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Die Bluttat im Sydra - Demeter erinnert sich Während sich zu Beginn des Jahres 3587 die Ereignisse in der Menschheitsgalaxis überschlagen - man denke nur an Boyt Margor, die letzten Flibustier und die Weltraumbeben! - setzt Perry Rhodan in Weltraumfernen die Expedition mit der BASIS planmäßig fort. Dem Terraner kommt es, wie erinnerlich, darauf an, sich Zugang zu einer Materiequelle zu verschaffen, um die so genannten Kosmokraten davon abzuhalten, diese Quelle zum Schaden aller galaktischen Völker zu manipulieren. Einige der Schlüssel, die zusammen mit Laires Auge das Durchdringen der Materiequelle ermöglichen sollen, sind bereits im Besitz Perry Rhodans. Jetzt geht es um die Auffindung der restlichen Schlüssel. Einen davon wollen Alaska Saedelaere und Ganerc-Callibso, der ehemals Mächtige, besorgen. Sie sind gegenwärtig mit Ganercs Lichtzelle nach Derogwanien unterwegs, wo der Schlüssel sich befinden soll, während die BASIS inzwischen Bardiocs kosmische Burg ansteuert. Doch bevor das gigantische Raumschiff sein Ziel erreicht, gerät die Besatzung unversehens in große Schwierigkeiten. Schuld daran ist DER KYBSOON-EFFEKT ...
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Veröffentlichungsjahr: 2011
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Nr. 943
Der Kybsoon-Effekt
Die Bluttat im Sydra – Demeter erinnert sich
von HANS KNEIFEL
Während sich zu Beginn des Jahres 3587 die Ereignisse in der Menschheitsgalaxis überschlagen – man denke nur an Boyt Margor, die letzten Flibustier und die Weltraumbeben! – setzt Perry Rhodan in Weltraumfernen die Expedition mit der BASIS planmäßig fort.
Dem Terraner kommt es, wie erinnerlich, darauf an, sich Zugang zu einer Materiequelle zu verschaffen, um die so genannten Kosmokraten davon abzuhalten, diese Quelle zum Schaden aller galaktischen Völker zu manipulieren.
Einige der Schlüssel, die zusammen mit Laires Auge das Durchdringen der Materiequelle ermöglichen sollen, sind bereits im Besitz Perry Rhodans. Jetzt geht es um die Auffindung der restlichen Schlüssel.
Einen davon wollen Alaska Saedelaere und Ganerc-Callibso, der ehemals Mächtige, besorgen. Sie sind gegenwärtig mit Ganercs Lichtzelle nach Derogwanien unterwegs, wo der Schlüssel sich befinden soll, während die BASIS inzwischen Bardiocs kosmische Burg ansteuert.
Die Hauptpersonen des Romans
Perry Rhodan – Seine Expedition muss einen Zwangsaufenthalt einlegen.
Demeter – Die Wyngerin erinnert sich.
Roi Danton, Payne Hamiller und Hytawath Borl – Ihr Verhältnis zu Demeter verändert sich.
Chuck Sarzane und Daniels – Zwei von vielen Opfern des Kybsoon-Syndroms.
Toorl, Trantan und Vomaler – Opfer eines Missverständnisses.
1.
Chuck Sarzane drehte sich langsam um. Sein Gesicht war vor Schmerzen verzerrt. Er flüsterte zischend: »Ruhe! Zu laut, Mann! Ich bin krank!«
Selbst sein Flüstern war viel zu laut und rief Qualen hervor. Sein Haar reichte bis zu den Schultern. Es war in den letzten Tagen in rasender Schnelligkeit gewachsen. Obwohl er immer wieder seine Fingernägel schnitt, waren sie schon wieder so lang, dass sie beim Bedienen der Tasten störten. Selbst das feine Summen der Feile, mit der er die Nägel bearbeitete, schmerzte. Seine Zähne erzeugten ebenfalls einen rasenden Schmerz, den er mit starken Medikamenten zu dämpfen versuchte. Sie halfen nur wenig und betäubten lediglich für kurze Zeit. Die unmittelbare Folge war, dass er umhertaumelte wie ein Schlafwandler. Die Zähne schienen sich aus den Kiefern schieben zu wollen; jeder seiner Atemzüge verursachte einen hohl nachhallenden Laut innerhalb seines Schädels.
Daniels, sein Kollege, trat ein und schloss das Schott der Ortungsnebenzentrale. Der infernalische Lärm fing von neuem an. Auch Daniels litt darunter, aber er konnte es nicht ändern.
Die Kugellager auf den Schienen und die arbeitenden Servomotoren erzeugten ein tiefes, unheimliches Grollen. Jeder Nerv wurde erschüttert und reagierte augenblicklich mit neuen Wellen von Schmerz. Das Klicken, mit dem sich die Magnetlager schlossen und die Verriegelung einklinkte, wirkte wie eine Detonation, die sämtliche Hirnzellen zerfetzte. Chuck presste leise wimmernd beide Handflächen gegen die Ohren und wisperte: »Daniels! Kannst du nicht leiser sein?«
Wortlos schüttelte Daniels den Kopf. Auch er wurde gepeinigt von den Auswirkungen des Kybsoon-Syndroms.
Fünfundzwanzig Prozent der Besatzung litten darunter. Die BASIS hatte sich in eine schweigende, von schleichenden und flüsternden Menschen erfüllte Welt verwandelt.
Der Flug der BASIS nach Bardiocs Burg war unterbrochen worden.
Antriebslos driftete der riesige Flugkörper dahin. Fieberhaft suchte man einen Planeten. Die Allergie hatte jeden vierten der BASIS-Besatzung ergriffen. Diejenigen, die von der SOL gekommen waren, litten nicht unter dem Effekt. Die Allergie war nahezu gleichzeitig aufgetreten; die Leistungsfähigkeit der BASIS litt drastisch, und selbst die Mediziner waren gegen die Kybsoon-Allergie machtlos.
Überlegungen dieser Art waren sowohl Daniels als auch Sarzane völlig gleichgültig. Sie hofften, dass sich der Zustand sehr bald ändern würde. Daniels kam langsam näher und beugte sich über die Ortungsschirme.
Seine Schritte dröhnten wie die Schläge einer gigantischen Ramme. Um nicht sprechen zu müssen, malte er mit dem Finger zuerst ein riesiges Fragezeichen in die Luft und deutete dann auf die technische Anlage.
Diesmal schüttelte Sarzane den Kopf.
Noch nichts!
Von Stunde zu Stunde war die Lage schwieriger geworden. Schmerzgepeinigte Frauen und Männer versuchten mit allen denkbaren Tricks, sich zu wehren. Aber Schmerzen dieser Art, selbst wenn sie mit wahrem Heldenmut ertragen wurden, zermürbten jeden.
Chuck machte eine eindeutige Bewegung und deutete auf ein System von Monitoren. Die Bilder und die Anzeigen bewiesen, dass sich die BASIS wieder von diesen kosmischen Koordinaten entfernte. Die Suche nach dem rettenden Sonnensystem ging an anderer Stelle weiter. Daniels nickte und setzte sich vorsichtig.
In diesem Augenblick erschien auf den Interkombildschirmen eine Schrift. Die meisten Lautsprecher waren ausgeschaltet worden; nur in Bezirken, in denen ausschließlich ehemalige SOL-Angehörige wohnten und arbeiteten, erfolgte eine Verständigung noch auf akustischer Basis.
Ein Text wurde ausgedruckt:
Seit Beginn der stellaren Raumfahrt ist das Kybsoon-Syndrom oder die K.-Allergie bekannt. Es trat immer dann auf, wenn Raumschiffe zu lange im Einsatz waren, ohne dass die Besatzungen die Chance hatten, Planeten zu betreten und eine Änderung des krankheitsfördernden Zustands herbeizuführen.
Die Zellkerne teilen sich explosionsartig und in rasender Geschwindigkeit. Die Krankheit ist außerordentlich schmerzhaft, aber weitestgehend harmlos. Diese Erkenntnis, vor langer Zeit gemacht, kann uns jedoch nicht helfen. Die Sinnesempfindlichkeit wird, wie jeder vonder Krankheit befallene Raumfahrer am eigenen Leib schmerzhaft erfahren hat, drastisch gesteigert. Nerven im Bereich des Mittelohrs und der weiterführenden Nervenleiter werden angeregt, wie bekannt, entstehen die auffallend hartnäckigen Schmerzen im Gehirn.
Chuck Sarzane dachte mit einem Rest stoischer Ironie:
Das wissen wir bereits längst! Findet endlich einen Planeten, verdammt!
Wieder überrollte ihn eine neue Schmerzwelle. Er stöhnte gequält auf und verstärkte auf dem Umweg über die Nervenleiter diesen Schmerz noch mehr. Augenblicklich war sein Körper in Schweiß gebadet. Sekunden später schüttelte er sich im Frost. Als er Daniels ansah, merkte er, dass es dem Kollegen nicht eine Spur besser ging.
Lautlos erschienen auf dem Bildschirm weitere Sätze.
Wir haben bisher keine Möglichkeit gefunden, das Syndrom zu erforschen, denn wir konzentrieren uns auf die Suche nach einem Planeten. Die Allergie, benannt nach einem Mediziner aus den ersten Jahren terranischer Raumfahrt, wird in dem Moment zu Ende gehen, wenn die BASIS einen Planeten findet. Es gibt, das Kybsoon-Syndrom betreffend, noch sehr viele Ungereimtheiten. Wir bitten, nicht zu verzweifeln. Immer mehr lärmerzeugende Aggregate sind abgeschaltet oder zumindest in der Schallentwicklung gedrosselt worden. Es kann nicht mehr lange dauern, und ein Planetensystem wird gefunden werden.
Nur aus diesem Grund wird wieder ein Linearmanöver durchgeführt. Die Lärmentwicklung ist leider unumgänglich.
Der Text blieb stehen und wechselte ständig seine Farbe. Meldungen und Durchsagen dieser Art wurden seit Beginn der jähen Unterbrechung des Fluges immer wieder eingespielt. Sie waren nicht im mindesten hilfreich und kennzeichneten die allgemeine Ratlosigkeit. Immerhin ließen sie überall in der BASIS erkennen, dass sich die handlungsfähigen Besatzungsmitglieder ununterbrochen Gedanken über die Beendigung dieses Zustands machten.
Daniels flüsterte gedehnt: »Jetzt starten sie die BASIS wieder ... hast du nichts gefunden?«
Keiner der Aktivatorträger und auch keiner der Mutanten war von der Allergie erfasst worden. Niemand hatte bisher sagen können, warum einer von der Allergie betroffen wurde und ein anderer vom Kybsoon-Syndrom verschont geblieben war.
»Die Wahrscheinlichkeit«, gab Chuck keuchend und mit langen Pausen zwischen den Worten zurück, »ist groß. Wir werden ein System finden. Bis dahin geht es weiter mit diesem verdammten ... Serienschmerz.«
Seine Finger zitterten. Rund siebzig Stunden ohne Schlaf, beziehungsweise ohne Ruhe, denn das winzigste Geräusch ließ jeden vom Kybsoon-Syndrom Befallenen ununterbrochen in die Höhe fahren, diese Folter ... das hielt der stabilste Mann nicht aus.
Die Krankheit beherrschte die BASIS.
Die Phase, während der das riesige Gebilde seinen Standort im Raum wechselte, dauerte nicht lange. Aber der Orkan aus Geräuschen, der in dieser geringfügigen Zeitspanne jeden Betroffenen quälte und ihn in ein zitterndes Wrack verwandelte, zeigte abermals die drohende Lage.
Chuck war ein breitschultriger, schwarzhaariger Mann, selbständig und belastbar. Die vergangenen Tage hatten ihn geprägt und tiefe Linien in seinem bleichen Gesicht hinterlassen. Die rotunterlaufenen Augen lagen in tiefen, schwarzen Höhlen. Immer wieder überfielen ihn Anfälle unkontrollierbaren Zitterns. Er war mürbe und sehnte sich nach Ruhe und einer kurzen Zeit, in der er keine Schmerzen mehr spürte.
»Und was hat Rhodan mit uns vor?«, flüsterte er und schüttelte den Kopf, um die Benommenheit loszuwerden.
»Keine Ahnung!«, gab Daniels zurück.
Was interessierten ihn die vielen ungelösten Fragen der Krankheit!
Nur ein einziger Gedanke füllte ihn aus:
Hoffentlich hörten die unerträglichen Schmerzen bald auf.
*
Regungslos und schweigend hockte Lord Zwiebus in seinem riesigen Sessel. Er lehnte mit dem Kopf gegen die Wand und blickte abwechselnd Perry Rhodan und Payne Hamiller an.
»Nur ein einziger Gedanke beruhigt mich ein bisschen«, sagte Rhodan.
»Vermutlich der Gedanke, dass dieses verdammte Syndrom nicht zur tödlichen Gefahr werden wird?«, fragte Hamiller zurück.
»So ungefähr. Die Ortung ist besetzt, denke ich.«
»Ja. Wir versuchen natürlich, jeden Kranken irgendwie abzulenken. Die Lazarette sind überfüllt. Die Ärzte können schließlich nicht ein Viertel der Besatzung betäuben!«
Obwohl Rhodan die Zeit auf den Nägeln brannte, hatte er selbstverständlich angeordnet, ein Planetensystem zu suchen und einen einigermaßen geeigneten Planeten anzufliegen.
»Ich bin sicher, dass die Statistik einmal wieder auf unserer Seite ist«, sagte Hamiller im schwachen Versuch, einen Scherz zur Entspannung anzubringen.
»Was heißen soll, dass Sie überzeugt sind, in Kürze einen Landungsplaneten zu finden?«
»Ohne Zweifel.«
Rhodan kannte wie jeder andere die Auswirkungen des Kybsoon-Syndroms. Es war eine so genannte Kann-Erkrankung. Jetzt, da ein Viertel der BASIS-Besatzung von der Allergie betroffen war, erinnerte sich der Terraner an die Krankheit. Das Syndrom war nicht sonderlich häufig aufgetreten. Vermutlich nur deswegen, weil die Besatzungen anderer Schiffe in bestimmten Abständen immer wieder Planeten aufgesucht hatten.
Aber es musste noch andere Komponenten geben, die bisher niemand erforscht hatte. Er jedenfalls war anscheinend immun dagegen.
Er warf einen Blick auf den Monitor über der Schreibtischplatte. Die Signale waren eindeutig. Die BASIS kehrte in diesem Moment in den normalen Weltraum zurück. Wieder dachte er daran, dass die Geräusche eine regelrechte Verwüstung unter den kranken Raumfahrern anrichten mussten.
»Wir müssen diese Zeit ganz einfach opfern!«, sagte er nachdenklich. Payne wippte mit dem Sessel.
»Trotzdem dürfen wir keine Minute verschenken. Der Kontakt mit den Kosmokraten ist unser erklärtes Ziel.«
»Sie sagen es«, meinte Rhodan. »Wir haben keine andere Wahl.«
Er lief immerhin Gefahr, dass in der rasend schnell verstreichenden Zeit die Manipulation der Materiequelle bereits stattgefunden hatte. Mit allen Konsequenzen für die Galaxis und darüber hinaus.
»Wir haben tatsächlich keine Wahl. Nachdem wir einen Planeten gefunden haben, ist die BASIS-Mannschaft lebenslang immun gegen die Allergie«, bestätigte Hamiller.
Bereits in dem Augenblick, als die Sterne wieder sichtbar wurden, begannen die Ortungssysteme zu arbeiten. Langsam vergingen Sekunden und Minuten. Die Geräusche wurden leiser und verebbten schließlich.
Rhodan drückte eine Taste und sagte in ein Mikrophon: »Hier Rhodan. Ich bitte, mich sofort zu verständigen, wenn ein brauchbarer Planet gefunden wurde.«
»Selbstverständlich«, kam die Antwort aus der Ortungszentrale. Sie war mit gesunden Solanern besetzt.
*
Chuck Sarzane wusste, dass sämtliche Säle und Zentralen der Ortungsabteilung besetzt waren. Aber diejenigen Sektoren, in denen versucht wurde, die Kranken aus Gründen der Ablenkung zu beschäftigen, arbeiteten lediglich passiv und fast ausschließlich automatisch. Trotzdem beobachtete er in dem abgedunkelten Raum die Schirme und Testinstrumente.
Mühsam hob er den Arm und flüsterte: »Daniels! Hier ...!«
Er deutete auf einen Schirm. Unterhalb des Monitors füllten sich leuchtende Felder lautlos mit Zahlenreihen und Symbolen. Mit tränenden Augen und bohrenden Kopfschmerzen starrten die beiden Männer auf die Anzeige.
Eine Sonne. Nacheinander erschienen die deutlichen Echos von sechs Planeten auf dem Schirm.
Die Distanzortungsantennen schwenkten nacheinander auf die einzelnen Planeten ein. Die Rechner verarbeiteten die hereinströmenden Daten. Der Lärm wurde immer geringer; die »Gesunden« waren sich ihrer Verpflichtung voll bewusst und versuchten, jedes überflüssige Geräusch zu vermeiden.
Nach kurzer Zeit verschwand die Schrift vom Interkom.
Eine neue, aktuelle Mitteilung wurde eingespielt. Der Text lautete: »Soeben hat die Ortung einen geeigneten Planeten gefunden. Die Bezeichnung Kur-Sonnensystem bitten wir als Raumfahrerscherz aufzufassen, ebenso den Kosenamen für den zweiten Planeten. Er lautet bezeichnenderweise Klinik.
Die BASIS fliegt in einen stabilen Orbit um Klinik. Alle, die am Kybsoon-Syndrom leiden, begeben sich bitte in die Hangars. Es wird laut Alarmplan zur Evakuierung verfahren. Die Beiboote fliegen los, sobald wir den Planeten erreicht haben. Die Kranken in den Bordkliniken und den Lazaretten werden von Robotern und einzelnen Kommandos in die Schiffe gebracht. Es brauchen keine persönlichen Habseligkeiten mitgenommen zu werden. Richten Sie sich auf eine Wartezeit von etwa achtundvierzig Stunden ein. Während dieser Zeitspanne normalisieren sich sämtliche Erscheinungen wieder.«
Auch die hervorbrechenden dritten natürlichen Zähne, die einen solchen höllischen Schmerz erzeugen?, fragte sich Chuck und holte tief Luft. Der Laut, mit dem die Atemluft durch seine Nase strich, jagte einen stechenden Schmerz bis unter seine Schädeldecke. Er zuckte zusammen und stöhnte. Die Medikamente ließen langsam in der Wirkung nach. Aus dumpfem Schmerz wurde stechender Schmerz, der rasend machte.
»Hoffentlich ...«, wisperte Daniels.
Makabre Scherze von Leuten, die vom Schmerz nicht verrückt gemacht worden waren: Kur-System und Planet Klinik. Sehr witzig, dachte Daniels. Wir werden es ihnen heimzahlen, wenn wir wieder in Ordnung sind.
»Chuck!«
Sarzane wandte mühsam den Kopf und sah, wie Daniels aufstand. Der Kollege winkte und deutete mit der linken Hand zum Schott. Mit der rechten klammerte er sich an der Sessellehne fest. Auf dem Bildschirm erschienen die ersten Fernaufnahmen und eine überschlägige Analyse des zweiten Planeten dieses Sechser-Sonnensystems.
Ich komme, formte Chuck lautlos mit den Lippen. Hilf mir.
Jeder Besatzungsangehörige wusste genau, an welchem Punkt er sich im Fall einer Evakuierung einzufinden hatte. Jeder kannte den schnellsten und kürzesten Weg zu einem Hangar, in dem sich ein Beiboot unterschiedlicher Größe befand. Chuck und Daniels stützten sich gegenseitig und tappten aus dem Raum hinaus. Wieder ließ das aufgleitende Schott die Männer taumeln unter dem wilden Ansturm von Geräuschen und nachfolgenden Schmerzen. Sie hatten genug. Sie glaubten, den Weg bis zum Sammelpunkt nicht mehr schaffen zu können. Die Hoffnung trieb sie zu wahren Höchstleistungen. Sie wuchsen förmlich über sich hinaus.
Ein Chronometer im Korridor zeigte ihnen die genaue Zeit. Es war der achtundzwanzigste März 3587, zweiundzwanzig Minuten nach sechzehn Uhr.
Sie nahmen schleierhaft wahr, dass sich andere Schotte öffneten. Gestalten wankten und krochen heraus. Aus Treppenaufgängen und aus den Einmündungen von Rampen kamen die Befallenen, die sich noch selbst fortbewegen konnten. Sie gingen außerordentlich langsam und vorsichtig. Sie bemühten sich, leise aufzutreten.
Die Haare hingen weit über die Schultern.
Einige hatten Fingernägel, länger als die Finger selbst. Fast jedes Gesicht war, obwohl ausgezehrt und verwüstet wirkend, geschwollen. Die nachwachsenden Zähne! So schleppten sie sich dahin, einzelne Raumfahrer, kleine Gruppen, oder größere Gruppen im Gänsemarsch, einer an den anderen geklammert.
