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PFAS – per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen – sind unsichtbare Umweltgifte, die sich in Wasser, Nahrung und im menschlichen Körper anreichern. Dieses Buch erklärt, was PFAS sind, wie sie wirken, wo sie vorkommen und welche Gefahren sie für Umwelt und Gesundheit darstellen. Wissenschaftlich fundiert und verständlich geschrieben, zeigt es, wie man sich schützen kann – mit klaren Fakten, Handlungsmöglichkeiten und aktuellen Forschungsergebnissen.
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Seitenzahl: 77
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Bodo K. Vanselow
PFAS – Das unsichtbare Gift
Ewigkeitschemikalien und ihre Auswirkungen auf unsere Umwelt und Gesundheit
Haftungsausschluss
Alle Informationen in diesem Buch wurden mit größter Sorgfalt recherchiert.
Trotzdem kann der Autor für Schäden, die aus der Anwendung der Inhalte entstehen, keine Haftung übernehmen.
Die Inhalte ersetzen keine professionelle Beratung, z. B. durch Ärzte oder Fachleute.
Impressum
Verantwortlich für den Inhalt gemäß § 18 Abs. 2 MStV:
Bodo Karsten Vanselow
Nelly-Sachs-Str. 35, 21335 Lüneburg
Kontakt: [email protected]
© 2025 Bodo Karsten Vanselow
Titelbild (Molekülmodell von PFOA) erstellt mit MolView.org
1. Auflage – Selbstveröffentlichung
Alle Rechte vorbehalten.
Dieses Buch wurde veröffentlicht über epubli, einem Self-Publishing-Dienst der Neopubli GmbH, Berlin.
(ISBN: 978-3-819769-15-3)
Gedruckt auf Bestellung im Print-on-Demand-Verfahren.
Inhaltsverzeichnis
Warum dieses Buch? 6
Einleitung 8
1 PFAS verstehen – was dahintersteckt 10
1.1 Was sind PFAS? 10
1.2 Warum sind PFAS chemisch so stabil? 11
1.3 Kommen PFAS natürlich vor? 14
1.4 Der chemische Kunstgriff: Wie der Mensch die Natur überlistete 15
1.5 Der Beginn der Massenproduktion fluorierter Chemikalien 17
1.6 Moderne PFAS – Herstellung und heutige Produkte 19
1.7 Unterscheidungsmerkmale von PFAS 21
1.8 PFAS Strukturen im Vergleich 23
Kapitel 2 – PFAS in Produkten des Alltags 26
2.1 Überblick: PFAS in Konsum- und Gebrauchsprodukten 26
2.2 Kosmetika und Hygieneartikel 27
2.3 Kochgeschirr & Küchenhelfer 28
2.4 Outdoor-Kleidung & Textilien 29
2.5 Verpackungen & Take-Away-Produkte 29
2.6 Zahnseide, medizinische Produkte & Reinigungsmittel 30
2.7 Bauindustrie & Produktion 31
2.8 PFAS in Löschschaum 32
2.9 PFAS in Kunststoffverpackungen & Haushaltswaren 33
Kapitel 3 – PFAS in Lebensmitteln 35
3.1 Warum PFAS in Lebensmitteln ein Problem sind 35
3.2 Eier, Fleisch, Fisch – die Hauptquellen 36
3.3 Reis, Getreide, Gemüse – wie Pflanzen kontaminiert werden 37
3.4 PFAS im Trinkwasser – eine stille Dauerbelastung 40
3.5 PFAS – Belastung in Deutschland – betrifft mich das? 42
3.6 Wie finde ich heraus, wie belastet mein Wasser ist? 46
Kapitel 4 – Gesundheitliche Auswirkungen 48
4.1 Gesundheitliche Risiken im Überblick 48
4.2 Fruchtbarkeit, Schwangerschaft und Stillzeit 50
4.3 PFAS bei Kindern und Jugendlichen 51
4.4 PFAS und der Zellstoffwechsel: Eingriff in die Kraftwerke der Zelle 52
4.5 Der Tennant-Fall: Als die PFAS-Krise sichtbar wurde 53
Kapitel 5 – Gesetzliche Regelungen 58
5.1 Verbotene und streng regulierte PFAS 58
5.2 Sind verbotene PFAS wirklich verschwunden? 61
5.3 Bringen die Verbote einzelner PFAS überhaupt etwas? 62
5.4 Es gibt längst Alternativen – PFAS sind nicht alternativlos 64
5.5 Wo PFAS (noch) alternativlos sind 66
5.6 Wie wir die PFAS-Krise wirklich eindämmen können 67
5.7 Vom C8-Verbot zur GenX-Kontroverse – DuPont, Chemours und das nächste PFAS-Kapitel 69
5.8 Politische Einflussnahme – Wirtschaftslobby versus Regulierung 70
Kapitel 6 – Was können wir tun? 73
6.1 PFAS-belastete Lebensmittel und gesunde Alternativen 73
6.2 Verhaltenstipps für Verbraucher 75
6.3 Welche Trinkwasserfilter wirklich helfen 78
Kapitel 7 – Ausscheidung von PFAS 80
7.1 Ausscheidung über den Harn (Urin) 80
7.2 Ausscheidung über die Haut (Schwitzen, Sauna, heiße Bäder) 81
7.3 Ausscheidung über die Galle 82
Kapitel 8 – PFAS loswerden: Was wirklich hilft 84
8.1 Blutspenden (Plasmapherese) 84
8.2 Cholestyramin (Gallensäurebinder) 84
8.3 Ballaststoffe 84
8.4 Schwitzen, Sauna, Sport 85
8.5 Viel Wasser trinken und Nierenfunktion unterstützen 86
Kapitel 9 – PFAS-Entfernung der Zukunft: Forschung und neue Technologien 87
9.1 Enzymatischer Abbau von PFAS 87
9.2 Nanomaterialien und Adsorptionstechnologien 88
9.3 Elektrokatalytische und photochemische Verfahren 90
9.4 Biologische Sanierung von Böden und Wasser 91
10. PFAS Nutzung wie bisher und finanzielle Folgen für die Gesellschaft 93
10.1 Was kostet es, nichts zu tun? 93
10.2 Wer profitiert wirklich? Nutzen und Bequemlichkeit kontra Gemeinwohl 94
10.3 Internationale Zusammenarbeit oder nationale Alleingänge 95
10.4 Kommentar: Wollen wir wirklich so weitermachen? 95
Danksagung 97
Quellen 98
PFAS, auch als Ewigkeitschemikalien bezeichnet, werden von immer mehr Menschen als Bedrohung wahrgenommen. Ich habe mich ebenfalls für dieses Thema interessiert, hatte aber kein großes Wissen darüber – nur das, was man gelegentlich in den Medien aufschnappt.
Darum habe ich mich umfassend über PFAS informiert – mithilfe digitaler Medien, unter anderem auf YouTube. Dann habe ich die KI zur Unterstützung verwendet, um alle Fragen zu klären, die sich im Verlauf meiner Recherchen ergeben haben. So konnte ich mir ein breites Verständnis zum Thema erarbeiten und erhielt zugleich Zugang zu neuesten Erkenntnissen aus Forschung und Entwicklung, die in dieses Buch eingeflossen sind.
Dieses Wissen habe ich so aufbereitet, dass Sie es beim Lesen leicht aufnehmen und nachvollziehen können. Dadurch können Sie sich die Inhalte des Buchs in relativ kurzer Zeit aneignen, ohne selbst viele Stunden lang recherchieren zu müssen.
So erhalten Sie einen fundierten Überblick, der es Ihnen ermöglicht, die Problematik differenziert zu verstehen und einzuordnen. Mit den durchgehenden Quellenverweisen erhalten Sie auch die Möglichkeit, bei Bedarf tiefer in für Sie besonders relevante Forschungsbereiche einzusteigen, oder sich an bereits gebildeten Initiativen und Gemeinschaften zu beteiligen.
Es ist schließlich wichtig zu wissen, wie man sich im Angesicht der Gefahr, welche PFAS für uns alle darstellen, am besten verhält – um Schaden für sich und andere abzuwenden oder zumindest möglichst gering zu halten.
PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) gehören zur großen Gruppe der Fluorkohlenwasserstoffe. Es handelt sich um synthetische Chemikalien, die in einer Vielzahl von Produkten verwendet werden – von Outdoor-Bekleidung über Kochgeschirr bis hin zu Feuerlöschschäumen. Sie gelten als extrem stabil und langlebig, weshalb sie auch als Ewigkeitschemikalien bezeichnet werden. Viele PFAS sind so klein, dass sie im menschlichen Körper aufgenommen und angereichert werden. Diese Eigenschaften machen PFAS zu einem Umwelt- und Gesundheitsproblem ersten Ranges.
Dieses Buch erklärt detailliert, warum PFAS so unverwüstlich sind, wie sie von der chemischen Industrie überhaupt entdeckt wurden, und aufgrund welcher Eigenschaften es zur weiteren Verbreitung der unterschiedlichsten PFAS in Alltagsprodukten sowie im Zuge damit in der Umwelt kam.
Zudem soll dieses Buch auf verständliche Weise über die Bedrohung durch PFAS aufklären – mit konkreten Beispielen aus Alltag, Wissenschaft und Politik. Es greift auch neueste Entwicklungen und Forschungsansätze auf und bietet praktische Hilfestellungen, wie man mit dieser Gefahrenquelle umgehen und den negativen Folgen so gut wie möglich entkommen kann.
Jeder kann selbst viel tun, um sich zu schützen. Es gibt bereits zahlreiche Hilfsquellen im Internet, die in diesem Buch vorgestellt werden. Praktische Anleitungen sind ebenfalls enthalten – etwa zur Auswahl eines geeigneten Wasserfilters oder zur Beauftragung eines Labors für einen Wassertest. Um der PFAS-Problematik aktiv entgegenzuwirken, werden zudem bestehende Initiativen und Interessengruppen genannt, bei denen eine Beteiligung möglich ist.
PFAS ist eine Sammelbezeichnung für eine Gruppe von mehreren tausend Industriechemikalien, die Fluoratome enthalten. Charakteristisch ist die Kohlenstoff-Fluor-Bindung, eine der stabilsten Bindungen der organischen Chemie. Dadurch sind PFAS besonders langlebig und kaum abbaubar, weder durch natürliche Prozesse noch durch herkömmliche Reinigungsmaßnahmen.
PFAS unterscheiden sich stark in ihrer chemischen Struktur und Wirkung.
Innerhalb der großen PFAS-Gruppe unterscheidet man zwei Haupttypen: polyfluorierte und perfluorierte Alkylsubstanzen.
Polyfluorierte PFAS sind nur teilweise fluoriert – sie enthalten noch Wasserstoffatome in ihrer Kohlenstoffkette. Viele davon gelten als Vorläuferverbindungen, die sich in der Umwelt oder im Körper zu stabileren perfluorierten PFAS umwandeln können. Typische Vertreter: FTOH, FTSA, FOSA • Verhalten: weniger stabil, aber persistent durch Umwandlung • Bedeutung: indirekte Quelle für langlebige PFAS
Perfluorierte PFAS sind vollständig fluoriert - alle Wasserstoffatome entlang der Kohlenstoffkette wurden durch Fluor ersetzt. Diese Moleküle sind extrem stabil, biologisch kaum abbaubar und reichern sich im Körper an. Typische Vertreter: PFOA, PFOS, GenX, PFHxA, PTFE (Teflon™)
Bei PFOA, PFOS, GenX und PFHxA handelt es sich um kleine, körpergängige Moleküle mit nur 6 bis 8 Kohlenstoffatomen, die im Körper zirkulieren und sich in Organen anreichern können (mehr dazu in Kapitel 1.9)
PTFE (Teflon™) ist ein hochstabiles Polymer mit über 10.000 vollständig fluorierten Kohlenstoffeinheiten. Es gilt selbst als nicht bioverfügbar und weitgehend reaktionsträge. Obwohl PTFE selbst als unbedenklich gilt, kann es indirekt problematisch sein – etwa durch Rückstände aus der Herstellung, durch Abrieb oder durch thermische Zersetzung. Besonders bei Temperaturen über 300 °C können dabei erneut toxische PFAS wie PFOA oder PFOS freigesetzt werden.
Die außergewöhnliche Stabilität von PFAS beruht auf einer besonderen chemischen Verbindung: der Bindung zwischen Kohlenstoff (C) und Fluor (F). Diese sogenannte C–F-Bindung ist eine der stärksten Einfachbindungen, die in organischen Molekülen vorkommen – und das hat mehrere chemisch-physikalische Gründe:
1. Fluor – das elektronegativste Element
Fluor steht im Periodensystem der Elemente ganz oben rechts – dort, wo die Elemente am stärksten Elektronen anziehen. Es besitzt die höchste Elektronegativität aller bekannten Elemente. Das bedeutet: Wenn Fluor mit einem anderen Atom eine Bindung eingeht, zieht es die gemeinsamen Elektronen sehr stark zu sich hin. In einer C–F-Bindung führt das zu einer besonders stabilen, stark polaren Bindung, bei der die Elektronen fest zwischen den beiden Atomen sitzen – kaum angreifbar von außen.
2. Die Oktettregel wird perfekt erfüllt
Nach der Oktettregel, wie sie im Lewis-Modell beschrieben wird, streben Atome eine voll besetzte Außenschale mit acht Elektronen an – die sogenannte Edelgaskonfiguration. Fluor besitzt sieben Außenelektronen und benötigt nur eines, um dieses energetisch stabile Ziel zu erreichen. Kohlenstoff hat vier Außenelektronen und erreicht das Oktett durch vier kovalente Bindungen, etwa mit zwei Fluoratomen und zwei Kohlenstoffatomen. Diese Anordnung führt nicht nur zu einer stabilen Elektronenverteilung, sondern auch zu einer besonders starken C–F-Bindung.
3. Extrem hohe Bindungsenergie