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Hysterie im Solsystem - die Angst vor der neuen Toten Zone In den letzten Stunden des 15. Mai 1200 NGZ löst sich die Zone der Hyperraum-Parese, die das Solsystem und das benachbarte Raumgebiet seit dem 10. Januar gefangen hielt, plötzlich und unerwartet wieder auf. Hyperfunk und Hyperraumflug sind ebenso wieder möglich wie alles andere, das auf 5-D-Technologie und Energiegewinnung aus dem übergeordneten Kontinuum basiert. Doch die Frage, wie es überhaupt zur Entstehung der Toten Zone kommen konnte, bleibt vorerst unbeantwortet. Das gilt auch für die Rätsel, die den Galaktikern von den Ennox aufgegeben wurden. Philip, der von ES auserwählte neue Zellaktivatorträger, ist mit seinen Artgenossen im Zorn verschwunden. Neues Unheil scheint den Galaktikern bereits zu drohen, denn im Raumsektor M 3 hat sich ein "5-D-Attraktor" gebildet, der gewaltige Mengen an Hyperenergien verschlingt und stetig wächst. Die Wissenschaftler begeben sich augenblicklich dorthin, um nähere Untersuchungen anzustellen. Man schreibt Mitte Juli 1200 NGZ, als die Bedrohung immer dramatischere Ausmaße annimmt. Alles deutet darauf hin, dass der Galaxis von M 3 aus eine neue Tote Zone droht, und auf den Welten des Solsystems kommt es zur PANIK ...
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Seitenzahl: 124
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Nr. 1618
Panik
Hysterie im Solsystem – die Angst vor der neuen Toten Zone
von Peter Griese
In den letzten Stunden des 15. Mai 1200 NGZ löst sich die Zone der Hyperraum-Parese, die das Solsystem und das benachbarte Raumgebiet seit dem 10. Januar gefangen hielt, plötzlich und unerwartet wieder auf. Hyperfunk und Hyperraumflug sind ebenso wieder möglich wie alles andere, das auf 5-D-Technologie und Energiegewinnung aus dem übergeordneten Kontinuum basiert.
Doch die Frage, wie es überhaupt zur Entstehung der Toten Zone kommen konnte, bleibt vorerst unbeantwortet. Das gilt auch für die Rätsel, die den Galaktikern von den Ennox aufgegeben wurden. Philip, der von ES auserwählte neue Zellaktivatorträger, ist mit seinen Artgenossen im Zorn verschwunden.
Neues Unheil scheint den Galaktikern bereits zu drohen, denn im Raumsektor M 3 hat sich ein »5-D-Attraktor« gebildet, der gewaltige Mengen an Hyperenergien verschlingt und stetig wächst. Die Wissenschaftler begeben sich augenblicklich dorthin, um nähere Untersuchungen anzustellen.
Man schreibt Mitte Juli 1200 NGZ, als die Bedrohung immer dramatischere Ausmaße annimmt. Alles deutet darauf hin, dass der Galaxis von M 3 aus eine neue Tote Zone droht, und auf den Welten des Solsystems kommt es zur PANIK ...
Perry Rhodan – Der Terraner kehrt ins Solsystem zurück.
Careful Menetekel – Er macht Geschäfte mit der Angst.
Gucky – Der Ilt wird hereingelegt.
Yankipoor und Zornatur – Die Hanse-Spezialisten jagen ein Phantom.
Henna Zarphis
»Terraner! Hört mir zu! Aber auch ihr, die ihr von anderen Planeten der Milchstraße ins Solsystem gekommen seid, spitzt eure Ohren! Es geht um das Wichtigste, das ihr besitzt. Es geht um euer Leben.«
»Ist das 'ne Werbesendung?«, rief Ma Cadletz aus der Robotküche. »Es hört sich sehr überzeugend an.«
»Keine Ahnung«, brummte ihr Lebensgefährte, der achtundachtzigjährige Mann in dem breiten Sessel. Sie nannten ihn in der kleinen Wohngemeinschaft Dad Cadletz, obwohl er ganz anders hieß. Seinen wahren Namen hatte er aber nicht einmal Ma verraten. »Der Kubus flimmerte mitten in der aktuellen Informationssendung über die Riesenechsen von Shourmager und die vermeintliche Entwicklung der Gurs und ihrer Intelligenz, und dann erschien dieses Milchgesicht.«
»Ich will euch nichts verkaufen, wie ihr vielleicht jetzt annehmt, weil ich mich unbefugt in diesen Tele-Kanal geschaltet habe. Nein, meine Freunde von der Erde und aus den Weiten der Galaxis. Ich will etwas anderes. Ich will euer Leben retten. Es hat keinen Sinn, die Augen und Ohren länger vor der Gefahr zu verschließen.«
Ma Cadletz erschien in der Tür. In der einen Hand hielt sie einen Chip der defekten Wascheinheit, mit der sie sich schon seit Tagen herumplagte, in der anderen eine Lupe. Sie starrte auf den 3-D-Kubus, aus dem die Stimme des Unbekannten erklang. Ein Kopf war da zu sehen. Zweifellos war es ein Mann, ein Terraner oder zumindest ein Humanoider. Seine Gesichtszüge wirkten auffällig glatt, fast etwas maskenhaft und unnatürlich.
»Eine Katastrophe habt ihr überstanden. Sicher, es hat ungezählte Unfälle, viele Verletzte und Tote gegeben, aber das alles war nur der Anfang. Die Tote Zone ist wieder verschwunden. Ihr spürt nichts mehr von der Hyperraum-Parese. Und ihr fangt an, die Gefahr zu vergessen oder zu verleugnen. Das ist ein schlimmer Fehler.«
»Was will der Kerl?«, fragte Ma Cadletz und legte den Chip und die Lupe zur Seite. Langsam trat sie näher an das dreidimensionale Bild heran. Der Mann mit den glatten Gesichtszügen hatte wieder eine Pause eingelegt, um seine Worte auf die Zuschauer und Zuhörer einwirken zu lassen.
»Der sieht aber komisch aus.« Ma kicherte. »Wie ein bemalter Kürbis. Wie ein aufgeblasener Luftballon oder ...«
»Kannst du vielleicht mal den Mund halten?«, knurrte der alte Ramirez. »Mir ist es zwar egal, wann ich sterbe, denn ich habe 250 Jahre auf dem Buckel. Aber die anderen könnte es doch interessieren.«
Die Frau seufzte laut und beleidigt, dann ließ sie sich neben Dad Cadletz in den Sessel fallen.
»Eure Wissenschaftler haben euch nicht die ganze Wahrheit gesagt. Und die politisch Verantwortlichen auch nicht. Deshalb hört mir zu! Ich bin der Verkünder der ganzen Wahrheit! Ich, Careful Menetekel! Und ich bin mehr. Ich allein kann euer Retter sein, wenn ihr es wollt.«
»Ein Scharlatan«, meinte eine junge Frau, die erst vor wenigen Tagen zur Wohngemeinschaft gestoßen war. »Diese Betrüger gab es auf meinem Heimatplaneten auch. Sie wollen sich nur bereichern.«
»Ein Werbegag«, vermutete Dad Cadletz mit geringem Interesse. »Und obendrein ein ziemlich einfallsloser.«
»Richtig«, unterstützte ihn Ramirez und klapperte vernehmlich mit dem Gebiss. »Die schlagen aus allem Kapital.«
»Wer?«, fragte Ma giftig. »Von wem redest du? Verstehst du überhaupt, worum es da geht? Hast du von den Katastrophenwochen der Hyperraum-Parese überhaupt etwas mitbekommen? Du hast doch unsere Wohnung seit Monaten nicht einmal verlassen!«
»Still!«, rief eine weibliche Stimme aus dem Nebenraum. »Ich will das hören. Schließlich geht es um mein Leben!«
»Schaltet den Quatsch endlich ab!«, verlangte eine andere Stimme. »Wir leben in einer aufgeklärten Zeit und brauchen uns diesen Unsinn nicht anzuhören. Ich sage daher: Abschalten!«
»Wer seinen Recorder bis jetzt noch nicht eingeschaltet hat, der sollte es nun tun. Ich verkünde in wenigen Sekunden die ganze Wahrheit. Und dann zeige ich euch, wie ihr euch rettenkönnt. So wahr ich Careful Menetekel heiße. Also, aktiviert die Aufzeichnungsgeräte! Ich weiß nicht, wann ich wieder die Gelegenheit habe, euch über die Wahrheit zu informieren.«
Dad Cadletz betätigte zwei Tasten an der Fernbedienung.
»Ich zeichne alles auf!«, rief er laut. »Dann könnt ihr es euch nachher auch ohne das Gequatsche der Weiber ansehen und anhören.«
Während Careful Menetekel sprach, verschwand sein Konterfei. Symbolhafte Bilder der Milchstraße und des Sonnensystems traten an seine Stelle. Und andere Bilder und Zeichnungen mit Szenen aus dem All.
»Die erste Tote Zone war nur eine Warnung. Die Ursache der tödlichen Hyperraum-Parese existiert weiterhin. Eure Wissenschaftler haben sie entdeckt, aber sie haben sie auch verharmlost. Ich spreche von dem Hyperdim-Attraktor, der sich im Sektor Neu-Moragan-Pordh befindet. Hier seht ihr ein Bild dieser gewaltigen Störung im 5-D-Gefüge. Die Länge dieses Strukturrisses beträgt derzeit zwölf Lichtjahre, und sie nimmt ständig zu.«
»Eine Zeichnung«, amüsierte sich Dad Cadletz. »Eine lustige Zickzacklinie vor einem Bild der Sterne. Wie albern!«
»Du hast ja keine Ahnung, Alter«, schimpfte die junge Frau, die sich hier Midami nannte. »Ich habe ein ähnliches Bild des 5-D-Attraktors an meiner Arbeitsstelle auf dem Bildschirm gesehen. Die Wiedergabe ist echt. Bedenkt die riesigen Ausmaße von zwölf Lichtjahren. Das bedeutet, dass der Riss im All sich negativ auf die ganze Milchstraße auswirken kann und dass ...«
»Mir langt es!« Ramirez sprang zornig auf und verließ den Raum. »Alles Humbug! Alles Betrug!«
»Keine Panik, Alter!«, rief ihm Janik hinterher, ein bleichgesichtiger, schmächtiger Jüngling. »Ich habe die ganzen Informationen schon auf diesem Flugblatt gelesen.«
Er schwenkte einen Bogen Papier, aber er weckte damit bei den anderen keine Aufmerksamkeit. Sie konzentrierten sich ganz auf den 3-D-Kubus.
»Die wichtigste Information, die man euch vorenthalten hat, betrifft die nächste Tote Zone. Niemand aus den offiziellen Kreisen, weder hier auf Terra noch im Galaktikum, gibt die Wahrheit zu. Es ist nämlich mit absoluter Sicherheit bekannt, dass in Kürze eine neue Tote Zone entstehen wird. Wo dieses Katastrophengebiet liegen wird, hat uns niemand verraten. Aber mir, Careful Menetekel, ist bekannt, dass es jeden Bereich der Milchstraße treffen kann, auch den, in dem ihr lebt.«
»Da haben wir den Salat«, bemerkte Ma Cadletz etwas dümmlich. »Dann fällt der Antigravlift im Kaufhaus wieder aus, und ich muss alles über die Nottreppe nach unten schleppen.«
»Wenn das deine ganzen Sorgen sind«, bemerkte Midami spöttisch, »dann zieh doch ins Kaufhaus! Für dich haben sie sicher ein Plätzchen frei.«
Die Stimmung war gereizt, und sie steigerte sich bei jedem Wort noch mehr. Misstrauen und Unsicherheit breiteten sich allmählich aus. Keiner wusste so recht, was er von dem merkwürdigen Mann mit dem glatten Gesicht halten sollte, der sich Careful Menetekel genannt hatte. Der Name war allen Anwesenden bisher unbekannt gewesen. Janik ausgenommen, denn der hatte ihn auf dem Flugblatt gelesen, das er angeblich wenige Minuten zuvor auf der Straße gefunden hatte. Der Junge tat sowieso geheimnisvoll, aber da er als Wichtigtuer bekannt war, übersahen und überhörten die anderen ihn gern.
Die angeblichen Informationen schienen im Zusammenhang mit der Hyperraum-Parese zu stehen, die sie aber schon fast wieder vergessen hatten.
»Nun lässt er die Katze aus dem Sack!«, brüllte Janik überschwänglich und schwenkte erneut sein Blatt Papier.
»Ihr seid nicht verloren! Es existiert seit kurzem ein wirkungsvoller Schutz gegen die Beeinflussung durch die Tote Zone. Ich spreche von den Amuletten des Lebens, die ich in höchstem Auftrag erhalten habe und die ich unter euch verteilen möchte. Alles, was jeder von euch braucht, ist ein Amulett. Meine Helfer verlangen dafür keine Gegenleistung, aber eine kleine Spende für unsere Mühen nehmen wir gern an.«
»Also doch eine Werbesendung«, dröhnte Dad Cadletz. »Ich habe es gleich geahnt. Die wollen uns wieder irgendeinen Schrott andrehen.«
»Quatsch, Alter!«, schrillte Janik. »Du hast keine Ahnung!«
»Ruhe!« Ma Cadletz hieb eine Faust auf den Tisch, dass die leeren Gläser zu hüpfen begannen. »Er hat doch gesagt, dass die Spenden freiwillig sind.«
»Alles Humbug! Alles absoluter Schwachsinn!« Ramirez stolperte ins Zimmer. Während er die Worte heftig ausstieß, wäre ihm um ein Haar das Gebiss aus dem Mund gefallen.
»Ich zeige euch ein Amulett. Seht her!«
Die Sendung stand wieder im Mittelpunkt allen Interesses.
Eine ausgestreckte, offene Hand erschien im 3-D-Kubus. Auf dem Handteller stand eine kleine weiße Figur. Ein taubeneigroßer Körper, darauf eine kleine Kugel – wie ein Kopf. Das ganze Ding war vielleicht fünf Zentimeter hoch. Es besaß ansonsten keine Merkmale.
Die Hand umschloss das Amulett und öffnete sich dann wieder. Eine hohe Stimme erklang:
»Ich bin das Amulett von Careful Menetekel. Ich schütze sein Leben.«
Ramirez lachte meckernd.
»Jedes Amulett beschützt nur eine Person. Und zwar die, die ihm im nicht besprochenen Zustand seinen Namen nennt, wenn seine Hand es fest umschließt. Diesen Namen vergisst das Amulett nie. Schließt ihr die Hand um ein besprochenes Amulett, wie ich es euch gezeigt habe, dann nennt es den Namen des Wesens, das es beschützt. Ist dieser Name nicht mit eurem identisch, so ist das Amulett für euch wertlos. Erhaltet ihr ein neues Amulett, so umschließt es mit der Hand und nennt ihm euren Namen. Dann ist das euer persönliches Amulett.«
»So einfach ist das also!« Dad Cadletz klatschte in die Hände und grinste spöttisch. »Wer wird denn diesen Unsinn glauben?«
»Ich zum Beispiel!«, antwortete Janik. »Aber hört weiter zu!«
»Fortan müsst ihr das Amulett stets am Körper tragen. Der Diebstahl eines Amuletts ist sinnlos, denn es wird stets nur den Namen des ursprünglichen Besitzers nennen und kennen. Und natürlich kann es nur ihn beschützen. Besorgt euch ein Amulett! Nennt ihm euren Namen! Es kommen viele Millionenzur Verteilung, denn ihr alle sollt gerettet werden.«
»Wo bekomme ich meins?«, fragte Ma Cadletz laut.
»Im Kaufhaus bestimmt nicht«, spottete Midami.
»Ich nehme an«, meinte Ramirez, »dass Careful Menetekel uns das auch noch mitteilen wird.«
Aber dazu kam es nicht mehr. Das Bild im 3-D-Kubus kippte plötzlich weg. Für Sekunden war nur ein Flimmern zu sehen. Störgeräusche klangen aus den Lautsprechern. Dann erschien das leicht irritiert wirkende Gesicht einer hübschen Ansagerin.
»Wir bedauern«, sagte sie, »euch eine Mitteilung machen zu müssen. Unsere Sendung wurde unbefugt unterbrochen und von einer fremden Ausstrahlung überlagert. Wir bitten, dies zu entschuldigen. Eine offizielle Stellungnahme zu dem Vorfall folgt in Kürze. Wir setzen jetzt unsere Berichterstattung über die Gurs von Shourmager fort.«
Flüche wurden laut.
»Beruhigt euch!«, brüllte Janik dazwischen. »Ich habe Informationen über die Amulette und darüber, wo man sie bekommen kann. Sie werden schon seit ein paar Tagen heimlich gehandelt.«
Endlich schenkten ihm die anderen ihre Aufmerksamkeit.
»Du meinst«, fragte Dad Cadletz misstrauisch, »das ist kein Schwindel?«
»Hier! Fang!«
Der schmächtige Bursche griff in die Tasche und warf dem Alten etwas zu. Geschickt fing Dad den kleinen Gegenstand auf. Die anderen hatten nur etwas Weißes durch die Luft fliegen sehen.
»Ein Amulett!« Dad Cadletz staunte.
Seine knochigen Finger umschlossen die kleine Figur.
»Ich bin das Amulett von Janik Ingwie«, ertönte es deutlich. »Ich schütze sein Leben.«
Plötzlich herrschte Ruhe. Alle kamen näher und bestaunten die kleine weiße Figur. Jeder wollte sie aus der Nähe sehen und fühlen. Und immer wenn einer sie mit der Hand umschloss, erklang es erneut:
»Ich bin das Amulett von Janik Ingwie. Ich schütze sein Leben.«
»Wo hast du das her?«, fragte Ramirez.
»Das verrate ich nicht«, entgegnete der junge Terraner und steckte die Figur wieder ein. »Für tausend Galax besorge ich jedem von euch ein Amulett des Lebens. Ich kenne da jemanden, der davon genügend hat. Und er hat einen heißen Draht zu den Helfern von Careful Menetekel. Und er verlangt gerade mal neunhundert Galax für ein unbesprochenes Amulett. Zögert nicht lange! In wenigen Tagen sind die Amulette bestimmt alle vergriffen, das verspreche ich euch. Wie ich gehört habe, liegen größere Bestellungen von allen Planeten und Monden des Sonnensystems vor.«
*
Unsicherheit herrschte nicht nur in der kleinen Cadletz-Wohngemeinschaft in der Randzone von Bangkok vor.
Die ganze Erde, das Solsystem und weite Bereiche der Milchstraße waren davon erfasst worden. In besonderem Maß galt das für all die Sonnensysteme, die vom 10. Januar bis zum 15. Mai in der Toten Zone gefangen gewesen waren. Milliarden von Lebewesen hatten erlebt, was der Ausfall der gesamten 5-D-Technik praktisch bedeutete.
Aber auch die Welten außerhalb der Toten Zone hatten die Folgen der Katastrophe zu spüren bekommen, auch wenn das rund 10.000 Lichtjahre durchmessende Gebiet weitab der eigenen Heimat gelegen war.
Die Handelsverbindungen waren teilweise unterbrochen worden. Personen- und Transportschiffe waren für immer verschwunden. Transmitterunfälle hatten zu Schreckensbildern geführt. Die Medien hatten galaxisweit dazu beigetragen, dass die Furcht sich ständig gesteigert hatte.
Massenhysterie und Panikreaktionen gehörten in den letzten Wochen allüberall schon fast zum alltäglichen Geschehen. Das Auftreten des ominösen Careful Menetekel passte in dieses Bild und stellte für viele, die sich verantwortlich fühlten, zunächst nichts Besonderes dar.
Die heimliche Flucht vieler Menschen und anderer Intelligenzen aus dem Bereich der Milchstraße bereitete den Politikern schon größeres Kopfzerbrechen. Wer immer ein geeignetes Raumschiff besaß oder es sich beschaffen konnte, versuchte in diesen Wochen sein Domizil zumindest für einige Zeit außerhalb des gefährdeten Gebiets aufzuschlagen.
Und gefährdet war die gesamte Galaxis. Verbindungen nach Andromeda oder den Magellanschen Wolken hatten viele einflussreiche Personen. Und dort schien man sich doch sicherer zu fühlen.
Wer sich eine so weite Reise nicht leisten konnte oder die Möglichkeiten dafür nicht besaß, der konnte noch immer versuchen, sich in einen weniger bewohnten Winkel der Milchstraße zu verziehen. Angeblich drohte ihm dort weniger Gefahr von einer neuen Toten Zone. Zumindest versuchten viele Reiseunternehmer mit dieser fragwürdigen Aussage Kunden zu ködern.
Fliehen und abwarten – so lautete die Devise.
Maßgebliche Führer der verschiedenen Völker sprachen von einer unverantwortlichen Panikmache und von einer noch unverantwortlicheren Massenflucht. Aber ihre Worte hatten in dieser Zeit wenig Gewicht.
