Beschreibung

Vorsicht! Die neue Mystery-Serie "Porterville" ist keine normale Serie, wie du sie kennst. Denn sie funktioniert wie eine Art Puzzle: So ist jede neue Folge von "Porterville" wie ein neues Puzzle-Teil. Das bedeutet, die Geschichten beginnen nicht unbedingt da, wo du bei der letzten Folge aufgehört hast. Doch mit jeder neuen Folge erhältst du tiefere Einblicke in die Stadt und ihre Bewohner, bis sich das rätselhafte Gesamtbild immer mehr zusammen setzt und am Ende die Frage geklärt wird: "Was ist das dunkle Geheimnis der Stadt Porterville?" Folge 5: Der Schrei bricht abrupt ab. Er verklingt nicht. Er wird abgeschnitten. Eine Lehrerin verschwindet. Man sagt, es sei ein Unfall. Die Schüler sind gewarnt. Haltet euch nur im Hellen auf! Doch das tödliche "Draußen" hat Porterville längst erreicht. Und Tori, die beste Freundin von Emily, bekommt eine neue Aufgabe. Sie muss in einem scheinbar leeren Raum darauf warten, dass etwas Unglaubliches geschieht …

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EPUB

Seitenzahl: 66


PORTERVILLE

- Folge 5 -

„Die Akte Tori“

Raimon Weber

- Originalausgabe -

1. Auflage 2013

ISBN 978-3-942261-46-3

Lektorat: Hendrik Buchna

Cover-Gestaltung: Ivar Leon Menger

Fotografie: iStockphoto

Psychothriller GmbH

www.psychothriller.de

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Ein Buch zu schreiben, dauert Monate. Es zu kopieren, nur Sekunden. Bleiben Sie deshalb fair und verteilen Sie Ihre persönliche Ausgabe bitte nicht im Internet. Vielen Dank und natürlich viel Spaß beim Lesen! Ivar Leon Menger

Prolog

„Ich habe die Handgriffe drei Dutzend Mal geübt, bis ich sie im Schlaf beherrschte. Ich darf keinen Fehler machen. Es darf einfach nicht schiefgehen. Die Musik des kleinen Orchesters dringt selbst durch die Toilettentür zu mir. Sato wird jeden Moment auf die Bühne treten. Er wird von besseren Zeiten reden, einer rosigen Zukunft ohne Mangel, und dann wird er einen kleinen Scherz machen und die Menge, die gekommen ist, um der Eröffnung des Bedarfs-Centers beizuwohnen, wird lachen und ihren Bürgermeister beklatschen. Und dann wird er explodieren.“

Jefferson Prey

Porterville

- 1 -

Tag 185, Jahr 0048

„Schwere Zeiten“, murmelt Mr. Landino. „Wahrhaft schwere Zeiten, Tori.“

Ich weiß nicht genau, was er damit meint. Daher schweige ich lieber.

Er trägt zivile Kleidung. Keine Uniform. Obwohl er zur IFIS, der Instanz für Innere Sicherheit gehört. Er ist alt und aus seinen Ohren wachsen weiße Haarbüschel. Wenn Mr. Landino spricht, muss man genau zuhören, um ihn zu verstehen. Seine Stimme ist immer sehr leise. Anfangs dachte ich, er sei krank. Aber mittlerweile vermute ich, dass es ein Trick ist, um mir absolute Aufmerksamkeit abzuverlangen.

Mr. Landino überfliegt noch einmal meine handgeschriebenen Notizen. „Emily Prey hat in der Nacht vor ihrem Verschwinden eine junge Mitschülerin gerettet. Einen Frischling. So nennt ihr sie doch. Nicht wahr, Tori?“

„Genau“, bestätige ich. „Emily kam sehr spät zurück. Ich habe so getan, als ob ich schlafe und bin ihr dann heimlich gefolgt. Emily ging in den Trainingsraum. Dort verpassten Debra und ihre Freundinnen der Neuen eine Lektion.“

„Eine Lektion“, wiederholt Mr. Landino nachdenklich. Dabei fährt er sich durch das schüttere Haar. „Sie haben das Mädchen gefesselt und aus nächster Nähe mit Basketbällen beworfen. Es trug einen Schädelbruch davon.“

Ich weiß nicht, was ich sagen soll und warte ab. Mein Blick wandert zu dem Porträt von unserem Bürgermeister an der Wand. Der ehrenwerte Takumi Sato hat ein mildes Lächeln auf den Lippen. In der rechten Hand hält er eine Blume mit weißer Blüte.

„Beteiligst du dich manchmal an derartigen Lektionen?“ Mr. Landino sieht mich durchdringend an.

„Äh“, mache ich.

„Tori? Ich wünsche eine ehrliche Antwort.“

„Nur an kleinen Streichen“, erwidere ich zögernd.

Mr. Landino scheint zufrieden. „Gut.“

„Aber Debra wurde nicht bestraft.“ Sofort wird mir bewusst, dass ich mit der Bemerkung vielleicht zu weit gegangen bin. Es steht mir nicht zu, das Vorgehen der Schulleitung in Frage zu stellen.

„Was nicht ist, kann noch werden.“ Jetzt flüstert er beinahe.

Sein Schreibtisch ist bis auf mein Notizheft und das Modell eines merkwürdigen Autos völlig leer. Bei meinem letzten Besuch war das Auto noch nicht da. Es hat kein Dach und am Steuer sitzt ein grünes und haariges Monster. Irgendwie passt dieses Spielzeug überhaupt nicht zu dem stets korrekten Mr. Landino.

Er bemerkt, wie ich das Modell betrachte. „Du weißt, was das ist?“, fragt er.

„Ja“, antworte ich. „Die Nutzung von privaten Fahrzeugen wurde wie viele weitere überflüssige Dinge am Tag 35 im Jahre 0035 endgültig untersagt. Zwecks Schonung der Energieressourcen. Es macht ja auch keinen Sinn, ein solches Fahrzeug zu benutzen, wenn man damit nur in der Stadt herumfahren kann. Der Tag 35 wird seitdem alljährlich als Tag der Vernunft gefeiert. Ich freue mich immer sehr darauf. Wir dürfen dann fasten.“

Mr. Landino seufzt. „Das hast du brav aufgesagt, Tori.“ Er tippt mit dem Zeigefinger gegen das Heck des Modells. Es rollt ein paar Zentimeter in meine Richtung. „Aber hier geht es um den Fahrer. Den Green Goblin. Er ist das Maskottchen der Porterville Patriots.“, murmelt Mr. Landino. „Ich bin ein großer Fan dieser Football-Mannschaft.“

Ich gebe ein bemühtes „Aha!“ von mir. Ich weiß nicht, was an dem Auto interessant sein soll und Football finde ich ekelig. Sofort muss ich an dieses Poster denken, das früher in unserem Klassenraum hing. Es zeigte auf der linken Seite einige Mädchen, die auf sehr ästhetische Weise Gymnastik betrieben. Auf der rechten Seite prügelten sich ein paar verschwitzte Jungen in engen Hosen um einen Football.

Mr. Landino schlägt mit der flachen Hand auf die Tischplatte und wechselt abrupt das Thema. „Es gibt Leute, die sind mit dir nicht ganz zufrieden.“

Ich öffne überrascht den Mund, aber Mr. Landino bedeutet mir mit einer strengen Geste zu schweigen.

„Sie behaupten, du hättest wissen müssen, dass Emily Prey mit ihrem Freund verschwinden will. Dann hätte es rechtzeitig verhindert werden können.“

„Emily hat mir doch nichts erzählt“, erwidere ich und mir wird vor Aufregung ganz heiß. „Nur, dass sie sich in einen Jungen namens Jonathan verliebt hätte. Ich fand das furchtbar ekelig. Aber sie wollte nicht auf mich hören. Und ...“ Ich suche nach Worten. „Und pflichtgemäß habe ich sofort einen Bericht über dieses unsittliche Verhalten an Sie weitergegeben, Mr. Landino.“

Er nickt. „Das hast du, Tori. Allerdings wäre es hilfreich gewesen, wenn du mehr über das, was Emily und ihr Freund planten, herausgefunden hättest.“

Ich bin mir sicher, dass ich vor Scham rot anlaufe. „Bitte, Mr. Landino! Wenn ich das Thema auch nur andeutete, erzählte mir Emily sofort davon, wie sie sich mit dem Jungen geküsst hat. Und von noch viel widerlicheren Dingen. Das habe ich nicht ertragen!“ Tränen schießen mir in die Augen. Bei dem bloßen Gedanken an solches Tun wird mir speiübel.

„Beruhige dich, Tori.“ Jeglicher Vorwurf ist aus Mr. Landinos Stimme verschwunden. „Deine überaus züchtige Grundeinstellung ehrt dich. Ich werde das in meiner Bewertung hervorheben.“

„Danke“, sage ich und schmecke eine salzige Träne auf meinen Lippen. Hastig wische ich mir mit dem Ärmel über das Gesicht. „Gibt es noch immer keine Spur von Emily?“ Meine Freundin ist seit zwei Tagen verschwunden.

Mr. Landino reckt das Kinn, kneift die Augen zusammen und lächelt schmallippig. „Ich werde dir drei Geheimnisse verraten. Du musst sie für dich behalten. Tust du es nicht, werde ich umgehend davon erfahren. Du weißt, was das bedeuten würde?“

Ich schlucke. „Dann dürfte ich niemals zur Instanz für Innere Sicherheit.“ Es ist mein größter Wunsch, in nicht allzu ferner Zukunft die weiße Uniform der IFIS zu tragen, um Porterville beschützen zu können.

„Mindestens“, flüstert Mr. Landino. „Das erste Geheimnis ist der Familienname von Emilys Freund Jonathan. Er lautet Sato.“

„Was?“ Reflexartig wandert mein Blick wieder zum Porträt des Bürgermeisters.

„Genau. Das hat Emily selbst dir nicht verraten.“ Ohne sich umzuwenden deutet Mr. Landino mit dem Daumen auf das Bild hinter seinem Rücken. „Jonathan ist sein Enkel.“ Er lässt mich nicht zu Atem kommen und fährt fort: „Das zweite Geheimnis besagt, dass die beiden Ausreißer einen Weg nach Draußen suchen.“

„Unmöglich!“, entfährt es mir. „Das wäre ihr Tod. So verrückt können sie nicht sein.“ Ich denke kurz nach. Mr. Landino hat es stets befürwortet, wenn man sich seine eigenen Gedanken über das Verhalten seiner Mitmenschen macht. Eine permanente Analyse der Schutzbefohlenen sei eine der wichtigsten Aufgaben der IFIS.

„Wenn Emily, wie sie es nennt, verliebt ist, würde sie doch nicht ihr Leben wegwerfen“, argumentiere ich. „Außerdem gibt es keinen Weg nach Draußen.“

Mr. Landino zögert einen winzigen Augenblick. „Damit leitest du zum dritten Geheimnis über. Das Draußen kommt zu uns. Die Spezialisten der IFIS glauben, dass etwas in die Stadt einsickert. Etwas Gefährliches.“