Perry Rhodan 2969: Tag des Grimms - Susan Schwartz - E-Book + Hörbuch

Perry Rhodan 2969: Tag des Grimms E-Book und Hörbuch

Susan Schwartz

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Beschreibung

Gut dreitausend Jahre in der Zukunft: Perry Rhodan hat nach wie vor die Vision, die Milchstraße in eine Sterneninsel ohne Kriege zu verwandeln. Der Mann von der Erde, der einst die Menschen zu den Sternen führte, möchte endlich Frieden in der Galaxis haben. Unterschwellig herrschen zwar Konflikte zwischen den großen Sternenreichen, aber man arbeitet zusammen. Das gilt nicht nur für die von Menschen bewohnten Planeten und Monde. Tausende von Welten haben sich zur Liga Freier Galaktiker zusammengeschlossen, Besucher aus anderen Galaxien suchen Kontakt zu den Menschen und ihren Verbündeten. Nicht immer erfolgt dieser Kontakt zur Freude aller: So versteht kaum jemand die Beweggründe der Gemeni, die angeblich den Frieden im Auftrag einer Superintelligenz namens GESHOD wahren wollen, aber dabei Dinge tun, die von den meisten bestenfalls als ungewöhnlich oder undiplomatisch bezeichnet würden. Andere sehen darin fast den Grund für eine Kriegserklärung. Was bewegt GESHOD und seine Gesandten tatsächlich? Die Sorgen wegen der Gemeni wiegen allerdings wenig, seit jenes Volk sich wieder in der Milchstraße breitmacht, das einst als Lieblingsvolk von ES galt und dann wegen seiner Handlungsweise von ES verbannt wurde: die Thoogondu. Plötzlich tauchen ihre mächtigen Raumschiffe überall in der Milchstraße auf, wo sie jahrtausendelang verborgen ruhten. Es naht indes der TAG DES GRIMMS ...

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Zeit:3 Std. 33 min

Sprecher:Martin Bross

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Nr. 2969

Tag des Grimms

Sie sind Eingeborene der Sonne – und fürchten die Rache des Wanderers

Susan Schwartz

Cover

Vorspann

Die Hauptpersonen des Romans

1. Hooris-Stern

2. Der Vermittler

3. Die Hut

4. Hinein

5. Panik

6. Ein Abriss der Geschichte

7. Der Hohe Hüter

8. Zu viele Fragen

9. Kein leichter Weg

10. Antworten, die man braucht, aber nicht will

11. Noch ein Raum

12. Ein Streit unter Freunden

13. Zurück

Leserkontaktseite

Glossar

Clubnachrichten

Impressum

Gut dreitausend Jahre in der Zukunft: Perry Rhodan hat nach wie vor die Vision, die Milchstraße in eine Sterneninsel ohne Kriege zu verwandeln. Der Mann von der Erde, der einst die Menschen zu den Sternen führte, möchte endlich Frieden in der Galaxis haben.

Unterschwellig herrschen zwar Konflikte zwischen den großen Sternenreichen, aber man arbeitet zusammen. Das gilt nicht nur für die von Menschen bewohnten Planeten und Monde. Tausende von Welten haben sich zur Liga Freier Galaktiker zusammengeschlossen, Besucher aus anderen Galaxien suchen Kontakt zu den Menschen und ihren Verbündeten.

Nicht immer erfolgt dieser Kontakt zur Freude aller: So versteht kaum jemand die Beweggründe der Gemeni, die angeblich den Frieden im Auftrag einer Superintelligenz namens GESHOD wahren wollen, aber dabei Dinge tun, die von den meisten bestenfalls als ungewöhnlich oder undiplomatisch bezeichnet würden. Andere sehen darin fast den Grund für eine Kriegserklärung. Was bewegt GESHOD und seine Gesandten tatsächlich?

Die Sorgen wegen der Gemeni wiegen allerdings wenig, seit jenes Volk sich wieder in der Milchstraße breitmacht, das einst als Lieblingsvolk von ES galt und dann wegen seiner Handlungsweise von ES verbannt wurde: die Thoogondu. Plötzlich tauchen ihre mächtigen Raumschiffe überall in der Milchstraße auf, wo sie jahrtausendelang verborgen ruhten. Es naht indes der TAG DES GRIMMS ...

Die Hauptpersonen des Romans

Pruchtoor – Ein Mädchen ist in Not.

Gucky – Der Mausbiber wird zum Retter in der Not.

Noorod – Ein Vater befindet sich in Nöten.

Sichu Dorksteiger – Die Fähigkeiten der Chefwissenschaftlerin sind vonnöten.

Jefferson Beauregard

1.

Hooris-Stern

12. April 1552 NGZ

»Ganz ehrlich, die Kulisse finde ich toll«, flüsterte Jerome Sebish, der Diensthabende an der Ortung, seiner Sitznachbarin Nemi Falan zu.

»Ich würde mir nur einen anderen Anlass wünschen«, gab sie ebenso leise zurück. »Beispielsweise für eine Oper ... hast du aktuell von Roi Dantons große Reise gehört? Soll ja extrem opulent sein, mit dem Aufbruch der SOL im Schlussakt, gezeigt vor grandiosem Ambiente. Dazu würde das hier passen.«

»Ja, falls wir nicht ebenfalls verschollen gehen ...« Sebish starrte gedankenversunken auf das Bild, das sich ihm bot. Er blendete kurzzeitig aus, warum er überhaupt dazu in der Lage war, diese Kulisse live zu erleben, und nahm das Bild in sich auf, als säße er wirklich in der Oper. Und da ging es stets dramatisch zu, daran hatte sich seit Beginn dieser Kunstform nie etwas geändert.

Das Doppelsternsystem mit dem aggressiven Pulsar bildete in der Tat die perfekte Kulisse für das Aufgebot der Streitmächte und die ersten Scharmützel. Seit zwei Tagen formierten sich die Fronten bei stetigem Zuwachs auf beiden Seiten. Das Beunruhigende dabei: Das System war nur etwas mehr als 19.000 Lichtjahre von Terra entfernt.

Der Neutronenstern, der dem benachbarten Roten Zwerg permanent Masse abzog, rotierte am Äquator mit annähernd 24 Prozent Lichtgeschwindigkeit, sein Radius lag unter 16 Kilometern. Beide umkreisten einen gemeinsamen Schwerpunkt.

Warum jetzt, warum hier?

Diese Frage stellten sich wohl die meisten Kommandanten der Liga Freier Galaktiker, sicherlich auch der Schiffsführer der TRIBUN, auf der Sebish Dienst tat.

Und er mochte dabei ein wenig beunruhigt sein, zumindest war es Sebish. Vor 33 Jahren hatte die damalige LFT noch über 190.000 Schiffe verfügt, die Sternenreiche der Jülziish hatten sogar um die 200.000 Kriegsraumer besessen. Dann aber hatten die Tiuphoren, Invasoren aus der Vergangenheit, zugeschlagen und einen beträchtlichen Teil der galaktischen Flotten vernichtet – und zahlreiche Werften umgerüstet oder zerstört, ganze Planeten verwüstet und entvölkert. Davon erholten sich die Galaktiker nur langsam. In einer weitgehend friedlichen Galaxis stand das Militär nicht an erster Stelle des Wiederaufbaus. Rächte sich das nun?

Selbstverständlich verfügte die LFG weiterhin über ein beeindruckendes Aufgebot, aber würde das ausreichen? Seit zwei Tagen trafen in Schüben weitere Schiffsverbände ein – neben den bekannten Pentasphären nun auch Trisphären und weitere, bisher unbekannte Bauformen aller Größenklassen. Derzeit waren es einige Tausend Schiffe, aber wenn die Entwicklung so weiterging, war absehbar, dass sie am Ende zahlenmäßig überlegen sein würden.

»An und für sich sollten wir denen gleich gehörig einheizen«, erklang Falans Stimme erneut neben Sebish. »Was lässt uns zögern?«

»Noch gibt es keine Kriegserklärung. Und wer weiß, was gerade in der Heimat abgeht ...« Sie waren beide Terraner, die zum gegenwärtigen Zeitpunkt nichts von ihren Familien auf Terra wussten.

Die meisten Schiffe der LFG-Flotte befanden sich nicht vor Ort. Das Solsystem musste geschützt werden. Der TERRANOVA-Schirm war geschlossen, aber niemand wusste derzeit, was innerhalb dieses Schirms eigentlich geschehen war oder gerade geschah. Admiralin Anna Patoman führte das Kommando der Einheiten rund um das Solsystem, die außerhalb des Schirms patrouillierten. Sie hatte nicht die Absicht, auch nur einen Verband zum Hooris-Stern zu entsenden, solange die Situation im Heimatsystem unklar war.

»Hey, was machen die?«, rief Sebish und informierte seinen Kommandanten über eine ungewöhnliche Bewegung.

*

Die Befehlshaberin der Liga-Flotte, Admiralin Ruth Dunjana, hatte 3000 eigene Schiffe zur Verfügung, des Weiteren rund tausend Einheiten des Galaktikums, darunter vorwiegend arkonidische Robotraumer und Diskusraumer der Gataser.

Die gatasischen Einheiten stellten sich den Trisphären nun in den Weg. Geduld oder langes stilles Abwarten war keine Sache der temperamentvollen Jülziish. Soeben war ein weiterer kleiner Verband Trisphären von den Schweigsamen Werften eingetroffen, und Tajuy, Flottenkommandeur der Gataser, gab Befehl, sie »gleich wieder dorthin zu schicken, wo sie hergekommen sind«. Der zweite Befehl lautete, so viele Informationen wie möglich zu sammeln, bevor der Sieg errungen und der »Feind vernichtet« war.

Staffelkommandant Estür folgte dem Befehl mit Begeisterung. Seit zwei Tagen kreisten seine Schiffe um das System, und nun endlich kam er zum Einsatz. Militärische Untätigkeit angesichts einer drohenden Gefahr galt geradezu als Schande, und weder ihm noch seinen Soldaten war daran gelegen, bei der Rückkehr Hohn und Spott ausgesetzt zu sein.

Die Diskusraumer bildeten einen breiten Absperrring, um die Trisphären am Weiterflug zu hindern, und als diese nicht sofort stoppten, erteilte Estür den Befehl zu feuern.

»Erst mal einen kleinen Schuss vor den Bug, wir sind ja höfliche und zivilisierte Wesen.« Und sie gehörten zum Galaktikum, das strenge Reglements hatte und mit dem man es sich nicht verscherzen wollte.

»Bringt das etwas?«, wandte der Waffenleitoffizier ein. »Das sind doch reine Robotschiffe.«

Die Schweigsamen Werften, von denen die Trisphären ausgeschickt wurden, waren gleichfalls robotisiert, so viel wusste man bereits.

»Ja, die Kommunikation ist nicht einfach ...«

»... sag ruhig: unmöglich, wenn die Positroniken sich wie die Ockerkarierte Kreatur der Dummheit anstellen!«

»Einen Schuss vor den Bug versteht jeder. Aber bitte nach Vorschrift Ü-Y40.« Wenn es nach Estür gegangen wäre, hätte er seine Staffel versammelt, wäre auf Konfrontationskurs gegangen und hätte aus allen Rohren gefeuert, bis keiner der Neuankömmlinge mehr übrig wäre. Das hätte nicht einmal Opfer gefordert, da bekanntlich alles voll robotisiert war. Eine feine kleine Schlacht mit einem Rundumsieg und einer Auszeichnung nach der Rückkehr – so sollte es sein!

Aber leider ging es nicht nach Estür. Also hielt er sich an die Vorschriften, denn bei Ungehorsam hätte er keine Verteidigung gehabt – die Invasoren zeigten sich nicht aggressiv, sondern kamen einfach herbeigeflogen und schlossen sich der zusehends wachsenden Flotte an. Offiziell war keine »Gefahr im Verzug«.

Also blieb nur der Warnschuss. Welchen Sinn das auch immer haben mochte, aber Estür war sogar damit zufrieden, solange er endlich in den Einsatz durfte.

Er strich sich über den weichen Kopfflaum und zirpte die Befehle im Ultraschallbereich aus dem Mundkranz an seinem Hals.

Die Vorschrift Ü-Y40 bedeutete Kopplung der Sublicht-MVH-Geschütze der Staffel und gleichzeitiges Abfeuern zunächst nur der Thermostrahler, während der Desintegrator für einen nachdrücklicheren Zweitbeschuss in Bereitschaft gehalten wurde, Paralysatoren waren nicht erforderlich. Das ergab einen effektiven Warnschuss, der deutlich machen sollte, dass man sich keinen Spaß erlaubte.

»Befehl ausgeführt, Abschuss in Drei-Zwei-Eins.«

Auf breiter Front wurden die Schüsse vor die herannahenden Trisphären gesetzt. Ihre aneinandergekoppelten Kugeln hatten einen Durchmesser von 500, 250 und 440 Metern, insgesamt – verkürzt durch die Überlappung an den Koppelstellen – waren sie 1125 Meter lang. Die größte Kugel bestimmte die Flugrichtung nach vorn.

Estürs Staffelschiffe durchmaßen jeweils 800 Meter; Kommandeur Tajuy ging davon aus, dass sie groß und offensiv genug waren, um den Trisphären »gehörig einheizen« zu können.

Dieses Verhältnis sollte von vornherein klargestellt sein. Jülziish im Allgemeinen und Gataser im Besonderen fackelten für gewöhnlich nicht lange. Die vielen Völker der Eastside lebten nach wie vor nicht in friedlicher Eintracht. Sie waren nun einmal, Estür war da keine Ausnahme, temperamentvolle Wesen, die keinen Kampf scheuten. Und manchmal übers Ziel hinausschossen.

Eastsidedrangwäsche, wurde von anderen gespöttelt, wenn sie glaubten, die Jülziish hörten es nicht.

»Sie schießen zurück!«, meldete der Waffenleitstand.

Und zwar nicht höflich mit einem Schuss vor den Bug, sondern mit geballter Ladung auf die Schiffe! Sie schlugen in die Schutzschirme mehrerer gatasischer Schiffe ein, diese hielten dem Beschuss allerdings stand.

»Aha, so halten sie es also mit der Kommunikation«, stellte Estür fest. Er stellte eine Verbindung zu seinem Kommandeur her. »Bitte um Erlaubnis, in die Vollen zu gehen und denen zu zeigen, wo der Schreckwurm seine Greifer hat!«

»Erlaubnis ert... Moment!«

Estür zirpte enttäuscht. »Ja, ich sehe es ebenfalls.«

Ein riesiges Schiff schob sich zwischen die Fronten und fing den fortgesetzten Beschuss der Trisphären ab.

*

Ein blau leuchtender Kugelraumer, auf dessen Außenhülle die weithin sichtbaren Lettern RAS TSCHUBAI prangten, mischte sich in die Auseinandersetzung ein. Ohne einen einzigen Schuss abzugeben, unterband das Omniträgerschiff die weiteren Kampfhandlungen. Die Trisphären stellten umgehend das Feuer ein – die Systeme erkannten die technische Unterlegenheit und verschwendeten keine weitere Energie, setzten allerdings den Weg fort.

Ungehindert.

»Wieso lassen wir die jetzt so einfach abziehen?«, rief Estür empört. »Kommandeur, das dürfen wir nicht zulassen, wir ...«

»Rückzug!«, ordnete Tajuy unerbittlich an. »Wir machen ein andermal weiter.«

In Estür regte sich heftiger Widerstand, aber es würde ihm niemals einfallen, einen Befehl des Vorgesetzten infrage zu stellen. Allerdings durfte er wütend vor sich hintrillern, während er den Befehl weitergab und seine Staffel sich wieder auf ihre Warteposition zurückzog.

»Dabei hatte es gerade so schön angefangen«, schrillte er vor sich hin. »Und überhaupt – wie sollen wir denn etwas über den Feind herausfinden, wenn wir nur herumsitzen und Gedankenkopfball spielen?«

*

»Wir werden angefunkt«, meldete der Leiter von Funk und Ortung, der Imarter Lit Olwar. »Admiral Ruth Dunjana von der ARUN JOSCHANNAN möchte Perry Rhodan sprechen.«

»Das habe ich erwartet«, sagte der Terraner. »Bitte nach nebenan verlegen.« Er verließ die Zentrale und ging in den Konferenzraum, der sich neben der Zentrale befand.

Das Flaggschiff der Oberkommandierenden der galaktischen Flotte gehörte zur JUPITER-Klasse und verlor sich nicht allzu sehr im Größenvergleich mit der RAS TSCHUBAI – immerhin besaß das Ultraschlachtschiff 2500 Meter Durchmesser.

Auf dem Holo zeigte sich eine Terranerin mit silbrig weißen, hochgesteckten Haaren und intelligent wirkenden Augen. Sie trug keinerlei Schmuck, nur eine einfache Uniform.

»Perry, ich weiß, dass keinerlei Gefahr für dein Schiff bestand«, eröffnete sie das Gespräch ohne Einleitung. »Jedoch ist die RAS TSCHUBAI bei aller Bewaffnung ein ziviles Schiff, das nicht der Flotte angehört. Diese Einmischung war nicht erforderlich und nicht erwünscht. Die Trisphären hätten den Diskusraumern nicht gefährlich werden können. Wir hatten die Lage unter Kontrolle.«

»Ich möchte eine Eskalation schon im Vorfeld verhindern«, sagte Rhodan.

»Das hätte trotzdem mit mir abgesprochen werden müssen«, wies Dunjana ihn scharf zurecht. »Es kann nicht angehen, dass meine Autorität derart untergraben wird.«

Den Rüffel musste er hinnehmen. Sie hatte recht. Sonderstatus hin oder her, auch ein Perry Rhodan konnte sich nicht alles erlauben – zumal keine elementare Gefahr bestanden hatte.

»Wir wollten mit dieser Aktion etwas über deren Strategie herausfinden«, fügte Dunjana hinzu, »und zugleich Daten sammeln – schließlich wissen wir über die Trisphären bisher so gut wie nichts.«

»Gibt es einen Hinweis darauf, welchen Hintergrund dieser Aufmarsch hat?«, fragte Rhodan, ohne auf das Vorherige einzugehen.

Dunjanas linke Braue hob sich leicht, die rechte Hand prüfte den Sitz ihrer Haare, eine automatische, unbewusste Geste. Möglicherweise dachte sie darüber nach, ob sie eine Entschuldigung verlangen sollte. Dann lenkte sie ein und antwortete auf seine Frage. »Ich habe umgehend die Pentasphären angefunkt, doch die Antwort seit zwei Tagen ist immer dieselbe.«

Rhodan fiel in ihren Satz ein. »Hier spricht Eins-das-Ganze: In welcher Beziehung steht eure Gemeinschaft zu dem Wanderer?«

»Exakt«, bestätigte die Oberkommandierende. »Die Antwort sind wir bis jetzt schuldig geblieben.«

»Plangemäß«, sagte Rhodan. »Schließlich wissen wir mittlerweile, dass die Thoogondu Freunde des Wanderers – also ES – grundsätzlich als Feinde einstufen, das ist die grundlegende Orientierung der gondischen Einheiten.«

»Du sagst mir nichts Neues. Wir müssen mal wieder sehr vorsichtig sein mit dem, was wir von uns preisgeben und antworten.«

2.

Der Vermittler

Admiral Ruth Dunjana sah sich genötigt, auf das ursprüngliche Thema zurückzukommen. »Schön, das freut mich. Jedoch sollten wir von vornherein einiges klarstellen, bevor wir fortfahren.«

»Ich höre«, sagte Rhodan.

»Zunächst einmal: Ich führe das Kommando. Bevor irgendwelche Aktionen unternommen werden, bin ich in Kenntnis zu setzen. Gegebenenfalls muss meine Zustimmung eingeholt werden. Befehle werden nur von mir erteilt. Selbst mit den Gatasern oder den galaktischen Einheiten wird über mich kommuniziert. Dies ist eine militärische Aktion, in solchen Fällen werden notwendigerweise die Hierarchien ohne Diskussion eingehalten.«

Sie sprach völlig emotionslos, mit gleichbleibender Stimmlage. Doch der Blick ihrer Augen machte deutlich, dass sie zu keinerlei Kompromissen bereit war.

Rhodan nickte. »Selbstverständlich.« Er entschuldigte sich nicht, sicherte aber seinen Respekt zu.

Das akzeptierte sie. »Ich nehme deine Erfahrung sehr gerne in Anspruch und werde mich mit dir beraten. Es ist gut möglich, dass ich die meisten Ratschläge sogar annehmen werde – aber setz das nicht als selbstverständlich voraus. Du hast mehr als dreitausend Jahre Erfahrung und denkst in kosmischen Maßstäben. Ich jedoch denke an die Sicherheit meiner Flotte und daran, dem Feind keinen Vorschub zu gewähren.«

»Die RAS TSCHUBAI wird weiterhin autonom agieren, aber sich nicht in die militärischen Belange einmischen«, sagte Rhodan fest und ebenfalls vollkommen ruhig.

»Einverstanden. Und nun möchte ich gerne von deiner Idee erfahren.«

War das ein kurzes Lächeln? Rhodan lächelte deutlicher zurück. Die geradlinige Art der Frau gefiel ihm.

»Ich hätte da vielleicht jemanden, den wir als Kommunikationsberater einsetzen können«, schlug er vor. »Einer der Kosmopsychologen an Bord ist Topsider, Jun-Fachael.«

»Ein Topsider als Psychologe?«

»Er ist sogar sehr gut. Was bedeutender ist: Die alten Thoogondu kannten die Ur-Topsider – und ich bin sicher, auch in unserer Zeit ist ihnen bekannt, dass es sich bei diesem Volk nicht um beste Freunde von ES handelt.«

»Und schon nehme ich deinen ersten Rat an«, meinte die Admiralin. »Auf eine gute Zusammenarbeit.«

*

Jun-Fachael nahm den Auftrag sofort an. Er machte sich unverzüglich auf den Weg, setzte sich im Konferenzraum auf einem speziell für ihn angepassten Hocker und ließ sich eine permanente Kommunikationsleitung zur ARUN JOSCHANNAN geben. In der ersten Konferenzschaltung mit dem ebenfalls anwesenden Perry Rhodan stellte er sich der Admiralin vor.

Als Topsider ähnelte er einer aufrecht gehenden Echse mit schuppiger schwarzbrauner Haut, flachem Schädel und nach vorne gewölbter Schnauze. Er trug die schlichte Bordkombination der RAS TSCHUBAI ohne weitere Abzeichen. Auffällig an ihm war ein unregelmäßiger, handtellergroßer weißer Fleck unterhalb des linken, vorspringenden, sehr beweglichen, grünlich rot schillernden Auges. Es sah nicht nach einer modischen Marotte aus – vielleicht ein Gendefekt oder ein Unfall.

»Meine Außensicht gestattet mir, tiefere Einblicke in die Psychologie anderer Wesen zu gewinnen«, dozierte er. »Mir ist bewusst, dass Menschen uns als nahezu gefühllos ansehen, weil wir eine distanzierte Sichtweise haben. Wir sind bei Weitem nicht so emotional; wir halten uns nicht mit ineffizienten Gefühlen wie Nächstenliebe auf.

Dennoch oder gerade deswegen sind wir unter bestimmten Voraussetzungen durchaus in der Lage, Gefühle anderer zu erkennen und zu beurteilen. Nicht jeder ist dazu begabt, doch ich habe mich stets berufen gefühlt, das Verhalten anderer Völker zu studieren und zu analysieren. Ich habe zehn Jahre lang an diversen Universitäten studiert, anschließend Symposien geleitet, promoviert und einiges an Fachliteratur verfasst, auf das in kritischen Situationen gerne zurückgegriffen wird. Ich lasse mich vom Verstand leiten, nicht vom Herzen. In einer Lage wie dieser ist das angebracht, da wir uns mit Positroniken unterhalten.«

»Und außerdem ist dein Volk den Thoogondu bekannt«, ergänzte Dunjana.

»Richtig. Meinen Argumenten gegenüber werden auch die Positroniken der Pentasphären aufgeschlossen sein. Insofern ich mehr aus ihnen herauslocken kann als den Standardsatz.«

Er spreizte die sechs Finger der rechten Hand, und sein kräftiger Echsenschwanz wischte kurz über den Boden. »Ich fange an.«

*

Jun-Fachael funkte eine Pentasphäre an, die bereits vor ihm im Hoorissystem erschienen war. Die Standardfrage lautete: »Weswegen seid ihr gekommen?«

Und prompt kam die Standardantwort: »Hier spricht Eins-das-Ganze: In welcher Beziehung steht eure Gemeinschaft zu dem Wanderer?«

Der topsidische Kosmopsychologe konterte darauf mit dem Ersten Satz der Sozialen Weisung. Nach diesen Grundsätzen lebte das gesamte Volk. »Das Höhere gibt dem Niederen Sinn. Das Sinnlose erniedrigt das Hohe. Das Höchste von allem ist die Ganzheit.«

Stille.

»Darüber denkt Eins-das-Ganze jetzt erst mal nach«, sagte Jun-Fachael mit einem sanften Summen seiner sich aneinander reibenden Schuppen. Ein Zeichen seiner Anspannung, die auch Zufriedenheit oder Vorfreude bedeuten konnte. »Ich hoffe, diese intellektuelle Auseinandersetzung wird Früchte tragen.«

So einfach machte es ihm die gondische Positronik allerdings nicht. Sie hakte nach, wer Jun-Fachael denn sei und was er hier zu suchen habe. Immerhin – sie kommunizierte zielgerichtet, das war schon mehr als vorher.

Jun-Fachael ging es fast zu leicht, denn nun konnte er den zweiten Satz der Sozialen Weisung anwenden: »Stärke das Starke. Wer das Schwache stärkt, schwächt die Ganzheit.«

Erneutes Schweigen.

Daraufhin zog er die dünnen Lippen zurück und entblößte weiße Raubtierzähne. »Davon habe ich noch mehr auf Lager, wenn es sein muss.«

»Wie viele Sätze gibt es denn inzwischen?«, wollte Rhodan wissen, dem nur wenige bekannt waren.

»Das Dutzend macht die Weisungen perfekt. Doch es gibt mehr, die ins Detail gehen. Ich kenne sie alle. Wenn's darauf ankommt, kann ich mich tagelang mit der Positronik unterhalten und immer passend antworten, ohne mich zu wiederholen.«

Die Positronik forderte ihn dazu tatsächlich heraus, es kam zu einer Art Pingpongspiel.