Perry Rhodan 3055: Die VECU - Michael Marcus Thurner - E-Book + Hörbuch

Perry Rhodan 3055: Die VECU E-Book und Hörbuch

Michael Marcus-Thurner

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Beschreibung

Mehr als 3000 Jahre in der Zukunft: Längst verstehen sich die Menschen als Terraner, die ihre Erde und das Sonnensystem hinter sich gelassen haben. In der Unendlichkeit des Alls treffen sie auf Außerirdische aller Art. Ihre Nachkommen haben Tausende von Welten besiedelt, zahlreiche Raumschiffe fliegen bis zu den entlegensten Sternen. Perry Rhodan ist der Mensch, der von Anfang an mit den Erdbewohnern ins All vorgestoßen ist. Nun steht er vor seiner vielleicht größten Herausforderung: Er wurde vorwärts durch die Zeit katapultiert und findet sich in einem Umfeld, das nicht nur Terra vergessen zu haben scheint, sondern in dem eine sogenannte Datensintflut fast alle historischen Dokumente entwertet hat. Mit seinem Raumschiff RAS TSCHUBAI ist Perry Rhodan einer Fährte gefolgt, die ihn ins Galaxien-Geviert der Superintelligenz VECU geführt hat. Dort haben aber die Mächte des Chaos, repräsentiert durch die Kandidatin Phaatom und ihr Hilfsvolk, die Phersunen, die VECU ausgeschaltet und ihr Reich zertrümmert. Während Rhodan sich mit einem Beiboot aufmacht, die verschollene Erde wiederzufinden, muss die Besatzung der RAS TSCHUBAI ein Versprechen erfüllen. Dazu zwingt sie nicht zuletzt auch DIE VECU ...

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Zeit:4 Std. 16 min

Sprecher:Florian Seigerschmidt

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Nr. 3055

Die VECU

Auf der letzten Welt der Superintelligenz – die RAS TSCHUBAI in Geiselhaft

Michael Marcus Thurner

Cover

Vorspann

Die Hauptpersonen des Romans

1. Icho Tolot

2. Was geschah (1)

3. Was geschah (2)

4. Was geschah (3)

5. Bru Shaupaard

6. Onker Dou

7. Cascard Holonder

8. Icho Tolot

9. Onker Dou

10. Cascard Holonder

11. Icho Tolot

12. Penelope Assid

13. Onker Dou

14. Penelope Assid

15. Bru Shaupaard

16. Penelope Assid

17. Onker Dou

18. Penelope Assid

19. Bru Shaupaard: Letzte Worte

20. Cascard Holonder

Leserkontaktseite

Risszeichnung Investigator-Sonde

Impressum

Mehr als 3000 Jahre in der Zukunft: Längst verstehen sich die Menschen als Terraner, die ihre Erde und das Sonnensystem hinter sich gelassen haben. In der Unendlichkeit des Alls treffen sie auf Außerirdische aller Art. Ihre Nachkommen haben Tausende von Welten besiedelt, zahlreiche Raumschiffe fliegen bis zu den entlegensten Sternen.

Perry Rhodan ist der Mensch, der von Anfang an mit den Erdbewohnern ins All vorgestoßen ist. Nun steht er vor seiner vielleicht größten Herausforderung: Er wurde vorwärts durch die Zeit katapultiert und findet sich in einem Umfeld, das nicht nur Terra vergessen zu haben scheint, sondern in dem eine sogenannte Datensintflut fast alle historischen Dokumente entwertet hat.

Mit seinem Raumschiff RAS TSCHUBAI ist Perry Rhodan einer Fährte gefolgt, die ihn ins Galaxien-Geviert der Superintelligenz VECU geführt hat. Dort haben aber die Mächte des Chaos, repräsentiert durch die Kandidatin Phaatom und ihr Hilfsvolk, die Phersunen, die VECU ausgeschaltet und ihr Reich zertrümmert. Während Rhodan sich mit einem Beiboot aufmacht, die verschollene Erde wiederzufinden, muss die Besatzung der RAS TSCHUBAI ein Versprechen erfüllen. Dazu zwingt sie nicht zuletzt auch DIE VECU ...

Die Hauptpersonen des Romans

Penelope Assid – Die Xenolinguistin und -semiotikerin wird Zeuge, wie sich das Schicksal Tausender Generationen erfüllt.

Icho Tolot – Der Haluter kämpft für die Zukunft.

Onker Dou – Der stellvertretende Sicherheitschef kämpft um die Unabhängigkeit der RAS TSCHUBAI.

Bru Shaupaard

1.

Icho Tolot

Der Haluter lachte brüllend, während er sich in Bewegung setzte.

Hinein in den Gang. Drei gebückte Schrittsprünge, fünfzig Meter überbrücken. Das war für einen Haluter eine Kleinigkeit.

Die Fingerkrallen in die rechte Seitenwand bohren, sie meterweit aufreißen, den Schwung des tonnenschweren Körpers reduzieren, mit den Beinen gegen die gegenüberliegende Verkleidung eines Antigravschachts prallen. Hochkommen, rechts rein, erneut beschleunigen. Kein Problem für Wesen, die als lebende Kampfmaschinen galten: Haluter waren über drei Meter groß, unfassbar stark, hatten vier Arme, zwei Herzen, zwei Gehirne und konnten ihren Körper strukturell so verändern, dass er die Widerstandsfähigkeit von Terkonit hatte.

Icho Tolot nahm zwischen den einzelnen Sprüngen einen tiefen Atemzug. Der Aufbau von Deck 23 war ihm wohlbekannt, so, wie er jede andere Ecke der RAS TSCHUBAI in seinem untrüglichen Gedächtnis abgespeichert hatte.

Er musste von diesem Ort verschwinden, so schnell wie möglich. Die Gefahr, auf seiner Flucht einem der Kleinen zu begegnen, war zu groß. Das Würfelmodul der Unterkünfte war trotz der besonderen Umstände, die im Schiff herrschten, von Hunderten Terranern und Angehörigen anderer Völker bewohnt.

Er würde ausweichen, gewiss – und dabei wertvolle Zehntelsekunden verlieren. Die Verfolger würden aufschließen, die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Fluchtversuchs reduzieren.

Tolot hechtete über einen der kleinen Plätze am Knotenpunkt mehrerer Gänge. Über einen Springbrunnen hinweg, in dem virtuelle Mitglieder einer Figurengruppe spielerisch umhersprangen und leise kicherten. Durch einen Grünstreifen, in dessen Zentrum sich das Tee, der erste Abwurfplatz des bordinternen Discgolf-Spielplatzes, befand.

Tolot registrierte die Umgebung nur am Rande. All seine Sinne konzentrierten sich auf die Flucht – und auf die Verfolger.

Sein Armbandkom lieferte kaum Informationen. ANANSI hatte ihn aus dem Informationsfluss ausgesperrt. Doch der Haluter war sich gewiss, dass seine Gegner mittlerweile drei Decks über und unter ihm ausgeschwärmt waren und jede seiner Bewegungen überwachten.

Sie würden immer näher rücken, von allen Seiten. Sie würden die Kugel, in deren Zentrum er sich befand, weiter verdichten und ihn letztlich einfangen.

Raus aus dem Würfelmodul, raus aus dem Gewirr sechs Meter breiter Gänge. Entlang der Peripherie hatte er mehr Platz, um seinen Körper die Wege entlang zu wuchten. Er beschleunigte auf mehr als 80 Stundenkilometer und musste bereits nach wenigen Sekunden wieder abbremsen, um über eine Brüstung zu springen, in einen Fallschacht, der als architektonisches Element diente und dessen Wände von Efeu bedeckt waren.

Er krallte sich in Deck 20 an der Brüstung fest. Sie bestand aus einem Kunststoffverbund, der dem Gewicht eines Haluters nicht standhielt. Dennoch schaffte er es, sich zwischen den Ranken auf den Gang zu kämpfen und erneut Tempo aufzunehmen.

Ein Blitzen links. Ein Lichtreflex.

Tolot feuerte gedankenschnell. Mit der Präzision und der Reaktionszeit eines Roboters. Er vernichtete seinen Gegner. Der TARA-IX-INSIDE explodierte, Trümmer schossen kreuz und quer. Eine Hitzewolke breitete sich aus und erhöhte die Umgebungstemperatur rasant.

Feueralarm erklang. Gleich darauf sprachen die Notmechanismen des Schiffs an. Flammenerstickender Schaum deckte die Brandherde ab. Heerscharen von Robotern würden in Sekundenschnelle mit der Sichtung sowie Behebung der Schäden beginnen.

Davon bekam Tolot nichts mehr mit, er war längst weiter. Er hatte einen Feind vernichtet. Einen von viel zu vielen.

Das Planhirn rechnete und rechnete. Es prognostizierte ihm eine Chance von knapp drei Prozent, aus der RAS TSCHUBAI zu entkommen. Es riet ihm, die Flucht aufzugeben und sich den Robotern zu stellen.

Das Ordinärhirn ließ ihn lachen, laut und grollend.

Aufgeben? Er?

Niemals!

Tolot entfernte sich immer weiter vom Würfelmodul. Die Architektur der Außenbereiche des Decks war nüchtern und nach streng logischen Gesichtspunkten konzipiert. Er näherte sich einem mächtigen Aggregatblock, in dem ein Fusionsreaktor integriert war. Dahinter breitete sich ein maschinell überwachter Hydroponikbereich aus. Es roch nach jungen Zwiebeln.

Tolot feuerte zweimal in Richtung eines weiteren TARAS und zerstörte den Roboter dadurch.

Normalerweise wäre seine Chance, aus der RAS TSCHUBAI zu entkommen, unmessbar gering gewesen. Aber da war noch dieser »Haluter-Faktor.« ANANSI, das Schiffsgehirn, konnte nicht wissen, wie viel er bereit war zu riskieren.

Arbeitete er ausschließlich mit den Möglichkeiten des Ordinärhirns, nutzte er das Planhirn zu hundert Prozent – oder schaltete er zwischen den beiden gedanklichen Extremen hin und her? Wie kompromisslos würde er agieren und wie weit gehen?

»Sehr, sehr weit«, sagte er leise.

Es war ihm einerlei, ob ihn ANANSI hören konnte oder nicht. Die Semitronik wusste meist, wo er sich befand. Ihre Roboter beobachteten und verfolgten ihn.

Tolot hob ruckartig den Thermostrahler an – und feuerte. Drei Sekunden lang. Auf das Steuerzentrum des Fusionsreaktors. Dann auf Schutzschirmprojektoren, die den Reaktor im Falle einer Detonation isolieren sollten.

Augenblicklich erklangen Sirenen, Lichter flackerten. Bodenklappen öffneten sich, Roboter kamen fliegend, kriechend, schwebend, rennend, rollend herbei. Das Schiff reagierte so, wie es sollte.

Tolot zerstrahlte so viele Maschinen wie möglich, bevor die mechanischen Helfer mit den Sicherungs- und Reparaturarbeiten beginnen konnten.

Er musste Druck auf ANANSI ausüben. Das Schiffsgehirn sollte wissen, dass er es ernst meinte. Dass er bereit war, einen Teil der RAS TSCHUBAI zu vernichten. Sie musste ihm seine konsequenten Handlungen glauben.

Die Roboter kamen von überall, Tolot zerstörte sie. Das Schrillen der Alarmsignale wurde lauter und drängender. Irgendwo wurde gewiss schweres Gerät mit Prallfeldern bereit gemacht. Die Maschinerie, über die ANANSI verfügte, war allumfassend. Ebenso ihre Möglichkeiten, den Schaden einzudämmen.

Das Planhirn rechnete einen Anstieg seiner Chancen auf knapp 3,5 Prozent aus. Je glaubwürdiger er sich benahm, desto besser.

In spätestens drei Sekunden musste er weitere Entscheidungen treffen. Dann würde eine unumkehrbare Kettenreaktion in Gang treten, die diesen Teil der RAS TSCHUBAI zerstörten.

Nach 2,8 Sekunden beendete er das Sperrfeuer, wandte sich um, stürmte in Richtung der Hydroponiktanks und -anlagen. Er wühlte sich durch Gemüsefelder, sprang über ein Gewächshaus, zertrampelte Dutzende kleine Gärtnerroboter.

Hinter ihm arbeiteten die Maschinen an der Stabilisierung des Reaktors. Er hatte zusätzliche Sekunden gewonnen; nun musste er an Tempo zulegen und so rasch wie möglich den Ringwulst erreichen.

Tolot hetzte an einer vertikalen Röhre vorbei, in der zylinderförmige Expresskabinen durch das Schiff transportiert wurden. An einem leeren Antigravschacht. An einem deplatziert wirkenden Gravotron-Feldtriebwerk. An einer halutergroßen Lagerkugel mit Deuterium-Vorräten.

Überall richtete er Schäden an, überall sorgte er für Verwirrung. ANANSIS geistige Kapazität war beeindruckend. Aber auch sie kannte Faktoren wie Unsicherheit und Verwirrung. Das erratische Verhalten eines Haluter war etwas, womit sie – hoffentlich – nichts anfangen konnte.

Aber was war mit ihrem ... Auftraggeber?

Tolot erreichte den Ringwulst und jagte den leicht nach innen gekrümmten Ringkorridor zu seiner Linken dahin. Einen wie verloren dastehenden Terraner übersprang er mit einem gewaltigen Satz. Die Zugänge zu zwei großen Hangars passierte er, ohne sein Tempo zu verringern.

Tolot lief in eine der Kleinhallen hinein, rammte einen Shift der LUPUS-Klasse und zerschoss die Halteklammern zweier HALLEY-Jäger. Der Schaden, den er binnen weniger Sekunden verursachte, war beträchtlich, doch das scherte ihn nicht.

Zwei TARA-INSIDES schnitten ihm den Weg ab. Die Roboter feuerten mit allen vier Waffen gleichzeitig – und verfehlten ihn gegen jede Wahrscheinlichkeit.

Er hingegen traf. Der Haluter-Faktor machte sich bezahlt: jene Unberechenbarkeit, die aus dem unberechenbaren Wechselwirken zwischen Ordinärhirn und Planhirn entstand.

Hinaus aus der Halle, sofort in die nächste. Weitere Schäden verursachen. Ein Hangartor öffnen, die lokalen Schwerkraftprojektoren zerstören, Bergungsgerät vernichten, Wasserrohre zum Platzen bringen, den Boden aufreißen, Löschschaum von der Decke rinnen lassen ...

ANANSI wirkte zögerlich. Sie folgte seinen Angriffen auf die Infrastruktur der RAS TSCHUBAI nie unmittelbar oder gar vorauseilend. Es war Tolot, als gäbe es einen unbekannten Faktor, den er in seinen Planungen nicht so recht fassen und erfassen konnte.

Er musste sich schnell entscheiden. Er musste mehrere Dutzend der Kleinschiffe ausschleusen, sie von der Steuerung durch ANANSI abkoppeln, selbst in den Weltraum gelangen und eines der Schiffe erreichen.

Er raste in die nächstgelegene Haupthalle – und sah sich dreizehn TARA-IX-INSIDES gegenüber. Sie machten Front gegen ihn.

Tolot feuerte aus zwei Waffen. Mit den beiden freien Händen hieb er auf den Deckboden ein, zerbeulte ihn mit wenigen Schlägen, riss einen Teil der Abdeckung auf und nutzte sie als Deckung. Damit hatte er für wenige Zehntelsekunden Schutz, ehe die Desintegratorstrahlen durchdrangen. Genug für ihn, ein weiteres Loch zu graben, die Infrastruktur im Boden zu zerstören, für neue Verwirrung zu sorgen und sich durch die ultraleichten Synthoplast-Verbundstrukturen der Zellenstruktur zu wühlen, hinab in die Tiefe, um auf das darunter liegende Deck zu gelangen ...

Ein Treffer erwischte ihn, dann noch einer. Der Alarmstatus seines Anzugs war besorgniserregend. Der Schutzschirm brach zusammen. Weitere TARAS näherten sich von allen Seiten, sie kesselten ihn ein.

Etwas geschah mit ihm, das Tolot sich nicht erklären konnte. Er wollte die Strukturumwandlung vollziehen – und schaffte es nicht. Eine Strahlung, die ein feines Vibrieren in seinem Körper erzeugte, hinderte ihn daran.

Tolot wand sich, wollte die Flucht fortsetzen, wollte sich aus dem Fokus nehmen. Doch da waren Prallfelder, die seine Bewegungsfreiheit einschränkten.

Er fühlte Enttäuschung. Er hatte sich ausgerechnet, tatsächlich entkommen zu können. Seine Manöver waren überzeugend und kraftvoll gewesen – und dennoch hatte ihn ANANSI durchschaut.

»Wie ...?«, ächzte er, während das Vibrieren in seinem Körper zunahm.

ANANSI schien seine Frage zu verstehen. »Du wolltest Rücksichtslosigkeit vortäuschen, Tolotos«, sagte sie mit einer sanften Stimme, die von keinem bestimmten Ort ausging. »Du wolltest mich glauben lassen, dass du die Reaktorexplosion in Kauf nehmen würdest.«

ANANSI machte eine kleine Pause, bevor sie fortfuhr. »Aber du bist während deiner Flucht immer wieder Menschen ausgewichen, hast sie verschont. So wusste ich, dass du die Katastrophe niemals auslösen würdest. Die Denkmatrix eines Haluters ist nicht sonderlich schwer zu begreifen.«

Tolot tat alles, um die Strukturumwandlung endlich zu erreichen. Doch es ging nicht. Die Strahlung, mit der ihn die TARAS überschütteten, war von einer Qualität, die ihm unbekannt war.

So ähnlich mussten sich bei anderen Lebewesen Paralysestrahlen anfühlen. Sie streichelten seine Haut. Das Jucken und Kitzeln wich einer Taubheit, die sich tiefer und tiefer in sein Innerstes grub. So lange, bis ihn die Wirkung zur Gänze erfasst hatte.

Der Schmerz ließ sich dank des Umschaltens aufs Planhirn minimieren. Aber den logisch begründeten Ärger musste er erst einmal verdauen. Dieser unbekannte Strahlenschauer, dem er ausgesetzt war, ähnelte keiner der Waffen, die die Terraner oder ihre Verbündeten jemals eingesetzt hatten.

Tolot wollte etwas sagen, bekam aber keinen Ton mehr hervor. Er fühlte sich wie ein Fremder in seinem Körper. Die unbekannte Strahlung hemmte ihn in jeglicher Hinsicht.

Tolot fiel rücklings zu Boden. Er erfasste bloß noch die Decke des Hangars. Einige Leuchtstreifen spendeten Licht, Dunstwolken verschleierten die Sicht. Der Schusswechsel mit den TARAS hatte in der Halle große Schäden verursacht. Die bordinternen Löschanlagen waren angesprungen und verrichteten ihre Arbeit.

Tolot fand sich unversehens auf eine Antigravliege gehievt. Zwei Roboter gingen links und rechts von ihm; die Läufe ihrer Waffenarme blieben fortlaufend auf ihn gerichtet.

Wenn er es bloß schaffen würde, sich ein klein wenig aufzurichten und ihnen die Arme auszureißen! Doch da war kein Quäntchen an Energie mehr in seinem Leib. Die Paralyse wirkte hundertprozentig.

Die Liga hat niemals eine gegen mich gerichtete Waffe entwickelt, analysierte Tolot kühl. Demzufolge muss ANANSI sie in den letzten Stunden und Minuten mithilfe ihres Verbündeten gebaut haben.

Die Roboter geleiteten die Antigravliege kreuz und quer durchs Schiff. Tolot ahnte, wo ihr Ziel lag.

Ein letztes Mal sammelte er seine Kräfte. Um die Strukturumwandlung doch noch vorzunehmen und sich von den Paralysestrahlen zu erholen.

Tolots Körper versagte ihm den Dienst. Nur sein Geist funktionierte. Alles andere war hinfällige Materie.

Sie erreichten eine Halle nahe der Zentralkugel des Schiffs. Deck 15-08. Tolot erkannte die spezielle Anordnung der Leuchtbänder an der Decke. Alles, was er jemals gesehen, gerochen oder gehört hatte, blieb unwiderruflich in seinem Kopf gespeichert. So auch dieser Anblick.

Sein Gleichgewichtsgefühl sagte ihm, dass man ihn seitlich von der Antigravplattform kippte, ins Innere seines speziellen Suspensionsalkovens. Man würde ihn auf Dauer dematerialisieren und damit endgültig aus der Realität verbannen.

Der Kampf um die RAS TSCHUBAI war verloren – und damit der Kampf gegen die VECU. Die Superintelligenz hatte sich gegen die Besatzung gewandt, ihre Ziele blieben unbekannt.

Die VECU war beschädigt, verwundet, vermindert – und dennoch stark genug, um ihn mit ANANSIS Hilfe kampfunfähig zu machen.

Wenn er bloß wüsste, was die unzurechnungsfähige Superintelligenz mit dem Schiff und der Besatzung vorhatte! Und: Wie hatte es jemals so weit kommen können?

Nun, vielleicht ergab sein Fluchtversuch ja einen Sinn. Auch wenn er es nicht geschafft hatte zu entkommen, gab es einige Widerstandsnester von Besatzungsmitgliedern. Tolot hatte alle Aufmerksamkeit auf sich gelenkt und damit den Leuten um Onker Dou ein wenig Luft verschafft.

2.

Was geschah (1)

Klavs Herm Luetyens hatte Onker Dou beauftragt, das Einschleusungsmanöver der ZALTERTEPE-Jet zu überwachen. Dou würde ab dem Augenblick, da Icho Tolot und seine Reisegefährten die RAS TSCHUBAI betraten, die Verantwortung übernehmen.

Er sah sich um. Man wich ihm aus oder ignorierte ihn. Er war an Bord des Schiffs nicht sonderlich beliebt. Das wusste er. Es entsprach auch nicht seinen Aufgaben, Beliebtheitspreise zu gewinnen. Er war für Sicherheit zuständig.

Die Jet setzte im Hangar auf, die Prüfroutinen liefen an. Dou hatte sich ausbedungen, dass sie besonders gründlich ausfallen würden. Das Standardprozedere wurde durch ein exakt protokolliertes Manöver ersetzt, das mindestens eine Viertelstunde in Anspruch nehmen würde.

Weil die Reste einer Superintelligenz mit an Bord der Jet sind!, rief sich Onker Dou in Erinnerung. Mag sein, dass sie nicht so recht bei sich ist. Aber sie ist dennoch ein in allen Belangen überlegenes Wesen, über das wir so gut wie nichts wissen.

Die Verwaltungsleute der Halle hielten sich auf seine Anweisung hin peinlich genau an die Sicherheitsvorkehrungen. Sie trugen schwere Schutzanzüge und waren in Schirme gehüllt. So wie er selbst. Jede Untersuchung, die ANANSI und ihre Roboter durchgeführt hatten, musste von diesen Leuten doppelt und dreifach überprüft werden.

Dou wartete. Im Hintergrund, so wusste er, stand eine Hundertschaft an Kampfrobotern bereit. Sie würden eingreifen, sollte es notwendig werden.

Die Freigabe der Hallencrew erfolgte. Dou bewegte sich auf die Jet zu, begleitet von einem halben Dutzend seiner besten Leute.

Das Schott öffnete sich, Icho Tolot sprang aus der Schleuse und brachte damit den Boden zum Beben.

Der Haluter war der größte Risikofaktor. Ihm war im Kampf kaum beizukommen. Dou hatte ANANSI angewiesen, sich insbesondere auf ihn zu konzentrieren.

Hinter ihm kam Penelope Assid, die halb Báalol, halb Terranerin war. Dann Bru Shaupaard, ein Cairaner und in Personalunion ein überheblicher Dreckbatzen.

Auf Antigravplattformen schwebten drei betäubte Phersunen in die Halle. Einer der Geweihträger hieß Skorishol Kontash, die Namen der beiden anderen waren Dou nicht bekannt.

Sechs Wesen. Sie tragen Substanz der VECU in sich. Gemeinsam dienen sie als Speicher für eine Superintelligenz.

Er blieb nach außen hin gelassen, durfte sich keine Blöße geben. Man erwartete von ihm, dass er Ruhe und Selbstsicherheit ausstrahlte.

Nur zu gerne hätte er einen Epsal-Dackel bei sich gehabt. Die Tiere galten auf seiner Heimatwelt als Landplage; aber sie besaßen einen untrüglichen Geruchssinn. Ein Epsal-Dackel hätte die sechs Komponententräger beschnüffelt und herausgefunden, ob einer von ihnen eine Gefahr darstellte.

Gry O'Shannon und Jalland Betazou verließen nun ebenfalls die Jet. Sie waren die einzig unbeeinflussten Personen jenes Einsatzteams, das die VECU auf dem Planeten Zpud befreit hatte.

Icho Tolot trat einen Schritt auf ihn zu, Onker Dou hob die Hand. Der Haluter blieb stehen, als sich die Läufe mehrerer Strahlwaffen auf ihn richteten.

»Diese Halle wurde vom Rest der RAS TSCHUBAI isoliert«, sagte Dou so laut, dass jedermann ihn hören konnte. »Ich habe sie mit Paratronschirmen umhüllen lassen. Ich erlaube vorerst nicht, dass ihr das eigentliche Schiff betretet.«

Assid, O'Shannon und Betazou unterhielten sich leise miteinander, der Cairaner Bru Shaupaard blieb isoliert stehen. Insofern fielen die Reaktionen genau so aus, wie Dou erwartet hatte.

»Du verstehst mich, Tolot?«, fragte er den Haluter.

»Selbstverständlich«, sagte der und gab Geräusche von sich, als würde er Felsbrocken zerkauen. »An deiner Stelle hätte ich das Beiboot auf Distanz zur RAS TSCHUBAI gehalten. Ihr befürchtet, dass wir mit der VECU ein gefährliches, unberechenbares Wesen an Bord bringen.«

»Richtig.«

»Ich versichere dir, dass mit uns alles in Ordnung ist«, sagte Shaupaard.

Dou ignorierte ihn. Er konzentrierte sich auf Icho Tolot. »Was empfiehlst du mir?«

»Isolation. Untersuchungen. Befragungen. Wäre ich an deiner Stelle, würde ich uns in ein Kleinschiff stecken und in möglichst großem Abstand hinter der RAS TSCHUBAI herziehen lassen.«

»Das war mein Vorschlag.«

»Aber Luetyens, dein Vorgesetzter, hat sich dagegen ausgesprochen.«

»Richtig.« Sein Vorgesetzter war überaus kompetent, aber Dous Meinung nach zu risikofreudig. Er ignorierte die Dimension der Gefahr. Unglücklicherweise hatte sich Holonder Luetyens' Ansicht angeschlossen.

»Also werden wir isoliert. Hier, in dieser Halle.«

»Euch wird es an nichts fehlen. Wir werden eine Medoabteilung aufbauen und das notwendige Fachpersonal herankarren, das euch untersuchen soll.«

»Wir sind nicht krank!«, unterbrach Bru Shaupaard neuerlich das Zwiegespräch. »Wir tragen eine unendlich wertvolle Fracht in uns! Ich versichere dir ...«