Perry Rhodan 3099: Die Kinder der Milchstraße - Michael Marcus Thurner - E-Book

Perry Rhodan 3099: Die Kinder der Milchstraße E-Book

Michael Marcus-Thurner

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Beschreibung

Mehr als 3000 Jahre in der Zukunft: Längst verstehen sich die Menschen als Terraner. Mit ihren Raumschiffen sind sie in die Tiefen des Universums vorgestoßen und dabei immer wieder außerirdischen Lebensformen begegnet; ihre Nachkommen haben Tausende von Planeten besiedelt und sich den neuen Umwelten angepasst. Perry Rhodan ist der Mensch, der den Terranern diesen Weg zu den Sternen eröffnet und sie seitdem begleitet hat. Nun steht er vor einer seiner größten Herausforderungen: Er wurde mit seinem Raumschiff, der RAS TSCHUBAI, vorwärts durch die Zeit in eine Epoche katapultiert, in der Terra und Luna verloren und vergessen zu sein scheinen. Mittlerweile hat er in einem Zwilling unseres Universums die beiden Himmelskörper wiederentdeckt und es mithilfe der Staubfürsten geschafft, sie in den Heimatzweig des "Dyoversums" zurückzubringen. Aus dem Mythos Terra ist wieder Realität geworden. In der Milchstraße eskaliert derweil die Situation: Die Cairaner und andere Mitgliedsvölker eines fernen Sternenbundes, die derzeit in der Milchstraße den Ton angeben, versuchen ihrerseits in dieses Zwillingsuniversum zu gelangen. Für ihr Trajekt, wie sie es nennen, brauchen sie das Supramentum und den unsterblichen Arkoniden Atlan. Das Supramentum wurde mittlerweile geschaffen, aber es rebelliert gegen die Cairaner. Deren Sternenrad stürzt der Bleisphäre entgegen, und wenn kein Wunder geschieht, wird die Kollision der beiden Objekte zu einer Katastrophe führen. Wer das verhindern und der Galaxis den Frieden zurückgeben kann, sind DIE KINDER DER MILCHSTRASSE ...

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Nr. 3099

Die Kinder der Milchstraße

Finale in M 13 – das Ende der Cairanischen Epoche

Michael Marcus Thurner

Cover

Vorspann

Die Hauptpersonen des Romans

1. Reginald Bull: Überblick

2. Perry Rhodan: Orientierung

3. Reginald Bull: Die Erscheinung

4. Perry Rhodan: Versteckspiel

5. Atlan: Erwachen

6. Perry Rhodan: Lustgarten

7. Jasmyne da Ariga: Richtungsentscheidungen

8. Gucky: Gedankendurchbruch

9. Opt-Atlan: Meinungsverschiedenheiten

10. Perry Rhodan: Kampf

11. Atlan: Wiedersehen

12. Perry Rhodan: Kampf

13. Zemina Paath: Entscheidungen

14. Perry Rhodan: Wechselspielchen

15. Atlan: Zeitzeuge

16. Perry Rhodan: Abreise

17. Zemina Paath: Eindrücke

18. Perry Rhodan: Sonnenaufgang

Leserkontaktseite

Glossar

Risszeichnung Kupferkarawane der Ayees

Impressum

Mehr als 3000 Jahre in der Zukunft: Längst verstehen sich die Menschen als Terraner. Mit ihren Raumschiffen sind sie in die Tiefen des Universums vorgestoßen und dabei immer wieder außerirdischen Lebensformen begegnet; ihre Nachkommen haben Tausende von Planeten besiedelt und sich den neuen Umwelten angepasst.

Perry Rhodan ist der Mensch, der den Terranern diesen Weg zu den Sternen eröffnet und sie seitdem begleitet hat. Nun steht er vor einer seiner größten Herausforderungen: Er wurde mit seinem Raumschiff, der RAS TSCHUBAI, vorwärts durch die Zeit in eine Epoche katapultiert, in der Terra und Luna verloren und vergessen zu sein scheinen.

Mittlerweile hat er in einem Zwilling unseres Universums die beiden Himmelskörper wiederentdeckt und es mithilfe der Staubfürsten geschafft, sie in den Heimatzweig des »Dyoversums« zurückzubringen. Aus dem Mythos Terra ist wieder Realität geworden.

In der Milchstraße eskaliert derweil die Situation: Die Cairaner und andere Mitgliedsvölker eines fernen Sternenbundes, die derzeit in der Milchstraße den Ton angeben, versuchen ihrerseits in dieses Zwillingsuniversum zu gelangen. Für ihr Trajekt, wie sie es nennen, brauchen sie das Supramentum und den unsterblichen Arkoniden Atlan.

Das Supramentum wurde mittlerweile geschaffen, aber es rebelliert gegen die Cairaner. Deren Sternenrad stürzt der Bleisphäre entgegen, und wenn kein Wunder geschieht, wird die Kollision der beiden Objekte zu einer Katastrophe führen. Wer das verhindern und der Galaxis den Frieden zurückgeben kann, sind DIE KINDER DER MILCHSTRASSE ...

Die Hauptpersonen des Romans

Perry Rhodan – Der Terraner will seinen Freund retten.

Atlan da Gonozal – Der letzte Ritter der Tiefe will seine Aura retten.

Gucky – Der Ilt will mal wieder das Universum retten.

Opt-Atlan – Der optimierte Atlan will die Vergangenheit retten.

Zemina Paath und Jasmyne da Ariga

1.

Reginald Bull: Überblick

Hat sich schon einmal jemand Gedanken darüber gemacht, warum im terranischen Raumschiffsbau die Kugelform so dominant ist?

Wir haben sie von den Arkoniden übernommen, richtig.

Aber warum haben wir keinen grundsätzlich eigenständigen Weg eingeschlagen und uns von anderen raumfahrenden Zivilisationen abgegrenzt, so wie die Mehandor, die Topsider, die Linguiden oder die Jülziish?

Es mag sein, dass die Kugelform unsere Urinstinkte anspricht. Wir sehen in ihr die Sehnsucht nach der Sonne und nach der Erde gespiegelt.

Es könnte aber auch sein, dass sie den Spieltrieb in unserem kindlichen Ich anspricht. Wir schieben und schießen kugelförmige Raumschiffe durch den leeren Raum und erschließen mit ihrer Hilfe neue Räume mit immer neuen Herausforderungen.

Manchmal denke ich, dass unsere Schiffe wie Murmeln sind, die wir durchs Universum klackern lassen. Um zu sehen, was wir alles mit ihnen anstellen können.

*

Sie hatten Tage voll angespannter Langeweile hinter sich, und das war den Besatzungsmitgliedern der THORA anzumerken.

Bull blickte sie nacheinander an. Terraner, Ertruser, Epsaler, Onryonen, Arkoniden, Ferronen und die Vertreter anderer Völker warteten ungeduldig darauf, dass sich die Geschehnisse vor ihnen entfalten würden. Darauf, dass sie es endlich hinter sich bringen konnten.

Es – den großen Knall. Die entscheidende Auseinandersetzung. Den Kampf um die Herrschaft über den Kugelsternhaufen M 13.

Das ungeduldigste Wesen an Bord der THORA war er selbst. Bull wollte raus aus der Kommandozentrale, raus aus diesem Schiff, ein Beiboot kapern und ins Innere des Sternenrads vordringen, um dort etwas zu tun.

Irgendetwas.

Im Kommandantensessel der THORA zu sitzen und Däumchen drehen zu müssen ... Es war zum Aus-der-Haut-Fahren.

»Alle Manöver geglückt«, hörte er Holger Bendissons sonore und stets freundlich klingende Stimme. »Rücktritt in den Normalraum. TOIO schickt Fehlermeldungen im unteren Segment des Marginalbereichs.«

Der Marginalbereich. Dieser Begriff hatte sich im Bordjargon eingebürgert.

Bei Myriaden von Schaltungen, Mess- und Arbeitsprozessen, rechnerisch-positronischen Entscheidungen oder protokollarischen Datenaufzeichnungen an Bord kam es immer wieder zu Diskrepanzen oder Ungenauigkeiten am Rand der rechnerischen Wahrnehmung. Eine Niete, die ein bordinterner Wartungsroboter als lose meldete, wurde ebenso dazugezählt wie geringfügigste Abweichungen bei raumtrigonometrischen Berechnungen. Diese Fehler wurden addiert, zusammengefasst und mit Argusaugen beobachtet. Von TOIO selbst, aber auch von unzähligen, an Bord installierten Kontrollrechnern.

Die THORA war vollständig einsatzbereit. Bull atmete erleichtert durch. Das Schiff war auf einem Ultratender der ANDROMEDA-Klasse gewartet und überprüft worden, nachdem es sich längere Zeit in der Gewalt der Cairaner befunden hatte.

Verunglückte, verzerrte Funksprüche trudelten ein, Taststrahlen berührten sie. Nahe der Bleisphäre und des Sternenrads herrschte energetisches Chaos. Die Ortungsabteilung meldete Schwierigkeiten, der Funk ebenso.

Die Nachricht, dass die THORA in M 13 angekommen war, würde sich trotzdem schnell unter den Hunderttausenden Schiffen verbreiten, die sich in einem vergleichsweise winzigen Raumbereich drängten.

»Ich will mit Perry und mit Markul agh Fermi sprechen«, verlangte Bull. »In genau dieser Reihenfolge.«

»Verstanden«, meldete Harla Nellison, die Leiterin der Funkabteilung. »Es wird allerdings etwas dauern.«

Er rutschte unruhig auf seinem Platz hin und her, während er wartete und weitere Ortungsmeldungen eintrudelten. Die THORA wurde von mehreren Schiffsverbänden aufgefordert, exakte Kennungen bekannt zu geben und zu erklären, was das Flaggschiff der Liga ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt an diesem Ort zu suchen hatte. Immerhin war bereits die Pseudo- oder auch Opt-THORA – von der man neuerdings als dem Golem sprach – mit Opt-Atlan und seiner Besatzung aus cairanischen Bioplikaten präsent.

Die Funkverbindung war schlecht. Oft musste das positronische Schiffsgehirn TOIO improvisieren und Mutmaßungen anstellen, was der Absender eigentlich sagen wollte. Strahlungsinterferenzen bereiteten Probleme. Welche Wechselwirkungen auch zwischen dem Sternenrad und der Bleisphäre geschahen – sie zeigten Auswirkungen.

Im Funkverkehr klang immer wieder Angst durch. Die Arkoniden und Haluter, die vereinzelt patrouillierenden Cairaner, Naats und Ladhonen – sie alle waren übernervös. Und das hatte einen guten Grund.

Dieser Grund wurde ihnen allen in Holos an ihren Arbeitsplätzen gezeigt: Das cairanische Sternenrad raste auf die Bleisphäre zu. Auf jenen linsenförmigen Bereich, der das Arkonsystem umgab und silbrig-grau schimmerte. Keinem Messgerät war es bislang gelungen, die Bleisphäre zu erforschen oder zu erkunden, was im Inneren der Zone vor sich ging.

»Ein Weißes Loch mit mehreren bewohnten Welten in seiner Begleitung wird von einer Zone aus unerklärlichem Nichts wie magisch angezogen«, sagte Bull leise zu sich selbst. »Da ist die Katastrophe vorprogrammiert.«

»Wie bitte?«

»Es ist nichts.« Bull zwang sich zu einem Lächeln. »Verzeih einem alten Mann, der zu Selbstgesprächen neigt.«

»Dieser cairanische THORA-Nachbau wurde identifiziert und lokalisiert«, meldete Harla Nellison. »Allerdings hat das Schiff sich ... verändert.«

Neue Holos entstanden vor Bulls Gesicht. Sie zeigten ein absurdes Objekt, das nur noch vage Ähnlichkeit mit dem Nachbau der THORA besaß. Zwei cairanische Augenraumer klebten an gegenüberliegenden Seiten des Ringwulstes und gaben dem Schiff die vage Anmutung eines Gesichts mit weit abstehenden Ohren.

Oder einem mit brennenden Augen, die seitlich aus dem Kopf wachsen, dachte Bull.

»Was geht dort vor sich?«, fragte Bendisson.

»Ich bin dran«, sagte Nellison knapp. »Andere terranische Einheiten, mit denen wir Kontakt aufgenommen haben, wissen auch nicht so recht, was vor sich geht.«

Hektik brach aus. Bull erhielt einen Schwall von Funk- und Ortungsdaten übermittelt. Holos, die taktische Angriffs- und Verteidigungsmanöver darstellten, leuchteten reihenweise um ihn auf.

»Was ist mit der RAS TSCHUBAI?«, hakte Bull nach.

»Ich versuche mein Bestes.«

Er konzentrierte sich erneut auf die eingehenden Informationen. »Beiboote der Pseudo-THORA kehren zu ihrem Mutterraumer zurück, wobei sie von cairanischen Schiffen verfolgt und diese wiederum von der Pseudo-THORA attackiert werden. Was, zur Hölle, hat das zu bedeuten?«

Schweigen. Niemand wusste etwas zu sagen. Auch TOIO nicht.

»Ich finde die RAS TSCHUBAI derzeit nicht. Das energetische Störfeuer ist zu massiv. Aber ich könnte dir ein Gespräch mit agh Fermi anbieten ...«

»Danke, Harla. In ein Holo, bitte.«

Die Bildverbindung war angesichts des stellaren Umfelds zwischen Bleisphäre und Sternenrad überraschend gut und stabil. Das Gesicht des arkonidischen Flottenkommandanten blickte Bull unvermittelt entgegen. Der Arkonide wirkte jung für das Amt eines Mascanten, unverbraucht – und ein klein wenig genervt. Seine Augen tränten.

»Reginald Bull«, sagte er und nickte knapp. »Unter anderen Umständen würde ich mich gerne mit dir unterhalten, aber nicht jetzt. Ich muss mich um meine Flotte kümmern. Ich schleuse sie soeben aus dem Sternenrad aus, bevor ...«

»Ein kluges Vorgehen und sicherlich wichtig, aber nicht wichtiger als dieses Gespräch«, unterbrach Bull grob. »Ich halte mich kurz: Was hat es mit diesem Kampf der Cairaner gegen die Pseudo-THORA auf sich?«

Dem Arkoniden war anzumerken, dass er sich über Bulls forsches Auftreten ärgerte. »Die Lage ist komplex, wie du weißt. Etliche Schiffe der Baronien und der Liga stehen im Inneren des Sternenrads, neben Einheiten der Cairaner und Ladhonen. Hoffentlich bleibt uns ausreichend Zeit an den Lichtschleusen, um das Sternenrad wieder zu verlassen. Die Cairaner wissen nicht so recht, wie sie das Abdriften des Sternenrads in Richtung Bleisphäre aufhalten sollen ...«

»Schön und gut, agh Fermi, aber das weiß ich bereits. Auch, dass Perry wieder mal im Fokus steht.« Und ich, wie so oft, am Rand des Geschehens, fügte er in Gedanken hinzu. »Ich möchte wissen, was die Pseudo-THORA vorhat. Warum wenden sich die Cairaner gegen deren Beiboote?«

Ein Signal traf ein, demzufolge der Arkonide auf eine gesicherte Frequenz gewechselt hatte. »Ein Mann mit deiner Erfahrung weiß selbstverständlich, wann es Zeit ist, ein nichtöffentliches Gespräch zu führen«, sagte der Mascant. »Aber ich möchte, offen gestanden, deine Erfahrung nutzen.«

Bull verstand. Agh Fermi wollte sich vor den Zuhörern auf seinem eigenen Schiff und der THORA keine Blöße geben. Er war überfordert. »Du willst meinen Rat?«

Weiteres Tränensekret sammelte sich in den Augenwinkeln des Arkoniden. »Die Beiboote der Pseudo-THORA bringen bleisphärengeborene Futuroskope zu ihrem Mutterschiff. Sie sind bereit, den angeblich optimierten Atlan bei seinen Zielen zu unterstützen.«

»Woher weißt du das?« Bull fühlte sein Herz schneller schlagen.

Die Futuroskope waren präkognitiv geprägte Wesen. Sie waren in der Lage, in die Zukunft zu blicken. Die Gabe dieser Wesen bedeutete einen immensen Machtzuwachs. Wer auf die Dienste der Futuroskope zurückgreifen konnte, hatte jederzeit einen enormen Wissensvorsprung.

»Dieser Opt-Atlan – so nennt sich Atlans Doppelgänger tatsächlich ganz offen – machte gar keinen Hehl daraus, dass er die Futuroskope mit auf seine Reise ins Innere der Bleisphäre nehmen möchte. Er hat einige von ihnen aktiv gesucht und gefunden. Nun ist es ihm gelungen, über einen offenen Aufruf weitere der Präkognitiven zu erreichen und dazu zu bringen, ihm zu folgen.«

»Und sie folgen seinem Aufruf?«

»Ja, Terraner. Er hat sie mit der Verlockung geködert, die Bleisphäre in einer Art zu erleben, dass sich diese religiösen Fanatiker ihr offenbar nicht entziehen können. Die Futuroskope sehen in Opt-Atlan und seinem bizarren Vehikel eine ganz besondere, eine bessere Zukunft.«

»Was den Cairanern wiederum nicht schmeckt.«

»Richtig. Der falsche Atlan hat sich gegen sie gewandt. Die Cairaner können und wollen es nicht dulden, dass ihr Gegner allzu mächtig wird.«

Bull überdachte die Lage. Alle Pläne der Cairaner, die sie über einige Hundert Jahre hinweg so fein gesponnen hatten, drohten im letzten Augenblick zu scheitern.

Sie wollten mithilfe des Sternenrads flüchten, weg aus dem heimischen Zweig des Universums in jenen anderen, in dem es keine Superintelligenzen gab und geben konnte. Überwechseln auf die andere Seite des Dyoversums, um vor den Nachstellungen der Kandidatin Phaatom sicher zu sein, die dem Chaos diente.

Illustration: Dirk Schulz

Der falsche Atlan stahl ihnen diesen Plan, diese Möglichkeit. Allem Anschein nach wollte er sich mit der Pseudo-THORA ins Innere der Bleisphäre stürzen. Ohne die Cairaner.

Bull fühlte, dass agh Fermi ihn anstarrte und auf Antworten wartete. Auf Ratschläge. Auf irgendetwas, das dem Arkoniden helfen würde, seine Aufgabe als Flottenkommandant auszufüllen.

Er ignorierte ihn vorerst und sah stattdessen zu, wie sich der Kampf entwickelte.

Die Pseudo-THORA verteidigte offensiv. Sie sorgte dafür, dass die nachrückenden cairanischen Einheiten nicht an die Beiboote herankamen.

Mit einer Mischung aus Bewunderung und Ekel folgte Bull der Auseinandersetzung. Er bekam Raumkämpfe zu sehen, die wie Teile eines Tanzes wirkten – und in denen es um Leben und Tod unzähliger Wesen ging. Immer wieder war ein leichtes Bildruckeln zu bemerken. TOIO merkte Fehler in der Datenübertragung an, die die Schiffspositronik verbesserte.

Ein Augenraumer explodierte von innen heraus, ein weiterer zog sich nach mehreren Wirkungstreffern aus dem Geschehen zurück. Die Beiboote der falschen THORA schleusten unterdessen nacheinander im Mutterschiff ein. Sie brachten die neuen Futuroskope zu Opt-Atlan.

Scheinbare Ruhe kehrte ein, der Funkverkehr ebbte ab. Es war, als fielen alle beteiligten Parteien in einen Zustand kurzer Erschöpfung

»Die Präzision jener THORA dort drüben hat sich erhöht und verbessert«, behauptete Bull. »Das Schiff hat sich weiterentwickelt und ist jetzt meinem alten Mädchen wahrscheinlich weit überlegen.«

»Opt-Atlan nennt es jetzt Golem«, sagte agh Fermi. »Ist das nicht ein Begriff aus der terranischen Mythologie?«

»So könnte man sagen, ja. Aber ich muss ja nicht jeden Firlefanz mitmachen, den uns dieser Opt-Atlan serviert. Golem, pah!« Bull klärte den Arkoniden nicht weiter über den Ursprung des Begriffs auf, es hätte zu nichts geführt.

Das letzte Beiboot schleuste gerade in die Pseudo-THORA ein, die Cairaner zogen sich in Richtung Sternenrad zurück. Sie nutzten zwei der Lichtschleusen, um ins Innere des wundersamen Systems zurückzugelangen. In die Gegenrichtung herrschte reger Verkehr. Terranische und arkonidische Kugelraumer verließen fluchtartig das Sternenrad.

»Warum sagst du, dass sich der Golem weiterentwickelt hätte, Bull?«

»Sieh dir die Sensordaten an! Die Pseudo-THORA reagiert aktiver. Womöglich erfährt sie durch die Futuroskopen eine weitere Optimierung.«

»Dazu sind sie noch nicht lange genug an Bord, Terraner.«

»Das wird kommen. Was wir da sehen, geht lediglich auf die Optis an Bord zurück, einschließlich des Bordrechners TOIO.«

»Ist es das, was du mir sagen möchtest, Terraner? Dass ich mehr auf mein Gefühl vertrauen sollte, angesichts der Lage und einem halben Dutzend von Schiffsverbänden mit unterschiedlichen Interessenslagen, die die Bleisphäre derzeit bevölkern?«

»Natürlich nicht, Markul. Mein Rat ist: Sammle so viele Informationen wie möglich. Hör dir die Meinung so vieler Strategen und Fachleute wie notwendig an. Und triff dann erst deine Entscheidungen.«

»Es ist, als würde ich einem meiner Ausbilder zuhören.«

Bull lächelte. »Es wird selbstverständlich kein Arkonide jemals zugeben – aber der zweite Teil der heutigen ARK SUMMIA, also ein Teil eurer strategisch-taktischen Schulung, beruht auf meinem dritten Flottenhandbuch für Terra. Also hast du in gewisser Weise recht.«

»Du kannst ausschließen, dass nicht etwa du aus unseren Unterlagen Dinge übernommen hast? Ihr Terraner seid ja traditionell eher als Nehmer denn als Geber aufgefallen, oder?«

Bull verschränkte die Arme vor der Brust und lächelte grimmig. »Finde es heraus, aber erst, nachdem wir hier klar Schiff gemacht haben. – Und da wir gerade unter uns sind: Du machst deine Sache gut, Junge. Arkoniden und Terraner sind sich näher, als es uns einige Demagogen glauben machen wollen.«

Ein Moment der offenen Worte. Ein Dialog der Ehrlichkeit, wie er nur selten geführt wird. Und das ausgerechnet in diesem schlechtesten aller Momente. Ich ... wir müssen uns auf die Geschehnisse im Sternenrad, auf dem Golem und die Bleisphäre konzentrieren.

Bull fuhr fort: »Ich hege keinerlei Sympathien für die Cairaner. Sie haben aus der Milchstraße einen Ort der Unsicherheit und der Unwissenheit gemacht. Dennoch ...«

»Ja?«

»Es liegt eine gewisse Tragik über ihrem Handeln. Alles, was sie tun, geschieht aus dem Gefühl tiefster Verunsicherung heraus. Sie wollen der Kandidatin Phaatom entkommen.«

»Du nimmst sie für ihr Handeln in Schutz?«

»Ich versuche zu verstehen. Ihre Gedanken nachzuvollziehen. All ihre Pläne scheitern soeben. Statt in die endgültige Sicherheit stürzen sie ins Nichts. Ihr Trajekt scheitert nicht etwa, sondern wird ihnen entwendet.«

»Du hast also doch Mitleid mit den Cairanern. Ich hätte von einem Terraner nichts anderes erwarten sollen.«

Bull unterdrückte seinen Ärger über die typisch arrogante Haltung agh Fermis. »Gehen wir unsere Probleme Schritt für Schritt durch, Markul: Ich habe den Eindruck, als störte es dich nicht sonderlich, wenn der Golem in die Bleisphäre eintauchen und damit verschwinden würde.«

Er beobachtete das absurd umstrukturierte Schiff. Es trieb mit immer größerer Geschwindigkeit auf die silbrig-graue Masse zu, die das Arkonsystem umgab.

»Wir hätten ein Problem weniger am Hals, wenn der Golem einfach verschwände«, stimmte agh Fermi zu. »Allerdings wissen wir nicht, was dann mit der Bleisphäre geschieht – und damit mit dem Kern unseres Herrschaftsgebiets. Mit M 13.«

»Niemand kann den Golem derzeit aufhalten. Was den Cairanern nicht gelungen ist, werdet auch ihr nicht schaffen.«

»Aber die THORA ...«

»Nein. Wie ich bereits sagte: Dieser Nach- und Umbau ist uns mittlerweile nicht nur wegen der angekoppelten Augenraumer definitiv überlegen. Hast du gesehen, wie er die cairanischen Einheiten deklassiert hat? Oder die Meldungen überlesen über seine Aktionen an den Ausweglosen Straßen?«

»Noch dreißig Minuten, bis die falsche THORA in die Bleisphäre eindringt«, meldete Bendisson und riss Bull damit aus der Unterhaltung.

Eine halbe Stunde also, dann hatte sich das Problem mit dem Golem sowieso erledigt. Und würde einem weitaus größeren Platz machen.

»Ich habe Kontakt zur RAS TSCHUBAI« sagte Nellison aufgeregt.

»In ein gesondertes Holo«, befahl Bull, deutete agh Fermi gegenüber eine arkonidische Geste der Entschuldigung an und legte ihn in eine Warteschleife.

Ein neues Gesicht erschien. Grüner Teint, goldene Gesichtssprenkel. Sichu Dorksteiger. Die Lebensgefährtin Perry Rhodans. Eine Frau mit scharfer Zunge und scharfem Verstand.

Momentan wirkte sie allerdings zutiefst besorgt.

»Was ist mit Perry?«, fragte Bull, der die schlechten Nachrichten erahnte.

»Natürlich ist er wieder einmal nicht dort, wo er sein sollte.« Zorn und Sorge hielten sich in ihrer Stimme die Waage. »Er hat die RAS TSCHUBAI verlassen. Gemeinsam mit Zemina Paath, Gucky und zehn TARAS ist er an Bord des Golems gegangen.«

»Wann?«

»Er vor fast drei Stunden losgeflogen.«

»Warum?«

»Um Atlan zu retten.« Sichu erzählte Bull von dem Ultimatum, das ihnen Opt-Atlan geschickt hatte.

»Dieser Idiot!«, schloss Sichu. »Ich hätte in meiner heimatlichen Galaxis bleiben und in Ruhe alt werden sollen. Aber nein – ich verliebe mich in einen Terraner, dessen Hauptziel ist, das Universum zu retten und sich dabei selbst immer wieder in höchste Gefahr zu bringen.«

Die berauschend schöne Frau aus dem Volk der Ator wollte ihre Sorgen überspielen und stark wirken. Sie scheiterte kläglich.