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Charles Cavendish, Leiter der New Yorker Cavendish Group, lebt für seinen Erfolg. Für Gefühle bleibt kein Platz und Beziehungen gehören nicht in sein Leben. Schon gar nicht mit einer Frau wie Raven Bennett. Sie ist klug, verletzlich und versucht nach dem Verlust ihres Vaters und ihrem Abschluss an der Columbia University, endlich neu durchzustarten. Doch als sie sich im Club Silver begegnen, steht die Welt für einen Augenblick still. Ein Blick, ein Lächeln – und die Luft zwischen ihnen knistert vor unausgesprochener Spannung.
Er sollte sie vergessen. Sie sollte sich fernhalten. Doch manche Versuchungen sind zu stark, um ihnen zu entkommen …
Alpha-Boss meets Ambitious-Heroine: Zwischen der glitzernden Welt eines exklusiven Nachtclubs und der Sehnsucht nach Nähe bleibt nur eine Frage: Wer gibt zuerst nach?
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Seitenzahl: 486
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Charles Cavendish, Leiter der New Yorker Cavendish Group, lebt für seinen Erfolg. Für Gefühle bleibt kein Platz und Beziehungen gehören nicht in sein Leben. Schon gar nicht mit einer Frau wie Raven Bennett. Sie ist klug, verletzlich und versucht nach dem Verlust ihres Vaters und ihrem Abschluss an der Columbia University, endlich neu durchzustarten. Doch als sie sich im Club Silver begegnen, steht die Welt für einen Augenblick still. Ein Blick, ein Lächeln – und die Luft zwischen ihnen knistert vor unausgesprochener Spannung.
Er sollte sie vergessen. Sie sollte sich fernhalten. Doch manche Versuchungen sind zu stark, um ihnen zu entkommen …
Alpha-Boss meets Ambitious-Heroine: Zwischen der glitzernden Welt eines exklusiven Nachtclubs und der Sehnsucht nach Nähe bleibt nur eine Frage: Wer gibt zuerst nach?
USA-Today-Bestsellerautorin Ava Harrison liebt das Schreiben. Wenn sie sich nicht gerade neue Romances ausdenkt, kann man sie bei einem ausgiebigen Schaufensterbummel, beim Kochen für ihre Familie oder mit einem Buch auf der Couch antreffen.
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Ava Harrison
Provoke
Aus dem Amerikanischen von Valeska Schorling
Cover
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Inhaltsverzeichnis
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KAPITEL EINS — Charles
KAPITEL ZWEI — Raven
KAPITEL DREI — Raven
KAPITEL VIER — Charles
KAPITEL FÜNF — Raven
KAPITEL SECHS — Raven
KAPITEL SIEBEN — Raven
KAPITEL ACHT — Raven
KAPITEL NEUN — Raven
KAPITEL ZEHN — Charles
KAPITEL ELF — Raven
KAPITEL ZWÖLF — Charles
KAPITEL DREIZEHN — Raven
KAPITEL VIERZEHN — Charles
KAPITEL FÜNFZEHN — Raven
KAPITEL SECHZEHN — Charles
KAPITEL SIEBZEHN — Raven
KAPITEL ACHTZEHN — Raven
KAPITEL NEUNZEHN — Raven
KAPITEL ZWANZIG — Raven
KAPITEL EINUNDZWANZIG — Charles
KAPITEL ZWEIUNDZWANZIG — Raven
KAPITEL DREIUNDZWANZIG — Raven
KAPITEL VIERUNDZWANZIG — Charles
KAPITEL FÜNFUNDZWANZIG — Raven
KAPITEL SECHSUNDZWANZIG — Raven
KAPITEL SIEBENUNDZWANZIG — Raven
KAPITEL ACHTUNDZWANZIG — Raven
KAPITEL NEUNUNDZWANZIG — Charles
KAPITEL DREISSIG — Raven
KAPITEL EINUNDDREISSIG — Charles
KAPITEL ZWEIUNDDREISSIG — Raven
KAPITEL DREIUNDDREISSIG — Charles
KAPITEL VIERUNDDREISSIG — Raven
KAPITEL FÜNFUNDDREISSIG — Raven
KAPITEL SECHSUNDDREISSIG — Raven
KAPITEL SIEBENUNDDREISSIG — Charles
KAPITEL ACHTUNDDREISSIG — Raven
KAPITEL NEUNUNDDREISSIG — Raven
KAPITEL VIERZIG — Charles
KAPITEL EINUNDVIERZIG — Raven
KAPITEL ZWEIUNDVIERZIG — Raven
KAPITEL DREIUNDVIERZIG — Charles
KAPITEL VIERUNDVIERZIG — Raven
KAPITEL FÜNFUNDVIERZIG — Charles
KAPITEL SECHSUNDVIERZIG — Raven
KAPITEL SIEBENUNDVIERZIG — Charles
KAPITEL ACHTUNDVIERZIG — Raven
EPILOG — Raven
Impressum
Charles
»Mensch, Amanda, nicht hier!«, sage ich genervt zu meiner aufdringlichen Begleiterin.
Allmählich reicht es mir.
Sie hat ihre Hände nämlich überall, wo sie nicht hingehören.
Normalerweise hätte ich nichts dagegen, aber heute bin ich irgendwie nicht in Stimmung.
Schade eigentlich.
An ihrem Aussehen liegt es nicht, denn sie ist bildhübsch.
Sie hat welliges braunes Haar, das ihr bis zu den kleinen Brüsten fällt, und endlos lange, schöne Beine. Und kein Gramm Fett zu viel. Ihr Körper ist durch und durch fest und durchtrainiert.
Eigentlich wäre sie genau mein Typ.
Obwohl ich keinen bestimmten Typ habe, was das andere Geschlecht angeht.
»Ich heiße Mandy«, gurrt sie.
Mich schaudert.
Mandy ist mir irgendwie zu aufdringlich, und abgesehen davon habe ich das dumpfe Gefühl, dass sie sich nicht an meine Regeln halten würde.
Eine Nacht nur. Kein Austausch von Telefonnummern. Keine Wiederholungen.
In London habe ich das viel zu oft falsch gemacht, aber seit ich in New York bin, ist es damit vorbei. Neue Stadt, neues Leben.
Ich habe zu viel um die Ohren für eine feste Beziehung und wäre auch dann nicht der Typ dafür, wenn ich nicht rund um die Uhr arbeiten würde.
Was definitiv der Fall ist.
Mandy hat bisher praktisch jede Frau weggebissen, die es auch nur gewagt hat, in meine Richtung zu sehen, was meine Befürchtung bestätigt, dass ich sie nicht mehr loswerde, wenn ich mich auf sie einlasse.
Dann kann ich den nächsten Monat wahrscheinlich damit verbringen, ihre Annäherungsversuche abzuwehren, und das kommt nicht infrage.
»Charles …«, versucht sie wieder meine Aufmerksamkeit zu erregen – in einer schrillen Stimmlage, die ich unerträglich finde.
Ich funkele meinen angeblich besten Freund über ihren Kopf hinweg an. Er ist derjenige, der mir diese Situation eingebrockt hat, indem er mir erstklassige Drinks, einen entspannten Abend und eine schöne Frau in Aussicht gestellt hat, die unverbindlichem Sex nicht abgeneigt ist. Tja, daraus wird wohl nichts!
Denn leider hat er versäumt, mir mitzuteilen, dass sein weiblicher Bekanntenkreis nur aus launischen Models besteht, die auf leeren Magen Champagner trinken und sich hemmungslos an einen ranschmeißen. Oder vielmehr an mich.
Meine Bedrängnis scheint ihn köstlich zu amüsieren. Ich könnte ihn verprügeln!
Paxton Ramsey ist ein arroganter Arsch, hat aber ein Herz aus Gold. Dieser Club hier gehört seinem Freund Mathis – ein Umstand, den Pax regelmäßig ausnutzt. Jeden Mittwoch reserviert er hier eine der VIP-Nischen, um seinen Klienten Honig um den Bart zu schmieren. Heute ist jedoch jemand abgesprungen, sodass ich der mehr oder weniger glückliche Nutznießer seiner Gastfreundschaft bin.
»Charles, warum ignorierst du mich die ganze Zeit?«, quengelt Mandy.
Ich schließe gequält die Augen, um meine wachsende Irritation zu zügeln. Als ich sie wieder aufschlage, funkelt Mandy mich fast bösartig an.
Es überläuft mich eiskalt. Mit etwas Pech ist sie mehr als nur ein bisschen anhänglich. Irgendwie finde ich die Fatal-Attraction-Vibes, die sie gerade ausstrahlt, ziemlich besorgniserregend.
Sie schürzt die Lippen und steht auf. »Ich muss mal für kleine Mädchen.«
Ich seufze erleichtert auf, was Pax nicht zu entgehen scheint, denn er unterdrückt ein Lachen.
Mandy scheint nichts davon zu bemerken. Betont hüftschwingend verlässt sie die Nische.
»Großer Gott, Paxton, was hast du dir nur dabei gedacht, ausgerechnet sie einzuladen?«
Lachend wirft er den Kopf in den Nacken. Offensichtlich findet er meine Situation saukomisch. Er sich gar nicht wieder ein.
Er hebt eine Hand. »Sorry, es ist nur …« Wieder bricht er in schallendes Gelächter aus. Er krümmt sich geradezu. Wütend funkele ich ihn an.
»Nur zu, lass es einfach raus, Kumpel!« Ich presse missbilligend die Lippen zusammen, alles andere als begeistert von seiner absurden Reaktion auf meine Notlage. »Bist du jetzt endlich fertig?«
Kopfschüttelnd wischt er sich die Tränen aus den Augen. »So habe ich sie bisher noch nie erlebt. Was soll ich sagen? Du bringst anscheinend den Irrsinn in den Frauen zum Vorschein, Cavendish.«
Ich stöhne frustriert. »Die Nacht ist für mich gelaufen.«
»Die Nacht ist noch jung, mein Freund. Ich helfe dir dabei, Mandy loszuwerden. Ich kann ihren jammernden Ton nämlich auch nicht mehr ertragen.«
»Sie jammert wirklich ziemlich viel, oder?«
Er grunzt zustimmend. »Alex und die Jungs sind gerade auf dem Weg hierher. Sie hat mal was mit ihm gehabt. Gib mir eine Stunde, dann habe ich das Problem für dich gelöst.«
»Ich überlasse Alex gern meinen Platz, wenn ich Mandy so loswerden kann. Du brauchst es nur zu sagen.«
Ich lehne mich in meinem Sessel zurück, strecke die Beine aus und mache es mir bequem. Unsere Kellnerin kommt, um mir einen weiteren Scotch auf Eis zu servieren.
Ich nicke ihr zum Dank zu, was mir ein schelmisches Lächeln einträgt. Diese Frau hier wäre vielleicht ein guter Ersatz für Mandy …
»Denk noch nicht mal dran«, warnt Pax mich, als das Mädchen mit dem leeren Tablett unterm Arm die VIP-Nische verlässt.
»Wie bitte? Das ist doch wohl meine Entscheidung!«
»Wenn du Stress mit Mathis willst, dann nur zu.« Er trinkt einen Schluck aus seiner Bierflasche. »Ich will meinen VIP-Status hier nicht verlieren, nur weil du auf die dämliche Idee kommst, die Bedienung zu vögeln.«
»Ist sie denn seine Freundin?«
Er hebt die Augenbrauen. »Sie sind alle seine Mädchen. Also Finger weg.«
In einvernehmlichem Schweigen sitzen wir da und lauschen den dröhnenden Bässen hinter dem Vorhang. Im Club Silver geht so hoch her wie jeden Abend.
»Ah, hier findet die Party also statt!« Alex kommt mit Mandy im Arm durch den Vorhang.
Pax hatte also tatsächlich recht.
Er beugt sich vor. »Hab ich es nicht gleich gesagt?«, raunt er mir zu. »Und es hat noch nicht mal eine Stunde gedauert.«
Ich nicke. »Ich bin dir was schuldig.«
Lächelnd schlägt er mich auf einen Oberschenkel. »Komm, sehen wir uns mal um. Es gibt schließlich noch jede Menge andere Frauen, die du mit deinem Charme bezirzen kannst, und ich brauche dich als seriös wirkenden Wingman.« Er dreht sich zu den anderen um. »Viel Spaß noch, Jungs. Die Drinks gehen auf mich.«
Ich folge ihm durch den weißen Chiffonvorhang, der die VIP-Nischen vor neugierigen Blicken schützt. Die Szenerie vor mir ist genau wie erwartet. Leicht bekleidete Frauen winden sich verführerisch im Rhythmus der Musik und geben sich den hungrigen Blicken der Männer preis.
Ich betrachte das Treiben halb fasziniert, halb angewidert. Niemals würde ich bei so etwas mitmachen. Eigentlich gehe ich nicht in Clubs, weil sie mich eher stressen als entspannen, aber Pax zuliebe springe ich ab und zu über meinen Schatten.
Er war mir immer ein guter Freund, seit ich vor drei Jahren nach New York gezogen bin, also häng ich oft einfach an ihn ran, wenn ich das Bedürfnis verspüre, mein Büro zu verlassen und abzuschalten.
Und da Pax diesen Schuppen liebt, bin ich zwangsläufig auch öfter hier. Das liegt nicht nur an dem Rabatt, den der Eigentümer des Clubs ihm gewährt. Pax steht einfach auf laute Musik und willige Frauen. Ich weniger, aber was bleibt einem anderes übrig, wenn man keine Beziehung will?
Ich will gerade gehen, als mein Blick auf eine Frau am Tresen auf der anderen Seite des Raums fällt.
Sie hat etwas Leuchtendes mit ihrem langen, welligen, goldenen Haar und ihrem strahlenden Lächeln. Wenn sie lacht, scheint sich der Raum sofort aufzuhellen. Ich frage mich, was ihr Begleiter wohl Amüsantes zu ihr gesagt hat. Die beiden wirken sehr vertraut miteinander, wenn auch nicht wie ein Paar. Seine Körpersprache verrät allerdings, dass er mehr will. Ihre nicht.
Ich kann es ihm nicht verdenken – sie ist einfach bezaubernd.
Sie ist ganz anders als die anderen Mädchen hier. Eher züchtig gekleidet und trotzdem wunderschön. Ihr rotes Sommerkleid mit ausgestelltem Rock betont ihre Hüften und schlanken Beine. Ich finde sie absolut atemberaubend.
In dem Moment wendet sie das Gesicht in meine Richtung, als spüre sie meine Aufmerksamkeit. Als unsere Blicke sich begegnen, schießt mir sofort das Blut in die Lenden. Ich muss mich beherrschen, mir nicht in den Schritt zu fassen, um meiner wachsenden Erektion mehr Platz zu verschaffen. Was für ein göttliches Wesen!
Sie ist wie ein verdammter Sonnenstrahl.
Ich bin so verzaubert, dass ich Mandy erst bemerke, als sie mir von hinten die Hände auf die Schultern legt und sich zu meinem rechten Ohr beugt.
»Ich hätte heute Nacht sehr gern mit dir geschlafen, aber ich merke, wenn sich ein Mann nicht für mich interessiert.«
Gott sei Dank!
Ich drehe mich zu ihr um, um nicht unhöflich zu sein. Immerhin ist sie eine Bekannte von Pax. »Es liegt nicht an dir. Es liegt an mir.«
»Schon gut.« Sie lächelt gezwungen. Offensichtlich glaubt sie mir kein Wort, aber das lässt sich leider nicht ändern. Ich habe mein Bestes gegeben.
»Hat mich gefreut, dich kennenzulernen, Charles.«
»Ganz meinerseits, Mandy.« Ich nehme ihre Rechte und küsse sie. »Einen schönen Abend noch.«
Als sie in die VIP-Nische zurückkehrt, seufze ich erleichtert auf.
»Lass uns weitergehen, bevor sie ihre Meinung womöglich ändert.« Paxton zeigt auf die Tanzenden. »Da gibt es jede Menge Auswahl, und von ihnen wird dich wahrscheinlich keine im Schlaf mit der Axt erschlagen.«
Ich grunze belustigt. »Was du nicht sagst.«
Ich kann mir Mandy tatsächlich gut als Psychokillerin vorstellen.
Er grinst. »Keine Sorge, ich finde schon passenden Ersatz für dich.«
Ich betrachte wieder die Blondine, aber sie hat den Blick inzwischen abgewendet und unterhält mit ihren beiden Freunden, als habe sich nichts zwischen uns abgespielt.
Was wahrscheinlich auch besser so ist, wenn ich bedenke, wie lächerlich heftig ich schon allein auf ihren bloßen Anblick reagiert habe.
Frauen wie sie sind nichts für Männer wie mich.
Beziehungen, Nähe, Verbindlichkeit …
So etwas kann ich leider nicht bieten.
Was ich jetzt brauche, ist eine Mandy 2.0. Minus Irrsinn.
Raven
»Auf dich und darauf, dass du die Welt des Marketings im Sturm erobern wirst!« Lily hält mir ein Glas Champagner hin.
Kopfschüttelnd betrachte ich die sprudelnde Flüssigkeit. »Wo bleiben unsere üblichen Martinis?« Fragend hebe ich eine Augenbraue. »Und seit wann trinken wir Champagner?«
»Seit wir auf deinen beruflichen Erfolg anstoßen.«
Belustigt verdrehe ich die Augen. »Ich habe doch nur einen neuen Job und nicht die Krebsforschung revolutioniert.« Als ich das Wort »Krebs« ausspreche, verspüre ich ein schmerzhaftes Ziehen in der Brust. »Außerdem …«, ich nehme ihr das Glas ab, »… wollen wir wirklich ausgerechnet heute feiern?«
»Wenn nicht heute, wann dann? Du fängst immerhin Montag in deiner Traumbranche an.«
»Stimmt, aber das Timing …« So sehr ich mich auch über den neuen Job freue – meine Freude ist nicht ganz ungetrübt. Heute vor fünf Jahren ist mein Vater gestorben.
»Er hätte gewollt, dass du diesen Erfolg feierst.« Lily lächelt mir aufmunternd zu. Sie weiß genauso gut wie unser Freund Asher, wie schwer es mir heute fällt, mich zu entspannen. Wie viel mein Vater mir bedeutet hat.
Lily, Asher und ich sind schon seit einer Ewigkeit befreundet.
Genau genommen seit unserem ersten Studientag.
Lily war meine Mitbewohnerin, und Asher …
Wir sind ihm bei unserem ersten Mensabesuch begegnet, und nach einer hitzigen Diskussion darüber, was besser schmeckt – Süßkartoffelpommes oder Tater Tots –, waren wir praktisch unzertrennlich.
Deshalb sind die beiden auch vorhin ohne Vorwarnung bei mir aufgetaucht und haben mich gezwungen, mir etwas Schickes anzuziehen und mit ihnen auszugehen. Ich freue mich natürlich, dass sie mich aufmuntern wollen, aber trotzdem ist mir etwas schwer ums Herz.
Er sollte jetzt mit mir anstoßen. »Ich weiß, aber …«
»Kein Aber! Was glaubst du, warum Asher und ich dich hierher gezerrt haben? Du verdienst diesen Job! Wir lassen dich auf keinen Fall allein zu Hause herumhocken und einen ganzen Becher Eis auf einmal in dich reinschaufeln.«
»So etwas würde ich nie machen!«, protestiere ich.
»Wir kennen dich doch. Manchmal verdrückst du sogar zwei Becher auf einmal.«
Lachend drücke ich ihr eine Hand. »Danke.«
»Wofür?«
»Dafür, dass ihr immer für mich da seid. Du und Asher … Ich weiß nicht, ob es ohne euch geschafft hätte.« Mein Hals schnürt sich zu, und meine Umgebung verschwimmt vor meinen Augen. Als ich blinzle, löst sich eine Träne.
Lily erwidert meinen Händedruck liebevoll. »Schluss jetzt mit den Tränen und der Rührseligkeit!«
Ich seufze. »Wenn du meinst. Da wir gerade von Asher sprechen – wo steckt er eigentlich? Eben war er doch noch hier.«
Errötend trinkt sie einen Schluck Champagner. »Woher soll ich das wissen?«
Als ich sie aufmerksam betrachte, weicht sie meinem Blick verlegen aus.
Als würde sie ihn nicht ständig im Auge behalten!
Lily ist nämlich schon lange heimlich in Asher verliebt.
»Willst du nicht endlich mal mit der Sprache herausrücken?«, frage ich sie. Sie beißt sich verlegen auf die Unterlippe und spielt mit einer langen roten Haarsträhne. »Ah, da ist er ja!« Ich winke Asher zu.
Aus dem Augenwinkel sehe ich, dass Lily sich etwas aufrechter hinsetzt, die Schultern nach hinten und die Brüste vorschiebt, während sie den Kragen ihres schwarzen Hemdblusenkleids zurechtzupft.
Asher ist leider ein ziemlicher Playboy. Im Moment hat Lily bei ihm noch keine Chance.
»Hey, da sind ja meine Mädels«, sagt er, als er neben mir Platz nimmt. »Was sehe ich denn da? Betrinkt ihr euch etwa ohne mich?«
Ich zucke nur grinsend die Achseln.
Er lacht. »Wie gemein!«
»Lily versucht gerade, mich aufzuheitern.«
Asher wird sofort ernst und drückt mir mitfühlend eine Schulter. »Er wäre sehr stolz auf dich.«
»Danke«, murmele ich und hebe mein Glas. »Trinkst du auch etwas?«
»Klar.« Er lässt meine Schulter los und winkt den Barkeeper herbei, um sich ein Bier zu bestellen.
Kurz darauf stößt er mit mir an. »Herzlichen Glückwunsch, Miss Raven Bennett! Du stehst jetzt offiziell in Lohn und Brot.«
»Das stand ich auch schon vorher.«
»Ja, aber ein Halbtagsjob zählt nicht.«
Ich hebe die Augenbrauen. »Ach ja? Und warum nicht?«
»Du hattest den Job nur, um deinen Master of Business Administration zu finanzieren. Das hier ist deine erste richtige Stelle.«
Er hat nicht ganz unrecht. Ich habe im Laufe meines Lebens viel gearbeitet, aber noch nie Vollzeit.
Trotz meiner guten Zeugnisse, meiner langjährigen beruflichen Erfahrungen und zahlreicher Praktika fange ich praktisch bei null an.
Nicht dass ich undankbar sein will. Ich freue mich total über den neuen Job, aber eigentlich bin ich dafür etwas überqualifiziert.
»Du bist immerhin Marketing-Analystin.«
»Ja, aber im Grunde ist das nichts weiter als ein besserer Assistenzjob.« Seufzend lasse ich den Kopf gegen Ashers Schulter sinken. »Hoffentlich besteht er nicht nur aus Besorgungen machen und Kaffee holen.«
»So schlimm wird es schon nicht werden«, versucht Lily mich zu beruhigen und rutscht mit ihrem Hocker dichter an Ashers heran. »Außerdem wirst du bestimmt ganz schnell befördert.«
»Stimmt.« Asher trinkt einen Schluck Heineken, während er meine Beine betrachtet. »Du bist etwas ganz Besonderes, Raven.« Für einen bloßen Freund sieht er mich etwas zu verliebt an, was mir irgendwie unangenehm ist.
Shit!
Sein Blick gefällt mir gar nicht. Er sieht mich an, wie Lily ihn sonst immer ansieht …
»Mein Job war anfangs auch nicht berauschend, aber wenn man gut ist, kommt man schnell weiter«, erzählt Asher. »Wenn ich es geschafft habe, befördert zu werden, kriegst du das erst recht hin.« Er trinkt achselzuckend. »Du bist schließlich viel besser als ich.«
»Und siehst dazu auch noch besser aus«, witzelt Lily und beugt sich über Asher, um mit mir anzustoßen.
»Eindeutig«, stimmt er ihr grinsend zu. »Schade, dass wir beide für konkurrierende Firmen arbeiten. Du würdest toll in unser Team passen, aber die Cavendish Group ist natürlich eine super Alternative.«
»Was du nicht sagst«, sage ich belustigt. Die Cavendish Group ist die beste Werbeagentur in dieser Stadt, wie Asher auch genau weiß. Er hat mir das selbst gesagt, bevor er bei Bauer Marketing angefangen hat.
»Außerdem sollen sie eine ganz tolle Kantine mit hervorragendem Kaffee haben. Was will man mehr?«
Ich muss lachen. »Kaffee? Du kennst mich einfach zu gut.«
»Vielleicht sollte ich mich auch dort bewerben«, sagt Lily.
Während sich die beiden unterhalten, schweifen meine Gedanken ab.
Ich muss wieder an meinen Vater denken. Ich brauche nur die Augen zu schließen, um sein Gesicht vor mir zu sehen. Sein Lächeln … Er war immer so stolz auf mich.
Ich habe mich immer noch nicht daran gewöhnt, dass er nicht mehr da ist.
Als ich spüre, dass meine Hände zu zittern anfangen, schließe ich die Augen. Jetzt bloß nicht weinen! Dad hätte das auch nicht gewollt. Er hätte sich gewünscht, dass ich heute feiere und Spaß habe.
Ich schlage die Augen wieder auf und leere mein Glas in einem Zug. Während mir die Flüssigkeit den Hals hinunterrinnt, spüre ich, dass der Alkohol mich etwas entspannt.
Um mich abzulenken, lasse ich den Blick durch den Raum wandern, der ziemlich steril und nüchtern wirkt, aber anscheinend stehen die Reichen und Schönen auf so etwas. Hinter den von weißen Chiffonvorhängen abgetrennten Nischen an der Wand gegenüber feiern die VIP’s.
Männer wie die, für die ich schon bald bei Cavendish Besorgungen machen werde.
Reich. Privilegiert. Arrogant.
In dem Moment geht einer der Vorhänge auf, und zwei gut gekleidete Männer tauchen auf wie Models auf einer Bühne. Sie haben eine solche Präsenz, dass sie nicht nur mir auffallen. In meiner Nähe drehen sich gleich mehrere Köpfe in ihre Richtung.
Die Frauen tuscheln hinter vorgehaltener Hand und starren die beiden Männer viel zu offensichtlich bewundernd an, was dem Dunkelhaarigen von den beiden nicht zu entgehen scheint, denn er lächelt süffisant. Er nickt einer Gruppe Frauen zu, deren Kleider kaum ihre Pos bedecken. Sie sind so mit Schmuck behängt, dass ich mich unwillkürlich frage, was sie beruflich machen, um sich so etwas in dem Alter schon leisten zu können.
Sie können kaum älter sein als ich.
Mit meinen sechsundzwanzig Jahren bin ich beruflich eine echte Spätzünderin, aber das ließ sich leider nicht vermeiden. Wenn der eigene Vater krank wird, läuft die Zeit plötzlich anders.
Ich richte den Blick von dem dunkelhaarigen Mann auf seinen Begleiter. Bei seinem Anblick stockt mir der Atem, und mein Herzschlag beschleunigt sich. Er ist großgewachsen und breitschultrig mit schmalen Hüften, und sein Anzug sitzt wie angegossen.
Was für ein schöner Mann! Sogar von hier aus kann ich seine wie gemeißelten Gesichtszüge erkennen.
Perfektion in Reinkultur.
Als Asher etwas zu mir sagt, reiße ich den Blick von dem schönen Fremden los und konzentriere mich wieder auf meine Freunde.
Doch schon bald wandert mein Blick wieder wie magisch angezogen in seine Richtung. Es durchzuckt mich heiß, als ich diesmal seinen Blick auffange. Er sieht mich so intensiv an, dass mir der Atem stockt.
Es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass er mich auf die Entfernung gut sehen kann, aber ich bin trotzdem wie gebannt … bis eine exotische, raffiniert gekleidete Schönheit ihm von hinten die Hände auf die Schultern legt und ihm etwas ins Ohr flüstert.
Eifersucht steigt in mir auf, was mir unbegreiflich ist.
Erstens kenne ich diesen Typen gar nicht, und zweitens spielt er in einer derart anderen Liga, dass es geradezu deprimierend ist.
Trotzdem kann ich den Blick einfach nicht von ihm losreißen. So etwas ist mir noch nie passiert.
Verdammte. Scheiße …
»Raven?«, reißt Lilys Stimme mich aus meiner Trance.
Benommen schüttle ich den Kopf, um das Verlangen loszuwerden, das der Blick des Fremden in mir entfacht hat.
»Hm?«, murmele ich geistesabwesend.
»Du freust dich doch auf deinen neuen Job, oder?«
Ich blinzle ein paar Mal verwirrt, bevor ich es schaffe, mich auf ihre Frage zu konzentrieren. »Ja, schon, aber …«
»Aber was?«
»Ehrlich gesagt …« Verlegen beiße ich mir auf die Unterlippe.
»Jetzt sag schon! Du weißt doch, dass du uns gegenüber immer ehrlich sein kannst.«
Ich seufze. »Ehrlich gesagt bin ich ganz schön nervös. Versteh mich nicht falsch, ich bin froh, den Job bekommen zu haben, und ich weiß, dass ich die nötigen Qualifikationen dafür habe, aber trotzdem mache ich mir Sorgen. Was ist, wenn ich Mist baue? Bin ich überhaupt gut genug? Was passiert, wenn ich diese Chance vermassle? Weißt du, was ich meine?« In Momenten wie diesen vermisse ich Dad am meisten. Er würde sich mit mir an unseren Küchentisch setzen, mir Kekse anbieten und mir lächelnd versichern, dass ich mir keine Sorgen zu machen brauche. Und ich würde ihm glauben.
Asher muss lachen. »Wow, du drehst ja völlig durch! Atme am besten erst mal tief durch.«
Ich bin froh über seine Reaktion. Er lässt nicht zu, dass ich mich in meiner Trauer suhle.
Dad würde das auch nicht wollen.
Lily mustert mich wieder voller Mitgefühl. »Mach dir keine Sorgen, du packst das schon. Schließlich warst du immer die Beste von uns Dreien.«
Ich hole tief Luft, um meinen rasenden Herzschlag wieder zu beruhigen.
»Sehe ich genauso. Du kommst noch ganz groß raus, davon bin ich fest überzeugt.« Asher lächelt mir aufmunternd zu.
Ich erwidere das Lächeln meiner Freunde dankbar. Ich kann froh sein, die beiden zu haben. Vor allem Ash hat immer an mich geglaubt, egal, wie groß meine Selbstzweifel waren. Das schätze ich am meisten an ihm.
»Ash hat recht. Du kommst gut mit Menschen klar und beherrscht das, was du für die Branche brauchst, aus dem Effeff. Außerdem hast du einen hervorragenden Blick für Details, die den meisten anderen Menschen entgehen.«
Abwehrend hebe ich die Hände. »Ist ja schon gut, Leute! Spart euch den Zuspruch, es geht mir gut.«
Asher hebt skeptisch die Augenbrauen.
»Das war ernst gemeint«, beharrt Lily.
Um das Thema zu wechseln, winke ich Richtung Tresen. »Hat jemand Lust auf Shots?«
»Ich würde nicht Nein sagen«, sagt Asher grinsend.
Wir drehen uns zu Lily um und sehen sie erwartungsvoll an. »Da bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als Ja zu sagen, oder?«, fragt sie lachend.
Asher lächelt hier zu. »Hervorragend, ich mag dich, wenn du betrunken bist.«
»Ich habe das hier echt vermisst«, gestehe ich. »Wir gehen viel zu selten gemeinsam aus.«
»Finde ich auch«, stimmt Asher zu, bevor er den Barkeeper zu sich winkt und zwei Runden Shots bestellt.
Als wir die erste Runde gekippt haben, verziehen wir das Gesicht, und Lily und ich spülen den Tequila rasch mit je einem frischen Glas Champagner hinunter.
Morgen haben wir garantiert Kopfschmerzen.
»Jetzt fällt mir wieder ein, warum ich keine Shots mag.« Lilys angewiderte Grimasse bringt Asher und mich zum Lachen.
»Auf den neuen Job!«, rufen wir.
»Und auf deinen ersten Gehaltsscheck«, fügt Lily hinzu.
In der Hoffnung, den attraktiven Fremden wiederzusehen, blicke ich Richtung VIP-Bereich, aber natürlich ist er längst fort.
Raven
Die Shots steigen mir sofort zu Kopf.
Für einen Mittwochabend ist es hier ganz schön voll. Überall um uns herum drehen und winden sich schweißnasse Körper.
Doch dank Asher haben wir genug Platz; er schirmt uns vor den lasziv tanzenden Paaren ab.
Der Club hat sich in den letzten beiden Jahren ganz schön verändert. Die High Society hat sich schon immer gern im VIP-Bereich getummelt, aber inzwischen strotzt es hier auch sonst nur so von Designerklamotten, Diamanten und Uhren, die mehr kosten als mein erstes Auto.
Der Club ist nach wie vor die angesagteste Location in der City.
Ein Speed-Dating-Mekka für die Reichen und Berühmten.
Zu unserem Glück hat Asher gute Beziehungen, sonst kämen wir hier nie im Leben rein.
Oder vielmehr seine Familie hat die Beziehungen.
Dank seiner stinkreichen Eltern schwimmt er praktisch in altem Geld und kennt jeden in dieser Stadt, der Rang und Namen hat. Ich würde ihm das zwar nie direkt sagen, weil er darauf besteht, dass er aus eigener Kraft Karriere macht, aber sein Nachname öffnet ihm natürlich Türen, die Normalsterblichen sonst verschlossen bleiben.
Vetternwirtschaft blüht und gedeiht in diesen Gefilden besser denn je.
»O mein Gott, Ash!«, prustet Lily los, als er sich mit der Anmut eines Rasensprenklers um uns herumbewegt. »Du bist eine richtige Schande für diesen Club!«
Sie krümmt sich förmlich vor Lachen, aber Asher ist wirklich alles andere als ein begnadeter Tänzer.
»Hör auf, sonst mach ich mir noch in die Hose!«, rufe ich lachend – ausgerechnet in der kurzen Pause zwischen zwei Songs.
Als mich mehrere Tanzende empört ansehen, brechen wir in schallendes Gelächter aus. Wir sind so albern wie Teenager, aber irgendwie brauche ich das gerade.
Ich habe nämlich etwas Angst vor meinem neuen Lebensabschnitt. Irgendwie freue ich mich natürlich, dass es jetzt endlich ernsthaft losgeht mit der Karriere, aber ehrlich gesagt ist mein erster richtiger Job nicht gerade berauschend, und so oder so muss ich mich erst mal beweisen, ganz egal, was Lily und Asher sagen.
Hoffentlich muss ich wirklich nicht nur Besorgungen erledigen und Kaffee holen, denn damit werde ich garantiert todunglücklich. Ich würde viel lieber am kreativen Arbeitsprozess beteiligt sein.
»Okay, jetzt muss ich aber wirklich auf Klo«, sage ich, um für einen Moment von dem Getümmel um uns herum wegzukommen.
»Ich komm mit. Sorry, Asher!«, ruft Lily ihm zu, bevor sie mir durch die Tanzenden folgt.
»Typisch Mädchen«, murmelt Asher kopfschüttelnd und geht zum Tresen.
Wie überall hat sich vor der Damentoilette eine lange Schlange gebildet. Lily und ich stellen uns hinter zwei Frauen an, die sich lautstark darüber beschweren, dass es für die VIP’s keine Extratoilette gibt. Ich fange Lilys Blick auf und verdrehe vielsagend die Augen. Sie schlägt eine Hand vor den Mund, um ein Kichern zu unterdrücken, aber es ist schon zu spät.
Die beiden Frauen drehen sich zu uns um und funkeln verärgert auf uns herunter. Eigentlich sind sie kaum größer als wir, aber wegen ihrer Dreizehnzentimeterabsätze überragen sie uns trotzdem.
Als ich herausfordernd eine Augenbraue hebe, verziehen sie höhnisch die Gesichter und drehen sich wieder um. Beim Anblick des Profils der einen fällt mir auf, dass sie diejenige ist, die vorhin vom VIP-Bereich den schönen Fremden angesprochen hat.
Sofort verspüre ich wieder einen Anflug von Eifersucht. Voller Neid betrachte ich ihr metallicschimmerndes Kleid, das garantiert mehr gekostet hat als der Inhalt meines Kleiderschranks zusammengenommen. Es sitzt wie angegossen und betont Kurven, die wahrscheinlich seit Jahren keine Kohlenhydrate gesehen haben. Sie sieht wahnsinnig sexy und glamourös aus.
Beschämt senke ich den Blick zu meinem billigen Amazon-Kleid. Ich verstehe mich selbst nicht. Eigentlich bin ich nicht der neidische, missgünstige Typ. Ich freue mich über jeden Erfolg meiner Geschlechtsgenossinnen, ehrlich!
Aber heute Abend ist irgendwie alles anders. Ich hasse diese Frau – eine Wildfremde – geradezu, und das nur, weil sie einen Mann kennt, mit dem ich lediglich einen Blick gewechselt habe. Andererseits landet sie wahrscheinlich nachher mit ihm im Bett, während ich allein in meine bescheidene Wohnung zurückkehren werde.
Mein Leben ist einfach erbärmlich.
»Hey, darf ich dich etwas fragen?«, reißt Lily mich aus meinem Selbstmitleid.
Sie schwankt leicht, was mir verrät, dass sie betrunken und entsprechend enthemmt ist. Bestimmt will sie mit mir über Asher reden.
»Klar, schließ los«, sage ich und schiebe sie ein Stück weiter, weil unsere Vorgängerinnen weitergerückt sind.
»Also …« Sie verstummt wieder.
»Es geht um Asher, oder?«, versuche ich, ihr auf die Sprünge zu helfen.
Sie nickt. »Ja, aber nicht nur. Es geht eher um dich und Asher.«
Verwirrt lege ich den Kopf schief. »Es gibt kein ›ich und Asher‹, Lil!«
Seufzend schüttelt sie den Kopf. »Glaubst du denn, dass sich das je ändern wird?«, fragt sie fast scheu.
Mit meinem sehr undamenhaften Schnauben errege ich wieder die Aufmerksamkeit der beiden Frauen vor uns, die uns angewidert mustern. Ich schenke ihnen ein künstliches Lächeln, das sie noch mehr zu verärgern scheint, bevor ich mich wieder Lily widme.
»Niemals! Wie kommst du nur darauf? Ash ist wie ein Bruder für mich.« Ich rümpfe die Nase. »Ich weiß, du glaubst, er mag mich, aber das liegt nur daran, dass wir uns schon so lange kennen. Zwischen uns läuft nichts und wird auch nie etwas laufen, glaub mir.« Ich muss lächeln, als sie erleichtert aufatmet.
»Danke!« Sie umarmt mich fest. »Du bist meine beste Freundin, und ich würde mich dir nie in den Weg stellen, solltest du mehr von ihm wollen.«
»Asher wird immer nur ein Freund für mich sein, versprochen«, versichere ich ihr.
Als wir wieder vorrücken, fällt der Frau mit dem rabenschwarzen Haar vor uns ihre Clutch runter. Ohne nachzudenken, hebe ich sie auf, was mir noch nicht mal ein »danke« einträgt.
Geld und Benimm schließen sich offensichtlich aus.
Lily beugt sich vertraulich vor. »Äh … Raven?«, flüstert sie. »Kennst du den Typen da zufällig?«
Verwirrt folgte ich ihrem Blick Richtung Herrentoilette.
Der schöne Fremde aus dem VIP-Bereich von vorhin steht vor der Tür und sieht mich wieder direkt an.
Aus der Nähe ist er sogar noch attraktiver. Sein gepflegter Dreitagebart lässt ihn zugleich männlich und sexy wirken. Mir läuft ein lustvoller Schauer über den Rücken, und das Blut schießt mir in die Wangen, während ich ihn schamlos betrachte. Das belustigte Lächeln, das sich über sein Gesicht breitet, macht ihn sogar noch anziehender, falls das überhaupt möglich ist.
Errötend wende ich den Blick ab.
»Nein, ich habe ihn noch nie gesehen.« Keine Ahnung, warum ich das sage, denn es ist glatt gelogen. Auch wenn unser Blickwechsel vorhin nur kurz war – er war alles andere als wirkungslos. Zumindest, was mich angeht.
Nur, was dich angeht, Raven!
»Ich habe irgendwie den Eindruck, er hat ein Auge auf dich geworfen.«
Ich schüttle den Kopf. »Bestimmt nicht.« Ich erröte noch heftiger. »Außerdem ist er mit ihr hier.« Ich zeige vage auf die beiden Frauen vor uns.
»Wen?«, fragt Lily verwirrt, bevor sie mich verdutzt ansieht. »Wirst du etwa gerade rot? Du wirst sonst nie rot.«
»Werde ich nicht! Es ist einfach viel zu warm hier drin.« Wie zum Beweis fächle ich mir mit einer Hand Luft zu.
Sie lacht. »Kein Wunder, dass dir heiß ist. Er ist wirklich wahnsinnig sexy.«
Als ich diesmal die Augen schließe, sehe ich statt meines Vaters den Fremden vor mir. Sein Anblick ist jetzt wahrscheinlich in mein Gedächtnis eingebrannt wie ein lästiger, immer wiederkehrender Traum, den man einfach nicht abschütteln kann. Ich stöhne innerlich, weil ich mich so albern benehme.
Okay, der Typ sieht echt gut aus, aber das hier ist New York City. In dieser Stadt wimmelt es nur so von attraktiven, erfolgreichen Männern. Meine heftige Reaktion auf ihn ist wahrscheinlich nichts weiter als das Resultat meiner selbst auferlegten langen Durststrecke.
Ich habe mich in den letzten zwei Jahren nämlich bewusst von Männern ferngehalten, um mich voll und ganz auf meinen Abschluss und die Jobsuche konzentrieren zu können. Ich habe mir für meinen MBA an der Columbia Business School förmlich den Arsch aufgerissen.
Und da Männer das Leben meistens nur unnötig kompliziert machen und Sex sogar noch mehr, habe ich bewusst auf beides verzichtet.
»Was dauert denn da so lange?«, höre ich jemanden hinter uns meckern und schlage die Augen wieder auf.
Vor uns stehen immer noch mindestens zehn Frauen.
Ich schnaube genervt. »Das ist ja lächerlich!«, sage ich zu Lily. »Ich halte es noch eine Weile länger aus. Du auch?«
Sie nickt. »Klar. Vielleicht ist die Schlange ja später kürzer.«
»Eher unwahrscheinlich. Aber dann sind wir vermutlich noch betrunkener als jetzt und stören uns nicht mehr an unserer vollen Blase.«
Lily stöhnt laut auf. »Ich weiß wirklich nicht, was Ash an diesem Club findet. Die Menschen hier sind so rücksichtslos.«
»So schlimm ist es nun auch wieder nicht. Wir haben doch viel Spaß.« Sie zuckt nur die Achseln. »Das hier ist Ashers Welt, Lil. Wenn du eine Zukunft mit ihm willst, wirst du dich daran gewöhnen müssen.«
Ihre Wangen röten sich, und ihre Wimpern flattern. »Mag sein.«
Während ich meiner Freundin zulächle, kann ich nur inständig hoffen, dass ich sie nicht direkt in eine Sackgasse schicke.
Als wir die Schlange verlassen, stoße ich fast mit einer Frau hinter mir zusammen. »Sorry«, entschuldige ich mich, aber sie reagiert so gut wie gar nicht.
Bei unserer Rückkehr in den Clubraum sehe ich prompt den schönen Fremden an einem Stehtisch stehen, umringt von weiteren unfassbar schönen Frauen. Wahrscheinlich hat er es vorhin mit der dunkelhaarigen Frau in der VIP-Nische getrieben und geht jetzt direkt zur Nächsten über.
Als er meinen Blick auffängt, lächelt er mir spöttisch zu. Abrupt kehre ich ihm den Rücken zu.
»Scheiße, ich will einfach nur noch nach Hause!«, stöhne ich.
Lily sieht mich verwirrt an. »Weswegen denn?«
»Der Typ von vorhin hat mich gerade dabei ertappt, ihn anzustarren.«
Lily lacht und wackelt vielsagend mit den Augenbrauen. »Du solltest ihn einfach ansprechen.«
»Was?«, frage ich erschrocken. »Auf keinen Fall!« Abwehrend schüttle ich den Kopf. »Ich kenne ihn doch gar nicht!«
»Hast du etwa Angst?«, stichelt sie.
Ich funkele sie gereizt an. »Klar. Bei meinem Glück ist er garantiert ein Serienkiller, der gerade sein nächstes Opfer anvisiert. Wer weiß, vielleicht ist er sogar ein Vampir.« Ich blecke die Zähne.
Lachend wirft Lily den Kopf in den Nacken.
»Komm, du Dramaqueen, wir amüsieren uns weiter.«
Sie dreht mich um und schiebt mich Richtung Tresen, wo Asher schon auf uns wartet. Er hat eine weitere Runde Shots bestellt. Obwohl ich schon mehr als genug getrunken habe, greife ich zu und genieße das Brennen in meinem Hals.
»Warum habt ihr so lange gebracht?«, ruft Asher über die laute Musik hinweg.
»Die Schlange vor der Damentoilette war ewig lang«, erklärt Lily. »Wir haben es irgendwann aufgegeben.«
Ich zeige auf die Tanzfläche. »Lasst uns weitertanzen!« Als ich Lily mit mir zerre, erklingt ein alter Rap-Song, der wieder in Mode gekommen ist. Lily wehrt sich nicht. Unsere Hemmschwellen sind niedrig genug, um ausgelassen zu tanzen.
Auch ich mache mit, ohne mich darum zu scheren, wer mich dabei beobachtet.
Ich fühle mich frei.
Schweiß rinnt mir über den Nacken, aber ich kann trotzdem nicht aufhören. Ich bin wie in Trance.
Das durch meinen Körper pumpende Adrenalin hat meine Sorgen von vorhin komplett vertrieben. Voller Lebensfreude werfe ich die Hände in die Luft und schwinge die Hüften.
Als ich mich nach Lily umsehe, begegne ich plötzlich wieder dem Blick des Fremden.
Er sieht mich von der anderen Seite des Raums an und befeuchtet dabei mit der Zungenspitze seine Unterlippe – eine unbewusste Geste, die ich trotzdem total sexy finde.
Lily stößt mich von der Seite an. »Er sieht echt toll aus«, ruft sie etwas zu laut. »Du solltest ihn wirklich mal ansprechen.«
In diesem Moment spüre ich zwei Hände auf den Hüften und dann einen harten Männerkörper im Rücken. Lilys Gesichtsausdruck verrät mir, dass es Asher ist.
»Sei nicht albern, sie ist mit uns hier!«, ruft er. »In einem Club lernt man nie jemanden kennen, schon gar keine guten Typen.«
»Du bist doch auch hier und bist ein guter Typ«, widerspricht Lily ihm gereizt.
Lächelnd löse ich Ashs Hände von meinen Hüften. »Du hast recht, Lil, ich sollte ihn einfach ansprechen. Er sieht … nett aus.«
Asher hält mich an einem Arm fest. »Wie willst du das von hier aus denn beurteilen? Er könnte ein Serienmörder sein!«
»Sei nicht albern, er ist ein Vampir«, sage ich todernst. »Außerdem, sieh ihn dir doch nur an!«
»Was gibt es da groß anzusehen? Gutes Aussehen sagt überhaupt nichts. Ted Bundy kam auch gut bei den Frauen an, und wie das für sie ausgegangen ist, weißt du ja.«
Lily schnaubt belustigt. »Raven hat recht, du benimmst dich lächerlich. Warum sollte sie sich nicht mit einem Mann unterhalten? Das heißt schließlich noch lange nicht, dass sie nachher mit ihm zusammen nach Hause gehen wird.«
Dankbar nicke ich Lily zu, weil sie mich verteidigt.
Asher schnaubt verächtlich, lässt meinen Arm jedoch los.
Ich lächle Lily ein letztes Mal zu, bevor ich mich zu dem Typen umdrehe, aber er ist schon wieder weg.
Tja, dann soll es wohl nicht sein.
Charles
Wie immer klingelt mein Handy zum falschen Zeitpunkt, aber diesen Anruf kann ich leider nicht ignorieren.
Ich verlasse den Clubraum, um mir ein ruhiges Plätzchen zum Telefonieren zu suchen, falls das überhaupt möglich ist. Club Silver platzt heute nämlich mal wieder aus allen Nähten.
»Warte mal kurz, Kennedy, ich versuche gerade, einen ruhigen Ort zu finden«, rufe ich ins Handy. Hoffentlich ruiniert dieser Aufenthaltsort nicht meine Chance, das derzeit angesagteste Modelabel des Landes zu repräsentieren.
In diesem Moment fällt mir ein versteckter Flur ein, den Paxton mir neulich gezeigt hat. Dort befinden sich zwei private Toiletten für besonders prominente Gäste. Als ich hinter die Mauer unter der Treppe schlüpfe, höre ich mich endlich wieder atmen.
Ich versuche, mehrere Türen zu öffnen, aber sie sind alle verschlossen.
»Shit!«, fluche ich leise vor mich hin. Allmählich werde ich nervös.
Seit zwei Wochen warte ich schon auf diesen Anruf, und natürlich kommt er ausgerechnet jetzt. War ja klar.
Ich versuche es hektisch weiter, bis ich endlich auf eine unverschlossene Tür stoße. Das Zimmer dahinter ist stockdunkel.
Das Deckenlicht im Flur spendet immerhin genug Licht, um zu erkennen, dass es sich um eine Garderobe handelt, die wahrscheinlich wegen der Jahreszeit unbenutzt ist. Ein paar weiße Tücher hängen von Garderobenhaken, und in einer Ecke steht ein Stapel Stühle. Abgesehen davon ist der kleine Raum leer.
Ich trete ein, schließe die Tür hinter mir, und der Lärm von draußen verstummt schlagartig. Ich atme erleichtert auf. Endlich kann ich reden.
»Tut mir schrecklich leid, Kennedy, aber ich bewirte gerade ein paar Kunden im Club Silver, und der Lärm hier ist ohrenbetäubend.«
»Kein Problem, Charles. Danke, dass Sie um diese Uhrzeit überhaupt noch rangegangen sind. Wir stehen kurz vor einer neuen Produkteinführung und haben es daher eilig. Wir brauchen dringend eine strategische Werbekampagne.«
Dieser Auftrag wäre ein Riesengewinn für die Cavendish Group und unsere Investoren. Seit einem halben Jahr versuche ich nun schon, Diosa zu einem Agenturpitch – einer Präsentation unserer Ideen –, zu überreden.
In Großbritannien ist die Cavendish Corporation bekannt wie ein bunter Hund, aber die hiesige Niederlassung existiert noch nicht besonders lange. Wir sind quasi die Neuen am Markt und müssen uns unsere Sporen erst verdienen.
Ich habe zwar einflussreiche Freunde, die mir ihre Unterstützung sofort zugesagt haben, aber trotzdem bin ich in dieser Stadt immer noch ein Außenseiter.
Ein Auftrag von Diosa würde das schlagartig ändern. Der Eigentümer der Marke, Sergio De Rosa, ist der berühmteste Modedesigner des Landes. Sein Okay würde uns über Nacht zur gefragtesten Boutique-Werbeagentur machen.
Jedes Model, jeder Superstar und jeder Spitzensportler, der etwas auf sich hält, trägt Diosa, und die Marke deckt nicht nur Haute Couture ab. Amerikas Mittelklasse rennt Macy’s gerade die Bude ein, um das etwas kostengünstigere und alltagstauglichere Tochterlabel Icon zu erstehen, und in den Einkaufszentren ist das Sportmodenlabel AlteredX der letzte Schrei. Diosa hat mit seinen drei Labels sämtliche Märkte perfekt abgedeckt.
Wenn wir es schaffen, sämtliche Labels unter einem Dach zu repräsentieren, haben wir die Konkurrenz komplett ausgeschaltet. Ich bin überzeugt, dass wir den Auftrag so gut wie in der Tasche haben. Ich habe nämlich bereits das perfekte Promi-Gesicht für alle drei Marken gefunden.
»Mein Team steht schon in den Startlöchern. Sagen Sie wo und wann, und wir legen los mit dem Pitch.«
»Danke. Im Grunde ist der Pitch nur eine reine Formalität, Charles. Wir haben gesehen, was Sie draufhaben. Drew schwärmt schon seit Monaten von Ihnen.«
Ich schulde Drew anscheinend einen Jahresvorrat Scotch. Seine Unterstützung und seine hervorragenden Beziehungen waren mir eine enorme Hilfe.
»Wir müssen nur noch den Vertrag unterschreiben.«
Ihre Worte zaubern ein glückliches Lächeln auf mein Gesicht, dessen ich mich gar nicht mehr für fähig gehalten hätte.
»Ausgezeichnet«, sage ich strahlend. »Wie wär’s mit morgen früh?«
Ich höre ein Rascheln am anderen Ende der Leitung. Anscheinend blättert Kennedy gerade ihren Terminkalender durch. Diosa ist noch oldschool und verlässt sich bisher auf Mundpropaganda, Modenschauen und Magazine. Die ersten beiden digitalen Marketingstrategien der Firma sind gescheitert. Ich will dafür sorgen, dass diese Lücke geschlossen wird.
»Wunderbar! Kommen Sie gleich um neun zu mir ins Büro.«
Ich nicke, obwohl sie mich nicht sehen kann. »Gern. Bis dann.«
»Danke, Charles.«
Kennedy legt ohne Umschweife auf. Es ist schon zehn Uhr – lange nach Büroschluss –, aber in dieser Stadt kann man sich keinen Schlaf erlauben, wenn man Erfolg haben will.
Kennedy Ryker wäre nicht so gefragt und hochbezahlt, wenn sie um Punkt fünf Uhr den Stift fallenlassen würde. Sergios rechte Hand ist das reinste Energiebündel.
Von rastloser Aufregung erfüllt tigere ich in dem kleinen Raum auf und ab. Dieser Anruf könnte mein Durchbruch werden. Die Cavendish Corporation ist in meinem Heimatland sehr erfolgreich, aber dieser Auftrag wird aus der New Yorker Zweigstelle die bedeutendste Werbeagentur in den Staaten machen.
Ich platze förmlich vor Energie, kann aber noch nicht sofort loslegen. Die eigentliche Arbeit kommt erst noch. Den Auftrag zu bekommen, ist eine Sache – eine perfekte Werbekampagne zu erstellen, eine ganz andere.
Ich brauche ab sofort mehr Personal.
Rasch rufe ich meine Favoriten auf und wähle die Privatnummer meiner Assistentin Shelby. Ihr Mann Brad wird mich wahrscheinlich hassen, wenn ich um diese Uhrzeit anrufe, aber das lässt sich leider nicht ändern. Sie hat genauso hart an diesem Auftrag gearbeitet wie ich und es daher verdient, die gute Neuigkeit als Erste zu erfahren.
»Ja?«, meldet sie sich schlaftrunken und ein bisschen ungeduldig.
»Shelby, Darling«, säusele ich, um ihr meinen Anruf zu unpassender Zeit etwas zu versüßen.
»Seit wann redest du mich mit ›Darling‹ an … oder vielmehr warum? Und was willst du …«, sie verstummt kurz, vermutlich, um einen Blick auf die Uhr zu werfen »… nach zehn Uhr abends von mir?«
»Tut mir schrecklich leid, aber ich konnte einfach nicht länger warten, zumal ich wusste, dass du stinksauer auf mich sein würdest, wenn ich nicht sofort anrufe. Wir haben nämlich die Zusage von Diosa.«
Sie keucht verzückt auf. »Was?!« Ich höre Brad im Hintergrund fragen, ob alles okay ist. »Ja, Babe. Schlaf ruhig weiter«, beruhigt sie ihn, bevor sie mit mir weiterredet: »Warum hast du so lange mit dieser Neuigkeit gewartet?«
»Kennedy hat sie mir gerade erst telefonisch mitgeteilt. Ich unterschreibe den Vertrag gleich morgen früh.«
»Das ist ja wundervoll, Charlie!«
Ich krümme mich innerlich beim Klang meines Spitznamens. Abgesehen von meiner Mutter ist Shelby der einzige Mensch, den ich damit davonkommen lasse. Seit dem unaussprechlichen Zwischenfall ist der Name nämlich besudelt.
»Du weißt doch, wie sehr ich diesen Spitznamen hasse!«
»Betrachte ihn als Strafe dafür, mich mitten in der Nacht aus dem Schlaf gerissen zu haben.« Ich kann förmlich sehen, wie sie die Augen verdreht.
»Es ist noch längst nicht mitten in der Nacht, du alte Schachtel.«
Sie lacht, weil sie weiß, dass ich sie nur aufziehe. Ich liebe Shelby. »Zum Ausgleich bringst du mir morgen den Kaffee.«
»So läuft das leider nicht, Schätzchen. Du bist meine Angestellte, nicht umgekehrt.« Ich warte darauf, dass sie auf ihrem Kaffee besteht.
Auf diese Art kabbeln wir uns nämlich öfter.
»Interessiert mich nicht. Oder willst du den Diosa-Auftrag etwa ohne Assistentin in Angriff nehmen?«
Diesmal bin ich an der Reihe, die Augen zu verdrehen. Shelby Donaldson kündigt ihren Job sowieso nicht. Dafür bezahle ich sie einfach zu gut.
»Na schön, dann bringe ich dir morgen eben deine schwarze Lieblingsbrühe. So, und jetzt zum eigentlichen Grund meines Anrufs: Wir brauchen dringend vier weitere Marketing-Analysten – eine für Diosa und drei für Icon und AlteredX.«
Shelby stöhnt genervt. »Können wir das nicht morgen besprechen?«
»Auf keinen Fall. Während ich deinen Kaffee hole, musst du schon mal alles Nötige vorbereiten, damit wir gleich loslegen können.«
»Na gut. Aber noch viel dringender als zusätzliche Analysten brauchen wir einen Kundenberater.« Da hat sie recht. Wegen der beiden neuen Restaurants meiner guten Freunde und Kunden Drew und Bailey Lawson sind unsere derzeitigen Betreuer mehr als ausgelastet.
»Okay. Kümmere dich darum.«
»Die Analystin, die Montag anfängt, hat einen ziemlich beeindruckenden Lebenslauf. Sie hat gerade ihren MBA an der Columbia University gemacht und kann Praktika und einen Teilzeitjob vorweisen, die sie zur idealen Kandidatin für den Job machen würden.«
»Praktika? Teilzeitjob?« Ich schnaube verächtlich. »Das reicht mir nicht. Wir reden hier immerhin über Diosa. Ich brauche jemanden mit mehr Erfahrung.«
Shelby schweigt – ihre übliche passiv-aggressive Art, mir zu signalisieren, dass sie mit meiner Entscheidung nicht einverstanden ist und sich nur notgedrungen fügen wird.
»Vielleicht wäre sie ja für einen anderen Kunden geeignet«, versuche ich, sie zu besänftigen.
»Mal abwarten, wie sie sich Montag macht.«
»Sie kommt erst Montag? Das ist mir zu spät. Frag sie, ob sie nicht früher anfangen kann. Außerdem müssen wir dringend die Belegschaft informieren, am besten bei einem Meeting. Von jetzt an muss alles Schlag auf Schlag gehen.«
Wieder stöhnt Shelby genervt auf. »Ich finde immer noch, dass das bis morgen Zeit hat. Ich bin todmüde. Jetzt schuldest du mir zusätzlich zum Kaffee noch einen Scone.«
Belustigt schüttle ich den Kopf. Wäre Shelby nicht eine so verdammt gute Assistentin, würde ich ihr jetzt gehörig den Marsch blasen.
»Gute Nacht, Shelby.«
Als ich auflege, hoffe ich, dass sie wieder einschlafen kann. Sie hat nicht ganz unrecht. Das Thema neue Mitarbeiter hätte auch bis morgen Zeit gehabt, aber ich bin so aufgeregt, dass ich dringend jemanden zum Reden brauchte – nicht dass ich das je offiziell zugeben würde.
Irgendwie ganz schön mitleiderregend, dass der einzige Mensch, der mir bei einer guten Nachricht zum Reden einfällt, meine Assistentin ist.
Weil du ihretwegen zu allen den Kontakt abgebrochen hast …
Um die finsteren Erinnerungen zu verdrängen, gehe ich zur Tür. Ich habe keine Zeit, an früher zu denken, wenn gerade etwas so Positives passiert ist wie dieser Auftrag.
Das muss gefeiert werden, aber nicht mehr heute Abend. Es gibt einfach zu viel zu tun, und ich brauche erst mal Schlaf. Als ich am Türgriff drehe, rührt sich nichts.
»Was zum …?!«
Ungeduldig rüttle ich am Griff, aber die Tür geht immer noch nicht auf.
Blind lasse ich die Hände über die Metallfläche gleiten, die mich von meinem wohlverdienten Schlaf abhält. Es gibt anscheinend ein Schlüsselloch auf dieser Seite. Das heißt, es handelt sich um ein Doppelzylinderschloss. Ich bin offiziell eingeschlossen.
Das kann ja wohl nicht wahr sein!
Frustriert hämmere ich gegen die Metalltür und rufe Hilfe, auch wenn das wahrscheinlich völlig aussichtslos ist. Der Flur war komplett leer, als ich ihn vorhin entlanggegangen bin. Keine Menschenseele wird mich hier hören. Erst, wenn die Musik ausgestellt wird oder der Club schließt.
Anscheinend kann ich meine dringend benötigte Nachtruhe vergessen, es sei denn, Pax checkt ausnahmsweise mal sein Handy. Wenn er Gäste bewirtet, schenkt er dem Teil nämlich fast keine Beachtung.
»Fuuuck!«
Genervt schalte ich die Taschenlampenapp ein, hole mir einen Stuhl und setze mich, um Pax eine Nachricht zu schreiben.
Bin in der Garderobe eingeschlossen. Hinterer Flur. Brauche dringend Hilfe.
Erst als ich die Nachricht abgeschickt habe, wird mir bewusst, wie lächerlich meine Situation ist.
Hoffentlich läuft wenigstens morgen alles reibungslos. Meine ganze künftige Laufbahn hängt davon ab.
Als sich der Türgriff bewegt, atme ich erleichtert auf.
»Na Gott sei Dank!«
Paxton hat mich anscheinend schon gefunden. Ich könnte ihn küssen vor lauter Dankbarkeit.
Doch als die Tür aufgeht, taucht nicht Paxtons Silhouette im Licht des Flurs auf, sondern die einer Frau, die sich rückwärts in den Raum schiebt, als wolle sie sich vor etwas oder jemandem verstecken.
Das blondgewellte Haar, das ihr bis auf den Rücken reicht, leuchtet im Licht wie ein Heiligenschein. Ich bin so geblendet von der Schönheit des Anblicks, dass ich die Gelegenheit verpasse, die Tür aufzuhalten.
Als sie ins Schloss fällt, seufzen die Frau und ich beide gleichzeitig auf – wenn auch aus völlig unterschiedlichen Gründen.
»Na, wenn das mal keine angenehme Überraschung ist!«
Raven
Fünf Minuten vorher …
Keine Ahnung, wie ich darauf gekommen bin, dass die Schlange vor der Damentoilette diesmal kürzer sein würde, denn wie vorhin ist kein Ende in Sicht. Und die zusätzlichen Shots machen meinen Zustand nicht besser.
In einem so exklusiven Schuppen sollte die Toilettensituation eigentlich besser organisiert sein.
Genervt schnaubend gebe ich es auf. Das Beste wäre wahrscheinlich, nach Hause zu gehen. Dort komme ich garantiert schneller an als bei einer der verdammten Kabinen da vorne.
Als ich mich umdrehe und die Reihe verlasse, stoße ich so heftig mit einem Mann zusammen, dass ich für einen Moment Sterne sehe. Während ich meine Benommenheit abzuschütteln versuche, sehe ich in zwei graugrüne, blau umrandete Augen.
»Na, wen haben wir denn da …«, sagt er gedehnt.
Erst jetzt erkenne ich in ihm einen der beiden Männer, die ich vorhin vor dem VIP-Bereich gesehen habe. Er ist eindeutig attraktiv, aber etwas zu offensiv charmant für meinen Geschmack.
Nicht dass ich einem prickelnden Flirt nicht abgeneigt wäre, aber dieser Typ hier scheint zu der Sorte zu gehören, die es darauf anlegen, reihenweise Frauen abzuschleppen. Seine Ausstrahlung schreit geradezu nach ›Player‹.
»Sorry, da habe ich wohl mal wieder nicht auf den Weg geachtet.«
Ich schenke ihm mein strahlendstes Lächeln, was die gewünschte Wirkung zu haben scheint, denn er erwidert es.
»Wohin so eilig?«, fragt er, und ich muss mich beherrschen, wegen seines lahmen Versuchs, mit mir ins Gespräch zu kommen, nicht die Augen zu verdrehen.
Ich beuge mich vertraulich vor, um ihm ins Spiel zu pfuschen. Typen wie er sind meistens leicht zu vertreiben. Man muss ihnen nur etwas Unbehagen bereiten.
»Na ja … das dauert mir hier irgendwie zu lange.« Ich zeige vage auf die Schlange vor der Damentoilette. »Ich will mir daher irgendeine dunkle Ecke in der Gasse hinterm Club suchen und mich dort erleichtern, das geht schneller.«
Zu meiner Überraschung wirft er den Kopf in den Nacken und lacht schallend.
Mit der Reaktion hätte ich jetzt nicht gerechnet.
Wenn man Männern gegenüber sonst gewisse körperliche Prozesse erwähnt, laufen sie meistens davon, so schnell die Beine sie tragen.
Er wischt sich eine Lachträne aus einem Auge. »Sie sind echt witzig.«
Lächelnd zucke ich die Achseln. »Das war nur halb ein Witz. Es geht hier einfach nicht weiter. Ich überlege schon, nach Hause zu gehen.«
»Also doch keine Ecke in einer dunklen Gasse?« Seine Augen funkeln belustigt.
Ich schüttle den Kopf. »Nein, ich stehe nicht besonders auf dunkle Gassen.«
Ich frage mich, wo sein Freund wohl steckt. Beziehungsweise wo. Und warum ich überhaupt über so etwas nachdenke …
Anscheinend brauche ich dringend psychotherapeutische Hilfe.
Er nickt. »Das beruhigt mich irgendwie. In dunklen Gassen ist es für Frauen nämlich nicht sicher.« Er klingt plötzlich so ernst, als sei ihm meine Sicherheit ein wichtiges Anliegen.
Irgendwie macht mich das neugierig. Was hat er mit angesehen oder erlebt, dass er so seltsam auf den Witz einer Fremden reagiert?
»Ich werd’s mir merken. Kein Herumlungern in dunklen Gassen also. Jetzt muss ich mich aber erst mal auf die Suche nach meinen Freunden machen, damit sie mich an einen weniger zwielichtigen Ort begleiten können. Meine Wohnung zum Beispiel.«
Seine ernsten Gesichtszüge werden etwas weicher, und sein Lächeln kehrt zurück.
»Viel Glück bei der Suche. Ich werde Mathis ausrichten, dass Sie die Toilettensituation hier für äußerst unbefriedigend halten.«
Ich schüttle den Kopf. »Das liegt nicht am Club, sondern an den Gästen. Manche lassen sich einfach zu viel Zeit.«
Er grinst. »Passen Sie nur auf, dass Sie nicht wieder mit jemandem zusammenstoßen.«
»Ich versuch’s.« Ich lächle ihm ein letztes Mal zu, bevor ich mich umdrehe.
»Miss?«, ruft der Mann hinter mir her. Ich bleibe stehen und sehe ihn fragend an.
Er kommt auf mich zu und beugt sich vertraulich vor. »Hinter der Treppe befindet sich eine Privattoilette. Sie ist eigentlich ausschließlich für VIP’s reserviert.«
»Dann gibt es hier so etwas also?«, frage ich freudig überrascht.
Nickend dreht er mich an einer Schulter Richtung Treppe um. »Gleich hinter der Wand da befindet sich ein versteckter Flur. Halten Sie sich an die Metalltüren. Dahinter verbergen sich nämlich die Toiletten.«
Ich bedanke mich lächelnd.
»Lassen Sie sich nur nicht erwischen.«
Erst in dem Moment wird mir bewusst, dass mich ein Typ, den ich gar nicht kenne, in einen verlassenen Flur schicken will.
Ich hebe eine Augenbraue. »Warum benutzen Sie diese supergeheimnisvolle Toilette eigentlich nicht selbst?«
Er grinst. »Männer sind eben schneller.«
»Touché. Aber sollte ich wegen Ihres tollen Tipps in die dunkle Gasse hinterm Club verschleppt und in einen Lieferwagen gestoßen werden, wird mein Fluch Sie auf ewig verfolgen.«
Er lacht wieder. »Sie sind echt köstlich. Niemand wird Sie entführen, versprochen.«
Ich mustere ihn betont skeptisch von Kopf bis Fuß. »Das werden wir ja sehen.«
»Wie schon gesagt, lassen Sie sich nicht erwischen. Mathis will nicht, dass sich die VIP-Toiletten herumsprechen.«
»Ich werde gut aufpassen«, verspreche ich ihm, ohne zu wissen, wie ich dieses Versprechen an einem so überfüllten Ort halten soll. »Ich bin Ihnen was schuldig.«
»Wie wär’s mit einem Obstkorb?«, schlägt er grinsend vor. »Sollten Sie doch jemandem begegnen und gefragt werden, was Sie da machen, sagen Sie einfach, Sie sind ein Gast von Paxton Ramsey.«
»Den Obstkorb kriegen Sie auf jeden Fall«, sage ich lächelnd. »Danke, Paxton. Ich weiß Ihre Gastfreundschaft zu schätzen. Vielleicht sollten Sie den Laden hier leiten.«
Er grunzt. »Ich behalt diesen Vorschlag im Hinterkopf, Miss …?«
»Nennen Sie mich einfach Raven.«
Er mustert mich aufmerksam, als wollte er überprüfen, dass mein Name auch zu mir passt, bevor er nickt.
»Hat mich gefreut, Sie kennenzulernen, Raven. Einen schönen Abend noch.«
Und mit diesen Worten dreht er sich um und hakt sich bei einer schönen Blondine in einem ultrakurzen Minikleid ein, die über und über mit Diamanten behängt ist.
Paxton hat nicht gelogen, als er gesagt hat, der Flur sei schwer zu finden, wie ich kurz darauf feststelle. Ich komme mir vor wie in Die Reise ins Labyrinth, einem Film, den ich mal zusammen mit einem Jungen gesehen habe, den ich während meiner Highschoolzeit gebabysittet habe. Der Eingang ist die perfekte Täuschung. Sieht aus wie eine Wand, aber in Wirklichkeit verbirgt sich dahinter ein geheimer Gang.
Irgendwie cool.
»Metalltür … Metalltür …«, murmele ich vor mich hin, als ich den Gang entlanggehe.
Ich öffne die erste Metalltür auf der rechten Seite, und tatsächlich verbirgt sich dahinter eine Toilette. Bingo! Rasch schlüpfe ich hinein und bin genauso schnell wieder draußen. Als ich gerade den Rückweg antrete, höre ich plötzlich Stimmen von der anderen Seite des Flurs. Panik steigt in mir auf.
Paxton hat mir ausdrücklich eingeschärft, mich nicht erwischen zu lassen!
Als ich mich hektisch umsehe, fällt mein Blick auf eine weitere Metalltür. Noch eine Toilette wahrscheinlich. Perfekt!
Ich eile darauf zu und atme erleichtert auf, als sich die Tür öffnen lässt. Ich schiebe mich gerade rückwärts in den Raum dahinter, als im Gang zwei Menschen um die Ecke biegen. Leise ziehe ich die Tür ins Schloss und warte ein paar Sekunden. Hoffentlich hat man mich nicht gesehen.
»Na, wenn das mal keine angenehme Überraschung ist!«
Ich keuche erschrocken auf. Mir läuft ein Schauer über den Rücken, und ich bekomme eine Gänsehaut.
Die kultivierte, unglaublich sexy Stimme mit dem britischen Akzent lässt sich nur als betörend beschreiben. Mein Unterleib beginnt zu kribbeln.
Grundgütiger!
Ich habe keine Ahnung, wer der Mann ist und was er in diesem dunklen Raum macht, aber die Art, wie mein Körper auf seine Stimme reagiert, ist mehr als nur besorgniserregend.
»Was machen Sie hier?«, frage ich atemlos.
Der Fremde lacht. »Ich könnte Sie das Gleiche fragen, Liebes. Aber ich weiß schon, was Sie hier machen.«
Ich drehe mich zu ihm um, obwohl ich ihn in der Dunkelheit gar nicht erkennen kann. »Ist das so? Dann verraten Sie mir mal, warum ich freiwillig zu einem fremden Mann in ein stockdunkles Zimmer gehen sollte.«
Er schnaubt nur belustigt. »Fremder Mann? Tun Sie doch nicht so. Sie sind mir gefolgt.«
Ich lache schockiert auf. Ist der Typ etwa übergeschnappt?!
»Das bin ich keineswegs.« Meine Stimme klingt erschreckend hoch. »Warum hätte ich Ihnen folgen sollen? Ich weiß ja noch nicht mal, wer Sie sind!«
»Dann habe ich mich wohl geirrt.« Sein amüsierter Tonfall beruhigt mich wieder etwas.
Er klingt nicht wie ein Psychokiller. Andererseits – wie klingen Psychokiller eigentlich?
