Plätschern und Walzer - Marie Likisch - E-Book

Plätschern und Walzer E-Book

Marie Likisch

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Beschreibung

Sahra ist Single, und sie erlebt mit ihren drei Kindern das ganz normale Alltagsleben einer Familie. Sie geht auf Dates, trifft sich mit ihren Freunden und Verwandten, nimmt am Gemeindeleben ihrer Kirche teil, macht Hausaufgaben mit den Kindern, arbeitet als Hausfrau und Schriftstellerin: das tägliche „Plätschern“ im Fluss des Lebens! Dann macht sie sich daran, einen Liebesroman zu schreiben. Er trägt den Titel „Walzer“. Darin geht es um die alleinerziehende Jenny, die über das Internet einen interessanten Mailkontakt zu einem versnobten Mann hat. Schließlich machen sie einen Tanzkurs miteinander - und hier kommt der Walzer ins Spiel.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
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Seitenzahl: 547

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Inhalt

Impressum

Über mich

Plätschern

Walzer

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Walzer

Plätschern

Walzer

Plätschern

Über mich

Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie.

Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fernsehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.

© 2016 novum Verlag

ISBN Printausgabe: 978-3-95840-187-7

ISBN e-book: 978-3-95840-188-4

Lektorat: Silvia Zwettler

Umschlagfotos: Rudall30, Tijanap, Evron | Dreamstime.com

Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum Verlag

www.novumverlag.com

Über mich

Ich bin Marie und schreibe diesen Roman. Ich bin 42 Jahre alt, mehrfache Mama, lebe getrennt vom Vater meiner Kinder, lebe als Single. Drei meiner Kinder leben zurzeit beim Vater, drei Kinder leben bei mir. Mein Vater wohnt ebenfalls in unserer bunten Wohngemeinschaft. Die Kinder dürfen nach Lust und Laune zwischen mir und ihrem Vater pendeln. Wir haben keine Besuchszeiten, sondern die Kinder haben zwei Zuhause. Der Vater der Kinder hat uneingeschränkten Zugang zu unserem Haus. Ich zu seinem. Ich betrachte ihn als eine Art Freund und Familienmitglied. Heute ist der 26. 12. 2015 und exakt 17.34 Uhr. Ich beginne hiermit dieses Buch und möchte es rasch und zügig schreiben. Ich werde die Zeiteinteilung in Tagen bei der einen Geschichte nutzen (Plätschern), die andere Geschichte (Walzer) ist ohne exakte Zeiteinteilung. Die Kinder sind gerade alle außer Haus; es sind bayerische Schulferien. Ich sitze auf meinem Sofa im Wohnzimmer; den Laptop auf meinen Beinen. Mein Leben besteht aus meinem Alltag als Hausfrau. Als Familienfrau koche, putze, wasche ich. Und ich kümmere mich um meine Kinder. Mein Leben hat sich seit meinem autobiografischen Buch „Jetzerla. Frau mit Vergangenheit sucht Mann für die Zukunft“ nicht wesentlich geändert. Ich arbeite in der Landwirtschaft meines Exlebenspartners und Vaters der Kinder stundenweise gegen Entgelt mit. Ich liebe nach wie vor meine Hobbys Tanzen und Singen. Wobei Tanzen meine Leidenschaft ist. Und manchmal auch Leiden. Ich besuche einmal wöchentlich, je eine Stunde, Ballettunterricht und Modernen Tanz. Joggen gehört zu meinen neuen Hobbys. Ich bin nach wie vor auf Singleplattformen im Internet registriert und hatte Liveverabredungen. Ich gehe hin und wieder mit einem fest liierten Mann zum Salsatanzen aus. Außerdem begann ich vor etwa 1,5 Jahren einen Singletanzkurs mit wechselnden Partnern in Standard-Latein; machte ein Jahr lang einen wöchentlichen Standard-Latein-Tanzkurs mit dem gleichen Tanzpartner. Dieser Kurs endete im Dezember mit einem Wiener Walzer. Das war meine Inspiration für den Titel. Die andere Inspiration für den Titel war, dass mein Leben dahinplätschert. Ich bin im Fluss des Lebens. Mein Leben fließt manchmal schnell und manchmal gemächlicher dahin. Es ist, wie auch der Titel sagt, ein Plätschern. Ich bin Single und als Single ist Fakt: Mr. Right lässt auf sich warten. Oder Gott hat mich einfach noch nicht zu ihm geführt. Im Moment finde ich diesen Status nicht mal so schlimm. Ich kann trotzdem mein Leben genießen. Partnerschaft ist nicht alles im Leben. Es gibt noch so viele andere schöne Aktivitäten und bereichernde Beziehungen. Ich sage das bewusst, weil manchmal stecke ich ja im Sumpf des Selbstmitleids, wegen einer fehlenden Partnerschaft. Und dieses Gejammer ist ja nicht unbedingt gerechtfertigt.

Aufgrund meiner Lebenserfahrung, dieser Tanzerfahrungen und der Begegnungen mit netten Menschen, meiner Erfahrungen mit meiner Familie und meinen Freundinnen möchte ich diese Geschichten verfassen. Diesmal jedoch nicht über mich, sondern über Sahra, eine fiktive Figur, die in meiner Fantasie entsteht. Klar werde ich auch viele Wahrheiten aus meinem Leben mit einbringen. Doch dies wird eine fiktive Handlung sein, alle Personen entspringen meinem Denkraum und meiner Kreativität. Manche Personen haben eine Vorlage. Ich gebe es zu. Deren Charakter und Aktivitäten ändere ich jedoch ab, sodass keine Person konkret beschrieben wird. Sahra wird in der Ich-Form sprechen. Und es wird sich in dem Roman viel um den Alltag in Mittelfranken und um das Tanzen, das Sahras Leidenschaft ist, drehen.

Ich wünsche euch viel Vergnügen und Entspannung beim Lesen. Vielleicht erkennen sich Tänzer und Tänzerinnen wieder. Und vielleicht wird bei dem einen oder der anderen der Wunsch geweckt, sich auch mal auf das Parkett zu wagen und das Tanzbein zu schwingen. Im Fluss des Tanzens und des Lebens zu sein. Wäre toll! Das Buch ist auch eine kleine Hommage an das Tanzen.

Plätschern

Samstag, 26. 12. 2015 – Hi, ich bin Sahra

Hi, ich bin Sahra. Ausgesprochen werde ich Sehra. Meine katholische Mutter hatte ein Faible für biblische Namen, die amerikanisch ausgesprochen werden. Ich bin 39 Jahre alt, Mama von drei Kindern. Die Zwillinge Nina und Tobi sind fast 8 Jahre alt und meine große Tochter Michaela ist 16 Jahre alt. Ich lebe vom Vater meiner Kinder getrennt. Wir waren allerdings nie verheiratet. Ich bringe mich und meine Kinder finanziell als Schriftstellerin durch. Eigentlich will ich mit dem Finanziellen gar nicht anfangen. Aber durch viele Fragen über meine eigene Finanzierung durch die Männerwelt weiß ich, wie wichtig diese Frage ist. Und manchmal kam es mir vor, als wäre sie die Frage schlechthin. Nicht das Sein und wie ich bin, was ich mache, sondern die Frage „Wie finanzierst du dich?“ wurde mir oft zu Beginn einer Begegnung gestellt und war für die Männer entscheidend. Sie wurde mir auch bisher bei jedem Date innerhalb von zwei Minuten gestellt. Diese Frage schockierte mich. Es hat sich so in mir verfestigt, dass ich es gleich zu Beginn der Erzählung erwähne und ungewollt übertrage. Diese Frage hat mich ein wenig verändert. Zumindest so, dass ich das, was ich bisher nie als wichtig erachtete und immer noch nicht als wichtig erachte, gleich zu Beginn der Geschichte stelle. Mittlerweile habe ich mich an diese Frage gewöhnt und bin innerlich darauf eingestellt. Es haut mich jetzt nicht mehr von den Socken und ich empfinde es nur noch als kleine Unverschämtheit. Aber eine Frechheit wird sie trotzdem bleiben und sie nervt mich immer noch sehr. Und ich hoffe, dass mir irgendwann einmal jemand diese Frage nicht stellt und andere Ambitionen hat. Ich versuche trotzdem, dieses Interesse zu verstehen. Und wenn ich mir überlege, dass das Geld der Maßstab für viele Dinge ist, dann wird mir das klar und ich versuche das zu durchdringen. Und weil viele Menschen an der Armutsgrenze leben, einen harten Alltag haben oder unter Wohnungsnot oder explodierenden Mietpreisen leiden, wird mir diese Frage auch verständlich. Und jeder 10. Haushalt in Nürnberg ist überschuldet. Darum ist es klar. Nur ich ticke in dieser Geldbeziehung anders. Ich frage mich dauernd, ob es nicht intelligentere Lösungen gibt, als die Welt mit Geld zu beschreiben. Und ob wir Menschen uns nicht selber in den Vordergrund rücken sollten und müssten. Weil wir es uns wert sind und wir als Menschheit den Sinn von Empathie und Kooperation erkannt haben: dass wir unser Leben und unser Miteinander verbessern wollen. Noch mal zu meinem Job: Es ist ein hartes Brot, weil der finanzielle Verdienst immer variiert. Ich schreibe für einen Verlag und meine Bücher erreichen eine Auflage, dass ich finanziell gerade damit auskomme. Dafür macht mir das Schreiben Spaß. Und das halte ich für das Wichtigste. Einen Beruf auszuüben, der mir Spaß macht und der mir liegt. Wofür ich eine Ader und ein Händchen habe. Vielleicht auch ein Köpfchen. Und wo ich einen Sinn erkenne. Dann kommen auch die Geschichten. Und die Handlungen und noch viel mehr. Und habe ich mal eine Idee, kann ich den Gedankengang weiter ausbauen. Und immer wieder erweitern und vertiefen. Ich genoss auch eine Ausbildung zur Erzieherin und besuchte eine Abendschule als Hauswirtschafterin. Diese Zweitausbildung fand ich ganz arg toll. Vor allem konnte ich sie ganz entspannt angehen, weil ich ja bereits eine abgeschlossene Ausbildung hatte. Die Atmosphäre und die Klassengemeinschaft und die Leute waren so nett. Ich denke, trotz der Klausuren, die mich immer belasten, gerne an diese Zeit zurück. Ich durfte viel lernen. Leider muss ich zugeben, dass ich haushaltsmäßig eine Minimalistin bin und nur das Nötigste mache. Das Wissen für mehr wäre jedoch vorhanden. Wissen und Tun sind leider bei mir auf diesem Gebiet nicht in Einklang zu bringen. Ich wende meine Kenntnisse nicht an. In diesem Fall ist es nicht tragisch. Die Grundreinigung und das Alltägliche funktioniert. Eine Grundordnung ist da. Einfache Speisen auch. Und mit dem Essensgericht auch ein Gericht, also eine Bewertung durch meine Kinder. Diese ständige Wertung nervt mich schon manchmal. Allerdings erhält sie auch die Kommunikation. Wäsche liegt immer im Schrank und mit dem Geld kann ich auch richtig wirtschaften und umgehen. Ich führe ein Haushaltsbuch. Soll und Haben sind immer ausbilanziert. Und die Tatsache, dass es bei mir einigermaßen ordentlich und sauber ist, beruhigt und bestärkt mich, weiter als Minimalistin meinen Haushalt zu führen.

Das Schreiben fällt mir manchmal leicht, manchmal schwer. Manchmal purzeln die Worte nur so in meinem Kopf herum. Und manchmal purzeln sie dann in die Finger. Meine Finger rauschen dann über die Buchstaben der Tastatur. Ich kann das Romanschreiben auch mit Wasser vergleichen. Es sammeln sich ständig neue Gedanken-Tröpfchen. Sie fließen zu einer Quelle zusammen. Die Wörter und Gedanken sprudeln aus mir heraus. Manchmal plätschert das Schreiben dahin, manchmal ist es ein starker Strom. Manchmal ein Rinnsal, manchmal ein großer Fluss. Schön ist es, wenn das Wasser gleichmäßig dahin plätschert. In meinem Kopf bilden sich dann viele Wortketten, die sich dann zu einem sinnvollen, manchmal auch weniger sinnigen Text fügen. Der Text soll zumindest sinnig sein; ob er es immer ist, ist eine andere Frage. Manchmal ist mein Kopf ziemlich leer und kein einziger Satz wird in meinem Gehirn gebildet. Totale Leere. Vakuum. Diese Situation fürchte und verabscheue ich: wenn mir absolut nichts einfällt, kein Gedanke meiner Fantasie entspringt und ich dann keinen Text auf den Laptop zaubern kann. Schreiben kann so richtig anstrengend sein. Ich schreibe Liebesromane. So richtig schnulzige. Gespickt mit harmlosen und gleichzeitig romantischen Sexszenen. Richtig romantisch. Trivialliteratur. Es gibt Leserinnen und Leser, die mögen das. Um einmal vom Alltag abzuschalten, in eine andere Welt abzugleiten, eine Leidenschaft zu erleben, die sie vielleicht im realen Leben nicht finden. Genauso schreibe ich auch: Herz-Schmerz. Und mein Alltag ist dabei so was von sinnlichkeitsleer und erotiklos, dass es mir manchmal selber zu eintönig ist. Aber ich kann ja leider keine Erotik herbeibeschwören, herbeizaubern oder herbeizwingen. Das geht alles gar nicht. Auf jeden Fall können in meinen Romanen die Funken fliegen, auch wenn mein Alltag so ganz anders ausschaut. Meiner Fantasie sind keine Grenzen gesetzt; die Gedanken sind frei und haben Flügel. Flügel in die Unendlichkeit. In die Welt der Ideen und der Wunder. Und für Minuten kann ich die Wirklichkeit in Magie verwandeln. Na klar, die reale Welt wäre mir lieber. Und ich unternehme auch vieles, um viel real zu erleben. Aber was nicht ist, kann zumindest in der Fantasie leben. Und das sind schöne Vorstellungen. Und vielleicht, irgendwann, werden solche oder ähnliche Träume Wirklichkeit. Es lebt dann dieser Traum.

Wir wohnen in einer Mietwohnung inmitten von Nürnberg. Es ist eine riesige Altbauwohnung mit kleiner Küche, Wohnzimmer, Bad und vier ganz kleinen Schlafzimmern. Der Gang ist im Verhältnis zu den Räumen zu groß geraten. Bietet dafür aber Platz für Schränke mit viel Stauraum. Die Küche hat eine Tür, die zu einem Balkon führt. Wir leben im ersten Stock. Das Haus hat vier Stockwerke. Und es leben noch drei andere Familien darin. Ganz tief unter der Erde, direkt unter dem Haus, verläuft ein U-Bahn-Schacht. Er wurde erst vor etwa 10 Jahren gebaut. Zu der U-Bahn-Station sind es nur wenige Minuten.

Vorgestern war Heiliger Abend. Der Vater der Kinder kam zu Besuch, mein Vater auch; wir gingen in die heilige Messe und feierten dann zusammen Weihnachten. Wegen dieses Festes trafen wir uns. Den Kindern gefiel es. Zu dem Geburtstagsfest von Jesus dichtete ich für meine Familie. Es ist ein Gebet, das sich nicht nur auf die Geburt Jesus bezieht, sondern auch auf Gott und den Heiligen Geist. Im christlichen Verständnis sind alle drei Personen eins. Das heißt eine Person. Und der Himmel ist überall da, wo keine Erde ist. Und der Himmel ist das Schöne, Gute und Wahre. In meinem Verständnis kann der Himmel da sein, wo die Luft anfängt, und geht dann in die Unendlichkeit. Meine Füße berühren den Boden und mein Körper ragt in den Himmel hinein. Wenn ich mich auf Zehenspitzen stelle, komme ich dem Göttlichen noch näher. Und weil Gott ein Gott ist, der mit uns wächst und sich in unserem Kopf, Herzen und dem ganzen Körper entfalten kann, spreche ich in dem Gedicht ganz viel von Entwicklung. Gott ist ein Vater, der sich mit mir entwickelt. Je mehr ich mich entwickle, umso mehr kann ich ihn verstehen. Ob sich Gott auch noch entwickelt, weiß ich nicht. Mir gefällt das Bild von Jesus, dass Gott Vater ist. Und Jesus sein Sohn. In dem Gebet werden sich alle meine Gedanken erschließen.

Du, mein Vater,

lass mich den Himmel offen sehen,

lass mich dein Wort verstehen.

Du bist Vater; Vater von mir.

Du bist Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Drei Personen, die meine Seele preist.

Drei Personen und doch eins; ich bin sogar eins mit dir.

Du bist ein guter Vater, wie ich dich verstehe;

ein Vater, der sich mit mir entwickelt, sodass ich sehe.

Bist du flexibel und veränderst dich?

Orientierst du dich dabei ganz an mich?

Lass mich den Himmel offen sehen,

lass mich dein Wort ganz und gar verstehen.

Nimm mich in die Entwicklung mit der Zeit hinein,

lass mich ganz und gar dein Kind sein.

Ein Kind, das sich verändert und reift,

ein Sohn und eine Tochter, die die Welt und dich begreift.

Lass mich den Himmel offen sehen,

lass mich dein Wort verstehen.

Lass mich hoch fliegen zu dir,

bring mich näher zu dir und damit zu mir.

Lass mich sein, so wie du mich haben willst;

ein Kind der Liebe und des Lichts.

Lass mich den Himmel offen sehen;

lass mich dich verstehen.

Ich will dich begreifen, deinen Willen tun,

jetzt und in alle Ewigkeit in dir ruhn.

Ich will dich begreifen,

geistig nach deinen Sternen greifen.

Sternen der Wahrheit und des Lichts,

die leuchten und da sind, in der Finsternis.

Du bist der Weg, die Wahrheit und das Leben,

gib mir den Mut, in deiner Wahrheit zu leben.

Im Namen des Vaters, des Sohnes

und des Heiligen Geistes beginnen wir.

Es gibt einen Weg zu dir.

Ein Weg, der schon immer ist,

zu gehen und zu wählen meine Aufgabe ist.

Du bist der Weg und das Ziel,

Anfang und Ende, wenig und viel.

Du bist das Maß der Welt;

dich will ich verstehen; ob ich es kann, sei dahingestellt.

Ich will es versuchen,

mein Leben danach zu „buchen“.

(Manchmal müssen auch moderne Wörter in ein Gebet.)

Du bist das Buch, das alles umfasst,

die Melodien, Texte, Tänze, Kreativität der Arbeit,

das Ganze, Tag und Nacht.

Vollendung und Vollkommenheit gibt es nur bei dir;

du bist der Maßstab; Richtigkeit gibt es nur mit dir.

Du setzt alles ins richtige Licht;

bist Philosophie, Sinnhaftigkeit und Mathematik.

Du bist der Glaube, der Leben gibt;

dein Sohn, der Heilige Geist und du, der uns liebt.

Du bist der Gedanke, der alles umgreift,

die Zeit, die unser Leben umkreist.

Lass mich in deiner Liebe leben,

mir meine verwirrten Gedanken vergeben.

Du vergibst immer und ewig,

Gnade und Heil, dafür bist du der König.

Lass mich leben nach dem Licht und deinem Geist,

der mir immer den Weg weist.

Du bist Orientierung und Ziel,

das zu wissen hilft mir in meiner Schwachheit viel.

Ich beginne jede Sekunde, jede Minute, jeden Tag mit dem Satz, der alles umfasst:

Im Namen des Vaters, des Sohnes, des Heiligen Geistes. Amen.

Weil ich so viele Fragen an Gott habe, verfasste ich gleich noch ein Gebet zu Weihnachten:

EMPATHIE

Gott, fühlst du mit mir mit?

Bist du bei meinen Gefühlen dabei?

Ist es wahr, dass dein Wort wahr sei?

Was ist wahr? Was soll ich glauben? Was soll ich tun?

Kann ich wirklich in deiner Wahrheit ruhn?

Was ist die Wahrheit bei dir?

Dass ich das glauben soll?

Was kommt wirklich von dir?

Jesus sagt, dass ich Gottes Willen tun soll.

Was ist dein Wille? Bitte lass mich ihn empfinden,

mich in dich einfühlen, mich mit dir verbinden.

Ich möchte die Verbindung zu dir,

von Herz, Hand, Seele, Geist und alles von mir.

Ich möchte mit dir im Einklang sein,

eins mit dir sein.

So wie Jesus dein Sohn war und ist,

möchte ich, dass du bei mir bist.

Ich spreche zu dir – Fragen, Fragen und Fragen –,

wenn ich höre: Die Antwort gibst du mir.

Bitte gib mir ein hörendes, warmes und fühlendes Herz

und mach mich empfindsam für meinen und anderen Schmerz.

Schmerz, den ich habe, wenn ich Unrecht tu;

Unrecht will ich ändern, ewig und immerzu.

Die Fähigkeit, meinem Herzen zu folgen,

dabei leicht zu sein wie Wind und Wolken.

Du bist der Atem, der alles lebendig macht;

Sagen und Tun liegen in deiner Hand

und auch in meiner Macht.

Sei du die Macht, die mich antreibt,

die Motivation, der Wind,

der in meinem Herzen und meinen Gedanken weilt.

Gib mir Gedanken der Güte, der Liebe,

des Glaubens und des Lichts;

führe mich heraus aus meiner Nacht und Finsternis.

Nacht und Finsternis gehören zum Leben;

wurden von dir gegeben.

Sie werden wiederkehren immerzu,

aber ich will sie durchdringen, unter der Sonne leben

und nur bei Nacht ruhen.

Du bist das Herz, die Liebe und der Verstand,

alles liegt allein in deiner Hand.

Ich bitte und du wirst mir geben,

Freiheit und Empathie zum Leben.

Du gabst und bist die Empathie,

zu dir bete ich und auf dich verlass ich mich – egal wie.

LASS MICH DEN HIMMEL OFFEN SEHEN

Was ist der Himmel für mich –

all das Gute, all die Liebe durch dich.

All die Menschen,

die mich deine Liebe spüren lassen und geben;

es gibt mir Energie und Mut zum Leben.

Achtung, Wertschätzung, Nähe und Dasein von Menschen

lässt mich wachsen und entwickeln,

lässt mich Menschen und dich so schätzen.

Das ist ein Stück Himmel für mich;

durch andere erkenne ich dich.

Ein Mensch ist mir so wichtig;

es ist so schön, dass er da ist.

Es tut gut, was gemeinsam zu tun;

es ist so wohltuend und entspannt,

gemeinsam in dir, Gott, zu ruhn.

Ein Mensch macht mich reicher;

mein Leben wird so leichter.

Lass mich den Himmel offen sehen,

immer nach deinem Wort gehen.

Ein Mensch ist ein Geschenk des Himmels,

genau wie du für mich.

Gott, bitte lass mich mich verstehen,

die anderen und vor allem dich.

Gott, du bist immer für mich da;

du wohnst in mir

und bleibst in mir in alle Ewigkeit. Amen.

Jesus – du bist das Teilen

Jesus,

Jesus, du hast das Brot gebrochen und es geteilt;

jeder am Tisch hat das Gleiche bekommen und gegessen.

Ich will auch teilen wie du.

Ich will so sein wie du.

Teilen und verteilen.

Geben und auch nehmen.

Am Tisch werden alle satt.

Wie war das noch mal?

Jeder einen gleich großen Anteil?

Ein gleich großes Stück Brot?

Ja. Es wurden alle satt. Ich lobe unseren Gott.

Wir loben unseren Gott. Amen.

Die Kinder hörten geduldig meinen Ausführungen zu. Waren jedoch wegen der Länge leicht genervt. So wie jedes Jahr sangen wir dann noch ein paar Weihnachtslieder. Michaela spielte dazu Klavier und ich Altflöte. Die anderen sangen. Hörte sich harmonisch an. Dann beschenkten wir uns. Nina war nicht zufrieden mit ihrem Geschenk. Sie bekam ein Spiel, bei dem Karten für Fragen gezogen wurden. Und der andere gab dann anhand der zufälligen Antwortkarte die Antwort. Eigentlich sehr witzig. Und wir mussten viel lachen. Allerdings hatte sie extra einen Wunschzettel für das Christkind formuliert. Ich konnte ihr diese Wünsche nicht erfüllen. Der Brief war leider nicht an das Christkind, sondern an den Weihnachtsmann gerichtet. Das ist mir zu neumodisch und eine inhaltliche Verfehlung. Ich finde, das Christkind ist der Grund des Festes, darum sollte der Brief auch an das Christkind adressiert sein. Und mit einem Weihnachtsmann kann ich gar nichts anfangen. Er hat ja nicht gelebt und ihn gibt es nur in der Fantasie: Der Text lautete im Originaltext:

„Ich wünsche mir zu Weinachten eine Reiterhose und Reiterschuhe und Reiterhandschuhe. Und dan wünsch ich mir noch für Tobi und mich 2 Handy oder 2 Teplet. Dan ein par schöne flauschige Pulis und Jaken. Und noch eine Kamara. Dises Jahr will ich kene Babis.“ Das letzte Wort sollte wohl Barbies heißen; es ist eine hingemalt und durchgestrichen. Die Rechtschreibung müssen wir auch noch tolle üben. Dies ist ja jetzt allerdings sekundär. Wir schauten dann unsere WhatsApp-Mitteilungen an und tauschten die Weihnachtsgrüße aus. Wir fanden es enorm, was wir an Weihnachtsliedern, Filmchen, Weihnachtsbildchen bekamen. Es ist in einem Buch schwer zu erklären, wie die Bilder ausschauen. Das muss jede/jeder selber anschauen, um mitreden zu können. Es ist überhaupt schwer, die Wirklichkeit in Worte zu kleiden und auf ein blankes Papier zu bringen. Es kann nie so wiedergegeben werden, wie es in Wirklichkeit ist. Du musst es selber erleben und es mit allen Sinnen und mit dem Herzen begreifen. Ein Bildchen formte einen Stern aus Wörtern, die unterschiedlich groß gedruckt waren. Es sollte darstellen, was Weihnachten sein soll und kann und ist: Jesu Geburt, Kirche, Glück, Fest, Zeit, Gemeinschaft, Ruhe, Familie, Wünsche, Lachen, Liebe, Kerzen, Gaumenfreuden, Feiertage, Freude, Geschenke, Licht, Zeit, Gebäck, Harmonie, Glanz. Das Wort Glück war hier ganz großgeschrieben. Frauen von der Alleinerziehenden-Urlaubsgruppe schickten Bilder von ihren Weihnachtsbäumen. Wir unseren auch. Unserer war mini. Wir kauften ihn von einer heimischen Baumplantage; ganz verbilligt und kurz vor dem Fest. Sozusagen auf den letzten Drücker. Und er stand auf einem Tisch. Michaela steckte die elektrischen Kerzen drauf und die Kleinen schmückten den Baum mit Weihnachtsschmuck, mit dem meine Eltern schon ihren Baum geschmückt hatten. Eine schöne Erinnerung an die Kindheit. Die Zwillinge haben ein kleines Gedicht geschrieben und sich eine Melodie dazu ausgedacht. Sie trugen das Lied vor. Und ich sollte den Vortrag mit dem Handy filmen. Der Text lautete: „Der kleine Schneemann ist gerade aufgewacht; er ist ganz müde und auch ganz schlapp.“ Eine nette Melodie hatten sie sich ausgedacht. Allerdings war der Text gar nicht weihnachtlich. Er bezog sich nicht auf das Christkind, das sie gerade mit seiner Geburt beschenkte; noch war es sonst irgendwie winterlich im Freien. Es hatte um die 11 Grad und war so warm wie selten. Ich konnte vom Wetter meinen, wir feierten Ostern und nicht Weihnachten. Zu allem Übel ist ganz Mittelfranken nicht nass wie sonst zu der Jahreszeit, sondern leidet unter Wassermangel, sodass die Wälder um einiges trockener als sonst sind. Eine äußerst bedenkliche Entwicklung. In manchen Weihern, die im Herbst wegen des Fischens abgelassen wurden, läuft gar kein Wasser mehr nach, weil nicht genug da ist. So was habe ich bisher nicht erlebt. Am nächsten Tag fuhren wir zu dem Haus meines Vaters. Am Heiligen Abend übernachtete er bei uns; nun fuhren wir auf das Land. Ich bin ein Einzelkind, sodass meine Verwandtschaft ziemlich klein ist. Wir machten einen Spaziergang und fanden Palmkätzchen, die austrieben. Wie zu Ostern. Die Pflanze ist wegen der Klimaveränderung auch schon ganz verwirrt. Wir redeten dann über den Klimaumschwung. Und Michaela hatte wieder mal ein Video zu diesem Thema parat: Ein Christmas-Lied wurde gespielt und vier Personen im Schneeanzug verhielten sich mit dem Sand so, als wäre er Schnee: Sie bastelten Dreckengel, machten eine Schneeballschlacht, bauten einen Sandschneemann, tanzten darum herum usw. Wenn es mit unserem Klima nicht so ernst wäre, hätte sogar ich darüber herzlich lachen können. So gelang es mir nur halbherzig. Die Problematik ist zu ernst. Ich schickte ein Stoßgebet zum Himmel, dass auch alle anderen Leute diese Problematik erkennen und entsprechend danach handeln.

Heute am Stephanustag kommt Opa wieder nach Nürnberg. Meine Mutter ist leider schon verstorben, sodass sie nicht dabei sein kann. Wir gehen in der Früh in den Gottesdienst. Michaela ministriert. Dann machen wir alle einen Spaziergang durch die schöne Altstadt in Nürnberg. Das Sternsingen ist auch geplant. Wir reden schon mal darüber. Michaela erzählt von ihren Erfahrungen. Die Kleinen werden diesmal mitgehen, sie sind ja jetzt bald Kommunionkinder. Während des Spazierengehens erzähle ich Papa von meinen drei Tanzkursen in Standard-Latein in diesem Jahr. Einen F-Kurs, einen Bronzekurs und einen Silberkurs. Und dass der Kurs vor zwei Wochen endete. Es gäbe jedoch noch Folgekurse. Und das erzähle ich im nürnbergerischen Dialekt. Übersetze aber alles beim Schreiben gleich ins Hochdeutsche. Es gibt zwar eine Schriftsprache für das Fränkische, aber das Übersetzen ist dann wieder so kompliziert. So nehme ich das standardisierte Hochdeutsch. Ganz konkret sage ich: „Der Mann möchte in Zukunft ausschließlich mit seiner Freundin tanzen. Tanzen ist eine Leidenschaft von mir und ich fand zum Glück diesen tanzwilligen Tänzer über eine Tanzpartnerbörse. Er konnte schon Standard-Latein tanzen, ich besaß nur ganz wenige Grundkenntnisse. Und da er Lust zum Tanzen hatte und ich ja jemanden suchte, tanzten wir zusammen. In dieser Zeit hat er auch eine andere Frau kennengelernt, mit der er jetzt zusammen ist. Und diese Frau bin leider nicht ich. Ich muss schon sagen leider. Aber lassen wir das Thema. Über unerwiderte Liebe rede ich jetzt nicht mit dir. Mein ganzes Herz will ich dir bei diesem Spaziergang nicht ausschütten. Die Kinder hören das jetzt nicht; sie laufen ja ein paar Meter vor uns. Das Tanzen war trotzdem ein Glücksfall für mich. Ich durfte erleben, dass sich der Spaß beim Tanzen durch totale Sympathie mehrfach potenziert. Mir macht ja Tanzen an sich schon Spaß, aber der Spaß kann sich mehr als verdoppeln.“ Ich erzähle ihm auch vom Ballettunterricht und vom Modern Dance, bei dem wir sehr viel improvisieren. Ich sage dann: „In der Ballettschule, in der ich Ballettunterricht und Modern Dance mache, hängt folgender Spruch: ‚Leben ist Tanz. Ich bin entschlossen mich von den Tönen verwandeln zu lassen, die aus der Stille meiner Seele aufsteigen, und mein Herz soll die Melodie finden, zu der ich mein Leben tanze.‘ Leider steht nicht dabei, wer es geschrieben hat. Ich habe keine Ahnung. Ich recherchierte im Internet, fand aber auch den Verfasser nicht. Stattdessen fand ich auf einer Seite folgenden Satz: ‚Leben ist Bewegung und Bewegung ist Tanz.‘ Ich könnte fortsetzen, dass aus göttlicher Perspektive das ganze Leben Bewegung und Tanz ist. Zentriere mich aber auf den Blickwinkel des Tanzens mit Musik. In einem Rhythmus. Mit einem bestimmten Charakter. Ich fühle mich beim Tanzen wohl. Es tut mir gut. Ich vergesse mich selbst, bin entspannt und bin ich selber. Ich spüre meine Kraft, meine Lebendigkeit. Es macht mir Freude. Ich erlebe den Augenblick bewusst. Fühle mich mit der Erde und dem Himmel verbunden. Werde mir meiner Grenzen bewusst, dehne mich, bewege mich im Rhythmus. Ich komme bei mir an. Komme in meine Mitte. Versinke in der Musik. Forme einen Charakter mit den Bewegungen. Es sind Bewegungen, die mein Herz und meine Seele berühren. Manchmal falle ich sogar in eine Art Ekstase. Beim Kontakttanzen, sei es beim Modern oder Paartanz Standard-Latein, fühle ich mich verbunden mit mir, mit dem Partner oder der Partnerin und dem Leben. Es ist schon ein Wagnis, das zu sagen, weil ich das Erlebte und meine Gefühle gar nicht richtig ausdrücken kann; die Erfahrungen auf eine andere Ebene bringen muss. Das Erleben des Tanzens ist was ganz anderes, als zu versuchen dieses Gefühl und diese Schwingung auf das Papier zu bringen. Das Papier ist unlebendige Materie und kann nur annähernd erfassen, was das Tanzen für mich wirklich ist. Ich fühle mich beim Tanzen getragen von der Musik. Kann eintauchen in deren Charakter und Geschwindigkeit. Komme in einen Bewegungsfluss. Und dieser flüssige Ablauf gefällt mir sehr gut. Und Melodien lassen sich zum Nachspielen und Singen aufschreiben; aber klingen tun sie auf dem Papier nicht. Musik muss ich erleben. Leute müssen die Instrumente spielen und dazu singen. Und dann kann die Musik mit Tonträgern aufgenommen werden. Somit wird Klang hörbar. Aber das Schreiben über Musik und das Tanzen wird nur oberflächliches Geplänkel bleiben. Buchstaben sind für Musik und Tanz und die damit verbundenen Emotionen kein geeignetes Medium. Es ist so, als würde ich über gebackenes, frisches Brot sprechen, das stark duftet, sich herrlich warm anfühlt, gewürzt schmeckt. Aber ich habe noch nie eines in den Händen gehalten und davon gegessen. Dann kann ich es mir gar nicht richtig vorstellen. Es bleibt tote Theorie. Nur das Tun macht Sinn. Zum Brot fällt mir noch ein: Es stillt auch den Hunger. Alle Lebensmittel tun das. Sie sind ja Mittel zum Leben. Und Essen gehört nun mal zum Leben. Natürlich kann ich auch andere Sachen essen. Es muss ja nicht dieses frische Gewürzbrot sein. So ist es mit dem Tanzen. Ich musste es gemacht haben, um mitreden zu können. Und es gibt viele Sachen, die die gleiche Wirkung haben. Ich schweife stark ab. Aber ein Gedanke kann an einen Gedanken anschließen, sodass eine Gedankenkette entsteht. Zurück zum Tanzen: Um eine Ahnung zu bekommen, was es bedeuten kann und was es für Gefühle bei mir auslöst, muss ich selber tanzen. Ich erfahre dann, was es für positive Erfahrungen für mich bringt. Diese positive Wirkung kann zusätzlich noch wissenschaftlich erklärt werden. Denn es werden dabei viele Glücksstoffe ausgeschüttet. Dopamin pur. Das möchte ich später mal im Internet nachlesen.“ Ich mache dann mal eine Redepause und es sprudelt weiter aus mir heraus: „Das Paartanzen war für mich das Nonplusultra an Tanzerfahrungen. Ich tanze ja schon so gerne alleine. Spüre mich und tauche in die Musik ein. Aber zu zweit, ausschließlich auf den Partner fokussiert, war es für mich eine ganz neue Erfahrung. Bisher hatte ich ja bei Modern immer wechselnde Partnerinnen. Es war auch von der Berührung eine angenehme Erfahrung. Mein Tanzpartner hatte eine angenehme Art, mich zu berühren und anzufassen. Dadurch, dass der Mann führt, kann ich mich ganz auf die Schritte einlassen und mich mitnehmen lassen. Ein tolles Gefühl. Ich erlebe da eine richtige Leichtigkeit und kann richtig abschalten. Ich könnte mir vorstellen, da ganz in Ekstase zu versinken. Dieses Erlebnis war mir allerdings noch nicht beim Tanzen vergönnt. Das traf bisher nur beim Sex mit dem Vater meiner Kinder zu.“ Papa räuspert sich. Er ist von mir ja nicht gewöhnt, dass ich über solche Themen rede. Ich rede weiter: „Tanzen kann Vorstufe zum Sex sein. Muss aber nicht. Es kann nur eleganter und sinnlicher Tanz sein. Ohne Erotik.“ Papa räuspert sich wieder. Ich rede weiter: „Beim Tanzen spielte ich diese Nähe leider nur. Es war keine echte Nähe und Liebesgefühle zu meinem Tanzpartner. Es war nur ein harmonisches Bewegen. Aber vielleicht kommt diese echte körperliche Anziehung, das Empfinden von echtem Sexappeal beim nächsten Tanzpartner. Das Tanzen war Spaß, Sport, Ausdruck, Kunst, angenehme Berührung, Denksport und sinnliche Bewegung. Jetzt verstehe ich auch, weshalb es so viele Tanzschulen gibt und weshalb Leute es so gern machen. Es kann wie eine Sucht sein. Sucht als eine Art Suche. Suche nach diesen schönen Dingen. Suche, sich ganz fallen zu lassen und sich auf den anderen einzulassen. Darum empfehle ich auch Michaela einen Tanzkurs. Diese schöne Erfahrung sollte sie erleben. Sie sagte vor Kurzem, dass sie einen Tanzkurs in der Schule machen will. Toll. Nebenbei lernt sie auch den Umgang mit den Jungs. Flirtgelegenheiten können sich ergeben. Finde ich sehr wichtig. Flirtgelegenheiten ergaben sich auch bei mir; leider bin ich da im Moment richtig immun dagegen. Oder es war einfach noch nicht der richtige Mann dabei.“ Ich bin so froh, dass ich das meinem Papa alles erzählen kann. Und dass ihn das alles interessiert. Dass er nicht unterbricht und meinen Vortrag erträgt. Er meint am Ende meiner Ausführungen: „Sahra, bei deinem Vortrag konnte ich dir leider nicht immer folgen. Manches kann ich nicht nachvollziehen. Ich kann mich da gar nicht hineinversetzen. Ich habe aber auch zum Leidwesen deiner Mutter kaum mit ihr getanzt. Das hat ihr auch nicht gefallen. Sie hätte es so gerne gehabt. Aber erzähle nur weiter. Es war ja dein Erleben. Ich erlebte Tanzen nie so intensiv. Habe keinen Sinn dafür. Oder habe mich auch gar nicht richtig bemüht. Wahrscheinlich das Zweite. Ich kann deine Leidenschaft leider nicht teilen.“ Ich erzähle ihm weiter: „Ich würde mich gerne beim Tanzen verlieben.“ Er sagt: „Ich wünsche dir natürlich auch, dass du dich beim Tanzen verliebst. Aber ich sehe das Verlieben gelassener. Es gibt dazu auch viele andere Gelegenheiten, um Feuer zu fangen. Zum Thema Verlieben gibt es den Spruch: ‚Es gibt nix Scheens als wos Scheens.‘“ Ich wiederhole: „Du hast recht. Es gibt nichts Schöneres als was Schönes. Und das Verlieben ist nicht in Worten fassbar. Das Tanzen ist in Worten nicht fassbar. Und viele andere Erlebnisse sind nicht in Worten fassbar. Ich muss es erleben. Ich kann zwar darüber sinnieren, aber es wird nur Papier bleiben. Es lebe der Tanz. Es lebe das Leben.“ Papa meint: „Manchmal bist du schon arg philosophisch. Jetzt sprechen wir mal wieder über was Normales. Über was Konkretes und getanzte Materie. Das, was wir mit unseren Händen erschaffen haben.“ Ich antworte: „Jetzt philosophierst du auch. Du veräppelst mich.“ Ich gebe ihm einen Schubser. Er lacht und fragt: „Was gibt es heute zum Mittagessen und welchen Kuchen zum Kaffee?“ Ich muss lachen und sage: „Ich weiß, dass dir das Mittagessen und das Kuchenessen ewig viel bedeutet. Zumindest ruiniert das Süße nicht deine Figur und du verträgst es. Heute hat Michaela einen Käsekuchen gemacht. Und zum Mittagessen wird es Kaiserschmarrn mit Kompott geben. Ich will mal was Vegetarisches an Weihnachten. Und du liebst ja Süßes.“ Er meint: „Passt schon. Deine Mama hat das auch so gerne gegessen.“ Wir sind nun bei einem neuen Thema.

Sonntag, 27. 12. 2015

Heute ist Sonntag und Tobi und Nina haben tatsächlich Geburtstag. Jedes Jahr am 27. Dezember. Ich bin froh, dass sie es bis zum 27. Dez. 2007 in meinem Bauch ausgehalten haben und ich sie nicht schon am 24. geboren habe. Am Heiligen Abend Geburtstag wäre zwar auch eine Möglichkeit gewesen, allerdings wäre mir diese Überschneidung mit Jesus vom Feiern her doch ein wenig zu viel gewesen. Also ist Kindergeburtstag angesagt. Jeder durfte von mir aus drei Freunde und Freundinnen einladen. Nina wollte mehr Kindern eine Einladung geben. Da musste ich wegen des Platzmangels einen Riegel vorschieben. Michaela wird mir assistieren. Punkt 10 Uhr klingelt es an der Wohnungstür und das erste Kind wird von einem Vater gebracht. Dann trudeln auch die anderen ein. Wir versammeln uns um den Tisch, singen ein Geburtstagslied, nämlich: „Wie schön, dass du geboren bist, wir hätten dich sonst sehr vermisst. Wie schön, dass wir beisammen sind, wir gratulieren dir, Geburtstagskind.“ Mittlerweile ein Klassiker unter den Kinderliedern und allseits bekannt. Die Kinder blasen die Kerzen auf den zwei Marmorkuchen aus. Michaela backte die Kuchen. Und Ibrahim, der 10-jährige Nachbarsjunge und Sohn meiner Freundin, brachte eine Torte. Ein Marmorkuchen war zu einem Schiff mit Playmobilmännchen dekoriert. Der andere Kuchen war ein Turm mit Rapunzel darauf. Die Kleinen wünschten sich diese Themenkuchen von Michaela. Wir spielten noch das Spiel Flaschendrehen. Das Geburtstagskind durfte dann das Geschenk von dem Kind öffnen, das angedreht wurde; die anderen währenddessen die ausgedachte Bewegung machen. Nach dem Kuchenessen liefen wir auf den nahe gelegenen Spielplatz. Dort konnten sich die Kinder bei dem schönen Wetter richtig austoben. Ich hatte Kinderpunsch in Thermokannen dabei. Auch Lebkuchen und geschnittenes Obst. Nach zwei Stunden marschierte ich mit den relativ braven Kindern wieder in die Wohnung zurück. Wir aßen nun Wienerle mit Semmeln und Ketchup. Ich hatte auch geschnittenes Gemüse wie Gurken, Tomaten, Karotten vorbereitet. Ich besorgte alles im Biosupermarkt. Die Wurst sollte von glücklichen Schweinen stammen. Manche Kinder mochten die Wurst nicht. Sie mussten dann mit Butter und Marmelade auf der Semmel vorliebnehmen. Ein Kind aß die Semmel lieber blank. Hab ich auch nichts dagegen. Meine Kinder lieben auch Brot und Nudeln mit nichts. Sie brauchen nicht mal Ketchup oder Butter dazu. Recht genügsam. Ich versuche dann zumindest hinterher noch Obst für die Vitaminversorgung anzubieten. Mache mir grundsätzlich Sorgen wegen einseitiger Ernährung. Aber ich weiß: Ein andermal essen die Kinder dann wieder wie die Scheunendrescher und scheinen sich alle Nährstoffe zu holen, die sie brauchen. Schließlich, um 14.30 Uhr, werden die Kinder abgeholt. Ich bin glücklich, dass alle ihren Spaß hatten. Auch erleichtert, dass dieser Geburtstag diesmal ohne Geheule und großes Geschrei verlief und wir ins Freie konnten. Das entzerrte die Feier und machte es entspannt. Puhhhh. Geschafft. Wieder ein Event, vor dem es mir eigentlich ein bisschen grauste, erledigt. Muss ich leider zugeben. Aber wenn ich dann mal im Feiern bin, macht es richtig Spaß. Die Kinder sind ja in diesem Alter noch total putzig und beim Spielen voll kreativ. Die Buben spielten Fußball, die Mädchen spielten auf dem Klettergerüst fangen. Der Bewegungsdrang ist noch voll da. Und die Beweglichkeit auch. Nachdem die Gäste die Wohnung verlassen hatten, räumten Michaela und ich auf.

Heute ist unser Tag voll verplant. Ein Event schließt sich dem anderen an. Um 16.00 Uhr haben Nina und Tobi ein Hallenfußballturnier. Ich begleite sie dabei. In der Halle sind zehn Mannschaften, die begrüßt werden. Die Teams treten gegeneinander an. Viele Eltern sind oben auf der Tribüne und feuern ihre Kleinen an. Ich unterhalte mich mit den Eltern über das Abnehmen und Hosen, bei denen oft der Knopf offen bleibt, wenn wir wieder zugenommen haben. Für jeden ein Ansporn, wieder abzunehmen. Ich treffe eine frühere Volleyballspielerin meiner damaligen Jugendmannschaft. Ihre Kinder studieren und machen bereits eine Ausbildung. Sie arbeitet wenige Stunden in der Woche, um Kinder mit einer geistigen Behinderung zu betreuen. Ihre Kinder erhalten teilweise BAföG. Und diese Ausbildungshilfe war ein Gesprächsschwerpunkt für sie und ihr sehr wichtig. Wir tauschten uns noch über Volleyball und unseren Alltag aus.

Mein Expartner schaut auch zu. Wir begrüßen uns kurz. Unsere Kinder belegen mit ihrer Mannschaft den 8. Platz. Sie rannten wie wild und arbeiteten sich schier auf. Heute hatten nämlich nicht mehr Spielerinnen Zeit. Sie waren anderweitig verpflichtet oder waren im Urlaub. Sie spielten deshalb ohne Ersatzmann. Und dementsprechend waren sie auch ausgepowert. Die Trainerinnen waren recht zufrieden mit den Kids. Es sind zwei junge Frauen, die sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich dafür engagieren. Als Tobi die zwei Mädels, um die 25 Jahre, das erste Mal sah, war er richtig enttäuscht: „Das sind ja zwei Frauen. Bei denen spiele ich nicht.“ Das waren seine ersten Worte. Ich redete beruhigend auf ihn ein: „Die können das genauso gut machen wie Männer. Vielleicht können sie sogar noch besser erklären.“ Er ließ sich letztendlich überzeugen und ging wieder zum Training. Das hätte mich auch richtig geärgert, wenn ich einen kleinen Macho herangezogen hätte, der dann die Mannschaft wechseln würde. Da würde ich wirklich sauer werden. Letztes Wochenende unternahmen die Trainerinnen sogar einen Samstagsausflug in einen Indoor-Spielplatz in Nürnberg. Das hat meinen Kindern sehr gut gefallen. Und die Eltern durften daheimbleiben. Das war das Allerbeste: Gute Betreuung und die Kopfschmerzen in der Halle von dem Lärm hatten die Betreuerinnen. Ist jetzt gemein, das zu sagen. Aber ich hatte ja auch schon so oft die Kopfschmerzen und die anderen Mütter hatten frei, als ich dort Kindergeburtstage feierte. Es scheint manchmal eine ausgleichende Gerechtigkeit zu geben. Heute war ich entlastet. Als Mutter kann ich heute richtig durchatmen. Auch schön. Abends geht Michaela zu einer Freundin zum Übernachten und ich tippe noch ein wenig.

Montag, 28. 12. 2015 – Zahnarztbesuch

Heute früh waren wir zur Gebisskontrolle beim Zahnarzt. Wir kamen Punkt halb elf Uhr an. Weil die Arzthelferin vergessen hatte alle drei Kinder einzutragen, kamen wir nicht gleich dran und mussten ins Wartezimmer. Es saßen schon eine alte Dame und ein älterer Herr drin. Ich schnappte mir eines der Boulevardblättchen und schaute mir flüchtig die Bildchen an. Eigentlich interessiert mich ja das Leben von prominenten Personen gar nicht. Oft kenne ich sie gar nicht, weil ich kein Fernsehen schaue und viel christliche Popmusik höre. Ich weiß gar nicht, wer gerade en vogue ist. Oder wen die Klatschpresse dafür hält. Die Zwillinge malten am Maltisch und Michaela spielte mit ihrem Handy. Ausnahmsweise störte mich das mal nicht; ich wollte eh nicht das Wartezimmer unterhalten. Ich schicke ihr oft Witzvideos. Sie schaut sie meistens an und schickt sie weiter. Wenn sie unter Zeitdruck stand, brachte sie es schon fertig, die tollen Videos ungelesen!!!!!! zu löschen. Sie hält es dann für Zeitvergeudung. Das ärgert mich wiederum. Ich halte die Witze für zeitgenössische Bildung und Kultur und möchte, dass sie sie anschaut. Ich habe selber sehr viel Spaß daran, sie anzuschauen. Vor allem die Sprüche gefallen mir ganz oft. Vor Kurzem sandte Mutter von Alleinerziehenden-Gruppe folgenden Spruch auf mein Handy: „Wenn meine Kinder ausgezogen sind, gehe ich sie besuchen – mein Kind ist mein Leben –, schmeiße meine Jacke in die Ecke, hüpfe auf ihrem Sofa und esse den Kühlschrank leer, bringe das Haus durcheinander. Dann sage ich, mir ist langweilig und gehe nach Hause.“ Ich finde den Text so witzig und es trifft den Nagel auf den Kopf: Meine Kinder verhielten sich wirklich so. Ich machte ihnen deswegen aber nie Vorwürfe und drohte ihnen mit Revanche. Da bin ich nie darauf gekommen. Aber jetzt sind sie älter, da könnte ich ihnen durchaus mit Vergeltung drohen. Und meine Bude war oft genug auf den Kopf gestellt. Und Freunde der Kinder machten da manchmal noch mit. Jetzt sind sie älter und vernünftiger und setzen sich artig in das Wartezimmer. Plötzlich sagt Tobi lachend: „Scheiße wird’s, wenn ein Furz sich rührt.“ Nina lachte und hielt sich den Mund zu. Michaela fing zu kichern an. Ich verstand den Satz nicht wegen des Genuschels und Gegackers von Tobi und fragte: „Wie heißt der Satz? Was hast du gesagt? Wiederhole doch das bitte!“ Die ältere Dame schaute von ihrer Zeitschrift auf und zog die Augenbraue hoch; der ältere Herr schmunzelte. Tobi wiederholte: „Scheiße wird’s, wenn ein Furz sich rührt.“ Ich verstand wegen des allgemeinen Gelächters natürlich nichts. Ich fragte noch mal: „Sage das bitte noch mal.“ Ich hatte ja immer noch keine Ahnung von dem Inhalt des Satzes. Tobi kicherte: „Scheiße wird’s, wenn ein Furz sich rührt!“ Jetzt verstand ich. Ich musste kurz lachen, erwiderte dann aber entrüstet: „Tobi, woher hast du diesen Witz? Ins Wartezimmer passt der nicht. Behalt den lieber für dich. Das ist was für das Klo. Passt jetzt gerade nicht.“ Tobi antwortete gewitzt: „Hab ich mir gerade ausgedacht. Total lustig, stimmt’s?“ Ich antwortete: „Jetzt ist gut, Tobi. Du kannst jetzt weitermalen. Das will niemand hören.“ Ich kann nur mit dem Kopf schütteln. Er malte weiter. Nach 20 Minuten geduldigen Wartens wurden wir von der netten Arzthelferin ins Ordinationszimmer gebeten. Mir fiel heute das erste Mal auf, dass der Arzt ziemlich klein war; vielleicht 1,65 cm. Und seine angestellten Helferinnen hatten auch alle diese Größe oder waren kleiner. Wahrscheinlich fühlte er sich wohler, wenn er von gleich großen und zierlichen Frauen umgeben war. Wir begrüßten den Arzt per Handschlag. Und er fragte: „Wer will zuerst auf den Stuhl?“ Tobi: „Die Nina.“ Nina: „Der Tobi.“ Michaela: „Einer von den Kleinen.“ Ich: „Eine von euch.“ Wir diskutierten noch eine Weile so zu. Dann hatte der Arzt Erbarmen und meinte: „Soll ich jemanden aussuchen? Dann gehen wir nach der Größe vor. Wer ist denn der Kleinste?“ Tobi unterbot Nina um ein paar Zentimeter. Sie sind zwar Zwillinge, aber nicht gleich groß. Sie entstanden aus zwei Eiern und sind wie Bruder und Schwester. Tobi protestierte: „Nein, das machen wir nicht. Nein, nein, nein.“ Michaela hatte ein Einsehen und bot sich als Erste an: „Ich bin die Erste; dann können wir anfangen.“ Sie setzte sich auf den Stuhl. Dann ging das Gerangel um die zwei Plätze im Behandlungszimmer los. Ich ergatterte einen Platz; die Zwillinge schubsten sich, noch gewitzt, hin und her, weil jeder einen Sitz haben wollte. Schließlich ordnete ich an: „Ihr könnt euch den Platz teilen.“ Das taten sie dann auch und quetschten sich darauf. Der Arzt unterhielt sich derweil mit der Sprechstundenhilfe über Michaelas Zähne. Sie notierte alles. Michaela trägt eine Zahnspange. Ein Zahn lag quer über den Schneidezähnen. Und sie hatte darum eine Zahnlücke. Eine Spange war darum unvermeidbar, um den Zahn herunterzuholen. Aus diesem Grund führte der Zahnarzt eine kleine Operation durch, um ein Bracket an den Zahn zu kleben. Dann war es möglich einen Gummi einzuhängen. Ein Bracket wurde auch an einen anderen Zahn geklebt. Mit dem Gummi, den sie sich nun immer wieder einhängen musste, wurde der Zahn nach unten gezogen. Und jetzt, nach 1,5 Jahren, war er da. Alles andere wäre ein Behandlungsfehler gewesen. Der Zahnarzt stellte bei ihr die Spange nach, sodass eine Spannung entstand, die die Zähne zusammenschob. Löcher hatte sie glücklicherweise keine, sie hatte gut geputzt. Die Kinder rutschten währenddessen auf ihrem Stuhl hin und her. Nach dem O. K. des Arztes verschwand Michaela wieder in das Wartezimmer mit dem Kommentar: „Ich gehe mal in das Wartezimmer.“ Nun erklärte sich Tobi bereit, sich auf den Stuhl zu setzen. Er bekam einen Serviettenumhang. Der Arzt trug auch Mundschutz und Plastikhandschuhe. Tobi sollte den Mund öffnen und der Arzt schaute hinein. Dann fragte Tobi: „Wie viele Löcher habe ich?“ Der Arzt erwiderte: „Ich hab noch gar nicht geschaut. Lass mich erst mal schauen.“ Tobi machte wieder artig den Mund auf. Der Arzt zählte die alten und neuen Zähne weiter. Er fragte dann wieder: „Hab ich Löcher?“ Der Doktor: „Jetzt lass mich doch mal schauen.“ Dieses Spielchen wiederholte sich noch mal. Schließlich sagte der Arzt: „Du hast ein Loch.“ Ich fragte: „Doch hoffentlich im Milchzahn? Dann hat er die Chance, einen gesunden, neuen Zahn zu bekommen und kann immer ordentlich putzen, damit das nicht noch mal passiert.“ Der Arzt blies in den Mund, um das Loch auszutrocknen. Säuberte es, das tat anscheinend weh, denn Tobi jammerte: „Ah.“ Und das ziemlich ausdauernd. Dann wollte er wissen: „Hab ich das Schlimmste bereits überstanden oder kommt noch mal so was Schlimmes?“ Der Arzt verstand ihn nicht: „Was ist los, was hast du gesagt?“ Tobi wiederholte. Der Arzt: „Ich verstehe dich nicht.“ Ich verstand ihn und meinte: „Ich verstand ihn und er meinte, ob er noch mal leiden muss oder nicht.“ Der Arzt erwiderte: „Du hast das Schlimmste schon überstanden. Es kommt jetzt nur noch die Füllung.“ Tobi: „Zum Glück.“ Der Arzt stellte fest, dass das Lippenbändchen an der oberen Lippe durchtrennt werden musste. Die Schneidezähne stehen nämlich weit auseinander. Und wenn die hinteren Zähne mehr Platz brauchen, haben sie dann die Möglichkeit, die vorderen Zähne zusammenzuschieben. Das würde nebenbei auch zu einer optischen Verschönerung führen. Aber der Hauptgrund ist Platzschaffen für die hinteren Zähne. In den Faschingsferien sollte das gemacht werden. In der Zwischenzeit forderte mich Nina auf: „Mama, sag mal Stopp.“ Und sie fing das Zählen an: „1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8 …“ Tobi meinte: „Du musst schon schnell Stopp sagen.“ Der Arzt rügte: „Du musst ruhig bleiben, sonst kann ich dich nicht behandeln.“ Ich ermahnte: „Tobi, du musst jetzt leise sein.“ Zu Nina sagte ich: „Stopp.“ Und Nina fing das leichte Hauen an und erzählte dabei: „Ich darf dich jetzt 8-mal hauen.“ Ich: „Du darfst mich überhaupt nicht schlagen. Was ist das denn für ein komisches Spielchen? Wer hat sich das ausgedacht? Und wer hat gesagt, dass ich das spielen will? Ich will dieses komische Spielchen nicht.“ Ich griff nach ihren Händen, um sie zu stoppen. Nina: „Linea hat sich das in der Schule ausgedacht. Sie hat das schon oft in der Pause gemacht.“ Ich reagierte belehrend, jedoch mild: „Ich mag dieses doofe Spielchen nicht. Bitte mache das nicht mit mir. Wer will schon gehaut werden? Ich nicht! Hör auf damit! Das ist so ein doofes Spielchen wie mit dem gelben Auto. Bei diesem Spiel darf man den anderen eine reinhauen, nur weil man ein gelbes Auto sieht. Wie blöd ist denn das? Ich hasste dieses Spiel schon bei Michaela. Und alle Kinder kennen dieses bescheuerte Spiel und haben ihren Spaß dabei. Wenn das Hauen ein Streicheln und eine angenehme Berührung ist, hab ich ja nichts dagegen. Aber wenn es ruckartig, plötzlich und so ad hoc kommt, habe ich ja eine Menge dagegen. Und deine Boxer kommen so unverhofft. Auf so ein Spielchen war ich jetzt gar nicht eingestellt.“ Der Arzt rollte mit den Augen und schaute zu uns her. Um Nina abzulenken und auf ein neues Thema zu kommen, fragte ich sie: „Wie viele Zähne hast du denn?“ Sie fragte zurück: „Das weiß ich nicht. Das musst doch du wissen.“ Ich erwiderte: „Als Erwachsene habe ich 32 Zähne; mit den vier Weisheitszähnen. Aber wie viele du hast, müssen wir erst noch herausfinden. Mach mal den Mund auf, wir zählen.“ Sie war begeistert und sperrte den Mund mit „Ahh“ auf. Ich zählte. Und stellte fest: „Es sind genau 24 Zähne, die du pflegen musst und mit denen du kauen darfst.“ Der Arzt bestätigte diese Zahlen noch. „Im Wachstum des Menschen sind es weniger und werden dann zu 32 Zähnen im Gebiss.“ Schließlich war Tobi zahnmäßig wieder auf den neusten Stand gebracht. Und ich durfte auf den Stuhl, vor dem mir schon so graute. Ich sagte zu den Kindern: „Ihr dürft zu Michaela gehen. Ich komme dann nach.“ Und schließlich checkte der Arzt, ob bei mir alles in Ordnung war. In der Zwischenzeit kam Tobi: „Wir wollen derweil rausgehen.“ Ich sagte: „Das geht nicht. Bitte wartet. Das letzte Mal habt ihr so rumgespielt und rumgealbert, dass du hingefallen bist und das Knie blutig geschlagen war. Die Hose war auch kaputt. Auf das habe ich heute keine Lust.“ Tobi maulte: „Oh Mann.“ Ich antwortete: „Ihr könnt noch ruhig warten, bis ich fertig bin.“ Von den Zähnen her war alles okay. Nur leichten Zahnstein, den die Sprechstundenhilfe entfernte. Und wenn ich besser putze, muss das das nächste Mal auch nicht mehr gemacht werden. Dann bildet sich nämlich keiner. Morgens und abends putzen. Am besten noch mit Zahnseide. Ach ja. Auf dem Gang begegnen wir noch dem Doc. Mit Handschlag verabschieden wir uns. Wir verlassen das Ärztehaus und nehmen die nächste U-Bahn nach Hause.

Zu Hause erwarten uns schon unsere Katze und unser Hund. Sie liegen auf dem Teppich im Gang. Die Katze liegt ganz eng an unseren Golden Retriever gekuschelt. Die Katze heißt Molli. Der Hund Asta. Beide weiblich. Molli erschrickt, als wir reinkommen, und hebt den Kopf. Sie erschrickt immer, als fühlte sie sich bei irgendetwas Schlimmem ertappt, oder fühlt sie sich bloß gestört? Molli springt hoch und verschwindet in ihr Körbchen. Was die Ursache für ihr Verhalten ist, werde ich wohl nie herausbekommen, denn antworten wird sie mir ja nicht. Ich rede mit den beiden: „Hallo, ihr zwei. Jetzt sind wir wieder da.“ Tobi stürmt auf Asta zu und kuschelt mit ihr. Nina schnappt sich Molli und streichelt sie. Ich erkläre: „Vorhin suchte wahrscheinlich Molli die Zitzen von Asta. Sie will da immer Milch trinken. Die Zitzen findet sie. Milch kommt nicht. Milch kann ja bei einem Säugetier nur kommen, wenn es geboren hat. Und Asta wurde ja sterilisiert, sodass sie unfruchtbar ist. Sie wird also weder Welpen bekommen können noch wird sich jemals Milch in den Zitzen bilden. Aber weil sie das Rumnuckeln an ihr anscheinend genießt, lässt sie es zu, dass Molli an ihr saugt. Es ist eine Art Liebesakt. Oder eine Art Massage.“ Michaela meint: „So genau wollen wir das gar nicht wissen. Ich gebe Molli Futter.“ Nach dem Futtergeben schreit sie plötzlich: „Iiiiiiihhhhhhhhhh, da liegt ja eine tote Maus. Wo kommt die denn her? Hat sich mal wieder eine Maus von außen in unsere Wohnung verirrt und sie hat sie gefangen und getötet? Scheint so.“ Sie wird dann sanfter: „Gut hast du das gemacht, Molli. Und du hast sie gar nicht aufgefressen. Sondern liegen gelassen, damit wir auch sehen, was du geleistet hast. Braves Tier. Braves Tier.“ Nina meint: „Jetzt gibt es ja eine Menge Mäuse. Opa sagt, dass es auf den Feldern eine richtige Mausplage gibt, weil das Wetter so warm ist und die Tiere sich so arg vermehren. In manchen Gegenden in Franken dürfen die Bauern sogar Giftweizen mit dem Kunstdüngerstreuer streuen, weil sich die Tiere so arg vermehren. Die Mäuse sterben dann.“ Ich beteilige mich an dem Gespräch: „Das ist wirklich eine Mäuseplage heuer. Und in der Stadt sind sie auch so zahlreich. Unsere Molli ist echt ein nützliches Tier. Die Maus hatte es wahrscheinlich schrecklich vor ihrem Tod. Denn Katzen sind furchtbar grausam mit ihren Opfern, ihrer Beute. Sie spielen mit ihnen ein paar Stunden lang und quälen sie. Sie machen sich daraus einen richtigen Spaß. Der Spaß bezieht sich nur auf die Katze. Die Mäuse müssen furchtbar leiden und haben Todesangst. Und werden sie mal von einer Katze erwischt, dann bedeutet das den sicheren Tod. Und unsere Katze jagt und spielt aus Instinkt. Weil fressen muss sie ja nicht; sie bekommt ja leckeres Dosenfutter. Für sie ein voller Luxus. Sie muss gar nichts dafür tun. Wird einfach verwöhnt und versorgt.“ Michaela wirft ein: „Wenn wir sie ab und zu rauslassen würden, würde es ihr wahrscheinlich besser gefallen. Es ist wegen des Verkehrs jedoch zu gefährlich. Die meisten Nürnberger haben eine Hauskatze, die nicht raus darf.“ Ich sage: „Da leben die Katzen bei Opa freier. Die haben kein Katzenklo; brauchen sie auch nicht und dürfen nachts auf Mäuse lauern und frei herumlaufen.“ Tobi meint: „Dafür müssen sie ihre Mäuse immer selber fangen. Die werden nicht verhätschelt und vertätschelt.“ Ich rede: „Ja, jedes Tierleben hat so seine Eigenheiten: die auf dem Land und die in der Stadt.“ Michaela nuschelt: „Zumindest ist unsere Katze jetzt wurmfrei.“ Ich gebe dazu folgenden Kommentar: „Ich bin auch froh. Ich bin so erschrocken, als die als Welpe im Sommer plötzlich weiße Hakenwürmer erbrochen hat. Ich bin doch dann gleich zum Tierarzt gefahren und habe mir ein Breitbandparasitikum geholt. Es hatte doch die Werbung darauf: ‚Unwiderstehlich wirksam‘. Könnt ihr euch daran noch erinnern?“ Tobi hebt den Kopf und murmelt: „Natürlich. Das war eeeekkkkliggg.“ Nina: „Hoffentlich bekommt unser Schatz mal keine Würmer mehr. Die Arme. Die hatte deshalb so wenig zugenommen und jetzt ist sie schon ganz groß und dick.“ Ich stimme zu: „Ja, sie wird jetzt eine prächtige, große, anschmiegsame, verschmuste Hauskatze. Richtig toll, ihr beim Wachsen zuzuschauen. Außerdem ist sie so lieb und brav und ein Schmusetier.“ Michaela stimmt zu: „Ja, es ist richtig gut, dass wir sie haben. Allerdings nervt sie mich schon, wenn ich ein Wurstbrot in der Küche liegen lasse und sie es dann frisst. Da schimpfe ich schon immer. Sie springt auch gleich vom Tisch. Aber lernen, dass das verboten ist, tut sie nicht.“ Ich sage: „Na ja, ein wenig gelehrig im ersten Jahr sind Katzen schon. Ich sah mal im Zirkus, dass Katzen zu Kunststücken dressiert wurden. Eine kleine Chance haben wir noch, dass sie noch einiges lernt. Opa sagt, im ersten Jahr kann eine Katze viel lernen.“ Tobi wirft ein: „Also, kein Wurstbrot zu essen hat sie noch nicht gelernt.“ Mir fällt ein, dass ich die Katzentoilette wieder säubern muss. Ich mache es und bringe den Abfall schnell in den Restmüll. Die Toilette steht unter dem Tisch. Und auf dem Tisch steht eine umgedrehte Plastikkiste. Darin hat Opa einmal eine kleine, viereckige Öffnung mit der Säge ausgeschnitten, damit die Katze hineinkann. Denn Asta schnappte sich immer das Nassfutter, fraß es und schleckte die Dose komplett aus. Das nervte mich. So hat sich Opa diese Lösung ausgedacht. Ich sage: „Also noch bekommt die Katze das Futter aus dem Bioladen. Denn wenn ich wenig Bio-Fleisch esse, sehe ich nicht ein, dass meine Tiere konventionelles Futter von einem Tier bekommen. Doch bald bekommt sie nur noch Trockenfutter wie der Hund. Auch der Müll in den kleinen Alubehältern ist eine Katastrophe: unfassbar viel. Da bekomm ich ja fast ein schlechtes Gewissen, weil der Müll für die Katze ist. Opa schüttelt da sowieso nur den Kopf und sagt: ‚Wegen dem Katzerteifel; so viel Müll nur wegen dem Katzerteifel. Meine fressen halt die Meis; aber eire konn ja net naus.‘ Michaela: „Der Opa sieht eh alles anders als wir. Ist gut, dass er nicht immer da ist und sich aufregt.“ Mir fällt ein, dass ich mehrere Gipskatzen in einem Bastelladen zum Bemalen mitgenommen habe. Für die Ferien. Damit es die Kinder nicht so langweilt. Ich sage: „Nach dem Essen könnt ihr die Katzen bemalen.“ Ich verschwinde nun in der Küche und decke den Tisch und stelle die Lasagne, die Michaela am Vorabend zubereitete, in die Röhre zum Warmmachen. Ich mache einen rohen Krautsalat mit Joghurt-, Essig- und wenig Öl-Dressing dazu. Ich bin seit Jahren auf Diät. Und die Frauenärztin riet mir auf Fett zu verzichten oder stark zu reduzieren. Allerdings sind zwei Teelöffel Pflanzenöl jeden Tag Pflicht, damit meine Psyche gesund bleibt. Es sollen hochwertige Hanf- oder Leinöle sein, die zusätzlich noch Omega-3-Fettsäuren enthalten. Und daran halte ich mich. Gemüse und Obst kann ich so viel essen, wie ich will. Bananen soll ich nur eine am Tag essen. Und wenn ich mehr esse, soll ich dafür weniger andere Kohlenhydrate zu mir nehmen. Wichtig ist auch tierisches Eiweiß in kleinen Mengen, wegen der essentiellen Aminosäuren. Sie gab mir noch eine Menge anderer Tipps, die ich hier gar nicht alle aufschreiben kann. Wichtig war ihr noch, dass ich wenig Alkohol und Süßes zu mir nehme; weißes Mehl durch Vollkornmehl ersetze. Auf jeden Fall soll ich jeden Tag satt sein und mich auch körperlich bewegen. Das Joggen habe ich schon angefangen. Mindestens zweimal die Woche 10 km. Das macht mir total Spaß. Dazu noch tanzen. Also: Bewegungsmangel habe ich gerade nicht. Wir essen. Und nach dem Essen fangen die Kleinen die Katzenfiguren zu bemalen an. Michaela geht mit Asta Gassi in den Park. Sie nimmt einen Plastikbeutel für die Hundescheiße mit, denn die muss da hinein und dann in den Abfalleimer. Als sie heimkommt, sind die Kleinen mit dem Bemalen fertig: Es sind sechs schwarze Katzen. Michaela gibt ihren Senf dazu: „Das ist ja total deprimierend. Die schauen ja alle aus wie auf einer Beerdigung.“ Nina: „Molli ist auch schwarz. Kohlrabenschwarz. Du sagst doch auch nicht, dass die Trauerkleidung trägt. Die ist von Natur so und ist ganz hübsch.“ Michaela: „Es gibt doch verschiedenfarbige Katzen. Weiße.“ Tobi: „Dann hätte ich die Gipskatzen gar nicht anmalen brauchen. Die war nämlich weiß.“ Michaela: „Das stimmt schon. Es gibt doch auch graue, braune, gefleckte oder gescheckte.“ Tobi: „Wir wollten, dass die so ausschauen wie Molli. Genauso. Jawohl.“ Michaela: „Wenn ihr das so haben wollt, dann soll es mir recht sein. Ich meinte ja nur. Wollen wir die auf die Fensterbank stellen? Dann können wir sie immer anschauen.“ Nina stimmt zu: „Das ist eine gute Idee.“ Ich verräume nun die Farben für das nächste Mal. Inzwischen ist es 16 Uhr und Michaela bekommt Besuch von zwei Nachbarsjungen, die auch im gleichen Haus wohnen. Alle drei gehen noch in die FOS. Michaela ist in der 11. Klasse naturwissenschaftlicher Zweig. Es ist ein Glücksfall, zwei gleichaltrige Jungs im Haus zu haben. So konnten sie miteinander aufwachsen. Tobi und Nina werden nun von ihrem Papa abgeholt. Sie wollen bei dem schönen Wetter einen Spaziergang in den Park und länger am Klettergerüst Station machen. Danach will er mit ihnen Pizza daheim backen und essen.

Ich setze mich an meinen Laptop. Denn ein Liebesroman soll fertig werden. Das heißt, der Liebesroman ist noch gar nicht angefangen. Mir fällt dazu gerade nichts ein. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass ich in Sachen Liebe gerade nichts erlebe. So rein gar nichts. Ich bin immer noch auf zwei Singlebörsen angemeldet. Es ergibt sich gerade keine Korrespondenz. Auf einer Tanzpartnerbörse im Internet tut sich auch nichts. Ich überlege. Aber mir fällt wieder nichts ein. So sitze ich eine Stunde und kein Wort ist in den Computer eingegeben worden. Total öde. Geistige Umnachtung meinerseits. Ich sinniere noch mal darüber, dass sich bei meinem Tanzkurs keine Liebesbeziehung angebahnt hat. Hätte sein können. Theoretisch. War aber nicht. Jammerschade. Wirklich schade. Der Mann war so nett. Ohne Gegenseitigkeit läuft halt auch nichts. So kann das Leben sein. Es blieb bei einem netten Geschiebe auf der Tanzfläche. Tuchfühlung, aber innere Distanz. Harmonie der Bewegung nach dem Rhythmus. Und netter Kommunikation. Und sehr viel Geduld des Tänzers mir gegenüber. Ich musste ja die Schritte und Folgen erst erlernen. Mich wundert immer noch, dass er den Nerv hatte, mit mir als Anfängerin zu tanzen. Er beteuerte immer wieder, dass ihm das Tanzen mit mir Spaß macht. Ist doch schon mal was. Für schöne Tanzabende hat es gereicht.