Perry Rhodan Neo 84: Der Geist des Mars - Rainer Schorm - E-Book + Hörbuch

Perry Rhodan Neo 84: Der Geist des Mars E-Book und Hörbuch

Rainer Schorm

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Beschreibung

Eineinhalb Jahre sind vergangen, seit der Astronaut Perry Rhodan auf dem Mond auf ein havariertes Raumschiff der Arkoniden gestoßen ist. Bis zum Dezember 2037 hat die Erkenntnis, dass die Menschheit nur eine von unzähligen intelligenten Spezies ist, ein neues Bewusstsein geschaffen. Die Spaltung in Nationen ist überwunden, ferne Welten sind in greifbare Nähe gerückt. Eine beispiellose Ära des Friedens und Wohlstands steht bevor. Doch sie kommt zu einem jähen Ende - das stellt Rhodan fest, als er von einer beinahe einjährigen Odyssee zwischen den Sternen zurückkehrt. Das Große Imperium hat das Sonnensystem annektiert, die Erde ist zu einem Protektorat Arkons geworden. Der größte Trumpf der Menschheit gegen das Imperium sind die Mutanten. Doch die paranormal begabten Menschen wurden in der Genesis-Krise angegriffen. Viele starben oder verloren ihre Gaben. Jetzt nehmen sie die Spur ihrer Angreifer auf - sie führt zum Mars ...

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Zeit:6 Std. 2 min

Sprecher:Axel Gottschick

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Band 84

Der Geist des Mars

von Rainer Schorm

Eineinhalb Jahre sind vergangen, seit der Astronaut Perry Rhodan auf dem Mond auf ein havariertes Raumschiff der Arkoniden gestoßen ist. Bis zum Dezember 2037 hat die Erkenntnis, dass die Menschheit nur eine von unzähligen intelligenten Spezies ist, ein neues Bewusstsein geschaffen. Die Spaltung in Nationen ist überwunden, ferne Welten sind in greifbare Nähe gerückt. Eine beispiellose Ära des Friedens und Wohlstands steht bevor.

Doch sie kommt zu einem jähen Ende – das stellt Rhodan fest, als er von einer beinahe einjährigen Odyssee zwischen den Sternen zurückkehrt. Das Große Imperium hat das Sonnensystem annektiert, die Erde ist zu einem Protektorat Arkons geworden.

Der größte Trumpf der Menschheit gegen das Imperium sind die Mutanten. Doch die paranormal begabten Menschen wurden in der Genesis-Krise angegriffen. Viele starben oder verloren ihre Gaben. Jetzt nehmen sie die Spur ihrer Angreifer auf – sie führt zum Mars ...

Für Ray Douglas Bradbury

1920 – 2012

Den Chronisten des Mars

Prolog

Intensivstation, Thek-Tharg, Mars

Ich gehöre nicht hierher!

Obwohl sie Amber hergebracht hatten, um ihr zu helfen, hatte sie keine Hilfe nötig.

Nicht jetzt, nicht davor. Alles geht seinen Weg, und das ist gut so!

Jeremy brauchte Hilfe!

Sie hatten Amber gefunden, als sie außer Trauer und Schmerz nichts mehr wahrgenommen hatte. Vor dem Loch, in das Jeremy hinabgestiegen war. Weil er neugierig gewesen war, so wie immer. Obwohl die Veränderung begonnen hatte.

Ich gehöre nicht hierher!

Die Reaktion auf diese einfache Erkenntnis war noch simpler. Amber, die nicht genau wusste, was sie nun war, streifte alles von sich. Die medizinische Verkabelung, ebenso die Infusionsschläuche. Die Töne des Alarms schrillten in ihren Ohren.

Der Druck war falsch, die Temperatur war falsch, alles war falsch. Dies war kein Ort, an dem sie bleiben wollte. Nach wie vor brodelte es in ihrem Inneren. Die Umwandlung war abgeschlossen. Was nun kam, war das Nachspiel. Der Feinschliff, der eine komplette Persönlichkeit hervorbringen würde. Biologie und Körperchemie funktionierten bereits. Sie konnte in dieser Umgebung leben, obwohl alles falsch war. Die Sehnsucht trieb sie nach draußen.

Hinaus.

Dorthin, wo der kalte Wind weht über die weiten Ebenen, die sanften Hügel.

Die grobe, sandpapierraue Haut erzeugte kratzende Geräusche, wenn sie über eine der polierten Metall- oder Kunststoffflächen streifte. Der Weg durch diese künstliche Umwelt war weit, aber verstecken konnte sie sich gut – sogar hier. Hektische Menschen rannten an ihr vorbei, ohne sie zu bemerken. Sie bewegte sich schnell. Nur um bei nächster Gelegenheit zu erstarren und geduldig zu warten.

Sie zählte keine Sekunden, Minuten oder Stunden. Zeit bedeutete Amber nicht viel.

1.

Grohnde, Deutschland – 15. Dezember 2037

No hiding place down here

»Zielsubjekt bewegt sich wieder!«

»Zum Teufel, kann der nicht mal still halten?«

Ems Grenderspahn grinste. Selbstverständlich würde die Zielperson nicht stehen bleiben. Warum auch? Wer immer sich die Mühe machte, in das abgesperrte Areal eines stillgelegten Atomkraftwerkes einzudringen, tat das nicht zum Vergnügen. Welche Absicht dahinterstand, wusste er nicht, aber dass es sich nicht um harmloses Sightseeing handelte, war klar.

Auf dem Suchholo wanderte der kleine, rote Leuchtpunkt zwischen den Gebäuden des ehemaligen Heißwasserreaktors Grohnde umher. Scheinbar ohne Ziel. Grenderspahn hörte das leise Flüstern, das aus einigen Akustikfeldern in seiner unmittelbaren Umgebung drang, ohne etwas davon zu verstehen. Die leichten Schutzschirme waren ausgeschaltet. Der Niederländer war zur Terra Police gewechselt, um zu den Gewinnern zu gehören. Eine einfache Motivation. Er bevorzugte simple Fragestellungen und unkomplizierte Antworten. Die Arkoniden waren die Gewinner.

Ems Grenderspahn war Mitglied einer mobilen, kleinen Eingreiftruppe der Terra Police. Die Einsätze waren meist harmloser, als ihm lieb war. Im Bereich Zentraleuropas kam es selten zu Aufständen, die diesen Namen verdienten. Protestaktionen, Demonstrationen – das war alles, was er selbst bisher mitgemacht hatte. Dieser Einsatz war ungewöhnlich, weil das Einsatzgebiet ein besonderes war.

Der Eindringling hatte das Sperrgebiet vor 13 Minuten, um 23.37 Uhr, betreten und den Alarm ausgelöst. Der Betrieb in Grohnde war im Jahre 2021 eingestellt worden. Trotz Ablauf der Nachbetriebs- und Stilllegungsphase hatte der Rückbau noch nicht begonnen. Einer der Gründe war das Interesse der Arkoniden an den alten, außer Betrieb gestellten Anlagen – nicht nur in Grohnde. Weltweit. Dies schloss alle Arten von Zwischen- und Übergangslagern für abgebrannte Kernelemente mit ein. Dabei schienen die Anlagen selbst zweitrangig zu sein. Es ging um das radioaktive Material. Grohnde verfügte über ein eigenes Zwischenlager, in dem neben den eigenen Brennstäben eine große Anzahl Castor-Behälter eingelagert worden waren.

»Was will der Typ überhaupt hier?«

Grenderspahn zuckte mit den Schultern, obwohl der andere ihn nicht sehen konnte. Mart Krijger näherte sich seinem Ziel aus Richtung des alten Reaktorgebäudes. Die Bilder seiner Helmkamera, die ins TP-Einsatznetz übertragen wurden, gestatteten allen Teilnehmern der Gruppe Einblick ins Geschehen.

»Keine Ahnung!«, murmelte er leise. »Ein paar knackige Brennstäbe für 'ne kleine, dreckige Bombe vielleicht?«

Krijger fluchte leise. Grohnde befand sich im Status des »Sicheren Einschlusses«. Die radioaktiven Elemente sollten vor Ort verbleiben, bis die Strahlung auf ein handhabbares Maß abgeklungen war. Grenderspahn hatte keine Ahnung, wann das der Fall sein würde, aber er war dagegen, dass irgendwelche durchgedrehten Free-Earth-Aktivisten in den Besitz von strahlendem Material gelangten. Hauptsächlich, weil er nicht durch eine »schmutzige Bombe« sterben wollte.

Die Bilder waren grünlich. Typische Produkte der Restlichtverstärkung. Krijger hob den Kopf. Grenderspahn sah die schwarzen Umrisse der alten Kühltürme vor dem nächtlichen Himmel. Auf der anderen Seite der Weser erkannte man schemenhaft die Höhenzüge des Ith. Es war kalt, aber Schnee war bisher keiner gefallen.

»Er bewegt sich wieder. Nähert sich langsam dem Bereich des Zwischenlagers, wie vermutet. Er lässt sich Zeit. Bisher sind keine Eingriffe zu erkennen. Er hat auch nichts abgelegt. Kommt jetzt ins Bild!«

Die sechs Männer der Einsatzgruppe warteten auf den Befehl zum Zugriff. Eine Silhouette wurde sichtbar. Sie schob sich vorsichtig zwischen den Gebäuden Richtung Süden. Die Entfernung zum Reaktorbereich betrug etwa 180 Meter. Etliche Industrieabfälle, die ein Entsorgungsunternehmen ausgerechnet hier abgeladen hatte, machten den Bereich unübersichtlich.

»Ist das 'ne Frau?«, hörte Grenderspahn Krijgers leise Stimme.

»Blödsinn!«

»Aber klar. Schau doch mal, wie die sich bewegt. Das ist kein Kerl!«

Grenderspahn grunzte. »Und? Die Tusse hat hier genauso wenig verloren wie irgendein Typ. Kann uns egal sein, oder?«

Krijger sagte nichts mehr. Wer immer der Eindringling war: Er würde scheitern. Durch das Interesse der Arkoniden war die Sicherheitsstufe aller Nuklearanlagen erhöht worden, ohne dass etwas an die Öffentlichkeit gelangt war. Grenderspahn hatte erfahren, dass man das Lager Grohnde bereits größtenteils geräumt hatte.

Er hatte eine ungefähre Vorstellung, was diese Information in der Bevölkerung ausgelöst hätte. Die Arkoniden hatten kein Interesse daran, die alten Anti-Atom-Aktivisten aus dem Ruhestand zu holen. Zwar waren solche Protestbewegungen für die neuen Herren der Erde kein Problem, aber zusätzlichen Ärger suchten sie keineswegs. Niemand wusste, was die Arkoniden mit dem radioaktiven Material vorhatten.

»Zugriff!« Der Befehl galt Krijger.

Starke Scheinwerfer flammten auf, bildeten einen Lichtkäfig um den unbekannten Eindringling. Krijger näherte sich mit der Waffe im Anschlag. Der Rest der Truppe blieb in Deckung.

»Halt! Keine Bewegung! Hände über den Kopf!«

Die Frau blieb tatsächlich stehen. Grenderspahn konnte im grellen Licht kaum etwas erkennen. Das Gesicht war lediglich ein heller Fleck. Krijgers Haltung irritierte ihn.

»Meldung!«, zischte Grenderspahn. Keine Reaktion.

»Was tut er denn da?«, hörte er Hansen fragen. Der Kollege befand sich irgendwo zwischen seiner eigenen Position und der Krijgers. »Ist der noch ganz dicht?«

Krijger senkte die Waffe. Er nahm Haltung an.

»Ich werd irre! Der spinnt!«

Die Stimme ihres Gruppenführers war kalt. »Egal. Los, Zugriff! Da stimmt was nicht. Komplette Gruppe: Los!«

Grenderspahn trat aus seiner Deckung und aktivierte das Pulsatortriebwerk seines Kampfanzugs. Er schoss nach vorn, zwischen zwei alten Containern hindurch. Sechs weitere Männer näherten sich aus unterschiedlichen Richtungen. Die Frau machte keine Anstalten zu fliehen. Sie stand bewegungslos vor Krijger, der in diesem Moment wie benommen den Kopf schüttelte.

»Keine Bewegung!«

Die Frau reagierte nicht. Sie hatte die Schultern etwas nach oben gezogen, als rechne sie in der nächsten Sekunde mit einer kalten Dusche. Krijger starrte sie an. Grenderspahn ging langsam näher heran. Die Frau war groß. Vielleicht 30 Jahre alt, hatte kurze, weiße Haare. Einen Augenblick lang hielt er sie für eine Arkonidin, dann bemerkte er ihre hellblauen Augen. Sie war ein Mensch.

Sieht scharf aus!, schoss es Grenderspahn durch den Kopf. Das Bild der Frau verwischte vor seinen Augen, für den Bruchteil einer Sekunde. »Keine Bewegung. Sie sind verhaftet. Verstoß gegen die Sicherheitsvorschriften beim Betreten gesicherter Nuklearanlagen. Aber ich bin sicher, das wissen Sie, oder?«

Die Frau senkte die Schultern. Ein leises Lächeln umspielte die Mundwinkel. »Aber natürlich, Officer!«

Grenderspahn biss sich auf die Unterlippe. Die ist tiefenentspannt. Hier stimmt was nicht! Kein Terrorist ist derart ruhig ... wenn er sein Ziel nicht erreicht hat.

»Was wollen Sie hier?«, fuhr er sie an.

»Herausfinden, was deine ... Herren mit den Brennelementen vorhaben! Ich bin neugierig.« Ihr Gesicht blieb ohne Regung. »Überall geschieht dasselbe! Die Menschen haben ein Recht darauf, das zu erfahren!«

Grenderspahn reagierte automatisch. »Es ist zu unserem Besten!«, wiederholte er den offiziellen Standpunkt.

Sie lachte nur. Sie benahm sich nicht wie eine der üblichen Störenfriede.

Ich fresse einen Besen, wenn die sich nicht hat freiwillig fangen lassen! Wenn ich nur wüsste, warum ...!

Grenderspahn war trotz aller Rätsel froh, dass dieser Einsatz glimpflich abgelaufen war. Die Frau ließ sich widerstandslos abführen.

2.

Terrania – 17. Dezember 2037

No hiding place up there

Der Anblick war zum Heulen.

Gucky duckte sich im Schutz einer teilweise eingestürzten Mauer und starrte auf das, was vom Lakeside Institute übrig geblieben war: eine Ruine.

Der Gronk soll sie holen!

Der Mausbiber trug einen maßgeschneiderten Kampfanzug. Darunter sträubte sich das seidige Fell. Er schnaufte. Er neigte nicht dazu, ganze Zivilisationen für die Taten Einzelner haftbar zu machen, doch was hier geschehen war, traf ihn tief. Lakeside war eine Art Heimat für ihn gewesen. Die einzige, die er gefunden hatte, seit er seine ursprüngliche vor langer Zeit verloren hatte. Nun blickte er auf ein Trümmerfeld.

Das Lakeside Institute war durch unkontrollierte Para-Entladungen der Mutanten zerstört worden. Eine Tragödie, die die Menschen Genesis-Krise getauft hatten und wie aus dem Nichts über die Mutanten gekommen war.

Doch inzwischen wussten sie es längst besser. Ein speziell maßgeschneidertes Virus hatte die Krise ausgelöst – und seit Gucky und die anderen vor einigen Tagen dem Bericht der Halbarkonidin Quiniu Soptor gelauscht hatten, glaubten sie, die Urheber des Erregers zu kennen: die Goldenen, vielleicht sogar der Goldene Pranav Ketar selbst, der im Lauf der Jahrzehntausende mehrfach in die Geschichte der Milchstraße eingegriffen hatte. Im Rahmen des Ringens, in dem die Menschheit eine womöglich sogar entscheidende Rolle spielte. Nur, dass sie nicht wussten, welche und weshalb. Herauskristallisiert hatte sich bislang nur so viel: Das Ringen war der Kampf der Humanoiden und Nicht-Humanoiden im Universum. Ein Kampf, der tief in die Vergangenheit zurückreichte – und noch immer tobte, wenn auch zumeist im Verborgenen.

Hätte nicht was anderes zerstört werden können? Es gibt genügend hässliche Gebäude auf der Erde. Aber nein ...

Der Ilt stand in einem der Nebengebäude. Zumindest besaß es so etwas wie Reste eines zweiten Stocks. Sein Blickfeld war groß genug. Terrania lag weitab, gute zwanzig Kilometer vom Institut entfernt, am anderen Ufer des Goshun-Sees. Dort wuchs mittlerweile üppiges Grün, veranlasst durch den Fürsorger Satrak persönlich. Der Statthalter Arkons hatte den in der Genesis-Krise unter der Gewalt der Para-Entladungen verdampften See mit Wasser aus den Gletschern des Himalaja wieder auffüllen lassen.

Hier war davon nichts zu spüren. Die Reste des »Tempels«, des Gebäudes im Zentrum des Geländes, das man der Architektur wegen so genannt hatte, boten einen erbarmungswürdigen Anblick. Der kalte, trockene Wind fegte durch die Ruinen. Dabei trieb er Staubwolken vor sich her. Der Winter in der Gobi war sehr kalt und sehr trocken. Auch ohne Feuchtigkeit würde das Klima die Reste von Lakeside bald in das zurückverwandeln, was hier einst gewesen war: Wüste.

Der Wind schob eine verbogene Metallstange umher. Das Scheppern, als sie an einen Mauerrest prallte, holte den Mausbiber in die Realität zurück.

Der Ilt reckte sich. Seit seiner Rückkehr zur Erde hatte er sich sehr vorsichtig bewegen müssen. Sein Äußeres war zu auffällig.

Die IQUESKEL lag versteckt im Krater des Vulkans Pico auf den Azoren. Gegen die gesamte 312. vorgeschobene Grenzpatrouille, die dem Protektorat als Flotte diente, war sie chancenlos. Aber als Basis kam sie ihm brauchbar vor.

Operation Greyout hatte zwar neue Spielräume für den Widerstand der Menschen geschaffen, indem man Milliarden Personendatensätze gelöscht oder manipuliert hatte, doch an den Machtverhältnissen hatte das nichts geändert: Die Arkoniden waren und blieben den Menschen haushoch überlegen.

Der Ilt war nicht wegen der Arkoniden an diesen Ort gekommen. Quiniu Soptors Bericht hatte ihm und den irdischen Mutanten aufgezeigt, dass man sie angegriffen hatte – jetzt galt es, den Angreifer zu finden und dafür zu sorgen, dass sich eine Katastrophe wie die Genesis-Krise niemals wiederholte. Da er neben der Telepathie die Telekinese und die Teleportation beherrschte, war es Gucky gelungen, unerkannt nach Terrania vorzustoßen. Und er würde auch weiter unerkannt seinen Weg gehen.

Seine menschlichen Gefährten hatten es da schwerer. Sie mussten einen Umweg gehen, um ans Ziel zu gelangen.

Der Stardust Tower auf der anderen Seite des Sees war undeutlich zu erkennen. Die Staubmassen verwandelten die Luft in einen Schleier. Das Seil des Orbitallifts blieb unsichtbar; beim Tower allerdings zeichnete sich eine Transportkabine ab, die Menschen und Material nach Terrania Orbital brachte. Das war sein Ziel!

Der Ilt lauschte telepathisch, und nahm unzählige Gedankenfetzen wahr. Er ignorierte sie, so gut er konnte. Die Menge an Impulsen war enorm: In der Nähe des Stardust Towers wurde der Palast des Fürsorgers errichtet. Der Trichter war sogar in seinem jetzigen Zustand beeindruckend, sein Stiel war bereits bewohnt. Ein neues Wahrzeichen in der Stadt, die eigentlich ein Symbol für die Zukunft der Menschheit hatte sein sollen. Nun bekam sie etwas anderes: ein Symbol für die Unterdrückung durch das Imperium.

Gucky schnalzte misstönend. Das Transitgefängnis lag etwas nördlich des Palastes. Ein bekannter Impuls tauchte auf.

Betty! Das ist Betty!

Das Gedankenmuster der Mutantin kannte er gut genug, um sie aus tausend anderen heraushören zu können. Er erinnerte sich an die Gefangenschaft in der Gewalt des Anti-Mutanten Monk. Dank Betty hatte der Ilt entkommen können. Seitdem verband sie eine tiefe Freundschaft.

In diesem Moment hielt sich Betty Toufry im Transitgefängnis Terrania auf, ebenso wie John Marshall, Sid González und Sue Mirafiore. Jeder von ihnen hatte sich des Widerstands gegen die neuen Herren schuldig gemacht – und würde nun die gerechte Strafe erhalten: die Deportation zum Mars. Es war ein Umweg mit vielen Risiken, aber eine andere Möglichkeit hatten sie nicht. Vielleicht fanden sie auf dem Roten Planeten eine Spur. Eine Spur der Goldenen, die die Schuld am Unglück der Mutanten trugen. Vielleicht sogar eine Spur von Pranav Ketar.

Gut. Wenigstens das hat geklappt! Dann will ich mal los ...

Der Multimutant konzentrierte sich. Einen Sekundenbruchteil später war er verschwunden.

Im Stardust Tower herrschte gebremste Betriebsamkeit. In dem Bereich, den Gucky sich ausgesucht hatte, lagen einige kaum genutzte Räume. Ideal für sein Vorhaben. Er sah sich um. Die Halle diente zur Lagerung von Material. Einiges davon war technische Ausrüstung, wahrscheinlich für die Wachmannschaften des Orbitalliftes. Beim Rest handelte es sich um Ersatzteile oder medizinische Güter.

Er war alleine hier. Er lauschte. Nichts in der mentalen Umgebung deutete auf nahenden Besuch. Ein großes Fenster wies genau auf die Basisstation des Lifts. Gucky näherte sich der großen Scheibe vorsichtig, obwohl sein Kampfanzug im Stealthmodus arbeitete. Gucky schleppte damit beinahe sein eigenes Körpergewicht herum, aber die Vorteile überwogen. Er blieb neben einem riesigen Stapel aus kleineren, giftgrünen Kunststoffcontainern stehen.

Weit über ihm parkte eine Gondel, die bald ihren Weg nach oben antreten würde. Er konnte sie von seinem Standort aus nicht sehen, aber er lauschte nach Gedankenimpulsen. Der mächtige Zylinder, zehn Meter im Durchmesser und gute neunzig Meter hoch, war beladen. Die letzten Packtrupps verließen die Rampe. Sie bestanden ausschließlich aus Robotern.

Gucky war irritiert. Er nahm aus dem Inneren kaum Gedankenimpulse wahr. Üblicherweise wurden Häftlinge auf diesem Weg nach Terrania Orbital transportiert. Dort mussten sie auf die Schiffe umsteigen. Das Verfahren war langwierig, denn eine Fahrt nach oben dauerte gut fünfzehn Stunden. Da es sich um Häftlinge handelte, war Eile nicht notwendig. Diesmal war lediglich die Stammbesatzung der Gondel an Bord.

»Kann mir ja egal sein!«, murmelte er. »Dann warte ich dort oben. Ein Nickerchen wäre nicht übel ...«

Er kontrollierte seinen Kampfanzug. Die Energiezelle war frisch, der Stealth-Generator arbeitete. Die Gondel wurde überwacht, und er hatte nicht die geringste Lust, die Fahrt über mit der Besatzung Hatz und Duck spielen zu müssen. Er war sonst gern für Spielchen zu haben, aber nicht in Situationen wie dieser.

Gucky sprang und materialisierte in einem Abstellraum. Es war nicht notwendig, einen Raum wie diesen direkt zu überwachen. In der Dunkelheit tastete er sich zu einer Wand und setzte sich auf den Boden. Der Anzug war für ihn ein Ärgernis. Er zwackte an den unmöglichsten Stellen.

Und so was nennt sich Maßanfertigung!

Plötzlich zerhackte flackerndes Rotlicht die Dunkelheit. Ein penetranter Heulton durchzog die gesamte Gondel. Gucky schoss in die Höhe und lauschte telepathisch. Es hielten sich lediglich fünf Personen an Bord auf. Ansonsten war dies ein reiner Materialtransport. Der Mausbiber stieß ein wütendes Zischen aus, als er den Grund für den Alarm entdeckte: Die Gondel hatte eine Gewichtsdifferenz festgestellt. Bei Materialtransporten lag das Gesamtgewicht fest. Man wusste genau, was die Nutzlast wog. Gleiches galt für die Begleiter, die häufiger Touren wie diese unternahmen. Bei Gefangenentransporten war lediglich das zulässige Höchstgewicht zu beachten. Die Sensoren hatten einen Unterschied von fünfundsechzig Kilogramm entdeckt.

»Das würde ja bedeuten ... die Kampfanzüge wiegen gute dreißig Kilo ... Unverschämtheit! Fünfunddreißig Kilo! Ich! Das ist ja wohl die Höhe! Ich bin gertenschlank!« Gucky pfiff wütend.

Er las in den Gedanken des leitenden Technikers. Dieser ordnete eine Untersuchung der Gondellast an, weil er mit einem blinden Passagier rechnete.

»Meine Güte, sind die Leute misstrauisch!«, murmelte der Ilt. »Damit hat sich meine Reise in den Orbit erledigt. So ein Grübelschlamm! Da kommen sie!«

Die untere Gondelschleuse hatte sich geöffnet. Ein Spürtrupp nahm die Arbeit auf. Gucky verfolgte ihre Bemühungen, während sie sich seiner Position näherten.

»Was mach ich denn jetzt?«, dachte er laut nach. »Eine andere Chance, in den Orbit zu kommen, habe ich nicht. Und nach diesem Alarm werden sie auch bei den Gefangenentransporten deutlich hinschauen. Der Trick klappt beim nächsten Mal genauso wenig. Ich hab's vermasselt!«

Der Mausbiber sondierte die Gedanken der Männer. Die Methode von Betty und den anderen war ihm verschlossen. Er war kein Mensch und konnte sich nicht von der Masse irgendwohin spülen lassen. Schon gar nicht auf den Mars. Er würde von den Arkoniden bestenfalls eine Einzelzelle mit Sonderbehandlung bekommen. Er lauschte weiter und wurde plötzlich aufmerksam. »Schau mal einer an! Da wäre mir ja beinahe was entgangen!«

Zufrieden teleportierte er zurück in sein erstes Versteck im Stardust Tower. Sein Ärger darüber, dass sein Plan gescheitert war, war verflogen. Die Wartezeit nahm er gelassen in Kauf.

Der Ilt kannte nun eine Abkürzung ...

Die NAS'TUR VII landete gute zwei Stunden später.

Der Hilfskreuzer senkte sich langsam aus dem staubig gelbgrauen Himmel. Eine diffuse Scheibe zunächst, die immer größer wurde, bis sich erste Details abzeichneten. Die NAS'TUR VII sollte Häftlinge aus dem Transitgefängnis abholen. Eine deutliche Abweichung vom Protokoll, denn üblicherweise erfolgte die Einschiffung der Gefangenen in Terrania Orbital, der Gegenstation des Weltraumlifts.

Gucky erfuhr recht schnell, wie ungewöhnlich dieser Vorfall war. Er ging auf einen direkten Befehl des Fürsorgers zurück. Warum der Istrahir dies angeordnet hatte, fand er nicht heraus. Die Arkoniden waren ahnungslos, Satrak war niemandem Rechenschaft schuldig.

Der Mausbiber kauerte in der Nähe des Fensters, sodass er einen guten Blick nach draußen hatte. Die NAS'TUR VII war ein älteres Schiff mit 210 Metern Durchmesser, ein Frachter, den die Flotte des Großen Imperiums samt der Besatzung requiriert und hastig bewaffnet hatte. Bei Weitem nicht das Größte, das die Arkoniden im Repertoire hatten, aber beeindruckend genug. Die Außenhaut war vernarbt, die Triebwerksöffnungen geschwärzt.

Er beobachtete, wie sich die gewaltige Kugel zu Boden senkte. Die Masse, aufgefangen von Antigravfeldern und den mächtigen, hydraulischen Landebeinen, kam mit einem dumpfen, grollenden Laut zum Stillstand. Trotz aller Schutzeinrichtungen peitschten erhitzte und verdrängte Luftmassen gegen den Tower.

Ein letztes Mal lauschte Gucky auf Betty Toufrys Gedankenimpulse. Man hatte die Gefangenen informiert. Sie würde mit den anderen im Laufe der nächsten Stunde auf die NAS'TUR VII gebracht werden. Kurz darauf würde der Transporter starten. Er unterbrach den Kontakt. Er musste seine Kräfte schonen. Er richtete seine Gabe auf die NAS'TUR VII. Wichtig war ein sicheres Versteck. Die Reise würde nicht lange dauern. Er fand einen kaum genutzten Nebenraum im Bereich der Hangars.

»Wie geschaffen für einen kurzen Ausflug!«, murmelte der Mausbiber und stutzte. Er nahm etwas wahr, das er nicht einordnen konnte: verschwommene Impulse oder Bruchstücke davon, die ihm vage bekannt vorkamen. Er war nicht in der Lage festzustellen, ob sie von einer oder mehreren Personen stammten. Darüber hinaus waren die Bilder unscharf, formulierte Gedanken fing er keine auf.

Was ist denn das nur? Die Impulse glitten davon. Er stieß ins Leere.

Er sah durch das Fenster, wie sich im Leib der NAS'TUR VII eine Schleuse öffnete. Ein großer Gleiter verließ das Schiff und nahm sofort Kurs auf den Palast. Gucky entschied sich, diesem Rätsel nicht nachzugehen. Sein Vorhaben vertrug keine Ablenkung. Er konzentrierte sich und teleportierte. Ohne Probleme erreichte er den leer stehenden Bereitschaftsraum. Er machte sich daran, das Zugangsschott manuell zu blockieren. Eine kleine Manipulation der Gleitschiene reichte dazu aus. Er konnte alles gebrauchen, nur keine unangemeldeten Besucher, vielleicht sogar in einer Konzentrationsphase.

3.

NAS'TUR VII

Zum Mars!

Betty Toufry rümpfte die Nase. Die dreißigjährige, weißhaarige Mutantin war eine der Letzten, die an Bord gebracht worden waren. Nach ihrer Festnahme im Sperrbereich Grohnde war sie in einem Schnellverfahren verurteilt worden – nach Plan. Nun war sie eine von Tausenden, die man deportierte.

Das Gedränge war enorm. Der Gestank ebenfalls. Selbstverständlich gab es an Bord der NAS'TUR VII sanitäre Einrichtungen. Pferchte man viele Hundert Menschen zusammen, war eine stickige Atmosphäre trotzdem unvermeidlich. »Diese Bestien werden uns irgendwo verscharren!« lautete eine häufig geäußerte Meinung. Betty hatte es aufgegeben, den Menschen zu erklären, dass niemand diesen Aufwand betrieb, um verurteilte Häftlinge loszuwerden. Trotz ihrer für Menschen manchmal barock wirkenden Kultur waren die Arkoniden ökonomisch denkende Wesen. Verschwendung war ausschließlich im kulturellen Bereich gängig – Genuss war erwünscht.

Auf die Frage »Aber wohin bringen sie uns?« musste Betty die Antwort schuldig bleiben. Sie flogen zum Mars. Wie hätte sie erklären sollen, woher sie ihre Informationen hatte? Das Wissen, zu einem trockenen, kalten, staubigen Planeten gebracht zu werden, gegen den die Wüste Gobi im tiefsten Winter geradezu heimelig wirkte, würde niemanden beruhigen.

Die Häftlinge hatte man in den Hangars untergebracht. Die Arkoniden hatten darauf verzichtet, die Menschen in kleine Gruppen aufzuteilen oder die Hallen isoliert zu halten. Der Flug war kurz. Zum ersten Mal, seit sie in das Transitgefängnis eingeliefert worden war, bestand eine Möglichkeit, die anderen zu treffen. Betty Toufry wusste, dass Sue Mirafiore, Sid González und John Marshall ebenfalls auf dem Weg zum Mars waren. Sie mussten sich hier irgendwo aufhalten. Das positronische Armband, das alle Daten des jeweiligen Häftlings speicherte, war keine Hilfe, um jemanden zu finden. Zudem juckte es auf der Haut.

Sie wanderte seit einer guten Viertelstunde durch die Hangars. Die Arkoniden hatten die Schleusen nicht geschlossen. Die Menschen bildeten eine riesige, unübersichtliche Masse, die nur von den baulichen Eigenarten der Hangars strukturiert wurde. Obwohl die Stimmung gereizt war, hatte es bisher keine Auseinandersetzungen gegeben. Das lag daran, dass alle Häftlinge ein eindeutiges Feindbild hatten: die Arkoniden.

»Ah. Da bist du ja, Süße!«

Nein. Nicht der schon wieder! Betty holte tief Luft, bevor sie sich umdrehte.

Vor ihr stand ein untersetzter Mann mit einem Frettchengesicht. Die Schneidezähne lagen auf der Unterlippe auf, und die kleinen, unruhigen Augen waren von einem schmutzigen Braun. »Ich bin dir gefolgt!«

Die Verrückten finden mich immer! Betty versuchte, gelassen zu wirken. »Ja. Das sehe ich. Und warum tust du das?«

Sein Name war Georg Prokopetz, und seine Aufdringlichkeit gefährdete ihr Unternehmen. Bereits im Transitgefängnis von Terrania hatte er sie mehrfach angesprochen. Vorsichtige Andeutungen ignorierte er. Wie er auf abweisendes Verhalten reagieren würde, war kaum vorherzusehen.

»Ich hab mir die ganze Zeit überlegt, was eine weißhaarige Schönheit in dieser Umgebung treibt!« Der Mann kratzte sich hinter dem Ohr. »Ich denke, ich weiß es jetzt!«

»Ah ja. Und was treibe ich so?« Betty versuchte, unbeteiligt zu klingen.

Der Frettchengesichtige beugte sich mit verschwörerischer Miene vor. Er roch säuerlich und flüsterte: »Du bist eine von denen!«

Betty stutzte, dann lachte sie laut auf. »Wie kommst du denn auf den Blödsinn?«

»Blödsinn? Wohl kaum. Du bist weißhaarig, und raffiniert, wie die sind, haben sie das nicht geändert. Nur deine Augenfarbe haben sie korrigiert. Das kriegen ja sogar wir hin! Und du läufst hier rum, als würdest du jemanden suchen. Was für eine wunderbare Gelegenheit, uns zu belauschen, nicht? Informationen aus erster Hand ... Betty!«

Betty sah ihr Gegenüber fassungslos an. »Das glaubst du wirklich, oder?« Sie registrierte erstaunt, dass ihr Verfolger mit anderen Häftlingen gesprochen und so ihren Namen herausgefunden hatte. Zwar lautete ihre falsche Identität auf Betty van der Stegen, doch sie benutzte seit ihrer Einlieferung ins Transitgefängnis ausschließlich ihren Vornamen. Auch ihre Kameraden hatten bei der Wahl ihrer Decknamen ihre Vornamen beibehalten. Versprecher und Fehlreaktionen wurden damit sehr viel unwahrscheinlicher, und sie alle hatten gängige Vornamen, die keine Aufmerksamkeit vonseiten der Arkoniden auf sich ziehen würden.

Der Mann, der sie verfolgte, sprach ein undeutliches Englisch, mit einer Färbung, die Betty mit Osteuropa assoziierte. Immerhin verstand sie ihn. Das Englische war hier üblich, und Akzente und Dialekte weitverbreitet.

»Natürlich glaube ich das! Sie könnten uns abhören. Aber sie wissen, dass wir das wissen – und dass ein Spion, dem man vertraut, sehr viel effektiver ist!«

Betty wurde zunehmend mulmig. Das hier läuft aus dem Ruder! Wie soll ich den Kerl denn loswerden, wenn er das breittritt?

Hilfe kam von unerwarteter Seite. Ein anderer Mann, elegant, aber mit auffälligen Segelohren und Glatze, näherte sich und legte ihr sofort die Hand auf die Schulter.

»Betty! Schön, dass ich dich treffe! Ich hab dich gesucht!«

Der frettchengesichtige Mann war verunsichert. »Wer ... wer bist du denn? Und woher kennst du diese Spionin?«

Der andere nahm die Hand wieder von Bettys Schulter und zwinkerte ihr kurz zu. »Wer hat dir den diesen Schwachsinn erzählt? Ich kenne Betty seit Jahren und sie ist eine gute Freundin. Ich bin Andrea Giordano. Physiker aus Turin. Übrigens war schon Bettys Mutter weißhaarig – das liegt in der Familie. Ich kannte sie lange bevor ich wusste, dass es so etwas wie Arkoniden gibt!«

Er nahm den verdutzten Verfolger am Arm und zog ihn zur Seite.

Er muss gehört haben, wie mich der Typ beim Namen genannt hat!

Giordano beugte sich zu seinem neuen Gesprächspartner hinüber. »Betty ist sicher keine Spionin. Aber sie leidet häufig unter Verdächtigungen wegen ihrer Haare. Was du da andeutest, ist beunruhigend. Könntest du mir mehr drüber erzählen? Dir sind sicher noch andere Dinge aufgefallen!«

Das Frettchen wirkte wieder selbstsicher. Er ignorierte Betty nun völlig, da seine Paranoia ganz offiziell gefragt war. Andrea Giordano gab Betty mit einem Rucken des Kopfes zu verstehen, sie solle verschwinden.

Das tat sie, so schnell sie konnte.

Die Mutantin bahnte sich einen Weg. Immer wieder blieb sie stehen, um sich zu vergewissern. Sie war vor der Genesis-Krise eine fähige Telepathin gewesen. Die Freunde zu finden war nun, da sie keine Gedanken mehr lesen konnte, schwieriger, als sie es sich vorgestellt hatte. Sie suchte nach John Marshall, den sie am besten kannte. Er und die anderen hatten das Transitgefängnis Terrania auf ähnliche Weise wie sie selbst erreicht: durch eine absichtliche Inhaftierung. Lediglich die Wege dahin waren unterschiedlich gewesen.