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Zwei Schwestern. Rachel, die Jüngere, ist kämpferisch, Lea gibt nach. Und Rachel ist gar kein Mädchen, wenn man der Mutter glaubt . So? Da muss eben jede ihren eigenen Weg gehen. Danach man kann ja immer noch einen Tausch versuchen. Wirklich? Zuerst muss Rachel wissen, wer sie überhaupt ist. Sie macht sich alleine auf die Suche. Von der Heimat aus, in Quanzhou, folgt sie der Seidenstraße, lebt in Balasagun, gelangt nach Zypern. Aus dem Reich der Mongolen gerät sie ins Land der Lateiner. Wie gut - für diese hat sie schon immer geschwärmt. Doch ein alter Betrug verbindet die beiden Frauen Und auch ein Versprechen, und überhaupt die Sehnsucht zueinander. Rachel macht sich noch einmal auf den Weg, zurück zu Lea. Unversehens wird es zu einem Weg zu sich selbst. Und danach? Bei zwei Wegen gibt es immer einen dritten. Ein historischer Roman, eine Entdeckungsreise in die ganze Weite der ost-westlichen mittelalterlichen Welt. Und eine Suche nach Menschenbildern, die tragen.
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Seitenzahl: 860
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Zum Umschlagbild: ein Motiv und seine weltweite Verbreitung
Keramik-Scherbe mit
Glasurmalerei
Mamlukenreich, um 1200
Il Khan-
Kupfermünze
Tabriz, vor 1282
Ausschnitt einer
Deckenmalerei
Mògāo-Grotte Dūnhuáng, Gānsù/China, 6./7. Jh. n. Chr.
Computergestützte
Titelgrafik
© Matthias Binder und Samuel Pantze, 2024
Gewölbeschlussstein-
Relief
St. Peter u. Paul, Wissembourg,
Elsass/Frankreich, um 1300
Terracotta-
Medaillon
Pakistan, um 10. Jh.
Alle Grafiken nach Originalvorlage KI-gestützt vom Autor.
1311 Jahr des Metall-Schweins
1312 Jahr der Wasser-Ratte
1313 Jahr des Wasser-Ochsen
1314 Jahr des Holz-Tigers
1315 Jahr des Holz-Hasen
1316 Jahr des Feuer-Drachen
1317 Jahr der Feuer-Schlange
1318 Jahr des Erde-Pferds
1319 Jahr des Erde-Schafs
1320 Jahr des Metall-Affen
1321 Jahr des Metall-Hahns
1322 Jahr des Wasser-Hunds
1323 Jahr des Wasser-Schweins
1324 ► 2 ◄ Jahr der Holz-Ratte
1325 Jahr des Holz-Ochsen
1326 Jahr des Feuer-Tigers
1327 ► 1 ◄ ► 3 ◄ Jahr des Feuer-Hasen
1328 Jahr des Erde-Drachen
1329 Jahr der Erde-Schlange
1330 Jahr des Metall-Pferds
1331 Jahr des Metall-Schafs
1332 Jahr des Wasser-Affen
1333 Jahr des Wasser-Hahns
1334 Jahr des Holz-Hunds
1335 Jahr des Holz-Schweins
1336 Jahr der Feuer-Ratte
1337 Jahr des Feuer-Ochsen
1338 Jahr des Erde-Tigers
1339 ► 4 ◄ Jahr des Erde-Hasen
1340 Jahr des Metall-Drachen
1341 Jahr der Metall-Schlange
1342 Jahr des Wasser-Pferds
1343 Jahr des Wasser-Schafs
1344 Jahr des Holz-Affen
1345 Jahr des Holz-Hahns
1346 Jahr des Feuer-Hunds
1347 Jahr des Feuer-Schweins
1348 Jahr der Erde-Ratte
1349 Jahr des Erde-Ochsen
1350 Jahr des Metall-Tigers
1351 Jahr des Metall-Hasen
1352 Jahr des Wasser-Drachen
1353 Jahr der Wasser-Schlange
1354 ► 5 ◄ Jahr des Holz-Pferds
1355 ► 6 ◄ Jahr des Hol z -Schafs
1356 ► 7 ◄ Jahr des Feuer - Affen
1357 ► 8 ◄ Jahr des Feuer-Hahns
1358 Jahr des Erde-Hunds
1359 Jahr des Erde-Schweins
1360 ► 9 ◄ Jahr der Metall-Ratte
1361 Jahr des Metall-Ochsen
1362 Jahr des Wasser-Tigers
1363 ► 10 ◄ Jahr des Wasser-Hasen
1364 Jahr des Holz-Drachen
1365 Jahr der Holz-Schlange
1366 Jahr des Feuer-Pferds
1367 Jahr des Feuer-Schafs
1368 Jahr des Erde-Affen.
1369 Jahr des Erde-Hahns.
1370 Jahr des Metall-Hunds.
1371 Jahr des Metall-Schweins.
1372 Jahr der Wasser-Ratte.
► ♦ ◄ Vier Bei gaben
Anhang:Sacherklärungen
Karte
Rachel und ich, wir drei.
Vor 36 Jahren
Im Jahr des Feuer-Hasen
Im Jahr der Griechen 1638
Im Jahr des Herrn 1327
Die Weisen sagen: es kann ein Schmetterling gewesen sein. Dass mit seinem Flügelschlag, weit nördlich von China, letzten Endes ein ganzer mongolischer Taifun ausgelöst wurde. Der Taifun fuhr dann mit nie dagewesener Macht über die bewohnte Welt. Und nichts war mehr, wie es war.
Oder auch nur das seltene Summen einer Mücke. Ihre Aufdringlichkeit kann die Erregung verursacht haben. Während jener Verhandlungen, die Temüdschin mit seinem Blutsbruder und Rivalen führte. Denn was sonst könnte der Grund gewesen sein, dass an die Stelle der Verhandlungen nun neuer Krieg trat. Was sonst außer einer unnötigen Erregung. Und dann: auf Sieg folgte Vorherrschaft. Aus Unbesiegtsein erwuchs die Überzeugung, die Welt beherrschen zu sollen. Aus Temüdschin wurde Dschinggis Khan.
Eines der Völker, die das rechtzeitig einsahen, war das meine. Wir zogen daraus die Lehre, mit dem Sturm zu gehen und nicht gegen ihn. So viele Völker verstanden das nicht. Sie leisteten tapfer Widerstand und verloren für immer ihre Besten und ihre Perlen. Wo ihre Städte blühten, grasen nun die Herden. Nicht aber wir, aus dem Lande Khotscho. Unser Gewinn war das Leben, und die Mongolen wiesen uns eine Rolle im Geschehen zu. So kamen wir – das heißt, meine Vorfahren kamen – überall mit ihnen, erst in den fernen Westen, und am Ende nach Osten, hierher, nach China. In unsere neue Heimat.
Allerdings, wenn man erst einmal von der Eroberung des Westens spricht. Dort war auf halbem Weg jene finstere, hoch aufragende Burg gewesen. Dort, wo die wüste Talschlucht ganz eng wird, wo der linke Felssporn nahe an die rechte Steilwand reicht, da sperrte sie das Tal. Die Grundmauern ließen keine Maus hindurch, die hochragende Brüstung war für gewöhnliche Leitern unerreichbar. Zwischen ihren Zinnen konnte jederzeit tödlicher Regen von Steinen, Pfeilen und Pech hervorbrechen. Diese so genannten Tore des großen Alexanders waren tausend Jahre den Hunnen verschlossen gewesen, und nun verwehrten sie auch den Mongolen den Weg in den goldenen Westen.
Das Heer lagerte schon seit Tagen an dem wüsten Ort, wo die Pferde kein Gras und die Menschen kein Brot fanden. Die Wasserschläuche waren leer, die Jäger hatten die letzte Gazelle erlegt und berieten sich widerwillig, ob man Wüstenfüchse essen soll.
Einem von ihnen war jedoch sein schwarzer Jagdhund ausgekommen, und dem setzte er nun nach. Es dämmerte längst der Abend. Er erkannte bald: sein Hund ist einem Hasen auf der Spur. Das gäbe doch einen kleinen Braten. Doch da, gerade als das große Tier das kleine schon packen wollte! Da war der Gejagte in einem Loch verschwunden. Der Jäger erreichte seinen Hund. Er wollte ihn strafen, es war wichtig, das Tier zu immer noch mehr Jagdwillen zu erziehen. Aber er sah, sein tierischer Helfer versuchte, mit seinen Krallen das Hasenloch aufzuscharren. Vergebens. Denn die Krallen kratzten auf Stein. Auf Stein? Hasen kriechen lieber in die Erde.
Ein Blick ins Dunkel ringsum. Der Jäger erstarrte. Er erkannte, wo er sich befand. Diese Steine waren der Fuß der Burgmauer. Sie erhob sich bedrohlich und finster über ihm. Mächtige Felsblöcke, aneinandergereiht, aufeinandergestapelt. Darinnen der grimmige Feind. Aus Liebe zur Jagd hatte er nicht bemerkt, an welch gefährlichen Ort er geraten war. Er hörte hinter der Mauer eine Eule rufen.
Aber was ist das? Eine Eule in einer Burg? Ein Hase in einer Mauer?
Kurz darauf, noch in der Nacht, rückte das mongolische Heer heran. Sie platzierten ihre Fackeln und ihre grausamen Belagerungsmaschinen. Sie bauten mehr Rampen und Rammböcke. Ja, die Schmiede machten sich daran, ihre Keile von Hand in die Ritzen der Mauer zu treiben, sie zu zersprengen. Sie fürchteten keinen Guss brodelnden Pechs über sich. Die mächtige Mauer würde nicht lange standhalten. Und die Verteidiger? Da waren keine. Hase und Eule wohnen in einer Burg nur, wenn sie verlassen ist. Genau diese Nachricht hatte jener Jäger dem großen Temüdschin mitgeteilt.
Die Tore des großen Alexanders hatten ihre Wirkung verloren im Lauf der Jahrhunderte. Einen mongolischen Taifun hielten sie nicht auf. Denke nicht, du könntest dem Wind den Weg versperren. Er würde nun den Rest der Welt erfassen.
Spätestens seit dieser Zeit ziert das Bild eines Hasen viele Jurten der mongolischen Reiter. Auch meine uigurischen Vorfahren ehrten seitdem das Bild des Hasen. Sie ritten damit nach Westen, und zuletzt kamen sie damit in den chinesischen Osten.
Das alles ist nun weit über hundert Jahre her. So lange schon ist mein uigurisches Volk fester Bestandteil der Sèmù-rén. Wir sind Sèmù-rén, die Kaste der ausländischen Beamten. Wir verwalten China im Auftrag des Großen Khans der Mongolen, für die Dynastie der Yuán.
In meiner eigenen Geschichte bahnte der Hase keinem Sturm den Weg, eher einer Brise. Der Brise eines Lebens. Oder, ich muss sagen, es sind zwei Brisen, das macht schon fast einen halben Wind. Von ihnen will ich hier erzählen.
Das kleine Tier, um das es geht, grau und gutmütig, war ein Zuchterzeugnis meines Vaters. Es lebte hinten im Hof unter dem großen Korallenbaum. Dort in dessen Schatten, wo das Gras der lieblichen Gartenanlage nicht wachsen kann, hatte das Tier einen Auslauf hinter einem ausgespannten Netz, und in einem Bretterverschlag wohnte es. Oft holten die zwei Kinder den Hasen heraus für den Zeitvertreib, und deshalb erlaubte der Vater dem Tier zu leben bis ins Alter. Hier wussten wir nichts von der Unruhe der Völker, noch von den Machenschaften der Stadt. Rechtzeitig vor dem Tod – vor dem Tod des alten Vaters und dem Tod des alten Hasen – wurde ein Künstler bestellt, um sein weiches Fell auf Papier zu bringen. Seine wachsamen Ohren, seinen uralten Blick und seine unförmigen Gliedmaßen. Mit feinem Pinselstrich.
Im Jahr des Feuer-Hasen war die Zeit reif für farbige lange Röcke, für kurze Jäckchen und für den seidenen Hüftschurz, der über beides gewickelt wird. Die Kinder-Kittelchen wurden abgelegt. Der eine neue Schurz war in Türkis, der andere in Smaragdgrün. Am selben Tag hatten außerdem die beiden Kinder, die hiermit zu zwei jungen Frauen wurden, ihre große Entscheidung zu treffen. Eine Entscheidung über ihr ganzes weiteres Leben. Die Kleidung ging also ab nun nach der chinesischen Art, dagegen blieb die Freiheit, eine Sache selbst mitzuentscheiden, uigurisch.
Ebenso wie zum Beispiel das Schuhwerk uigurisch blieb. Obwohl der Vater viel auf sich nahm, den Lehren des Kŏng Fū Zĭ zu folgen, des Lehrmeisters jedes chinesischen Beamten. Der Vater wusste: er hätte viel Anerkennung unter den Nachbarn gefunden, hätte er seinen Töchtern die Füße abgebunden, ganz im Sinne des Kŏng Fū Zĭ, und hätte er damit das eigenwillige Umherschweifen der Mädchen unterbunden. Aber er war so viel Uigure geblieben, dass er die Töchter frei schweifen sehen wollte.
Die Töchter dagegen wussten in ihrer verbliebenen Freiheit nicht, wie sie zu einer Entscheidung über ihre gesamte Zukunft gelangen sollten. So kamen sie zu der Übereinkunft: der Hase würde die Richtung weisen.
Die beiden jungen Frauen nahmen also vor Sonnenaufgang je ein junges Blatt von der Kohlstaude. Sie stellten sich an das Gehege unter dem Korallenbaum, an ihre gewohnten Plätze dort. Es gibt dort eine Rachel-Seite, das ist rechts, und eine Lea-Seite, das ist links von dem Baum. Die Mutter hatte das so eingerichtet.
Denn wenn manchmal die beiden Kinder Streit hatten um den Hasen, dann sagte die Mutter zu der einen:
Lea, stell dich auf deine linke Seite!
Und die andere, deren Schwester Rachel, wies sie nach rechts:
Du, bleib auf deiner eigenen Seite!
In solchen Streitfällen entschied das Tier an Stelle der Kinder, wessen Nähe es wollte, und es entschied auch der Wohlgeschmack der Krautblätter, mit denen sie das Tier lockten. Die Gewinnerin der tierischen Gunst durfte in der nächsten Stunde alleine mit dem Hasen spielen. Was immer schnell langweilig wurde. Denn der Graue war meist gerade dann anziehend für die beiden, so lange sie um ihn stritten.
An jenem Tag der großen Entscheidung lief es folglich genauso ab. Die beiden legten bei Sonnenaufgang jeweils ihre sorgfältig ausgewählten Blätter unter den Baum, auf die Rachel-Seite und auf die Lea-Seite, um dann den Hasen aus dem Verschlag herauszulassen. Das Tier würde sogleich seine Freude über das frische Grün zeigen.
Dass es sich letztlich für Rachels Blatt entschied, war ganz gewiss seiner uralten Weisheit zu verdanken. Es lief zuerst auf Leas Blatt zu, wurde dann angehalten wie von göttlicher Hand, wirkte verunsichert und ziellos, und kam dann nach rechts und verzehrte Rachels Kohl. Lea haderte sehr damit. Natürlich ließ sie sich nichts anmerken, denn die Weisheit, die hier in grauem Pelz verkörpert war, musste gültig bleiben. Sie beglückwünschte Rachel in aller Form.
Warum hatte nur der Vater die Entscheidung nicht selbst treffen wollen! Er hätte sich gewiss für Lea entschieden, die Ältere! Der Vater dagegen hatte gesagt, bei Zwillingskindern kann man eine Lebensentscheidung nicht dem Rat der Weisen überlassen, denn Zwillingskinder sind unter denselben Sternen geboren. Die wenigen Minuten des Abstands der Geburt reichten für einen Sterndeuter nicht aus, beider Schicksale genau zu unterscheiden. Wie leicht hatte es sich der Vater gemacht. Die Entscheidung den beiden zu lassen!
Dann haderte Lea damit, dass sie sich auf Rachels Einfall mit den Kohlblättern eingelassen hatte. Sie hätte kämpfen müssen, anstatt orakeln zu lassen!
Lea wäre sehr gern diejenige gewesen, die mit einem Ehemann nach Khotscho ziehen würde ins Land der Ahnen. Die ferne, helle, unbekannte Heimat. Zwei Generationen lang war niemand aus der Familie mehr dort gewesen. Nun aber gab es einen heiratswilligen Jüngling mit einem solchen Vorhaben, mit eben diesem Reiseziel. Aber es gab nicht zwei davon. Nur eine Tochter konnte dem jungen Mann mitgegeben werden als Verlobte und Heimreisegefährtin.
Und jetzt? Weil ein einfaches Tier auf eine Seite hinübergehoppelt war, sollte es Rachel sein, die diesen Weg antreten durfte? Und Lea sollte sich mit irgendeinem anderen aus Quánzhōu begnügen? Aus dieser irgendeinen Stadt, in die der große Khan seinen altgedienten General versetzt hatte? (Damit ist der Vater gemeint.) Warum nur hatte sich Lea auf ein solches Orakel eingelassen!
Weil sie wusste: im offenen Kampf um einen Ehemann wäre sie von vorneherein unterlegen. Anders als der Vater wusste sie ja, dass Zwillinge in keiner Weise gleich sind. Dass eine von beiden sich leichter durchsetzt als die andere. Bei Zwillingen mögen die Verschiedenheiten geringfügig sein. Aber diejenige, die sich geringfügig leichter durchsetzt, setzt sich eben durch. Und schon hast du einen abgrundtiefen Unterschied. Wenn dagegen der Appetit eines Tiers entscheiden würde, so hatte Lea gedacht, dann bestanden gleich gute Aussichten auf jenes Glück, nach dem sie sich gleichermaßen sehnten.
Dass Lea so gedacht hatte, trug nun zu ihrem allgemeinen Hader bei. Wieso macht man sich überhaupt erst Hoffnungen!
Rachel sah das. Denn unter Zwillingen kann ein verborgener Hader nicht verborgen bleiben. Daher machte sie einen Vorschlag, aus einem Gerechtigkeitssinn heraus. Sie wollte nach der Hälfte – so sagte sie! Nach der Hälfte! – wiederkommen nach Quánzhōu. Und sie konnten dann tauschen, sagte sie. Auf solche Gedanken kann nur Rachel kommen.
Tauschen?
Natürlich tauschen.
Dann müssten uns auch die Ehemänner tauschen.
Du weißt es doch! Wie oft uns die Leute sowieso vertauscht haben. Sie haben sich nicht einmal bemüht, uns zu unterscheiden.
Wir werden in den Jahren unterschiedlicher werden. So sagt die Mutter. Und unsere zukünftigen Ehemänner werden uns ja nun nicht vertauschen.
Denke daran, wie manchmal der Vater eine Frau mit der Mutter vertauscht.
Du weißt, dass ich ein solches Vertauschen nicht gemeint habe.
Versuchen muss man es. Ohnehin wissen wir nicht, wie dann alles sein wird.
Du sagst es. Wie sollen wir jetzt wissen, was dann sein wird. Was meinst du überhaupt: nach der Hälfte? Die Hälfte von was?
Nach der Hälfte eines Ehelebens.
Wir müssten wissen, wie lange die Ehe währen wird, um die Hälfte zu berechnen. Wir müssten warten bis zum Ende, dann wüssten wir es. Und dann ist die Hälfte längst verstrichen.
Das ist doch ungefähr nur. Ich verspreche dir, wir werden es wissen. Sobald es möglich ist, komme ich zurück. Dann tauschen wir.
Ich weiß ja nicht, ob ich das dann noch will.
Abgemacht?
Das ist ein großes Versprechen, das du da so leicht gibst.
Abgemacht?
Abgemacht.
Wenn ich dir alles erzählt haben werde, dann wirst du verstehen: Diese Abmachung war einzig dadurch einlösbar, dass Rachel, meine Schwester, die Gewinnerin war. Die von dem Hasen unter dem Korallenbaum nach Westen, nach Khotscho geschickt wurde. Nur sie ist es, der es gelingen kann, den Kreis zur rechten Zeit wieder zu schließen. Falls er sich überhaupt schließen lässt. Umgekehrt wäre es nie und nimmer Rachel gewesen, die ein wunderbares Kind zur Welt hätte bringen können. Wie es Gott nur mir geschenkt hat. Das wirst du dann auch verstehen. Rachel ist die Unstete von uns beiden. Und diejenige, die listiger um etwas kämpft. Ja, listiger.
Und weil das so ist, war es auch gar nicht der Hase, der damals die Entscheidung herbeigeführt hat. Ich erfuhr das etliche Jahre später, nachdem ich schon lange von meiner heimatreisenden Schwester getrennt war. Eine der Sklavinnen teilte es mir mit.
Yuán-Yuán, die alte Sklavin, hatte Rachel in der Nacht vor jener Entscheidung unseres Lebens beobachtet. Sie hatte gesehen, wie meine Schwester in einem Käfig einen Sonnendachs zum Korallenbaum trug, und herausholte, am Kragen gepackt. Hatte gesehen, wie sie dieses kleine Raubtier auf der linken Seite des Baums, auf der Lea-Seite, über die Erde zog. Auf meiner Seite. Es ist klar, der Sonnendachs hinterließ dort in seiner Wut seinen fauligen Duft. Ein Hase scheut sich jedoch, die Duftspur eines Raubtiers zu überqueren. Die Entscheidung des Hasen war da, noch vor der Morgendämmerung, längst entschieden. Noch Tage danach hielt sich das Tier fern von meiner Lea-Seite. Von diesem Tier – dem Hasen, nicht dem Sonnendachs – habe ich also nun das Gemälde jenes Künstlers vor mir liegen. Aus farbigen Tuschen, auf fein geschöpftem Papier. Ein Meisterwerk, wie du es nur in China finden wirst, ein Meisterwerk, obwohl es in diesem Land unzählige und weit bessere Meisterwerke gibt. Der Anblick des Bildes weckt in mir Zärtlichkeit, Hader, und Angriffslust. Eben die Dinge, die mich mit Rachel eng verbinden. Ich habe noch mehr Bilder übrig von unserem Leben. Einem Leben, das gefährlicher und schöner nicht sein könnte. Die Bilder begleiten unseren Lebensweg, so lange, bis ich meine Schwester wiederfinde. Ja womöglich eins werde mit ihr. Irgendwann wird es unseren ewigen Wettstreit nicht mehr geben.
Hast du einmal vom Tàijí Tú gehört? Es ist jenes Symbol, das Yīn und Yáng darstellt. Zwei Formen wachsen eine aus der anderen, wachsen je für sich aus einem kleinen Winkel heraus, aus einem Nichts, zu einem Kreis. So, wie sie auseinander hervorgehen, fügen sie sich zusammen in eins, in einen größeren Kreis. Aus Zweien wird ein Drittes, denke darüber nach: Das Eine ist ein Drittes aus Zweien. So sind wir beide. Das Tàijí Tú zeigt, wie eng Rachel und ich zusammengehören, und am Ende eins sind. Dann bin ich Lea und bin doch auch Rachel. Du verstehst, dass ich dir noch nicht sagen kann, ob es gelingen wird, denn ich bin ja noch nicht am Ende meiner Tage. Aber ich bin auf dem Weg, und Rachel ist… nun, wir können es noch nicht sagen.
Ich bleibe noch beim Bild des Hasen. Sei nicht ungeduldig. Meinen Schatz an anderen Bildern zeige ich dir sogleich. Doch bleibe auch du noch bei diesem ersten Bild.
Denn der Berufskünstler, als er es malte, hatte den Einfall, einige Zeichen in Phags-pa daneben zu schreiben. Also in der vereinfachten Schrift, die auch ich lesen kann. Es ist üblich, neben Bilder auch zugehörige Gedanken zu schreiben. Er pinselte also einige Zeichen aus jener alten Ballade, die wir als Kinder bei den Straßensängern in Quánzhōu gehört haben. Nur chinesische Straßensänger können solche Balladen singen, du kannst die Lieder der arabischen Alatiyye und die der fränkischen Barden nicht damit vergleichen. Darin heißt es:
Männliche Hasen rennen gerne wild umher.
Weibliche Hasen haben verschleierte Augen und einen glasigen Blick.
Wenn du sie jedoch beieinander auf der Wiese sausen siehst,
wie kannst du sie dann unterscheiden? Wer ist dann das Männchen oder das Weibchen?
Das hat mit Yīn zu tun und mit Yáng. Nimm zwei Wesen, und immer wird eines davon für das Yīn stehen, das Männlichere, das andere für das Yáng, das Weiblichere. Rachel und Lea zum Beispiel. Denn auch wenn es in der Ballade um Männer oder Frauen geht, so geht es doch um mehr. Die Ballade von den beiden Hasen ist mir, das wirst du verstehen, auch ein Bild von Zwillingen.
Vielleicht wird unser schnell gewordenes Leben am Ende so dahinrennen, dass du Rachel und Lea nicht mehr wirst unterscheiden können, in ihrer unterschiedlichen Eigenart. Oder es wird gar so schnell werden, dass nichts mehr ist zwischen mir und ihr. Ja, zwischen mir und allem. Der Blick, der mein Auge verlässt, bis er das erfasst, was ich liebe, benötigt nur sehr wenig Zeit. Wird aber das Dasein schneller als der Blick, dann bin ich vorher schon dort, noch ohne es gesehen zu haben. Dann ist alles eins. Das ist eine Sehnsucht, die ich mitunter verspüre. Das nennt man vielleicht die Ewigkeit. In der alles in eins fällt.
Drei Jahre zuvor
Im Jahr der Holz-Ratte
Im Jahr der Griechen 1635
Im 4. Jahr des Tàidìng, das ist die 1. Ära des Yuán-Khans Yesun Timur
Im Jahr des Herrn 1324
Dass der Augenblick kommt, an dem zwei Geschwister getrennt werden – wer entscheidet nun so etwas? Kein Orakel und kein Vater, sondern Gott, Ursprung aller Dinge.
Es ereignete sich, kurz nachdem der Vater die beiden Geschwister vom lateinischen Bischof Andreas fortgeholt hatte. Nicht der Vater allein, sondern er hatte zusammen mit dem Schamascha beim lateinischen Bischof vorgesprochen und nach seinen Töchtern verlangt. Schamascha wiederum, das meint den Gehilfen des eigentlichen Bischofs von Quánzhōu, des uigurischen, der schon viel länger in der Stadt war.
Lea wurde mit Rachel zusammen vom Chorgesang der Mädchen fortgeholt. Aus dem Haupthaus heraus mussten sie den Durchgang zu dem abgesonderten Häuschen nehmen, und beim Bischof Andreas eintreten. An der seidenen Trennwand vorbei. Dahinter saßen die Männer, mitten im geschmackvollen Raum, zu dritt. Den Schamascha und den Vater anzutreffen, überraschte sie. Natürlich blieb Lea neben ihrer Schwester auf gehörige Weise stehen. Sie erfuhren, dass die Zeit in der lateinischen Schule und im Chor hiermit zu Ende war.
Eine vorhersehbare, und doch eine echte Überraschung. Dass ihre Zeit hier zu Ende gehen würde, das wusste eine jede unter den Chormädchen. Nur der Bischof Andreas – der wusste es nicht. Sie sah in sein aufrichtiges Gesicht, als er Dinge mit dem Vater besprach. Der Bischof Andreas hatte den Chor vor wenigen Jahren gegründet, um später Verlobte Christi aus den Mädchen zu machen, Bräute für die himmlische Ewigkeit. Sie alle, Töchter aus gutem Hause, wussten dagegen, dass es irdische Ehemänner für sie geben würde. Sobald die Väter es vorsahen.
Nun, diejenigen Kinder, die der lateinische Kirchenmann von den Gassen Quánzhōus zusammengeklaubt hatte, die verlorenen Kinder ohne Eltern, das war etwas anderes. Diese Gefundenen konnten vielleicht Bräute Christi werden.
In Lea stieg insgeheim die Freude auf. Sie hatte sich auf diesen letzten Tag gefreut. Auf das Ende des Singens in dieser so fremdartigen Sprache. Sie liebte das Latein nicht. Vielleicht, weil sie wusste, dass Rachel es als etwas sehr Schönes empfand. Rachel liebte die lateinischen Psalmen, und Lea daher das Gegenteil. Wunderlich. Du stehst Hand in Hand mit deiner Schwester, nimmst gemeinsam Abschied, und sie wird es traurig finden, du selbst aber freust dich.
Der Vater und der Schamascha tauschten mit dem Bischof Höflichkeiten aus. Die beiden Uiguren lobten sehr den Lateiner dafür, wie er immer mit den Chormädchen die Mongolen erfreute.
Ja. Manchmal hatten die Mädchen dem Darugatschi von Quánzhōu einige Psalmen vorgesungen, und dort waren immer viele mongolische Beamte anwesend, und diese ließen sich den fremdartigen Psalmengesang des fernen Westens alle gut gefallen. Und nach solchen Auftritten pflegte der Bischof Andreas den Mädchen zu sagen, es würde nicht lange dauern, dann werden die Mongolen sich zum Herrn Jesus Christus bekehren, und zu seiner himmlischen Mutter. Nur wegen der schönen Stimmen der Mädchen und ihrem reinen und göttlichen Gesang.
Auch in diesem Fall wusste Lea, dass es sich anders verhält. Die Mongolen würden sich am nächsten Tag auch das Mantra eines Mönchs des Buddhas gefallen lassen. Und am übernächsten die Rezitation eines ʿImams des Propheten Muḥammad, genauso gerne. Sie freuen sich an den Gebräuchen jeder Religion.
Nicht den Gesang der Chormädchen empfanden die mongolischen Herren als Reichtum, sondern die Fülle an religiösen Gebräuchen in ihrem großen Reich. Das ist die Wahrheit. Der Vater hatte es seinen Mädchen so gesagt. Aber dem Bischof Andreas wollte der Vater seine Freude und Zuversicht nicht nehmen, und so hatte er ihm diese Wahrheit nie sagen wollen. Seine Töchter lernten eine Menge von dem Mann aus den fernen lateinischen Ländern. Dinge, die Lea nicht unbedingt lernen wollte, aber der Vater wollte es. Und er wollte daher den Bischof bei guter Stimmung halten. Auch heute, selbst beim Abschied.
Heute war es mit allem vorbei. Was war geschehen mit ihrem alten Vater? Die Lateiner sind vielleicht die Zukunft, pflegte er doch zu sagen. Sie haben sich viel Mühe gemacht. In unser Land zu kommen. Das heilige Evangelium in unsere uigurische Sprache zu übersetzen. Eine verständlichere Sprache nämlich. Anders als das Syrische, welches der uigurische Bischof benutzt und versteht, nicht aber der Vater. In solchen Augenblicken brauchte Lea ihre Schwester nicht einmal anzusehen, so spürbar war Rachels Nicken zur Meinung des Vaters. Heute aber beendete der Vater die lateinische Zukunft seiner beiden Töchter. Heute hatte nicht Rachel Grund zum Nicken, sondern sie selbst. Ein Sieg für Lea.
Dann aber, als sie zusammen durch die Gassen von Quánzhōu gingen, und als sie sich durch das Viertel bewegten, wo die Frauen ihren Kopf vollständig verhüllen und wo viele Männer riesige Bärte tragen, wie es kein Chinese je tun könnte. Und als Lea nicht zu fragen wagte, ob sie nun wohl zu Hause bei der Mutter von einem Bräutigam erwartet würde – da bestand die nächste Überraschung darin, dass sie nicht heimwärts gingen. Sie ließen das Westtor links liegen, ohne hinauszugehen zum Haus der Eltern. Sie gingen weiter geradeaus, in die Richtung des uigurischen Klosters. Also vom einen zum anderen Kloster.
Und. Der Vater lauschte. Wirklich. Er lauschte ohne zu widersprechen einer Rede des Schamascha. Lea hatte den Rücken des Vaters gerade vor sich, und Rachel, rechts neben ihr, den Rücken des Schamascha. Das Kinn und die Nase des Schamascha waren daher für Lea gut zu sehen. Und sie hörte diesen gleich zweimal sagen: dass wir doch unseren eigenen Bischof haben, und unser eigenes Evangelium, und dass wir doch unsere Kinder nicht zu den Lateinern in den Chor schicken müssen. Der Schamascha stellte nun dem Vater einige Fragen.
Sind wir nicht Uiguren?
Wer sollte Uiguren sein, wenn nicht wir.
Hat also nicht unser eigener Bischof recht?
Er hat ganz und gar recht.
Muss er nicht unsere kleine uigurische Herde zusammenhalten?
Er muss es tun. Mit dem Eifer des Propheten Jeremia und mit der Freundlichkeit der Mutter unseres Herrn, so muss er Hirte seiner Herde sein.
Solche Worte hat sich der Vater nicht selbst ausgedacht. Gewöhnlich ist es die Mutter, die so spricht. Und der Vater pflegt zu widersprechen. Unser uigurischer Bischof nimmt sich nicht die Zeit, die Mädchen die Psalmen zu lehren, obwohl er es müsste. Und den reinen Gesang. Und zusammen damit auch noch das Lesen. Und das Latein! So lautet die Widerrede des Vaters.
Nur eben heute, in Anwesenheit des Schamascha, redete der Vater so wie die Mutter. Was Lea sich nicht erklären konnte. Was ihr aber nichts ausmachte; heute stand sie ganz auf der Seite des Vaters. Hinter ihm. Inzwischen kamen die vier nicht mehr so schnell voran auf der Gasse, weil diese sich mit Menschen füllte.
Lea dachte darüber nach, dass es wohl kein Bräutigam ist, der ihre Entlassung aus dem lateinischen Chor herbeigeführt hatte. Sondern der uigurische Bischof. Der Mann mit dem Eifer des Propheten Jeremia. Und während sie sich das überlegte, schrie der Vater laut auf. Und während sie sich wunderte, denn der Vater schreit nie laut, da fiel der Vater um. Geradewegs vor ihr fiel er um. Und sie musste stehenbleiben, um nicht auf ihn zu treten.
Dafür war der Blick nun frei auf ein Gesicht. Ein fremdes Gesicht mit vollem Bart, ein schreiendes Gesicht mit zusammengezogenen Augenbrauen. Die zu dem Gesicht gehörigen Hände hielten einen Stock und fuchtelten damit. Dann stießen diese Hände mit dem Ende des Stocks auf den liegenden Vater ein. Der jetzt nicht mehr schrie.
Dann griff der Schamascha ein. Er beugte sich vor, griff sich diesen Stock und hielt ihn fest und rief etwas in einer fremden Sprache. Und er schaute zu Lea her und winkte mit den Augen zu Rachel, und schaute wieder zu dem bärtigen Gesicht und sagte etwas. Hinter den beiden Männern mehr Menschen, zusammengedrängt. Sie riefen auch Dinge. Sie drohten mit geballten Fäusten. Lea sah ein krummes Schwert. Der Schamascha rief, nimm sie endlich an der Hand, geh mit ihr zur Seite! In Sicherheit! Heim! Lea tat nichts, weil sie nicht wusste, wer soll wen an der Hand nehmen, sie die Schwester oder die Schwester sie, denn die Leute meinen immer den anderen Zwilling, sie vertauschen sie. Geht, rief der Schamascha, aber Leas Füße gingen nirgends hin.
Der Schamascha rüttelte mit der Linken am Vater, und der bärtige Mann rüttelte an seinem Stock, und der Schamascha ließ auch mit der Rechten den Stock los, und der Stock schlug auf das Gesicht des Schamascha. Der Schamascha ließ sich nun von dem Stock treffen, und noch einmal, noch einmal, und anstatt sich zu wehren, sprang er über den Vater hinweg und bückte sich und packte den Vater unter den Schultern. Er rief, lauft zum Tor, es geht ihm gut, ich sorge für ihn, lauft zum Tor!
Lea sah, wie der Schamascha begann, den Vater fortzuschleifen unter Schlägen. Dann fasste sie Rachel an der Hand, oder genauso Rachel fasste sie, und sie standen vor einer Wand aus Beinen und Bäuchen. Sie blickten sich an. Sie drängten sich hindurch, zwischen die Beine von brüllenden Menschen. Sie fanden an der Seite der Gasse mehr Raum. Sie liefen zurück, um das Tor zu erreichen. Dann hielt Rachel Lea fest, so dass sie nicht durchs Tor laufen konnte, sondern rief, schau! Und Lea schaute wieder zurück.
Da waren die wütenden Menschen. Da waren auch Menschen, die geschlagen wurden. Die auf dem Boden lagen. Einige bluteten. Das sind die Piraten, flüsterte Rachel, hast du die krummen Schwerter gesehen. Lea schaute in Rachels bleiches Gesicht und nickte. Aber sie sagte nichts und blieb stehen und tat nichts. Es blieb Rachel überlassen, anzufangen. Das tat diese.
Wir dürfen uns nicht fangen lassen.
Aber der Vater. Er ist fort.
Die Eltern haben gesagt, sie stehlen die Christenmädchen.
Aber was ist mit dem Vater?
Verstehst du nicht, sie haben den Vater niedergeschlagen, um uns zu stehlen. Sie stehlen die Christenmädchen. Hast du den Schamascha nicht gehört. Komm endlich!
Lea kam mit Rachel. Sie rannten. Durchs Westtor hinaus, die breite Straße entlang, durchs äußere Wohngebiet. Sie rannten und rannten. Bis sie endlich wieder stehen blieben. Lea wusste nicht, wie sie bis dahin gekommen waren. Auch hier waren die Menschen unruhig. Aber anders. Das hier waren Chinesen, ohne Schleier und ohne Bärte. Sie schauten und riefen nur, sie zeigten an den beiden Mädchen vorbei. Dorthin, wo der Lärm herdrang, das Geschrei. Lea schaute auch hin. Sie sah Männer gerannt kommen, aber sie konnte nicht sehen, ob das die Piraten waren.
Dann erkannte sie, wo sie waren. Bei den großen Pagoden, der ganz großen Zwillingspagode der Chinesen. Wie geschaffen für Zwillinge. Lea zog ihre Schwester dort in den Hof hinein. Sie dachte an die heilige Mutter Mariam, dachte, sie wollte um ihre Hilfe bitten, und dachte sofort, in dieser Pagode der Chinesen kennen sie die heilige Mariam gar nicht, und sie vergaß, zu bitten.
Es war angenehm still. Hier im Hof waren nur wenige Menschen. Doch diesen blieben die Zwillinge nicht unbemerkt. Lea wusste, dass sie hier auffiel. Ihre chinesische Frisur verbarg nicht ihr Anderssein. Sie werden mein Gesicht nicht fein genug finden, wusste sie. Und. Zwar chinesische Kittel, aber keine chinesischen Schuhe. Zwei Mädchen, die leichtfüßig herein gelaufen kamen, nicht etwa trippelnd mit verbogenen Füßchen. Und. Zwei, die nun uigurisch sprachen. In dieser Sprache behielten sie ihre Geheimnisse für sich, aber ihr Uigurischsein, das gaben sie preis.
Sollen wir sie nicht um Hilfe fragen, Rachel?
Die Chinesen? Denk daran, sie sind uns missgünstig. Die Mutter hat es gesagt. Schau, wie sie schauen.
Gegen die Piraten helfen sie uns vielleicht.
Oder sie geben uns den Piraten. Wieso hast du uns in diesen Hof gebracht, Lea?
Aber wohin denn sonst?
Nach Hause. Der Schamascha hat es gesagt.
Der Vater ist nicht zuhause.
Aber die Mutter. Sie wird die Sklaven... unsere Sklaven sind stark.
Es ist zu weit, Rachel. Die Piraten sind schneller. Sie holen uns ein.
Du hast recht. Dann zurück zum Bischof Andreas.
Zurück durchs Tor? Was redest du!
Nein, natürlich außen herum. Zum Fluss hinunter, du weißt schon, aber vor dem Fluss nach links in die Gasse hinein. Die ganz schmale Gasse. Wo das Kloster einen Nebeneingang hat. Ja? Es ist ja nicht so weit.
Rachel rannte schnell, und Lea hatte Mühe, ihr zu folgen. Da waren immer wieder Menschen, denen sie ausweichen musste. Sie hatte sich schon verausgabt mit dem Rennen. Dann musste sie stehen bleiben und ihren Bauch halten, dort, wo es sie in die Seite stach, musste sie sich den Bauch halten. Sie wandte sich um und sah hinten zwei bärtige Männer kommen, schnell kommen. Einer hatte einen Stock! Der Schreck fuhr ihr durch die Glieder. Sie rannte weiter trotz Schmerzen.
Endlich, da vorne. Rachel war stehengeblieben. Sie sprach mit einem Mann. Das war… das war der Mönch mit den strohfarbenen Haaren! Der lateinische Mönch, der manchmal dem Bischof Andreas hilft, obwohl der Bischof schwarze Haare hat. Rettung! Lea ging nun langsam und schnaufend auf die beiden zu.
Sie sah die beiden mit den Armen fuchteln. Der Mönch rief laut, Dinge, die sie nicht verstand. Der Mönch schaute her, zeigte mit dem Finger auf Lea. Aber warum? Oder zeigte er an Lea vorbei? Ja. Lea sollte sich anscheinend umdrehen. Sie tat es. Und sie erschrak. Die zwei Bärtigen würden sie gleich erreichen, und ein dritter Mann, der da stand, würde ihr nicht helfen. Sie wusste nicht, was tun. Sie wandte sich wieder nach vorn. Aber was war das? Dort unten lief Rachel mit dem Mönch um die Ecke, nach links hinein. Wartet, wollte Lea rufen.
Doch vorher wurde Lea von zwei kräftigen Händen gepackt.
Großer Schreck durchfuhr sie. Was für Hände? Der Mann, der hier schon gestanden hatte. Sie hatte ihn nicht beachtet! Sie lag nun über der Schulter dieses Mannes, und er lief, er lief, er lief schnell. Lea zappelte nicht, wehrte sich nicht. Sie sah das Haus, wo soeben Rachel gestanden hatte mit dem Mönch. Sie konnte in die Gasse hineinblicken. Die ganz schmale Gasse. Dort waren die beiden noch zu sehen. Sie liefen weg! Lea sollte schreien. Aber sie brachte keinen Ton heraus. Es würde den Mann verärgern. Nichts tun, was den Mann verärgert.
Der Räuber lief geradeaus weiter, hinunter zum Fluss. Erreichte das Ufer. Warf Lea, nicht sanft, nicht unsanft, warf sie in einen kleinen Kahn. Sie lag nun auf einem Sack in dem Kahn. Der Mann sprang selbst hinein, sprang über sie hinweg. Setzte sich, ruderte. Sie wagte nicht, sich zu bewegen. Sie blickte vorsichtig zu seinem Gesicht. Sein Gesicht war abgewandt. Er behielt den Fluss im Blick. Die Dschunken, die festgemacht hatten, und andere, die in Fahrt waren. Wenn Lea ein Schwert hätte, er würde es nicht sehen, und sie könnte… aber was waren das für Vorstellungen. Der Mann hielt auf eine große Dschunke zu, die mitten im Fluss festgemacht war.
Der Mann sah aus wie ein Tagelöhner, und Lea sagte sich, nein, Seemann muss man ihn nennen. Sie stellte sich vor, wie sie nun den Rest ihres Lebens auf einer Piratendschunke verbringen wird. Ihr Leben nur aus Arbeit bestehen wird. Mehr konnte sie sich nicht vorstellen. Die Mutter hatte immer gesagt, die Piraten lassen die Mädchen arbeiten, und lassen sie noch Schlimmeres tun. Aber was, das wollte die Mutter nie sagen.
Fliehen, dachte sie dann. Jedoch, dazu war es zu spät. Kommt nie dem Fluss zu nahe, hatte die Mutter ihnen eingeschärft. Und daher war sie noch nie in ihrem Leben auf dem Wasser gewesen. Nein, diesem kleinen Boot konnte sie nicht entkommen. Sie hätte sonst dem Fluss zu nahe kommen müssen.
Dann erreichten sie jene große Dschunke. Der Mann ließ sich von einem anderen, einem Fremden, ein Tau herüberwerfen. Machte das Boot fest. Ohne irgendeinen Ausdruck im Gesicht wies er Lea mit dem Finger an, hinüberzusteigen. Sie zögerte. Nun wurde er ungeduldig. So erfuhr sie, dass sie seine Sprache ein wenig versteht. Ein chinesischer Pirat. Er befahl ihr.
Sie musste zu den Sprossen hinüberlangen, die an der Seite der Dschunke hochliefen, wie eine Leiter. Mit großer Vorsicht langte sie zu dem Holz hinüber, und mit großer Angst. Unter ihr trieb der kleine Kahn von der großen Dschunke ein Stück weg, und unter ihrem ganzen Oberkörper tat sich das trübe unergründliche Wasser des Flusses auf. Sie sah es unter sich hinwegtreiben. Wieder wurde der Mann ungeduldig. Sie hielt sich fest an dem Holz. Sie machte den großen Schritt über den Spalt hinweg, vorsichtig und mit Angst. Der Mann schob sie an, sie war gezwungen, den anderen Fuß nachzuziehen, bevor noch der erste Fuß sicheren Halt hatte. Dann war sie drüben.
Sie hangelte sich nach oben, hängend über dem Nichts. Jener andere Mann, der nun über ihr stand, nahm ihre Hand und zog sie vollends auf die Dschunke. Sie wagte nicht aufzuschauen. Nun war sie hier. Erleichtert, nicht mehr über dem Wasser zu schweben. Benommen. Abgeschnitten von ihrem Leben.
Dieser andere Mann, so einen hatte sie noch nicht gesehen. Obwohl in Quánzhōu allerhand zu sehen ist. Menschen von hundert Sprachen und Ländern, sagt die Mutter. Sie drehte sich weg, schaute zu Boden, wollte die Männer nicht sehen.
Und Lea merkte, dass niemand etwas befahl. Die beiden Männer waren beschäftigt. Ein scheuer Blick zeigte ihr, sie waren dabei, den Sack aus dem Boot in die Dschunke zu laden. Und sogleich wurde sie fortgescheucht, damit der Sack Platz fand an ihrer Stelle. Sie schaute zu dem Mann, der sie gerudert hatte, und der scheuchte sie mit einer großen Geste weiter weg. So kam sie neben einem Verschlag zu stehen. Dessen Türe stand offen. Fliehen, kam es ihr wieder in den Sinn. Sie schaute in den Verschlag hinein. Darin: zwei große Kisten, mit Tragegriffen, nebeneinander, und einige Gerätschaften.
Sie drehte sich zurück, und erkannte, dass sie unbeobachtet war. Sie ging hinein. Zog die Tür zu. Es war nun fast dunkel hier innen. Sie hob den Deckel der linken Kiste. Diese war halb gefüllt, sie konnte nicht sehen mit was. Für Lea war dort noch viel Platz. Sie tastete mit der Hand hinein, fand ein Tuch, das über alles gedeckt war, zog das Tuch etwas zur Seite. Blöcke lagen darunter, oder etwas Ähnliches. Sie stieg mit dem linken Fuß hinein, musste dabei den schweren Deckel halten. Sie rückte mit dem Fuß zur Seite, was da lose lag. Sie hatte nun einen Spalt breit Platz.
Sie stieg vollends hinein, legte sich hinab, ließ dabei den Deckel auf sich herab. Nun war es ganz finster. Sie ertastete das Innere. Das Tuch, die Blöcke. Links von ihr, neben ihrem Kopf, da war auch eine Kugel. Sie war ausgestreckt, aber mit dem Oberkörper auf den linken Ellenbogen gestützt. Zog mit der Rechten das Tuch über sich selbst, prüfte, so gut es ging, ob alles bedeckt war. Ja. Lea war Teil dieser Gegenstände geworden.
Der Geruch war streng. Sie hielt es aus. Sie spürte die Dschunke, ihr leichtes Schwanken. Sie wünschte sich, die ganze Welt wäre Nacht. Und dann? Sie wusste es nicht. Die Mutter nicht da. Dann eben, Mutter Mariam! Steh mir bei. Sie lag da und versuchte, alles zu vergessen.
Als es anstrengend wurde, drehte sie sich auf ihre rechte Seite, mit dem Gesicht zur Kistenwand. Dann musste sie das ganze Tuch neu über sich breiten. Das war nicht so einfach. Das Tuch war so leicht, luftig, es blieb nie da, wo es liegen sollte. Vielleicht werde ich wirklich nicht gefunden, dachte sie, als sie es geschafft hatte. Dann würde sie sicher verhungern.
Bald drehte sie sich wieder nach links, und begann wieder das Tuch zu richten, und wollte es aufgeben. Wofür sich verstecken, wenn niemand kam und sie suchte. In demselben Augenblick hörte sie die Tür zu dem Verschlag knarren, und Schritte. Sehr schnell also das Tuch! Und schon hörte sie den Deckel der anderen Kiste zuschlagen, und wusste, wenn sie nicht gut verdeckt ist, ist es sogleich aus mit dem Versteckspiel. Schon öffnete sich der Deckel ihrer Kiste, es kam Licht herein, alles wurde hell bis unter ihr lichtes Tuch herunter, und Lea atmete nicht, obwohl sie nicht einmal Zeit gefunden hatte, Luft zu holen. Es gab wieder einen lauten Schlag, und der Deckel war schon wieder geschlossen. Die Schritte entfernten sich. Obwohl es längst wieder finster war, atmete sie noch nicht.
Aber was Lea gesehen hatte, genau Aug’ in Auge, für den kurzen Augenblick, das blieb ihr eingeprägt. Es überdeckte alle Geräusche und alle Dunkelheit.
Der Schädel und die Augenhöhlen eines toten Menschen. Sie und jener lagen beide in der Kiste, von demselben Tuch überdeckt. Sie rührte sich nicht.
Eine meiner Cousinen lebt als Dienerin in einem der Paläste der nördlichen Hauptstadt, Dàdū, die wir zumeist die Stadt des Khans nennen, Khanbalyk. Die Cousine schrieb in ihren Briefen sehr bewundernd von ihrer Herrin, der Höchsten Prinzessin Sengge. Die Höchste Prinzessin liebte besonders die gelehrten Künstler, und sie veranstaltete elegante Versammlungen, wo sie diese gelehrten Künstler versammelte. Einer von ihnen hieß Wáng Zhènpéng. Von ihm schrieb meine Cousine ebenso sehr bewundernd. Er konnte, so schrieb sie, mit schwarzer und mit farbiger Tusche die Hauptstadt und den Kaiserpalast so zeichnen, dass sie, die Cousine, allein durch die Betrachtung in das Gemälde hineinversetzt wurde. Als könne sie in den Gassen, in den Höfen umherwandeln.
Wáng Zhènpéng ordnet seine Bilder in der Weise, dass er auf einer einzigen Rolle von Papier zehn Schauplätze einer Örtlichkeit aufnimmt. Hintereinander, zusammenhängend, von rechts nach links. Augenblicke, die sich teils im Palast und teils in seiner Umgebung ereignet hatten, hielt er fest.
Meine Cousine ist von Gott gesegnet, dass sie solche Dinge sehen durfte. Sie ist gesegnet, obwohl ihre Herrin dem Buddha folgte und nicht Christus. Und wäre ihre Herrin Sengge nicht verstorben, hätte es geschehen können, dass auch meine Cousine noch dem Buddha gefolgt wäre. Es hatte nicht viel gefehlt.
Mein Vater wollte nicht, dass seine Töchter zurückgesetzt werden gegenüber der Cousine, und so ließ er bei uns in Quánzhōu einen Berufsmaler suchen, der die Werke des gelehrten Wáng Zhènpéng kennt. Sobald einer gefunden war, erhielt er den Auftrag, auch so ein Werk zu schaffen. Aber keines von der Hauptstadt, sondern eines von Quánzhōu und seinen Sehenswürdigkeiten. So bin nun auch ich gesegnet, denn in die Rolle mit den Augenblicken von Quánzhōu kann ich mich nach all den Jahren immer noch hineinversetzen. Ich nehme dich mit, ich zeige es dir, du wirst sehen.
Da ist ganz am Anfang der Rolle, rechts außen, das Meer abgebildet. Oberhalb davon ist die äußerste Küste des Meeres schon angedeutet, die sich nach links hin fortsetzt und schnell das Meer verdrängt. Oder, lass uns einige der abgebildeten Stadtansichten überspringen. Komm zur Mitte der Rolle. Da siehst du den Fluss von unten her ins Bild treten. Jenen Abschnitt des Flusses, der unseren Hafen bildet. Mit einer Dschunke darauf, und noch mit einigen Kähnen. Und links daneben, die nächste Ansicht: das Heiligtum, in welchem die Lateiner ihre Kirche eingerichtet haben. Du kennst es jetzt schon. Man sieht darin, im Hofgeviert, tatsächlich den Bischof Andreas stehen. Obwohl er inzwischen heimgegangen ist zu seinem himmlischen Herrn, aber auf dem Bild steht er lebendig in seinem Hofgeviert.
Denn du kannst dich, so wie meine Cousine, mit der bloßen Hilfe eines Bildabschnittes nach Quánzhōu hineinversetzen. Tu das nun auch mit dem Hafenbild. Versetze dich in die Dschunke hinein, die da abgebildet ist – wie du siehst, mitsamt dem Verschlag und sogar mit Lea. (Das bin also ich, in jenem schlimmen Augenblick damals, als ich eine Tote neben mir in der Kiste entdeckt hatte. In Wahrheit war es nur ein Kopf – das hatte ich erst später beim Hinausklettern entdeckt. Vom Hinausklettern will ich dir erst nachher erzählen).
Wenn du zu mir hineinversetzt bist, dann zaubere ein wenig. Du kannst das Papier zusammenfalten. Klappe das Hofgeviert des Bischofs, links, herüber, so dass es Aug’ in Auge mit der Dschunke, rechts, aufeinanderliegt. So gesehen, kann man vom Bischofshof zur Dschunke herüberschauen, nur in der Entfernung einer Haaresbreite. So dass sich Lea nicht nur auf der Dschunke, sondern geradezu leibhaftig auf dem Hof der lateinischen Kirche befindet. Das ist natürlich nur ihr Wunsch, das ist gezaubert. Das lässt sich zwar mit einer Falte in einem Stück Papier machen, in welches du hineinversetzt bist, aber die Welt lässt das nicht mit sich machen. Die Geschichte, die schon.
So konnte nämlich folgendes geschehen: Jener Mann, der vorhin das uigurische Mädchen an der Hand gefasst hatte und an Bord gezogen hatte, jener Fremde, dem seine Gefangene dann sogleich abhandengekommen war, obwohl er auf der ganzen Dschunke nach ihr gesucht hatte (aber sie war in der Kiste von einem Tuch verdeckt), dieser Kerl kommt noch am selben Abend und aus einem bestimmten Grund in den Hof des lateinischen Bischofs gelaufen. Was er wohl im Schilde führt? Du kannst immerhin eine Vermutung aufstellen. Im Grunde legt es sich nahe, dass er zum Beispiel für ein Lösegeld gekommen sein könnte oder sonst einen Betrug.
Nur erkennt er dort beim Bischof – das uigurische Mädchen. Dort! Du natürlich, du ahnst, das hat mit der Zweifaltung des Papiers zu tun. Der Kerl aber staunt sehr, das Mädchen nun hier im Gästehaus zu sehen. Ein Wunder.
Er weiß nicht, was er davon halten soll. Er denkt aber, nun gut, deshalb war es! Deshalb habe ich das Mädchen nicht gefunden, weil es nicht mehr auf der Dschunke war, sondern beim Bischof. Er geht wieder fort, verlässt das lateinische Hofgeviert, weil er nun nichts mehr zu tun hat dort. Und ab diesem Augenblick, weil er sie gesehen hat, wird niemand mehr nach Lea suchen. Sie wird vergessen werden und vergessen liegen bleiben neben der Toten in der Kiste. Wo sie ja in Wahrheit ist. Nur scheinbar ist sie im Kloster zu sehen.
Rachel hielt das Warten nicht länger aus. Obwohl es ungehörig ist. Sie klopfte an den Türpfosten des Durchgangs. Und das bewirkte etwas. Tatsächlich, der Mönch mit dem strohenen Haarkranz kam heraus. Würde er streng sein wegen ihrer Ungeduld? Immerhin war er nicht streng gewesen, als sie ihn heute Nachmittag angesprochen hatte. Immerhin hatte er sie vor den Piraten gerettet.
Aber andererseits, Lea hatte er nicht geholfen. Die aus irgendeinem Grund stehen geblieben war im Abstand von etlichen Schritten, obwohl weiter hinten jene zwei Männer mit Stöcken herangelaufen kamen. Der Mönch hatte ihr Unverständliches zugerufen und war mit Rachel losgelaufen, hatte sie zu diesem Nebeneingang des Klosters gebracht.
Rachel war also binnen ganz kurzer Zeit, nachdem sie die lateinische Schule und den Mädchenchor für immer verlassen hatte, wieder dort angelangt. Zuerst mit einem guten Gefühl. Es war ihr ja nicht recht gewesen, weggeholt zu werden. Weg vom geliebten Gesang der lateinischen und genauso der uigurischen Psalmen, die man hier alle beide beigebracht bekam.
Nur eben, sogleich bemerkte sie, dass Lea ihnen nicht folgte, und das war schlimm. Rachel war nun den ganzen Nachmittag zwischen zwei Dingen gefangen: dem Vertrauen, dass der Mönch sich um alles kümmert, und der bösen Ahnung, dass alles nur missverstanden war. Mit Lea konnte alles geschehen sein. Und mit dem Vater übrigens auch. Der Mönch hatte dann Rachel auf diese Matte gesetzt. Er war hinausgelaufen, an Rachel vorbei im Durchgang zum Klosterinneren verschwunden. Auf diese Weise war es jetzt beinahe Abend geworden. Und sie hielt es nicht länger aus. Sie klopfte an.
Der Mönch erschien im Durchgang. Er war gar nicht ungehalten. Sie durfte ihm in den Raum hinter dem Durchgang folgen.
In dem Raum dort sah sie einen wartenden Fremden. Man sieht solche Männer manchmal im lateinischen Kloster. Er trug den Mantel noch so, wie es die Lateiner tun, wenn sie neu gekommen sind, bevor sie es einsehen und sich kleiden, wie es in Quánzhōu gehörig ist. Sein schwarzes Haupthaar war völlig ungeordnet. Ringsum langhaarig, oben auf dem Haupt dagegen kurz. Ungepflegt also. Der Mönch jedoch, der sie hereingeholt hatte, anstatt mit ihr zu reden, ließ Rachel nun schon wieder allein, mit diesem Fremden. Der wiederum staunte Rachel unverhohlen an.
Was sollte das! Er starrte sie an, wie man Menschen nicht anstarrt, weil es ungehörig ist. Als würde er vielleicht ein Wunder Gottes anstaunen. Oder nein. Er schaute sie an, als ob er sie kennt, und als sei sie ein Rätsel, das er nicht verstand. Als wäre sie eine Unmöglichkeit. Dann sagte er etwas Unverständliches. Und als sie höflich zurückgab, sie verstünde nur uigurisch, und ein wenig das Chinesische, ein wenig das Mongolische und ein wenig auch das Latein, aber nicht die Sprache der lateinischen Kaufleute, da sagte er nichts weiter.
Glücklicherweise erschien der Mönch mit dem strohenen Haar schnell wieder. Er war diesmal nicht allein. Der Schamascha war jetzt bei ihm. Ach so. Rachel verstand, warum sie so lange hatte warten müssen. Die Lateiner hatten den Schamascha gesucht und geholt. Niemand sagte etwas. Der Schamascha gab ihr nur ein Zeichen, ihm zu folgen. Sie schaute noch einmal den Fremden an.
Als sie das Kloster verließen, fiel ihr ein, dass es auf uigurisch gewesen war, als sie ihm gesagte hatte, dass sie Latein versteht. So hatte er es gar nicht erfahren. Vielleicht hätte er doch Latein mit ihr sprechen können. Andererseits reden nicht alle Lateiner Latein. Sie heißen nur so. Sie haben viele Sprachen in ihrem fernen lateinischen Westen. Nun, jetzt konnte sie es nicht mehr herausfinden. Jetzt war sie mit dem Schamascha unterwegs.
Erst sprachen sie nicht. Sie wusste nicht, wohin er sie führte. Nach einer Weile begann er. Mit einem Tadel. Hatten die beiden nicht heimgehen sollen? Hatte er sie nicht deutlich angewiesen? Er hatte bis jetzt gedacht, die beiden seien bei der Mutter. Nicht auszudenken, wenn er oder der Vater zur Mutter gekommen wären, und die Mädchen – nicht dort! Stattdessen fand er Rachel beim Bischof Andreas wieder!
Bevor Rachel antworten konnte, sprach der Kirchenmann weiter. Sie hätte nicht schon wieder zu den Lateinern laufen sollen, sagte er. Sie solle verstehen, dass wir mit ihnen nichts mehr zu tun haben. Sie sind freundlich, die Lateiner, sie tun den Uiguren schön, aber sie wollen nur eines. Sie wollen die Kirche der Uiguren auflösen, die doch die uralte Kirche des Ostens ist. Sie wollen uns einverleiben. Uns, die wir in Quánzhōu ohnehin nur so eine kleine Gemeinde sind. Die Lateiner haben vergessen, dass ihr Patriarch in Rom einzig und allein das Haupt der Lateiner ist, und stattdessen will er, als Patriarch Roms, nun auch den Stuhl unseres eigenen Patriarchen einnehmen, unseres Patriarchen in Bagdad. Ganz offensichtlich.
Und der Schamascha sagte, bis vor kurzem sei unser Patriarch, nein, also unser verstorbener, der zuletzt Patriarch gewesen ist im fernen Bagdad, der hochwürdige Mar Yahballaha, dass der also genauso wie du und ich ein Uigure gewesen ist. Das ist eine große Ehre, für dich und für mich. Aber das wisse Rachel sicher.
Rachel verstand nicht viel von dieser Rede. Aber sie nickte höflich mit gesenktem Kopf. Sie verstand nicht, wie der Schamascha bei den Lateinern schlechte Absichten vermuten konnte. Der Bischof Andreas ist ein grundehrlicher Mann, das sieht man in seinen Augen. Der lateinische Bischof weiß, dass alles, was er tut, gut ist. Würde er etwas Böses tun, würde man unbedingt sein schlechtes Gewissen sehen. Rachel kannte ihn. Man sah ihm alles an. Die Lateiner tragen ihr Herz auf ihrem Gesicht, sagt immer der Vater. Und er hat recht. Hätte der Bischof ein schlechtes Gewissen, hätte sie es längst gesehen. Nein, er tut nichts gegen Gottes Gebot.
Der Schamascha fragte Rachel, ob sie sich jenen Fremden genau angesehen habe, jenen Mann im Warteraum der Lateiner. Er sei vor wenigen Wochen in Quánzhōu angekommen und habe vier Heilige mitgebracht, als Geschenk für das lateinische Kloster. Das habe er jedenfalls behauptet, und wieder wisse man nicht, was er in Wahrheit bezwecken will, sagte der Schamascha. Er will auf die Uiguren Eindruck machen. Gewiss. Wozu sonst kommt man mit neuen Heiligen daher? Als hätten wir, die Uiguren, nicht selbst unsere Heiligen. Als ob unsere Heiligen einen minderen Wert hätten. Rachel glaubte zu verstehen, was der Schamascha eigentlich sagen wollte. Daher bat sie ihn um Vergebung, dass sie zu den Lateinern gelaufen war. Und dann fragte sie ihn, wo der Vater sei. Und dann, ohne abzuwarten, sagte sie das Schlimme.
Lea ist verloren gegangen.
Der Schamascha blieb stehen. Er schaute sie an. Dachte nach. Und sagte:
Erst einmal: Ich weiß nicht, wo dein Vater ist, meine Tochter.
Die schlimmen Männer? Haben sie den Vater mitgenommen?
Der Aufruhr hat sich aufgelöst. Der Vater ist davongekommen. Aber er…
Der Schamascha überlegte genau, was er dem Mädchen sagen will. Dann sagte er nur wieder:
Der Vater ist davongekommen. Ich habe ihm gesagt, ihr Mädchen seid in Sicherheit. Dann ist er fortgegangen. Aber Lea? Wie sagst du? Ist sie nicht…?
Ich habe Angst, dass die Piraten Lea mitgenommen haben.
Die Piraten, sagst du?
Ja, sie waren hinter uns her.
Piraten! Das wäre schlimm. Wirklich Piraten? Ich glaube es fast nicht.
Doch, sie waren es. Wir haben sie ja gesehen.
Ich würde nicht sagen, dass sich die Piraten so weit herauswagen aus dem Wasser.
Nach einer Pause sagte der Schamascha, sie soll ihm alles erzählen. Dann, nachdem sie das getan hatte, sagte er, er werde ihr helfen, Lea zu suchen. Das bin ich meiner künftigen Schwiegertochter schuldig, sagte er. Er werde sich bei den Freunden unserer Kirche umhören. Sicher hat man etwas gehört von Entführern von Mädchen. Oder auch, wo und wie sie dieser Tage ihr Unwesen treiben. Vielleicht aber sollte man sich, so überlegte er, viel mehr noch bei den Feinden unserer Kirche umhören.
Schließlich hast du gerade gesagt, die Chinesen bei der Pagode hätten euch missgünstig angeschaut. Nicht, Rachel?
Rachel nickte. Sie gingen weiter. Allerdings ist es klar, dass Rachel mit einem Mal ganz andere Gedanken hatte. Auf diese beiläufige Weise hatte sie soeben erfahren, dass der Vater Verheiratungspläne hatte. Natürlich. Bei dreizehnjährigen Mädchen, da war es an der Zeit, über Verlobungen nachzudenken. So konnte man verstehen, warum der Vater, ein alter
General des Khans, dem Schamascha heute nicht widersprochen hat, obwohl dieser viel jünger ist, und obwohl er eine ganz andere Meinung hat. Und obwohl der Schamascha nicht geeignet ist, auf zwei Mädchen aufzupassen, wie man sieht. Diesen kühnen Gedanken hatte Rachel. Aber noch einmal. Wer seine Tochter einem Schamascha zur Schwiegertochter geben will – da versteht man, dass man ihm nicht widerspricht.
Nur dass Rachel nicht wusste, wen nun der Schamascha gemeint hatte. Ob er Lea zur Schwiegertochter haben würde, oder sie selbst. Sie war völlig überrascht. Und sie beschloss: Ich bin froh, dass er mir helfen will.
Es war aber endgültig dunkel, als sie ins Kloster des uigurischen Bischofs kamen. Ein Mönch führte Rachel zu einem Raum, mit einem Lager für die Nacht. Sie blieb alleine dort. Sie wusste, dass sie gerade gar nichts für ihre Schwester tun konnte. Und ihre Schwester nichts für sie. Du kannst ihn nicht vorhersehen, den Tag der Trennung. Heute war er gekommen, ohne jede Vorwarnung. Sie weinte lange, bevor sie in den Schlaf fand.
Geweckt wurde sie vom Schamascha. Er hatte Stücke einer aufgeschnittenen Melone dabei und eine Schale mit gekochter Hirse, und noch eine Schale mit Stutenmilch. Sie hatten vielleicht einen langen Weg vor sich, sagte er. Sie sagte vorsichtig, dass die Mutter sich sicher Sorgen macht. Er sagte, die Mutter weiß noch gar nicht, dass die Mädchen aus dem Kloster der Lateiner geholt worden waren. Sie denkt, beide seien dort. Besser war es, wenn man ihr überhaupt keine Nachrichten brachte. Damit solle man warten, bis der Vater wieder gekommen sei.
Du kannst, wenn du wieder das Rollbild von Quánzhōu hernimmst, den Weg mit deinen Augen verfolgen, den diese beiden nahmen, der Schamascha des uigurischen Bischofs und das Kind des uigurischen Generals. Versetze dich wieder in das Gemälde, das der Vater für seine Töchter hatte malen lassen.
Beginne links von der Mitte des Gemäldes. Mit dem Abschnitt, wo du das Kloster des uigurischen Bischofs siehst. Darin ist die sitzende und bangende Rachel abgebildet. Lass deinen Blick von dort aus nach links wandern, zum nächsten Abschnitt, der die Zwillingspagode von Kāiyuán darstellt. Beide Türme sind gewaltige fünf Stockwerke hoch. Die Mutter sagte immer, dort sei man uns missgünstig, aber es stimmt nicht. Die Menschen dort folgen dem Buddha. Missgünstig sind sie nur dem mongolischen Herrscher, weil er die chinesischen Schüler des Buddha zurücksetzt gegenüber den tibetischen. Aber zwei christliche Mädchen? Die sind den Menschen dieser Pagode herzlich gleichgültig.
Der nächste Bildabschnitt, links davon, zeigt ein Haus in den Vororten draußen. Es ist tatsächlich das geschmackvolle Haus, hinter welchem der rot blühende Korallenbaum wächst inmitten der lieblichen Gartenanlage. Unter welchem damals noch der gutmütige Hase lebt. Im Garten ist auch die Mutter zu sehen, völlig unbeschwert. Die beiden Suchenden hatten damals die Mutter in ihrer Unbeschwertheit belassen wollen, sie also nicht angesprochen. Aber die alte Sklavin hatte dem Schamascha am Tor gesagt, dass Lea natürlich nicht im Hause war.
Geh mit deinen Augen gleich weiter nach links, wo sich schon die wilden Hügel von Qīngyuán ins Stadtbild hineindrängen. Daran merkst du übrigens – weil nämlich die Stadt an diesen Hügeln endet – daran also merkst du, dass du schon bald am Ende des kunstvollen Gemäldes ankommen wirst.
In den Hügeln – wie du dort sehen kannst – kauert die große steinerne Statue des vergöttlichten Lăo Zĭ. So, als sei er selbst ein Hügel. Einer der vielen, die dem Berg Qīngyuán gewachsen sind. Das Barthaar des Lăo Zĭ wuchert wie hängende Weiden, seine Gewänder fließen wie Bergbäche, er ist aus der Natur, wie auch die Natur aus ihm ist. Wenn sich dein Blick mit ihm, mit Lăo Zĭ, im Grün der Hügel niederlässt, dann wirst du dort auch die Wohnungen der Mönche des Dào finden. Einer der vielen Mönche ist immerhin abgebildet. Es ist mein Onkel. Erstaunlich, nicht wahr? Ich will es dir erklären.
Da du ohnehin in diesen hügeligen Abschnitt versenkt bist, lohnt es sich, mehr zu sagen. Diese Mönche hier sind dem Christentum durchaus manchmal missgünstig. Sie klagen, dass der uigurische Bischof immer wieder Anhänger des Dào abspenstig macht. Sie dem vergöttlichten Lăo Zĭ entreißt. Es ist wahr, unser Bischof kann auf Steuerbefreiungen hinweisen. Die christlichen Untertanen der Mongolen sind begünstigt bei den Abgaben. So kann es geschehen, dass die Unwissenden unter den Chinesen es bevorzugen, getauft zu werden, wegen des geldwerten Vorteils. Die Wissenden unter ihnen, und zumal ihre Mönche, verstehen sich demnach mitunter als Feinde des kleinen christlichen Volks. Sie wehren sich und schreiben dem Darugatschi die nötigen Beschwerdeschreiben. Ihnen könnte Böses in den Sinn gekommen sein, was Lea – mich – betrifft. Könnte nicht mein Onkel seinen Mönchsbrüdern gesagt haben, ich kenne ein christliches Mädchen, entführt es doch, dann haben eure Beschwerdeschreiben mehr Gewicht?
Nun. Würde er das tun? Schau die Statue des Lăo Zĭ an. Er hat seinen ganz eigenen Willen, sein inneres Gesetz. Gewiss will er den Frieden, gewiss ist er Friede. Aber du durchschaust ihn nicht, unter seinem großen Hut, hinter seinen undurchdringlichen Augen.
Und mein Onkel? Nicht nur Onkel, er ist sogar mein gewesener Taufpate. Also der Cousin der Mutter, er trägt den Namen Mă Jiē. Er ließ Christus zurück und folgte dem Dào, zum Leidwesen der Familie. Er lebt seither in den Höhlen des Berges Qīngyuán. Wenn du ihn anschaust, dann stimmt es nicht, dass die Christen die Anhänger des Dào abspenstig machen. Sondern hier ist es umgekehrt. Warum hat sich mein Onkel zum Dào bekehren lassen? Hat ihn dessen Lehre überzeugt? Das Dào nimmt ja die Unsagbarkeit Gottes sehr genau. Noch genauer als die christliche Lehre, die doch auch viel weiß über die Unsagbarkeit Gottes. So etwas könnte Mă Jiē zum Dào hingezogen haben. Oder hat ihn der kauernde Lăo Zĭ ohne alle Worte, nur mit seinem steinweichen Blick in sich gesogen? Wir haben Mă Jiē nie nach seiner Bekehrung befragt, nach seinem Abfall. Setzt nicht ein Abfall Böses voraus?
Als damals der Schamascha mit Rachel bei Mă Jiē war, lautete dessen Antwort: Die wahren Anhänger des Dào würden einem christlichen Mädchen niemals etwas antun. Der Schamascha war umsonst misstrauisch gewesen. Nun ja. Jiē, als mein gewesener Taufpate, wird ja nicht meine Entführung veranlasst haben. Obwohl es wahr ist, die Täter eines Verbrechens, das sind mitunter die nächsten Verwandten. Aber mein Onkel Jiē war damals sehr betroffen gewesen, und hatte versprochen, Bescheid zu geben, sollte er in seiner Mönchsgemeinschaft etwas von dem Mädchen Lea hören, das verschwunden ist.
Einen letzten linken Bildabschnitt gibt es noch. Der Vater hatte gefunden, das manichäische Heiligtum solle als zwölfter Teil in das zwölfteilige Gemälde aufgenommen sein. Es liegt aber eine lange Wegstrecke entfernt. Die manichäischen Mönche und Nonnen sind dem Bischof der Uiguren zur Aufsicht unterstellt, obwohl sie keineswegs Christen sind. Indem sie ihm unterstehen, können sie ihre Religion leben, die eigentlich eine verbotene ist. Abseits von Quánzhōu. Rachel und der Schamascha sind damals natürlich nicht hingegangen.
