Rostem und Suhrab - Friedrich Rückert - E-Book

Rostem und Suhrab E-Book

Friedrich Rückert

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Beschreibung

Friedrich Rückerts "Rostem und Suhrab" entführt die Leser in die zeitlos tragische Erzählung von Identität, Verlust und dem unvermeidlichen Schicksal. Das Werk, inspiriert von der persischen Literatur, zeichnet sich durch Rückerts meisterhaften Umgang mit Sprache aus, der sowohl in lyrischen als auch in narrativen Passagen zu spüren ist. Der Autor kombiniert klassisches Erzählgut mit seiner eigenen poetischen Interpretation und schafft so eine fesselnde Verbindung zwischen Ost und West, die nur durch eine subtile, musikalische Klangfarbe ergänzt wird. Friedrich Rückert, ein bedeutender deutscher Dichter, Orientalist und Übersetzer, war bekannt für seine tiefgreifenden Kenntnisse der orientalischen Kultur und Literatur. Sein Interesse an der persischen Poesie, die er während seiner Zeit als Professor erlangte, spiegelt sich klar in diesem Werk wider. Rückerts Fähigkeit, komplexe emotionale Themen zu konstruieren, könnte aus seinen eigenen biografischen Erlebnissen und seiner Liebe zur fremden Sprache und Kultur hervorgegangen sein. Dieses Buch ist Thomasanern und Liebhabern anspruchsvoller Literatur mindestens ebenso zu empfehlen wie jenen, die an interkulturellen Dialogen interessiert sind. "Rostem und Suhrab" bietet nicht nur eine fesselnde Geschichte, sondern auch eine Reflexion über die menschliche Natur und das Streben nach Verständnis, die in jedem von uns lebt. In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen: - Eine prägnante Einführung verortet die zeitlose Anziehungskraft und Themen des Werkes. - Die Synopsis skizziert die Haupthandlung und hebt wichtige Entwicklungen hervor, ohne entscheidende Wendungen zu verraten. - Ein ausführlicher historischer Kontext versetzt Sie in die Ereignisse und Einflüsse der Epoche, die das Schreiben geprägt haben. - Eine gründliche Analyse seziert Symbole, Motive und Charakterentwicklungen, um tiefere Bedeutungen offenzulegen. - Reflexionsfragen laden Sie dazu ein, sich persönlich mit den Botschaften des Werkes auseinanderzusetzen und sie mit dem modernen Leben in Verbindung zu bringen. - Sorgfältig ausgewählte unvergessliche Zitate heben Momente literarischer Brillanz hervor. - Interaktive Fußnoten erklären ungewöhnliche Referenzen, historische Anspielungen und veraltete Ausdrücke für eine mühelose, besser informierte Lektüre.

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Veröffentlichungsjahr: 2024

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Friedrich Rückert

Rostem und Suhrab

Bereicherte Ausgabe. Heldengeschichte in 12 Büchern - Aus dem persischen Heldenepos Schahname
In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen
Bearbeitet und veröffentlicht von Good Press, 2023
EAN 8596547807322

Inhaltsverzeichnis

Einführung
Synopsis
Historischer Kontext
Rostem und Suhrab
Analyse
Reflexion
Unvergessliche Zitate
Notizen

Einführung

Inhaltsverzeichnis

Im Bann eines Krieges, der persönliche Bindungen verschleiert und Heldenmut gegen die blinden Kräfte des Schicksals ausspielt, verdichtet Friedrich Rückert in Rostem und Suhrab die Spannung zwischen Ruhm und Erkenntnis zu einer tragischen Konstellation, in der zwei außergewöhnliche Kämpfer aufeinander zutreiben, ohne den wahren Grund ihrer inneren Verwundbarkeit zu erkennen, und verleiht damit einer alten Erzählung neue poetische Gegenwärtigkeit, die nicht nur die Bewegungen des Schlachtfelds, sondern auch die leisen Regungen der Seele hörbar macht, während Ehre, Loyalität und Sehnsucht in einem Netz aus Missverständnissen und ungewissen Zeichen miteinander ringen.

Rostem und Suhrab ist eine poetische Nacherzählung eines zentralen Stoffes aus dem persischen Nationalepos Schāhnāme, das Rückert als ausgewiesener Orientalist im 19. Jahrhundert in deutscher Sprache neu gestaltet. Das Werk bewegt sich im heroischen Genre der epischen Erzählung und führt in mythisch überhöhte Landschaften des alten Iran und seiner Grenzräume. Statt einer philologischen Prosaübertragung bietet Rückert ein eigenständiges Gedicht, das den Geist der Vorlage im Klang seiner Zeit einfängt. Entstanden ist es in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und steht in Rückerts lebenslanger Auseinandersetzung mit außereuropäischen Dichtungstraditionen und hat die Rezeption persischer Epen im deutschsprachigen Raum nachhaltig geprägt.

Im Zentrum steht die Annäherung zweier Krieger aus verfeindeten Lagern, deren Ruhm ihnen voraus eilt und deren Wege unter dem Druck großer Heere und Erwartungen zusammengeführt werden. Auf der einen Seite ruft die Verteidigung der Heimat einen bewährten Helden auf das Feld; auf der anderen wächst ein junger, glänzender Kämpfer heran, der seine Stärke erproben und sich einen Namen machen will. Aus Aufbruch, Pflicht und Unruhe entsteht eine Dynamik, die beide unaufhaltsam in ein persönliches Duell treibt. Früh deutet der Text auf verborgene Verbindungen hin, ohne ihre Natur auszusprechen, und vertieft so die Spannung.

Rückerts Stimme ist die eines gelehrten Poeten, der erzählerische Klarheit mit musikalischer Fülle verbindet. Die Verse schwingen weit, ohne die Handlung zu zerfasern; Bilder von Metall, Staub und Morgenlicht wechseln mit inneren Regungen, die erstaunlich fein geführt sind. Der Ton bleibt würdig und konzentriert, getragen von einer Sprache, die altertümliche Würze und moderne Empfindsamkeit miteinander vermittelt. Man spürt, dass die Vorlage hoch angesehen ist, doch die deutsche Fassung sucht nicht bloß Nachfolge, sondern Gegenwärtigkeit: Sie zielt auf rhythmische Überzeugung, auf Anschaulichkeit und auf eine innere Spannung, die den Leser unmerklich vorantreibt.

Im thematischen Zentrum stehen Ruhm und Verantwortung, die Frage nach Identität unter unsicheren Vorzeichen sowie das Spiel von Zufall, Schicksal und Entscheidung. Das Gedicht zeigt, wie Institutionen von Ehre und Loyalität den Einzelnen formen und zugleich blenden können. Informationen zirkulieren unvollständig, Zeichen werden fehlgedeutet, Schweigen hat Gewicht: Aus diesem Geflecht entsteht die moralische Brisanz. Ebenso wichtig ist die Körperlichkeit des Kampfes, die stets von der Fragilität menschlicher Bindungen überschattet wird. Ohne moralisierende Geste lässt Rückert die Spannfelder von Öffentlichkeit und Privatheit, Pflicht und Mitgefühl, Ruhm und Selbsterkenntnis aufeinanderprallen und einander produktiv befragen.

Heutige Leserinnen und Leser finden darin einen dichten Resonanzraum für Fragen, die in Zeiten globaler Konflikte und beschleunigter Kommunikation dringlich bleiben: Wie viel wissen wir tatsächlich über die, gegen die wir antreten? Welche Narrative treiben uns an, und welche verstellen den Blick? Rückerts Werk ist mehr als eine Brücke zur persischen Überlieferung; es reflektiert auch das Übersetzen selbst als ethischen Akt des Hörens, Verdichtens und Antwortens. Wer sich für kulturelle Vermittlung, für die Wirkung von Ruhm- und Ehrbegriffen oder für die Psychologie des Missverständnisses interessiert, entdeckt hier Anschlüsse über Epochengrenzen hinweg.

Die Lektüre ist dabei zugleich erzählerischer Sog und sprachliche Übung in Aufmerksamkeit. Man folgt dem Marsch der Ereignisse, doch das Gedicht fordert, die Zwischentöne zu hören: Gesten, Namen, Blicke, die Bedeutungen tragen. So entsteht ein doppelter Genuss, der Handlung und Nachdenken verbindet. Ohne voraussetzungsreiches Vorwissen zugänglich, öffnet der Text einen Weg in die Welt des Schāhnāme und in Rückerts eigene Poetik. Er lädt ein, die Kräfte zu prüfen, die Menschen in Konflikte treiben, und das Unausgesprochene ernst zu nehmen – eine Einladung, die auch heute noch Überraschung, Anteilnahme und stille Erschütterung bereithält.

Synopsis

Inhaltsverzeichnis

Rostem und Suhrab ist Friedrich Rückerts deutsche Nachdichtung einer berühmten Episode aus dem persischen Nationalepos Schahname. Im Mittelpunkt stehen ein gefeierter Held Irans und sein ihm unbekannter Sohn, deren Wege in den Kriegen zwischen Iran und Turan aufeinander zulaufen. Rückert gestaltet die Handlung als straffes Heldenlied über Identität, Pflicht und die Verflechtung privater Gefühle mit öffentlicher Verantwortung. Früh wird die leitende Frage gestellt, ob Name und Herkunft den Menschen bestimmen oder ob seine Entscheidungen in Gefahr und Versuchung sein Schicksal prägen. Der Text führt dabei schrittweise auf einen Konflikt, der familiäre Bindung und Staatsräson unversöhnlich gegeneinander stellt.

Zu Beginn schildert Rückert den Helden Rostem auf der Reise, fern seiner Heimat, als ihn eine Fürstentochter im Schutz der Nacht aufsucht. Aus der heimlichen Begegnung geht ein Kind hervor, doch politische Rücksichten erzwingen Verschwiegenheit. Rostem hinterlässt ein Erkennungszeichen, das eines Tages die Herkunft des Knaben bezeugen soll, und vertraut darauf, dass das Schicksal die rechten Stunden fügt. Diese Episode setzt die Motive von verborgener Wahrheit, verschleierten Namen und der Kluft zwischen persönlicher Nähe und öffentlicher Rolle. Zugleich begründet sie die Spannung, die den weiteren Verlauf trägt: Wissen und Nichtwissen werden zu wirkenden Kräften der Handlung.

Der Knabe Suhrab wächst in turanischer Umgebung heran und zeigt früh außergewöhnliche Stärke und Ehrgeiz. Von seiner Mutter erfährt er Andeutungen über seinen Vater, der ein großer iranischer Held sein soll. Der Gedanke, Ruhm zu erwerben und zugleich den Vater zu finden, treibt ihn an. Hof und Heerführer in Turan erkennen sein Talent und lenken es in ihre Pläne, indem sie ihm Ehre und Gelegenheit verheißen. So wird die persönliche Suche in eine militärische Unternehmung eingewoben. Suhrabs Ziel verschiebt sich: Er will nicht nur siegen, sondern auch Klarheit über seine Herkunft gewinnen, was die militärische Logik zunehmend mit privater Hoffnung verschränkt.

Inzwischen verlangt die Bedrohung der Grenze nach Rostems Rückkehr in den Dienst seines Königs. In Rüstung und unter Kriegsregeln tritt er dem turanischen Heer entgegen, ohne zu ahnen, wer an dessen Spitze glänzt. Als die Gegner einander gegenüberstehen, entsteht zwischen beiden eine schwer erklärliche Anziehung, die weder Tapferkeit noch Taktik vollständig erklärt. Worte wechseln, doch Namen bleiben unausgesprochen; Prüfungen der Stärke ersetzen sichere Zeichen. Die Erzählung hält an diesem Schwebezustand fest: Zarte Spuren der Verwandtschaft tauchen auf, werden aber durch Kriegsgebrauch, Stolz und Vorsicht beiseitegeschoben, sodass eine erste Begegnung ergebnislos in die Nacht zurückweicht.

Rückert zeigt nun, wie Entscheidungsträger auf beiden Seiten das fragile Band möglicher Erkenntnis zerfasern. Iranische Räte fürchten um Moral und Ordnung und drängen darauf, den Namen des Verteidigers nicht preiszugeben. Turanische Lenker wiederum schüren Suhrabs Kampfeslust und raten, seine Fragen nach dem Vater nicht in den Formen des Schlachtfelds zu stellen. Misstrauen, Klugheitsregeln und Ehrvorstellungen greifen ineinander und verwandeln die Suche nach Wahrheit in ein Risiko. Dadurch verschiebt sich der Konflikt vom bloßen Kräftemessen zu einer Prüfung der Wahrhaftigkeit: Das, was die Gegner über sich und den anderen sagen oder verschweigen, entscheidet über Verlauf und Chancen einer Versöhnung.

Aus dem Hin und Her der Heerlager wächst eine zweite, schärfer zugespitzte Begegnung. Beide Kämpfer tragen Zweifel in sich, doch Zeichen und Worte, die Klarheit schaffen könnten, bleiben durch Schickung, Vorsicht oder Eigensinn ungenutzt. Das verborgene Erkennungszeichen wird nicht zur rechten Zeit gezeigt; jeder bindet sich an Regeln von Ehre und Gelübden, die das Innehalten kaum zulassen. Rückert steigert Spannung und Fallhöhe, indem er die persönlichen Regungen gegen die eiserne Mechanik des Krieges laufen lässt. Vor dieser Kulisse trifft jeder eine Entscheidung, die Pflicht und Gefühl unterschiedlich gewichtet und den Ausgang des Ringens unumkehrbar vorbereitet, ohne ihn vorwegzunehmen.

Der Text kulminiert nicht in spektakulärer Entschlüsselung, sondern in der Einsicht, wie leicht Unwissen, Politik und Stolz das Menschliche überformen. Rostem und Suhrab verhandelt damit leitmotivisch, wie Krieg die Sprache beschädigt und wie Verwandtschaft gegen Namenlosigkeit ankämpft. Rückerts Nachdichtung verbindet epischen Atem mit deutscher Klangkunst und macht eine Erzählung des Schahname für sein Publikum nachvollziehbar, ohne den Kern der ursprünglichen Sage zu verlieren. Nachhaltig bleibt die Mahnung, dass Identität und Wahrheit nicht gegen Gewalt behauptet werden können, wenn Schweigen und Täuschung sie übertönen. Gerade deshalb wirkt die Dichtung als tragische Warnung und als Einladung zur Empathie.

Historischer Kontext

Inhaltsverzeichnis

Friedrich Rückerts Rostem und Suhrab entstand im deutschsprachigen Raum der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, zwischen Biedermeier und Vormärz. Rückert (1788–1866), in Schweinfurt geboren und später in Neuses bei Coburg lebend, wirkte als Orientalist und Dichter. Prägende Institutionen seines Arbeitsumfelds waren die Universitäten Erlangen (Professor für Orientalische Sprachen ab 1826) und Berlin (Berufung 1841), sowie Bibliotheken und Gelehrtengesellschaften, die persische Handschriften und Studien zugänglich machten. Die 1845 gegründete Deutsche Morgenländische Gesellschaft vernetzte Forscher, die orientalische Texte edierten und übersetzten. In diesem akademischen und literarischen Milieu fertigte Rückert seine Nachdichtung der berühmten Episode aus Ferdosis Schāhnāme an.

Die Vorlage ist das Schāhnāme (Buch der Könige), das der persische Dichter Ferdosi um 1000 n. Chr. vollendete. Es bündelt mythische und historische Stoffe Irans und wurde seit dem 18. und 19. Jahrhundert in Europa zunehmend erforscht. Frühneuzeitliche und moderne Sammlungen persischer Manuskripte in Paris, London, Wien und Berlin erleichterten die Arbeit europäischer Gelehrter. Zeitgleich etablierte sich die vergleichende Sprachwissenschaft, etwa durch Franz Bopps Grammatik des Sanskrit und der indogermanischen Sprachen. Solche philologischen Entwicklungen schufen eine Grundlage, auf der deutschsprachige Dichter wie Rückert persische Epen in eine zeitgenössische poetische Form übertragen konnten.

Rückert war ein außergewöhnlich sprachbegabter Vermittler zwischen Orient und Okzident. Den Aufschwung deutsch-orientalistischer Dichtung prägte zuvor Johann Wolfgang von Goethe mit dem West-östlichen Divan (1819), dessen Grundlage Joseph von Hammer-Purgstalls Hafis-Übersetzung (1812–1813) bildete. Rückert veröffentlichte eigene orientalisch inspirierte Dichtungen wie Östliche Rosen (1822) und arbeitete parallel an Übersetzungen und Nachdichtungen aus dem Arabischen, Persischen und Sanskrit. Seine mehrbändige Sammlung Die Weisheit des Brahmanen (1836–1839) und die Übertragung der arabischen Hamâsa (1846) zeigen, wie eng poetische Gestaltung und philologische Kompetenz in seinem Werk verbunden waren. Zeitweilig lehrte er auch als Professor in Erlangen und Berlin.

Die Episode von Rostam (Rostem) und Sohrab (Suhrab) zählt zu den bekanntesten Tragödien des Schāhnāme. Sie thematisiert Heldentum, genealogische Identität und das Wirken des Schicksals in einer politisch zersplitterten Welt. In der persischen Tradition steht Rostam als Inbegriff des nationalen Helden; sein unbekannter Sohn Sohrab verkörpert Jugend und Zukunft. Kern des Stoffes ist ein fataler Kampf zwischen beiden, dessen tragische Wendung – Vater und Sohn erkennen einander zu spät – seit Jahrhunderten als Musterbeispiel epischer Tragik gilt. Rückerts Nachdichtung machte diese Konstellation den deutschsprachigen Lesern in poetisch geschliffener Form zugänglich.

Die Entstehungszeit war in den deutschen Staaten von Restaurationspolitik und Zensur geprägt. Nach den Karlsbader Beschlüssen von 1819 wurden Universitäten und Presse überwacht; öffentliche Debatten über Nation und Freiheit verlagerten sich oft in historische oder außereuropäische Stoffe. Viele Autoren wählten antike oder „orientalische“ Szenarien, um allgemein-menschliche Konflikte darzustellen. Rückert selbst hatte 1814 mit den Geharnischten Sonetten patriotisch Stellung gegen Napoleon bezogen, wandte sich später jedoch überwiegend gelehrter Übersetzungsarbeit zu. In diesem Klima konnte die persische Heldenepisode als moralisch gewichtiger, aber politisch unverfänglicher Stoff in Literaturkreisen besondere Aufmerksamkeit finden. Lesegesellschaften und Zeitschriften förderten solche Rezeption.

Rückerts Rostem und Suhrab erschien in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts als eigenständige deutschsprachige Nachdichtung der Schāhnāme-Episode und wurde in Literaturzeitschriften und Buchausgaben verbreitet. Das Werk trug dazu bei, den persischen Stoff im deutschen Kanon bekannter zu machen und bereitete einem europäischen Echo den Boden: Im englischen Sprachraum verarbeitete Matthew Arnold den Stoff 1853 in Sohrab and Rustum. Rückerts Fassung steht innerhalb einer breiten Bewegung, die orientalische Themen durch sorgfältige Übersetzung, Kommentierung und poetische Form an ein bürgerliches Lesepublikum heranführte. Bibliotheken in Berlin und Wien stellten Handschriften und Vorstudien bereit; die Deutsche Morgenländische Gesellschaft bot Publikationsforen.

Die Arbeit an Rostem und Suhrab steht exemplarisch für die Übersetzungspraxis der Zeit: Zwischen philologischer Treue und literarischer „Nachdichtung“. Übersetzer griffen auf persische Ausgaben, Wortlisten und frühere europäische Übertragungen zurück und zielten zugleich auf eine wirkungsvolle deutsche Verssprache. Rückert verband genaue Sachkenntnis von Namen, Titeln und Bildmotiven mit stilistischer Verdichtung und klärte Anspielungen, wo nötig, in verständliche Kontexte. Zeitgenössische Orientalisten edierten parallel persische Texte und Glossare, sodass poetische Fassungen und wissenschaftliche Apparate einander stützten und das Verständnis iranischer Heldentraditionen nachhaltig vertieften. Solche Verfahren prägten auch deutschsprachige Ausgaben anderer Epenstoffe und schufen vergleichbare Gattungsnormen.

Als Kommentar seiner Epoche zeigt Rückerts Rostem und Suhrab, wie dicht sich die Idee der „Weltliteratur“ (Goethe prägte den Begriff in den 1820er Jahren) mit neuer universitärer Philologie verband: außereuropäische Klassiker wurden in deutscher Sprache verfügbar und mit moralischen Fragen der Gegenwart gelesen. Die Vater-Sohn-Tragödie verhandelt Loyalität, Identität und das Gewicht von Namen und Herkunft – Themen, die in einer Zeit politischer Neuordnung besondere Resonanz hatten. Das Buch steht damit exemplarisch für eine literarische Moderne, die kulturelle Distanzen durch Übersetzung überbrückt und zugleich die Selbstverständigungsdebatten des 19. Jahrhunderts spiegelt. Seine Wirkung reicht in die europäische Rezeption persischer Epik des späteren Jahrhunderts hinein.

Rostem und Suhrab

Hauptinhaltsverzeichnis
Erstes Buch
1. [Laß aus dem Königsbuch der Perser dir berichten]
2. [Als Rostem lag und schlief, und an sein Ross nicht dachte]
3. [Doch Rostem, wie er dort von seinem Schlaf erwachte]
4. [Er sprach: Das ist die Stadt, in der ein König sitzt]
5. [Der König trat zu Fuß hervor aus dem Palast]
6. [Der Löwenmutige ward dieser Rede froh]
7. [Um Mitternacht, wenn sich des Poles Wagen drehn]
8. [So endet' ihren Gruß das Mondglanzangesicht]
9. [Nach kurzer Freudennacht als an der Morgen brach]
Zweites Buch
10. [Neun Monde waren schon Tehminen hingegangen]
11. [Zu seiner Mutter kam der Knabe, sie zu fragen]
12. [Doch Suhrab sprach: Wer birgt die Sonn im Weltenring?]
13. [Zu seiner Mutter sprach Suhrab, der junge Held]
14. [Da stellte sich zuletzt ein alter Recke dar]
15. [Er sprachs, und stieg vom Ross, und gieng ins Haus zurück]
16. [Dem Schah Afrasiab in Turan ward gesagt]
17. [Afrasiab, der Schah, nachdem er den Bericht]
18. [Da schrieb Afrasiab an Suhrab einen Brief]
19. [Da hörte vom Gerücht Suhrab, daß Baruman]
Drittes Buch
20. [Da war ein Schloß, das hieß das Weiße Schloß im Land]
21. [Mit scharfem Ritte kam der kühne Reck herbei]
22. [Zur Antwort gab Hedschir: Verwegner, schweige still!]
23. [Doch von der Zinn hinweg und von der Jungfrau warf]
24. [Er schwieg, und harrte stumm auf Tod nun oder Leben]
25. [Von Siegesfreude war das Türkenlager voll]
26. [Sie kam alswie ein Mann den Berg herab vom Schloß]
27. [Auf einen Bogenschuß ritt er zu ihr hinan]
28. [Doch Gurdafrid besann sich auch, als sie den Mann]
29. [Er riefs, und übern Arm warf sie des Bogens Sennen]
30. [Von ihrem Haupte quoll die Fülle dunkler Locken]
31. [So sprach die Schmeichlerin, als sei sie seine Schwester]
Viertes Buch
32. [Im Schloßwall hinterm Tor, mit Sorgen und mit Trauer]
33. [Da neigte Gurdafrid sich von der Zinne droben]
34. [Sie sprachs, und schwieg, und stieg hinab vom Mauerkranz]
35. [Zum heimgekehrten trat Baruman in der Nacht]
36. [Weil dieß der weißen Burg im Lager ward gedroht]
37. [Er schriebs und siegelte, und gab geschwind den Brief]
38. [Wie sich ein Knabe müht, daß er den Baum ersteige]
39. [Da rief er seiner Schaar: Geschwind, und holet mir]
40. [Doch Suhrab gieng nunmehr im weiten Schloß umher]
41. [Zu dem in Liebeslust gefangnen jungen Mann]
42. [So mahnte Baruman, und als darauf kein Wort]
Fünftes Buch
43. [Doch zu Keikawus kam nach Istachar der Brief]
44. [Da saß der Schah und schrieb an Rostem einen Brief]
45. [Er schrieb und siegelte den Brief mit buntem Wachse]
46. [Ich denk an alte Zeit, vergeßen manches Jahr]
47. [So sprach der alte Held in tiefbewegtem Sinn]
48. [So rief der alte Held aus aufgeregter Seele]
49. [Am andern Morgen trat der Eidam reisefertig]
50. [Des andern Morgens trat der Bote reisefertig]
51. [Die Kunde kam zur Stadt, Rostem sei auf den Wegen]
52. [So schnaubt' er, und vor Leid dem Tus das Herz zerbrach]
53. [Die Fürsten drängten aus dem Saal ihm hinterdrein]
Sechstes Buch
54. [Die Fürsten sahn ihm nach, verstöreter Geberde]
55. [Er sah ihn auf dem Thron in düsterm Unmut sitzen]
56. [So sprach der edle Greis und schwieg, doch Kawus nam]
57. [Zu Rosse stiegen sie, und ritten bei der Nacht]
58. [Doch Rostem sprach: Er mag nach mir nur lange blicken!]
59. [Doch Guders sprach: Ist das, Rostem, dein letztes Wort?]
60. [Zu Hofe führten sie im Zug den Pehlewan]
61. [Zu Rostem wieder sprach der Schah: O Pehlewan!]
62. [So saßen sie im Haus des Königs nun beim Schmaus]
63. [Sie aber saßen noch beim frohen Maal und tranken]
Siebentes Buch
64. [Dem Suhrab sagtens an Wachtposten, daß nun kam]
65. [Darauf sprach Baruman: Ich sehe mehr als einen]
66. [In Irans Lager war inzwischen Zelt an Zelt]
67. [Um seine Schultern nam ein Kleid nach Türkenart]
68. [Da saß beim frohen Fest, in Mitte Fackelscheins]
69. [So sprachen von dem Stern des Festes dort die Sterne]
70. [Von Suhrabs Mutter ward inzwischen so geträumt]
71. [Send aber sendete den Blick umher des Luchses]
72. [Doch Suhrab rief: O weh! gebrochen ist ins Rund]
73. [Doch Rostem kam, als er vom weißen Schloß entrann]
Achtes Buch
74. [Doch als vom Morgen ward der Himmel aufgetan]
75. [Da hob zu fragen an Suhrab: Dort in der Mitte]
76. [Zu fragen fuhr er fort: Dort aber rechter Hand]
77. [Wes ist das grüne Zelt, aus Duft und Glanz gewebt]
78. [Was fragt der Türke nach des Reiches Pehlewan?]
79. [Doch ungeduldig fuhr Suhrab zu fragen fort]
80. [Hedschir sprach: Ei, was forscht so deine Ungeduld]
81. [Doch Suhrab rief voll Zorn: So willst du mich verhöhnen?]
82. [Er stieg, von Zorn bewegt, hinab vom hohen Turm]
83. [Suhrab vom Walle rief hinab ins Lager tief]
84. [Zu Rostem, wo er saß im Zelte, kam der Bot]
Neuntes Buch
85. [Er ritt hinaus, wo ihn der gleichgeartete]
86. [Doch näher kamen an die beiden Helden licht]
87. [Da schwenkte sich im Zorn zur Linken ab Suhrab]
88. [Sie schieden sich, voll Weh der Vater, und das Kind]
89. [Nunmehr begannen sie, wie um sich zu erholen]
90. [Sie ritten nah sich auf den Leib, und legten Hand]
91. [Da stürzt' er sich, wie sich ein Wolf stürzt auf die Herde]
92. [Sie giengen; finster ward das Angesicht der Luft]
93. [Indess im Lager lag schon Rostem beim Gelag]
94. [So sprach er, und sein Wort macht' alle Gäste staunen]
Zehntes Buch
95. [Wie nun des Tages Pfau sein farbiges Gefieder]
96. [Zu ihm sprach Baruman, nachdem er still bedacht]
97. [Als beide Kämpfer nun erschienen auf dem Plan]
98. [So sprach das Kind; ihm hatt aus Waßer, Luft und Flur]
99. [Da rief Suhrab erzürnt: Wolan denn, alter Mann]
100. [Sie gürteten sich fest die Mitte, stülpten dicht]
101. [Rostem, aufblickend, sah das nahe Ungemach]
102. [Doch Rostem, als er war entbunden seiner Qual]
Elftes Buch
103. [Zu Suhrab aber, der froh seiner Jagd nachgieng]
104. [Auf einem Felsenthron saß dort der Geist und sah]
105. [So unterhandelten sie dort um Rostems Kraft]
106. [Suhrab sprach todeswund: O ungetreuer Mann!]
107. [Dumpf einen Augenblick in seines Jammers Füllen]
108. [Dort das Zuschauerheer, nichts schauend in der Hülle]
109. [O Vater! eh mir fort das Leben rinnt, und dort]
110. [Er sprachs, und Rostem schwieg; er öffnete den Mund]
Zwölftes Buch
111. [Hilfeile flügelte des greisen Boten Fuß]
112. [Tehemten gieng zurück zu seinem toten Sohn]
113. [So klagt' er in der Nacht, und um ihn klagend saßen]
114. [So klagt' er in der Nacht, da stieg der Tag empor]
115. [Er sprachs, und rührete der Totendecke Rand]
116. [Ins Lager zog das Heer, und ab ward Zelt um Zelt]
117. [So sprach er, und Sewar gieng an die Sendung schnell]
118. [Und als vom Schlaf der Nacht war neu das Heer erwacht]

Erstes Buch

Inhaltsverzeichnis

1

Inhaltsverzeichnis