachmittages ein neckisches Hütchen aufgesetzt, das an ein Blumenbeet erinnerte, an dessen Flora eine Art Kolibri zupfte. Am linken Handgelenk baumelte an langen Lederschnüren ein perlenbestickter Handbeutel. Dieser sogenannte Pompadour sah harmlos aus, hatte es jedoch in sich. Mylady trug keineswegs modische Kleinigkeiten mit sich herum, sondern das Hufeisen eines stämmigen Brauereipferdes.
»Ich habe als Pfadfinderin Leistungssport getrieben«, sagte die ältere Dame und blieb vor einer Nische in der Hecke stehen. Mylady befand sich zusammen mit ihrem Butler im Hyde Park und wollte sich ein wenig die Beine vertreten und Appetit für das anstehende Dinner holen.
»Man dürfte Mylady die ehemals sportliche Betätigung ansehen«, behauptete der Butler. Josuah Parker war ein etwas über mittelgroßer, fast schlanker Mann mit dem glatten und ausdruckslosen Gesicht eines Berufsspielers. Es war so gut wie unmöglich, sein Alter zu schätzen.
Parker war, was auch seine konventionelle Kleidung betraf, das Urbild eines hochherrschaftlichen englischen Butlers. Über dem schwarzen Zweireiher mit dem weißen Eckkragen trug er stets den ebenfalls schwarzen Covercoat und die Melone. Am linken angewinkelten Unterarm hing der eng zusammengerollte Regenschirm.
»Erinnern Sie mich daran, Mister Parker, daß ich mir einen Jogging-Anzug kaufe«, fuhr die alte Dame fort. »Ich habe vor, ab sofort jeden Morgen einige Male den Hyde Park zu umrunden.«
»Mylady werden mit Sicherheit einiges Aufsehen erregen und allseitige Bewunderung auslösen«, behauptete Josuah Parker in seiner stets höflichen Art. Er war durch keine Ankündigung seiner Herrin zu erschüttern.
»Sehen Sie sich die geschmeidigen Bewegungen der beiden Läufer an, Mister Parker«, sagte Agatha Simpson fachkundig und nickte wohlwollend, als sich ihr zwei junge Männer bereits auf etwa zwanzig Meter genähert hatten. »In den Hüften müßten sie vielleicht noch etwas lockerer werden.«
Die beiden Athleten bremsten dicht vor Mylady und Parker ihren Lauf. Einer von ihnen griff nach einer kleinen Gürteltasche, holte blitzschnell einen Fotoapparat hervor und blitzte Lady Agatha an. Die ältere Dame war geblendet und protestierte laut, wobei sie von ihrer tiefen, baritonal gefärbten Stimme unterstützt wurde.
»Was soll denn das?« grollte sie verärgert und nahm automatisch die Hände hoch, um sie schützend vor die Augen zu halten. Dann spürte sie ein hartes, brutales Zerren an ihrem Handgelenk und wußte, daß man ihr den Pompadour entreißen wollte. Eine Hand langte an ihren Hals und wollte die Perlenkette abreißen.
Josuah Parker war vom Blitzlicht ebenfalls geblendet worden, reagierte jedoch nicht mit Worten. Er benutzte seinen Universal-Regenschirm, verwandelte ihn in eine Art Degenklinge, stach zu und traf, wie er deutlich hörte. Es gab einen Aufschrei, dann hörte man einen wüsten Fluch.
Lady Agatha war eine resolute Dame und kaum zu verblüffen. Sie ging ebenfalls zum Gegenangriff über, zumal sie sich von ihrer Perlenkette nicht freiwillig trennen wollte. Sie trat mit ihrem linken Fuß zu, der keineswegs klein war und in einem entsprechenden Schuh steckte. Sie traf das Schienbein des Mannes und hörte einen Schrei. Die Hand löste sich von ihrem Hals, wobei die Kette zerriß.
Der Butler konnte bereits wieder etwas sehen, da er nicht speziell angeblitzt worden war. Er sah die jungen Jogger, die lossprinteten und sich in Sicherheit brachten. Sie jagten über eine weite Rasenfläche und hielten auf eine Strauchgruppe zu, hinter der sie verschwinden wollten.
Parker hatte verständlicherweise etwas dagegen und griff nach seinem Bowler. Er verwandelte die Melone in eine Frisbee-Scheibe und schleuderte sie mit weit ausholender Bewegung von sich.
Es war faszinierend, wie die Kopfbedeckung sich verhielt. Sie beschrieb zuerst eine leicht ansteigende Flugbahn, drehte sich dabei wie ein Kreisel und senkte sich dann zielgenau auf den Rücken eines Flüchtenden. Sie gab ihre Energie an die Partie zwischen den beiden Schulterblättern weiter, ließ den Mann straucheln und hinschlagen. Dabei überschlug der junge Läufer sich und blieb dann regungslos im Gras liegen.
Sein Partner bremste, blickte zurück und wollte behilflich sein, erblickte dann aber den Butler, der schnell und nicht immer gemessen näher kam, und lief weiter. Es dauerte nur wenige Augenblicke, bis er hinter dem Strauchwerk verschwunden war.
»Hoffentlich haben Sie endlich etwas unternommen, Mister Parker«, sagte Lady Agatha gereizt und rieb sich die Augen. »Haben Sie überhaupt mitbekommen, daß man mich überfallen hat?«
»Dies ist meiner Wenigkeit keineswegs entgangen«, versicherte der Butler. Er war stehengeblieben. »Mylady werden sich in wenigen Minuten mit einem der beiden Täter unterhalten können.«
*
Der Zwischenfall war so gut wie kaum wahrgenommen worden. Es gab einige Spaziergänger und Sonnenanbeter auf dem weiten Rasen, die nur kurz hingeschaut hatten und dann Diskretion zeigten. Parker hatte den jungen Mann gebeten, sich zu erheben. Der Jogging-Läufer kam diesem Wunsch nach und blickte den Butler in einer Mischung aus Irritation und Wut an.
»Bemühen Sie sich bitte zu Lady Simpson hinüber«, sagte Parker. »Ein Fluchtversuch dürfte sich für Sie nicht auszahlen, wie meine Wenigkeit Ihnen versichern möchte.«
»Ich glaub’, ich träume«, erwiderte der junge Mann, der übrigens keineswegs wie ein Krimineller aussah.
»Das Erwachen aus dem vermeintlichen Traum könnte für Sie ungemein ernüchternd ausfallen«, meinte der Butler.
»Hast du mich gestoppt?« wollte der höchstens Fünfundzwanzigjährige wissen.
»Meine Wenigkeit war so frei«, entgegnete der Butler und deutete mit der Schirmspitze auf Lady Agatha. »Wenn man nun höflichst bitten darf?«
»Wie... wie hast du mich aus dem Tritt gebracht?« lautete die nächste Frage des Joggers. Da Parker die Melone wieder aufgesetzt hatte, kam der Mann gar nicht auf den Gedanken, daß sie gegen ihn verwandt worden sein könnte.
Er hatte sich inzwischen wieder gefaßt und den Butler abgeschätzt. Er rechnete sich gute Chancen aus und trat blitzschnell nach Parker. Bei dieser Gelegenheit zeigte sich, daß er sich ein wenig in fernöstlichen Kampfarten auskannte. Er wollte den Butler mit einem Tritt am Kopf treffen.
Er traf natürlich nicht, wie sich sofort zeigte.
Josuah Parker war im richtigen Augenblick ausgewichen und stach mit der Schirmspitze noch mal gezielt zu. Diesmal traf er die Zehen des linken Fußes und machte den jungen Kriminellen somit fluchtunfähig.
Der Jogger produzierte gequälte Zischlaute, hüpfte auf dem noch intakten Fuß herum und humpelte anschließend überaus gehorsam auf die ältere Dame zu.
»Sie also haben mich angefallen!« stellte Agatha Simpson fest, als er vor ihr stand. »Kommen Sie Junger Mann, setzen Sie sich!« Sie zeigte auf die Nische, in der einige Holzbänke standen. »Ich denke, ich werde Ihnen ins Gewissen reden müssen.«
Ihre Stimme klang gefährlich freundlich. Mylady lächelte sogar und bot das Bild einer alten Dame, die sich um Resozialisierung bemüht.
»Jeder macht mal ’ne Dummheit«, verteidigte sich der junge Jogger und humpelte in Richtung Hecken-Nische. Dabei schielte er verstohlen zu Parker hinüber, der gemessen und würdevoll hinter Mylady folgte.
»Sie sind wahrscheinlich nur angestiftet worden, junger Mann, nicht wahr?« fragte Agatha Simpson.
»Genau, Lady, genau.« Der Kriminelle witterte Morgenluft und setzte auf die vermeintliche Naivität der Begleiterin. »Noch mal wird mir so was nicht passieren.«
»Natürlich nicht, mein Junge.« Mylady und er hatten die kleine Nische erreicht. Agatha Simpson holte aus und verabreichte dem Burschen eine ihrer gefürchteten Ohrfeigen. »Jetzt sammeln Sie erst mal die Perlen, haben Sie mich verstanden? Stück für Stück! Und dann sehen wir weiter.«
Er lag nach der Ohrfeige halb ausgestreckt auf der Bank und schnappte nach Luft. Lady Agatha verfügte über eine erstaunlich gute Handschrift, da sie dem Golf- und Sportbogensport huldigte. Ihre Armmuskulatur war keineswegs unterentwickelt.
»Mylady geht davon aus, daß Sie bereits mehrfach Opfer angeblitzt haben«, schaltete der Butler sich ein. »Mylady wünscht zu erfahren, wie Sie heißen, wo Sie wohnen und wer Ihr Begleiter ist.«
»Benny Tastler«, kam prompt darauf die Antwort. »Harson Street, Brompton...«
Er stand eindeutig unter einem Schock, sonst wäre die Antwort kaum derart schnell und präzise ausgefallen. Er hätte wahrscheinlich noch mehr preisgegeben, doch es kam leider zu gewissen Störungen, mit denen Parker insgeheim gerechnet hatte.
*
»Ein ganzer Pulk von Joggern?« staunte Kathy Porter, die Sekretärin und Gesellschafterin der älteren Dame. Sie war um die dreißig Jahre alt und von pikanter Schönheit.
Kathy Porter war schlank, etwas über mittelgroß und strahlte einen exotischen Reiz aus, wozu ihre mandelförmig geschnittenen Augen und die hohen Wangenknochen noch beitrugen. Man sah ihr auf keinen Fall an, daß sie so gut wie in allen Künsten fernöstlicher Verteidigung beschlagen war.
Sie hatte sich mit Mike Rander im altehrwürdigen Fachwerkhaus in Shepherd’s Market eingefunden. Mike Rander, ein hervorragender Anwalt, verwaltete das immense Vermögen der Lady Simpson und erinnerte vom Aussehen her an einen bekannten James-Bond-Darsteller.
Er war um die Vierzig, groß, schlank und wirkte ein wenig lässig-blasiert. Rander kleidete sich stets tadellos, liebte graue Flanellhosen und dunkelblaue Blazer. Er war ein austrainierter Einzelkämpfer, was man ihm jedoch nicht zutraute. Zusammen mit Kathy Porter lebte er in der nahen Curzon Street in einer Wohnung oberhalb der Anwaltskanzlei. Beide waren seit geraumer Zeit gern gesehene Gäste im Haus der älteren Dame.
Sie hatten gerade erfahren, was sich im Hyde Park zugetragen hatte. Natürlich wunderten sie sich überhaupt nicht darüber, daß Lady Agatha schon wieder Kontakt mit Kriminellen hatte. Sie wirkte, was das anging, wie ein Magnet, der die Eisenfeilspäne unwiderstehlich anzog.
»Mylady sah sich plötzlich vier Joggern gegenüber, Miß Porter, die deutlich zu verstehen gaben, Mylady überfallen zu wollen«, beantwortete der Butler Kathy Porters Frage. »In Anbetracht dieser Übermacht hielt meine Wenigkeit es für angebracht, eine kleine Nebelwand zu errichten.«
»Sie haben mich zur Flucht überredet, Mister Parker«, mokierte sich die ältere Dame grollend. »Ich hätte es selbstverständlich gern mit diesen Subjekten aufgenommen.«
»Ein kluger Rückzug ist mehr wert als eine verlorene Schlacht«, warf Mike Rander ein. »Hatten Sie in der Vergangenheit nicht schon mal Ärger im Hyde Park, Mylady?«
»Mehrfach«, bestätigte sie. »Dieses Gelände ist längst nicht mehr das, was es mal war.«
»Ein Blitzlicht-Überfall ist natürlich gemein«, sagte Kathy Porter.
»Erfreulicherweise hatte ich mich schneller wieder gefaßt als Mister Parker«, erklärte die passionierte Detektivin. »Und anschließend hätte dieser Lümmel alle Perlen wieder aufsammeln müssen, doch Mister Parker drängte mich förmlich in die Hecke.«
»Demnach liegen die Perlen noch im Park?« erkundigte sich Mike Rander.
»Von mir aus können sie dort auch bleiben«, sagte Lady Agatha lässig. »Sie waren schließlich nicht echt. Und dennoch...!«
»Haben wir es mit einer Bande zu tun?« tippte Mike Rander in Richtung Parker an.
»Davon sollte man ausgehen, Sir. Die erwähnten übrigen Jogger dürften dazugehören. Möglicherweise graste man den Hyde Park ab, um Beute zu machen.«
»Wie wird sich ein Lichtblitz erst in der Dunkelheit ausnehmen«, ließ Kathy Porter sich vernehmen. »Das muß ja schrecklich sein.«
»Geradezu verheerend, Miß Porter«, urteilte Josuah Parker. »Das Opfer dürfte nachhaltig geblendet werden und völlig wehrlos sein.«
»Ich werde mich dieser Sache sofort annehmen«, entschied die resolute Dame noch mal. »Da ist ja schließlich noch meine Perlenkette! Ich lasse mich nicht berauben.«
»Bisher hat man von diesen Blitzlichtanschlägen noch nichts in den Zeitungen gelesen«, wunderte sich der Anwalt.
»Vielleicht haben Mylady eine Art Generalprobe miterleben müssen«, erklärte der Butler.
»So oder so, Mister Parker«, sagte Lady Agatha streng. »Ich werde dafür sorgen, daß weitere Aufführungen unterbleiben. Treffen Sie alle erforderlichen Vorbereitungen. Sie wissen hoffentlich genau, worauf es mir ankommt.«
»Mylady können auf meine bescheidene Wenigkeit bauen und setzen«, gab der Butler zurück und deutete eine Verbeugung an. »Man wird sofort im übertragenen Sinn die erforderlichen Fühler ausstrecken.«
*
»Ich gehe davon aus, Mister Parker, daß man mich bereits erwartet«, sagte Lady Agatha. Sie saß im Fond von Parkers hochbeinigem Gefährt, einem ehemaligen Londoner Taxi, das einen recht altersschwachen Eindruck machte. Eingeweihte und Betroffene wußten aber, daß der Wagen eine raffinierte Trickkiste auf Rädern war. Parker hatte sich dazu viel einfallen lassen und konnte davon ausgehen, daß ein James Bond sich solch einen Wagen liebend gern gewünscht hätte, wenn es um seine Filmabenteuer ging.
Stocksteif, als habe er einen Ladestock verschluckt, saß Parker am Steuer dieses hochbeinigen Monstrums, wie der Wagen liebevoll-spöttisch genannt wurde. Er befand sich auf dem Weg ins nahe Brompton, um dem Jogger Benny Tastler einen Besuch abzustatten.
»Mylady fragen sich allerdings auf der anderen Seite, ob Mister Benny Tastler sich seinen Freunden gegenüber offenbart hat.«
»Natürlich frage ich mich das«, schnappte sie zurück. Sie hatte es sich bequem gemacht und befühlte ihren perlenbestickten Pompadour. Sie vergewisserte sich, daß das Hufeisen einsatzbereit war.
»Mister Tastler könnte seinen Freunden gegenüber verschwiegen haben, daß er Namen und Adresse nannte, Mylady.«
»Dann wird er sich aber abgesetzt haben, Mister Parker«, gab sie zurück.
»Falls er über eine eigene Wohnung verfügt, Mylady.«
»Konnten Sie das nicht telefonisch feststellen?«
»Es hätte Argwohn ausgelöst, Mylady«, erwiderte der Butler. »Mylady legen ja stets Wert darauf, möglichst unangemeldet zu erscheinen.«
»Ich werde mich wieder mal überraschen lassen.« Sie lächelte versonnen. »Ich weiß aber im Grund bereits jetzt, daß mich einige Kriminelle erwarten. Ich habe nichts dagegen.«
Die Fahrt nach Brompton dauerte nicht lange. Der kleine Stadtteil an der Südseite des Hyde Park, zwischen Belgravia und South Kensington gelegen, war eine durchaus gute Adresse. Es war schwer vorstellbar, daß hier ein Krimineller wohnte.
Parker hatte den Jogger noch genau vor sich. Der etwa Fünfundzwanzigjährige hatte einen teuren Jogging-Anzug und Laufschuhe einer bekannten Ausrüster-Firma getragen. Dem Butler, der einen geschärften Blick für Details besaß, war die teure Armbanduhr aufgefallen und auch der modische, kurze Haarschnitt. Benny Tastler stammte mit einiger Sicherheit nicht aus der Unterschicht.
Unter der von Tastler genannten Adresse fand Parker ein Apartment-Hotel älteren Zuschnitts, das aber keineswegs heruntergekommen aussah. Es gab sogar einen Baldachin, der vom Eingang quer über den Gehweg bis zum Straßenrand führte.
Josuah Parker und Lady Agatha betraten die ehemalige Empfangshalle des umgebauten Gebäudes und hielten auf die Rezeption zu, hinter der ein älterer Mann saß und Zeitung las.
»Zu Mister Tastler«, sagte Parker. »Wo findet man den Fahrstuhl?«
»Mister Tastler?« fragte der ältere Mann diensteifrig und stand auf. »Zweite Etage ... Apartment Nummer sechsundzwanzig ... Der Fahrstuhl ist dort drüben hinter der Pflanzengruppe.«
