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Christine Kralik wurde am 20. Oktober 1952 in der Kleinstadt Grafenau im bayrischen Wald nahe der tschechischen Grenze geboren. Die magischen Plätze dieser ursprünglichen Landschaft prägten ihre Kindheit und legten den Grundstein für ihre tiefe Naturverbundenheit. Die zahlreichen Mythen dieser Gegend erweckten in ihr die Begeisterung für die alte Weisheit von Märchen und Sagen – und für den Reichtum ihrer inneren Welten. Nach dem Abitur absolvierte sie ein Graphikdesign-Studium in München. Die damals großzügigen finanziellen Zuwendungen ihrer Eltern ermöglichten es ihr, sich glücklicherweise nicht auf einen Brotberuf festlegen zu müssen, sondern sich ihren vielfältigen Interessen uneingeschränkt widmen zu können. So bescherte ihr zum Beispiel die intensive Beschäftigung mit der Astrologie kostbare Einblicke in die Strukturen ihrer eigenen Psyche und verhalf ihr zu einem besseren Verständnis für ihre Mitmenschen. Doch es bedurfte erst eines tiefgreifenden Durchbruchs zu einer größeren Bewusstseinsöffnung inmitten einer ernsthaften Lebenskrise, um der Anwesenheit einer wohlwollenden, nährenden und höheren Macht im Angesicht des Niedergangs und der bedingungslosen Kapitulation ihrer Persönlichkeit gewahr zu werden. Die Hingabe an diese alldurchdringende Gegenwärtigkeit und die zunehmend innigere Verbindung mit ihr empfindet Christine heute als ihre eigentliche Berufung. Das Thema des scheinbaren Verlustes und des entzückten Wiederfindens der allumfassenden Liebe durchzieht sowohl ihre Geschichten als auch ihr Leben und bildet den täglichen Ankerpunkt ihrer Gewissheit in ihrer Hingabe. Derzeit genießt sie in ihrem Garten in der ihr inzwischen zu einer Art Heimat gewordenen bezaubernden Landschaft des Chiemsees das Aufblühen ihres inneren Wesens und verfolgt gespannt die nunmehr wild taumelnde Reise der Menschheit – hin zu einem neuen Bewusstsein.
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Seitenzahl: 97
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Christine Kralik
Rauhnachtsfrüchte
Geschichten zur Blauen Stunde
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Einführung
Wandlungen
Wer bin ich?
Ratlos
Still, still!
Flügelschatten
Gute Gabe
Überraschungen
Leben
Früchte des Alleinseins
Rettung
Partygirls never give up
Heut Morgen
Da ist nur dieser Tanz
Ich folge
Du hast mich angesteckt
Dein Wort ist wie ein Messer
Die Liebe hat mir alles gegeben
Hinter der Zeit
So schwer die Last
Ein Traum
Bitte, sei still!
Geh nicht ins Land
Etwas in mir
Christbaum
Phoenix
Ein Traum II
Karma
Du
Die Kerze
Feiertagswünsche
Mein Herz
Und es is 5 nach 12
Schmetterling
Licht und Schatten
Fallen und steigen
Überlegungen eines boarischen Mädels
Ois draht si
Sei staad
Kampf der Geister – Rat der inneren Führung
Heilige Plätze
April
Ein Traum III
Mamas Liebling
Traum und „Wirklichkeit“
Kleine Konflikte
Angebote
April, April
Ein Traum IV
Fliegen
Sonntag
Erwachen
Ahoi
Zauberland
Opfer
Rosen
Achtung! Hochsensibel!
Gegenwart
Heilige Hochzeit I
Heilige Hochzeit II
Der Marillenbrand
… leben!
Ein Traum V
Rätsel
Blaue Stunde
Nachwort: Wie alles begann und einfach weiter ging
Serviervorschlag
Impressum neobooks
Gestatten, mein Name ist Hase. Als ich meinen fabulierfreudigen und stets zu Übertreibungen aufgelegten Vater eines Tages nach der Bedeutung unseres tschechischen Nachnamens „Kralik“ fragte – ich war damals ein überaus gutgläubiges und begeisterungsfähiges Kind von 4 oder 5 Jahren – bückte er sich vertraulich zu mir nieder und flüsterte mit weihevoller Miene, als verriete er ein wichtiges Staatsgeheimnis: „Kral heißt König.“
Er ließ eine lange dramatische Kunstpause entstehen, die mir genügend Zeit gab, in eine Welt voller Glanz und Gloria einzutauchen, die sich mir plötzlich eröffnete. Ich war so von einer neuen Größe durchdrungen, dass ich den abschließenden Zusatz, „Und Kral-ik bedeutet Königshase“, kaum mehr wahrnahm.
Ob „König“ oder „Königshase“ machte für mich sowieso keinen Unterschied, waren doch beide gleichermaßen blaublütige Hochwohlgeborene, und die Erhabenheit meines neuen, eingebildeten herrschaftlichen Standes entzückte mich über alle Maßen.
„Oh – Königshase“, hauchte ich ergriffen und war schwerstens beeindruckt, zumal ich mich damals gerade in der Hochphase meiner Osterhasenschwärmereien befand, die mein Vater kräftig angeregt hatte und weiterhin heftig schürte. Nicht genug damit, dass er mir das geliebte Buch „Im Hasenwunderland“ mehrmals ohne Murren vorlas, so blieb er auch jedes Mal stehen, wenn wir auf unseren Sparziergängen an der wilden, hohen Hecke vorbeikamen und tat so, als könne er auf der anderen Seite eine Zauberwelt wahrnehmen: Das Osterhasenland!
Einfallsreich und mit theatralischem Elan beschrieb er mir stets das Geschehen, das sich vor ihm auftat. Ich registrierte jede kleinste Bewegung seines Kopfes, teilte sie mir doch mit, dass sich vor seinen Augen aufregende Ereignisse abspielten. Gebannt lauschte ich seinen Beschreibungen und Kommentaren und war jedes Mal so völlig versunken, dass ich nie auf die Idee gekommen wäre, einmal darauf zu bestehen, hochgehoben zu werden, um selbst einen Blick über die Hecke werfen zu können.
Stattdessen besuchte ich das gelobte Osterhasenland, das mir immer vertrauter wurde, in meiner Phantasie und war erstaunt, wie es dort zuging. Jeder Hase war wichtig und richtig an seinem Platz und in seinem Amt. Und das ganze Geschehen stand in einem stimmigen und sinnvollen Zusammenhang, wie in einer heiligen Ordnung, die ich in meinem unberechenbaren und chaotischen Kinderleben so vermisste. Durch jenen ehrenvollen Titel eines Königshasens, fühlte ich mich natürlich besonders privilegiert und den höheren Kreisen des Osterhasenlandes zugehörig. Huldvoll betrachtete ich von meiner erhabenen Warte aus das muntere Treiben der possierlichen „Langöhrchen und Weißpfötchen“ und hatte meine wahre Freude daran.
Auch später noch, als ich schon längst auf dem harten Boden dieser sogenannte Erdenwirklichkeit gelandet war, vermittelte mir die ehemals verspürte Bedeutsamkeit einen feinen Anklang von Trost und legte den Nachgeschmack von Wert und Würde und glücklicheren Tagen auf mein oft so betrübtes Herz.
Doch auch dieser subtile Status brach ein, als mir eines Tages ein tschechischer Aushilfspostbote meine Briefe augenzwinkernd mit der Bemerkung reichte: „Aah, ein Kaninchen.“ Eine Schrecksekunde lang glaubte ich, mich verhört zu haben und beteuerte, ich sei doch, bitte sehr, ein stattlicher, hochangesehener Königshase! Doch der Briefträger blieb beharrlich bei seiner Meinung: „Missens mir wirklich glauben – was soll ich liigen – dud mir leid, Kralik, ist sich einfaches Kaninchen!“
Nun war ich gänzlich degradiert und fühlte mich schäbig. Der aristokratische Nimbus war für immer dahin und ich stand ratlos da, als gemeines, ordinäres Kaninchen, das seine Rammelphase schon längst hinter sich gebracht hatte.
Als es darum ging, der Verfasserin dieses Buches eine passende Identität zu verschaffen, griff ich schnell zu einem neuen Namen, von dem ich annahm, er würde meine facettenreiche Persönlichkeit besser schmücken. Ich tappte dabei blindlings in die Falle aller von mir zuvor belächelten „Resi Hinterhuglhapfingers“ dieser Welt, die nach der erfolgreichen Absolvierung eines Wochenendworkshops in Meditation, Trommeln oder Schwitzhüttenverschwitzen schon meinen, sich einen blumigeren und exotischeren Namen verpassen zu müssen, und nannte mich: Kiko Wangenroth …
Gott sein Dank hat mich die Geschichte von Alice im Wunderland von diesem Wahn erlöst, mich mit meinem Namen versöhnt und mir gezeigt, über welch außergewöhnliche Fähigkeiten ein so gewöhnliches Kaninchen doch hin und wieder verfügt.
Ein weißes Kaninchen nämlich nimmt das Mädchen Alice mit in seinen Bau, denn dort ist der Zugang zu einer anderen, weit phantastischeren Welt, in die Alice nun hineingerät, um dort zahlreiche bizarre Abenteuer zu erleben. So gilt das magische Hasenwesen seitdem als Seelenführer in andere Dimensionen. In Amerika weiß man das schon lange, und die Band Jefferson Airplane hat ihm mit „White Rabbit“ einen Song gewidmet, der in der Hippiezeit weltberühmt war.
Doch nun ist es an der Zeit, die alten Geschichten zu beenden. Ich lade Sie ein, mit mir zu kommen und mir in die Höhle eines bayerischen Kaninchens zu folgen …
An einem geheimen Ort, er ist auf keiner Landkarte verzeichnet, steht ein gar seltsames Haus. Jedes Mal, wenn ich mich dort einfinde, hat es zu meiner Überraschung eine etwas andere Gestalt. Einmal, zum Beispiel, hätte ich wetten können, es sei ein prunkvolles Schlösschen, ein anderes Mal jedoch schien es mir schlichter und von erlesener Einfachheit. Doch wie immer es sich mir auch präsentierte, war die Meisterhand, die es schuf, deutlich zu erkennen.
Der Weg zu dem Haus blieb ebenfalls nie derselbe. Einmal genügte schon der Wunsch, um dorthin zu kommen, beim nächsten Mal brachte mich ein falscher Ratgeber vom Weg ab, und ich musste mich durch dornige Ranken schlagen, die immer wieder nachzuwachsen schienen. Doch diese Art der Erlebnisse, wie zahlreich und abenteuerlich sie auch immer waren, sollen nicht Gegenstand meiner Geschichte sein.
Das erste Mal führte mich der Zufall hierher – ich wollte hinunter ins Dorf und muss wohl die falsche Abbiegung genommen haben. Mein Erstaunen war groß als ich mich plötzlich vor einem fremden, herrschaftlichen Gebäude befand. Wie konnte ich es bisher nur übersehen haben, ist mir in dieser Gegend doch fast jeder Grashalm bekannt!
Das Gemäuer schien auf eine Art lebendig zu sein, denn es ging ein sanftes Vibrieren von ihm aus, wie ein freundliches Schnurren.
Es war, als würde mich eine liebliche Süße zu sich ziehen, und je näher ich kam, desto unwiderstehlicher war mein Verlangen, ins Innere vorzudringen und mich seinem Geheimnis in die Arme zu werfen.
In der Nähe des Tores bemerkte ich zwar eine Gestalt, aber in meiner Eile vergaß ich einfach, sie zu grüßen und strebte an ihr vorbei dem Eingang zu.
„Halt!“, eine mächtige Stimme packte mich wie eine Faust und ließ mich augenblicklich innehalten. Ich drehte mich um und sah mich einem erhabenen menschenähnlichen Wesen gegenüber, dessen Blick mich vollkommen einnahm. „Wer bist du?“, wollte es wissen.
Diese Frage war ernst und schwer und sank auf den Grund meiner Seele hinab, doch damals war ich noch nicht geübt, solche Tiefen wahrzunehmen.
Ungeduldig nannte ich meinen Namen, schließlich hatte ich keine Zeit zu verlieren. Als der Hüter des Tores keine Reaktion zeigte, fügte ich schnell noch mein Alter, meinen Beruf und meinen Familienstand hinzu. Das musste doch eigentlich genügen. Aber um das ungnädige Wesen etwas zu beeindrucken, erwähnte ich auch noch ein paar löbliche Zeitungsartikel, sowie etliche Auszeichnungen und Preise.
Als ich gerade dabei war, noch etwas weiter auszuholen, unterbrach es mich plötzlich mit einer großartigen Gebärde, ähnlich der des Erzengels, der vor ewigen Zeiten Adam und Eva des Paradieses verwies. Der Wächter deutete unmissverständlich auf den Pfad, den ich gerade gekommen war, und ich wusste sofort, dass ich nun umgehend den Heimweg anzutreten hatte.
Mein Versagen beschämte mich sehr, und ich hätte auch gerne gewusst, worin es denn eigentlich bestand.
Zu Hause versuchte ich, wieder mein gewohntes Leben aufzunehmen, aber seine Verlockungen wurden zunehmend schal und seine Verpflichtungen lästiger denn je.
Der Zauber und die Verheißung des wundersamen Ortes ließen mich nicht mehr los. Mir schien es, als bestünde nur dort die Möglichkeit, ins Paradies zurückzukehren, dessen schmerzlichen Verlust ich jetzt erst deutlich wahrnahm.
Ein großes Heimweh trieb mich immer und immer wieder hin zu dem Haus, doch das Tor blieb stets unerbittlich verschlossen – konnte ich doch die ewig gleiche Frage nie beantworten, so sehr ich mich auch bemühte.
Zermürbt von den ständigen Zurückweisungen beschloss ich nun, mich ein letztes Mal einzufinden, um dem Wächter meine Kapitulation kund zu tun. Ich wollte mich für immer von dem gefährlichen Bann dieser Anziehung befreien, hatte ich mich doch bereits mir selbst und meiner vertrauten Welt vollkommen entfremdet und schon befürchtet, meine Fähigkeit, unter Menschen zu wandeln, endgültig einzubüßen.
Schweren Herzens also ließ ich den Wächter wissen, nun am Ende meiner Weisheit angekommen zu sein und somit alle nur möglichen Antworten ausgeschöpft zu haben.
Ein winziges Lächeln in seinen Augen gab seinem Blick eine nie gesehene Wärme, und mir war, als streifte er kurz meine Wange, als er den Arm hob, um mir den Rückweg zu weisen.
Diese Berührung weckte all meine Lebensgeister erneut, und mit frischem Eifer beschloss ich, in meinen Bemühungen fortzufahren.
Ich hielt es für eine gute Idee, in heiligen Büchern zu forschen, hatte ich doch im Laufe meiner gescheiterten Versuche feststellen müssen, dass die Natur der Frage scheinbar über den irdischen Bereich hinaus wies.
Riesige Bücherstapel, wie Säulen der Weisheit, gaben meinem Küchentisch von jetzt an ein würdiges Aussehen.
In einer Sammlung ekstatischer Texte von erleuchteten Männern und Frauen glaubte ich endlich fündig geworden zu sein. Ihre Aussagen überzeugten mich restlos, weil sie ohne Ausnahme im Kern übereinstimmten, egal welcher Religion oder welchem Jahrhundert diese ehrenwerten Wesen entstammten.
Sie sagten, so glaubte ich jedenfalls zu verstehen, dass unser Schöpfer sich selbst als ein ewiges Flämmlein in unsere Seele gelegt hätte und für diejenigen Menschen, die genügend Interesse zeigten und gelernt hätten, geduldig und still zu warten, als eine besonders liebevolle und erfüllende Schwingung im Inneren zu spüren sei.
Diese Vibration der Gegenwart GOTTES in uns könne man in Worte gefasst als „Ich Bin“ bezeichnen. Sie sei der wahre Wesenskern des Menschen und sein ewiger und unzerstörbarer Wert.
Ein Punkt wurde auch noch besonders hervorgehoben: Dass nämlich ausnahmslos alles, was wir uns über uns selbst und andere Menschen einreden, wofür wir uns und andere rühmen oder verachten, nichts weiter als Hirngespinste seien, bedeutungslos und jederzeit zu vernachlässigen.
Unsere wichtigste Aufgabe auf Erden bestünde darin, so meine ich es jedenfalls herausgelesen zu haben, auch wenn ich dem zu der Zeit nicht zustimmen konnte, uns von all diesen Illusionen zu befreien.
Dieser schmale, steinige und mühsame Weg erschien mir wenig verlockend, hatte ich den Schlüssel zu meinem Glück doch bereits in der Tasche, so glaubte ich jedenfalls.
„Ich Bin!“ – wie genial einfach war dieses Zauberwort. Mochten sich meine Vorfahren noch geplagt haben, auch ich habe mich schließlich auf meine Art bemüht, so würden die Dinge in der heutigen Zeit wesentlich schneller vollendet, das war mir vollkommen klar.
