Perry Rhodan 1580: Rätselhaftes Kima - Peter Griese - E-Book

Perry Rhodan 1580: Rätselhaftes Kima E-Book

Peter Griese

0,0

Beschreibung

Entdeckung in Zonai - ein Forscher will das Rätsel seines Volkes lösen Den ehemaligen Zellaktivatorträgern läuft die Zeit davon. Jedenfalls wissen sie im Frühsommer 1173 NGZ längst, dass die ihnen von ES zugestandene Lebensspanne drastisch verkürzt wurde. Schuld daran ist offenbar der gestörte Zeitsinn der Superintelligenz, die, wie man inzwischen weiß, einen schweren Schock davongetragen hat. Sowohl den Planeten Wanderer als auch den Zugang zu ES zu finden, um der Superintelligenz zu helfen, darum bemühen sich Perry Rhodan und seine Gefährten seit langem. Denn nur wenn sie erfolgreich sind, können sie hoffen, ihre Leben erhaltenden Geräte, die inzwischen im Besitz der Linguiden sind, zurückzubekommen. Während die Milchstraße immer mehr zum Tummelplatz der linguidischen Friedensstifter wird - sie mischen in der galaktischen Politik kräftig mit und sorgen für unliebsame Entwicklungen -, kommen unsere Protagonisten mit dem Projekt UBI ES nicht voran, obwohl die Andromeda-Expedition interessante Ergebnisse mitgebracht hat. In dieser Situation folgt Perry Rhodan dem Ruf des "Piraten" Roi Danton nach Lingora, wo neue Gesetze verkündet werden sollen - und wo ein Forscher mit dem größten Geheimnis seines Volkes befasst ist: mit dem RÄTSELHAFTEN KIMA ...

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Veröffentlichungsjahr: 2013

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Nr. 1580

Rätselhaftes Kima

Entdeckung in Zonai – ein Forscher will das Rätsel seines Volkes lösen

Peter Griese

Den ehemaligen Zellaktivatorträgern läuft die Zeit davon. Jedenfalls wissen sie im Frühsommer 1173 NGZ längst, dass die ihnen von ES zugestandene Lebensspanne drastisch verkürzt wurde. Schuld daran ist offenbar der gestörte Zeitsinn der Superintelligenz, die, wie man inzwischen weiß, einen schweren Schock davongetragen hat.

Sowohl den Planeten Wanderer als auch den Zugang zu ES zu finden, um der Superintelligenz zu helfen, darum bemühen sich Perry Rhodan und seine Gefährten seit langem. Denn nur wenn sie erfolgreich sind, können sie hoffen, ihre Leben erhaltenden Geräte, die inzwischen im Besitz der Linguiden sind, zurückzubekommen.

Während die Milchstraße immer mehr zum Tummelplatz der linguidischen Friedensstifter wird – sie mischen in der galaktischen Politik kräftig mit und sorgen für unliebsame Entwicklungen –, kommen unsere Protagonisten mit dem Projekt UBI ES nicht voran, obwohl die Andromeda-Expedition interessante Ergebnisse mitgebracht hat.

Die Hauptpersonen des Romans

Sando Genard – Ein kima-Forscher.

Boota Bugenete – Sandos Lebensgefährtin.

Yankipoora – Agentin der Kosmischen Hanse.

Roi Danton

1.

Boota Bugenete erkannte sofort, dass etwas Außergewöhnliches vorgefallen sein musste, denn ihr langjähriger Lebensgefährte Sando Genard vergaß sogar die übliche Begrüßung.

Achtzehn Tage war er nicht im eigenen Heim in der Hauptstadt Lingoras, Sharinam, gewesen, und jetzt stürmte er hinein, warf ihr nur einen kurzen Blick zu und legte dann sein Ausrüstungspaket scheinbar achtlos auf den Boden.

Sie sagte nichts, denn sie spürte, dass er erst einmal ausspannen musste. Fragen wären das schlechteste Mittel gewesen, um etwas zu erfahren. Sie kannten sich bereits seit Jahrzehnten, und sie wusste, er würde sprechen, wenn er den Zeitpunkt für geeignet hielt.

Der Linguide ließ sich in einen Sessel fallen. Sein Atem ging pfeifend. Das lag sicher nicht nur an seinem hohen Alter von siebenundfünfzig Jahren, sondern auch daran, dass er sich überanstrengt hatte.

Boota ging zu ihm hin. Sie wollte die beiden Rucksäcke aufheben, um sie in die Kammer zu bringen, aber er hob eine Hand.

»Nein!«, knurrte er kurz. »Rühr bitte nichts an!«

Sie schüttelte unwillig den Kopf, so dass die vier armlangen Zöpfe durch die Luft zischten. Er musste sehen, dass sie ungehalten über sein Benehmen war.

Und das war sie in der Tat. Er hätte wenigstens ein paar Worte zur Begrüßung sagen können.

Auch eine kleine Umarmung nach achtzehn Tagen der Trennung wäre angebracht gewesen.

»Hast du vielleicht Hunger?«, fragte sie. Aber das klang nicht so, als ob sie ihm wirklich eine Mahlzeit anbieten wollte. »Oder darf es vielleicht etwas zu trinken sein?«

Sando Genard reagierte noch immer nicht. Er stützte nur den Kopf in die Hände und starrte auf den Boden. Mit einer fahrigen Bewegung riss er die kleine, dunkelblaue Kappe vom Kopf. Eine annähernd kreisrunde haarlose Stelle auf seinem Schädel wurde jetzt sichtbar.

Für linguidische Verhältnisse war der Wissenschaftler ein alter Mann, der schon die durchschnittliche Lebenserwartung von fünfundfünfzig Jahren überschritten hatte. Seine schmächtige Statur und die an allen Körperpartien fransigen grauen Haare unterstrichen diesen Eindruck.

Als er dann plötzlich aufblickte und Boota Bugenete anstarrte, war sein Blick aber klar und fest.

»Meine Liebe«, sagte er, »ich habe eine Entdeckung gemacht, deren Bedeutung ich selbst noch nicht abschätzen kann. Ich glaube, ich befinde mich auf dem besten Weg, die letzten Geheimnisse unseres Volkes zu entschlüsseln.«

Er hatte sehr langsam gesprochen und jedes Wort besonders betont. Bei der Frau erzielte er aber keine Wirkung damit. Boota verzog das Gesicht, und ihre Augen verrieten, dass sie von den Ausführungen ihres Lebenspartners wenig hielt.

»Also«, sagte sie, »das war also deine Begrüßung. Jetzt lass mich bitte noch wissen, ob du etwas essen oder trinken möchtest. Und wenn du dann etwas Zeit für mich hast, dann möchte ich dich über die jüngsten politischen Entwicklungen auf Lingora und den anderen Linguidenwelten informieren.«

»Bist du taub?« Er sprang auf und fuchtelte zornig mit den Händen. »Hast du nicht gehört, was ich gesagt habe? Ich stehe ganz dicht vor der Entschlüsselung der letzten und wichtigsten Geheimnisse der Linguiden. Und du erzählst mir etwas von Essen, Trinken und Politik!«

»Ich weiß nicht, was du willst.« Die Linguidin blieb kühl. »Es gibt keine letzten Geheimnisse unseres Volkes. Also interessieren mich deine Phantastereien herzlich wenig.«

»Es liegt mir fern, dich zu beleidigen«, knurrte Sando Genard. »Aber es geht nicht anders. Du bist eine Ignorantin, ein primitiver Geist, der nichts versteht.«

»Deine Beleidigungen treffen mich nicht.«

Sie holte eine Karaffe mit Fruchtsaft aus einem Schrank und stellte sie zusammen mit zwei Gläsern auf den Tisch. Aus den Augenwinkeln heraus beobachtete sie ihn, wie er unruhig auf und ab ging. Die Hände hielt er dabei auf dem Rücken gefaltet.

»Also gut.« Sein Tonfall wurde etwas freundlicher. »Auch wenn du mir nicht glauben willst, ich bitte dich um ein sachliches Gespräch.«

»Einverstanden.« Sie setzte sich an den Tisch und füllte die beiden Gläser. »Willkommen im eigenen Heim, Sando.«

»Ja, natürlich.« Jetzt wirkte er plötzlich etwas zerfahren. »Ich habe es versäumt, dich zu begrüßen. Verzeih mir, aber meine Entdeckung hat mich durcheinander gebracht.«

Er hockte sich zu ihr.

»Du sagtest«, sprach er, »dass es keine letzten Geheimnisse unseres Volkes gibt? Du irrst dich, meine Liebe! Das Geheimnis der Linguiden verbirgt sich hinter dem, was wir kima nennen.«

»Aha!«, machte sie. »Aus dir spricht wieder einmal der kima-Forscher.«

»Im kima liegt das entscheidende Geheimnis unseres Volkes. Allein diese Tatsache verlangt, dass die Frage geklärt wird. Auch wenn ein so einfacher Geist wie du davon nichts wissen will.«

»Wo bitte«, spöttelte Boota Bugenete, »soll da ein Geheimnis liegen?«

»Kannst du mir sagen, was das kima ist?«

»Natürlich, Sando. Es ist die einfachste Sache auf der Welt.«

Sie stand auf und ging zum Fenster. Dort zog sie den Store etwas zur Seite. Ein etwa vierzig Zentimeter hoher Strauch, der aus einem einzigen dicken Stamm mit mehreren Ästen bestand, wurde sichtbar. Die Pflanze steckte in einem Porzellantopf. Sie trug keine Blüten und ihre Blätter waren dunkelgrün und mit silbernen Fasern durchsetzt.

»Das ist mein kima-Strauch«, sagte sie schlicht und drehte den Topf ein wenig im Kreis. »Zugegeben, er ist nicht besonders stattlich. Er ist gesund, auch wenn er seit Jahren nicht mehr wächst. Auch hat er noch nie geblüht, wie das bei anderen kima-Sträuchern der Fall ist. Aber das stört mich nicht. Ich bin mit ihm zufrieden. Und er mit mir.«

»Er spiegelt dich wider«, brummte Sando Genard. »Du bist nun einmal ein simpler Geist.«

»Natürlich«, sagte sie, ohne auf die neuerliche Kränkung einzugehen. »Meine Eltern haben ihn gepflanzt, als ich geboren wurde. Es gibt etwas Unsichtbares, das uns beide verbindet. Vielleicht ist es eine Art von geistiger Symbiose. Oder etwas Ähnliches. Es gibt mir Kraft und Stabilität. Diese Bindung zwischen dem Strauch und mir, das ist das kima!«

»Du machst es dir verdammt einfach.« Der Linguide schüttelte unwillig den Kopf. »Du erklärst nichts. Du beschreibst etwas, das du selbst nicht verstehst. Du nimmst einfach alles als gegeben hin. Das ist einfach unwissenschaftlich, oberflächlich und falsch.«

»Sagst du! Auch wenn dein Strauch größer ist als meiner, so kannst du daraus nicht herleiten, dass auch deine Phantastereien richtiger sind als meine klar umrissenen Vorstellungen von der Realität.«

Sie war einen halben Kopf kleiner als er, aber wesentlich kräftiger gebaut. Ihre langen Kopfhaare hatte sie in allen denkbaren Farben getönt und zu vier Zöpfen geflochten. Von denen zwei auf der Brust und zwei auf dem Rücken herabbaumelten. Dass auch sie schon über fünfzig Jahre zählte, war nicht auf den ersten Blick zu erkennen.

»Deine Gedanken bewegen sich nur an der Oberfläche der Realität, liebe Boota«, behauptete er unwillig. »Wahrscheinlich kannst du nichts dafür, dass du die tieferen Zusammenhänge nicht einmal erahnst. Es ergeht ja den meisten Linguiden so. Sieh dir nur die vielen anderen Völker der Milchstraße an! Nirgends gibt es etwas Vergleichbares zum kima. Kein anderes intelligentes Lebewesen besitzt eine solche Assoziation zu einem Pflanzenwesen.«

»Ich finde diese Einmaligkeit nicht übel«, unterbrach sie ihn lächelnd. »Oder anders ausgedrückt: Ich fühle mich dadurch bestätigt.«

»Das ist doch völlig unwichtig.« Sando Genard fuchtelte wieder mit beiden Händen. Um ein Haar hätte er das Glas mit dem Fruchtsaft umgestoßen. Boota zog es gerade noch rechtzeitig zur Seite. »Du musst nach dem tieferen Sinn fragen, nach den Zusammenhängen, nach den historischen Gründen, die zur Bildung des kimas geführt haben. Du musst nach dem Warum fragen!«

»Warum darf ich die Dinge nicht so hinnehmen, wie sie sind? Niemand kann mich zwingen, Fragen zu stellen, die sich gar nicht aufdrängen. Fragen, die für die heutige Zeit bedeutungslos sind. Sieh dir lieber an, was die Friedensstifter an neuen Gesetzen und Methoden eingeführt haben oder noch einführen wollen! Nimm die aktuellen Veränderungen in unserem Volk zur Kenntnis! Da ereignen sich Dinge von Bedeutung. Und nicht in den Höhlen von Zonai! Für mich und alle anderen Linguiden ist es bedeutungslos zu wissen, wie unsere Vorfahren vor sechstausend oder zehntausend Jahren gelebt haben.«

»In diesem Punkt unterliegst du einem gewaltigen Irrtum. Es haben sich damals Dinge ereignet, durch die nicht nur unsere Vorfahren aus Tefrodern und Arkoniden entstanden.«

»Das hat dir deine seltsame Assistentin Yankipoora in die Ohren geblasen!«, behauptete Boota unwirsch.

»Ich spreche von gesicherten Erkenntnissen. Es sind damals auch Dinge geschehen, die etwas mit der Entstehung des kima zu tun haben müssen. Ich habe noch keine endgültigen Beweise, aber ich bin mir sicher, dass zwischen den Rätseln der Vergangenheit, dem kima und den heutigen Geschehnissen tief greifende Zusammenhänge bestehen. Die gilt es zu verstehen. Wenn die Fragen beantwortet sind, werden wir uns als Volk verstehen. Das ist es, was ich meine, wenn ich von den letzten Geheimnissen der Linguiden spreche!«

»Ich gebe zu«, sagte sie, »dass ich dich nicht verstehe. Vielleicht sind wir nur zwei alte Leute mit verschiedenen Interessen. Vielleicht können wir uns daher nicht verstehen.«

»Papperlapapp!« Er winkte energisch ab. »Du weißt, dass in den letzten Monaten viel Aufklärungsarbeit über unsere Herkunft geleistet worden ist. Auch wenn es dich nicht interessiert, ich halte das für äußerst wichtig. Diese Erkenntnisse darf man nicht isoliert sehen. Sie stehen in Verbindung mit dem kima, mit den Friedensstiftern und den aktuellen Geschehnissen.«

»Phantasterei!«

Er öffnete einen der beiden Rucksäcke und zog einen zusammengefalteten Bogen heraus. Sorgfältig breitete er ihn auf dem Tisch aus und strich ihn glatt. An den Rändern war zu erkennen, dass es sich um eine Bildkopie handelte. Die Qualität war sehr schlecht, und es ließ sich kaum etwas Eindeutiges auf den wirren Darstellungen erkennen.

»Sieh dir das an!«, verlangte er. »Es handelt sich nur um einen Ausschnitt, und die Zeichnungen sind auch sehr verwittert. Es sind uralte Felszeichnungen, die unsere Vorfahren angefertigt haben. Wenn es mir gelingt, die einfache Symbolik zu deuten, dann habe ich die Antworten auf die letzten Geheimnisse unseres Volkes gefunden. Dann kann ich die Entstehung des kimas deuten.«

Die Linguidin betrachtete sich nachdenklich die Kopie.

»Sando Genard«, sagte sie dann, »du bist ein verkalkter Trottel. Das sind Zeichnungen von Kindern. Oder Gekritzel von Leuten, die dir einen Streich spielen wollen.«

»Du bist verrückt!« Er faltete den Bogen wieder zusammen. »Mein alter Freund Adonor Cyrfant hat vor wenigen Tagen das von mir entdeckte Höhlensystem besucht, aus dem die Teilkopie stammt. Auch er ist davon überzeugt, dass wir hier die Antworten in den Spuren der Vergangenheit finden werden. Natürlich ist noch viel Arbeit zu leisten. Ich werde noch heute nach Zonai zurückkehren.«

*

»Von mir aus kannst du zum Mond Sagno Ciff reisen oder zu deinem verehrten Adonor Cyrfant«, erklärte sie bissig. »Ich frage mich nur, warum du überhaupt nach Hause gekommen bist. Doch nicht etwa nur, um mir von deinen albernen Entdeckungen zu berichten?«

»Natürlich nicht!« Auch Sando Genard reagierte nicht auf die unterschwelligen Vorwürfe der Gefährtin. Die etwas rüde Tonart war schon seit Jahren zwischen den beiden alten Linguiden üblich. So merkwürdig es klingen mochte, eigentlich war sie ein Ausdruck des gegenseitigen Verständnisses. »Ich muss ein paar Recherchen durchführen. Dann brauche ich Informationen über die Aktivitäten der Friedensstifter. Und schließlich möchte ich dich um einen Gefallen bitten.«

»Fangen wir mit dem an, was mir am Herzen liegt.«

Der kima-Forscher kannte die Interessen seiner Lebensgefährtin. Sie besaß gute Verbindungen zu verschiedenen Regierungsstellen. Früher hatte sie selbst verschiedene höhere Ämter bekleidet, die etwas mit der Weiterentwicklung der Linguiden zu tun gehabt hatten. Den Schwerpunkt hatte sie immer auf den Bereich der Innenpolitik gelegt. Damit waren aber nicht nur die Geschehnisse auf der Hauptwelt Lingora gemeint, sondern die im gesamten Herrschaftsbereich des eigenen Volkes.

Wirkliche Bedeutung hatte Boota Bugenetes Interesse aber erst bekommen, seit vor wenigen Monaten die Friedensstifter begonnen hatten, eine politische Wende herbeizuführen. Anfangs hatte die alte Frau die Begeisterung aller Linguiden geteilt, aber inzwischen betrachtete sie so manche Entwicklung mit gemischten Gefühlen. Und einige sogar mit Argwohn.

»Es hat sich einiges getan, Sando, seit du dich in den Höhlen von Zonai verkrochen hast.« Sie blätterte in einem syntronischen Notizbuch. »Nachdem sich unsere Friedensstifter zu den neuen Herren unseres Volkes erklärt hatten, haben sie eine zweifache Politik verfolgt, eine nach innen auf die Linguiden gerichtet, eine nach außen auf die galaktischen Völker. Von der neuen Ordnung, die sie eingeführt haben, hatte ich dir bei deinem letzten Besuch berichtet. Balasar Imkord ist seit der Machterklärung die Nummer eins.«

»Ich weiß«, entgegnete Sando Genard. »Mir gefällt nur nicht, dass du das so negativ gefärbt ausdrückst.«

»Es riecht nach Diktatur«, erklärte die Frau.

»Du bist verrückt!«, widersprach der kima-Forscher heftig. »So etwas darfst du nicht einmal denken. Die Friedensstifter sind ...«

»Sei still, Alter! Von Politik verstehst du nichts. Such in den Höhlen von Zonai nach Spuren der Vergangenheit! Aber überlass mir die Beurteilung der Gegenwart. Ich spreche das aus, was ich denke. Ich mache mir ernsthafte Sorgen. Die Friedensstifter gebärden sich teilweise wie Götter. Und das wohl nur wegen der Zellaktivatoren, die sie von diesem unbegreiflichen ES bekommen haben. Aber lass dich über ein paar Einzelheiten informieren.«

»Ich lausche.« Er legte sich im Sessel zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. Sie spürte, dass er sie wieder einmal nicht ernst nahm.

»Die Aktivatorträger haben verstärkt galaktische Politik betrieben«, berichtete Boota Bugenete. »Das Triumvirat Shaenor-Imkord-Vaccer hat für gewaltige Summen High-Tech-Ausrüstung bei der Kosmischen Hanse bestellt. Wer das und die weiteren Bestellungen letzten Endes bezahlen soll, ist mir ein Rätsel. Mir scheint, dass die Friedensstifter einen regelrechten Ausverkauf mit unserer Wirtschaftskraft betreiben.«

»Das ergibt keinen Sinn«, warf der kima-Forscher ein. »Also kann es so auch nicht sein. Die Friedensstifter sind ja keine Dummköpfe.«