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Ramakrishna (1836-1886) gehört zu den größten Heiligen Indiens. Er verbrachte die meiste Zeit seines Lebens in der Tempelanlage von Dakshineswar bei Kalkutta, wo ihn zahlreiche Menschen besuchten. Schließlich bildete sich ein Schülerkreis um ihn, aus dem der Ramakrishna-Mönchsorden und die Ramakrishna-Mission hervorgingen, die nach seinem Tod seine Lehre weltweit verbreiteten. Ramakrishnas Lehre umfasst alle Lebensbereiche des Menschen. Er gebrauchte oft Beispiele aus dem Alltag oder Gleichnisse, um sie seinen Schülern und Besuchern zu veranschaulichen. Da er mit der indischen Mythologie sehr vertraut war, erzählte er gern mythologische Geschichten, um den einen oder anderen Punkt klarzumachen. Diese Sammlung von Gleichnissen, Alltagsbeispielen und mythologischen Geschichten aus den Hauptwerken Ramakrishnas laden zum Nachdenken und zur Meditation ein.
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Seitenzahl: 338
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Einleitung
Leben in der Welt
Frauen und Gold
Weltliche und nicht-weltliche Menschen
Maya – die Illusion
Wahre und falsche Lehrer
Vom Lehren – die Hilfe des Gurus
Von der Inkarnation Gottes
Wie Gott oder Brahman ist
Sadhana – die spirituelle Übung
Vom menschlichen Geist
Entsagung und Unterscheidung
Hindernisse und Gefahren auf dem spirituellen Weg
Jnana – der Weg der Erkenntnis
Neti, neti – der Weg der Unterscheidung
Nitya und Lila – das Absolute und das Relative
Bhakti – der Weg der Hingabe
Kastenregeln, Rituale, Bilderverehrung und Pilgerreisen
Vom Glauben
Japa – den Namen Gottes wiederholen
Heilige Gesellschaft
Karma – der Weg des Handelns
Vom Sannyasin und vom Bhakta
Von der Erkenntnis Gottes
Von den verschiedenen Religionen
Leben nach dem Tod
Glossar
Literaturverzeichnis
Ramakrishnas Lehre umfasst alle Lebensbereiche des Menschen. Er gebrauchte oft Beispiele aus dem Alltag oder Gleichnisse, um sie seinen Schülern und Besuchern zu veranschaulichen. Manchmal griff er auch auf bereits bekannte Gleichnisse zurück, wie das bekannte Gleichnis von den vier Blinden, oder er verwendete die Beispiele seines Lehrers Totapuri und anderer. Da er mit der indischen Mythologie vertraut war, gebrauchte er auch gern mythologische Geschichten.
Oft veranschaulichte Ramakrishna mit demselben Beispiel Unterschiedliches oder setzte verschiedene Akzente. In diesen Fällen werden die verschiedenen Versionen wiedergegeben.
Ich habe versucht, eine gewisse Struktur in diese Sammlung zu bringen. Doch die Themen greifen oft ineinander, weshalb die Kapitel nur zur groben Orientierung dienen. Die jeweiligen Überschriften stammen ebenfalls von mir. Über den Kontext von Ramakrishnas Lehre habe ich in kleinerer Schrift jeweils eine kleine Einleitung verfasst. Die zitierten Quellen finden sich im Literaturverzeichnis.
Wir halten mit dieser Sammlung einen wertvollen Schatz in Händen, der in vielem an die Gleichnisse von Jesus erinnern mag. Je mehr man sich damit befasst, desto mehr Aspekte und Nuancen entdeckt man darin.
Gabriele Ebert
Ramakrishna unterteilte seine Schüler in zwei Gruppen: die Familienväter und die unverheirateten jungen Männer. Beide unterwies er getrennt.
Er riet den Familienvätern, gelegentlich in die Einsamkeit zu gehen, um Sehnsucht nach Gott zu entwickeln. Sie sollten mit ehrlicher Arbeit für den Familienunterhalt sorgen und ihre Pflichten erfüllen, wie sie sich ergaben, aber sich nicht mehr Arbeit aufladen als nötig. Sie sollten einen Teil ihres Geistes der Familie und der Arbeit widmen, aber den größeren Teil Gott. Bevor man in die Welt eintritt, sollte man sich um die Erkenntnis Gottes kümmern. Erst Gott – dann die Welt, lautete sein Grundsatz. Arbeit sah er nicht als einen Wert an sich oder ein Ziel, sondern vielmehr als ein Mittel, das auch an Bedeutung verlieren kann. Das Ziel im Leben galt seiner Meinung nach einzig der Erkenntnis Gottes, wobei das Leben als Verheirateter durchaus von Vorteil sein konnte, da es sich leichter von der „Festung“ aus kämpfen lässt als auf freiem Feld, wie er es formulierte.
Vom Aalraubwels, Lotusblatt und Tauchvogel
Lebe in der Welt wie der Aalraubwels im Schlamm lebt. Man entwickelt Liebe zu Gott, indem man immer wieder weg von der Welt in die Einsamkeit geht und über Gott meditiert. Danach kann man unberührt in der Welt leben. Der Schlamm ist da, und der Fisch muss darin leben, aber sein Körper wird vom Schlamm nicht beschmutzt. Solch ein Mensch kann im Geist der Losgelöstheit das Leben eines Familienvaters führen. GI 431
Was ist der Zustand eines Menschen, der sich in der Welt befindet, aber frei von ihren Anhaftungen ist? Er ist wie ein Lotusblatt im Wasser oder wie ein Aalraubwels im Sumpf. Keines von beiden wird durch das Element, in dem es lebt, verunreinigt. Das Wasser benetzt weder das Blatt, noch befleckt der Schlamm die glänzende Haut des Fisches. Say 268
Wie lebt die befreite Seele in der Welt? Sie lebt in der Welt wie der Tauchvogel. Er taucht ins Wasser, aber das Wasser benetzt sein Gefieder nicht. Die wenigen Wassertropfen, die vielleicht an seinem Körper haften, schüttelt er leicht ab, wenn er einmal mit den Flügeln schlägt. Say 953
Von der Jackfrucht
Wenn du in die Welt eintrittst, bevor du Liebe zu Gott entwickelt hast, wirst du immer mehr verstrickt. Du wirst von ihren Gefahren, ihrer Not und ihren Sorgen überwältigt. Je mehr du an weltliche Dinge denkst, desto mehr haftest du an ihnen. Reibe zuerst deine Hände mit Öl ein, und brich dann die Jackfrucht auf. Andernfalls werden sie von der klebrigen Milch beschmiert. Sichere dir zuerst das Öl der göttlichen Liebe, und nimm dann die Pflichten der Welt in die Hand. GI 121
Erst die Göttliche Mutter im Tempel sehen
Es ist nicht gut, in viele Aktivitäten involviert zu werden. Das lässt einen Gott vergessen. Einige, die in den Kalighat-Tempel kommen, verbringen ihre ganze Zeit damit, den Armen Almosen zu geben. Sie haben keine Zeit, die Mutter im inneren Schrein zu sehen. Kümmere dich zuerst darum, die Statue der Göttlichen Mutter zu sehen, auch wenn du dich durch die Menge drängen musst. Dann kannst du Almosen geben, wenn du willst, oder auch nicht. Du kannst den Armen nach Herzenslust geben, wenn dir danach ist. Arbeit ist nur ein Mittel, um Gott zu erkennen. GI 194
Wie eine unmoralische Frau
Wie eine unkeusche Frau, die mit ihren häuslichen Angelegenheiten beschäftigt ist, die ganze Zeit an ihren heimlichen Geliebten denkt, so verrichte du, oh Mensch der Welt, deine weltlichen Pflichten, aber lass dein Herz stets auf Gott gerichtet sein. Say 285
Der Mensch mit einem Geschwür auf dem Rücken
Es schadet nichts, wenn du das Leben eines Familienvaters führst. Aber tu selbstlos deine Pflichten, und richte deinen Geist auf die Lotusfüße Gottes. Du musst bemerkt haben, dass ein Mensch mit einem Geschwür auf dem Rücken mit den anderen wie üblich spricht. Vielleicht erledigt er auch seine täglichen Pflichten. Aber er denkt immer an das Geschwür. GII 497
Von der Maschine, die den Reis zerstampft
Frauen arbeiten mit einem Dhenki, um 1840
In Kamarpukur habe ich die Frauen von Tischlerfamilien gesehen, die zerstampften Reis verkauft haben. Lass mich dir sagen, wie aufmerksam sie sind, während sie diese Arbeit verrichteten. Der Stößel der Schälmaschine, der den Reis zerstampft, fällt ständig in das Loch des Mörsers. Mit einer Hand wendet die Frau den Reis im Loch und hält mit der anderen ihr Baby auf dem Schoß, während sie es stillt. In der Zwischenzeit kommen die Kunden. Die Maschine stampft den Reis weiter, und sie führt ihre Geschäfte mit den Kunden fort. Sie sagt: „Zahl zuerst die wenigen Pennys, die du mir schuldet, bevor du noch mehr nimmst.“ Wie du siehst, muss sie all diese Dinge gleichzeitig tun – das Baby stillen, den Reis wenden, während der Stößel ihn zerstampft, den zerstampften Reis aus dem Loch nehmen und mit den Käufern sprechen. Das wird das Yoga des Handelns genannt. Fünfzehn von sechzehn Teile ihres Geistes sind auf den Stößel der Schälmaschine gerichtet, damit er ihr nicht die Hand zerquetscht. Mit nur einem Teil ihres Geistes stillt sie das Baby und spricht mit den Käufern. Ebenso sollte ein Familienvater fünfzehn Teile seines Geistes Gott widmen. Andernfalls wird er ins Verderben stürzen und in die Fänge des Todes geraten. Er sollte die weltlichen Pflichten mit nur einem Teil seines Geistes erledigen. GI 469 f.
Wie der Straßenmusikant
Ebenso wie der Straßenmusikant mit der einen Hand die Gitarre spielt und mit der anderen die Trommel schlägt, während er gleichzeitig ein Lied singt, verrichte du, oh Mensch der Welt, alle deine weltlichen Pflichten mit deinen Händen und vergiss dabei nie, den Namen des Herrn mit ganzem Herzen zu wiederholen und zu verherrlichen. Say 287
Eine Last tragen und gleichzeitig einen Brautzug bewundern
Jener ist ein wahrer Held, der alle Pflichten der Welt erfüllt, während sein Geist auf Gott gerichtet ist. Nur ein starker Mann kann, während er eine Last von zwei Maund (mehr als ein Zentner) auf dem Kopf trägt, stehenbleiben, um einen vorbeiziehenden Brautzug zu bewundern. Say 290
Die Schildkröte denkt nur an ihre Eier
Die Schildkröte bewegt sich im Wasser. Aber kannst du dir vorstellen, wo ihre Gedanken sind? Dort am Ufer, wo ihre Eier liegen. Erfülle all deine Pflichten in der Welt, aber halte deinen Geist auf Gott gerichtet. GI 121
Von der Kompassnadel
Es ist kaum zu befürchten, dass ein Schiff abtreibt oder in Gefahr gerät, solange sein Kompass genau nach Norden zeigt. Ebenso steuert das Schiff des Lebens frei von jeder Gefahr, wenn der Geist, seine Kompassnadel, immer auf Gott ausgerichtet ist, ohne irgendeine Schwankung. Say 452
Ein junger Baum muss umzäunt sein
Wenn der Peepalbaum jung ist, wird er umzäunt, um ihn vor dem Vieh zu schützen. Aber der Zaun ist nicht mehr nötig, wenn der Stamm dick und stark geworden ist. Dann geschieht dem Baum kein Schaden, auch wenn ein Elefant an ihn gebunden wird. „Frauen und Gold“ werden dir nicht im Geringsten schaden können, wenn du nach Hause gehst und das Leben eines Familienvaters führst, nachdem du deine spirituelle Kraft gesteigert und durch spirituelle Übungen in der Einsamkeit Liebe für die Füße Gottes entwickelt hast. GII 148
Eine junge Pflanze sollte immer durch einen Zaun vor Ziegen und Kühen und vor dem Unfug der kleinen Bengel geschützt werden. Wenn sie aber zu einem großen Baum geworden ist, kann eine Herde von Ziegen oder Kühen ungehindert unter ihren ausladenden Zweigen Schutz finden und sich an ihren Blättern sattfressen. Wenn dein Glaube also noch in den Kinderschuhen steckt, solltest du ihn vor den bösen Einflüssen schlechter Gesellschaft und der Weltlichkeit schützen. Wenn du aber im Glauben stark wirst, wird es keine Weltlichkeit oder böse Neigung wagen, sich deiner heiligen Gegenwart zu nähern. Und viele, die böse sind, werden durch ihren heiligen Kontakt mit dir fromm werden. Say 387
Die vielen Ketten, mit denen die Brücke befestigt ist
Warum sollte man kein spirituelles Leben in der Welt führen können? Aber es ist äußerst schwierig. Als ich hierherkam, überquerte ich die Brücke von Baghbazar. Mit wie vielen Ketten ist sie befestigt! Es wird nichts geschehen, wenn eine Kette bricht, da es so viele sind, die sie halten. Ebenso gibt es viele Bindungen beim weltlichen Menschen. Er kann sie nicht loswerden, außer durch Gottes Gnade. GII 637
Der Vogel und der Mönch
Natürlich braucht ein Familienvater Geld, da er eine Frau und Kinder hat. Er sollte sparen, um sie zu ernähren. Es heißt, dass der Vogel und der Sannyasin nicht für die Zukunft vorsorgen. Aber der Muttervogel bringt seinen Kleinen Fressen in seinem Schnabel. So sorgt auch er vor. Ein Familienvater benötigt Geld. Er muss seine Familie unterhalten. GII 204
Vom Goldschmied
Diese Welt ist unser Handlungsfeld. Wir sind hier geboren, um bestimmte Pflichten zu erfüllen. Die Leute wohnen auf dem Land, kommen aber zur Arbeit nach Kalkutta. Es ist nötig, eine gewisse Menge an Arbeit zu verrichten. Es ist eine Art Übung. Aber man muss sie schnell beenden. Wenn der Goldschmied Gold schmilzt, benutzt er immer alles – den Blasebalg, den Fächer und das Rohr –, sodass er das heiße Feuer hat, das er zum Schmelzen des Metalls benötigt. Nachdem das Schmelzen vorbei ist, erholt er sich und bittet seinen Diener, ihm etwas zum Rauchen vorzubereiten. Die ganze Zeit über war sein Gesicht heiß, und er schwitzte, aber jetzt kann er rauchen. GI 276
Vom Steuermann
Der Steuermann steht auf und packt fest das Ruder, solange das Boot durch Wellen, Sturm, starken Wind oder um die Windungen eines Flusses fährt. Aber nachdem er durch sie hindurchgesteuert ist, entspannt er sich. Sobald das Boot die Kurven passiert hat und der Steuermann günstigen Wind spürt, setzt er sich bequem hin und berührt nur noch das Ruder. Als Nächstes bereitet er das Setzen der Segel vor und macht sich bereit für eine Zigarette. Ebenso genießt der Übende Frieden und Stille, nachdem er die Wellen und Stürme von „Frauen und Gold“ passiert hat. GI 158
Die Hausfrau kommt nicht mehr zurück, wenn sie ihr Bad nimmt
Erledige deine wenigen Pflichten, dann wirst du Frieden haben. Wenn die Frau des Hauses ein Bad nimmt, nachdem sie gekocht und andere Hausarbeiten erledigt hat, kommt sie nicht mehr zurück, so sehr du auch nach ihr rufst. GI 160
Die Pflicht erfüllen wie eine Magd
Ebenso wie eine Amme in einer reichen Familie das Kind ihres Herrn aufzieht und es liebt, als wäre es ihr eigenes, obwohl sie genau weiß, dass sie keinen Anspruch auf es hat, sollt auch ihr denken, dass ihr nur Treuhänder und Hüter eurer Kinder seid, deren wirklicher Vater der Herr selbst ist. Say 286
Die Magd sagt über das Haus ihres Herrn: „Das ist unser Haus.“ Die ganze Zeit über weiß sie, dass das Haus nicht ihr gehört und ihr eigenes Haus weit weg in einem entfernten Dorf in Burdwan oder Nadia ist. Ihre Gedanken sind in Wirklichkeit auf das Haus in ihrem Dorf gerichtet. Wiederum sagt sie über das Kind ihres Herrn in ihren Armen: „Mein Hari ist sehr ungezogen“ oder „Mein Hari isst gern dies oder das“ und so weiter. Aber die ganze Zeit über weiß sie mit Sicherheit, dass Hari nicht ihr eigenes Kind ist.
Ich sage denen, die zu mir kommen, dass sie ein ungebundenes Leben führen sollen wie die Magd. Ich sage ihnen, dass sie ungebunden an diese Welt leben sollen – in der Welt, aber nicht von der Welt sein – und gleichzeitig ihren Geist auf Gott richten sollen, die himmlische Heimat, aus der alle kommen. Ich sage ihnen, sie sollen um Bhakti beten und ihr Leben darauf ausrichten. Say 288
Die Palme ist wirklich
Für eine kurze Zeit besitzen wir ein Haus, eine Familie und Kinder. Aber das ist alles vergänglich. Die Palme selbst ist wirklich, aber wenn eine oder zwei ihrer Früchte zu Boden fallen, warum sollten wir das bedauern? Say 263
Lass den Frosch vor der Schlange tanzen
Lebe in der Welt, aber sei nicht weltlich. Wie das Sprichwort sagt: Lass den Frosch vor der Schlange tanzen, aber lass die Schlange den Frosch nicht verschlingen. Say 265
Ein Boot kann im Wasser bleiben
Ein Boot kann im Wasser bleiben, aber Wasser sollte nicht im Boot bleiben. Ein Suchender mag in der Welt leben, aber die Welt sollte nicht in ihm leben. Say 266
Von den Dorfmädchen mit Wasserkrügen auf dem Kopf
Ebenso wie die Dorfmädchen in Indien vier oder fünf Töpfe mit Wasser übereinander auf dem Kopf tragen und den ganzen Weg über ihre Freuden und Leiden miteinander sprechen und dabei keinen einzigen Tropfen Wasser verschütten, muss der Reisende auf dem Pfad der Tugend seinen Weg gehen. In welcher Lage er sich auch befinden mag, er sollte immer darauf achten, dass sein Herz nicht vom rechten Weg abweicht. Say 284
Wie ein Junge, der um einen Pfosten herumwirbelt
Wenn man sich im Kreis dreht, kann einem schwindelig werden, und man wird ohnmächtig. Man hat auch Angst, zu fallen und sich zu verletzen. Aber das ist kein Problem, wenn man einen soliden Pfosten in der Nähe hat, an dem man sich festhalten kann, während man sich herumdreht. Kin275
Ebenso wie ein Junge, der sich an einem Pfosten oder einer Säule festhält und mit rasender Geschwindigkeit um sie herumwirbelt, ohne zu befürchten, dass er fällt, verrichte deine weltlichen Pflichten, indem du dich an Gott festhältst, und du wirst frei von Gefahr sein. Say 283
Von der Festung aus kämpfen
Warum solltest du die Welt aufgeben? Da du kämpfen musst, ist es weise für dich, von einer Festung aus zu kämpfen. Du musst gegen deine Sinnesorgane, gegen Hunger und Durst kämpfen. Deshalb ist es weise, wenn du den Kampf von der Welt aus führst. Zudem hängt das Leben des Menschen im Kaliyuga vom Essen ab. Wenn du an einem Tag nichts zu essen hast, wirst du Gott ganz vergessen. Ein Mann sagte einmal zu seiner Frau: „Ich will die Welt verlassen.“1 Sie war eine vernünftige Frau. Sie sagte: „Warum solltest du umherwandern? Wenn du um deines Magens willen nicht an zehn Türen klopfen musst, dann geh. Aber in diesem Fall ist es besser, wenn du an diesem einen Ort lebst.“ GII 148
Diejenigen, die in der Welt leben und dennoch versuchen, Erlösung zu erlangen, sind wie die Soldaten, die hinter den Wällen einer Festung kämpfen, während die Asketen, die der Welt auf der Suche nach Gott entsagen, wie die Soldaten sind, die auf dem offenen Feld kämpfen. Den Feind von der Festung aus zu bekämpfen, ist bequemer und viel sicherer als auf offenem Feld. Say 291
Bevor Soldaten ausziehen, um dem Feind zu begegnen, lernen sie die Kunst des Kämpfens in ihren Kasernen, wo sie nicht die Härten ertragen müssen, die mit dem Einsatz im offenen Feld verbunden sind. Nutzt also die Annehmlichkeiten eures häuslichen Lebens, um euren spirituellen Zustand zu verbessern, bevor ihr euch den Entbehrungen eines asketischen Lebens stellt. Say 292
In einem von Giftschlangen befallenen Haus leben
Ebenso wie Menschen, die in einem von Giftschlangen befallenen Haus leben, stets wachsam sind, sollten auch die Menschen, die in der Welt leben, stets wachsam gegenüber den Verlockungen der Lust und Gier sein. Say 83
Vom Alligator, der auf dem Wasser schwimmen will
Alligatoren lieben es, auf dem Wasser zu schwimmen, aber sobald einer auftaucht, wird er von den Jägern ins Visier genommen. Er ist gezwungen, unter Wasser zu bleiben, und kann nicht an die Oberfläche kommen. Sobald sich jedoch eine sichere Gelegenheit bietet, taucht er mit einem tiefen Zischen auf und schwimmt fröhlich auf der Wasseroberfläche.
Oh Mensch, der du in den Netzen der Welt verstrickt bist, auch du bist bestrebt, an der Oberfläche des Meers der Glückseligkeit zu schwimmen, wirst aber durch die aufdringlichen Forderungen deiner Familie daran gehindert. Doch sei guten Mutes! Wann immer du Muße findest, rufe Gott eifrig an, bete ernsthaft zu Ihm und erzähle Ihm alle deine Sorgen. Zu gegebener Zeit wird Er dich sicherlich befreien und dich befähigen, fröhlich auf dem Meer der Glückseligkeit zu schwimmen. Say 280
Von der Eins und den Nullen
Wenn du das Eine kennst, kennst du alles. Wenn du fünfzig Nullen an die Eins anhängst, bekommst du eine große Summe. Beseitige aber die Eins, und nichts bleibt übrig. Es ist das Eine, das die Vielen ausmacht. Zuerst eins, dann viele. Zuerst Gott, dann Seine Geschöpfe und die Welt. GII 206
Die Ziffer Eins kann zu einer Zahl von beliebigem Wert erhöht werden, indem man Nullen an sie anhängt. Aber wenn die Eins weggelassen wird, haben die Nullen an sich keinen Wert. Ebenso hat der Jiva (die individuelle Seele) keinen Wert, solange er sich nicht an Gott, der der Eine ist, klammert, denn alle Dinge hier erhalten ihren Wert durch ihre Verbindung mit Gott. Solange der Jiva an Gott festhält, der die wertgebende Gestalt hinter der Welt ist, und seine ganze Arbeit für Ihn tut, gewinnt er dadurch immer mehr. Wenn er Gott übersieht und seiner Arbeit viele großartige Errungenschaften hinzufügt, die alle seiner eigenen Verherrlichung dienen, wird er nichts dadurch gewinnen. Say 16
Vom Mantra Mara
Zuerst erkenne Gott, dann denke an die Schöpfung und an andere Dinge. Valmiki wurde der Name Rama als Mantra zum Wiederholen gegeben, aber er sollte zuerst „Mara“ wiederholen. „Ma“ bedeutet Gott und „Ra“ die Welt. Zuerst Gott, dann die Welt. GII 206
1 gemeint ist ein Leben als Asket oder Sannyasin zu führen
Ramakrishna war mit Sarada Devi verheiratet, wobei er keine sexuelle Beziehung mit seiner Frau führte. Er selbst betrachtete alle Frauen als die Göttliche Mutter und riet das auch seinen Schülern.
Ramakrishna bezeichnete die Haupthindernisse auf dem spirituellen Pfad mit „Frauen und Gold“ (Kamini-Kanchana), womit er sexuelle Begierde und Reichtum bzw. den Wunsch nach Besitz meinte. Damit propagierte er keinen Frauenhass. Das Studium seines Lebens und seiner Aussprüche in ihrer Gesamtheit macht deutlich, dass seine Haltung gegenüber den Frauen von tiefem Respekt geprägt war und an Verehrung grenzte. Denn er sah in ihnen ein Symbol für die Göttliche Weltenmutter. In diesem Licht betrachtete er alle Frauen, und er wollte, dass auch seine Anhänger die gleiche Einstellung kultivierten. Aber gleichzeitig machte er seinen Schülern klar, dass die Frau, wenn sie mit einem sinnlichen Auge betrachtet wird, die größte Gefahr für den spirituell Suchenden darstellt. Wenn er zu seinen weiblichen Anhängern über dasselbe Thema sprach, warnte er sie entsprechend vor den Gefahren, die vom Mann ausgingen.
Die Geschichte von den Priestern
Die Priester im Tempel von Govindaji [Krishna] in Jaipur lebten zuerst zölibatär. Zu dieser Zeit hatten sie ein hitziges Wesen. Einmal schickte der König von Jaipur nach ihnen, aber sie gehorchten ihm nicht. Sie sagten zum Boten: „Bitte den König, zu uns zu kommen.“ Nachdem der König und seine Minister sich beraten hatten, sorgten sie dafür, dass sie heirateten. Von da an musste der König nicht mehr nach ihnen schicken. Sie kamen von selbst und sagten: „Eure Majestät, wir kommen mit unserem Segen. Hier sind die heiligen Blumen für den Tempel. Nimm sie gnädig an.“ Wenn sie in den Palast kamen, wollten sie immer Geld für das eine oder andere: zum Bau eines Hauses, für die Reiszeremonie ihrer Babys oder für die Rituale am Beginn der Ausbildung ihrer Kinder. GI 224
Von den zwölfhundert Vishnu-Mönchen
Es gibt die Geschichte von den zwölfhundert Nedas (Vishnu-Mönchen) und den dreizehnhundert Nedis (Vishnu-Nonnen).2 Virabhadra, der Sohn von Nityananda Goswami, hatte dreizehnhundert Mönchs-Schüler. Sie erlangten große spirituelle Kräfte. Das beunruhigte ihren Lehrer, und er dachte: „Meine Schüler haben große spirituelle Kräfte erlangt. Was immer sie den Leuten erzählen, wird eintreffen. Wo immer sie hingehen, kommt es zu bedenklichen Situationen, denn Menschen, die sie unbeabsichtigt beleidigen, kommen zu Schaden.“ Mit diesen Gedanken rief Virabhadra sie eines Tages zu sich und sagte: „Kommt zu mir, nachdem ihr eure tägliche Andacht am Gangesufer ausgeübt habt.“ […]
Hundert dieser Schüler ahnten, worum ihr Lehrer sie bitten würde. Um zu verhindern, seinen Anweisungen Folge zu leisten, verschwanden sie schnell, bevor er sie herbeordern konnte. Sie gingen nicht mit den anderen zu Virabhadra. Die übrigen zwölfhundert Schüler gingen zum Lehrer, nachdem sie ihre Meditation beendet hatten. Virabhadra sagte zu ihnen: „Diese dreizehnhundert Nonnen werden euch dienen. Ich bitte euch, sie zu heiraten.“ „Wie es dir beliebt, verehrter Herr“, antworteten sie. „Aber hundert von uns sind weggegangen.“
Fortan hatte jeder der zwölfhundert Schüler eine Frau. Daraus folgte, dass sie alle ihre spirituelle Kraft verloren. Ihre Entsagungen hatten nicht mehr das ursprüngliche Feuer. Die Gesellschaft mit ihren Frauen raubte ihnen ihre Spiritualität, weil sie ihre Freiheit zerstörte. GI 224 f.
Die Hilfe der Geliebten des Geschäftsführers
Ein armer Mann war in großer Not, weil er keine Arbeit hatte. Er ging mehrmals ins Büro von Bara Babu (dem Büroleiter), wurde aber immer mit ausweichenden Antworten weggeschickt wie: „Nicht heute, komm morgen wieder.“ „Komm gelegentlich zu mir“, und so weiter. Der arme Mann hatte auf diese Weise viel Zeit verschwendet.
Eines Tages sprach er mit einem Freund über sein Los. Der Freund sagte sogleich: „Wie gedankenlos du bist! Warum läufst du dir die Fußsohlen wund, indem du zu diesem Kerl gehst? Geh zu Golap und flehe sie an, und glaube mir, du wirst morgen eine Anstellung bekommen.“ Überrascht rief der arme Mann: „Ist das so? Ich werde sofort zu ihr gehen.“ Golap war die Geliebte des Büroleiters.
Der arme Mann ging zu ihr und sagte: „Mutter, ich bin in großer Not. Niemand außer dir kann mich aus dieser Misere befreien. Ich bin ein Brahmane und habe keine anderen Mittel. Ich bin schon seit langem ohne Arbeit, und meine Frau und meine Kinder hungern. Ich kann Arbeit bekommen, wenn du nur ein Wort für mich einlegst.“ Da antwortete Golap: „Ja, aber an wen kann man dich vermitteln?“ Und sie dachte mitfühlend: „Ach, wie traurig, dass der Brahmane in einer solchen Notlage ist!“ Der arme Mann erwiderte: „Wenn du ein Wort bei Bara Babu zu meinen Gunsten einlegst, werde ich sicher Arbeit bekommen.“ Da versprach Golap, Bara Babu noch am selben Abend zu bitten, ihm Arbeit zu geben. Und siehe da, am nächsten Morgen kam ein Bediensteter von Bara Babu zu dem armen Mann und bat ihn, sofort in seinem Büro zu erscheinen. Swe Bara Babu empfahl den Mann dem leitenden Beamten mit den Worten: „Sir, dieser Herr hat hervorragende Qualifikationen, und da ich denke, dass seine Dienste für unser Büro von großem Nutzen sein werden, habe ich ihm eine Stelle gegeben.“
Das ist der Zauber, den die Frau auf den Mann ausübt. Die ganze Welt ist verrückt nach „Frauen und Gold“. Say 1068
Die Frau des Tuchhändlers
Ein armer Brahmane hatte einen reichen Tuchhändler als Schüler. Der Händler war von Natur aus sehr geizig. Eines Tages benötigte der Brahmane ein kleines Stück Stoff, um sein heiliges Buch einzuwickeln. Er ging zu seinem Schüler und bat um das benötigte Stück Stoff, aber der Kaufmann antwortete: „Es tut mir sehr leid, Herr. Hättest du mir dies ein paar Stunden früher gesagt, hätte ich dir das Gewünschte gegeben. Leider habe ich jetzt kein kleines Stück Stoff, das deinem Wunsch entspricht. Ich werde jedoch an deinen Wunsch denken, aber bitte erinnere mich gelegentlich daran.“ Der Brahmane musste enttäuscht weggehen.
Dieses Gespräch wurde von der Frau des Händlers mitgehört, die hinter einem Wandschirm stand. Sie schickte sofort einen Mann hinter dem Brahmanen her, rief ihn ins Haus und sagte: „Verehrter Vater, was wolltest du vom Hausherrn?“ Der Brahmane erzählte alles, was geschehen war. Die Frau sagte: „Herr, bitte geh nach Hause. Du wirst das Tuch morgen früh bekommen.“
Als der Kaufmann am Abend nach Hause kam, fragte ihn die Frau: „Hast du den Laden geschlossen?“ Der Kaufmann antwortete: „Ja, was ist denn los?“ Sie sagte: „Geh sofort und bringe zwei Stücke Stoff von bester Qualität aus dem Laden.“ Er antwortete: „Warum diese Eile? Ich werde dir morgen früh die besten Tücher geben.“ Die Frau blieb aber beharrlich. „Nein, ich muss sie jetzt haben oder gar nicht.“ Was konnte der arme Kaufmann tun? Die Person, mit der er es jetzt zu tun hatte, war nicht der spirituelle Guru, den er mit vagen und unbestimmten Versprechungen wegschicken konnte, sondern der „Gardinen-Guru“, dessen Befehle sofort befolgt werden mussten, sonst würde es zu Hause keinen Frieden für ihn geben. Schließlich öffnete der Kaufmann zu dieser späten Stunde bereitwillig den Laden und brachte ihr die Stoffe.
Am nächsten Morgen schickte die gute Frau den Artikel an den Guru mit der Botschaft: „Wenn du in Zukunft etwas von uns willst, frag mich, und du wirst es bekommen.“
(Deshalb haben diejenigen, die zur barmherzigen göttlichen Mutter beten und um Ihren Segen bitten, bessere Chancen, dass ihre Gebete erhört werden, als diejenigen, die Gott unter dem strengen väterlichen Aspekt verehren.) Say 1069
Vom Familienvater, der sich nicht um weltliche Dinge kümmert
Ein gebildeter Herr diskutierte einmal mit dem Meister darüber, ob es möglich sei, dass ein Familienvater von der Weltlichkeit unberührt bleibt. Der Meister sagte zu ihm: „Weißt du, was für ein Typ der sogenannte ‚unbefleckte‘ Familienvater von heute ist? Da er von der Welt unbefleckt ist und sich daher nicht um Geldangelegenheiten kümmert, werden seine Finanzen und alle Haushaltsangelegenheiten von seiner Frau verwaltet. Wenn also ein armer Brahmane kommt, um diesen Familienvater um ein Almosen zu bitten, sagt er zu ihm: „Herr, ich rühre nie Geld an. Warum verschwendest du deine Zeit, um bei mir zu betteln?“ Wenn der Brahmane jedoch ein aufdringlicher Kerl ist, denkt der Familienvater, der seiner Bitte überdrüssig ist, dass der Mann etwas bekommen muss, und sagt zu ihm: „Nun, Herr, komm morgen. Ich werde sehen, was ich für dich tun kann.“ Dann geht der vorbildliche Familienvater hinein und sagt zu seiner Frau: „Sieh her, meine Liebe, ein armer Brahmane ist in großer Not. Wir wollen ihm eine Rupie geben.“ Wenn die Frau das Wort „Rupie“ hört, wird sie wütend und sagt spöttisch: „Ach, was bist du doch für ein großzügiger Mann! Rupien sind für dich wie Blätter und Steine, die man gedankenlos wegwirft.“ „Meine Liebe“, antwortet der Hausherr in entschuldigendem Ton, „der Brahmane ist sehr arm, und wir sollten ihm nicht weniger geben.“ „Nein“, sagt die Frau, „so viel kann ich nicht entbehren. Hier ist ein Zwei-Anna-Stück. Das kannst du ihm geben, wenn du willst.“ Da der Babu ein Familienvater ist, der von weltlichen Dingen nichts hält, nimmt er natürlich das, was seine Frau ihm gibt, und am nächsten Tag bekommt der Bettler nur das Zwei-Anna-Stück.
Ihr seht also, eure sogenannten von der Weltlichkeit unberührten Familienväter sind nicht wirklich ihre eigenen Herren. Weil sie sich nicht selbst um die Familienangelegenheiten kümmern, halten sie sich für sehr gute, heilige Männer, während sie in Wirklichkeit nur von ihren Frauen gelenkte Ehemänner sind, und so sind sie selbst unter den gewöhnlichen Menschen nur äußerst armselige Exemplare. Say 1066
Von der Schale der reifen Mango
Was geschieht, wenn eine unreine Frau einen frommen Mann verführt und versucht, ihren bösen Einfluss auf ihn auszuüben? Ebenso wie die Schale einer reifen Mango in der Hand zurückbleibt, wenn man sie fest zusammendrückt, während der Stein und der Kern aus ihr herausgleiten, gleitet der Geist des frommen Mannes zu Gott und lässt seinen irdischen Wohnsitz zurück, um von der Frau beeinflusst zu werden. Say 252
Von den ungleichen Magneten
Wenn man einmal durch intensives Vairagya (Leidenschaftslosigkeit) Gott erreicht hat, fallen die unmäßigen Versuchungen der Lust ab, und dem Mann droht selbst von seiner eigenen Frau keine Gefahr. Wenn sich zwei Magnete in gleichem Abstand von einem Stück Eisen befinden, welcher von ihnen wird es mit einer stärkeren Kraft anziehen? Gewiss der größere. Wahrlich, Gott ist der größere Magnet. Was kann der kleinere Magnet (die Frau) dagegen tun? Say 432
Vom gefallenen Sannyasin
Weißt du, wie es aussieht, wenn ein Sannyasin Geld annimmt oder an einem Gegenstand der Versuchung hängt? Es ist, wie wenn eine brahmanische Witwe, die viele Jahre Enthaltsamkeit geübt und von gekochtem Reis, Gemüse und Milch gelebt hat, plötzlich einen Unberührbaren als ihren Geliebten akzeptiert.
In unserem Teil des Landes lebte eine Frau der unteren Kaste namens Bhagi Teli. Sie hatte viele Schüler und Verehrer. Als der Grundbesitzer sah, dass sie, eine Sudra, von den Leuten gegrüßt wurde, wurde er eifersüchtig und beauftragte einen bösen Mann, sie in Versuchung zu führen. Es gelang ihm, sie zu verderben, und ihre ganze spirituelle Übung war vergebens. Ein gefallener Sannyasin ist so. GII 91
Nur die Weltenmutter existiert
Auf die Frage, warum er nicht das Leben eines Familienvaters mit seiner Frau führte, antwortete der Meister: „Ganesh (der Sohn von Siva) kratzte eines Tages zufällig mit seinem Nagel eine Katze. Als er nach Hause kam, sah er, dass ein Kratzer auf der Wange seiner Göttlichen Mutter Parvati zu sehen war. Da fragte er sie: ‚Mutter, wie hast du diese hässliche Narbe auf deiner Wange bekommen?‘ Die Weltenmutter antwortete: ‚Das ist das Werk deiner Hand. Es ist der Kratzer deines Nagels.‘ Ganesh fragte erstaunt: ‚Wie kommt das, Mutter? Ich kann mich nicht erinnern, dich jemals gekratzt zu haben.‘ Die Mutter antwortete: ‚Liebling, hast du vergessen, dass du heute Morgen eine Katze gekratzt hast?‘ Ganesh sagte: ‚Ja, ich habe eine Katze gekratzt, aber woher stammt die Narbe auf deiner Wange?‘ Die Mutter antwortete: ‚Liebes Kind, nichts existiert in dieser Welt außer mir selbst. Die ganze Schöpfung bin ich. Wen auch immer du verletzt, du verletzt mich.‘ Ganesh war überrascht, dies zu hören, und beschloss, niemals zu heiraten. Denn wen sollte er heiraten? Jede Frau war für ihn eine Mutter. Als er auf diese Weise die Mutterschaft der Frau erkannte, gab er die Ehe auf. Ich bin wie Ganesh. Ich betrachte jede Frau als meine Göttliche Mutter.“ Say 1070
Vom Frosch und der Rupie
Ein Frosch besaß eine Rupie, die er in seinem Loch aufbewahrte. Eines Tages ging ein Elefant über das Loch. Der Frosch kam ärgerlich heraus, hob den Fuß, als wollte er dem Elefanten einen Stoß verpassen, und sagte: „Wie kannst du es wagen, über meinen Kopf hinwegzugehen?“ Solcherart ist der Stolz, den das Geld hervorbringt. GI 227
Vom Loch im Krug
Wenn sich am Boden eines Wasserkruges ein kleines Loch befindet, läuft das ganze Wasser aus. Ebenso sind alle Anstrengungen des Suchers umsonst, wenn er auch nur den kleinsten Hauch von Weltlichkeit in sich trägt. Say 78
Wie jemand, der am Rand eines tiefen Brunnens steht
Ebenso wie jemand, der am Rande eines tiefen Brunnens steht, immer darauf achtet, dass er nicht hineinfällt, sollte auch derjenige, der in der Welt lebt, immer auf der Hut vor ihren Versuchungen sein. Wer einmal in den Brunnen der Welt gefallen ist, der voller Versuchungen ist, kann kaum unbeschadet und unversehrt wieder herauskommen. Say 425
Von den beiden Zeigern einer Waage
Wenn der Geist frei von „Frauen und Gold“ ist, kann man ihn auf Gott richten und sich in Ihn vertiefen. Nur der Gebundene kann befreit werden. In dem Augenblick, in dem der Geist sich von Gott abwendet, ist er gebunden. Wann bewegt sich der untere Zeiger an der Waage vom oberen weg? Wenn eine Schale von einem Gewicht heruntergedrückt wird. „Frauen und Gold“ sind das Gewicht. GII 175
Es ist wie mit den Zeigern einer Waage. Wegen des Gewichts von „Frauen und Gold“ stehen die beiden Zeiger nicht in einer Linie. Es sind „Frauen und Gold“, die den Menschen vom Weg des Yoga abschweifen lassen. Hast du nicht die Flamme einer Kerze beobachtet? Der kleinste Windhauch lässt sie flackern. Der Zustand von Yoga ist wie die Kerzenflamme an einem windstillen Ort. GII 130
Die schwerere Schale einer Waage sinkt nach unten, während die leichtere nach oben steigt. In gleicher Weise sinkt derjenige, der durch die Sorgen und Ängste der Welt beschwert ist, in sie hinab, während derjenige, der weniger hat, zu den Füßen des Herrn aufsteigt. Say 362
2 Nedas: wörtlich: kahlgeschoren. Die vishnuitischen Verehrer, die der Welt entsagen, lassen ihre Köpfe scheren. Nedis sind Vishnu-Nonnen.
Wie eine Mango, die von Krähen angepickt wurde
Männer, die lange mit „Frauen und Gold“ in Berührung waren, riechen sozusagen nach Knoblauch. Sie sind wie eine Mango, die von Krähen angepickt wurde. Solch eine Frucht kann der Gottheit im Tempel nicht dargebracht werden, und du würdest zögern, sie zu essen. GII 253
Eine Tasse, in der Knoblauch oder geronnene Milch war
Jeder Geruch verschwindet, wenn ein Feuer entzündet wird. Wenn du die Tasse, die nach Knoblauch riecht, erhitzt, wirst du den Geruch los. Sie wird zu einer neuen Tasse. GII 249
Die Tasse, in der Knoblauchsaft aufbewahrt wird, behält den Geruch, auch wenn sie mehrmals gewaschen wird. Der Egoismus ist ein solch hartnäckiger Aspekt der Unwissenheit, dass er nie ganz verschwindet, wie sehr man auch versuchen mag, ihn loszuwerden. Say 111
Wie oft man auch eine Tasse, die eine Lösung aus Knoblauch enthalten hat, wäscht, es bleibt immer noch eine Spur des Geruchs zurück. Die Jungen, die hierherkommen, sind reine Seelen – unberührt von „Frauen und Gold“. Männer, die lange mit „Frauen und Gold“ in Berührung waren, riechen sozusagen nach Knoblauch. Sie sind wie eine Mango, die von Krähen angepickt wurde. Solch eine Frucht kann der Gottheit im Tempel nicht dargebracht werden, und du würdest zögern, sie zu essen. Nimm auch das Beispiel von einem neuen Topf und einem anderen, in dem geronnene Milch hergestellt wurde. Man will keine Milch im zweiten Topf aufbewahren, denn die Milch wird oft sauer. GII 253
Niemand würde Milch in einem irdenen Topf aufbewahren, der einmal für die Zubereitung von Sauermilch verwendet wurde, damit die Milch nicht gerinnt. Auch zum Kochen kann er nicht verwendet werden, da er über dem Feuer zerspringen kann. Er ist daher nahezu unbrauchbar. Ebenso vertraut auch ein guter und erfahrener Guru einem weltlichen Menschen keine wertvollen und erhabenen Gebote an, denn er wird sie mit Sicherheit missinterpretieren und für seine eigenen niederen Zwecke missbrauchen. Er wird ihn auch nicht bitten, eine nützliche Arbeit zu verrichten, die ein wenig Mühe kostet, damit er nicht denkt, dass der Lehrer ihn übermäßig ausnutzt. Say 208
Wenn Butter durch das Buttern von dicker Milch hergestellt wird, sollte sie nicht in demselben Gefäß wie die Buttermilch aufbewahrt werden, denn dann verliert sie etwas von ihrer Süße und Festigkeit. Sie sollte in reinem Wasser und in einem anderen Gefäß aufbewahrt werden. Ähnlich verhält es sich, wenn man, nachdem man in der Welt teilweise Vollkommenheit erlangt hat, sich weiterhin mit dem Weltlichen vermischt und inmitten der Versuchungen der Welt bleibt. Dann wird man wahrscheinlich befleckt. Aber man kann rein bleiben, indem man außerhalb der Versuchungen der Welt lebt. Say 430
Der Zustand des Hauses des Dieners
Der Zustand, in dem sich das Haus eines Dieners befindet, drückt unmissverständlich aus, ob sein Herr beschlossen hat, ihn zu besuchen. Zuerst beseitigt man den Müll und das Gebüsch ums Haus. Als Nächstes beseitigt man Ruß und Schmutz aus den Zimmern. Als Drittes wischt man den Hof, die Fußböden und anderes. Zuletzt schickt der Herr verschiedene Dinge ins Haus wie einen Teppich, eine Wasserpfeife zum Rauchen und Ähnliches. Wenn du siehst, dass diese Dinge gebracht werden, kannst du daraus schließen, dass der Herr schon bald eintreffen wird. GI 268
Bevor ein König das Haus eines Dieners besucht, um dessen Gastfreundschaft in Anspruch zu nehmen, schickt er aus seinen eigenen Vorräten die notwendigen Gegenstände wie Sitze, Schmuck und Speisen dorthin, damit der Diener in die Lage versetzt wird, seinen Herrn angemessen zu empfangen und ihm die gebührende Ehre zu erweisen. In gleicher Weise sendet der Herr Liebe, Ehrfurcht und Glaube in die sehnsüchtigen Herzen der Verehrer, bevor Er eintrifft. Say 938
Vom hohlen Bambus
Kann jeder gleichzeitig Erkenntnis und Liebe entwickeln, bloß weil er es sich wünscht? Das hängt von der Person ab. Der eine Bambus ist hohler als der andere. Können alle Menschen das Wesen Gottes erfassen? Kann ein Topf, der ein Seer fasst, fünf Seer Milch enthalten? GI 449
Alle mögen sich solch einen erhabenen Zustand wünschen, aber nicht alle können ihn erlangen. Manche Bambusarten sind hohler als andere, manche sind innen fester. GII 305
Ein Mensch stößt auf, was er isst
Was du bei Tag und Nacht tust, kommt aus deinem Mund. Ein Mensch stößt auf, was er isst. Wenn er Rettich isst, stößt er Rettich auf. Wenn er eine grüne Kokosnuss isst, stößt er die grüne Kokosnuss auf. Du lebst bei Tag und Nacht inmitten von „Frauen und Gold“. Deshalb spricht dein Mund nur darüber. GII 202
Vom betrügerischen Goldschmid
Es gab einen Goldschmied, der ein Schmuckgeschäft hatte. Er sah wie ein großer Verehrer aus, ein wahrer Vishnuit mit Perlen um den Hals, einem Rosenkranz in der Hand und den heiligen Zeichen auf der Stirn. Natürlich vertrauten ihm die Leute und kauften bei ihm ein. Sie dachten, wenn er so ein frommer Mann sei, würde er sie nie betrügen. Jedes Mal, wenn eine Gruppe Kunden ins Geschäft kam, hörten sie einen seiner Handwerker sagen: „Kesava, Kesava“ Ein anderer würde nach einer Weile mit „Gopal, Gopal“ antworten. Dann würde ein Dritter „Hari, Hari“ murmeln. Schließlich würde jemand „Hara, Hara“ sagen. Wie du weißt, sind dies verschiedene Namen Gottes.
Die Kunden, die so viel Skandieren des Namens Gottes hörten, dachten natürlich, dass der Goldschmied eine höhergestellte Person sein müsse. Aber kannst du dir die wahre Absicht des Goldschmieds denken? Der Mann, der „Kesava, Kesava“ sagte, meinte: ‚Wer sind sie? Wer sind diese Kunden?‘ Der Mann, der „Gopal, Gopal“ sagte, meinte, dass die Kunden nur eine Kuhherde seien. Das war die Meinung, die er sich bildete, nachdem er einige Worte mit ihnen gewechselt hatte. Der Mann, der „Hari, Hari“ sagte, fragte: „Wenn sie nicht mehr als eine Kuhherde sind, können wir sie dann ausrauben?“ Derjenige, der „Hara. Hara“ sagte, gab seine Zustimmung, wobei er mit diesen Worten meinte: „Raub sie auf alle Fälle aus, da sie nur Kühe sind.“ GII 481
Vom Schakal
Schmeichler glauben, dass der Reiche für sie seine Börse locker macht. Aber es ist sehr schwer, von ihm etwas zu bekommen. Einmal sah ein Schakal einen Ochsen und ließ nicht mehr von ihm ab. Der Ochse streunte umher, und der Schakal folgte ihm. Der Schakal dachte: „Dort hängen die Hoden des Ochsen. Irgendwann werden sie abfallen, und ich werde sie fressen.“ Wenn der Ochse auf dem Boden schlief, legte sich auch der Schakal nieder, und wenn der Ochse umherging, folgte der Schakal ihm. Auf diese Weise vergingen viele Tage, aber die Hoden des Bullen hafteten immer noch an seinem Körper. Der Schakal ging enttäuscht von dannen. Das geschieht auch mit Schmeichlern. GI 447
Kuchen mit verschiedenen Füllungen
Alle Menschen sehen zwar gleich aus, aber sie haben verschiedene Wesen. Einige haben einen Überschuss an Sattva, andere an Rajas und wieder andere an Tamas. Du musst bemerkt haben, dass die Kuchen, die man Puli nennt, alle gleich aussehen. Aber ihr Inhalt ist verschieden. Manche enthalten kondensierte Milch, andere Kokoskerne, wieder andere nur gekochten Kalai (Linsenbrei). GI 193
