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Die See, die Weite, die Sehnsucht nach Beute und Reichtum ... all das begleitet den jungen Piratenkapitän Paolo. Aber da ist auch etwas, was er sich noch mehr wünscht: Eine Frau und eine eigene Familie. Er begegnet ihr dort, wo er nicht damit gerechnet hat.
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Seitenzahl: 34
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Pirate’s Trash
Danksagung
Über die Autorin
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Schäumend brachen die Wellen an den Steilklippen. Das ungestüme Meer warf die „Dark Voice“ wie einen Spielball umher. Trotz der schweren See hatte Paolo, der Kapitän, sein Schiff unter Kontrolle. Zielstrebig steuerte er die „Dark Voice“ auf die Felsenwand zu, nur um den richtigen Augenblick zu erwischen. Ein weiteres Mal schwank der Zweimaster und Rufe hallten über das Deck. Wenig später öffnete sich, so schien es, ein Spalt in der Wand aus Stein.
Die See wurde ruhiger, so dass das Manövrieren leichter fiel. Nach wenigen Momenten trieb die Brigg in einem deutlich sanfteren Gewässer. Hier war die „Bucht der Verlorenen“. Von oben sah sie wie ein klar getrennter Teil des Ozeans aus, von dem es keine Wasserverbindung zum Weltmeer geben müsste. Nur die mit der Gegend Vertrauten wussten, wie es wirklich war.
Paolo befahl seinen Männern, die Rahsegel einzuholen, so dass sie nur noch mit dem auf dem vorderen Teil befindlichen Stagsegeln angetrieben wurden. Mehrere kräftige Männer kletterten geschickt an den Masten zu den Quermasten über die Taue und Seile zu den Segeln. Mit geübten Handgriffen und in kurzer Zeit waren die Tücher trotz des anhaltenden Sturms eingeholt und gesichert.
In etwas Entfernung konnte man Umrisse sehen. Ein Jubel brandete unter der Mannschaft auf und die angespannte Stimmung fiel ab. Nicht mehr lange und der Großteil der Besatzung konnte Frauen und Kinder in die Arme schließen.
Es war eine Fahrt von Vielen. Oft wochen- oder sogar monatelang war die „Dark Voice“ auf See. Immer mit der Hoffnung auf reiche Beute und der Angst, niemals wieder nach Hause zu kommen, sondern bei Kämpfen zu fallen oder in Gefangenschaft zu geraten.
Der Regen hatte nachgelassen und ab und zu ließ sich der Vollmond zwischen den schweren, schwarzen Wolken blicken, als das Schiff gefühlvoll an den Holzsteg heran fuhr und festgemacht wurde.
„Männer“, Paolos Stimme forderte Aufmerksamkeit „wir sind fast vollzählig angekommen und freuen uns auf Huren, Grog und Fleisch. Abladen werden wir, wenn der Tag anbricht. Geht nach Hause zu euren wartenden Frauen und amüsiert euch.“ Die Mannschaft ließ ihren jungen, aber zuverlässigen Kapitän mehrmals hochleben. Dann entfernten sich kleine und große Gruppen vom Steg. Nur Paolo blieb zurück. Jetzt, als etwas Ruhe einkehrte, hatte er Zeit, die vergangenen Wochen noch ein Mal zu überdenken. Es war keine schöne Zeit. Es dauerte fast die Hälfte der Reisezeit, bis sie ein Handelsschiff erblickten, dass sie überfallen und versenken konnten. Die dort geraubte Beute war nicht wirklich zufrieden stellend, was die ganze, unangenehme Atmosphäre an Bord eines Piratenschiffs noch mehr verschärfte. Schließlich wurde in der Wartezeit da draußen so viel Alkohol getrunken, dass Streitereien und Reibereien nicht zu vermeiden waren. Zusätzlich zu der schlechten Beute kam noch, dass ein paar seiner engen Vertrauten umgekommen waren. Auch das musste Paolo erst noch verarbeiten. Schließlich waren Jack, Louis, Pedro und Sebastián mehr als nur Besatzungsmitglieder. Pedro war, nach dem frühen Tod seines Vaters, die vertrauteste Person, die er kannte. Die anderen, außer Louis, waren älter als er und wirklich gute Freunde, während Louis und er wie Brüder waren. Schon im Kindesalter hatten die beiden mit Holzsäbeln gegeneinander gekämpft und zusammen getobt. Auch diverse Abenteuer, die meistens aus Versteckspielen in Gebirgen und auf den Schiffen bestanden, hatten die beiden zusammen durch gestanden. So war es selbstverständlich, dass Louis’ Tod ihn mehr mitnahm, als er zugeben konnte. Nur, wenn er alleine war wie jetzt, ließ er seinen Gefühlen, soweit möglich, freien Lauf.
