0,99 €
Bereits kurz nach ihrer Geburt soll Delias Leben bereits zu Ende sein. Wäre da nicht Eleonore, die als Priesterin die Botschaft der Göttin empfängt und über das weitere Schicksal des Säuglings entscheidet.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 22
Veröffentlichungsjahr: 2016
Danksagung
Priesterin des Feuers
Weitere Titel
Impressum
Ich bedanke mich in erster Linie an die Leute, die meine Texte lesen. In diesem speziellen Fall ein Danke an meine ältere Schwester Marion, die fleißig den Rotstift angesetzt hat, nachdem ich die Geschichte zu ende geschrieben habe.
Priesterin des Feuers Manch einer bewunderte sie, andere hassten sie. Sie war Eleonore, die Priesterin der Göttin. Ihr oblag es, Opfer zu bringen, Opfer anzunehmen oder zu verstoßen. Sie wanderte sowohl im Diesseits als im Jenseits, zwischen Styx und Gaia, zwischen Tod und Leben. Man hatte sie und ihre Mitpriesterinnen verfolgt, als Hexe verbrannt, es dennoch nie geschafft, sie aus der Gesellschaft zu verdrängen. Jetzt, im 21. Jahrhundert, kamen sie zurück, was vielen missfiel. Oft stellte man ihnen die Frage, was das solle. Sie hätten hier nichts verloren, es gibt keinen Platz für Priesterinnen wie sie. Wo war ihr Platz? Nicht in einem Gebäude, nicht in einer Chefposition, sondern da, wo sie der Göttin dienen konnte. Draußen in der Natur, da, wo sie dem Element zur Verfügung stand, dem sie sich geweiht hatte. Eleonore war eine Priesterin des Wassers. Oft saß sie stundenlang an dem kleinen Bach. Er konnte harmlos wie ein Rinnsal sein, aber auch unbändig wie ein Strom. An ihrem heiligsten Ort trat es aus der Erde, aus Gaia, die, die Leben und Fruchtbarkeit bringt, aber auch die, die Leben nimmt. Dann verließ man Gaia über Styx, Fluss der Toten. Mit einem Obolus unter der Zunge für den Fährmann fuhr man ins Jenseits. „Oh Gaia, Göttin des Lebens, ich rufe dich“. Eleonore streckte die Arme zum Himmel und hielt kurz inne. „Du gibst Leben, aber du nimmst es auch. Du gebierst Neues und holst es dir wieder. Nimm an dieses Opfer, als Zeichen unserer Ergebung!“ Ein Windhauch durchfuhr ihr Haar, als das Wimmern des Bündels vor ihr lauter wurde. Hinter ihr stand ein junges Paar, das sich in den Armen lag. Der Mann stützte seine Frau, der es schwerfiel, sich auf den Beinen zu halten. Das kleine Mädchen schrie, was mehr ein Winseln war. Zu schwach, um noch länger zu leben. Es war der Wunsch der Eltern, ihr Kind zu opfern und zu hoffen, dass das Nächste ein kräftiger Junge wurde. Die vertraute Energie der Göttin durchfloss sie. Als Eleonore auf das Kind blickte, teilte ihre innere Stimme, die gleichzeitig die der Göttin war mit, was sie zu tun hatte. Sie wandte sich den Eltern zu, während sprach: „Geht und lasst das Mädchen hier. Das Opfer ist angenommen.“ Das Paar nickte ihr zu und ließ die Priesterin mit dem Säugling zurück. Eleonore nahm das Bündel in den Arm. Zwei dunkle Augen schauten sie an: „Deine Bestimmung ist nicht die, auf diese Weise geopfert zu werden, sondern eine andere.“
