Probe bestanden! - Patricia Vandenberg - E-Book

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Patricia Vandenberg

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Beschreibung

Die schönsten Dr. Norden Romane in einer Serie zusammengefasst. Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Er sucht nach Hintergründen, nach der Ursache, warum dem Patienten nicht zu helfen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Auf sie kann er sich immer verlassen, wenn es darum geht zu helfen. »Morgen!«, brummte Felix Norden, der zweitälteste Sohn der Familie Norden, als er an diesem Montagmorgen verschlafen ins Esszimmer geschlurft kam. »Schon so spät?« Überrascht sah Felicitas Norden auf die Uhr. Gemeinsam mit ihrem Mann Daniel hatte sie am Frühstückstisch gesessen und die Ruhe und Zweisamkeit genossen. Über ihrem angeregten Gespräch hatten die beiden die Zeit völlig vergessen. »Oje, ich muss gleich los. Wo stecken denn die Zwillinge und Anneka?« »Jan und Dési streiten im Bad um die neuen Zahnbürsten. Anneka hab ich noch nicht gesehen«, gab Felix bereitwillig Auskunft und ließ sich erschöpft auf einen Stuhl fallen. Er rieb sich die Augen, ehe er sich eine Tasse Kaffee einschenkte. »Dan, mein Lieber, bist du so gut und weckst Anneka auf?«, bat Fee ihren Mann und beugte sich über ihn, um ihm einen Abschiedskuss zu geben. »Mario hat für heute Morgen eine besonders interessante Besprechung mit einem führenden Kinderneurologen anberaumt. Es geht um einen Jungen, der aufgrund eines gutartigen Tumors im Kopf unter einer Persönlichkeitsstörung gelitten hat.« Ihre Fortbildung zur Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie forderte Felicitas' ganze Aufmerksamkeit. »Geh nur, mein Schatz«, beruhigte Daniel seine Frau, die hektisch im Zimmer hin und her lief und ihre Siebensachen einsammelte. Lehrbücher, Schnellhefter, Federmäppchen und Brillenetui verschwanden in der ledernen Aktentasche, die ihr Mann ihr geschenkt hatte.

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Seitenzahl: 112

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Dr. Norden Liebhaber Edition – 15 –Probe bestanden!

Patricia Vandenberg

»Morgen!«, brummte Felix Norden, der zweitälteste Sohn der Familie Norden, als er an diesem Montagmorgen verschlafen ins Esszimmer geschlurft kam.

»Schon so spät?« Überrascht sah Felicitas Norden auf die Uhr. Gemeinsam mit ihrem Mann Daniel hatte sie am Frühstückstisch gesessen und die Ruhe und Zweisamkeit genossen. Über ihrem angeregten Gespräch hatten die beiden die Zeit völlig vergessen. »Oje, ich muss gleich los. Wo stecken denn die Zwillinge und Anneka?«

»Jan und Dési streiten im Bad um die neuen Zahnbürsten. Anneka hab ich noch nicht gesehen«, gab Felix bereitwillig Auskunft und ließ sich erschöpft auf einen Stuhl fallen. Er rieb sich die Augen, ehe er sich eine Tasse Kaffee einschenkte.

»Dan, mein Lieber, bist du so gut und weckst Anneka auf?«, bat Fee ihren Mann und beugte sich über ihn, um ihm einen Abschiedskuss zu geben. »Mario hat für heute Morgen eine besonders interessante Besprechung mit einem führenden Kinderneurologen anberaumt. Es geht um einen Jungen, der aufgrund eines gutartigen Tumors im Kopf unter einer Persönlichkeitsstörung gelitten hat.« Ihre Fortbildung zur Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie forderte Felicitas’ ganze Aufmerksamkeit.

»Geh nur, mein Schatz«, beruhigte Daniel seine Frau, die hektisch im Zimmer hin und her lief und ihre Siebensachen einsammelte. Lehrbücher, Schnellhefter, Federmäppchen und Brillenetui verschwanden in der ledernen Aktentasche, die ihr Mann ihr geschenkt hatte. »Wir kommen hier schon klar.«

»Schließlich sind wir ja keine Kleinkinder mehr«, unterstützte Felix die Meinung seines Vaters. Endlich war er wach genug und griff nach einer Scheibe Brot, um sie dick mit Butter und Fees selbstgemachter Erdbeer-Vanille-Marmelade zu bestreichen. Trotz der vielen Dinge, die sie lernen und mit denen sie sich beschäftigen musste, gab es lieb gewonnene Gewohnheiten und Rituale, die sie nicht aufgeben wollte. Das Kochen ihrer delikaten Marmelade gehörte zweifelsfrei dazu.

»So viel Zeit muss sein!«, hatte sie auf Daniels erstaunte Frage, ob sie sich diese viele Arbeit wirklich antun wollte, geantwortet und ihm lächelnd einen Schöpflöffel in die Hand gedrückt.

Lautes Gezeter auf der Treppe ließ berechtigte Zweifel an Felix’ Aussage aufkommen.

»Bist du sicher?«, fragte Fee zweifelnd, als Daniel sich lächelnd erhob und sie mit sanfter Gewalt in Richtung Haustür schob.

»Ganz sicher«, versprach er mit Nachdruck und warf einen verstohlenen Blick auf die Uhr. Auch für ihn wurde es langsam Zeit für den Aufbruch, wenn er seine Patienten in der Praxis nicht warten lassen wollte. »Mach’s gut, mein Schatz. Wir sehen uns heute Abend.« Fee bekam noch einen Kuss, und er sah ihr zu, wie sie das Haus verließ.

Dann wandte er sich den zankenden Zwillingen zu.

»Das ist gemein. Du hast die gelbe Zahnbürste schon das letzte Mal bekommen. Jetzt bin ich mal dran, und du kannst das blöde Lila nehmen«, rief Dési erbost.

»Lila ist was für Mädchen«, entgegnete Janni frech. »Außerdem muss jeder die Farbe behalten, die er hatte. Sonst kennt sich ja kein Mensch mehr aus.«

Kopfschüttelnd machte Daniel dem geschwisterlichen Streit ein Ende.

»Wenn ihr euch nicht einigen könnt, nehm ich dieses Mal die gelbe. Die wollte ich schon immer mal haben.«

Schlagartig verstummten die Geschwister und tauschten ungläubige Blicke.

»Das ist unfair!«, riefen sie wie aus einem Mund, und Daniel lachte belustigt auf.

»Na, wenn ihr jetzt wieder einer Meinung seid, könnt ihr frühstücken gehen. Sonst kommt ihr noch zu spät zur Schule.« Augenzwinkernd ging er an seinen beiden Jüngsten vorbei die Treppe hinauf. Als er das entrüstete Flüstern im Rücken hörte, konnte er sich nur mit Mühe ein belustigtes Lachen verkneifen. Gleich darauf stand er vor der Zimmertür seiner ältesten Tochter Anneka und klopfte an.

»Es ist Viertel nach sieben, Schätzchen!«, rief er liebevoll und drückte die Klinke herunter. »Willst du nicht aufstehen?« Er öffnete die Tür einen Spaltbreit. Es dauerte einen Moment, bis sich seine Augen an das Halbdunkel im Zimmer gewöhnt hatten. »Das Frühstück ist längst fer…« Mitten im Satz brach er ab und starrte angestrengt auf das Bett, in dem er zweifelsfrei zwei Gestalten ausmachte. Eine davon regte sich und blinzelte ihn verwirrt an, ehe sie sich schlagartig im Bett aufsetzte.

»Mensch, Papi, kannst du nicht anklopfen?«, herrschte Anneka ihren Vater mit gedämpfter Stimme erschrocken an und war mit einem Satz aus dem Bett. Zu Daniels grenzenloser Erleichterung war seine Tochter mit einem T-Shirt in Übergröße bekleidet. Barfuß huschte sie zur Tür und strich sich das lange Haar aus dem Gesicht.

»Ich habe geklopft. Aber du hast mich nicht gehört.« Daniels Stimme war rau vor Empörung. Mit dem Kopf deutete er in Richtung Bett. »Kannst du mir mal erklären, was hier los ist? Betreiben wir neuerdings ein Hotel?«, fragte er scharf und gab sich keine Mühe, seine Stimme zu dämpfen.

Kurzerhand packte Anneka ihren Vater am Arm und zog leise die Tür hinter sich ins Schloss. Dann seufzte sie und schickte Daniel einen treuherzigen Blick.

»Nicht böse sein, Papi«, bat sie mit zuckersüßer Stimme. »Ich war doch gestern Abend auf der Schülersprecherversammlung. Wir waren danach noch zusammen essen und haben die Zeit vergessen. Ich hab den letzten Bus verpasst, und Ben hat angeboten, mich zu Fuß nach Hause zu begleiten.«

»Ach!«, entfuhr es dem besorgten und durchaus auch eifersüchtigen Vater. »Und da hast du ihm als Dank einen Platz in deinem Bett angeboten?«, fragte er ironisch.

Anneka rollte mit den Augen.

»Ich dachte, du freust dich, dass ich gut nach Hause gekommen bin.«

»Tu ich auch. Trotzdem darf es mich doch stören, wenn ein wildfremder junger Mann in deinem Bett schläft, oder?«

»Ben ist nicht wildfremd«, verteidigte sich Anneka energisch. »Ich kenne ihn schon ewig. Er geht seit Anfang des Schuljahres in meine Klasse.«

»Seit wann sind ein paar Monate ewig?« Empört schnappte Daniel nach Luft. Am liebsten hätte er die Diskussion fortgesetzt. Doch die nahe Kirchturmuhr erinnerte ihn daran, dass es langsam auch für ihn Zeit zum Aufbruch wurde. »Ich muss los in die Praxis. Aber glaub ja nicht, dass das Thema damit beendet ist«, drohte er mit erhobenem Zeigefinger.

»Ich muss sowieso noch mit dir reden«, erwiderte Anneka.

Ihr Vater, der schon auf dem Weg zur Treppe war, stutzte und drehte sich noch einmal um. Im selben Augenblick öffnete sich Annekas Zimmertür, und der junge Mann tauchte verlegen grinsend auf. Er war fix und fertig angezogen, wie Daniel erleichtert feststellte.

»Guten Morgen, Herr Dr. Norden. Mein Name ist Ben. Ich bin ein Schulfreund Ihrer Tochter«, stellte er sich gut erzogen vor und reichte dem Hausherrn die Hand. »Anneka hat viel von Ihnen erzählt. Es ist wahnsinnig nett, dass ich hier übernachten durfte.«

Daniel haderte mit sich. Unwillig musste er feststellen, dass der junge Mann höflich und durchaus sympathisch war.

»Machen sich deine Eltern keine Sorgen?«, fragte er statt einer Antwort.

»Die wissen, dass sie sich auf mich verlassen können.« Ben schickte Anneka einen – wie Daniel meinte – zärtlichen Blick. »Ich bin kein Rumtreiber«, versicherte er dann in Daniels Richtung.

Dem blieb für den Augenblick nichts anderes übrig, als die Tatsachen so hinzunehmen.

»Na schön«, seufzte er und wandte sich wieder an seine Tochter. »Was wolltest du mit mir besprechen?«, fragte er.

»Das machen wir lieber heute Abend in aller Ruhe«, erklärte Anneka und sah Ben lächelnd von der Seite an.

Daniel haderte kurz mit sich.

»Gut. Dann heute Abend.« Er zuckte mit den Schultern, verabschiedete sich von Anneka und ihrem Schulfreund und wandte sich ab. Dieser Morgen war alles andere als nach seinem Geschmack gewesen, und er konnte nur hoffen, dass der Tag besser werden würde. Doch so sehr er auch versuchte, Annekas Worte zu verdrängen, so wenig gelang es ihm. Was wollte seine älteste Tochter nur mit ihm besprechen? Daniel schwante nichts Gutes.

*

»Dein Mann ist hier!« Jonas Wetzels Stimme war verwundert, als er seiner Lebensgefährtin diese Nachricht überbrachte.

Rebecca, die an diesem herrlichen Frühlingsmorgen auf der Terrasse ihrer kleinen Wohnung saß und ein gemütliches Frühstück mit Jonas genossen hatte, wurde blass.

»Wie bitte?«, fragte sie und fühlte, wie sich eine zentnerschwere Last auf ihre Brust senkte.

Ihr Mann Thomas Schultze war vor sechs Jahren wegen Aktienbetrugs in großem Stil zu acht Jahren Haft verurteilt worden. In den ersten Jahren hatte sie ihn noch im Gefängnis besucht und ihm Briefe geschrieben. Doch dann hatte sie sich nach und nach ein neues Leben aufgebaut, und der Kontakt war schließlich abgerissen. Vor einem halben Jahr schließlich hatte sich Rebecca neu verliebt und Thomas endgültig aus ihrem Kopf, aus ihrem Herzen verdrängt. Denn Rebeccas größter Wunsch war Wirklichkeit geworden: Danny Norden hatte ihre Schwangerschaft bestätigt. Noch an diesem Morgen sollte Jonas von dem freudigen Ereignis erfahren. Und nun stand Thomas vor der Tür.

»Thomas ist hier. Du hast doch auch in der Zeitung gelesen, dass er vorzeitig aus der Haft entlassen wird«, erklärte Jonas sanft in ihre Gedanken hinein.

»Ja.« Rebecca schluckte. »Trotzdem verstehe ich nicht, was er hier will.«

Das konnte ihr Jonas auch nicht sagen.

»Am besten, du gehst und sprichst selbst mit ihm«, riet er seiner Lebensgefährtin, die wie vom Donner gerührt am Tisch saß.

Alle Farbe war aus ihrem Gesicht gewichen.

»Ja, das sollte ich tun«, sagte sie leise und erhob sich wie in Trance von ihrem Stuhl.

Besorgt sah Jonas ihr nach, wie sie in der Wohnung verschwand. Er war ein diskreter Mensch und dachte nicht daran, sich in diese Sache einzumischen. Sein Vertrauen in Rebecca und ihre Liebe war grenzenlos.

»Rebecca! Endlich!« Geduldig hatte Thomas vor der Tür der kleinen Wohnung gewartet. Als er seine Frau erblickte, hellte sich seine düstere Miene auf, mit der er Jonas gegenübergetreten war. Schon wollte er die Arme nach Rebecca ausstrecken, als sie ein paar Schritte von ihm entfernt stehen blieb.

»Was willst du hier?«, fragte sie barsch.

Thomas stutzte kurz, ließ sich aber seine gute Laune nicht verderben.

»Meine Frau sehen und sie nach all den Jahren endlich wieder in die Arme schließen. Ist das etwa verboten?«, fragte er launig.

»Wieso hast du nicht Bescheid gesagt?« Rebecca ging nicht auf seinen unbeschwerten Tonfall ein. Sie musterte ihn kühl aus grauen Augen, die einen ungewöhnlichen Kontrast zu den dunklen Haaren bildeten, die ihr in weichen Wellen auf die Schultern fielen.

»Ich wollte dich überraschen. Und so, wie es aussieht, ist mir das offenbar auch gelungen.« Er lächelte selbstzufrieden, und insgeheim musste sich Rebecca eingestehen, wie gut Thomas selbst nach all den Jahren im Gefängnis aussah. Sein Haar war akkurat geschnitten und das Kinn glatt rasiert. Der perfekt sitzende Anzug unterstrich den Eindruck eines erfolgreichen Mannes, und einen Moment lang fragte sich Rebecca, wie sie sich in zwei so unterschiedliche Männer hatte verlieben können. Mit seinem immer ein wenig unordentlichen Haar und dem stoppeligen Kinn, Jeans, T-Shirt und Lederjacke schien Jonas das genaue Gegenteil von Thomas zu sein. »Willst du mich nicht hereinbitten?«, fragte ihr Mann in ihre Gedanken hinein.

Über diese Frage musste Rebecca keine Sekunde nachdenken.

»Nein«, antwortete sie wie aus der Pistole geschossen. »Das ist keine gute Idee.« Allein der Gedanke, Jonas und Thomas an einem Tisch zu sehen, jagte ihr einen Schauer über den Rücken.

»Aber ich muss mit dir reden!«, beharrte Thomas stur wie immer. Langsam versickerte das Lächeln auf seinem Gesicht. »So lange habe ich auf diesen Augenblick gewartet. So oft habe ich mir vorgestellt, wie es sein wird, wenn ich dir erst wieder gegenüberstehe. Und jetzt servierst du mich eiskalt ab? Das kann nicht dein Ernst sein.«

Rebecca bekam es mit der Angst zu tun. Jetzt, da Thomas leibhaftig vor ihr stand, spürte sie, dass er nichts von seiner Überzeugungskraft verloren hatte.

»Also schön«, hörte sie sich zu ihrer eigenen Überraschung sagen. »Wir treffen uns in einer Stunde im Café Bärwald. Kennst du das?«

Thomas kannte es nicht, und sie erklärte ihm den Weg zu dem kleinen Café.

»Dort gibt es die besten Rosinenschnecken der Stadt«, erinnerte sie sich an seine Vorliebe für süßes Gebäck.

Thomas bemerkte es mit Genugtuung.

»Offenbar hast du mich also doch noch nicht ganz vergessen«, frohlockte er, ehe er sich guter Dinge verabschiedete.

Zutiefst verwirrt kehrte Rebecca auf die Terrasse ihrer kleinen Wohnung zurück, wo Jonas ungeduldig auf sie wartete. Er war Lehrer und musste zu Beginn der dritten Stunde in der Schule sein. Rebecca, die als Verkäuferin in einem großen Möbelhaus arbeitete, hatte an diesem Tag frei.

»Wie geht es dir?«, fragte er fürsorglich, als sie noch blasser als sonst auf die Terrasse zurückkehrte.

Rebecca rang sich ein Lächeln ab.

»Alles in Ordnung«, schwindelte sie und schenkte sich frischen Kaffee ein, um sich abzulenken. »Wir treffen uns nachher, und dann sage ich ihm, was Sache ist.«

»Gut.« Jonas glaubte an die unerschütterliche Liebe zwischen ihnen und war mit diesem Plan zufrieden. Mit der Tasse in der Hand lehnte er sich zurück und sah Rebecca neugierig an. »Du wolltest mir vorhin etwas sagen«, erinnerte er sie an das Geheimnis, das sie angedeutet hatte, kurz bevor Thomas aufgetaucht war.

Doch Rebecca war zu verwirrt, um jetzt über die Schwangerschaft zu sprechen. Danny Norden hatte die werdende Mutter ohnehin gewarnt, dass eine Fehlgeburt bis zur zwölften Woche nicht auszuschließen war. Rebecca war jetzt in der siebten Woche.

»Hmm, wollte ich dir etwas sagen?«, schützte sie daher Vergesslichkeit vor. »Es tut mir leid, aber ich fürchte, ich weiß es nicht mehr.« Mit schlechtem Gewissen zuckte sie mit den Schultern und hoffte, dass Jonas ihr glaubte.

Ihre Hoffnung wurde nicht enttäuscht.

»Kommt vor! Vor allen Dingen, wenn man so alt ist wie du«, neckte er sie gutmütig.

»Lieber ein bisschen vergesslich als ein Kindskopf wie du«, ging Rebecca auf das Spiel ein, das sie spielten, seit sie herausgefunden hatten, dass Jonas zwei Monate jünger war als sie.