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»Ich sehe jetzt, wer du bist«, sagte Mayren, als sie den Verräter musterte. »Du bist mein Feind.« Langsam beugte sie sich näher zu ihm herab. »Und ich werde immer bereit sein, meine Feinde zu bekämpfen.« Nach dem brutalen Angriff auf Zeros bulgarische Fabrik kehrt etwas Ruhe im Hauptquartier der Georgier ein - nur der Gedanke eines möglichen Gegenschlags von Zero und der Verräter in den eigenen Reihen beunruhigt Mayren, Joshua und ihre Freunde. Denn solange der Feind im Inneren nicht gefasst wurde, kann kein Kontakt zum Clan der Blutadler aufgenommen werden, zu welchem Joshuas Mutter Verbindungen hatte. Doch nicht nur die Blutadler sind ein unberechenbarer Faktor - es gibt noch vier weitere Jäger, die Zeros Auftrag erhalten haben und sich bisher zu keiner Seite des aufkommenden Krieges bekennen. Zumal Zero viel Geld dafür einsetzt, um endlich seinen Willen zu bekommen.
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Seitenzahl: 501
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Teil Eins
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Teil Zwei
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Kapitel 31
Teil Drei
Kapitel 32
Kapitel 33
Kapitel 34
Kapitel 35
Kapitel 36
Kapitel 37
Kapitel 38
Kapitel 39
Kapitel 40
Kapitel 41
Kapitel 42
Kapitel 43
Epilog
Was bisher geschah ...
Für all jene, die jeden Tag den Mut finden, ein kleines Stück weiterzugehen, auch wenn der Boden unter ihren Füßen uneben ist.
Für all jene, die lernen, dass Heilung nicht das Vergessen der Dunkelheit ist, sondern das Wiederfinden des Lichts in sich selbst.
Möge das Buch dir zeigen, dass du nicht allein bist und dass es Wege hinaus gibt, auch wenn du sie noch nicht sehen kannst.
Für meine Oma Erna, die mir auch nach so vielen Jahren immer noch fehlt und mich die Liebe zu den Büchern gelehrt hat!
Offenbaren, Enthüllen
Das Wort Reveal wird im Englischen verwendet, um den Akt des Offenbarens oder Enthüllens zu beschreiben. Es bezeichnet den Moment, in dem etwas Verborgenes oder Unbekanntes plötzlich sichtbar oder verständlich wird. Dabei kann es sich um eine Wahrheit, ein Geheimnis, eine Identität oder ein bislang verborgenes Element handeln.
Reveal wird sowohl wörtlich als auch symbolisch verwendet und kann einen Wendepunkt markieren: den Moment, in dem Klarheit entsteht, eine Maske fällt oder die wahre Bedeutung eines Geschehens ans Licht tritt.
Dieser Titel behandelt sensible Themen, die für manche Leser:innen belastend sein können. Dazu gehören Darstellung von Gewalt, Mord, Folter, physischem und psychischem Missbrauch, physischem und psychischem Kindesmissbrauch, Tod, Blut und Trauma.
Bitte sei dir dieser Inhalte bewusst und achte auf deine emotionale Sicherheit, bevor du weiterliest.
Hauptquartier der Georgier Mittwoch, 23. November – Joshua
Bam!
Irgendwas traf mich am Kopf und ich schreckte aus meinem unruhigen Schlaf hoch. »Wa–was?!«, stammelte ich, aber erkannte Bastian vor mir, der mir vermutlich ein Buch über den Kopf gezogen hatte.
»Guten Morgen, Joshua Grey«, begrüßte er mich und ich unterdrückte sofort ein breites Schmunzeln.
»Basti«, sagte ich und richtete mich langsam an dem Tisch auf, an dem ich eingeschlafen war. Die Müdigkeit lastete bleiern auf meinen Augen, aber daran hatte ich mich zwischenzeitlich gewöhnt. Die letzten sechs Wochen seit dem Angriff auf die bulgarische Fabrik hatten uns alle gefordert.
Gähnend strich ich die Buchseite vor mir auf dem Tisch glatt, aber ein großes Eselsohr blieb darin eingeprägt. »Was gibt es?«, fragte ich Bastian und unterdrückte ein weiteres Gähnen.
Er grinste, aber es erreichte seine Augen nicht. Wir traten in unseren Nachforschungen auf der Stelle – nicht nur mich frustrierte das. Vor allem in der Sache mit dem Verräter, der fast Mayrens und mein Leben erfolgreich an Paul verraten hatte, waren wir kein Stück weitergekommen.
Das war das Schlimmste, denn solange wir das Leck in unserem Clan nicht fanden, konnten wir keine weiteren Pläne machen. Unwillkürlich spannte sich mein Kiefer an und ich spürte diese innere Wut in meiner Magengegend.
»Nichts Neues. Ich hatte mich gefragt, ob du Lust hast, mit mir eine Runde zu trainieren?« Bastians Lächeln flackerte einen Moment, weil er vermutlich das Gleiche dachte wie ich. »Das Training bringt dir sicherlich auch einen guten Ausgleich.«
»Bin dabei«, antwortete ich, froh über die Ablenkung, und schlug das Ärzteregister zu. Bisher konnte ich kein System erkennen, was mit dem Register und den Berichten der bulgarischen Kinder zusammenhing. Wie die meisten verbrachte ich meine Zeit damit, Nachforschungen in jegliche Richtung zu betreiben, die uns Zero näherbringen konnte – bisher leider erfolglos.
Meine Beine schmerzten, als ich aufstand und die auf dem Tisch verstreuten Bücher in meine Tasche stopfte.
»Hast du etwas Neues herausgefunden?«, fragte ich Bastian mit gedämpfter Stimme, als wir die Bücherei verließen, aber er schüttelte den Kopf.
»Du kannst dir nicht im Geringsten vorstellen, was für eine frustrierende Lage das ist«, knurrte er und senkte ebenfalls die Stimme. »Wir waren noch nie in der Situation, dass wir unseren Leuten nicht vertrauen konnten. Außer dir, May und mir wissen es nur Ian und Kaja. Wir müssen unsere Energie darauf verwenden, nach dem Verräter zu suchen, bevor wir weitere Pläne schmieden.« Frustriert verdrehte er die Augen, als wir die Treppe nach unten in die Trainingsräume nahmen. »Mal ganz zu schweigen von der Tatsache, dass dank Zeros Auftrag noch vier andere Killer hinter dir her sind, die wir bisher noch nicht identifizieren konnten.«
»Es ist zum Kotzen«, stimmte ich ihm im Anflug von schlechter Laune zu. »Und das fehlende Vertrauen in die anderen belastet May am meisten.«
»Verständlich«, entgegnete er und warf mir einen schnellen Seitenblick zu. »Sie hat immer allen Vertrauen entgegengebracht und wurde deswegen fast ermordet.«
»Und eigentlich wäre ich fast das geplante Opfer von Paul geworden«, brummte ich zurück. Das Einzige, was mir eine befriedigende Genugtuung verschaffte, war, dass Paul endlich das bekommen hatte, was er verdient hatte – nämlich den Tod.
»Es ist irritierend für mich, dass ihr mich alle plötzlich mit Mays Nachnamen ansprecht«, gestand ich, als wir das Ende der Treppenstufen erreichten und zu den Trainingsräumen abbogen. Vielleicht versuchte ich auch, das Gespräch in Gang zu bringen, um mich von Paul und dem vergangenen Geschehen abzulenken.
Bastian schnaubte belustigt. »Du meinst, weil in deiner Welt das nur so ist, wenn man den Partner heiratet? In unserem Fall ist das anders, da May dich in den Clan aufgenommen hat, konntest du ihren Namen annehmen. Ich bin mir sicher, dass sie niemand anderem diese Möglichkeit angeboten hätte, außer dir.«
Ich stieß die Tür zu den Trainingsräumen auf und das Licht flackerte hell.
»Es bindet dich nicht an sie, ihr Name beschützt dich«, fuhr Bastian fort. »Spätestens nach unserem Angriff auf die bulgarische Fabrik weiß jeder, wer der Clan der Georgier ist und wer diesen anführt.« Diese Entwicklung stellte Bastian zufrieden und er grinste breit, was mich sofort ansteckte.
Achtlos ließ ich meine Tasche am Rand der Trainingsmatten fallen und stellte meine Schuhe daneben. Direkt ergriff mich eine unbeschreibliche Ehrfurcht, als ich die Matte betrat, und Energie strömte durch meine Adern. Seit ich im Hauptquartier der Georgier angekommen war, hatte ich jeden Tag mehrere Stunden trainiert.
Entschlossen drehte ich mich zu Bastian um, der mir gefolgt war.
Seine Augen funkelten angriffslustig und ein spielerischer Ausdruck schlich sich auf sein Gesicht. Scheinbar dachte er, dass er ein leichtes Spiel mit mir hat –, was sicherlich nicht mehr der Fall war.
Während meines Trainings mit Waro verbesserte ich mich stetig und irgendwann fand er kaum noch etwas, was er an mir aussetzen konnte. Unsere Schlagabtausche währten länger und mittlerweile gelang es mir immer besser, Waro ebenfalls zu treffen oder unter Strom zu halten.
Ohne Bastian aus den Augen zu lassen, zog ich meine dünne Sportjacke aus und warf sie achtlos zur Seite.
»Du hast dich verändert«, meinte Bastian zufrieden. »Man sieht dir an, dass du kein kleiner, verängstigter Student mehr bist.«
Belustigt schnaubte ich. »Das werte ich als Kompliment.« Ich hob meine Fäuste und brachte meinen Körper in Kampfstellung.
»Das kannst du auch. Ich erinnere mich gut an unser erstes Training und allein deine Ausstrahlung hat sich seitdem gewandelt.« Ein kleines Grinsen hatte sich auf Bastians Lippen niedergelassen, als er einen Schritt auf mich zu machte und unseren Übungskampf eröffnete. Er zielte mit einem flinken Schwinger auf mich ab und ich reagierte blitzschnell mit meiner liebsten Technik von Waro.
Nur zu oft musste ich sie mir aus Bastians Perspektive anschauen und brannte darauf, sie endlich selbst einzusetzen. Als er seinen Arm hob, griff ich darunter durch, fixierte meine Hände auf seiner Schulter und ließ mich fallen.
Bastians Augen wurden groß, als er das Gleichgewicht verlor und unsanft auf dem Rücken landete.
»Nicht mehr der Medizinstudent«, knurrte ich, weil ich ihm ansah, dass er mich unterschätzte. Ich versuchte, seinen Arm in einem Hebel zu fixieren, aber Bastian wand sich reflexartig aus meinem Griff und rappelte sich auf.
»Ich sehe schon«, antwortete Bastian und legte den Kopf schräg. »Du bist zu Waros Studenten geworden.«
Zustimmend nickte ich, kopierte seine Bewegung und machte einen kleinen Schritt zurück, um etwas Sicherheitsabstand zwischen uns zu bekommen.
Erneut tauchte der Gedanke in meinem Kopf auf, dass ich ein Menschenleben beendet hatte. Meinem alten Leben hatte ich damit endgültig den Rücken zugewandt. Paul hatte den Tod verdient, das war nicht der Grund, warum mich das Ganze plagte, aber ich hatte Angst, dass die Grenze zwischen richtig und falsch für mich verschwamm.
Bastian bemerkte meine geistige Abwesenheit und griff an. Seine rechte Gerade leitete ich mit meinem linken Unterarm zu meiner Seite ab und zielte ihm mit meiner rechten Faust auf die kurzen Rippen. Bevor ich jedoch treffen konnte, erkannte er meine Absicht und machte einen kleinen Halbschritt aus meiner Reichweite. Ein angriffslustiges Knurren folgte, als ich meinerseits seinem Schritt folgte und den entstandenen Abstand verkürzte.
Bastian war mir in der Kampftechnik überlegen, aber wenn ich ihn unter Druck setzte, hoffte ich auf einen Flüchtigkeitsfehler.
Ihn überraschte meine Taktik, aber er reagierte schnell auf mein Nachrücken und versuchte, mich an meiner Schulter zu packen. Seine Finger gruben sich in mein Shirt und er zog meinen Oberkörper ruckartig nach unten, gleichzeitig sein Knie nach oben und wollte mir dieses in meine Magengegend stoßen.
Meine Reaktion kam geistesabwesend. Ich hob meine Hände zum Schutz und stieß sein Knie von mir. Im nächsten Moment griff ich mit beiden Händen in seine Kniebeuge, sodass er sein Bein nicht zurück auf den Boden aufstellen konnte. Kraftvoll drückte ich gegen ihn, aber er gab meinem Druck nach und ließ sich auf den Rücken fallen. Er zog mich kopfüber mit sich und ich fiel. Sofort ließ ich sein Bein los, nahm den gegebenen Schwung mit, stützte mich neben Bastians linker Kopfseite ab und entkam mit einer Flugrolle aus seiner Reichweite. Schwungvoll landete ich auf den Beinen und drehte mich um. Er lag lachend auf dem Rücken in den Matten.
Bastians Belustigung hallte von den Wänden wider und ich ließ meine Fäuste sinken. »Es ist echt unglaublich«, meinte er, rollte sich auf die Seite und rappelte sich auf die Knie.
»Was meinst du?«, fragte ich und wandte mich ihm zu, um unsere Trainingseinheit fortzusetzen.
»Deine Bewegungen, deine Reaktionsgeschwindigkeit.« Bastian schüttelte den Kopf und fuhr sich durch die Haare. »Hätte mir jemand im September gesagt, dass du und ich in unserem Hauptquartier zusammen trainieren und du mich beeindruckst, hätte ich ihn ausgelacht … aber nun sieh dich an.«
Ein schiefes Lächeln fand den Weg auf meine Lippen und ich musste an Paul denken – an meinen ersten Mord. »Ich glaube, das hat keiner von uns gedacht.« Meine Stimme war von Bitterkeit durchtränkt und in mir regte sich dieses merkwürdige Gefühl. Kein schlechtes Gewissen, dass ich einen Menschen getötet hatte, sondern, weil es mir eben nicht leidtat. In den letzten Wochen hatte ich mich in den Nachforschungen vergraben und konnte meine Gefühle zu dem Vorfall weitestgehend verdrängen.
»Was hast du gefühlt, als du deinen ersten Menschen getötet hast?«, fragte ich Bastian direkt. »Ich bekomme diese Gedanken nicht aus meinem Kopf.«
Er sog stirnrunzelnd die Luft ein und öffnete den Mund.
»Und komm mir jetzt nicht mit der Argumentation, dass May den letzten Schlag ausgeführt hat. Wenn du ehrlich bist, weißt du, dass ich ihn getötet habe.« Absichtlich mied ich Pauls Namen und Bastian nickte verständnisvoll.
»Ich hab gekotzt«, gestand er mir offen. »Es war in unserer Ausbildung und wir wurden in Kampfpaare eingeteilt. Sein Name war Elisso und er war ein verdammtes Arschloch, das es auf Kaja abgesehen hatte. Er wurde mir zugewiesen und ich wusste, dass er Kaja als schwach ansah und sie töten wollte.« Sein eisiger Blick bohrte sich in meinen.
Er hat es aus dem gleichen Antrieb heraus getan wie ich – um die Menschen zu schützen, die wir lieben.
»Er hat es mir ins Ohr geflüstert, weißt du«, meinte Bastian und tippte mit seinem Zeigefinger an seine Ohrmuschel. »Dass er erst Kaja und dann May töten wird. Das war seine Art. Er suchte sich vermeintlich schwache Gegner und wollte sie zerstören. Die Zeit in der Fabrik hat ihn blutrünstig werden lassen.«
Eine Gänsehaut stellte sich auf meinen Armen ein und ich versuchte, mir die Situation vorzustellen.
Dieses Gefühl …
Mein Herz zog sich kurz zusammen.
… der Hilflosigkeit, wenn die eigenen Freunde in Gefahr sind.
»Vor dem ersten Mal Töten hat es mir immer gegraut«, fuhr Bastian fort. »Immer … Auch wenn ich wusste, dass es unvermeidbar war, in diesem Moment haben meine Wut und die Angst um meine Freunde überwogen … Zuerst hab ich Elisso den Arm gebrochen, am Ende das Genick.« Bastians Augen funkelten kalt, als er seinen ersten Mord Revue passieren ließ. »Mir ist kotzübel geworden, als ich gespürt habe, wie das Leben aus ihm gewichen ist, aber ich wusste, dass er andernfalls Kaja oder Mayren geschadet hätte.«
»So geht es mir auch«, murmelte ich bestätigend. »In meiner alten Welt ist eine Tat wie diese nicht zu verzeihen, aber wenn ich May retten könnte …« Ich musste schlucken. »Danke, dass du es mir erzählt hast.«
»Es hätte May auf Dauer zerfressen, wenn dir etwas passiert wäre.« Erneut zuckte Bastians Kiefermuskel und Hass loderte in seinen Augen auf. »Dieser dreckige Bastard hatte Glück, dass er mir nicht vor die Waffe gekommen ist!«
»Du kanntest ihn, oder?«, fragte ich und ließ meine Hände sinken.
»Ja, er hatte eine Ausstrahlung …«, begann Bastian zu erzählen, während wir auf den Matten Platz nahmen, um eine Pause zu machen, und er verzog sein Gesicht, als hätte er einen unangenehmen Geschmack auf der Zunge. »Ich kann kein anderes Wort dafür finden als schmierig.«
Belustigt zog ich eine Augenbraue hoch. »Schmierig?«
Es verging einen Moment, bis Bastian schließlich antwortete. »Ja, Kaja hat mir von Pflanzen erzählt, die Lockstoffe verwenden, um Fliegen in eine Klebefalle zu locken. Dieser Vergleich ist äußerst passend.« Bastian reichte mir eine Flasche Wasser, die ich dankbar annahm.
»Paul wusste genau, wie man einen anderen Menschen manipuliert. Das hat er bei Kaja und mir versucht, aber nicht ansatzweise so gut geschafft wie bei May.« Frustriert ließ Bastian seine Faust auf die Matte knallen.
Irgendwie war es ein merkwürdiges Gefühl, dass er über Mayrens Ex sprach, aber der gemeinsame Hass auf diesen vereinte uns. Und auf der anderen Seite interessierte mich seine Sicht der Dinge. Immerhin vertraute ich ihm und wusste nicht so ganz, was ich davon halten sollte, dass Paul mir vor seinem Tod eröffnete, dass meine Mutter Kontakte zum Clan der Blutadler gehabt hatte.
»Ich habe damals geahnt, dass er nichts Gutes im Schilde führt, und wollte May überreden, es zu beenden, aber da hatte ich die Rechnung ohne ihn gemacht.« Bastians Stimme war düster geworden, als er langsam aufstand. »Er hat es geschafft, May so zu manipulieren, als würde ich ihr das Glück mit ihm nicht gönnen, weil ich in sie verliebt wäre.« Schmerz zeichnete sich deutlich in Bastians Zügen ab und er verzog seine Lippen voller Bitterkeit.
Schnell legte sich die Ausdruckslosigkeit wieder über sein Gesicht und er ließ seinen Kopf in den Nacken fallen, um an die Decke zu starren.
Es dauerte einen Moment, bis er sich in meine Richtung umdrehte, aber als er es tat, konnte ich sehen, dass der Konflikt ihm noch nachhing. »Wir haben uns furchtbare Dinge an den Kopf geworfen«, fuhr Bastian ungerührt fort und machte schließlich einen Schritt auf mich zu, um unser Training wieder aufzunehmen. Offenbar brauchte er eine Ablenkung von seinen düsteren Gedanken und ich war bereit, sie ihm zu geben. Schnell verwickelte er mich in eine Abfolge von Schlägen, die wir voneinander versuchten zu blockieren. »Als May ging, dachte ich, dass unsere Freundschaft beendet war.« Stoßartig entwich ihm Luft aus den Lungen, als ich es schaffte, einen Uppercut erfolgreich zu platzieren.
In den letzten Wochen hat sich das als meine liebste Schlagtechnik herauskristallisiert.
Kurz huschte ein kleines, zufriedenes Lächeln über Bastians Lippen, bevor er mir einen Kick gegen den Oberschenkel verpasste, der mein Knie nachgeben ließ.
Shit.
Sofort nutzte Bastian meine Situation aus und warf mich erneut in die Matten. Mit einem gewinnenden Funkeln in den Augen sah er auf mich hinunter und reichte mir seine Hand, um aufzustehen.
Eine Schweißperle rollte seitlich von meiner Stirn, aber ich schlug seine Hand aus.
»Verdammt, Joshua. Waro hat dich gut unter seine Fittiche genommen.«
Ich schnaubte, aber es war nicht spöttisch, sondern eher dankend. Obwohl Bastian eindeutig weiterkämpfen wollte, war mir die Lust vergangen und ich blieb sitzen.
Belustigt ließ er sich vor mich fallen und erzählte weiter: »Es sind Worte gefallen, die ich geraderücken wollte, und deswegen habe ich May gesucht.« Zähneknirschend erinnerte ich mich an Mayrens Worte, dass er sie eher tot als lebendig gefunden hatte, und nach einer kurzen Bedenkzeit bestätigte Bastian mir dies.
»Ich habe sie gefunden … in einer Blutlache … ihrer Blutlache.« Sein Gesicht war eine verzerrte Maske und seine Hände ballten sich zu Fäusten. »Er hatte es gut, dass du ihn erwischt hast«, fauchte Bastian. »Bei einer Begegnung mit mir, hätte ich ihn langsam und möglichst schmerzvoll in Scheiben filetiert.«
Schweigend ließ ich mir seine Worte durch den Kopf gehen, bevor ich das aussprach, was mir am drängendsten auf dem Herzen lag. »Ich hab gedacht, dass es sich anders anfühlen würde, einen Menschen zu töten«, murmelte ich. »Aber ich habe kein schlechtes Gewissen, empfinde keine Reue …« Diesen Gedanken endlich auszusprechen, war auf eine befremdliche Art heilsam für mich. Ohne Paul war die Welt besser dran. »Das kann nicht normal sein, oder?«
»Ich verstehe, dass du dir diese Gedanken machst«, meinte Bastian und wischte sich mit dem Handgelenk den Schweiß von der Stirn. Aber erstens hat es sich bei unserer kompletten Aktion in Bulgarien um Notwehr gehandelt. Du hast mit den Schüssen auf Paul dein und Mays Leben gerettet.«
Auf der einen Seite wollte ich Bastian unbedingt glauben und mir dieses Gewicht von der Brust nehmen lassen, aber auf der anderen Seite fand ich seine Argumentation zu einfach. »Mir fällt zwar kein zweitens ein, aber mein erster Grund sollte dir ausreichen, um das schlechte Gewissen über dein mangelndes schlechtes Gewissen abzuschütteln.« Er zuckte mit den Schultern. »Was hat May dazu gesagt?«
Seufzend schüttelte ich den Kopf und stand langsam auf. »Wir haben seit unserer Heimfahrt von der Fabrik nicht mehr über die Geschehnisse in Bulgarien gesprochen.«
Bastian verdrehte genervt die Augen und seufzte ebenfalls.
»Verstehe, sie frisst es also in sich hinein. Ich passe sie nachher ab, um mit ihr zu reden.«
Hauptquartier der Georgier Mittwoch, 23. November – Mayren
»Dein Oberschenkel und deine Rippen sind gut verheilt«, sagte Eyleen und nahm ihre kalten Finger von meiner Haut, die bereits eine Gänsehaut hatte. »Hoffen wir mal, dass ich dich nicht so schnell wieder behandeln muss. Nicht weil ich dich nicht mag, Mayren, aber du weißt ja …«
»Danke, Eyleen. Ich hoffe auch, dass ich erst mal verschont werde.« Vorsichtig strich ich über meine Rippen. Die Schusswunde von Paul war ebenfalls abgeheilt und lediglich eine kleine Narbe war auf meinem Oberschenkel als Erinnerung zurückgeblieben.
Seit September war ich das erste Mal verletzungsfrei und konnte endlich wieder trainieren. Die körperliche Herausforderung hat mir in den letzten Wochen gefehlt und ich hatte meine Zeit hauptsächlich mit theoretischen Aufgaben und einfachen Dehnübungen verbracht. Mein Kopf war erschöpft, da die Auswertung der ganzen Daten, das Unterrichten der Kinder und gleichzeitig das Suchen nach dem Verräter mich auslaugten.
»Du bist bei mir immer willkommen, Mayren. Aber das nächste Mal, wenn du mich sehen willst, reicht ein Freundschaftsbesuch.« Eyleen zwinkerte mir zu.
Ich zwang mich zu einem kleinen Lächeln und rutschte von der Behandlungsliege. »Das werde ich mir merken, danke dir«, wiederholte ich und wandte mich zum Gehen.
»Mayren, eins noch«, hörte ich ihre Stimme hinter mir, als ich die Hand auf die Türklinke gelegt hatte.
»Ja?« Ich drehte mich um.
»Aaron hat mich gebeten, dich daran zu erinnern, dass er gerne mit dir über Bulgarien reden will«, begann sie und mein Herzschlag setzte einen Moment aus. »Du weißt ja, dass es für alle Teilnehmer verpflichtend ist, nach einer Mission eine Therapiestunde bei ihm zu absolvieren. Er macht sich Sorgen, wenn die Leute sich so lange drücken.«
Fast drohten mir meine Gesichtszüge zu entgleisen, aber ich fing mich rechtzeitig und verbarg jede Emotion hinter meinem Pokerface.
Eyleen hatte sich ohnehin gerade dem Mülleimer zugewandt, um meine gelösten Tapes wegzuwerfen, und bemerkte es nicht.
»Ja, klar. Die letzten Wochen waren etwas …«
»Chaotisch?«, beendete Eyleen meinen Satz und ich nickte zustimmend.
Mann, Eyleen, du hast keine Ahnung, wie chaotisch.
»Ich melde mich nachher bei ihm«, versprach ich ihr und drückte die Klinke herunter.
Eyleens Blick verriet mir, dass sie die Schwere meiner Gedanken erahnen konnte, aber trotzdem schwieg.
Ich verließ den Raum und sah mich verstohlen auf dem leeren Gang um. Der Uhrzeit nach befanden wir uns mitten in einer Unterrichtseinheit und die Gänge waren wie leergefegt. Die Verantwortung für die Kinder war manchmal erdrückend für mich.
Wie vor meinem Termin mit Eyleen zogen meine Schritte mich in das Einzelbüro von Ian. Es gab nur wenige Räume, in denen ich komplett abschalten und meinen Fokus auf die Arbeit legen konnte. Die Tür öffnete sich nach Eingabe des sechsstelligen Codes, ich huschte in den Raum und schloss sie hinter mir.
Auch wenn ich es mir nicht eingestehen wollte, aber Eyleen hatte recht. Ich wollte mit jemandem außer meinen besten Freunden über das Geschehene reden, aber konnte niemandem vertrauen – und ich hasste alles daran! Der Gedanke schnürte mein Herz zusammen und unterbewusst schämte ich mich für das Misstrauen.
Aaron war eine meiner engsten Bezugspersonen im Hauptquartier und mein Vertreter. Ich sollte ihm und vielen anderen bedingungslos vertrauen können, aber es fiel mir schwer.
Seit unserer Rückkehr und Joshuas Aufnahme in den Clan hatte ich versucht, mich aus dem Clanleben so weit wie möglich herauszuhalten. Es war ein Versteckspiel mit dem Verräter und ich versuchte, mir jeden außer meinen engsten Freunden vom Hals zu halten. Egal was wir unternommen hatten, bisher hatten wir keine Chance einen Verdächtigen zu ermitteln.
Mit einem Schnauben setzte ich mich auf Ians Stuhl, öffnete meinen Laptop und schlug eines der ledergebundenen Notizbücher auf, welche wir aus einem der bulgarischen Archive mitgenommen hatten, und fasste, die enthaltenen Informationen in unserer Datenbank zusammen.
Zero rührte sich seit unserem brutalen Vorstoß nicht, aber wir waren uns sicher, dass er etwas plante, andernfalls würde er Schwäche zeigen. Die Ruhe vor dem Sturm gab uns immerhin genug Zeit, weitere Allianzen zu bilden, was in Bastians Aufgabenbereich fiel. Mittlerweile hatte ich den Überblick verloren.
Mit fliegenden Fingern tippte ich den handschriftlichen Eintrag über einen verstorbenen Schüler namens Tom ab. Da wir in der ersten groben Durchsicht keine Auswahlsystematiken von Zero erkennen konnten, wollten wir nun alles in unsere Datenbank einspeisen und so in digitaler Weise nach Gemeinsamkeiten suchen.
Der Junge war in etwa zu meiner Zeit in die Fabrik aufgenommen worden, aber bereits nach vier Jahren verstorben. Heute wäre er so alt gewesen wie ich.
Mitleidig betrachtete ich das schwarz-weiße Kinderfoto, von dem ich mit großen Augen und dreckigen Wangen angestarrt wurde. Schweren Herzens strich ich Tom ein Staubkorn von der Stirn und verlor mich für einen Moment in seinem Blick.
So viele tote Kinder …
Widerwillig riss ich mich von dem Foto los und tippte die aufgelisteten Fakten über ihn ab. Das Einzige, was mich beruhigte, war, dass wir vielen anderen Kindern das tödliche Schicksal erspart hatten.
Während ich die Informationen digitalisierte, schweiften meine Gedanken zurück an die ersten Tage nach unserer Rückkehr mit den Kindern in unserem Hauptquartier.
Lilith und Miro meisterten ihre Verantwortung mit Bravour und übernahmen die Vertretung der Kinder in der Führungsetage. Beide erinnerten mich an unsere jüngeren Versionen, die bereit waren, Verantwortung zu übernehmen und einen sehr ausgeprägten Gerechtigkeitssinn entwickelten. Dank ihnen hatte sich jeder eingelebt und in den ersten Tagen seinen Platz gefunden.
Einige Kinder hatten sich dennoch entschieden, dem Clanleben den Rücken zu kehren. So hatten ein paar Tage nach ihrer Ankunft 30 Kinder unser Hauptquartier verlassen, um zu Verwandten zurückzukehren, die June gefunden hatte. Viele der Kinder hatten offenbar Halt in ihrer Freundschaft zueinander gefunden, sodass die Mehrzahl geblieben war. Somit hatten wir nun die Verantwortung für knapp 50 Kinder, die nach Wissen dürsteten. In Zusammenarbeit mit einigen Leuten aus unserem Clan hatten wir Stundenpläne aufgestellt und die Kinder entsprechend ihrem Wissensstand in Klassen aufgeteilt, damit wir sie als vollwertige Mitglieder unseres Clans ausbilden konnten. Im Vergleich zu den Lehrplänen unter Zero hatten wir die blutige Härte rausgenommen, aber verlangten genauso Disziplin, Einsatz und Ehrgeiz.
Ich tippte die letzten Zeilen über Tom ein und blätterte eine Seite weiter zum nächsten Kind, das den Aufenthalt in der bulgarischen Fabrik nicht überlebt hatte. Stumpf gab ich die Fakten über die verstorbene Elise ein, die genauen Todesumstände ließen einen unterdrückten Hass in mir hochkochen. Es war mir absolut unklar, wie ein Mensch einem Kind so was antun konnte.
Wutschnaubend lehnte ich mich im Stuhl zurück und sah aus dem Fenster. Mit dem November kam vor wenigen Tagen der Frost und kündigte den baldigen Winter an. Weißer Raureif hatte die wenigen verbleibenden Blätter an den Baumwipfeln in eine feine, weiße Schicht gehüllt und graue Wolken verbargen die Sonne.
Dass wir die Kinder gerettet haben, war selbstverständlich die richtige Entscheidung, aber ich habe schlichtweg Angst, dass wir uns übernehmen. Was ist, wenn wir mit Zeros Antwort nicht zurechtkommen?
Ich sehnte mich nach dem Vertrauen, das ich vor der Mission in meine Freunde und meinen Clan und auch in mich selbst setzen konnte. Aber seitdem wir wussten, dass es einen Verräter unter uns gab, fühlte sich meine Zuversicht abgestumpft an. Jemand arbeitete gegen uns und schadete unserem Clanorganismus wie ein blutsaugender Parasit. Jeden Tag plagte mich der Gedanke, was einen meiner Vertrauten dazu gebracht hatte, diese Entscheidung zu treffen.
Hat der Verrat etwas mit einer meiner Entscheidungen zu tun? Etwa mit Joshua? Oder hat er womöglich einen ganz anderen Hintergrund, den ich bisher noch nicht verstehe?
Es waren Fragen, die mir womöglich erst beantwortet werden, wenn wir den oder die Betroffene gefunden hatten. Auch wenn es frustrierend war, aber wir mussten darauf hoffen, dass die Person einen Fehler machte und sich somit verriet.
Ian überwachte jeden Kommunikationsweg nach draußen und die Weitergabe von taktisch wichtigen Informationen war auf den Führungskreis und Joshua beschränkt. Und trotzdem hinderten alle Vorsichtsmaßnahmen uns daran, wichtige Entscheidungen zu treffen, die unseren kommenden Weg maßgeblich beeinflussten.
Seufzend lehnte ich mich vor und stützte meine Unterarme auf der Tischkante ab, während ich das farblose Foto der verstorbenen Elise begutachtete.
»Mann, Elise … Was soll ich tun?«, flüsterte ich und lächelte ihr Bild traurig an. »Was ist, wenn ich mehr Fehler gemacht habe, die sich irgendwann an mir rächen?«
Schweigen.
»Da bist selbst du sprachlos, oder?« Mein schlechter Humor ließ mich frustriert schnauben und ich setzte meine Arbeit fort. Für zahllose Minuten tippte ich Informationen über sieben weitere Kinder in unsere Datenbank ein, bis das Surren der Tür mich aufsehen ließ.
»Oh, hi May«, begrüßte Kaja mich.
»Hey, Kaja. Wie war der Unterricht?«
Belustigt verzog sie das Gesicht und setzte sich lässig auf die Tischplatte. »Es ist komisch«, gestand sie.
»Die Kinder siezen mich.« Ungläubig schüttelte Kaja den Kopf. »Ich habe in diesem Moment gemerkt, dass wir älter geworden sind. Wir tragen jetzt Verantwortung für Kinder.«
Ich stieß ein kurzes, freudloses Lachen aus. »Wir hatten davor schon Verantwortung, aber es ist ja nicht so, dass wir ihre Eltern sind.«
Kajas Miene wurde ernst und sie legte ihren Kopf schief. Langsam runzelte sie die Stirn, worauf ich ihr verlegen auswich und eine Seite in meinem Notizbuch umblätterte.
»May … Was ist mit dir?«, fragte sie einfühlsam. »Bitte rede mit uns und behalte nicht alles für dich. Ich mache mir Sorgen um dich.«
Widerstrebend begegnete ich ihren bernsteinfarbenen Augen. In mir entstand der Drang, über meine Gefühle und Empfindungen zu sprechen, und als ich die Sorge in den Augen meiner besten Freundin erkannte, gab ich nach.
»Ich mach mir auch Sorgen«, antwortete ich zögerlich und faltete meine Hände. »Sorgen um den Verräter, Zeros kommende Aktionen, die weiteren Entwicklungen in unserem Clan und natürlich Joshua.«
Kaja nickte verständnisvoll und schwieg.
»Es macht mir Angst, wie Joshua das Ganze verarbeitet und ob er damit klarkommt. Was ist, wenn die Sache mit Paul ihn weiterhin verfolgt und auffrisst?«
Kaja beugte sich leicht über den Tisch und legte ihre behandschuhte Hand auf meine. »Joshua wird damit fertig werden«, versicherte sie mir mit einem zuversichtlichen Ausdruck. »Davon bin ich fest überzeugt.«
Ein verbleibender, einschüchternder Restzweifel hielt mich gefangen. »Was ist, wenn nicht, Kaja?«, flüsterte ich schuldbewusst.
Die Vorstellung, dass Joshua mit den Schüssen auf Paul nicht klarkommen würde, erstickte mich fast.
»Was ist, wenn er es nicht verkraftet, dass er ein Leben auf dem Gewissen hat, und ich ihn verliere?«
Kaja drückte meine Hände, bevor sie sich zurücklehnte. Zu meiner Überraschung hatte ein kleines Lächeln den Weg auf ihre Lippen gefunden und ihre Stirn sich geglättet. »Er ist dein Freund, May. Würdest du dir unterbewusst einen schwachen Menschen als Partner aussuchen?«
Ihre Worte stimmten mich nachdenklich und die aufgewühlten Emotionen in meinem Inneren kamen zur Ruhe.
Damit … hat sie eigentlich recht.
Kaja merkte, dass sie mit ihren Worten ins Schwarze getroffen hatte, und ihr Grinsen wurde breiter. »Siehst du, ein Problem weniger auf deiner Agenda.«
Ein trockenes Schnauben entfuhr mir und mit einer Mischung aus Spott und Belustigung sah ich sie an. »Wenn du jetzt noch den Verräter und Zero aus einem Hut zauberst, hast du alle meine Probleme auf einen Schlag gelöst.«
»Wenn ich könnte, würde ich das tun, May. Nichts lieber als das.« Ihre Worte wurden von einem Seufzen begleitet. »In Italien ist mir nichts aufgefallen, was meinen Verdacht erregt hat. Ian und ich haben alles mehrmals analysiert, aber nichts gefunden.«
Auch wenn ich den Ablauf der italienischen Mission schon oft gehört hatte, konnte ein weiteres Mal sicherlich nicht schaden. »Würdest du mir noch einmal davon erzählen?«, bat ich sie daher.
Kaja blickte konzentriert in die Ferne. »Wir sind am Samstag nach Italien abgereist.« Sie zupfte nachdenklich am Saum ihres Handschuhs. »Felix hat wie geplant Sprengstoff besorgt, Aaron seine Erste-Hilfe-Station eingerichtet und Alec und ich haben unsere Teams auf die Mission vorbereitet. Es war alles völlig … normal.« Nachdenklich strich sie sich durch die Haare. »Wirklich, May. Niemand ist nur einen Millimeter von meinen Anweisungen abgewichen.«
Nachdenklich neigte ich meinen Kopf und lehnte mich in Ians Stuhl zurück. »Es muss etwas geben, um den Verräter herauszufiltern, aber meiner Meinung nach hat in Bulgarien auch niemand etwas Verdächtiges getan. Basti und Joshi haben es hunderte Male mit mir durchgesprochen …«
Kaja räusperte sich, bevor sie weitersprach. »Montagmittag haben wir uns zusammengesetzt, sind die Lagepläne durchgegangen, haben unsere Waffen geprüft und unsere Taktik wiederholt. Felix hat mit den Teams für Sprengungen in den anderen Gebäuden telefoniert, um sicherzugehen, dass alles glatt geht.« Ihre Stimme wurde leiser. »Und dann haben wir gewartet, bis unser Upload-Plan das Video von Joshua verbreitet hat.«
Der Upload von Joshuas Video, das seinen inszenierten Tod darstellte, hatte unsere Welt in Atem gehalten. Besonders, weil Lee wenige Sekunden später, den Auftrag als erledigt markiert hatte. Während das Medienbeben in unserer Welt nur zwei Tage angehalten hatte, bis wir seinen Tod revidierten, konnten wir das in seiner alten Welt nicht tun. Die Medien aus Joshuas Heimat schlachteten den Fall auch nach Wochen täglich aus und füllten die Schlagzeilen mit den bekannten oder ausgedachten Fake News. Für seine Familie und Joshua selbst musste das grauenvoll sein. Wir hatten seiner Familie und Freunden die Hoffnung genommen, aber ich war sicher, dass es besser war als falsche Hoffnung. Zumindest gaben sie diese jetzt auf.
»Wir haben mit dem Video einige Herzen in Joshuas alter Welt gebrochen«, murmelte ich und ein schlechtes Gewissen breitete sich in mir aus.
»Es ist besser so«, kommentierte sie mit einem schiefen Schmunzeln. »Joshua weiß das, aber natürlich ist es nicht einfach, seine engsten Leute leiden zu sehen.«
Mehr als ein stumpfes Nicken entgegnete ich nicht.
Nachdem wir die Falschinformationen in unserer Welt aufdeckten und uns zu den Angriffen auf Zeros Fabrik und Verbündete bekannt hatten, gewannen wir Respekt, Aufmerksamkeit und neue Allianzen.
»Na ja …«, meinte Kaja und lenkte das Gespräch zur italienischen Mission zurück. »Wir haben gewartet, bis alle Punkte online erledigt waren, und brachten uns zeitgleich mit euch in Stellung. Du kannst dir das Haus vorstellen wie die Villa der Belluccis.« Konzentriert stützte Kaja ihre Hände hinter sich auf der Tischplatte auf und lehnte sich zurück.
»Wir haben zwischen Büschen und mit der Waffe im Anschlag gewartet, bis Felix uns das Signal gegeben hat und stürmten los. Wir haben es, ohne Probleme geschafft, Zugriff auf das Gebäude zu bekommen.« Kaja hing ihren Gedanken für einen Moment nach, die völlig auf die Vergangenheit fokussiert waren. »Alles lief wie geplant«, fuhr sie fort. »Jede Bewegung meines Teams war perfekt und einheitlich. Alecs und mein Team haben sich im Hauptgeschoss voneinander getrennt und sind in die vorgegebenen Stockwerke vorgedrungen. Während seine Leute die Akten eingesammelt hatten und Brandsätze platziert haben, sind wir ins Untergeschoss gegangen. Wir haben wenige Angestellte angetroffen und sie im nächstmöglichen Raum eingesperrt. Sie haben weder geschrien noch gejammert … aber die Angst war ihnen ins Gesicht geschrieben.«
»Für ihre Mittäterschaft hätten sie deutlich Schlimmeres verdient«, knurrte ich nur. »Jahrelang waren andere in ihren Kellern eingesperrt und ich kann mir nicht vorstellen, dass es ihnen gut ging.«
Kaja schnaubte abfällig. »So ist es. Lucys Zustand war erschreckend … Die jahrelange Gefangenschaft hat ihr unzählige Narben durch Folter eingebracht.«
Wütend presste ich meinen Kiefer zusammen. »Irgendwas übersehen wir …«
»Es gab insgesamt fünf Zellen und wir haben alle davon geöffnet. Lucy war in der vierten, aber ich wollte niemanden zurücklassen. June hat jedoch herausgefunden, dass keiner der anderen einen großen Mehrwert für uns geboten hätte.« Kaja strich sich gedankenverloren einen Fussel von der Hose. »Sie haben nichts in unserer Welt erreicht und wir haben sie vor unserer Rückreise freigelassen, da ein Verhör oder mögliche Allianzen uns nichts gebracht hätten.«
Vielleicht lag das Nichterreichen auch daran, dass sie ähnlich lange eingesperrt waren wie Lucy.
»Lucy hat uns im ersten Moment nicht erkannt und wir haben wertvolle Minuten verloren, in denen der Hausbesitzer es geschafft hat, sich zu formieren und uns anzugreifen.« Zischend atmete sie aus. »Die Wände waren dick und wir hatten mit Querschlägern zu kämpfen – einer davon hat Nala getötet. Ein weiterer hat Benji am Bein verletzt und ihm das Laufen unmöglich gemacht. Mein restliches Team konnte dank der Schutzausrüstung unverletzt überleben, aber es hat nicht gut ausgesehen. Wir waren zum Rückzug in eine der Zellen gezwungen und June hat uns Alecs Team als Unterstützung geschickt.« Anspannung klang aus ihrer Stimme und ich konnte ihre Situation nur zu gut nachvollziehen.
Einer aus ihrem Team war verletzt, eine weitere Person tot … Diese Verzweiflung war exakt dieselbe, die ich gefühlt habe, als wir den Speisesaal der Bulgaren gesäubert hatten und Emil gestorben war.
Kaja atmete tief durch, bevor sie weitersprach. »Es waren nur wenige Minuten vergangen und Alec und seine Leute waren zur Stelle. Sie haben unsere Angreifer vernichtet und uns zur Flucht aus dem Keller verholfen. Imir und Sammy haben Benji gestützt, während zwei weiter die Leiche von Nala mitgenommen haben.« Ein leichter Tränenschleier schimmerte in Kajas Augen, aber sie blinzelte ihn schnell weg und mein Herz schnürte sich schmerzhaft zusammen.
Kurz zog sie die Nase hoch und räusperte sich. »June hat daraufhin Charlies Deckungsteam ins Gebäude geschickt, damit sie unseren Rückzug unterstützen konnten – begleitet von feindlichen Schüssen.«
Ich schluckte mit einem Kloß im Hals, weil ich wusste, was gleich folgen würde.
»Schüsse, Rufe, Schreie … alles peitschte unkontrolliert durch die Nacht und bildete diese … ekelhafte Kakophonie des Todes.« Ihre Stimme stockte. »Neben mir ist Uris unter Schreien den Schüssen zum Opfer gefallen, bevor wir die Deckung und unsere Fluchtfahrzeuge erreichen konnten. June hat die Sprengsätze gezündet und damit Ablenkung geschafft, damit wir das letzte Stück überwinden konnten. Leider haben wir auf unserer Flucht die Akten verloren, aber wir haben es geschafft, zu fliehen.« Sie schloss ihre Erzählung mit einem Seufzen. »Zwei Tote«, flüsterte sie und hob den Zeige- und Mittelfinger. »Vier Verletzte«, schob sie hinterher und hielt zwei weitere Finger in die Höhe. Die Verluste gingen ihr nahe, das spürte ich.
»Kaja, das ist nicht deine Schuld«, sagte ich eindringlich, aber sie machte eine abwinkende Geste.
»Sie sind tot, das kann ich nicht mehr ändern.« Sie sprang elegant von der Tischplatte, aber die Trauer verblieb auf ihrem Gesicht.
»In Bulgarien sind acht Leute gestorben«, entgegnete ich mit bitterer Miene. »Jedes der Sturmteams hatte mindestens einen Verlust und von den Verletzten will ich nicht anfangen …«
»Und dennoch …« Meiner Freundin stockte der Atem, als sie sich vorbeugte und die Unterlagen begutachtete, die ich bearbeitete. »Es ist niemand aus unserer Formation ausgebrochen, dem ich sofort den Titel Verräter anhängen würde.«
»So geht es mir ebenfalls«, grummelte ich, weil dieser Fakt mich sehr frustrierte. »Wir brauchen eine Taktik, mit der wir die Person entlarven können.«
»May, seit unserem Einsatz sind sechs Wochen vergangen. Sechs Wochen, in denen wir alles versucht haben, aber der Bastard lässt sich nicht aus seinem Loch treiben.«
»Ich weiß.«
Kaja wandte sich zum Gehen. »Wir haben uns schon so viele Gedanken zu dem Thema gemacht. Wir sollten uns auf das Hier und Jetzt konzentrieren.« Sie sagte die Worte eher zu sich selbst, fast wie ein Mantra, bevor sie mir den Rücken zudrehte und ihre Hand auf die Klinke legte. »Kommst du mit in den Keller zu unserem Freund oder möchtest du noch etwas schmollen?« Ein Lächeln war auf ihre Lippen zurückgekehrt, als sie einen Blick über ihre Schulter zu mir warf.
Mit einem leisen Knall klappte ich meinen Laptop zu und beschloss, die Digitalisierung für heute zu beenden. »Ich begleite dich. Aaron verlangt, dass ich mich einem Gespräch unterziehe, und ich weiß nicht, wie lange ich mich davor drücken kann.«
Kaja verdrehte die Augen. »Ian und ich mussten da auch durch … erzähl ihm nichts und fertig.«
Zustimmend brummte ich.
Hauptquartier der Georgier
Mittwoch, 23. November – Joshua
Meine Arme brannten vor Erschöpfung, als ich mein frisches Shirt überzog und mir anschließend mit dem Handtuch durch die feuchten Haare rubbelte. Bastian und ich hatten unser Training beendet, waren in unsere jeweiligen Zimmer gegangen, nur damit wir uns anschließend wieder treffen konnten – diesmal ohne Schweiß und Prügel.
Als ich nur Minuten später aus dem Bad von Mayren und meinem Zimmer trat, wartete Bastian bereits auf mich. Seine schwarzen Haare standen ihm wirr vom Kopf ab und er grinste mich frech an. Obwohl die Erschöpfung seinen Körper wohl auch schmerzen ließ, leuchteten seine Augen voller Energie und Tatendrang.
»Jetzt, da Waro mit der Kampfausbildung der Kinder beschäftigt ist, könnten wir öfters zusammen trainieren«, schlug er vor.
»Damit du mich über die Matten treibst wie in London?«
Belustigt neigte er den Kopf und ich dachte zurück an die Zeit. Es fühlte sich an, als wären seither Jahre vergangen.
»Nein, nicht wie in London«, gestand er und fuhr sich durch seine klammen Haare, die dadurch nur noch verwegener wirkten. Sein Shirt rutschte dabei etwas hoch und offenbarte den unteren Ansatz seiner definierten Bauchmuskeln.
»Damals warst du ein schutzloses Kaninchen, aber du bist kein wehrloses Opfer mehr.«
»Vielen Dank, sehr nett«, spottete ich mit einem belustigten Schnauben, aber nahm sein Kompliment gerne an.
»Du weißt, wie ich das meine«, entgegnete er mit einem Lachen und dehnte seine Arme.
Zumindest konnte ich ihm wenigstens etwas entgegensetzen.
»Es liegt mir im Blut. Oder laut Paul in den Genen.« Ich zog vielsagend eine Augenbraue hoch und ein Schatten huschte über sein Gesicht.
Je länger ich Zeit mit ihm oder Mayren verbrachte, umso mehr konnte ich hinter ihre aufgesetzten Pokerfaces blicken.
Bastian sog nachdenklich die Luft ein und senkte die Stimme, als hätte er Angst, dass wir belauscht werden könnten – genau genommen bestand auch diese Gefahr dank des Verräters.
Ob es dem Verräter gelungen war unsere Zimmer zu verwanzen?
»Ian konnte einen Kontakt zu ihnen finden«, murmelte er und instinktiv wusste ich, dass er die Blutadler meinte, den Clan, zu dem meine Mutter Kontakt hatte. Sie waren eine bisher unbekannte Größe in der Gleichung. Laut Bastian und Mayren waren sie bekannt und gefürchtet in unserer kriminellen Welt, aber niemand kannte ihre Ziele und schon gar nicht das Ausmaß ihres Clans.
Unvorstellbar, dass meine Mutter laut Paul Verbindungen zu ihnen hatte …
Auch wenn ich noch sehr klein gewesen war und alles nicht gut einschätzen konnte, hatte meine Mutter früher nie den Eindruck gemacht, dass sie etwas zu verbergen hatte.
So täuscht man sich in den Menschen, die einem am nächsten standen.
»Und?«, fragte ich nach und senkte meine Stimme auf Bastians Lautstärke, als wir auf den Flur traten und unseren Weg zur Küche einschlugen, in der Hoffnung, einen kleinen Snack abzustauben.
»Wenn meine Mutter damals von den Blutadlern erfahren hat, dass Zero hinter mir her ist, werden sie Informationen haben, die wir benötigen.« Meine Stimme war trotz des Flüsterns durchdringend und ich war mir der Chance, die sich da bot, durchaus bewusst.
Bastian nickte zustimmend, aber ein Zucken an seinem Kiefer verriet mir seinen inneren Konflikt. »Solange wir unseren Verräter nicht gefunden haben, können wir nichts unternehmen«, gab er widerstrebend zurück. »Das Gute ist, dass du mittlerweile zu unserem Clan gehörst und ein fremder Clan keinen Anspruch auf dich erheben kann.«
Anspruch?
»Was meinst du damit?«, fragte ich kühl. »Ich bin kein Gegenstand, auf den man Anspruch erheben könnte.«
Bastians Antwort kam schnell: »Natürlich nicht, aber wenn du keinem Clan angehören würdest, könnten sie dich zwingen, bei ihnen Mitglied zu werden. Durch deine Beziehung mit May und der Angehörigkeit zu den Georgiern können sie das jedenfalls nicht tun. Sie könnten dich selbstverständlich entführen, aber würden sich dadurch zu unserem Feind machen. Ob das so ratsam in der aktuellen Zeit ist, ist eine andere Frage.«
»Hm …« Ich drehte mich etwas ab und meine Gedanken verloren sich in Erinnerungen an meine Mutter.
Unbegreiflich, dass sie etwas mit unserer Welt zu tun hatte … Ob mein Onkel davon wusste?
Meine Mutter war alles für mich – der unschuldigste und aufopferndste Mensch, den ich jemals kannte, aber was würde das mit meinem Inneren anstellen, wenn ich herausfände, dass sie genauso tief in unserer Welt verstrickt war wie nun ich?
Es war ein Gedanke, den ich mir nur vorstellen und niemals fühlen wollte. Wenn ich herausfinden würde, dass meine Mutter Menschenleben auf dem Gewissen hatte, würde meine Kindheit wie ein Kartenhaus in sich zusammenbrechen.
Bastian und ich bogen um die Ecke.
»Könnt ihr herausfinden, was meine Mutter mit diesem Clan verbunden hat?«, fragte ich ihn, aber er schüttelte den Kopf.
»Das ist leider nicht so einfach«, gestand er mir leise. »Es gibt in einem Clan immer Leute, die sich im Hintergrund halten. Nimm dir Eyleen zum Beispiel.« Er machte eine vage Geste, die in Richtung ihres Behandlungszimmers deutete. »Wenn du Informationen über sie herausfinden willst, findest du fast nichts, weil sie immer intern tätig war. Ian vermutet, dass es bei deiner Mutter ähnlich war.«
»Verstehe …«, antwortete ich langsam und erwiderte Bastians aufmunterndes Lächeln halbherzig. Es half leider nicht, das schwere Gefühl von meinen Schultern zu heben. Kindheitserinnerungen tauchten auf, aber ich unterdrückte sie. Erst wenn ich die Wahrheit kannte, wollte ich mich dem stellen, was ich vielleicht verarbeiten müsste.
»Der Gedanke, dass meine Mutter in unsere Welt gehört, verändert meine komplette Kindheit«, murmelte ich leise. Seit Wochen hatte ich den Gedanken in mich hineingedacht, aber nie ausgesprochen.
»Verständlich«, gab Bastian zurück und klopfte mir aufmunternd auf die Schulter. »Wenn du mit May nicht darüber gesprochen hast, wie sieht es mit Aaron aus?«
Belustigt legte ich den Kopf schräg. »Ich habe es die letzten Wochen vermieden, mit jemandem über Bulgarien zu reden, der nicht du, May oder Kaja war. Wenn ich mit Aaron rede, müsste ich so viel an der Geschichte verändern, um ihm keine Informationen zu geben, die unter Verschluss sind. Außerdem weiß ich nicht, ob er mir helfen kann, wenn ich ihm nur die halbe Geschichte erzähle.«
»Vielleicht solltest du es einfach probieren«, gab Bastian zurück. »Ich vertraue darauf, dass du es schaffst, ihm relevante Informationen vorzuenthalten.« Er zwinkerte mir verschwörerisch zu und ich entgegnete ein Schnauben.
Einen Versuch ist es wert, zumal er mir seit Tagen damit in den Ohren liegt. Immerhin hat er durch sein Studium als Psychologe gelernt, die richtigen Fragen zu stellen.
Laut Aaron war es seine Pflicht, bei jedem der Teilnehmer einer Mission die mentale Gesundheit abzuschätzen, aber teilweise wurde das auch auf die Kinder übertragen, die neu hinzugekommen sind, und so konnten Mayren und ich uns lange davor drücken.
»Ich werde es mir überlegen«, sagte ich.
Unsere Schritte stockten abrupt, als wir eine kichernde Person bemerkten, die im Gang neben einer der dunklen Holzsäulen saß und halb von dieser versteckt wurde. Es waren die Säulen, die die weißen Büsten mit den modellierten Gesichtern verstorbener Clankameraden trugen.
Ich fand es unheimlich, in diese leblosen Gesichter zu sehen, die einen aus toten Augen anstarrten, als würden sie einen um das eigene Leben beneiden.
Bastian und ich tauschten einen unsicheren Blick, aber er zuckte nur mit den Schultern und ging zu ihr.
Unsicher folgte ich ihm und erkannte, dass es Lucy war.
Ihre lockigen Haare hingen ihr offen über den Rücken und sie musterte uns mit ihren ungleichen Augen – eins blau, das andere grün.
Nach ihrer Befreiung hat man gemerkt, dass die lange Gefangenschaft ihre entsprechenden Spuren hinterlassen hatte. Große Narben entstellten ihr Gesicht und stammten ziemlich sicher von eiskalter Folter. Aber das Körperliche war nicht ansatzweise so schlimm wie die mentalen Folgen, die Aaron ihr in Form einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung diagnostiziert hatte. Sie befand sich daher sehr oft in Gesprächen mit ihm und bekam allerlei Medikamente, die sie unterstützen sollten.
Bastian blieb mit einigen Metern Entfernung stehen und musterte das gekrümmte Karambit-Messer, das Lucy in ihrer Hand schwang.
Sie war jedoch weiterhin auf mich fixiert, was mich auf eine unheimliche Art beunruhigte. »Komisch, findest du nicht auch?«, sprach sie mich an und deutete mit der Messerspitze auf die Büste vor sich.
Langsam schlenderte ich an Bastians Seite, um das weiße Gesicht erkennen zu können.
Lucy kicherte erneut und schlug sich mit ihrer freien Hand vor den Mund, um ihr Lachen zu ersticken. Kurz verdeckte sie eine rote Narbe, die sich von ihrer rechten Kieferseite bis zum Nasenflügel zog.
Wie sie forderte, betrachtete ich die Büste genauer und erkannte, dass sie Lucy darstellen sollte.
»Das bist du, oder?«, fragte ich überflüssigerweise und sie ließ die geschwungene Klinge in ihren Fingern rotieren. Neben mir verlagerte Bastian sein Gewicht unruhig von einem auf das andere Bein.
»Ja«, lachte sie und ihre Augen funkelten. Ihr Gekicher erzeugte eine Gänsehaut auf meinem Körper und ich wollte einen Schritt zurückweichen, aber das hätte sie noch mehr amüsiert. Und neben Bastian wusste ich, dass mir nichts passieren konnte.
Lucy hatte nach wie vor enormen Respekt vor jedem ihrer damaligen Freunde, auch wenn sie sie seit ihrer Rückkehr auf Abstand hielt. Einzig zu Felix hatte sie ein enges Verhältnis.
Die Gefangenschaft hat schwere, unberechenbare Psychosen bei ihr ausgelöst.
»Ihr habt all die Jahre gedacht, dass ich tot bin und mein Gesicht hier aufgestellt.« Sie ließ das Messer rotieren, als würde sie einer bestimmten Choreografie folgen. »Als würde mich das in irgendeiner Weise ehren.«
»Das war unsere Art, um dich zu trauern und dir zu gedenken«, murmelte Bastian und ehrliche Trauer flackerte über sein Gesicht. »Wir wussten nicht, dass du …«
Ihre Locken wippten schwungvoll, als sie sich Bastian zuwandte und seine Worte mit einem spöttischen Schnauben kommentierte. »Das sieht überhaupt nicht aus wie ich«, stieß sie in einem merkwürdigen Tonfall aus und all die Belustigung wich daraus. Schlagartig stoppte sie die intuitiven Bewegungen des Messers in ihrer Hand und stand auf. Ihre Schritte waren geschmeidig wie die einer Raubkatze, als sie auf Bastian zuging und vor ihm stehenblieb.
Dieser reckte ruhig sein Kinn, aber er spannte seine Muskeln an, als warte er auf eine direkte Konfrontation mit Lucy.
»Ich finde, dass sie dir ähnlich sieht«, sagte Bastian.
Belustigung huschte über Lucys Lippen, aber es erreichte ihre Augen nicht. »Findest du das auch?«
Ihr Kopf ruckte zu mir, bevor sie mit ihren federnden Schritten zur Büste ging und ihr Ebenbild betrachtete.
Ich sah zwischen der Büste und ihrem Gesicht hin und her, aber abgesehen von den Narben konnte ich fast keinen Unterschied feststellen.
Kurz zögerte ich, bevor ich ihr die entsprechende Antwort gab: »Du hast dich verändert, seit die Büste erstellt wurde. Es sind seitdem immerhin einige Jahre vergangen.«
Sie betrachtete mich interessiert und zog nach wenigen Sekunden einen Mundwinkel nach oben. Dann wandte sie sich ihrer Büste zu und betrachtete sie eindringlich. »Du hast recht«, meinte sie und hob ihr Messer, um mit der Spitze die Konturen der Büsten-Lucy nachzufahren. »In der Zwischenzeit habe ich mich wirklich verändert.« Gefühlvoll ließ sie ihre Klinge über die Wangenknochen gleiten, bevor ihr Kopf ruckartig in meine Richtung zuckte.
»Du bist der Freund von Grey, stimmts?«, fragte sie durchdringend. Ein irrer Glanz hatte in ihren Augen Einzug genommen und unterstrich, dass sie gerade nicht bei klarem Verstand war.
»Ja, ich bin Joshua«, erwiderte ich und beobachtete ihre Reaktion genau, während ich spürte, dass Bastian sich neben mir noch weiter anspannte.
Plötzlich grinste sie und wandte sich ihrem weißen Ebenbild zu. Die Klinge verweilte darauf und sie legte den Kopf schief. »Wisst ihr, … ich kann mein Gesicht nicht dem anpassen, aber wir können es andersherum machen.«
Sie setzte ihre Messerklinge am Haaransatz der Büste an und formte mit einem kraftvollen Schnitt ihre erste Narbe bis zum Ohr nach. »Die habe ich damals bekommen, als ich nichts über unseren Clan verraten wollte«, murmelte sie leise und strich die Kerbe sanft mit dem Daumen nach. Feiner Tonstaub rieselte von ihrer Berührung auf den Boden.
»Lucy …«, wollte Bastian sie beschwichtigen, aber sie verzog mahnend eine Augenbraue und er verstummte.
»Alles muss seine Ordnung haben«, gab sie nur zurück und setzte das Messer am Kiefer der Büste an und zog es mit einem Ruck bis zum Nasenflügel. »Die habe ich damals bekommen, als ich zwei der Wärter umgebracht habe und fliehen wollte.« Ein Kichern kam ihr über die Lippen und sie pustete den Staub weg.
Sie muss unglaublich schlimme Dinge in den letzten Jahren erlebt haben.
»Lucy …«, versuchte ich diesmal einzugreifen, aber instinktiv wusste ich, dass sie in ihrer Phase war, in der sie niemanden duldete, der Einspruch erhob.
Wenn sie beschließt, uns anzugreifen, wird Blut fließen. Bastian ist zwar bewaffnet, aber er würde sie nur verletzen, wenn er uns dadurch von ihr beschützen könnte.
»Sei ruhig«, fuhr sie mich frostig an. »Dinge müssen richtiggestellt werden.« Für einige Sekunden musterte sie mich, als fürchtete sie, dass ich widersprechen wollte, aber ich schwieg und tauschte einen kurzen Blick mit Bastian.
Er strahlte eine Ruhe aus, von der ich nicht wusste, woher er sie nahm.
Lucy nickte zufrieden. »Gut.«
Im Moment verletzt sie niemanden. Wir sollten sie einfach machen lassen und danach Aaron informieren.
Ein letztes Mal setzte sie das Messer unter dem rechten Auge der Büste an und zog es zur Seite weg. »Diese Narbe habe ich bekommen, als ich bei einem weiteren Verhör meinem Folterknecht das Genick gebrochen habe.« Zufrieden betrachtete Lucy ihr Abbild und stellte es zurück auf die dunkle Holzsäule.
»So ist es besser«, flüsterte sie und ließ die geschwungene Klinge zwischen ihren Fingern kreisen. Dann sah sie Bastian und mich an und wie auf Knopfdruck verschwand dieser wahnsinnige Ausdruck von ihrem Gesicht. Ihre Augen funkelten plötzlich aufrichtig freundlich.
»Schön dich kennenzulernen, Joshua«, sagte sie in einem Singsang, warf sich ihre Haare über die Schulter und ging mit federnden Schritten an mir vorbei. Gerade als sie auf unserer Höhe war, hörte ich, wie sie mit sich selbst sprach: »Langsam habe ich Hunger, hoffentlich hat Mira noch Pudding da.«
Perplex verfolgte ich ihre Bewegungen, bevor ich mich zu Bastian umdrehte.
»Offenbar steht es schlechter um Lucys Gesundheit, als ich gedacht hatte«, murmelte er. »Ich gehe ihr nach, damit sie keine Gefahr für sich selbst oder andere wird. Kannst du Aaron informieren, was gerade passiert ist?«
Noch kurz betrachtete ich das eingekerbte Gesicht der Büste, deren Gesichtszüge nun ebenfalls entstellt waren, bevor ich nickte und wir uns in Bewegung setzten.
Wir holten Lucy im ersten Stock ein, wo sie sich freudestrahlend bei Bastian unterhakte, als er ihr versprach, mit ihr zusammen nach Pudding zu suchen.
Während die beiden im Erdgeschoss in den entsprechenden Gang abbogen, klopfte ich nur wenig später an Aarons Tür.
»Ja?«, kam von drinnen Aarons gedämpfte Stimme, und ich öffnete die Tür. Aaron saß hinter seinem Schreibtisch und brütete über einer handschriftlichen Akte. Er wirkte müde auf mich, was vermutlich der ganzen Arbeit geschuldet war, die er in der letzten Zeit gehabt hatte.
»Hey, Aaron«, begrüßte ich ihn und schloss die Tür hinter mir.
»Oh, hi Joshua«, meinte er und ein erfreutes Funkeln erwachte in seinen Augen. Er schlug die Akte zu und deutete auf den Stuhl ihm gegenüber. »Bitte, setz dich doch.«
Ich tat wie geheißen. »Ich wollte mit dir über Lucy reden«, begann ich. »Sie ist mir gerade auf dem Gang oben begegnet und hat einen sehr merkwürdigen Eindruck bei mir hinterlassen.«
Aaron war sofort fokussiert. »Was hat sie gemacht?«, hakte er nach und griff nach einem leeren Blatt Papier. »Hat sie verwirrt auf dich gewirkt?«
Schnell erklärte ich ihm die zugetragene Situation und versuchte, so viele Details wie möglich zu nennen. Ich beschrieb ihr wechselhaftes Verhalten am Ende des Gesprächs, als sie aufgebrochen war, und in Bastians Begleitung in der Küche nach Pudding suchen wollte.
Aaron hörte mir schweigend zu und machte sich während meiner Erzählung eifrig Notizen dazu. Als ich fertig war, sah er auf.
»Danke, dass du deswegen zu mir gekommen bist«, meinte er und öffnete eine Schublade am Tisch, um das gerade beschriebene Blatt darin zu verstauen. »Wie du sicherlich weißt, bin ich bereits mit Lucy im Gespräch und du kannst sicher auch nachvollziehen, dass die letzten Jahre keine einfache Zeit für sie war.«
»Ja, klar verstehe ich das.« Mit einem unguten Gefühl stellte ich fest, dass Aaron mich jetzt in das Gespräch verwickeln würde, das ich eigentlich meiden wollte.
Ich habe mir keine passende Geschichte zurechtgelegt.
Mit einem unguten Gefühl bemerkte ich, dass Aaron mich sofort durchschaute.
»Um ehrlich zu sein, bin ich froh, dass du hier bist.« Er griff nach einem neuen Blatt. Die Mine seines Kugelschreibers kratzte darüber und ich war mir sicher, dass er meinen Namen als Überschrift aufschrieb. »Wie ich dir ja gesagt habe, ist es für mich verpflichtend, mit jedem Teilnehmer der Mission ein Gespräch zu führen.« Kurz wartete er meine Reaktion ab, aber ich schwieg und so fuhr er fort. »Ich kann mir denken, dass du mit Mayren darüber sprichst, aber es könnte dir helfen, dies auch mit jemand anderem zu tun, okay?«
Langsam faltete ich die Hände ineinander.
»Wie war die Mission für dich? Welche Gefühle sind in den letzten Tagen besonders präsent für dich?«
Ich unterdrückte ein Seufzen und versuchte, meine Gedanken zu fokussieren.
Bastian hat selbst gesagt, dass es mir helfen könnte, wenn ich mit Aaron rede. Ich muss nur darauf achten, dass ich keine vertraulichen Informationen ausplaudere und meine Geschichte nicht lückenhaft klingt.
»Lass mich so anfangen«, begann ich nach einigen Sekunden. »Mir geht es so weit gut. Ich weiß, dass die Mission notwendig war, um Menschenleben zu retten und gleichzeitig, dass es dafür nötig war, Leben auszulöschen.« Mein Blick schweifte in die Ferne und ich hörte, wie Aarons Kugelschreiber über das Papier flog. »Was mich beschäftigt, ist eher die Tatsache, dass …«
Ja … Wie sollte ich den Gedanken zu meiner Mutter spinnen, ohne dass ihm eine Unstimmigkeit auffällt?
Das Kratzen über Papier stoppte und ich wusste, dass ich meinen Satz möglichst schnell beenden müsste.
»Dass meine Familie und meine Freunde in der Heimat so leiden müssen.« Ich räusperte mich und erstaunlicherweise klang es sogar überzeugend. »Sie leiden«, fuhr ich schnell fort, weil ich Aaron keine Chance geben wollte, nach meiner merkwürdigen Pause zu fragen. »Und sie leiden wegen einer Entscheidung, die ich getroffen habe, auch wenn ich der Überzeugung bin, dass es die richtige war.«
Ich versuchte, zu erkennen, ob Aaron mir meine Erklärung für das Zögern abnahm.
Dieser setzte gerade einen Punkt auf seiner Notiz. »Warum denkst du, dass es die richtige Entscheidung war?«, fragte er schlicht und musterte mich mit neutraler Miene.
Das gab mir Mut und ich wusste, dass in der Geschichte mit meiner Familie kein Stolperstein war, weswegen ich fortfuhr.
»Aktuell warten wir auf eine Reaktion von Zero«, fasste ich stumpf die Lage zusammen. »Ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass wir es in diesem Jahr schaffen, die Lage aufzulösen.«
Falls wir es überhaupt schaffen …
»Und ich denke daher, dass es besser für alle Beteiligten ist, wenn sie sich nicht über weitere Monate hin Hoffnungen machen. Meiner Meinung nach ist es besser, wenn sie es schaffen, mit mir abzuschließen.« Meine Worte waren befremdlich und meine Londoner-Version hätte niemals so etwas gesagt. Wieder wurde mir bewusst, wie sehr ich mich seit diesem Zeitpunkt verändert hatte.
Ich habe einen Menschen getötet und außer meinen Freunden kann ich niemandem davon erzählen.
Der Wegfall des schlechten Gewissens traf mich eisig. Gerne wollte ich Aaron daraufhin ansprechen, aber genau dafür fiel mir keine entsprechende Umleitung meiner Geschichte ein. Ich könnte nichts sagen, ohne einen großen Teil zu verraten, der ein mögliches Indiz sein könnte.
»Das klingt verständlich«, antwortete Aaron und klickte mit seinem Kugelschreiber genau zweimal. »Sowohl den Weg, für den du dich entschieden hast, aber auch, dass du deiner Familie diese Hoffnung nimmst. Es war bestimmt keine leichte Entscheidung?«
»Nein«, antwortete ich sofort und schüttelte den Kopf. »Du warst dabei, als ich sie treffen musste. Natürlich war es das nicht. Ich liebe meine Familie und meine Freunde, aber es ging dabei auch um ihren Schutz. Unsere Welt weiß, dass ich für meine alte Welt tot bin und keinen Kontakt mehr zu ihnen aufnehmen kann.« Kurz schluckte ich. »Sie sind durch meinen Tod sicherer.«
Aaron nickte gedankenverloren, während er sich eine weitere Notiz machte. »Du hast in Mayren und Bastian eine neue Familie gefunden, sehe ich das richtig? Ihr verbringt viel Zeit miteinander.«
Das war eine heikle Frage, die mich zur Vorsicht mahnte.
Wir haben uns nach der Mission zurückgezogen und nur noch im Kreis der Wissenden verbracht, damit wir uns jederzeit austauschen können.
»Ja, sie sind beide mit Kaja und Ian meine engsten Bezugspersonen geworden«, gab ich offen zu. »Jeder weiß, dass May und ich ein Paar sind. Sie gibt mir viel Kraft und ich bin sehr froh, sie zu haben.« Es war komisch, mit Aaron über Mayren zu reden. Ich wusste, dass die beiden sich nahestanden und er ihre direkte Vertretung im Hauptquartier war. Die beiden kannten sich schon ewig. Es war, als würde ich mit Bastian über unsere Beziehung sprechen.
Aaron lächelte freundlich und fuhr sich durch seine halblangen Haare. Er hatte sie mit etwas Gel zurückgelegt und durch seine Berührung löste sich eine der vorderen Strähnen und fiel ihm in die Stirn. Bevor er eine weitere Frage zu Mayren stellen konnte, lenkte ich das Gespräch in eine andere Richtung. »In den letzten Tagen muss ich sehr oft an meine Mutter denken …«
Überrascht zog eine Augenbraue nach oben. »Deine Mutter?«, fragte er aufmerksam nach. Sein Kugelschreiber schwebte regungslos über dem Papier. »Erklär mir bitte den Zusammenhang.«
Unruhig knetete ich meine Hände unter der Tischplatte und versuchte, Worte zu finden. »Meine Mutter ist gestorben, als ich ein Kind war«, begann ich langsam, aber wich ihm dabei aus. »Sie war krank und das war der Grund, warum ich unbedingt Arzt werden wollte. Vor meiner Zeit hier, habe ich fast täglich an sie gedacht, aber seit ich in diese Welt gerutscht bin … es ist immer weniger geworden.«
Mit einem aufmunternden Nicken ermunterte Aaron mich weiterzusprechen.
