Perry Rhodan 2945: Herr der Schutzgeister - Susan Schwartz - E-Book + Hörbuch

Perry Rhodan 2945: Herr der Schutzgeister E-Book und Hörbuch

Susan Schwartz

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Beschreibung

Gut dreitausend Jahre in der Zukunft: Perry Rhodans Vision, die Milchstraße in eine Sterneninsel ohne Kriege zu verwandeln, lebt nach wie vor. Der Mann von der Erde, der einst die Menschen zu den Sternen führte, möchte endlich Frieden in der Galaxis haben. Unterschwellig herrschen immer noch Konflikte zwischen den großen Sternenreichen, aber man arbeitet zusammen. Das gilt nicht nur für die von Menschen bewohnten Planeten und Monde. Tausende von Welten haben sich zur Liga Freier Galaktiker zusammengeschlossen, in der auch Wesen mitwirken, die man in früheren Jahren als "nichtmenschlich" bezeichnet hätte. Besucher aus anderen Galaxien suchen Kontakt zu den Menschen und ihren Verbündeten; dazu zählen auch die Thoogondu aus der Galaxis Sevcooris. Perry Rhodan hat Kontakt zu ihnen aufgenommen und dabei das Zweite Solare Imperium und die Gäonen kennengelernt, ein Splittervolk der Menschheit. Nun macht er sich auf die Rückreise in die Milchstraße. Im Weg steht ihm dabei der HERR DER SCHUTZGEISTER ...

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Zeit:3 Std. 22 min

Sprecher:Andreas Laurenz Maier

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Nr. 2945

Herr der Schutzgeister

Showdown in der RAS TSCHUBAI – sie jagen einen unheimlichen Gast

Susan Schwartz

Cover

Vorspann

Die Hauptpersonen des Romans

1. RAS TSCHUBAI: Neo-Solsystem

2. RAS TSCHUBAI: Ogygia

3. Einladung zum Lunch

4. Detektei Gucky & Co.

5. Das Geheimnis des Stillen Raumes

6. Zu schwer

7. Es wächst

8. Durchbruch

9. Etwas, das groß und stark werden will

10. Aufstand der Roboter

11. Der Barong

12. 13. Dezember: Kontakt

13. Der Bordrat tagt

14. Das Ultimatum

15. Nach Hause

Leserkontaktseite

Clubnachrichten

Impressum

Gut dreitausend Jahre in der Zukunft: Perry Rhodans Vision, die Milchstraße in eine Sterneninsel ohne Kriege zu verwandeln, lebt nach wie vor. Der Mann von der Erde, der einst die Menschen zu den Sternen führte, möchte endlich Frieden in der Galaxis haben.

Unterschwellig herrschen immer noch Konflikte zwischen den großen Sternenreichen, aber man arbeitet zusammen. Das gilt nicht nur für die von Menschen bewohnten Planeten und Monde. Tausende von Welten haben sich zur Liga Freier Galaktiker zusammengeschlossen, in der auch Wesen mitwirken, die man in früheren Jahren als »nichtmenschlich« bezeichnet hätte.

Besucher aus anderen Galaxien suchen Kontakt zu den Menschen und ihren Verbündeten; dazu zählen auch die Thoogondu aus der Galaxis Sevcooris. Perry Rhodan hat Kontakt zu ihnen aufgenommen und dabei das Zweite Solare Imperium und die Gäonen kennengelernt, ein Splittervolk der Menschheit. Nun macht er sich auf die Rückreise in die Milchstraße. Im Weg steht ihm dabei der HERR DER SCHUTZGEISTER ...

Die Hauptpersonen des Romans

Perry Rhodan – Der Terraner will die RAS TSCHUBAI abflugbereit machen.

Gucky – Der Mausbiber jagt den Anführer der selbst ernannten Schutzgeister.

Täller – Der Mandaame macht eine seltsame Entdeckung.

Sichu Dorksteiger

1.

RAS TSCHUBAI: Neo-Solsystem

Noch nicht

Der Barong:

Wir sind keineswegs fertig miteinander. Es ist nicht vorbei. Bisher hattet ihr Glück. Nun wird es ernst. Ich würde euch ja gerne empfehlen, euch vorzubereiten. Euch warnen, wie ein guter Vater sein Kind warnt, das partout nicht hören will. Das nicht absehen kann, was es im Begriff ist zu tun.

Aber das Problem ist – ihr wisst es. Ihr seid erwachsen. Und voll verantwortlich für alles, was ihr tut.

Ich werde nicht zulassen, dass ihr euer Werk des Grauens fortführt. Das Dunkle muss ausgemerzt werden, die beschmutzte RAS TSCHUBAI muss im neuen Glanz erstrahlen und ihrer wahren Bestimmung wieder zugeführt werden.

Mit oder ohne Perry Rhodan.

Verräter.

Ja, das sage ich.

Auch du, Rhodan!

Verräter!

*

28. November 1551 NGZ.

Perry Rhodan hatte seine öffentliche Rede gehalten, die – auf Gäon ebenso wie auf der RAS TSCHUBAI – mit großer Anteilnahme angenommen worden war.

Rhodans Schlussworte lauteten: »Ich glaube, dass wir einen gemeinsamen Weg haben, weil wir ein gemeinsames Ziel haben. Ein Ziel, das uns niemand anders gegeben hat als wir selbst.

Wer uns in Frieden dorthin begleiten will, ist uns willkommen.

Aufhalten lassen werden wir uns nicht.

Wir wollen als Menschheit zu den Sternen.«

Nicht zuletzt diese Worte hatten eine Verbundenheit zwischen dem Solsystem in der Milchstraße und dem Neo-Solsystem in Sevcooris geschaffen. Eine Verbundenheit, die 111 Millionen Lichtjahre weit reichte.

*

»So!«, sagte Gucky ungeduldig. »Verbrüderung Ende. Und nun fliegen wir nach Hause!«

»Noch nicht«, antwortete sein ältester Freund.

»Wie bitte?«, Gucky war deutlich konsterniert. »Was soll das heißen: noch nicht?«

»Weil etwas unerledigt ist«, antwortete der Terraner.

»Aber das ist doch genau meine Rede! In Sevcooris und in der Milchstraße und wer weiß sonst wo! Nichts wie weg von hier! Hast du mir nicht zugehört?«

»Das habe ich sehr wohl. Aber ist das unter den gegebenen Umständen wirklich eine gute Idee?«

»Ich verstehe nicht, was du meinst.«

»Ich spreche von den Schutzgeistern und ihrem Anführer, dem Barong.«

Nun klärte sich Guckys Miene. »An die hatte ich längst nicht mehr gedacht ... es herrschte doch so lange Ruhe.«

»Das wird sich vielleicht ändern. Ich trete keine so weite Heimreise an, ohne zu wissen, dass Schiff und Besatzung sicher sind.«

*

Zum ersten Mal waren die »Schutzgeister«, die unter dem Kommando des mysteriösen Barong standen, Anfang Oktober aufgetreten – und zwar durch einen Anschlag. Die Schutzgeister hatten sich dazu verschworen, »dem Grauen ein Ende zu setzen«.

Der bislang vollkommen unbescholtene Hyperenergietechniker Yerrem Karatas hatte im Auftrag des Barong mittels zweier manipulierter Expresskabinen einen Anschlag auf die Zyklotraf-Ringspeicher verübt. Wäre dieser gelungen, hätte das zu einer ungeheuerlichen Katastrophe geführt. Glücklicherweise war der Anschlag fehlgeschlagen, aber leider war Karatas dabei ums Leben gekommen.

Nachdem feststand, dass es sich um eine ganze Gruppe handelte, hatte die Bordführung nachgeforscht und gehandelt: Mehrere andere Schutzgeister konnten verhaftet werden. Zu erkennen waren sie leicht, wenn man wusste, wonach zu suchen war: Jeder der Schutzgeister besaß ein würfelförmiges Kästchen aus Holz, das eine sonderbare Aura umgab.

Einer der auf diese Weise gefassten Schutzgeister war Amauran Aist. Dieser enthüllte schließlich, was »das Grauen«, das als Auslöser für den Anschlag diente, überhaupt sein sollte. Seiner Erinnerung zufolge war im Jahr 1544 NGZ die RAS TSCHUBAI zu technischen Versuchen in den Magellanschen Wolken unterwegs gewesen – was stimmte.

Dann kam das Seltsame: In den Magellanschen Wolken sei es zu einem Konflikt mit den Gurrads gekommen, den die Besatzung der RAS TSCHUBAI schließlich eskalieren ließ. Der Aagenfelt-Blitz wurde eingesetzt, wodurch die steuerlosen Gurradschiffe in die nahe gelegene Sonne gestürzt waren.

Amauran Aist berichtete weiter, dass der Vorfall vertuscht und die Daten im Schiffsspeicher manipuliert worden seien.

Perry Rhodan und Kommandant Holonder forschten sofort nach, aber zu ihrer Erleichterung waren die Daten bezüglich dieses Vorfalles tatsächlich manipuliert gewesen – aber anders als vom Barong verbreitet. Nachdem die Manipulation entdeckt und beseitigt worden war, stand fest: Kein einziger Gurrad war ums Leben gekommen. Die Fälschung indes musste vom Barong gekommen sein, der offenbar nicht nur ein Meister der Manipulation zu sein schien, sondern sogar das Gedächtnis seiner Mitstreiter verändern konnte.

Doch die großen Frage lautete nach wie vor: Warum tat er das und wer steckte hinter der Bezeichnung Barong?

Seither hatte es keine Schutzgeisteraktionen mehr gegeben, doch Rhodan ahnte, dass der Barong nicht einfach aufgegeben hatte, sondern nur auf eine weitere Gelegenheit wartete.

*

Rhodan stand auf dem COMMAND-Level neben Oberst Cascard Holonder, dem Kommandanten des riesigen Omniträgerschiffes. »Obwohl ich ebenso wie die meisten so schnell wie möglich nach Hause möchte, müssen wir zuerst Ordnung schaffen.«

Der fast zweieinhalb Meter große Ertruser rieb sich den Kahlkopf. »Ich stimme dir zu«, sagte er laut, damit alle Anwesenden ihn verstehen konnten. »Wir dürfen nichts überstürzen.«

Damit war deutlich gemacht, dass der Abflug noch nicht vorbereitet werden sollte. Rhodan musste nicht erst hinsehen, um sich der teilweise missmutigen Gesichter bewusst zu sein. Die Galaktiker an Bord waren bereits darauf eingestellt gewesen und hatten Vorfreude auf die Heimkehr empfunden, ebenso wie die Sorge, was sie daheim vorfinden mochten. Nun folgten einige Sekunden der Enttäuschung – dann gewann die Professionalität wieder die Oberhand.

So schön die Vorstellung der Heimkehr war – sie befanden sich freiwillig im Dienst auf diesem einzigartigen Fernraumer, und jeder Einzelne wusste, worauf er sich eingelassen hatte.

»Aber die Frage ist«, fuhr der Kommandant leiser fort, »sind wir hier überhaupt erwünscht?«

Rhodan lächelte leicht. »Ich denke schon.«

»Ach, bestimmt«, meinte Gucky. »Nach dieser Rede! Und es ist ja nicht so, dass wir grundsätzlich überall rausfliegen und uns nirgends mehr blicken lassen können.«

»Wir werden eine Lösung finden«, bekräftigte Rhodan. »Wir treten die Heimreise keinesfalls an, bevor wir den Barong gefasst haben. Wir haben in allerletzter Sekunde den Anschlag auf den Zyklotraf-Ringspeicher abmildern können. Nicht verhindern! Während der letzten Wochen haben uns die Entwicklungen in Sevcooris in Atem gehalten, aber nun können wir uns wieder dem Barongproblem zuwenden. Eine weitere Sabotage muss unbedingt ausgeschlossen werden und darf nicht als Damoklesschwert über uns schweben! Irgendwann verlieren wir den Wettlauf gegen die Zeit, irgendwann zünden die Bomben, ohne von einem Energieschirm aufgehalten zu werden.«

»Vor allem, wenn wir alle in Suspension liegen und irgendein Zeitzünder hochgeht«, setzte Gucky zustimmend hinzu.

»Das heißt also, intensive Ermittlungen«, schlussfolgerte Holonder. »Soll ich Luetyens Bescheid geben?«

»Ja, er soll in meine Privatunterkunft kommen. Ich werde derweil mit der Solastratorin sprechen, dann sehen wir weiter«, entschied der Expeditionsleiter. Er nickte Gucky zu. »Kommst du nach, so in zwei Stunden?«

Der Ilt bestätigte kurz.

Als Rhodan die Zentrale verließ, hatte er plötzlich das Gefühl, beobachtet zu werden.

Unbehaglich rieb er sich die Schulter. Dann rief er sich zur Ordnung.

Unsinn, ich bin überreizt. Ich sehe schon Gespenster, dachte er selbstironisch. Statt beruhigt zu sein, runzelte er nun erst recht die Stirn. Oder Schutzgeister ...

*

In der geräumigen, gemütlich ausgestatteten Wohneinheit traf Perry Rhodan unerwartet auf Sichu Dorksteiger. Die feingliedrige Ator, die ihn um einige Zentimeter überragte, kam gerade aus der Dusche. Sie trug einen kurzen Bademantel und kämmte sich das lange silbrige Haar.

»Schön, dich zu treffen«, sagte sie und entblößte beim Lächeln ihre goldfarbenen Zähne. Sie hauchte ihm einen Kuss auf den Mund. »Ich muss aber gleich zu meinem nächsten Termin, ich habe mich nur zwischendurch erfrischt.«

»Ich wollte einiges von hier aus regeln.« Rhodan ging zur automatischen Ausgabe, bestellte einen heißen Taringochai für sie beide, seinen ungesüßt, Sichus angereichert mit amelianischem Rosentau. Das gemeinsame Wohnmodul verfügte neben dem Wohn- und Schlafraum über zwei Arbeitsbereiche.

Mit den Tassen, aus denen würziger Duft dampfte, ließ er sich auf dem breiten Sofa nieder. Sichu setzte sich neben ihn und schloss die Augen, während sie in kleinen Schlucken trank.

»Die Kästchen der Schutzgeister«, begann sie, nachdem sie die Tasse zur Hälfte geleert hatte. »Sie können aktiv lauschen.«

»Wie habe ich mir das vorzustellen?«, fragte Rhodan.

»Sie können Signale sowohl aus dem UHF- als auch dem SHF-Spektrum annehmen«, antwortete die Chefwissenschaftlerin und Hyperphysikerin. »Und ... entnehmen.«

»Aber sie sind doch leer? Sehen aus wie Holz, bestehen aus Holz?«

»Richtig. Beunruhigend, nicht wahr? Und genau deswegen ziehe ich mich jetzt wieder an und mache weiter.«

»Ja«, sagte er stirnrunzelnd. »Es ist beunruhigend.« Vor allem, weil jeder, der in das Kästchen hineingreifen wollte, um sich durch Tasten davon zu überzeugen, dass es leer war, davor zurückscheute. Ohne Ausnahme, ihn eingeschlossen. Ebenso Sichu und ihr Team. Selbst Gucky.

Sie strich mit einem schlanken Fingerrücken über seine Wange, trank anschließend aus und erhob sich. »Meine Niederlage von Shoraz wurmt mich heute noch«, erklärte sie. »Ein zweites Mal wird mir das nicht passieren.«

Rhodan verstand, dass sie das immer noch bewegte. Das Geschehnis, das die LFG an den Rand eines interstellaren Konflikts gebracht hatte, lag erst eineinhalb Jahre zurück. Niemand außer den unmittelbar Beteiligten wusste davon, und so sollte es auch bleiben. Manchmal war Schweigen besser.

»Hilfreich wäre es zu erfahren, woher unsere Schutzgeister diese Kästchen genau haben. Und ich meine damit nicht ›vom Barong‹.«

»Das Holz scheint terranischen Ursprungs ...«

»Was heißt das schon – es wird in die LFG exportiert. Aber wer hat das Holz zu diesen Kästchen verarbeitet? Hat der Barong sie ahnungslos gekauft oder wurden sie ihm für seine Aufgabe übergeben? Stecken etwa die Thoogondu dahinter, ist das der Beweis, dass sie bereits einen heimlichen Stützpunkt bei uns haben? Das wäre förderlich, um die Untersuchungen gezielter anzusetzen. So suchen wir einfach, ohne zu wissen, wonach.«

Sie drehte sich kurz in seine Richtung und richtete die bernsteingelben Augen auf ihn, in denen smaragdgrüne Punkte tanzten. »Momentan ist die Arbeit daran sehr unbefriedigend.«

Damit ließ sie den Bademantel fallen und verschwand in ihrem Ankleidebereich.

Rhodan sah ihr nach. Ein wenig mehr Zeit wäre hilfreich.

*

Die Verbindung zum Büro der Solastratorin wurde sofort hergestellt. Im Holo erschien das freundlich lächelnde, aufgeschlossene Gesicht einer braunhaarigen Mittsechzigerin.

»Perry!«, begrüßte ihn Cassandra Somerset und wirkte überrascht. »Noch ein Abschiedsgruß?«

»Im Gegenteil«, antwortete der Terraner. »Zuerst möchte ich mich erkundigen, wie die Lage auf Gäon ist.«

»Sie hat sich wohl endgültig beruhigt«, berichtete Cassandra. »Die Aufräumarbeiten schreiten gut voran, die Stimmung ist gut bis sehr gut. Ich bin optimistisch. Nicht zuletzt dank dir und deinen Leuten. Die Verbindung zur Vergangenheit bedeutet uns viel, und nachdem die Unsicherheiten dir gegenüber beseitigt sind ...«

»Das heißt also ... wir sind nach wie vor willkommen?«, fragte er ein wenig umständlich, er wollte nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen.

»Selbstverständlich.« Ihre braunen Augen blickten ernst. »Ist etwas geschehen?«

»Wir haben ein Problem hier an Bord ...«

»Hoffentlich nicht mit deinen Gästen? Geht es Syllester gut?«

Syllester Ford, Mentor und Vorgänger der Solastratorin, war mit an Bord gegangen. Er war der Ansicht, dass er als Vermittler zwischen den in der Milchstraße agierenden Gäonen und den Terranern von Nutzen sein könnte. Das hatte auch die Journalistin Shari Myre veranlasst, die Einladung zur Mitreise anzunehmen.

»Es ist alles in Ordnung«, beschwichtigte Rhodan. »Aber wie es aussieht, gibt es Saboteure, die ... eine sichere Rückreise verhindern wollen«, dehnte er ein wenig die Wahrheit. Zu viel Internes wollte er nicht preisgeben, es betraf die Gäonen nicht. Dennoch wollte er einen dringlichen Grund nennen, weswegen sich die Abreise verzögerte. »Es ist ein internes Problem und hat nichts mit euch zu tun«, fügte er rasch hinzu. »Jedoch kann ich wegen der potenziellen Gefährdung die Heimreise noch nicht antreten.«

Cassandras Stirn zeigte eine kritische Falte. »Verstehe. Das ist eine unerfreuliche Wendung für euch. Selbstverständlich könnt ihr bleiben, solange ihr wollt. Wer möchte, ist eingeladen, Landurlaub auf Gäon zu machen. Ihr seid alle herzlich willkommen, denn es wäre eine gute Gelegenheit, sich unter friedlichen Umständen besser kennenzulernen.«

»Das Angebot leite ich gerne weiter«, sagte Rhodan erfreut. »Wir werden eure Gastfreundschaft nicht über Gebühr in Anspruch nehmen.«

»Ich bitte dich.« Sie lächelte nun herzlich. »Aber das ist nicht alles, nicht wahr?«

Rhodan zwinkerte. »Erwischt. Die Gelegenheit, da wir nun doch noch ein paar Tage bleiben, möchte ich gerne nutzen, um etwas in Erfahrung zu bringen. Wäre es möglich, ein Treffen zu vereinbaren? Mit Doomadh – sofern er erreichbar ist?«

Die Zusammenarbeit mit dem Gondunat ruhte von gäonischer Seite derzeit halboffiziell. Die weitere Entwicklung war nicht absehbar, und vielleicht war der bisherige Mentor im Zweiten Solaren Imperium, der Thoogondu Doomadh, sogar längst abgereist.

»Nun machst du mich neugierig, Perry. Ich werde mich mit Doomadh in Verbindung setzen. Ich denke, in einem Tag, spätestens in zwei Tagen kann ich einen Termin vereinbaren. Lunch bei mir?«

»Eine ausgezeichnete Idee.«

Kaum war das Gespräch beendet, meldete sich der Kommandant. »Ich wollte dich in Kenntnis setzen, dass die RALF MARTEN wie geplant gestartet ist, um die RED HERRING zurückzuholen.«

Die RED HERRING, eine 60-Meter-Korvette der PHOBOS-Klasse, war Anfang Oktober losgeschickt worden, um die Thoogondu auf eine falsche Fährte zu locken. An Bord hatten sich drei mit »Trackern« – von den Thoogondu heimlich installierten Peilsendern – verseuchte Expresskabinen befunden.

Der 500-Meter-Kreuzer der MARS-Klasse sollte die RED HERRING wieder einschleusen. Ursprünglich hatte man für die anschließende Rückkehr zur RAS TSCHUBAI einen Rendezvous-Punkt ausgemacht, aber durch den verzögerten Abflug war dies hinfällig geworden.

»Sehr gut«, bestätigte Rhodan, bereits in anderen Gedanken versunken.

Zu lange suchten sie nach dem Anführer der Schutzgeister, dem Barong. Nach wie vor gab es keinerlei Hinweise, um wen es sich dabei handeln könnte. Sie hatten im letzten Moment eine Katastrophe abwenden können. Zu einer weiteren Gefahr durfte es nicht mehr kommen. Den Barong zu identifizieren und festzusetzen hatte jetzt oberste Priorität.

*

Der Barong:

Ja, ich beobachte dich, Perry Rhodan. Beunruhigend, nicht wahr? Nicht zu wissen, mit wem du es zu tun hast. Ich sehe dich, aber du mich nicht.

Du wirst meine Identität erfahren – wenn es so weit ist. Aber zuerst muss ich die Dinge in Ordnung bringen. Das Schiff heilen. Und säubern.

Ich bin immer noch erschüttert, dass du dazugehörst.

Sei versichert, dieser Fehler in meiner Einschätzung wird mir nicht noch einmal unterlaufen.

Es gibt einiges zu tun, und ich werde es zu Ende bringen.

Nichts kann und wird mich mehr aufhalten. Du hast es einmal geschafft, doch ein zweites Mal ... keine Chance. Ich habe alles bedacht. Du wolltest es nicht anders.

2.

RAS TSCHUBAI: Ogygia

30. November

Täller war ein Held. Jawohl, er hatte die RAS TSCHUBAI gerettet!

»Ja, und wärst dabei selbst beinahe draufgegangen«, spottete Schota Pataraia, während er eine klare, etwas zähe Flüssigkeit aus einem Kristallbehälter in einen anderen, dunkelroten Glasbehälter kippte. Darin befand sich etwas Graues, Gallertartiges, das zurückzuckte, als die Flüssigkeit langsam darauf floss und sich umgehend darüber verteilte.

»Haam«, bestätigte der Mandaame. Erst zehn Jahre alt, ein Junge noch, und doch ein Held. Das sollten ihm andere erst mal nachmachen. »Aber mein Ziehvater hat mich gerettet, während ich das Schiff gerettet habe«, fügte er stolz hinzu.

Andris Kantweinen, der Dritte Pilot, hatte die Fürsorge für Täller übernommen. »Mein Kind!«, hatte er geschrien, als er zu Tällers Rettung gekommen war. »Mein Kind ist da drin!«

Trotz der Lebensgefahr und seiner Angst hatte Täller dieser Moment mit unendlicher Freude erfüllt. So hatten ihn auch seine Eltern bezeichnet, und Täller hatte dadurch gewusst, dass sie zusammengehörten und »Familie« waren. Nun waren er und Kantweinen »Familie«. Er würde nie mehr einsam sein.

Täller war derjenige, der gewusst hatte, wo sich ein gestohlener Transmitter befinden könnte: in der Unterkunft des Attentäters Yerrem Karatas. Damit der Anschlag gelang, musste dieser sich selbst in einer der beiden Express-Kabinen aufhalten. Im letzten Moment wollte er sich per Transmitter in seine Unterkunft abstrahlen.

Gleichzeitig hatte er dort eine Bombe deponiert, die im Falle eines Scheiterns zünden sollte. Täller hatte die aktivierte Bombe entdeckt. Ihm blieben nur wenige Minuten – also hatte er das explosive Ding kurzerhand zu dem Transmitter geschleppt und ihn mit ANANSIS Hilfe in den Weltraum expediert. Beinahe wäre es schiefgegangen, aber im allerletzten Moment war Ziehvater Kantweinen dazugekommen.

Täller war ein Held, aber er hatte derzeit nichts zu tun, denn die RAS TSCHUBAI war gerettet.