Rosa gegen den Dreck der Welt - Nadja Bucher - E-Book
Beschreibung

Der große Putzfrauenroman - Vorsicht: ätzend! Die Welt als Frau Rosas Wille und Vorstellung. Schwarzer Humor trifft auf Baumwolle aus kontrolliert biologischem Anbau, auf SUV-Fahrer, CO2-Emissionen und dem unerfüllbaren Wunsch, an dem ganzen Dreck nicht beteiligt zu sein. In Nadja Buchers Debütroman spielt die Wahrnehmung der Realität Pingpong. Nichts Menschliches ist diesem witzigen und klugen Roman fremd. Rosa, Anfang 40, Putzfrau mit ramponierter Vergangenheit und intaktem ökologischem Bewusstsein, reinigt Wohnungen in Wien spurlos und ohne emotionale Beteiligung. An den urbanen Schrulligkeiten ihrer Auftraggeberinnen gleitet sie vorüber wie ihre geliebte Holzbürste am Parkett. Nichts bringt sie aus dem Rhythmus zwischen Bioladen und gegen Null gehenden sozialen Kontakten. Bis Rosa in die saubere Wohnung ihrer neuen, stets abwesenden Kundin Hatschek kommt ... Aus alltäglichen Gebrauchsgegenständen und pseudobrisanten Details zimmert Rosa ein Bild von Hatschek, dem sie zunehmend verfällt. Auf der verzweifelten Suche nach einer Gleichgesinnten gerät Rosa in Rage. Bald greift sie zu anderen Mitteln als ihrem bewährten Bioessig und räumt auch sonst gehörig auf. Jedoch: Kann Rosa die wahre Hatschek wirklich ans Licht kehren?

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Seitenzahl:264

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Rosa gegen denDreck der WeltRoman

von

Nadja Bucher

DANKSAGUNG

Ich lobe und preise langweilige Hochzeiten –zwei selige Freundschaften fanden dort ihren Beginn.

Ewigen Dank schulde ich dem WG-Küchentisch,an dem einst ein Mann mit Hut und Hosenträgern saß.

ANFRAGE

Rosa stützte sich am Holzstiel ihrer Bodenbürste ab. Sie war erschöpft und wollte ohne großen Kraftaufwand nachhause. Ein Gespräch mit Frau Bräuner, Rosas karrieristischer Kundin, die Beruf, Familie, Ehe und sich selbst offiziell bestens im Griff hatte, war da völlig unpassend. Frau Bräuner hatte soeben nach Rosas Auslastung gefragt, denn eine Bekannte brauchte Unterstützung im Haushalt. »Da hab’ ich sofort an Sie gedacht. Für Sie leg’ ich, ohne mit der Wimper zu zucken, die Hand ins Feuer.«

Frau Bräuner hatte ein Faible für Sprichwörter, die sie ihrem Gegenüber schnell, hektisch und stets so um die Ohren schlug, als wollte sie das neueste Portfolio mit 25 Prozent Gewinngarantie mitliefern. Rosa presste ihre brennenden Augen zusammen, um Bedenkzeit herauszuschinden. Die Wohnung läge im achten Bezirk, sagte Frau Bräuner, »einen Katzensprung von Ihnen entfernt«. Rosa bräuchte nur in den J-Wagen zu steigen, »das ist doch nicht der Rede wert«.

Rosa dachte an die zuckelnde Straßenbahn, die 0,03 Kilowattstunden pro Fahrgastkilometer verbrauchte und obendrein Mineralstaub mittels Schienenabrieb verursachte. Alles klarerweise eine Lappalie im Vergleich zum viermal so hohen Verbrauch eines vollbesetzten PKWs, die Energiebilanz der Produktion nicht mitgerechnet. Aber wie viele PKWs fuhren schon vollbesetzt durch diese Stadt? Da saß doch immer nur einer drin. 59 Prozent der täglichen Wege wurden mit dem Auto zurückgelegt, nur noch 18 Prozent zu Fuß. In den letzten 12 Jahren war die Zahl der Autos in Österreich auf 4,5 Millionen gewachsen – viermal so stark wie die Bevölkerung. 700.000 Autos in Wien erzeugten 30 Prozent der CO2-Emissionen. Das sagte ja schon alles. Autos waren jenseitig – Rosa fuhr Rad. Alle Strecken. Sofern das Wiener Wetter nichts dagegen hatte. Sie benötigte weder den J-Wagen noch Autos noch Züge. Die verbrauchten auf einer Strecke von Wien nach Salzburg bei durchschnittlich 200 km/h, 9,2 Kilowattstunden pro Fahrgast. Ein Auto bei 130 km/h hingegen 246 Kilowattstunden. Wenn zwei drin saßen!

Aber Frau Bräuner gönnte Rosa diese Gedanken nicht, sie drängte zu raschem Entschluss. In der Bank hatte sie gelernt, dass Finanzprodukte eine schnelle Kaufentscheidung erforderten. Sofort oder nie, hieß es in den Verkaufsseminaren. Dass Frau Bräuner diese Lehrinhalte gleich in allen Lebensbereichen anwendete, war ihre persönliche Note. Rosa erinnerte sich an das Ehepaar Pospischil, das den Mittwochvormittagtermin innegehabt hatten, von denen sie sich aber vor einigen Wochen getrennt hatte. Die flächendeckenden Spannteppiche und der noch immer nicht ganz stubenreine Bobtail Lucky waren Rosa zu viel geworden.

»Nein, nein, Haustier hat sie keins, bitte, vielleicht einen Vogel, wer weiß das schon so genau«, versicherte Frau Bräuner auf Rosas Frage hin und setzte ihrer Bemerkung noch ein »Scherzerl« hinterher. Mehr brauchte Rosa über ihre neue Kundin nicht zu wissen und mehr Informationen hätte Frau Bräuner ihr auch nicht liefern können. Denn Frau Bräuners Wissen über andere Menschen glich ihrem Interesse an ihnen und war somit gleich null. Rosa teilte ihr mit, dass sie nur mittwochs von neun bis zwölf frei hatte. »Das passt wie ein Handschuh, Sie sind ein Schatz, ich wusste ja, auf Sie ist Verlass. Hören Sie zu, wir machen gleich Nägel mit Köpfen. Ich leite alles in die Wege, und Sie werden kommenden Mittwoch um neun Uhr in der Lederergasse 35/7a erwartet. Hier, die Wohnungsschlüssel, damit Sie unten bei der Haustür reinkommen.«

Frau Bräuner fuchtelte mit einem schlanken Schlüsselbund vor Rosas Gesicht herum. An einem Ring hingen vier Schlüssel, zwei davon hatten farbige Plastiküberzüge. Polymere, dachte Rosa. Frau Bräuner erklärte noch, welcher Schlüssel für welches Schloss zuständig war, als ob Rosa das nicht vor Ort herausfinden konnte.

»Mir fällt ein Stein vom Herzen!«, rief Frau Bräuner, nachdem sie Rosa 55 Euro in die Hand gezahlt hatte. Die schulterte ihren Stoffrucksack, der einen Packen alte Zeitungen, einige leere Papiermüllsäcke, eine Flasche Essig und vier feuchte Baumwollfetzen beinhaltete, ergriff Bodenbürste und Holzbesen und verließ die bunte Bräuner’sche Wohnung. Noch im Stiegenhaus rief ihr Frau Bräuner nach: »Jetzt ist alles unter Dach und Fach, das lief ja wie am Schnürchen!«.

Vor dem Haus trieb Wind seitlichen Schneeregen die schnurgerade Brünner Straße entlang. Rosa zog die Schultern hoch. Sie fror trotz gefütterter, knöchelhoher Schuhe, Schafwollpullover und Walkjanker, Handschuhen, Strickmütze und Schal. Der Zweiunddreißiger donnerte vorbei, was bedeutete, dass Rosa bis zur nächsten Straßenbahn diesem Wetter hier in Stammersdorf ungeschützt ausgesetzt war. Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt verhießen Glatteis und ein langes Anhalten der auf Gehsteigen, Radwegen und Straßenecken angehäuften Schneerückstände. Rosa hasste den Winter in dieser Stadt. Er zwang sie runter von ihrem Rad und hinein in öffentliche Verkehrsmittel.

Mit Holzbesen und Bodenbürste in der Hand stapfte sie wie der Heilige Nikolaus zur Haltestelle. Sie wusste ganz genau, dass sie deswegen im Zweiunddreißiger wieder jede Menge Leute blöd anstarren würden.

HATSCHEKS WOHNUNG

Nach dem dunklen Stiegenhaus hatte sie die Helligkeit des Vorzimmers nicht erwartet. Das Licht kam durchs Fenster am Ende eines kurzen Flurs. Vor dem Fenster stand ein Marmortisch, wie man ihn häufig in Wiener Kaffeehäusern antraf. Darauf lag die für sie bestimmte Karte. Natürlich wartete niemand auf Rosa. Sie hätte darauf wetten können. Schließlich überließ man seine Wohnungsschlüssel keiner Unbekannten, wenn man davon ausging, ihn ihr auch persönlich überreichen zu können. Das tat man nicht. Nicht einmal, wenn es sich bei der Unbekannten um eine Putzfrau mit guten Referenzen handelte. Außer eben, man wusste im Vorhinein, dass man an deren erstem Arbeitstag nicht anwesend sein würde.

Rosa ließ die Wohnungstür ins Schloss fallen, lehnte Bodenbürste und Besen gleich neben dem Eingang an die Wand, stellte ihren Stoffrucksack auf den Boden und steckte die Schlüssel in ihre Hosentasche. »Stell’ da vor, putz’ ich draußen das Schild, klingelt drinnen mein Handy. No, will ich aufsperren, aber hab’ ich nix Schlüssel. Liegt drinnen neben Handy. Na, stell’ da vor«, hatte ihr Ludmilla erzählt und Rosa, als gelehrige Schülerin, hatte sich diese Geschichte zu Herzen genommen. Seither verwahrte sie alle Schlüssel nah am Körper. Obwohl sie kein Handy besaß.

Rosa nahm die Karte vom Tisch. 55 Euro fielen heraus. Ihr Honorar für drei Arbeitsstunden samt Materialkosten. Das Kärtchen entschuldigte sich für den verpassten ersten Arbeitstag. »Unverhoffte Ereignisse gestatten es mir leider nicht, anwesend zu sein. Auf bald.« Gezeichnet mit freundlichen Grüßen. Eine unleserliche Kraxe saß unter der sonst fein säuberlichen Handschrift. Rosa beschloss nach mehreren Entzifferungsversuchen, die Unterschrift auf Hatschek festzulegen. Sie war enttäuscht, in Bezug auf die Abwesenheit ihrer neuen Kundin Recht behalten zu haben. Sie hätte sich lieber geirrt. Aber so waren die Menschen. Nicht einmal ihre Putzfrau interessierte sie. Überließen ihre Wohnungsschlüssel einfach einer wildfremden Person.

Rosa legte die Karte weg, schlüpfte aus ihren gefütterten Lederschuhen namens Eisbär von GEA und hängte ihren Walkjanker an die Garderobe neben dem Fenster. Sie schaute hinaus. In einem großen Hof schaukelten drei kahle Platanen wie Reisigbesen im Wind. Sie waren von einem betonierten Spielplatz und einer Hundezone umgeben. Im Erdgeschoss des gegenüberliegenden Hauses sah Rosa den im Sommer sicherlich kühlen Gastgarten eines asiatischen Restaurants. Jetzt allerdings war der Garten eine Fläche aus Waschbetonplatten, begrenzt von graustaubigem Bambusgestrüpp in sonnenverblichenen Plastiktöpfen.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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