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Die Gedichte Robert Frosts (1874–1963) gehören nicht nur zum festen Bestand amerikanischer Lyrik der Moderne, sie haben ihren Platz in der Weltliteratur gefunden. Der vorliegende Band macht den deutschen Lesern die bekanntesten, die kanonisch gewordenen Gedichte von Robert Frost zugänglich wie "Rast am Wald an einem verschneiten Tag" oder "Der nicht genommene Weg". Frost hat sich um einen natürlichen, organischen Sprachfluss bemüht und sich zugleich stets dem freien Vers widersetzt, die Gedichte suchen die Nähe zur gesprochenen Sprache und halten doch an der Besonderheit dichterischer Sprache fest. Die Natur, die äußere und die innere des Menschen, hat Frost fasziniert, der als Farmer gleichzeitig einen unsentimentalen Blick auf sie hatte. Aber auch die menschliche Natur zeigt sich in allen ihren Feinheiten und Brüchen, so Frost, besonders dem Dichter. So ist seine Lyrik in ihrer klassischen Schönheit auch eine Begegnung mit uns selbst.
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Veröffentlichungsjahr: 2016
Übersetzung und Nachwort von Lars Vollert
C.H.BECK textura
Die Gedichte Robert Frosts (1874–1963) gehören nicht nur zum festen Bestand amerikanischer Lyrik der Moderne, sie haben ihren Platz in der Weltliteratur gefunden. Der vorliegende Band macht den deutschen Lesern die bekanntesten, die kanonisch gewordenen Gedichte von Robert Frost zugänglich wie «Rast am Wald an einem verschneiten Tag» oder «Der nicht genommene Weg». Frost hat sich um einen natürlichen, organischen Sprachfluss bemüht und sich zugleich stets dem freien Vers widersetzt, die Gedichte suchen die Nähe zur gesprochenen Sprache und halten doch an der Besonderheit dichterischer Sprache fest. Die Natur, die äußere und die innere des Menschen, hat Frost fasziniert, der als Farmer gleichzeitig einen unsentimentalen Blick auf sie hatte. Aber auch die menschliche Natur zeigt sich in allen ihren Feinheiten und Brüchen, so Frost, besonders dem Dichter. So ist seine Lyrik in ihrer klassischen Schönheit auch eine Begegnung mit uns selbst.
Robert Frost, geboren 1874 in San Francisco und gestorben 1963 in Boston, gehört zu den bedeutendsten Dichtern der amerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Für sein Werk erhielt er vier Mal den Pulitzer-Preis. Er war Farmer und ein einflussreicher und unkonventioneller akademischer Lehrer.
Lars Vollert, geboren 1970. Zu seinen Übersetzungen amerikanischer Lyrik gehören die zweisprachigen Ausgaben E. E. Cummings’ like a perhaps hand (2000) und i. six nonlectures (2005) sowie der vorliegende Band, für den er 2003 den Bayerischen Förderpreis für Literatur erhielt. Er lebt in Frankfurt.
Two roads diverged in a wood, and I –
I took the one less traveled by
Zwei Wege trennten sich im Wald, und ich –
ich nahm den Weg, der kaum begangen war
aus: A BOY’S WILL (1913)
To the Thawing Wind
An den Tauwind
Love and a Question
Liebe und eine Frage
My Butterfly
Mein Schmetterling
Storm Fear
Sturmangst
Mowing
Mahd
The Tuft of Flowers
Der Blumenschopf
aus: NORTH OF BOSTON (1914)
Mending Wall
Mauern ausbessern
The Death of the Hired Man
Der Tod des Tagelöhners
The Mountain
Der Berg
Home Burial
Heimbegräbnis
A Servant to Servants
Im Dienst der Arbeiter
After Apple-Picking
Nach dem Apfelpflücken
Good Hours
Gute Stunden
aus: MOUNTAIN INTERVAL (1916)
The Road Not Taken
Der nicht genommene Weg
The Road Not Taken
Der Weg, den ich nicht nahm (gereimte Übersetzung)
An Old Man’s Winter Night
Eines alten Mannes Winternacht
The Exposed Nest
Das schutzlose Nest
The Oven Bird
Der Ofenvogel
A Patch of Old Snow
Ein Flecken alter Schnee
The Telephone
Das Telefon
Hyla Brook
Froschbach
Birches
Birken
«Out, Out –»
«Heraus, heraus …»
Putting in the Seed
Die Saat ausbringen
A Time to Talk
Zeit zum Reden
The Gum-Gatherer
Der Harzsammler
The Sound of Trees
Das Geräusch der Bäume
The Cow in Apple Time
Die Kuh zur Apfelzeit
The Line-Gang
Der Kabeltrupp
aus: NEW HAMPSHIRE (1923)
Maple
Maple
Fire and Ice
Feuer und Eis
Fire and Ice
Feuer und Eis (gereimte Übersetzung)
In a Disused Graveyard
Auf einem aufgelassenen Friedhof
Nothing Gold Can Stay
Nichts Goldenes hat Bestand
Stopping by Woods on a Snowy Evening
Rast am Wald an einem verschneiten Abend
Stopping by Woods on a Snowy Evening
Ein Halt am Waldrand an einem verschneiten Abend (gereimte Übersetzung)
Two Look at Two
Zwei schauen auf Zwei
The Need of Being Versed in Country Things
Wozu ländliche Erfahrung gut ist
The Need of Being Versed in Country Things
Warum es gut ist, in ländlichen Dingen versiert zu sein (gereimte Übersetzung)
A Hillside Thaw
Es taut am Hang
aus: WEST RUNNING BROOK (1928)
Spring Pools
Frühlingspfützen
Tree at My Window
Baum an meinem Fenster
Acquainted with the Night
Die Nacht gekannt
What Fifty Said
Was Fünfzig sprach
aus: A FURTHER RANGE (1936)
Desert Places
Öde Orte
Desert Places
Öde Orte (gereimte Übersetzung)
A Leaf-Treader
Ein Laubtreter
The Strong Are Saying Nothing
Die Starken schweigen
Neither Out Far nor In Deep
Weder weit noch tief
aus: A WITNESS TREE (1942)
The Subverted Flower
Die gestürzte Blume
The Silken Tent
Das seidene Zelt
Never Again Would Birds’ Song Be the Same
Nie mehr ist Vogelsang so wie zuvor
Nachwort: Der Zank zweier Liebender. Robert Frost und seine Welt
Anmerkungen
Come with rain, O loud Southwester!
Bring the singer, bring the nester;
Give the buried flower a dream;
Make the settled snowbank steam;
Find the brown beneath the white;
But whate’er you do tonight,
Bathe my window, make it flow,
Melt it as the ice will go;
Melt the glass and leave the sticks
Like a hermit’s crucifix;
Burst into my narrow stall;
Swing the picture on the wall;
Run the rattling pages o’er;
Scatter poems on the floor;
Turn the poet out of door.
Komm mit Regen laut, Südwester!
Bring den Sänger, bring den Nister,
gib vergrabenen Blumen Traum,
lass die feste Wächte dampfen,
finde unterm Weiß das Braun;
doch was du auch tust heut nacht,
wasch mein Fenster, lass es fließen,
schmelz es mit dem Eis, das flieht,
schmelz das Glas und lass das Holz
wie des Eremiten Kreuz,
brich in meine enge Hütte,
schwing das Bild an meiner Wand,
fahre knatternd durchs Papier,
streu Gedichte auf den Boden,
treib den Dichter aus dem Haus.
A Stranger came to the door at eve,
And he spoke the bridegroom fair.
He bore a green-white stick in his hand,
And, for all burden, care.
He asked with the eyes more than the lips
For a shelter for the night,
And he turned and looked at the road afar
Without a window light.
The bridegroom came forth into the porch
With “Let us look at the sky,
And question what of the night to be,
Stranger, you and I.”
The woodbine leaves littered the yard,
The woodbine berries were blue,
Autumn, yes, winter was in the wind;
“Stranger, I wish I knew.”
Within, the bride in the dusk alone
Bent over the open fire,
Her face rose-red with the glowing coal
And the thought of the heart’s desire.
The bridegroom looked at the weary road,
Yet saw but her within,
And wished her heart in a case of gold
And pinned with a silver pin.
The bridegroom thought it little to give
A dole of bread, a purse,
A heartfelt prayer for the poor of God,
Or for the rich a curse;
But whether or not a man was asked
To mar the love of two
By harboring woe in the bridal house,
The bridegroom wished he knew.
Ein Fremder kam abends an die Tür
und sprach mit dem Bräutigam.
Er trug einen grün-weißen Stock in der Hand
und Sorge um seine Last.
Mehr mit den Augen als dem Mund
bat er um Schutz zur Nacht.
Er wandte sich zur Straße hin:
Da war kein Fensterlicht.
Der Bräutigam trat zu ihm hinaus.
«Lass uns zum Himmel schaun
und fragen, was die Nacht uns bringt,
Fremder, du und ich.»
Im Hof lag Jungfernrebenlaub,
die Beeren waren blau,
und Herbst, ja Winter lag im Wind;
«Fremder, ich frag es mich.»
Im Dämmer drinnen beugte die Braut
sich einsam übers Feuer,
das Gesicht von der Glut wie Rosen rot
und vom Begehr des Herzens.
Der Bräutigam schaute auf den schweren Weg,
doch sah er nur sie im Haus,
und wünschte ihr Herz in Gold gehüllt,
mit Silber festgesteckt.
Der Bräutigam gäbe leicht und gern
ein wenig Geld, ein Brot,
ein Gebet für Gottes arme Kinder,
für die Reichen einen Fluch.
Doch ob man einem erlauben soll,
eine junge Liebe zu stören,
indem er Leid ins Brauthaus bringt:
das fragte sich der Bräutigam.
Thine emulous fond flowers are dead, too,
And the daft sun-assaulter, he
That frighted thee so oft, is fled or dead:
Save only me
(Nor is it sad to thee!) –
Save only me
There is none left to mourn thee in the fields.
The gray grass is scarce dappled with the snow;
Its two banks have not shut upon the river;
But it is long ago –
It seems forever –
Since first I saw thee glance,
With all thy dazzling other ones,
In airy dalliance,
Precipitate in love,
Tossed, tangled, whirled and whirled above,
Like a limp rose-wreath in a fairy dance.
When that was, the soft mist
Of my regret hung not on all the land,
And I was glad for thee,
And glad for me, I wist.
Thou didst not know, who tottered, wandering on high,
That fate had made thee for the pleasure of the wind,
With those great careless wings,
Nor yet did I.
And there were other things:
It seemed God let thee flutter from His gentle clasp,
Then fearful He had let thee win
Too far beyond Him to be gathered in,
Snatched thee, o’ereager, with ungentle grasp.
Ah! I remember me
How once conspiracy was rife
Against my life –
The languor of it and the dreaming fond;
Surging, the grasses dizzied me of thought,
The breeze three odors brought,
And a gem-flower waved in a wand!
Then when I was distraught
And could not speak,
Sidelong, full on my cheek,
What should that reckless zephyr fling
But the wild touch of thy dye-dusty wing!
I found that wing broken today!
For thou art dead, I said,
And the strange birds say.
I found it with the withered leaves
Under the eaves.
Auch dein Gefolge zugeneigter Blumen ist nun tot,
und der verrückte Sonnenstürmer, der
dich oft erschreckte, ist geflohen oder tot.
Und außer mir
(was dich nicht traurig stimmt!) –
und außer mir
ist keiner mehr, dich in den Feldern zu betrauern.
Das graue Gras ist kaum mit Schnee gefleckt;
die Ufer sind noch nicht geschlossen überm Fluss;
doch es ist lange her –
es scheint schon ewig –,
dass ich zum ersten Mal dich funkeln sah,
mit all den strahlend schönen anderen,
in luftiger Tändelei,
in überstürzter Liebe
geworfen und verheddert, wirbelnd, wirbelnd über mir,
bald wie ein welker Rosenkranz beim Tanz der Feen.
Als das geschah, da hing der weiche Dunst,
der mein Bedauern war, nicht über allem Land,
und ich war froh für dich
und froh für mich, das merkte ich.
Du wusstest nicht, in deinem Taumel wandernd in der Höh,
dass du dem Wind zum Spaß geschaffen bist
