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12 Terraner in der Unterwelt von Halut - Sie machen den Überlebenstest, um das Erbe der Ahnen zu sichern Auf Terra und den anderen Welten des Solaren Imperiums der Menschheit schreibt man Anfang November des Jahres 2436 n. Chr. Die Pläne der akonischen Geheimagenten wurden durchkreuzt. Durch sein plötzliches Erscheinen im Solsystem und seine rückhaltlos offenen und ehrlichen Worte an die Menschheit konnte Perry Rhodan das Schlimmste verhindern und dafür sorgen, daß die Entführung OLD MANs nicht erfolgte. Das Hauptproblem indes, wie man den Zeitpolizisten wirkungsvoll beikommen kann, ist immer noch ungelöst. Die während der kosmischen Odyssee in M-87 gewonnenen Erkenntnisse lassen jedoch den Schluß zu, daß sich auf der Heimatwelt der Haluter weitere Hinweise oder Mittel finden lassen, die den Terranern nützen könnten. Perry Rhodan zögert nicht lange. Er gibt Oberstleutnant Vivier Bontainer, seinem Retter, ein neues Kommando: das Explorerschiff EX-3333. Mit dem Großadministrator und seinen halutischen Freunden an Bord, startet die EX-3333 zur "verbotenen Welt". Die Friedenswaffe wird gesucht, doch der "Wächter der Unberührbarkeit" verwandelt die Expedition in die Unterwelt Haluts in ein Fiasko. Dennoch brechen die Terraner ihre Mission auf Halut nicht ab. Sie bleiben sogar standhaft IN DER TODESZONE...
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Veröffentlichungsjahr: 2011
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Nr. 373
In der Todeszone
12 Terraner in der Unterwelt von Halut – Sie machen den Überlebenstest, um das Erbe der Ahnen zu sichern
von HANS KNEIFEL
Auf Terra und den anderen Welten des Solaren Imperiums der Menschheit schreibt man Anfang November des Jahres 2436 n. Chr.
Die Pläne der akonischen Geheimagenten wurden durchkreuzt. Durch sein plötzliches Erscheinen im Solsystem und seine rückhaltlos offenen und ehrlichen Worte an die Menschheit konnte Perry Rhodan das Schlimmste verhindern und dafür sorgen, dass die Entführung OLD MANS nicht erfolgte.
Das Hauptproblem indes, wie man den Zeitpolizisten wirkungsvoll beikommen kann, ist immer noch ungelöst.
Die während der kosmischen Odyssee in M 87 gewonnenen Erkenntnisse lassen jedoch den Schluss zu, dass sich auf der Heimatwelt der Haluter weitere Hinweise oder Mittel finden lassen, die den Terranern nützen könnten.
Perry Rhodan zögert nicht lange. Er gibt Oberstleutnant Vivier Bontainer, seinem Retter, ein neues Kommando: das Explorerschiff EX-3333.
Die Hauptpersonen des Romans
Perry Rhodan – Der Großadministrator des Solaren Imperiums erhofft Hilfe von Halut.
Vivier Bontainer und John Sanda – Die »Weltraumzwillinge«.
Waxo Khana – Hüter der Unberührbarkeit.
Dr. Geoffry Abel Waringer, Dr. Armond Bysiphere und Dr. Tomcho Spectorsky – »Skipper« Bontainers wissenschaftliche Begleiter beim Eindringen in die Todeszone.
Fellmer Lloyd, Tako Kakuta und Wuriu Sengu – Die Mutanten kommen nicht zum Zuge.
Peter Shark – Bordingenieur der EX-3333.
1.
Das grell leuchtende Dreieck, das ruckweise von Strich zu Strich sprang und in einer Minute das Zifferblatt umrundete, bewegte sich einmal, zweimal, dann erreichte es die Zwölf.
Gleichzeitig begannen sich die Zahlen auf den länglichen Sichtfenstern zu verändern. Dies geschah mit gewohnter positronischer Geschwindigkeit. Die fünfzehn Männer in der kleinen Halle, irgendwo im Schiff, blickten wie auf Kommando auf die Datumsanzeige.
04. November 2436, 00 Uhr 00 Minuten 08 Sekunden.
»Sind Sie fertig, Vivier?«, fragte Perry Rhodan gelassen, obwohl ihn die Gedanken und die Überlegungen zur Eile zwangen.
»Fast, Sir«, erwiderte der Space-Twin.
»Sie wissen: Ein winziger Fehler in der Ausrüstung kann dem besten Mann das Leben kosten«, sagte der Maat, der den Männern behilflich war. Dritter Mann dabei war Roune Mareaux, Erster Offizier des Schiffes EX-3333, das neben dem mächtigen Haus Icho Tolots auf dem Planeten Halut stand. Sofort nach dem Urteil Waxo Khanas waren die energetischen Fesseln zurückgezogen worden; die EX hätte starten können, wenn es Rhodan gewollt hätte. Der Großadministrator wusste aber, dass die Mission dieses Schiffes auf Halut erst begonnen hatte.
»Die Forschungen innerhalb des technischen Wirrwarrs Haluts sind freigegeben worden. Jetzt wird sich herausstellen, was wir finden. Haben wir Glück?«
John Sanda, hochgewachsen, schlank und grauäugig, fast genaues Abbild des Kapitäns, bewegte prüfend den Kopf. Er steckte in dem schweren, enganliegenden Kampfanzug, der die Glieder einengte und die Bewegungen marionettenhaft erscheinen ließ. Der halbstarre Falthelm war auf die Schultern zurückgeschlagen, und Sanda hatte eine unangezündete Zigarette zwischen den Lippen – seine letzte für eine Zahl von Stunden, die man nicht kannte.
»Wir müssen ganz einfach Glück haben«, sagte Rhodan und zuckte die Schultern in dem schmalgeschnittenen, silbergrauen Bordanzug, den er trug. »Unsere Tüchtigkeit haben wir oft genug bewiesen – auch hier auf Halut.«
Dr. Waringer nickte und ließ den Verschluss der schweren, starren Waffentasche zuschnappen. Die zwölf Männer der Einsatzgruppe steckten ausnahmslos in den hochmodernen Anzügen der Flotte, und die Gürtel waren voller Taschen mit kleinen, doch ungeheuer leistungsfähigen Zusatzaggregaten und Ausrüstungsgegenständen.
Waxo Khana hatte in einem langen Gespräch mit Rhodan versprochen, ihnen nun nichts mehr in den Weg zu legen; er würde in der Nähe seines Hauses auf die zwölf Terraner warten.
Die dicken Isolierstoffe der vielfarbigen Anzüge glänzten im Licht der Tiefstrahler. Die verchromten Drehgelenke um die Knie, die Ellenbogen und die Handgelenke warfen Reflexe. Je drei der Männer trugen gleichfarbige Anzüge, und auf den Energietornistern standen viermal die Nummern Eins bis Drei. Falls die Funkgeräte ausfielen, besaß man eine zusätzliche Orientierungshilfe. Die Hochenergiekraftanlagen in den Tornistern, die flach anlagen und fast nicht sichtbar waren, waren noch nicht eingeschaltet worden.
Wir sind zwölf, stellte Dr. Bysiphere fest und sah sich um. Er befestigte den Verschluss eines Handschuhs.
Die Männer waren hervorragend und krisenfest ausgerüstet worden; niemand hatte mit Gegenständen und Waffen gespart. Die Antischwerkraftprojektoren halfen mit, so dass die Männer unter der Last nicht zusammenbrachen; ihre Ausrüstung wog mehr als fünfzig Pfund. Schwerkraftneutralisator mit Verstärkerzusätzen, Deflektorschirmfeldprojektor, Energieabwehrschirm, schwere Handwaffen, Seile und Haken, Pulsatortriebwerke ... alles war wiederholt getestet worden, die wichtigsten Ersatzteile steckten in Taschen der gekreuzten Brustgurte.
Vivier Bontainer sah auf die Uhr.
»Noch zehn Minuten«, sagte er leise. Jeder verstand ihn. »Dann müssen wir den Gleiter besteigen.«
Rhodan deutete mit dem Kinn auf das schwere Expeditionsfahrzeug, das an der Wand des Raumes stand, dicht neben dem zugeschraubten Schott.
»Ich fliege Sie zu Waxo Khanas Haus«, sagte er kurz.
Die Mutanten, die Wissenschaftler, die Space-Twins Sanda und Bontainer, die drei GA-Männer und ein Bordingenieur namens Peter Shark bildeten eine zwölf Mann starke Gruppe. Sie sollten versuchen, die unbekannte Waffe zu finden, mit der man die erwarteten Zweitkonditionierten in harmlose Haluter verwandeln konnte, ohne in eine erschütternde Materialschlacht auszuarten.
»Einverstanden, Sir!«, sagte Bontainer. »Feuer! John – siehst du nicht?«
Sanda grinste, zog aus dem Gürtel ein winziges siganesisches Gerät und richtete die Öffnung nach oben. Daumendruck. Aus einem winzigen Loch schoss eine blaugelbe Flamme und entzündete das Ende von Bontainers Zigarette.
»Nikotin«, sagte Mareaux unbewegten Gesichts, »beruhigt die Nerven.«
Bontainer lächelte höflich und fragte zurück.
»Sie sind Nichtraucher, Roune?«
Der Erste nickte.
»Dann frönen Sie dem Alkohol«, schloss Bontainer. »Erinnern Sie sich an das Fest in meiner Kabine?«
Mareaux bekam einen roten Kopf und murmelte: »Schweigen wir von etwas anderem, Sir.«
Die Männer lachten. Durch das Gelächter spürte man, wie ernst sie wirklich waren. Bis auf eine Ausnahme wussten sie in Umrissen, was dort unter der abgetragenen, erodierten Oberfläche des uralten Planeten lag, die trügerisch mild mit Wäldern und Büschen bewachsen war und in dem diffusen Licht der roten Sonne Haluta ruhte, nein, noch nicht. Erst in wenigen Minuten würde sich die Sonne über den östlichen Horizont schieben und die Hunderttausende von Sternen mit ihrem Licht überstrahlen.
»Wie ist die Stimmung unter unseren hunderttausend Freunden, Sir?«, fragte Dr. Tomcho Spectorsky, der Anthropologe und Spezialist für lemurische Geschichte.
»Sie sind alle zutiefst beunruhigt. Sie wissen jetzt, dank Bontainers Rede, sehr genau, wie verheerend die Zweitkonditionierten gewütet haben und noch wüten. Die Angriffe, ahnen sie, gleichen denen der alten, in Bildern festgehaltenen Haluter.«
Tako Kakuta, der Teleporter, drehte seinen schmalen Schädel herum und nahm eine Testschaltung vor. Sein Triebwerk brummte laut auf, fiel um einige tausend Touren und verstummte wieder. Es klang wie das zornige Aufbrummen eines unsagbar wilden kleinen Tieres.
»Haben die Haluter also endgültig eingesehen, dass die Zweitkonditionierten von ihnen direkt unterstützt werden, wenn wir die Waffe nicht bekommen, diesen Friedfertigkeitsstrahler, wie ihn der Großadministrator nannte?«
»Ja. Sie haben es begriffen.«
Rhodan deutete knapp auf die Uhr und erwiderte dem Mutanten: »Und sie haben uns erlaubt, die Geheimnisse des Planeten Halut zu ergründen, zumindest den Versuch zu machen. Und ich habe die besten Männer herausgesucht, die dafür in Frage kommen. Ich selbst bleibe im Schiff und bin bereit, jederzeit einzugreifen.«
»So war es abgesprochen!«, sagte Bontainer, sah sich um und musterte die Gesichter der elf anderen. Waringer, Dr. By, Spectorsky, Kakuta, Sengu, Lloyd, John Sanda, sein Vertrauter, »Wildcat« Alvarez, DeKamp, Stonewall und der Ingenieur Peter Shark, Sie waren bereit.
Die beste Ausrüstung, die in den Vorräten des Schiffes und der zusätzlichen Ladung zu finden war, die mit Rhodan an Bord gebracht worden war, hatte man den zwölf Männern zur Verfügung gestellt. Dinge, denen diese meisterhafte Ausrüstung nicht widerstehen konnte, würden die Männer umbringen.
»Schott auf, Roune«, sagte Bontainer.
»Yes, Sir«, erwiderte der Erste Offizier.
Bontainers Stellung an Bord der EX-3333 hatte sich in den wenigen Tagen, die zwischen dem erbitterten Dialog mit dem Wächter der Geheimnisse Haluts und jetzt lagen, entschieden gebessert. Heftige Diskussionen waren im Gang; die Hälfte der Mannschaft war begeistert von Bontainers Verteidigungsrede, die andere Hälfte hielt seine Redegewandtheit für einen Ausdruck der Schwäche. Die Männer, die mit ihm zusammen in dem merkwürdigen Museum gewesen waren, wussten es besser.
Roune Mareaux schwieg.
Er hatte den Sieg über die Halsstarrigkeit der Haluter mit einigen Gläsern Alkohol in Bontainers Kabine mitgefeiert, und sein Bild von Vivier war etwas ins Wanken geraten. Mareaux war unschlüssig – er wollte noch warten. Immerhin herrschte zwischen ihnen ein gelockerter freundschaftlicher Tonfall.
»Die Fahrzeuge«, sagte er zu Bontainer, »sind gestern Nacht bereits an Ort und Stelle gebracht worden.«
»Gut.«
Das Schott rollte auf, dahinter lag ein flacher, breiter Korridor aus Stahl und Plastik, der in einen kleinen Schleusenraum führte. Der Gleiter schwebte hoch, die Männer kletterten auf ihre Plätze, und Rhodan bewegte das schwere Fahrzeug vorwärts.
Neben Rhodan saß Bontainer und starrte konzentriert auf die Apparaturen des Lastengleiters.
»Sie, Bontainer, haben durch Ihre geschickte Verhandlungsführung bewiesen, dass Sie mit Halutern gut auskommen. Dass Sie ein mutiger und entschlossener Mann sind, wissen wir alle«, sagte Rhodan leise. »Die Gruppe bricht jetzt auf – Sie werden alle von Waxo Khana erwartet. Ich bitte Sie, zu forschen und zu suchen, aber nichts zu zerstören. Wir befinden uns bei Freunden.«
»Ich weiß dies alles, Sir«, gab Bontainer zurück. »Ich habe, bevor wir gestern die Bodenfahrzeuge dort hinunterschafften, ein genaues Konzept entworfen. Sanda kennt es, und die drei GA-Leute kennen es auch. Wir werden tun, was wir können – die Schwierigkeiten werden nicht darin liegen, dass die Haluter davon betroffen sind.«
»Was immer es ist«, schloss Rhodan, »diese Waffe muss gefunden werden. Sie oder etwas wie ein Bauplan.«
»Sie wird von zwölf Mann gesucht«, bestätigte der Space-Twin.
Die Schleuse öffnete sich.
Der schwere Gleiter schwebte hoch über dem Triebwerkswulst aus dem Schiff, als die ersten Sonnenstrahlen das Tal in eine milde Glut badeten. Der Bodennebel stieg hoch und löste sich unmerklich auf. Die Luft Haluts war kühl und roch nach Chlorophyll.
»Dreißig Kilometer«, murmelte Rhodan und beschleunigte.
Zwanzig Meter über dem dunkelgrünen Boden des Planeten schwebte der Gleiter nach Nordosten, Waxo Khanas Haus entgegen. Die Gesichtshaut der Männer wurde vom Fahrtwind eiskalt, und einige Mitglieder des Kommandos schlossen die Klapphelme. Die Minuten vergingen, und weit vor den Terranern tauchten die Würfel des Hauses auf; weiße Flächen, schattenbedeckt und im Licht der roten Sonne verhalten leuchtend. Einige spitzkegelige Bäume stachen zwischen den Kuben in den Himmel, der sich mit einem silbernen Ton überzogen hatte, wie man ihn selten auf einem Planeten sehen konnte.
»Dort unten«, sagte Sanda, »stehen Bodenfahrzeuge.«
»Dort unten«, erwiderte Bontainer laut, »stehen Haluter. Es sind Tausende.«
Jetzt sahen es auch die anderen.
Auf dem Raumhafen neben dem Haus des Uralten standen die beiden niedrigen Bodenfahrzeuge; sie waren amphibisch und konnten mit den Antischwerkraftprojektoren immerhin wenige Zentimeter über dem Boden schweben, selbst hier in der hohen Gravitation des Planeten. Zwischen den schweren halbrobotischen Maschinen standen zwei Haluter – es mussten Khana und Tolot sein. Tolot, der sich schnell wieder erholt hatte und zusammen mit den Terranern freigelassen worden war. Und rund um diese Gruppe standen mindestens zehntausend Haluter. Eine lebendige Mauer, hundert Glieder tief. Niemand sprach ein Wort – ein großes, dunkles Schweigen gespannter Erwartung lag über der Versammlung.
»Tiefe Besorgnis«, sagte Fellmer Lloyd. »Sie hoffen mit uns, wissen aber genau, was uns bevorsteht. Sie kennen die Gefahr, nicht aber deren Ausdruck.«
Vorsichtig zog Rhodan den Gleiter herunter, schlug einen Kreis ein und blieb dicht neben den beiden Halutern stehen. Die Antigravprojektoren der Kampfanzüge wurden nacheinander eingeschaltet.
»Wir werden euch führen, Freunde!«, sagte Icho Tolot laut und deutete auf Waxo und sich selbst. »Verteilt euch bitte auf die Fahrzeuge; wir laufen vor euch her.«
Schweigend, wie eine ungeheure Sammlung schwarzer Steine, umgaben die Tausende Haluter den Kreis. Rhodan stand im Gleiter und begrüßte die beiden Haluter; das künstliche Schwerefeld verhinderte, dass ihn die Gravitation zu Boden zwang. Die Terraner teilten sich in zwei Gruppen und enterten die Gleiskettenfahrzeuge; Bontainer setzte sich an das Steuer der ersten Maschine, Sanda nahm den anderen Platz in Maschine zwei ein. Funkgeräte erwachten, Bildschirme wurden hell, und laut brummend sprangen die mächtigen Maschinen an.
»Wohin geht es?«, fragte Rhodan den jüngeren Haluter.
»Dort hinüber«, sagte Icho Tolot. Er war in seinen overallartigen Anzug gekleidet, trug aber nicht einen einzigen Ausrüstungsgegenstand bei sich. Neben ihm stand schweigend der Alte.
Der Rachen Waxo Khanas öffnete sich, und die zuhörenden Terraner hörten: »Dort, vor dem Gebirge.«
Das Gebirge war ein breiter Wall aus zackigen, schwarzen Felsen, die aus riesigen Schutthügeln hervorstachen wie seltene Gewächse, wie schwarze Stalagmiten. Jahrtausende und Jahrtausende hatten einstmals riesige Gebirge verwittern lassen, hatten die schwarzen Felsnadeln übriggelassen. Sonnenlicht spiegelte sich undeutlich auf ihren Flanken.
»Dort?«
»Ja. Die Zone des lautlosen Todes«, sagte Waxo. »Wollen Sie sich noch von Ihren Männern verabschieden, Großadministrator?«
Rhodan schüttelte den Kopf.
»Das ist bereits geschehen, Khana«, erwiderte er laut. »Ich danke Ihnen noch einmal für alles und hoffe, dass wir finden, was wir suchen. Macht's gut, Männer!«, schloss er dann und winkte. Der schwere Gleiter stieg mit aufgrollender Maschine drei, vier Meter hoch, drehte dann auf der Stelle und schwebte zurück zum Schiff. Rhodan winkte, so lange er etwas erkennen konnte. Das letzte, was er noch sah, war der lebende Wall aus den Leibern der Haluter.
Bontainers großes Abenteuer, dachte Rhodan mit Ungewissheit und fast mit Furcht, konnte beginnen. Hoffentlich blieb es ein Abenteuer – sein Schluss sollte Erkenntnis sein, nicht Zerstörung oder Tod.
*
Die Ketten bewegten sich wie rasend.
Rasselnd, wie wenn riesige Metallmassen über den Boden gezerrt würden, liefen die beiden Fahrzeuge über die steinernen Platten des Raumhafens. In der schweigenden Mauer der Haluter hatte sich eine Gasse geöffnet. Bontainer führte, dann kam Sandas Wagen. Langsam schlossen sich die durchsichtigen Kuppeln über den Sitzen.
Dann lag freies Land vor ihnen.
Von rechts nach links überholten die beiden Haluter. Tolot lief aus Rücksicht auf den alten Waxo Khana langsam; nicht schneller als siebzig Stundenkilometer. Der zweite Wagen rückte auf und blieb zwei Meter, also eine halbe Fahrzeuglänge, rechts neben Bontainers schwerem Transporter. Vor den Fahrzeugen bewegten sich die Körper der beiden Riesen. Diese seltsame Karawane strebte nach Norden, den schwarzen Schuttbergen zu.
»Alle denkenden Hirne dieser Geschöpfe strahlten tiefste Besorgnis aus, Bontainer«, sagte Fellmer Lloyd. »Sie wünschen uns alles Glück.«
»Wir werden es brauchen«, entgegnete Bontainer und steuerte den Wagen um eine Baumgruppe herum.
»Vier Kilometer!«, zählte Sanda laut mit.
Seine seltsam unbetonte Stimme, die kühl und gelassen klang, kam aus den Lautsprechern von insgesamt zwölf Helmfunkgeräten.
»Wir sind gleich angelangt«, erwiderte Bontainer.
Ungefähr zehn Kilometer von Waxo Khanas Haus entfernt begann das Gebirge, das seinen Namen nicht mehr verdiente. Aus den Schuttablagerungen waren im Laufe der Jahrtausende abgetragene und runde Hügel geworden, die wie die Rücken riesiger Wale in einer stillen See aussahen, von Moos, Büschen und runden Bäumen überwuchert. Der Planet der Haluter verfügte nur noch über Spuren der einstigen vulkanischen Tätigkeit; seit Jahrhunderten hatte sich die Erde nicht mehr gespalten, war keine Lava mehr ausgeschüttet worden. Sie allein hätte hier neue Berge bilden können. Das war nicht geschehen.
»Es waren vor Ewigkeiten riesige Bergzüge, mehr als zehntausend Meter hoch, Terraner!«
Icho Tolot schrie es, während er neben Waxo lief und versuchte, über die Schulter zu sprechen. Es sah ungewöhnlich aus.
»Und darunter ist das geheimnisvolle technische Leben unserer Ahnen und der Humidors«, sagte der Alte langsam.
Und dann, Minuten später, waren sie angelangt.
Die Terraner hatten bisher geschwiegen und sich auf den Weg und die Umgebung konzentriert. Sie sahen die Bäume, das milchig-neblige Licht zwischen ihnen und die tautriefenden Gräser und Blätter, in die schwere Gleisketten breite Spuren gepflügt hatten. Eine abwegige Szene bot sich, als die beiden Wagen mit rutschenden Ketten und Maschinen, die im Rückwärtsgang knirschten und abbremsten, auf dem höchsten Punkt eines der ersten Hügelrücken standen.
»Das sieht phantastisch aus!«, murmelte Spectorsky. »Haben Sie die Aufnahmegeräte des Wagens eingeschaltet, Skipper?«
Bontainer grinste ihn an.
»Die Geräte laufen, Tomcho.«
»Danke, Vivier.«
