Perry Rhodan Neo 146: Der Schatz des Pilgerschiffes - Susan Schwartz - E-Book + Hörbuch

Perry Rhodan Neo 146: Der Schatz des Pilgerschiffes E-Book und Hörbuch

Susan Schwartz

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Beschreibung

Im Jahr 2036 entdeckt der Astronaut Perry Rhodan auf dem Mond ein außerirdisches Raumschiff. In der Folge beginnt für die Erde ein friedvolles Zeitalter – zuletzt allerdings unterbrochen durch die Invasion übermächtiger Fremdwesen. Ende Juni 2051 beginnt der Wiederaufbau der verwüsteten Erde. In dieser Situation werden Perry Rhodan, Atlan und Tuire Sitareh von einer unbekannten Macht entführt. Rhodan und Sitareh finden sich im Sternenreich der löwenähnlichen Gurrads wieder. Beide hat das Geisteswesen ES auf dieselbe Mission geschickt – die Suche nach METEORA. Gemeinsam steuern Rhodan und Sitareh nun den Planeten Ambaphal an, die heilige Welt der Gurrads. Dort hoffen sie, Näheres über METEORA zu erfahren. Ihre Reise nimmt jedoch eine jähe Wendung; sie geraten in massive Schwierigkeiten. Den besten Ausweg verheißt DER SCHATZ DES PILGERSCHIFFES ...

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Zeit:5 Std. 44 min

Sprecher:Axel Gottschick

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Band 146

Der Schatz des Pilgerschiffes

Susan Schwartz

Cover

Vorspann

1. 2. August 2051: TIRA AMBA

2. Diverse Arrangements

3. Missweisung

4. Der Sturz

5. Auf einem Ozean aus Luft

6. Angriff

7. Broag

8. Der Marsch

9. Ka'roam

10. Die Legende

11. Aufbruch

12. Durch das Fallloch

13. Der zweite Kreis der Hölle

14. TOMOKOL AMBA

15. Wächter und Beschützer

16. Der Schatzjäger

17. Zwischen Bangen und Hoffen

18. Aufbruch zu den Sternen

Impressum

Im Jahr 2036 entdeckt der Astronaut Perry Rhodan auf dem Mond ein außerirdisches Raumschiff. In der Folge beginnt für die Erde ein friedvolles Zeitalter – zuletzt allerdings unterbrochen durch die Invasion übermächtiger Fremdwesen.

Ende Juni 2051 beginnt der Wiederaufbau der verwüsteten Erde. In dieser Situation werden Perry Rhodan, Atlan und Tuire Sitareh von einer unbekannten Macht entführt.

Rhodan und Sitareh finden sich im Sternenreich der löwenähnlichen Gurrads wieder. Beide hat das Geisteswesen ES auf dieselbe Mission geschickt – die Suche nach METEORA. Gemeinsam steuern Rhodan und Sitareh nun den Planeten Ambaphal an, die heilige Welt der Gurrads. Dort hoffen sie, Näheres über METEORA zu erfahren.

Ihre Reise nimmt jedoch eine jähe Wendung; sie geraten in massive Schwierigkeiten. Den besten Ausweg verheißt DER SCHATZ DES PILGERSCHIFFES ...

1.

2. August 2051: TIRA AMBA

Alles inklusive

»He, Mikrohaar! Kannst du nicht aufpassen, wo du hintrittst?«

Perry Rhodan versuchte, sein Gleichgewicht zu halten, ohne sich an der Wand abstützen zu müssen. Der Gurrad hatte ihn absichtlich im Vorübergehen gerempelt. Bei einem weit über zwei Meter großen, aus mehr als zwei Zentnern Muskelmasse bestehenden Wesen reichte bereits ein sanfter Schubs, um einen Menschen mehrere Schritte wegzustoßen. Gerade deswegen bemühte sich Rhodan, Haltung zu wahren und nicht wie ein Trottel herumzustolpern, zur Belustigung der anderen.

»Verzeihung«, sagte Rhodan und hob beschwichtigend die Hände. Zunächst war es besser, für Deeskalation zu sorgen. Aus verschiedenen Gründen. Er war körperlich unterlegen, sie waren auf einem Raumschiff eingepfercht, das mehrere Tage unterwegs sein würde – und er war von seinem Charakter her nicht streitlustig, sondern versuchte, Konflikte lieber mit Diplomatie und Verstand zu lösen.

»Was heißt da Verzeihung?«, brüllte der löwenköpfige Gurrad und schüttelte seine hellbraune Mähne. »Dir Wicht muss man wohl erst Benehmen beibringen?«

»Ich sagte, es tut mir leid«, wiederholte Rhodan betont ruhig und unterdrückte den Reflex, sich die Ohren zuzuhalten. »Ich bin auf Distanz. Jeder von uns kann ungestört seinen Weg fortsetzen.«

»So einfach kommst du mir nicht davon, du lächerliche Imitation eines Feiglings!«, fauchte der Gurrad.

Allmählich strapazierte er Rhodans Geduld. Sich einen Feigling schimpfen zu lassen, damit hatte er kein Problem. Er wusste schließlich, dass er das nicht war und so gut wie keine Angst kannte. Sorge, ja – aber Angst? Nein. Schon gar nicht um sich. Doch wenn jemand einfach keine Ruhe geben wollte und nur um des Stänkerns willen stänkerte – das brachte selbst Rhodans ausgeglichenes Gemüt in Wallung. Er war bei Weitem nicht das einzige Fremdwesen an Bord des Pilgerschiffs, und es gab darunter sogar völlig Haarlose. Keine Frage, dass diese am meisten unter den Gurrads zu leiden hatten. Es war ein Gurrad-Schiff mit Gurrad-Besatzung in Gurrad-Territorium. Dennoch kein Grund, derart unhöflich und auf Krawall gebürstet zu sein. Im wahrsten Sinn des Wortes, wie an der gesträubten Mähne des Rüpels ersichtlich war.

»Lassen Sie Ihre schlechte Laune doch effizienter an jemand anderem aus«, sagte Rhodan bedächtig und blieb bei der distanzierten Anrede.

Der Gurrad hielt inne. »Was sagst du da?«

»Sie haben mich schon verstanden.« Rhodan ging langsam auf den anderen zu. »An jemandem, der ebenbürtig ist. Ich bin kein Narr, zu glauben, es körperlich mit Ihnen aufnehmen zu können. Warum also glauben Sie, Ruhm zu erlangen, indem Sie einen Schwächeren vermöbeln?«

Ihm war durchaus bewusst, dass der Löwenköpfige ihn absichtlich provoziert hatte. Der Platz auf dem Pilgerschiff war eng begrenzt, also mussten Hierarchien geschaffen werden, damit die besten Plätze nicht von irgendwelchen »dahergelaufenen Fremden« eingenommen wurden. Zugeteilte Unterkünfte und Zugangsberechtigungen änderten daran gar nichts, es war bereits ein reger »freiwilliger Tauschhandel« im Gange. Obwohl die Pilger angeblich alle den gleichen Status hatten. Nun gut, der Begriff »Pilger« erfuhr hier ebenfalls eine neue Definition.

Die TIRA AMBA, ein Birnenschiff der Gurrads, war hundert Meter lang und vermutlich mindestens ebenso viele Jahre alt. Die Aufrüstung technischer Komponenten verlief nicht etwa als »Runderneuerung«, sondern immer wieder wurde hier und da etwas aufgestockt, überbrückt, angeflanscht, erweitert. Dadurch war es im Laufe der Jahre erforderlich geworden, den übrigen Raum zusehends zu beschränken. Das betraf vor allem die Unterkünfte der Passagiere und ihre Aufenthaltsmöglichkeiten. Ein zusammengestoppelter Haufen Schrott, der nur noch von Nieten und gutem Willen flugfähig erhalten wurde. Die irdische Flugsicherheitsbehörde hätte die sofortige Außerbetriebnahme angeordnet.

Aufgrund des beschränkten Platzes gab es eben doch Unterschiede, keineswegs jeder Pilger war gleich. Die behördliche Zuteilung auf Meskauh verlor jegliche Verbindlichkeit, sobald man deren Hoheitsbereich verließ.

Rhodan nahm die Pöbelei nicht persönlich, die Gurrads verhielten sich untereinander nicht zuvorkommender. Allerdings waren diese sich körperlich ebenbürtig. Er hätte sich gern aus allem herausgehalten und sich mit einer Schlafnische oder sogar nur einer Ecke irgendwo zufriedengegeben – doch offenbar wollte man ihm nicht mal das gönnen.

»Ich habe eine Kabine zugeteilt bekommen«, Rhodan hielt eine Kodekarte hoch, »und diese gedenke ich jetzt aufzusuchen. Guten Tag!«

»Gu... Was für eine Unverschämtheit! Kennst du nicht mal die einfachsten Verhaltensregeln?«

»Gewiss, ich wende sie ja gerade an.«

»So verhält man sich nicht einem Gurrad gegenüber!« Der Löwenköpfige versperrte den Weg und plusterte sich zusehends auf.

Was hat der eigentlich für ein Problem?, dachte Rhodan. Und allmählich war er ein wenig verärgert. Und zwar darüber, dass er sich ärgerte – über einen ungehobelten, jungen Hitzkopf.

Mittlerweile hatte sich eine Gruppe Neugieriger um sie geschart. Tuire Sitareh war unter ihnen, stand entspannt mit vor der Brust verschränkten Armen da. Rhodan hätte schwören können, dass der Aulore in sich hineingrinste. Und der Rabe auf seiner Stirn ebenfalls.

»Also gut, dann eben ein schönes Leben.« Mit einem Achselzucken versuchte Rhodan, ein letztes Mal im Guten, an dem Löwenköpfigen vorbeizukommen.

Gleichzeitig nahm er mehrere Veränderungen wahr.

Sitareh spannte seine Haltung an.

Und der Gurrad bewegte den Arm, um Rhodan aufzuhalten. Aber nicht mit einem Griff, sondern mit einem Fausthieb.

Damit hatte Rhodan gerechnet – er hatte angetäuscht und sich in die richtige Position gebracht. Dass diese Sache ein friedliches Ende nehmen würde, hatte er längst abgehakt. Er verlagerte das Gewicht auf das rechte Bein, ging leicht ins Knie, um dem Schlag auszuweichen, und trat offensiv mit dem linken Bein seitlich gegen das Knie des Gurrads. Er hätte auch woandershin zielen können. Gurrads waren anatomisch weitgehend wie Menschen gebaut. Damit wäre die Auseinandersetzung umgehend beendet gewesen, bevor sie richtig begonnen hatte. Aber allein der Gedanke an den Schmerz ließ Rhodan innerlich schaudern, so wütend war er doch nicht auf den Kontrahenten. Stattdessen konzentrierte er sich auf dessen Knie.

Mit Erfolg: Der Gurrad knickte ein und stieß einen Laut aus, der vermutlich eher Überraschung denn Schmerz ausdrückte. Rhodan hatte bewusst nicht zu fest zugetreten, um nicht zu verletzen.

Die Antwort kam unverzüglich, noch innerhalb der Schrecksekunde. Rhodan, der sich gewappnet und die Muskeln entspannt hatte, sogar schon in nachgebender Bewegung war, um dem Schlag möglichst wenig Widerstand zu bieten, flog quer über den Gang und prallte unsanft gegen die Wand. Diesmal konnte er sich nicht aufrecht halten, der Aufprall presste ihm kurzzeitig die Luft aus den Lungen, und er sackte zu Boden. Doch so schnell war er nicht außer Gefecht zu setzen, ihm war durch die defensive Haltung nichts weiter geschehen.

Nun war wieder er an der Reihe, auszuteilen. Der Gurrad setzte ihm zwar augenblicklich, noch während seines unfreiwilligen »Flugs«, nach. Aber Rhodan schwang sich bereits zur Seite, kaum dass er gelandet war, und der schwere Körper des Angreifers knallte ungebremst gegen die Wand. Die notdürftig geflickte Verkleidung wurde eingedrückt, einige Nieten und Schrauben sprangen heraus, und zusammen mit dem Gurrad fiel scheppernd ein Metallteil zu Boden und entblößte dadurch eine rostmodernde Stelle.

Rhodan sprang auf und nahm Abwehrhaltung ein, während der Gurrad sich aufrappelte.

»Kleiner, leichter, schneller«, sagte Rhodan ruhig. »Ach ja, und ... Verstand.«

Der Gurrad kam ächzend auf die Beine und schüttelte den Kopf, doch es war nur eine Frage von wenigen Sekunden, bis er wieder voll einsatzfähig wäre.

Das war der Moment, ab dem es unweigerlich hässlich würde. Dessen waren sich vermutlich alle Anwesenden bewusst.

Aus dem Augenwinkel sah Rhodan Sitareh auf sich zukommen, doch ein anderer war schneller.

Vanjak, ein Anführer der Mutama, der Rebellen gegen die Herrschaftsstrukturen im Gurradreich, trat zwischen die Kontrahenten. Er hatte die ohnehin wilde, braune Mähne noch mehr gesträubt, und seine bernsteingelben Augen funkelten.

»Genug jetzt!«, fauchte Vanjak. An den Artgenossen gewandt, fuhr er fort: »Sie gehen zu weit!«

Der andere strich sich die eingedrückte Mähne zurück. »Gehört der da etwa zu Ihnen?«

»So ist es.«

Der Gurrad spuckte daraufhin voller Verachtung aus, wandte sich wortlos ab und verschwand in der Menge.

Rhodan klopfte sich Rostschmiere ab und richtete seine Montur. Er war emotional wieder völlig nüchtern und dachte nicht an sich, sondern an andere. »Ich hoffe, ich habe Sie nicht in Schwierigkeiten gebracht.«

Sitareh gesellte sich in entspannter Haltung zu ihnen, der Rest der Menge hatte sich bereits zerstreut. Eine friedliche Unterhaltung war keine Sensation und Abwechslung im eintönigen Schiffsalltag.

»Pah, so einer ist es doch gar nicht wert, dass man ihm die Kletten aus dem Fell pult.« Vanjak fletschte die stets von Neuem beeindruckenden Raubtierzähne. »Ich hätte schon früher eingegriffen, aber Sie haben sich gut geschlagen, und das kann Ihrem Status an Bord nur guttun. Schließlich sind wir für ein paar Tage eingesperrt, ein Gefängnis könnte nicht enger und heruntergekommener sein. Da kochen schon mal die Emotionen hoch, und wie Sie bereits wissen, sind wir Gurrads nicht sonderlich mit Geduld und Nachsicht gesegnet.«

»Geradezu erfrischend temperamentvoll«, konstatierte Sitareh lächelnd. »Wie sieht es eigentlich mit der Verpflegung aus? Ich habe Hunger.«

»Sie?« Rhodan tat erstaunt. »Sie haben doch keinerlei Energie verbraucht ...«

Der Aulore hob in menschlicher Geste die kupferroten Brauen. »Und was ist mit der Klettertour auf den Torin?«

»Die habe ich auch beschritten.« Und davor eine Reinigungsprozedur über sich ergehen lassen müssen, von der sich seine Haut immer noch erholen musste. Sein Magen war empfindlich seit dem Verzehr der Zinok-Made. Eine wunderbare innerliche wie äußerliche Reinigung! Genauso gut hätte man ihn häuten und ausweiden können. Was tat man nicht alles für eine Pilgerfahrt!

Aber Tuire Sitareh, wie stets auf hundert Prozent Leistung, als hätte er keine auszehrenden Prüfungen absolvieren müssen, hatte Hunger!

»Wollen Sie nicht zuerst zu Ihrer Kabine?«, fragte der Mutama.

So erpicht darauf war Rhodan gar nicht mehr, seit er das Schiff betreten und dessen Zustand gesehen hatte. »Tuire hat schon recht, wir sollten uns zuerst stärken.«

»Fröhliches Beisammensitzen«, konstatierte der Aulore. Rhodan und er hatten schon auf dem vorigen Gurradschiff erlebt, wie es beim typisch gurradschen Essen zuging, und es daraufhin vorgezogen, in ihrer Unterkunft zu speisen.

Doch das nun war ein weiterer Schritt zurück. Wie gewohnt, war die Messe – deren es laut Plan sechs an Bord gab, doch fünf davon waren »wegen Renovierung« geschlossen – geräumig und auf die körperlichen Maße der Gurrads ausgelegt. Das war bereits der einzige positive Punkt.

Tische und Sitzgelegenheiten bestanden aus Metall und waren fest im Boden verschraubt. Wäre nicht der Schmutz gewesen, hätte es wie in einer Leichenhalle gewirkt. Nur nicht so steril, denn die Messe war sicherlich seit ihrer Einweihung nicht mehr gereinigt worden. Es gab zwar zwei kleine Roboter, die für Sauberkeit sorgen sollten und ununterbrochen im Einsatz waren, doch sie waren hoffnungslos unterdimensioniert und schoben einfach nur den Dreck von einer Seite zur anderen.

Das regte den Appetit nicht gerade an – und war erst das Entrée. Der Raum war verständlicherweise restlos überfüllt, denn mindestens zweihundert Pilger waren an Bord, die nach den Strapazen der Prüfungen ausgelaugt waren.

Gut die Hälfte davon drängelte sich nun in diesem Raum, und neunzig Prozent davon waren äußerst erzürnt.

»Dafür habe ich so viel Geld bezahlt ... Unverschämtheit ... Was erlauben die sich ... Beschwerde«, schallte es ab und zu aus der ohrenbetäubenden Geräuschkulisse.

»Gibt es eigentlich auch eine Besatzung?«, stellte Rhodan eine berechtigte Frage.

Vanjak wies auf einige mürrisch aussehende Gurrads in olivfarbener Einheitskleidung, die vermutlich eine Uniform darstellen sollte und vor langer Zeit einmal schwarz gewesen sein mochte. Sicherlich waren sie dazu abgestellt, den Passagieren bei Fragen behilflich zu sein oder dafür zu sorgen, dass die üblichen Schlägereien nicht aus dem Ruder liefen. Sie standen unbeteiligt am Rand und rührten sich nicht mal, wenn Tabletts und Essen über die Tische hinwegflogen.

Rhodan und Sitareh kämpften sich zur Essensausgabe durch, vor der das meiste Gedränge herrschte. Von der berühmten »Frischeküche« der Gurrads war hier nichts zu merken. Nur automatische Ausgaben mit Instantzeug. Den Bildern und Beschriftungen nach sollte Abwechslung geboten sein, doch alles sah ziemlich gleich nach brauner und grüner Pampe aus. Zu trinken gab es ein trübes Gemisch, egal ob kalt oder heiß.

Kein Wunder, dass die Pilger wütend waren – bei dem horrenden Preis, den sie alle für die Passage bezahlt hatten, einschließlich Rhodan und Sitareh, war die Verpflegung eine absolute Zumutung.

Selbst der wenig zimperliche Aulore rümpfte angewidert die Nase. »Ich glaube, ich sterbe lieber den Hungertod.«

Auch Rhodan war der Appetit vergangen. Sie mussten sich etwas anderes einfallen lassen. »Kommen Sie, schauen wir eben nach unserer Unterkunft.«

Vanjak hatte eine Kabine für sich bekommen. Rhodan und Sitareh mussten sich wieder mal eine Unterkunft teilen.

Ihre Kabinen lagen sogar nebeneinander. Der Weg dorthin war indes gar nicht so einfach zu finden. Ab und zu hingen zwar Pläne an Gangkreuzungen, und früher einmal waren die Gänge farblich gekennzeichnet gewesen. Aber die Pläne waren längst nicht auf dem aktuellen Stand, und die farbliche Kennzeichnung war verblichen oder unter Patina verschwunden. Selbst Vanjak tat sich schwer. Doch nach einer guten Stunde Fußmarsch, gelegentlichem Umkehren und neuer Orientierung waren sie schließlich am Ziel angekommen.

Sie witzelten alle drei, dass wahrscheinlich die Kodekarte nicht funktionieren würde. Aber diesmal gab es tatsächlich keine Probleme – die Türen glitten zwar ein wenig jammernd und ruckelnd zur Seite, doch wenigstens kamen sie ohne weitere Hindernisse hinein.

Rhodan und Sitareh waren zufrieden, Vanjak hingegen bleckte knurrend die oberen Reißzähne. »Jede Toilette auf meinem Schiff ist größer!«

Es stimmte, für einen Gurrad waren die Dimensionen ziemlich knapp bemessen, vor allem, wenn er von der Statur her selbst für sein Volk als »groß und stattlich« galt. Für den Menschen und den Auloren hingegen herrschte ausreichend Bewegungsfreiheit. Allerdings waren die »Betten« nicht mehr als Pritschen, die mit dünnen Matratzen ausgelegt waren. Immerhin gab es eine eigene Nasszelle und einen automatischen Spender für diverse Getränke – alle gleich trüb –, nur leider keine Essensausgabe in Form von abgepackten Snacks und sich selbst erhitzenden Beuteln mit Proteinen, Vitaminen und Mineralstoffen. Kohlenhydrate hätte Rhodan sowieso nicht erhofft. Bei dem stark ausgeprägten Raubtiergebiss der Gurrads ging er nicht davon aus, dass sie Kartoffeln vor Fleisch bevorzugten.

»Sie werden es ertragen, oder?« Gutmütig klopfte Sitareh dem Gurrad, der ihn um fast einen Kopf überragte, auf die Schulter.

»Natürlich werde ich das«, stieß der Mutama zwischen den Zähnen hervor. Eine andere Antwort hätte sich als Anführer einer Zelle des Widerstands auch nicht gut gemacht. »Aber Sie müssen mir recht geben – dieses Geschäft ist reine Abzocke und hat mit Pilgerfahrt und der Suche nach dem Stein der Weisheit nichts zu tun. Genau, wie ich es Ihnen schilderte.«

Jeder Pilger durfte am Ziel eine Frage stellen – eine einzige. Es existierten Hunderte, wenn nicht Tausende Cartoons und Witze darüber, was in diesem erhabenen Moment in Wirklichkeit geschah und welche Frage versehentlich gestellt wurde.

»Als Außenstehende können wir das nur bestätigen«, sagte Rhodan. »Ich habe nicht angenommen, dass die Reise nach Ambaphal ein Vergnügen werden würde, aber ...«

Ein schriller Alarmton unterbrach ihn rüde, undeutlich hörte er Vanjak etwas ausstoßen, das nur ein Fluch sein konnte. Dann durchfuhr Rhodan ein so entsetzlicher, rasender Schmerz, dass er nicht einmal mehr aufschreien konnte und das Bewusstsein verlor.

»Perry! Nun kommen Sie schon, Sie sind doch ein harter Knochen. Aufwachen!«

Widerwillig kam er zu sich, wohl wissend, dass er sich dafür zuerst durch eine weitere Schmerzattacke kämpfen musste, bis er einigermaßen bei sich war.

Stöhnend setzte er sich auf. Langsam versiegten die tobenden Wellen in seinem Körper, und er erkannte, dass er auf seiner Pritsche lag. Blinzelnd blickte er in ein vertrautes Gesicht. »Tuire? Sagen Sie nicht, das war eine Transition ...«

»Nichts anderes«, bestätigte der Aulore. »Selbst Vanjak hat es mitgenommen, er ist in seine Kabine gerast, und seitdem übergibt er sich.«

»Die sparen einfach an allem.« Rhodan ächzte und massierte sich die Schläfen. »Ich will froh sein, wenn das Schiff das Ziel erreicht – und wir dann noch am Leben sind. Wobei, Sie haben das sicherlich wieder locker weggesteckt. Sie konnten mich sogar behaglich betten.«

»Nicht ganz.« Sitareh lächelte. »Erst mal hat es mich auch flachgelegt, aber ich habe mich schneller erholt.« Er deutete auf Rhodans Hals. »Ich sehe, dass Sie ihn schon wieder abgelegt haben. Belassen Sie es dabei, ihn zu tragen, und Sie werden genauso schnell wieder fit wie ich. Nehmen Sie endlich Vernunft an!«

Rhodans Hand glitt in die einzige eingenähte Tasche seiner schlichten Pilgermontur. Nicht viel mehr als ein Montageoverall, ohne die vielen Taschen. Der Zellaktivator fühlte sich ... glatt an. So wie immer. »Ich hatte ihn bei Betreten des Schiffs abgelegt«, murmelte er. »Ich wollte nicht, dass jemand darauf aufmerksam wird. Es heißt ja, man dürfte nichts mitnehmen, abgesehen von Wechselwäsche und Zahnbürste.«

»Unsere Kluft ist weit und grob gewebt genug, dass er nicht auffällt, wenn Sie ihn darunter tragen.« Sitareh wiegte den Kopf. »Ich bin sicherlich noch immer weit davon entfernt, Menschen bis ins Detail zu verstehen, aber dem kann ich nun wirklich nicht folgen.«

»Unsterblich zu sein, ist eine Verantwortung und ...«

»Ach, hören Sie auf! Sie übernehmen doch bereits die Verantwortung! Sie haben einen Auftrag von ES erhalten! Denken Sie wirklich immer noch, Sie wären ein gewöhnlicher Mensch? Sie haben eine Grenze überschritten und kosmischen Boden betreten, mein Freund. Dazu gehört auch der Pulsschwinger. Akzeptieren Sie es, oder lassen Sie es bleiben – dann aber gehen Sie nach Terra und entsagen künftig jeglichen Ämtern und Raumflügen.«

»Danke für die Standpauke.« Rhodan war dem Auloren nicht böse. Im Gegenteil. Vor allem hinsichtlich des unweigerlich nächsten Transitionssprungs. Diesem unglaublichen Schmerz musste er sich nicht noch einmal aussetzen. Er zog das eiförmige, schlichte Ding aus der Tasche und streifte die Kette über den Hals, verbarg den Anhänger unter der Kleidung. Nun lag er an seiner Haut, aber wie meist spürte er dabei – nichts.

»Endlich werden Sie vernünftig.«

»Nur wegen der nächsten Transition. Wenn der Zellaktivator mich nicht schützt, nehme ich ihn wieder ab, und dann für immer, das schwöre ich!«

Sitareh grinste. »Ich verwette meinen Raben drauf, dass Sie das nicht tun werden.« Er deutete auf seine Stirn.

Sie wandten die Köpfe, als Vanjak hereinstolperte.

»Erstens«, seine Stimme dröhnte viel zu laut für diesen Raum, »Sie haben vergessen, abzusperren. Sträflicher Leichtsinn, denn selbst gereinigt und mit fast nichts bei sich hat jeder trotzdem noch etwas, das andere begehren. Zweitens – ich habe einen Schädel wie nach drei Tagen Orgie. Das mache ich auf nüchternen Magen nicht noch einmal mit. Wir machen uns jetzt sofort auf die Suche nach etwas Anständigem zu essen, oder ich zerlege das Schiff eigenhändig in handliche Häppchen und fresse es auf.«

2.

Diverse Arrangements

Tuire Sitareh hatte eine Idee, wie sie ihren allgemeinen und vor allem den Versorgungsstatus verbessern könnten. »Ich werde den Kommandanten fragen, ob ich technisch behilflich sein kann, damit wenigstens die Transitionen nicht derart extreme Auswirkungen haben. Vielleicht kann ich etwas tun.«

»Gute Idee«, stimmte Perry Rhodan zu. Der Aulore hatte sich bereits in Gurradtechnik versucht und würde sich »bei der Rückständigkeit«, wie er einmal gemurmelt hatte, leichttun.

»Der Kommandant heißt Terogam«, informierte Vanjak. »Er ist so weit ganz in Ordnung, für einen von denen jedenfalls. Etwas älter als ich und ziemlich ausgeglichen. Sie sollten keine Schwierigkeiten haben, ihn freundlich zu stimmen.« Er wollte Sitareh den Weg zur Kommandozentrale beschreiben.

Doch der Aulore winkte ab. »Vielen Dank, aber die finde ich leicht – ich nehme an, die Birnenschiffe sind im Grundaufbau alle gleich gestaltet.« Damit war Sitareh auch schon unterwegs.

Vanjak verriet nun seinen Plan: »Ich möchte den zuständigen Phaliten aufsuchen. Das ist eine Art Priester, der die Pilger auf der Reise begleitet und spirituell auf Ambaphal vorbereitet. Jedes der AMBA-Schiffe hat einen Phaliten an Bord. Ich habe in Erfahrung gebracht, dass unser Phalit Ostrott heißt und in der Nähe der Kommandantenunterkunft residiert.«

»Residiert wird wohl zutreffen«, murmelte Rhodan. Von der Örtlichkeit her war davon auszugehen, dass die Kabine des Phaliten großzügig gehalten und aufwendiger eingerichtet war als die schlichten Pilgerunterkünfte.

»Wie es einem zusteht.« Vanjak grinste. »Ich möchte Ostrott die allgemeine Lage schildern und vor einem Aufstand der Passagiere warnen. Die Stimmung hier an Bord ist sehr gereizt und kann jeden Moment eskalieren.«

»Eine gute Idee.«

Perry Rhodan hatte es sich schon gedacht: Bigotterie, große Töne, und in Wirklichkeit ging es nur um Selbstbereicherung und Selbstbeweihräucherung. Was auch immer hinter diesem Riesengeschäft genau stecken mochte – ein Konsortium, eine Einzelperson oder eine Sekte –, er hoffte, dass all das die Strapazen trotzdem wert war und sie auf Ambaphal einen Hinweis auf METEORA fanden.

Um die echten Pilger tat es ihm leid, denn sie setzten hohe Erwartungen in diese Reise. Heilung, einen besseren Status, die Erfüllung einer Sehnsucht – was es eben so gab an Verzweiflung, die jemanden dazu brachte, sich derart täuschen, demütigen und finanziell ausbluten zu lassen.

Auf dem Weg zu Ostrotts Unterkunft begegneten die beiden Männer vielen Pilgern. Es schien, als hielte es keiner in seiner kargen Unterkunft aus, und so waren sie alle unterwegs, um sich irgendwie damit zu arrangieren, dass es die nächsten Tage so weitergehen würde.

Noch immer fand ein »Tauschhandel« der Kabinen statt. Vor allem die Nichtgurrads fingen an, Gruppen zu bilden, um sich gemeinsam gegen die Bevormundung zur Wehr zu setzen. Ihr Anteil machte etwa ein Fünftel aus. Alle waren Sauerstoffatmer und einigermaßen humanoid gebaut, doch mehr Gemeinsamkeiten gab es kaum. Manche waren so groß wie Gurrads, aber extrem dünn mit langen Extremitäten, sodass Rhodan unwillkürlich an irdische Stabschrecken denken musste. Es gab ein paar kahlköpfige Blauhäutige mit irisierenden, gelblichen Augen. Andere hatten eine dicke, borkige Haut, aus deren Poren vereinzelt feine Haarbüschel wuchsen. Auch Gefiederte gab es.

Und, soweit er es beurteilen konnte, hielten Männer und Frauen sich die Waage. Ganz anders bei den Gurrads. Bisher hatte er nur Männer gesehen – wie es bei ihnen üblich war. Die Frauen der Gurrads nahmen im herrschenden Matriarchat die ranghöchsten Positionen ein und lebten sehr abgeschieden, weil die Geburtenzahl weiblicher Nachkommen nur ein Viertel der männlichen betrug.

Rhodan nahm sich vor, die erzwungene Untätigkeit während der Reise zu nutzen und mit so vielen Pilgern der Fremdvölker wie nur möglich das Gespräch zu suchen.

Der Schleusenzugang zum Zentralbereich war überraschenderweise nicht gesichert. Anscheinend war es unter Pilgern üblich, sich widerspruchslos von nicht öffentlich gekennzeichneten Bereichen fernzuhalten.

»Ach, das ist einfach zu erklären«, sagte Vanjak. »Das kenne ich von nahezu allen Passagierschiffen. Man streut das Gerücht, dass jeder Unbefugte einen Weltraumspaziergang ohne Anzug unternehmen darf.«

»Gerücht oder Wahrheit?«

»Ha! Sehen Sie. Funktioniert sogar bei Ihnen.«

Andererseits, warum sollte ein Pilger sich hierherverirren, es sei denn, um mit dem Phaliten zu sprechen? Und dazu hatte er schließlich das Recht. Wenngleich es offenbar nicht allzu üblich schien, so ausgestorben, wie alles in dieser Schiffsregion war. Vielleicht hielt Respekt die Passagiere davon ab, ihr Recht wahrzunehmen. Oder eben ein Gerücht.

Von der Besatzung war allerdings nichts zu sehen, mit Ausnahme vor Ostrotts Unterkunft. Da hielten gleich zwei Wache – ein etwas seltsames Gebaren für einen Priester, der die Pilger leiten und unterstützen sollte.

Rhodan überließ Vanjak das Reden, denn die beiden Wächter würden einem »Mikrohaar« gewiss kaum zuhören oder ihm auch nur Beachtung schenken.

Allerdings hatten sie ebenso wenig Lust, wenigstens dem eigenen Artgenossen ein Minimum an Aufmerksamkeit zu widmen.

Der Mutama war indes nicht umsonst einer der Rebellenführer. Er verstand sich darauf, Gehör zu finden und seine Autorität deutlich zu machen. In sprachlicher Gewandtheit war er den beiden Besatzungsmitgliedern bei Weitem überlegen und verwirrte sie erfolgreich. Vor allem wies er darauf hin, dass er sich so lange nicht entfernen würde, bis er das »spirituelle Gespräch, auf das jeder Pilger uneingeschränkt Anspruch« habe, geführt hatte. Im Falle der Anforderung einer Verstärkung würde er Beschwerde beim Kommandanten einlegen und alle übrigen Pilger an Bord aufwiegeln.

Das schien das Kodewort für den Türöffner zu sein – kurz darauf wurden sie eingelassen.

Phalit Ostrott war ein reichlich übergewichtiger Mann mit einer pompös aufgeplusterten, graubraunen Mähne – eine Perücke, wie Rhodan rasch erkannte –, ständig weit aufgerissenem Mund, als habe er unendlich viel zu sagen, und ausufernden Gesten. Aggressives Deuten, Abwehren, Armerudern. Was seine schlechten Zähne – braun, stumpf, bröckelig – nicht an Autorität vermitteln konnten, versuchte er auf andere Weise.

Fast wie daheim, sinnierte Rhodan, innerlich seufzend.

Der Priester dachte gar nicht daran, seinem Auftrag nachzukommen, und vermutlich stellte er darin keine Ausnahme dar. Wahrscheinlich nutzte der Großteil der Phaliten die für sie kostenfreien Pilgerreisen aus, um allem zu frönen, was sich ihnen bot – als Aufwandsentschädigung für die Anstrengungen, speziell der Transitionen. Selbst wenn es zu Beginn der Pilgerreisen nicht so gewesen sein mochte – irgendwann korrumpierte der Sonderstatus jeden.