Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Die Menschheit auf Terra ahnt nichts. Doch im All finden dramatische Auseinandersetzungen statt. Kaum hat Immanuel seine rettende Blutader von Terra ins Lichtreich gebaut, muss er seine Heere zum ersten Mal in einen kosmischen Krieg führen. Sind seine Engel der Bosheit Satans gewachsen? Auf Terra kämpfen die Schutzengel Mamona und Lemuel mit aller Kraft um die Seelen von Carla und Colin, für die im Lichtreich bereits Wohnungen vorbereitet werden. Aber werden sie jemals in diese Wohnungen einziehen?
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 652
Veröffentlichungsjahr: 2024
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Eva Paul
Liebe Leserinnen und Leser,
dieses Buch enthält Elemente, die triggern können.
Deshalb findet ihr auf Seite 491 eine Triggerwarnung.
Wir wünschen uns für euch alle das bestmöglichste Leseerlebnis.
Eure Eva Paul und euer martonius-Verlag
Herausgegeben von:
Eva Paul
1. Auflage 2024
www.evapaul.de
Lektorat:
Martin Pröbstle, Kurt Piesslinger, Martin Korpowski
Illustrationen:
Maximilian Jantscher, www.akm777.at
ISBN-13:
978-3-949073-28-1
e-ISBN-13:
978-3-949073-35-9
Satz, Cover , Verlag:
Martin Korpowski, www.martonius.org
Quellennachweis:
Alle Bibelstellen sind aus Schlachter 2000.
Fotonachweis:
S. 448/449: Sinister vampire castle at night von Kondor83 über adobe-Lizenz martonius
© evapaul
Alle Rechte vorbehalten.
Kein Teil dieser Veröffentlichung darf ohne schriftliche Genehmigung des Herausgebers bzw. nur in Übereinstimmung mit den Bestimmungen des Copyright in irgendeiner Form oder auf irgendeine Weise, sei es elektronisch oder mechanisch, durch Fotokopie, Aufzeichnung oder anderweitig, egal für welchen Zweck, reproduziert, auf einem Datensystem gespeichert oder übertragen werden.
Für meinen Schutzengel in tiefer Dankbarkeit.
Ich freue mich darauf, dich kennenzulernen.
Ein blutroter Faden zieht sich durch die Geschichte des Planeten Terra .
Von einer Schlange im Paradiesgarten gesponnen, windet er sich durch die Zeitalter, unendlich lang und unendlich verschlungen. Um jedes menschliche Herz will er sich wickeln und alle in seinen verführerischen Bann ziehen. Und obwohl er blutrot leuchtet, ist er dennoch kalt, denn er entspringt nicht den Kräften des Lebens, sondern denen des Todes. Giftige Galle und bitterer Hass sind in ihm eingewoben und das Netz, das er webt, ist tödlich. Ist ein menschliches Herz damit einmal umwickelt, bringt sein Gift den Menschen dazu, gegen das Leben und die Liebe, gegen Licht und Ewigkeit zu rebellieren. Niemand kann seiner Wirkung aus eigener Kraft entkommen, noch sich aus seinen Fängen befreien.
Des tödlichen Fadens allererste Faser wurde während einer finsteren Rebellion im Reich des Lichts gesponnen. Lichtträger Luzifer, der ranghöchste Engel, begann in seinem eigenen Herzen den Faden zu entwickeln, indem er dunkle Fantasien von Selbstsucht, Stolz und Größenwahn hegte. Schon bald entfalteten sich unerklärliche Kräfte des Bösen und umwickelten sein Herz fester und fester, bis es stählern und kalt geworden und der letzte Tropfen Liebe herausgepresst war.
Doch damit nicht zufrieden, pflanzte er den tödlichen Faden auch in die Herzen anderer Engel und wurde zu einem Erzrebell, der nach dem Thron des Universums griff und den kosmischen Herrscherrat Elohim zu stürzen trachtete.
So sahen sich König Eloah, Prinz Immanuel und das Geistwesen Lux gezwungen, eine äußerst schwierige und folgenschwere Entscheidung zu treffen. Vernichtung und Rache entsprach ihrem Wesen und Charakter nicht, und so ließen sie Luzifer mit seinen Rebellen am Leben, vertrieben sie jedoch aus dem Reich, so wie Licht die Finsternis vertreibt.
Unbehelligt ließ Elohim ein Drittel der Engel ziehen, denn sie standen gänzlich unter Luzifers Bann, der nun zu Satan geworden war. Doch es brach dem Herrscherrat das Herz und eine große Trauer legte sich auf das gesamte Reich des Lichts. Auch die verbliebenen treuen Engel weinten lange um die Verlorenen.
Als jedoch das Böse weitere Kreise zog und auch der neuerschaffene Planet Terra auf heimtückische Weise in die Rebellion gegen das Leben hineingezogen und zur Besatzungszone Satans erklärt wurde, kannte Eloahs Schmerz keine Grenzen. Denn unter der Führung des neuen, grausamen Herrschers wurde Terra vom Leben und vom Licht Elohims getrennt, und steuerte unaufhaltsam einem traurigen Schicksal entgegen. Schon bereits mit dem ersten Lebensschrei begann sich Satans tödlicher, blutroter Faden der Rebellion fest und immer fester um das Herz eines jeden neugeborenen Wesens auf Terra zu wickeln und die Verbindung zum Lichtreich zu unterbrechen.
Doch der Herrscherrat ersann einen Plan, um die Menschheit zu befreien und ihren getrennten Kontakt zu ihm wieder herzustellen. Niemals hätten Eloah, Immanuel und Lux die Menschen aufgeben können, denn sie waren mit ihrem Leben erfüllt, sie atmeten Zug um Zug ihren Lebensodem. Selbst als die sich von ihnen abwandten und sich vom Feind umgarnen ließen, blieb die Liebe Elohims zu ihnen unerschütterlich und fest. Sie mussten alles versuchen, um sie zu retten!
In tiefer Sorge tat König Eloah etwas Ungeheuerliches, um die tödlichen Umwicklungen des blutroten Fadens von den menschlichen Herzen zu lösen. Er sandte seinen Sohn, Prinz Immanuel, nach Terra , um den Verlorenen zu zeigen, wie weit das Lichtreich bereit war, für sie zu gehen und wie unermesslich groß seine Liebe zu ihnen war.
Bereitwillig stieg Immanuel hinab in die tiefsten Tiefen des Feindeslandes und ging nach Terra , um inmitten von Anfeindung und Bosheit höchstselbst zu erdulden, was Satan für die Menschen bereithielt - den Tod eines gebrochenen Herzens, die vollkommene Trennung von Eloahs Leben. Immanuel bot stattdessen sein eigenes Herz als Zielscheibe des tödlichen Fadens an, und als der Feind sein Herz so fest umwickelte, wie noch nie eines Menschen Herzen zuvor, brach er Immanuels Herz vollständig.
Doch Eloah verwandelte das Blut aus Immanuels Herzen in ein starkes Seil, aus welchem sie eine Rettungsbrücke bauten, um die Kluft zwischen Himmel und Erde zu schließen. Damit wurde eine neue Ära für Terra
Ein markerschütternder Schrei zerriss die Stille. Schneidend und eiskalt gellte er durch das All, schallte in die tiefsten Winkel des Lichtreichs hinein und verklang nur langsam in den purpurnen Gewölben, die sich wie Glaskuppeln über der Sternenpforte türmten.
„Was war das?“
Zutiefst erschrocken blickte Erzengel Castiella von ihrem Terminal auf. „Das klang ja schaurig!“
Engelfürst Rafael, der auf einem Sessel ihr gegenübersaß, sah auch von seinem Terminal auf und zuckte die Achseln. Sie saßen in ihrem Büroraum im Wolkenschloss und versuchten, sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren. Aber heute schien das schwierig zu werden, denn der Lärm vor der Sternenpforte wurde immer unerträglicher.
„Wird wohl einer seiner üblichen Ausbrüche gewesen sein. Zum Glück müssen wir ihn nur hören und nicht sehen!“ Rafael lächelte schwach.
Castiellas Augen schweiften unruhig umher, aber ihr Gesicht verriet Erleichterung: „Ja, genau. Am liebsten würde ich ihn auch nie wieder sehen!“
Sie versuchte sich wieder in ihre Skizzen zu vertiefen, die auf ihrem Terminaldisplay leuchteten. Doch schon im nächsten Moment zerriss ein neuer Schrei die Stille, noch grässlicher als zuvor.
„Oha, er scheint ja mächtig zornig zu sein!“, rief Castiella zusammenzuckend und ihre blauen Augen schimmerten dunkel vor Schreck. Wie um sich selbst zu beruhigen und um die aufgebrachte Stimme nicht mehr hören zu müssen, redete sie schnell weiter: „Wieso bist du heute eigentlich im Büro? Musst du nicht auch da sein, bei dieser Sitzung an der Sternenpforte? Du bist doch auch ein Engelfürst.“
Rafael schüttelte entschieden den Kopf: „Heute wollte ich nicht. Das muss ich mir nicht jedes Mal antun. Eloah hat einen Ersatz für mich organisiert.“
„Verstehe.“ Castiella seufzte laut auf, während sie fortfuhr: „Puh, bin ich froh, dass er wenigstens das Reich nicht mehr betreten kann! Soll er ruhig draußen bleiben und vor der Sternenpforte herumtoben!“
„Naja, toben darf er hier eigentlich gar nicht, und ich bin sicher, ab heute wird sich da auch was ändern. Eloah hat ihn nämlich zum letzten Mal hierher bestellt, und ich schätze, er hat es ihm soeben gesagt. Vermutlich ist er deshalb so heftig ausgerastet!“
Unterdessen stieg die Spannung an der Sternenpforte, am Eingang des Lichtreichs. Eloah war sich bewusst, dass jedes weitere Wort den Zorn des Engels, der vor ihm stand, nur noch mehr entfachen würde. Also beschloss er, vorerst zu schweigen und musterte seinen Widersacher nur eingehend.
Hocherhobenen Hauptes stand er vor ihm und drückte durch seine ganze Haltung unverhohlenen Hass und Angriffslust aus. Obwohl seine Gestalt und seine ganze Erscheinung sich eine gewisse Anmut und Eleganz bewahrt hatten, verrieten doch seine verbissenen Gesichtszüge und die krampfhaft geballten Fäuste, dass er seinen erbitterten Zorn kaum unter Kontrolle halten konnte.
„Du willst mich also auf Terra einsperren, was, Eloah? Und du denkst, ich gehorche dir immer noch, ha!“ Hohn sprach aus seinen Blicken, und mit zusammengekniffenen Augen suchte er Eloah in der Wolke zu erkennen. Doch der König blieb verborgen und reagierte mit keinem Wort. Stattdessen blickte er nachdenklich hinauf auf die blinkende Sternenpforte, die den Eingang in sein Reich schmückte. Das Licht der zwölf Sterne, die bogenförmig aufgespannt waren, strahlte weithinein ins All, vermochten aber traurigerweise nicht, das tiefe Dunkel eines versteinerten Herzens zu erhellen.
Der Herrscher seufzte und senkte den Blick auf seine treuen Engelfürsten, die links und rechts neben ihm in einem Halbkreis saßen. Auf beiden Seiten waren je fünfundzwanzig weiße, durchsichtig schimmernde Stühle aufgestellt, auf welchen sie strahlendhell, in vollem Lichterglanz, jedoch mit ernsten und betroffenen Gesichtern saßen.
„Ich werde euch und dem ganzen Universum zeigen, was wirklich in den Menschen steckt! Niemand von denen hat Rettung verdient!“, schrie der erboste Engel weiter, und richtete sich etwas höher auf.
Eloahs Blick glitt wieder zu ihm, und auf einmal spürte der Herrscher, wie die Trauer ihn übermannte und sein ganzes Herz erfüllte. Bekümmert betrachtete er die wohlgeformten Konturen des nun fremden und hart gewordenen Gesichtes, mit dem markanten Kinn und den hohen Wangenknochen. Zwar konnte man noch etwas von seiner früheren Stattlichkeit und Würde erahnen, doch nun hatte sich ein grausamer Zug um den einst schönen Mund gebildet. Die hohe Stirn war zerfurcht und die tief liegenden grünen Augen, die früher vor Lebensfreude gesprüht hatten, lagen finster und verschattet in dunklen Höhlen. Kalt und grausam, konnte ihr Blick jeden erstarren lassen, der es wagte, in sie hineinzuschauen.
Fast mitleidig beobachtete Eloah, wie er sich, um Fassung ringend, energisch die Haare zurückstrich und erneut seine Stimme erschallen ließ, die fern hinausgetragen wurde in die unendlichen Weiten des Alls.
„Anhand meiner Protokolle kann ich die Schuld der Menschen nachweisen! Jeden einzelnen werde ich anklagen, da kannst du sicher sein, Eloah! Und du wirst es bitter bereuen, dass du diesen Planeten nicht einfach in meine Hände übergeben hast!“ Ein grausiges Lachen folgte seinen Worten nach und ließ jeden erahnen, welch tödlicher Zorn und welch bittere Feindseligkeit sich hier Luft machten.
Als Antwort leuchteten nur unzählige glühende Lichtpunkte von Eloahs Thronhologramm auf. Eine orange-rote Glutwolke verbarg den Herrscher vollständig, sodass weder der Engel noch seine beiden Begleiter ihn sehen konnten. Sie befanden sich bereits weit außerhalb der Lebensordnung von Agapé, der bedingungslosen Liebe, und sie hätten den Anblick des Herrschers, der selbst die Liebe war, nicht mehr ertragen.
Eloah schwieg weiterhin, obwohl ihm klar war, dass sein Schweigen den Zorn des Engels nur noch steigern und ihn vollends aus der Fassung bringen würde. Aber was sollte er dazu noch sagen? Es gab nichts, was er in der Vergangenheit nicht versucht hätte, um sein irregeleitetes Geschöpf von der Rebellion abzubringen! Aber da er nur mit seinen eigenen Waffen und nicht mit denen des Rebellen kämpfen konnte, waren ihm Drohungen und Bosheit jeder Art, Zerstörung, Hass und Rache vollkommen fremd. Nichts und niemand konnte Eloah dazu bringen, sich derselben Mittel zu bedienen wie der Feind, denn Eloah war nur Licht und keine finstere Regung wohnte in ihm.
Auch die fünfzig Engelfürsten hüllten sich in Schweigen und musterten mit unbeweglichen Gesichtern die wütende Gestalt. Im Kontrast zum Lichterspiel der brennenden Eingangssäulen wirkte der schwarzschimmernde Engel seltsam deplatziert. In äußerster Erregung hatte er seine vier mächtigen Flügel aufgespreizt, sodass er größer und imposanter wirkte. Statt des Lichtschimmers, der ihn früher von Kopf bis Fuß umhüllt hatte, lag ein samtener, schwarzer Umhang auf seinen Schultern und verschluckte, da er fast bis auf den Boden reichte, alles Licht, das auf ihn fiel. Der einstige Lichtträger war eine bedrohlich finstere Gestalt geworden.
Seine beiden Begleiter, düstere, geisterhafte Schatten, standen hinter ihm und blickten nervös um sich. Fast schien es, als wollten sie sich hinter ihm verstecken. Die Pracht der Sternenpforte, der helle Glanz der Engelfürsten und das in allen Farben schimmernde Hologramm mit der glutroten Wolke schienen ihnen unerträglich und verwirrend zu sein.
Auch der Engel sah sichtlich irritiert aus, als keine Antwort auf seine Worte erfolgte. Blinzelnd blickte er um sich, holte dann erneut Luft und rief mit harter, abgehackter Stimme:
„Menschen sind der übelste Abschaum! Es wäre nicht gerecht, sie frei zu sprechen! ICH habe ein Recht auf sie und nicht du! Meine Protokolle, Eloah, die beweisen es!! Hörst du?!?“
Der Engel spuckte die Worte heraus und deutete wütend auf sein Kommunikationsterminal, auf dem viele, eng beschriebene Zeilen aufleuchteten. Zitternd vor Erregung wartete er auf eine Reaktion und versuchte im undurchdringlichen Schein der Glutwolke irgendetwas zu erkennen. Doch sie ließ nicht den kleinsten Blick in ihr Inneres zu und diese Erkenntnis ließ ihn in erneutem Jähzorn erblassen. Er wusste, er hatte keine Chance mehr, die Herrlichkeit Eloahs zu sehen. Sein Hass schmerzte Eloah, denn alles, was sich außerhalb von Gerechtigkeit, Fairness und Güte bewegte, verletzte seine Liebe und tat unfassbar weh. Als ob er bittere Galle spuckte, schleuderte nun der aufgebrachte Engel Satz für Satz, wie Kanonengeschosse, dem verborgenen König entgegen: „Versteck du dich nur in deiner Wolke! Aber wir sind noch lange nicht fertig miteinander! Nein, mich lernst du jetzt erst kennen! Und du wirst dich noch wundern!“
Abrupt riss er eine Faust in die Höhe, zu den gläsernen, violett schimmernden Himmelsgewölben empor, und steigerte plötzlich seine Stimme in einem infernalischen Crescendo:
„Du willst mir verbieten, je wieder hier aufzutauchen! Und du denkst, ich lasse mich aus dem All verbannen?“
Er machte eine kurze Pause und brüllte dann aus Leibeskräften, sodass jedes Ohr an der Sternenpforte und im Lichtreich, diese Worte nie wieder vergessen würde:
„Hier hast du meine Antwort, Eloah! NIEMALS!!! Ich erkläre dir den kosmischen KRIEG!“
Castiella erbleichte und ihr Atem stockte. „Oh nein! Jetzt ist er völlig verrückt geworden!“, rief sie bestürzt aus und lauschte atemlos dieser immer unheilvolleren Auseinandersetzung, die sich an der Pforte abspielte. Auch Rafael war hochgeschreckt.
„Nee, das glaube ich jetzt nicht… so dumm kann er doch nicht sein!“
Totenstille breitete sich am Eingang des Lichtreichs aus, und fassungslos musterten ihn die Engelfürsten. Was war nur aus dem einst höchsten Engel des Lichtreichs geworden, aus dem prächtigsten Cherub, den Immanuel je erschaffen hatte? Nur noch die traurige Hülle einer verzweifelten und rastlosen Seele, die dabei war, den letzten Rest ihrer Würde zu verlieren. Vor Erschütterung brachten sie keinen Laut hervor, aber in allen kamen schlagartig die jüngsten Geschehnisse wieder hoch, und wie es dazu kommen konnte, dass er sich zu dem ungeheuren Wahnsinn einer Kriegserklärung hinreißen ließ.
Auch Rafael und Castiella gingen in diesem Augenblick ähnliche Gedanken durch den Kopf und beide mussten sich eingestehen, dass sie sich überhaupt nicht mehr auf ihre Arbeit konzentrieren konnten, so wie vermutlich alle anderen Engel des Lichtreichs auch. Zu heftig klang dieser Streit, und obwohl sie hier weit entfernt vom Ort des Geschehens, in ihrem Büro im viertausendsten Stockwerk des Smaragd-Glasturms auf einer weit entfernten Wolke waren, fühlten sie die Wucht seiner Aggression so deutlich, als ob sie ihm gegenüberstünden.
Castiella wischte ihr Kommunikationsterminal mit einer nachdenklichen Handbewegung weg und setzte sich resigniert zurück, während sie ihren Rücken an einen riesigen Gummibaum lehnte, der hinter ihr aus dem Boden wuchs. Auch Rafael ließ seufzend sein Terminal verschwinden und sah sie stumm an. Dann wiegte er bedächtig den Kopf hin und her, so als ob er zu überlegen schien. Seine schulterlangen braunen Haare fielen ihm locker über die Schultern und seine Lippen lächelten nicht, was äußerst selten war.
„Mit allen Mitteln hat er in der Vergangenheit versucht, Immanuel zu schaden“, sagte er schließlich langsam. „Doch es war anders gekommen, als er gedacht hatte.“
Castiella sah ihn nachdenklich an. Sie liebte Rafaels Art, die Dinge zu benennen. Schweigend ließ sie ihn weitersprechen.
„Was auf Golgatha nach der gewaltigsten Niederlage Immanuels aussah, stellte sich als der grandioseste Triumph heraus, den das Universum je erlebt hatte, als den vollkommenen Sieg der Liebe!“
„Ja“, nickte sie und sagte leise: „Immanuel hat bewiesen, dass er mit ganz anderen Mitteln kämpft als der Feind.“
„Genau! Und das genialste war dieser Twist . Die Nägel, die er in Immanuels Hände hatte schlagen lassen, wurden die erste Verankerung für die rettende Lebensbrücke - und der erste Sargnagel für ihn selbst!“ Jetzt endlich lächelte Rafael leicht und fügte hinzu:
„Ist das nicht verrückt?“ Seine grau-weiß gesprenkelten Augen blickten sie versonnen an. So viel war in diesem Blick zu lesen.
Castiella antwortete lange nicht. Sie fühlte eine Wehmut in sich aufsteigen, die sie nur schwer einordnen konnte. Wenn die Geschichte nicht so tragisch und schmerzhaft wäre, könnte sie schon fast komisch sein. Es war einfach nur surreal und paradox , wie der Feind agierte und wie er sich aufführte.
„Weißt du noch, als er das realisierte und nach der Auferweckung Immanuels vor Wut geschäumt hat? Als er merkte, er hat für immer verloren?“, erinnerte sich Castiella.
„Ja“, antwortete Rafael leise. „Und seither lässt er nicht nach mit seinen Anklagen! Übrigens wusstest du, dass er sich eine ganze Zeit lang gesträubt hatte, heute überhaupt zu kommen?“
Castiella schüttelte den Kopf. Erstaunt war sie darüber nicht. Seit er aus dem Lichtreich geworfen worden war, widersetzte er sich grundsätzlich jeder Aufforderung Eloahs.
„Wahrscheinlich empfand er es als zu große Schmach.“
„Genau!“, nickte Rafael, „Aber Eloah ließ natürlich nicht locker und beorderte ihn vor die Sternenpforte.“
„Klar, als Verlierer muss er die weiteren Regeln erfahren. Aber es scheint, seine Rage kennt keine Grenzen…“ Castiella zog die Augenbrauen hoch und seufzte: „Das geht für ihn natürlich eindeutig zu weit! Er, der mächtigste Engel, soll komplett aus dem All verbannt werden? Keinen Zugang mehr zu der Sternenpforte haben, Terra nie mehr verlassen können?“
„Naja, wenn man bedenkt, dass er diese Bewegungsfreiheit nach seiner Rebellion noch jahrtausendelang hatte und sogar bis zum Eingang des Lichtreichs vordringen konnte, dann war das mehr als großzügig von Eloah. Es ist nur verständlich, dass sie seinen Radius spätestens jetzt begrenzen, wo er seine wahren Absichten, nämlich die Ermordung Immanuels, so klar gezeigt hat.“
„Tja, selbst schuld. Aber meinst du wirklich, er darf auch nicht mehr auf die große Nachbargalaxie von Terra ?“
Rafael schüttelte den Kopf: „Nein, darf er nicht. Auch nicht auf die Andromeda. Da sind sehr viele bewohnte Planeten, und die würden nur Gefahren ausgesetzt, wenn er da rumgeistern dürfte. Es gibt ja kein gefährlicheres Wesen im Universum, und seine Falschheit und Bosheit sind unberechenbarer als alles, was wir uns vorstellen können.“
Castiella starrte entsetzt vor sich hin. „Aber wenn er das Verbot nicht akzeptiert? Wenn er seine Drohung ernst gemeint hat und wenn wir tatsächlich Krieg bekommen?“
„Ich fürchte, er meint alles ernst, was er sagt“, stieß Rafael sorgenvoll hervor.
Was das bedeutete, konnten sie sich nicht ausmalen. Unheilvoll stiegen dunkle Ahnungen in ihnen auf, und obwohl sie als Engel nie etwas zu befürchten gehabt hatten, dämmerte ihnen, dass mit der Kriegserklärung des Feindes nie gekannte Schrecken und Bedrohungen auf sie zukamen. Und vielleicht würden diese sogar ihre Möglichkeiten und Kompetenzen als Engel übersteigen.
Während er wie von Sinnen eine Drohung nach der anderen vor dem Thronhologramm Eloahs und den versammelten Engelfürsten hervorstieß, standen seine beiden Berater Pantasaron und Aiaxos dicht hinter ihm. Verbissene Verzweiflung spiegelten sich in ihren aschfahlen Gesichtern, während ihre umherirrenden Blicke zu fragen schienen, ob es noch schlimmer kommen konnte. Offensichtlich waren auch sie vom Schweigen Eloahs und der Engelfürsten irritiert und versuchten einzuordnen, ob die Kriegserklärung ihres Meisters eine gute Idee gewesen war.
„So, Eloah, du schweigst und denkst, ich lasse mich ohne Widerstand vertreiben?“ Seine Stimme zitterte. „So, wie früher?“
Wieder ließ Eloah seine Worte im Leeren verhallen und entgegnete nichts. Was gab es dazu noch zu sagen? Er las die Gedanken des Rebellen und er wusste, wie hart ihn die ab sofort geltende Verbannung aus dem All traf. Eloah musterte ihn voller Schmerz, wie er fassungslos vor dem Hologramm stand und auf die rotgoldenen Ränder der Wolke starrte, so als hoffte er, einen kurzen Blick auf einen Zipfel von Eloahs Gewand zu erhaschen. Für den Hauch einer Sekunde spiegelte sich grenzenlose Verlorenheit auf seinem Gesicht. Diese kurze, kaum wahrnehmbare Regung traf den Herrscher tief ins Herz, denn sie drückte das Bedauern und die Trauer aus, die der Rebell trotz allem empfand. Alles hatte er eingesetzt und alles verloren.
Eloah senkte den Blick und schloss für einen Moment die Augen. Es tat so weh und dieser Krieg war nicht das, was er gewollt hatte. Wenn es irgendeinen Weg gegeben hätte, um das alles zu verhindern und den Rebellen zur Vernunft zu bringen – er wäre ihn gegangen.
Aber nun konnten sie nichts mehr für ihn tun. Niemand im ganzen Universum konnte das. Eloah war sich sehr bewusst, dass nicht einmal er selbst in der Lage war, das Gefängnis zu durchbrechen, das der verlorene Engel um sich selbst gebaut hatte.
„Du denkst, du kannst mich einfach abservieren? So wie früher, als ich immer der Zweite war? Nie hatte ich eine Chance, zu zeigen, was in mir steckt! Ich hätte ein besserer Prinz sein können als Immanuel! Aber ich durfte es nie beweisen.“ Seine Stimme wurde gefährlich leise und bebte vor Erregung. „Bis jetzt, Eloah! Aber jetzt habe ich mir einen eigenen Staat erschaffen und nun wird das gesamte Universum meine Macht sehen, und wie ich es wage, meine Heere gegen dich zu führen! Ich werde euch zerstampfen und zermalmen! Ich VERNICHTE alles Leben, das aus dir kommt! Und am Ende – vernichte ich DICH!“ Der letzte Satz war nur noch ein boshaftes Flüstern.
Eloah wandte den Blick ab. So sehr sie auch schmerzten, aber diese Worte durfte er nicht aufhalten. Die Engel konnten nur so erkennen, was das eigentliche Ziel des Rebellen war und wen sie im Krieg vor sich hatten. Wie schleichendes Gift krochen seine Drohungen in ihre Gedanken und wollten sie infizieren mit derselben tödlichen Atmosphäre, der sie entstammten. Sie ließen die Saiten ihrer Seelen erzittern und griffen mit kalten Fingern nach dem Licht und der Liebe in ihren Herzen. Und sie verfehlten ihre Wirkung nicht, denn ein bodenloses Grauen befiel die Bewohner des Lichtreichs. Er meinte es also ernst. Todernst.
Die fünfzig Fürsten, die neben Eloah saßen, blickten ihn starr vor Bestürzung an und wagten kaum zu atmen. Konnte das Lichtreich durch Satans Heere in Gefahr geraten? Waren die Engel in der Lage, Krieg zu führen? Was bedeutete das überhaupt - ein kosmischer Krieg?
Ratlos und voll beunruhigender Gedanken blickten sie zum Hologramm und warteten auf eine Reaktion von Eloah. Da – endlich erhob sich nach langem Schweigen eine Stimme aus der Glutwolke, mächtig und allgewaltig:
„So sei es, Satan! So sei es! Es ist deine Entscheidung!“ Alle hielten den Atem an und Erstaunen spiegelte sich auf den Gesichtern der Engelfürsten. Was sagte der Herrscher da? Auch Satans Augen weiteten sich, doch bevor er etwas erwidern konnte, fuhr Eloah langsam, jedes Wort wägend, fort: „Jedoch - hast du dir das auch gut überlegt, diese Kriegserklärung?“
Augenscheinlich irritiert stockte Satan einen Moment und schluckte hart. Eloahs Reaktion hatte ihn überrascht. Doch dann fasste er sich wieder und rief höhnisch:
„In deinem Liebeswahn bist du doch gar nicht in der Lage zu kämpfen, hahaha!“ Ein schauriges Lachen entfuhr ihm, sodass sogar seine eigenen Berater angewidert zu Boden blickten. „Dieses wird MEIN KRIEG!!! Weil du, Eloah, Krieg nämlich gar nicht kannst! Du willst allmächtig sein… und wirst bald sehen, dass du doch nicht alles kannst, hahaha!!!“
„In einem Punkt hast du Recht“, erwiderte Eloah ruhig, „einen Krieg würde ich niemals beginnen, aber - ich respektiere die Freiheit und die Entscheidungen meiner Geschöpfe.“ Er machte eine Pause und alle Engelfürsten sahen ihn fragend an.
„Krieg willst du also haben?“, hörten sie seine Stimme schließlich donnernd aus der Wolke schallen. Ging er tatsächlich darauf ein?
„Dann sollst du Krieg bekommen!“
Vor Überraschung fiel Satans Kiefer nach unten und er brachte kein Wort mehr heraus. Der König ging auf eine Kriegserklärung ein? Das konnte nur eines bedeuten: Offensichtlich gab es keinen Verhandlungsspielraum mehr.
Gespannt beobachteten Eloah und die Engelfürsten, wie tausende von Gedanken durch Satans Kopf schossen. Voller Verachtung für den liebevollen Charakter des Herrschers hatte er gehofft, Eloah zu Verhandlungen zu bewegen oder ihn zu erpressen, sodass er am Ende nachgeben würde. Welche größere Bedrohung konnte es schließlich für einen so friedliebenden König wie Eloah geben als ein kosmischer Krieg? Würde er nicht alles tun, um das zu verhindern?
Aber selbst die Engelfürsten waren erstaunt, wie seelenruhig Eloah den Spieß umgedreht hatte und dem Feind genau das gab, was dieser sich gewünscht hatte.
Ohne Widerspruch duldend fuhr Eloah fort, während seine Stimme gewaltig dröhnte: „Im Sonnensystem von Terra , auf den Höhen des Mars, da lassen wir unsere Heere aufeinandertreffen! In der dritten Mitternachtswache, nach terrestrischer Zeitrechnung.“
Satans Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen, während seine Blicke bestürzt und unruhig von einem Fürsten zum anderen irrten, und dann wieder zur Wolke Eloahs aufsahen. Er zögerte. War das vom Herrscher ernst gemeint? Ging er tatsächlich auf die Ankündigung von Krieg ein? Satan schluckte und versuchte sich zu konzentrieren. Irgendetwas stimmte hier nicht. Es passte ganz und gar nicht zu Eloahs Charakter, einem Krieg bereitwillig zuzustimmen. Selbst damals, als Satan die Rebellion im Lichtreich angezettelt hatte und sogar ein Drittel der Engel verführt hatte, war es Eloah nicht in den Sinn gekommen, ihn mit Gewalt zu stoppen, ihn dafür zu bestrafen oder Krieg gegen die Rebellen zu führen. Eloah hatte es geschehen lassen und die Konsequenzen dafür auf sich genommen. Auf sich selbst! Auch als Satan Eloahs Sohn Immanuel alles zufügen ließ, was ihm nur einfiel, und ihn schließlich töten ließ, auch da hatte Eloah in keiner Sekunde gewalttätig reagiert oder Rache an ihm geübt.
Zutiefst irritiert versuchte er, seine rasenden Gedanken zu sortieren. Was war hier los? War das eine Falle? Oder hatte er sich soeben selbst eine gestellt?
Da endlich fiel ihm wieder ein, was er sich schon die ganze Zeit, seit Beginn dieser Sitzung, gefragt hatte. Wo war eigentlich Immanuel? Warum nahm der nicht teil? Seit seiner schockierenden Auferweckung hatte er ihn überhaupt nicht mehr zu Gesicht bekommen - ja Immanuel war völlig von der Bildfläche verschwunden!
Da kam ihm ein Verdacht, und während er listig um sich blickte und die Engelfürsten abschätzig musterte, rief er: „Und - wer wird deine Heere anführen? Etwa einer deiner…“ Er machte eine verächtliche Handbewegung in Richtung der Engelfürsten.
„Der Herrscher des Universums.“ Schneidend erklangen Eloahs Worte an seinem Ohr.
„Was?“ Hatte er sich verhört? Er schluckte hart und spürte, wie vor Verblüffung seine Gesichtszüge entglitten. „Du selbst - willst in den Krieg gegen mich ziehen??“
„Nein.“
Er erstarrte. Doch Eloah ließ ihm wieder keine Zeit für eine Erwiderung:
„Immanuel ist der Herrscher des Universums geworden.“
Satan spürte jäh, wie sich seine Eingeweide zusammenzogen und ihm ein heftiger Schmerz wie ein brennendes Messer in die Magengrube jagte. Selbst seine Stimme hatte er nicht mehr unter Kontrolle und mühsam krächzte er: „WAS? WAS hast du gesagt??“
Eloah beobachtete ihn scharf, als Satans plötzlicher Aufschrei die Atmosphäre zerriss: „Aaahhh!!“
Zusammenzuckend sahen die Engelfürsten, wie seine Augen zornglühend aus dunklen Höhlen hervorquollen, während seine Fingernägel sich in die Handflächen krallten. Am ganzen Körper bebend, begann er wüste Verwünschungen auszustoßen, während er blindwütig auf das Thronhologramm zustürzte.
„Verflucht soll er sein! Immanuel - höchster Herrscher des Universums?“ Er atmete schwer und presste die Worte mit Mühe hervor: „Er hat unvorstellbare Allmacht???“
Mit großen Schritten torkelte er näher, während seine Rage sich ins Unermessliche steigerte: „Oh, diese zwei verfluchten Holzbalken… Immanuel hat MEIN erobertes Gebiet auf Terra ANGEGRIFFEN!! Jetzt wird er dafür belohnt und wird Herrscher des ganzen Universums?? Ist das eure Gerechtigkeit?? Verdammt soll…“
Schnell machte Eloah seinen Engelfürsten ein Zeichen, indem er die Farbe seiner Glut veränderte. In höchster Alarmbereitschaft verfolgten sie jede seiner Bewegungen. Dann richtete Eloah sich auf, erhob sich von seinem Thron und ließ seine gewaltige Stimme ertönen:
„Es reicht, Satan!“
Keinen Widerspruch duldend, beendete er den zornigen Wortschwall, indem er sein Feuer lodernd aus der Wolke herausschlagen ließ. Züngelnde Flammen drohten Satan zu versengen und zusammenfahrend stoppte dieser abrupt und hob beide Arme vor sein Gesicht. Dunkler Rauch schlug ihm unheilvoll entgegen und schwer röchelnd versuchte er Luft zu holen.
„Aaaaargh!“ Panisch tat er einen Satz nach hinten. Sein ganzer Körper schien zu brennen, denn auch von innen fraß es heiß um sich. Wie glühende Kohlen brannten tödliche Gedanken in seinem Herz und wollten sich in neuen Ausbrüchen und Flüchen Luft machen. Aber er konnte kaum noch atmen. Dem Ersticken nahe, öffnete er den Mund, doch Eloah ließ ihn nicht zu Wort kommen:
„Immanuel kehrte in einem Triumphzug von Terra zurück! Und er brachte Trophäen seines Sieges mit.“
„Pah!“, brachte Satan mit zitternder Stimme heraus, „Trophäen nennst du das? Wohl eher ´Verlorene und Gefangene´, die du befreit hast! Du hast sie mit ihm zusammen zum Leben erweckt und aus den Gräbern auferstehen lassen! Du hast sie mir einfach ENTRISSEN! So viel zu deiner Gerechtigkeit!“
Zähneknirschend erinnerte er sich an jenen schwarzen und verhängnisvollen Tag, als er miterleben musste, wie noch viele andere Menschen auferweckt wurden. Damals war ihm schmerzlich bewusst geworden, dass es nichts, überhaupt nichts nutzte, die Menschen erfolgreich zu verführen und von Eloah abtrünnig zu machen, wenn Immanuel mit dem Verweis auf seine eigene Unschuld, jedem jederzeit vergeben konnte und sie damit wieder zurückeroberte!
„Ich gebe dir jetzt ein Update, Satan. Nach seiner glorreichen Rückkehr von Terra habe ich Immanuel inthronisiert. Myriaden von Engeln waren Zeugen, als ich ihn zum neuen König des Universums krönte.“
Noch bevor er den Satz beendet hatte, spürte Eloah, was gleich passieren würde. Unmerklich und schnell machte er den Engelfürsten ein Zeichen, dass sie sofort verstanden. Alarmiert machten sie sich bereit, sich Satan entgegenzustellen, falls er angreifen sollte. Und tatsächlich: er sprang!
Unfähig, sich bei Eloahs Worten weiter zu beherrschen, flog er förmlich nach vorne auf das Thronhologramm zu, reckte seinen Arm aus und stieß einen mörderischen Schrei aus: „ICH habe ihn zuerst gekrönt!! Mit Dornen! Und so wie ihn, werde ich jeden leiden lassen, alle werden durch meine Hände gehen…“
Seine Stimme war nur noch ein schauriges Röcheln, doch seine Raserei kannte keine Grenzen. Seine vier mächtigen Flügel heftig schlagend, flog er in einem Satz der Glutwolke entgegen. Nur noch eine Armlänge trennte ihn von ihrem roten Schimmern. Doch bevor er sie berühren konnte, stellten sich ihm zwei Engelfürsten drohend entgegen. Sie hatten ihre Flügel weit aufgespannt und ließen ihre Strahlkraft gleißend hell aufblitzen. Warnend hielten sie ihm mit ausgestreckten Armen blitzende Lichtschilde entgegen und riefen: „Halt! STOP! Nicht weiter!“
Doch er hatte zu viel Schwung, prallte mit voller Wucht gegen die Schutzschilde und fiel dann kraftlos auf den blauen Saphirboden. Zusammengekrümmt vor Schmerz fühlte er sich bis in jede Faser seines Körpers gedemütigt.
„Spar dir die Energien für deinen Krieg! Du wirst sie brauchen!“, rief Eloah ungerührt. „Immanuel ist König und gegen einen solchen wirst du antreten!“
Wie vom Donner gerührt, richtete er sich langsam auf. Seine Flügel waren noch bedrohlich geöffnet, doch ihre Spitzen zitterten unkontrolliert. Starr und gekrümmt stand er da und rührte sich nicht. Immer noch strahlte das Licht der Engel ihn schmerzhaft an, doch der grausame Zusammenstoß mit ihren Schutzschildern war mehr, als er ertragen konnte. Abgeschlagen, von Zorn und Verzweiflung zerfressen, bot er ein Bild des Jammers, wie er so vor den strahlenden Engelfürsten stand. Wäre er nicht so abgrundtief böse und unberechenbar, wären sie geneigt gewesen, ihn zu bemitleiden.
Da ertönte wieder Eloahs Stimme. Sie klang streng und duldete keinen Widerspruch: „Es gibt nichts mehr zu besprechen.“
Ohne eine Reaktion abzuwarten, erhob sich die Glutwolke von dem Thronhologramm, und Eloahs Stimme nahm einen sachlichen Ton an, während er höher und höher hinaufschwebte:
„Die Sitzung wird hiermit geschlossen. Du kannst gehen.“
„Ich gehe, wann ICH will!“, schnappte er plötzlich unbeherrscht zurück und starrte auf die sich entfernende Glutwolke.
„Ist das so, Satan ? Weißt du denn überhaupt noch, was du willst?“
Als keine Antwort kam und Satan ihm nur verbissen hinterher blickte, ließ Eloah seine Stimme ein letztes Mal ertönen: „Du hast dem König aller Könige, dem Herrn deines Lebens den Krieg erklärt! Kann man so etwas wirklich wollen, dem eigenen Leben den Krieg erklären? Denk mal darüber nach…“
Satan schwieg und biss sich auf die Lippen. Doch dann riss er plötzlich den rechten Arm drohend in die Höhe, und schrie der entschwindenden Wolke mit äußerster Kraft hinterher:
„Mit GEWALT werde ich meinen Platz im Lichtreich wiederbekommen! Die Grenzen, die deine Liebe dir gebietet, die kenne ich nicht! Ich werde dich zermalmen durch meine Gewalttätigkeit!“
Das reichte! In einem einzigen Augenblick erhoben sich die fünfzig Engelfürsten und ließen ihre Strahlkraft plötzlich so hell aufleuchten, dass blendend grelle Lichtblitze von ihnen ausgingen. Schulter an Schulter bildeten sie eine gleißende, undurchdringliche Mauer, die sich ihm bedrohlich schnell näherte. Von der bestechenden Helligkeit geblendet, wich er nach hinten, hielt sich fluchend einen Arm vor die Augen und winkte mit dem anderen Arm Pantasaron und Aiaxos zu sich.
Sie sprangen sofort zu ihm, zückten ihre Neutronenschwerter und hielten sie den Engelfürsten drohend entgegen. Noch schienen auch die beiden nicht bereit, den Rückzug anzutreten. Trotzig blieben sie in Kampfhaltung stehen - entschlossen, den fünfzig Engelfürsten die Stirn zu bieten. Doch unerbittlich rückte die strahlende Front näher, zog sich
Die Engelfürsten atmeten auf. Die Sitzungen mit dem Feind wurden unerträglich, doch sein heutiges Benehmen und seine Drohungen waren unbegreiflich und absurd. Seine Kriegserklärung hatte durch alle Himmelsgewölbe geschallt, und keiner konnte fassen, dass er sich zu so einem Wahnsinn verstiegen hatte. Selbst die höchsten Engel, die Cherubim Selaphiel und Barachiel, konnten diese bodenlose Frechheit nicht begreifen. Soeben erst hatte Immanuel ihm am Kreuz eine vernichtende Niederlage bereitet, und nun erklärte ihm der Erzrebell den kosmischen Krieg? Das ganze Lichtreich schien in Aufruhr zu sein und auch unter den Erzengeln herrschte blankes Entsetzen.
„Endlich ist er weg!“, flüsterte Castiella erleichtert.
„Aber es reicht ihm wohl noch nicht!“, antwortete Rafael, schüttelte den Kopf und sah sie betrübt an.
„Scheinbar will er es noch einmal wissen...“, erwiderte Castiella seufzend und lehnte sich auf ihrem Sitzkissen nach vorne. Sie stützte die Arme auf ihre ineinander verschränkten Beine und barg ihren Kopf in den Händen. Ihre magentafarbenen Haare fielen nach vorne, berührten den Boden und umrahmten wie ein Schleier ihre ganze Gestalt.
Rafael musterte sie bekümmert. Sie war wunderschön, doch heute hatte er keinen Blick für solche ästhetischen Anblicke. Seine Seele war, wie die eines jeden Engels, zutiefst erschüttert. Leise flüsternd antwortete er, während seine Augen sich verdüsterten: „Dann werden wir uns auch als Streitmacht aufstellen müssen. Satans Kriegserklärung klingt nach einer organisierten Schlacht.“
„Ach, die Armen! Denk mal an Pantasaron, an Chamaboth, an Rochelle und Lauviah und all die anderen! Was für strahlende starke Engel waren sie mal gewesen! Aber als Dämonen haben sie doch in einem Krieg nicht den Hauch einer Chance gegen uns“, flüsterte Castiella zurück und starrte Rafael entsetzt an.
„Schauen wir mal“, entgegnete er. „So sicher wäre ich mir da nicht!“
„Wie?!“ Ihre blauen Augen verdunkelten sich vor Schreck.
Er sah sie ernst an, und fügte unheilvoll hinzu: „Vergiss nicht, Satan und sein Heer kämpft mit Mitteln und Waffen, die wir nicht haben: mit List und Betrug, mit ungeheurer Brutalität, Bosheit und bodenlosem Hass. Außerdem haben wir noch nie Krieg geführt, überleg mal, wir haben doch keinerlei Erfahrung! Er dagegen ist bereits geübt. Wenn man nur mal an die vielen Kriege denkt, die er auf Terra ständig anzettelt! Ja, ich fürchte sogar, Krieg ist sein Spezialgebiet.“
„Oha, das stimmt! Dann ist es ja noch furchtbarer!“ Castiella schluckte. In ihrem Gesicht war tiefe Sorge zu lesen.
„Und“, fügte Rafael ernst hinzu, „er hat nichts mehr zu verlieren! Er wird aufs Ganze gehen! Wir dagegen, Castiella, wir haben alles zu verlieren. Wenn wir uns im Kampf nämlich von seiner Bosheit anstecken lassen, wenn wir im Eifer des Kampfes so werden wie er… voller Zorn und Rache und Vergeltung… dann… dann… nicht auszudenken!“
„Ja, Rafael, du hast ja so recht! Ich habe eigentlich keine Angst vor seinen dämlichen Waffen, die er sich gebastelt hat, aber dafür umso mehr vor seiner Verführungskunst und Raffinesse. Davor habe ich echt Respekt. Ein Drittel von uns hat er schließlich nur mit seinen Argumenten rumgekriegt!“
Sie stand auf und auch Rafael erhob sich und sorgenvoll umarmten sie sich.
„Ach, Rafael!“ Sie seufzte und lehnte ihren Kopf an seine Brust. „Aber wir dürfen darauf vertrauen, dass Immanuel der beste Heerführer ist, den das Universum kennt, nicht wahr?“
„Ja, was das angeht, bin ich absolut sicher!“, murmelte er und strich tröstend über ihren Kopf.
Kurz nach der unheilvollen Auseinandersetzung an der Sternenpforte öffnete Immanuel das große Onyx Portal und trat heraus in den Vorhof. Seit Urzeiten erfüllte Eloahs Herrlichkeit die königliche und prächtige Residenz, die Hêchal. Voller Licht und Schönheit thronte sie auf dem spiegelnden Diamantplateau des Saphirbergs, glanzvoll in tiefblauen Saphirschimmer gehüllt. Sie war Wohnort und Regierungssitz des Herrschers, Versammlungsort und Mittelpunkt aller Bewohner des Lichtreichs.
Während Immanuel die Hêchal verließ, seufzte er tief auf. Hätte Satan nur nicht so eine absurde Kriegserklärung gemacht! Statt diesen wichtigen Dienst fortzusetzen, den er für die Menschen in der Hêchal tat, musste er nun gegen den Feind in den Krieg ziehen. Dabei war seine Arbeit viel wichtiger, als gegen einen wild gewordenen Rebellen und seine Dämonen zu kämpfen.
Der Hêchal-Tempel spielte bei der Rettung der Menschheit seit jeher eine zentrale Rolle. Sie begann schon, als die allerersten Menschen den tödlichen Faden des Feindes schluckten. Damals schon erweiterte Eloah die ursprüngliche Aufgabe der Hêchal. Aus der Residenz des Königs sollte ein Leuchtturm und Wegweiser für verlorene und todgeweihte Seelen werden - ein Ort der Heilung, Vergebung und Versöhnung. Denn es stand außer Frage, dass Terra wieder mit dem Lichtreich versöhnt werden musste.
Doch dafür brauchte es eine Rettungsbrücke, die das Lichtreich mit Terra verband, eine Brücke zwischen der sichtbaren und unsichtbaren Welt. Sie musste sowohl hier als auch dort durch je einen Pfeiler verankert werden. Natürlich bestanden die Pfeiler nicht aus Materialien und Baustoffen, sondern aus einer Handlung, einem Dienst, den Immanuel für die Menschen tat.
Den ersten Pfeiler für die Brücke hatte Immanuel bereits auf dem Berg Golgatha errichtet, und nun war er gerade dabei, in der Hêchal den zweiten zu verankern. Und da konnte er ganz sicher keine Störung gebrauchen! Immerhin hatte die Brücke schon einen Namen, er hatte sie auf den Codenamen RotBlut getauft, denn sie war eine rote Blutader, die er aus seinem eigenen Blut gewoben hatte, die vom Tod ins Leben führte - die einzige und letzte Hoffnung der Menschheit, aus den Fängen Satans befreit zu werden.
Diese und andere Gedanken beschäftigten ihn, als er mit großen Schritten auf die Feuerleuchtfontäne Eloahs zuging, die in der Mitte des Plateaus golden funkelte. Natürlich hatte er die ganze unselige Auseinandersetzung mit Satan vor der Sternenpforte mitbekommen. Nun musste schnell gehandelt werden, auch wenn er darauf keine Lust verspürte.
Nach einer eingehenden Beratung mit seinem Vater und mit Lux erteilte er den Botenengeln den Auftrag, das Kampfheer zusammenzutrommeln. Sie hatten beschlossen, dass keine Schutzengel von Terra abgezogen werden sollten, sondern nur Abwehr- und Kampfengel den kosmischen Krieg gegen Satan führen durften. Sie waren eine eigene Engeleinheit, die Immanuel für besondere Aufgaben zusammengestellt und ausgestattet hatte, freilich erst, als es notwendig geworden war, das Lichtreich und das Universum zu verteidigen. Satan hatte bei seinem Aufstand nicht nur innerhalb des Reichs nach der Macht gegriffen, sondern er hatte versucht, über alle Planeten zu herrschen. Um den Frieden und das Gesetz des Lebens aufrecht zu erhalten, hatte es einer speziellen Schutztruppe bedurft, die aus vielen Millionen Engeln bestand. Um sie als Abwehr- und Kampfengel einsetzen zu können, hatte Immanuel ihre Fähigkeiten gegenüber gewöhnlichen Engeln erweitert, ihnen größere Kräfte verliehen und ihre Fluggeschwindigkeit um ein Vielfaches erhöht.
„Sammelt alle Kampfengel von einem Ende des Lichtreichs bis zum anderen, und lasst das Heer auf dem Plateau des Saphirberges antreten!“, rief er den Botenengeln zu.
So schnell sie konnten, flogen sie los, und bald darauf stiegen Myriaden von großen und starken Engeln den Saphirberg hinauf. In ihren silberglitzernden Lichtgewändern leuchteten sie erhaben und würdevoll.
Als das Heer vollzählig vor Immanuel versammelt war, ließ er es in Kompanien und Divisionen ordnen. Jeweils siebzig Kampfengel bildeten eine Kompanie, und einhundert Kompanien formten sich zu einer Division. An die Spitze jeder Division stellte er einen Erzengel mit höherer Befehlsgewalt.
Auch die Erzengel Elymia und Suriel erhielten jeweils eine Division zugewiesen, während Castiella die Leitung der letzten Division, mit der Nummer 70.000 übernahm. Dieser gehörte auch Manakel und die Forscherin Kahetelle an, sowie Phora und Vasariah, zwei junge Engel.
Immanuel musterte das Heer schweigend und mit liebevollem Blick. Obwohl er Krieg hasste, musste er diese Aufgabe erfüllen, und er war dankbar, dass seine Engel ihm dabei halfen. Tadellos standen sie vor ihm, bis in die äußersten Flügelspitzen in gespannter, gerader Haltung, eine riesige leuchtende Truppe von vollendet schönen Lichtgestalten. Sie waren athletisch, groß und kraftvoll, unfassbar schnell und gewandt.
Dann erhob Immanuel seine Stimme, um sie in die Pläne des Herrscherrates einzuweihen: „Am Kreuz auf Golgatha wurde Elohims Liebe und Gnade sichtbar, doch nun wird sich sein Zorn zeigen!“, rief er und betrachtete die Reihen ernst. „Ihr habt es alle gehört, wir wurden zum Krieg herausgefordert.“ Er hielt kurz inne und schien nach den richtigen Worten zu suchen. Es war offensichtlich, dass auch ihm diese Situation äußerst schwerfiel.
„Gemeinsam mit euch werden wir auf diese Herausforderung antworten, und dem Feind eine wichtige Lektion erteilen!“
Sein Gesichtsausdruck wurde weicher und er sah sie aufmunternd an: „Ihr steht als Abwehr- und Kampfengel vor mir, jedoch musstet ihr noch nie einen derartigen Kampf ausfechten. Da es euer erster Krieg ist, möchte ich euch Mut machen und darüber aufklären, wie es vor sich gehen wird. Ich werde euch nicht als Euer König Immanuel, sondern als Engelfürst Michael anführen. Als Immanuel bin ich Retter und König, aber als Fürst Michael bin ich ein Kriegsherr, der sich aufmacht, sein Reich zu verteidigen und den Feind zu stürzen! Wir werden keinen Angriffskrieg führen, und wie ihr seht, haben wir auch keinerlei Waffen hergestellt, denn es geht ausschlieβlich um Verteidigung. Waffen haben wir auβerdem nicht nötig, denn wir kommen in der Stärke der Wahrheit, mit dem Schild des Vertrauens, und in der Macht von Agapé. Ihr werdet niemanden töten, das entspricht weder unserem Charakter noch eurem. Wenn wir hätten töten wollen, hätten wir das schon die ganze Zeit tun können, aber wie ihr wisst, lösen wir unsere Probleme nicht auf diese Art. Nein, unsere Aufgabe in diesem Krieg besteht vielmehr darin, das Universum vor weiteren Angriffen des Bösen zu schützen und die Macht Satans einzuschränken.“
Gebannt lauschte das Heer seinen Worten und wartete aufmerksam auf seine Anweisungen.
„Lux wird uns begleiten und für die Kommunikation zwischen uns sorgen, sodass der Feind davon nichts mitbekommt. Wir werden während des Kampfes also am besten gar nicht oder möglichst wenig miteinander sprechen. Lasst die gesamte Kommunikation über Lux laufen.“
Sie nickten verstehend. Lux war der Geist Eloahs und Immanuels, ihre materialisierten Gedanken. Satan hatte keine Möglichkeit, diese zu lesen. Da Lux direkt ihre Geisteskanäle nutzen konnte, waren sie in der Lage, vom Feind unbemerkt miteinander zu kommunizieren. Das konnte einen wichtigen Vorteil bedeuten.
Immanuel fuhr fort, während er auf die siebzigtausend Engelfürsten deutete, die mit ernsten Mienen vor ihren Divisionen standen: „Die weiteren Details erfahrt ihr gleich von den Erzengeln eurer Division. Sie unterweisen euch in den Strategien der Verteidigung. Danach dürft ihr noch einmal ausschwärmen und euch an den Lebensbäumen erfrischen. Wenn es Zeit wird, fliegen wir in Formationen, jede Division für sich, auf direktem Weg durch die Wurmlöcher des Virgo-Nebels bis zu den Höhen des Mars. Achtet auf das Zeichen der Blashörner. Wenn ihr den Ruf hört, versammeln wir uns wieder hier.“
Nachdem auch die Erzengel ihre Anweisungen gegeben hatten, lösten sich die Divisionen auf. Scharenweise flogen die Kampfengel zum Platz von Salem, um sich ihre Unverwundbarkeit und Unsterblichkeit an den Früchten der Lebensbäume aufzufrischen, die die Ufer des Lebensflusses säumten. Auf beiden Seiten des breiten Stromes standen ihre Stämme, während die Baumkronen sich über dem Fluss zu einem üppig grünen Blätterdach vereinigten. Zum großen Entzücken der Engel wechselten die Früchte in jeder neuen Zeiteinheit auf zwölf neue Sorten und keine wurde jemals wiederholt! Reif und saftig hingen sie tief, an langen Ästen, bis fast auf den Boden herab und verströmten einen köstlichen Duft. Ihr wichtigstes Merkmal aber war, dass sie echte Lebenskraft in sich hatten, die die Engel unverwundbar und unsterblich machte.
Nachdem alle Kampfengel abgeflogen waren, blieben Elymia und Suriel bei Immanuel auf dem Saphirberg zurück und baten um eine Unterredung. Er blickte sie aufmunternd an, doch Elymia zögerte sichtlich, bevor sie leise begann: „Ähm…, es kann ja sein, dass wir im Kampf unseren ehemaligen Schülern begegnen, den Jungengeln, die jetzt böse Geister geworden sind…“ Sie seufzte und ihre Stimme klang unsicher: „Dann wird es uns möglicherweise schwerfallen, gegen sie zu kämpfen. Ich meine… damals, als sie aus dem Lichtreich fortgegangen sind, da war ich sehr traurig, und wenn ich so ihre negative Entwicklung auf Terra betrachte, dann tun sie mir einfach nur leid. Also, was ich eigentlich sagen will… es fällt mir schwer, ihnen in einem Krieg zu begegnen und… sie fertigzumachen.“ Sie strich ihre rötlich glänzenden Haarwellen nach hinten und sah Immanuel zweifelnd an. Auch Suriel nickte seufzend.
„Nicht nur Elymia geht es so“, setzte er hinzu, „ich fühle das Gleiche. Und, ich glaube, unsere Divisionen auch.“
„Ja, ich weiβ“, sagte Immanuel mitfühlend und sah Elymia aufmerksam an. „Was hast du noch für Gedanken dazu?“
Langsam fuhr sie fort: „Als Schutzengel auf Terra war es für uns etwas ganz anderes, denn da ging es nur darum, das Leben unserer Schützlinge zu verteidigen und zu retten. Aber so einen richtigen Krieg...“
Immanuel nickte ernst und seufzte: „Ja, ich bin ganz bei euch und ich sehe, dass ihr Schmerz und Unsicherheit habt. Es wird tatsächlich niemandem von uns leichtfallen, diesen Krieg gegen unsere ehemaligen Freunde zu führen. Genau aus dem Grund haben wir sie damals einfach ziehen lassen, als sie gegen uns rebellierten.“
Er verstummte und blickte wehmütig in die Ferne. Auf einmal glitzerten Tränen in seinen Augen und er seufzte tief: „Auch mein Schmerz ist unbeschreiblich groβ. Noch niemals habe ich meine Engel in eine…“, er zögerte, „…kriegerische Auseinandersetzung geführt. Und was mich am meisten schmerzt, ist, dass er diesen Krieg nicht nur gegen Eloah, Lux und mich führt, sondern gegen meine geliebten Kinder, gegen euch.“
Er verharrte einen Moment und wandte sich dann wieder den beiden Erzengeln zu. Ernst sah er sie an und fuhr eindringlich fort, während seine Stimme an Festigkeit gewann:
„Aber vergesst nicht, dass sich eure ehemaligen Freunde Chamaboth, Lauviah, Rochelle und alle anderen freiwillig und aus eigenem Antrieb dieser Rebellion angeschlossen haben. Was haben wir nicht alles unternommen, um sie zurückzuholen!“
Er schüttelte traurig den Kopf. „Sie ignorierten jedes Angebot auf Rettung! Die Engel, die sie früher mal waren, sind sie leider schon lange nicht mehr. Und das trifft auf alle Dämonen zu...“ Er blickte betrübt zu Boden: „Ja, es geht uns allen sehr ans Herz. Es fällt uns schwer, gegen sie zu kämpfen, weil wir sie immer noch lieben.“
Elymia nickte: „Ja, genau! Ich fühle keinerlei Hass oder Aggression, aber trotzdem muss ich nun gegen sie kämpfen! Das fühlt sich so… ich weiß gar nicht, wie ich das sagen soll…“
Suriel pflichtete ihr bei: „Auch ich will diesen Krieg gar nicht führen.“
„Niemand von uns will das.“ Immanuel schüttelte den Kopf. „Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie schwer mir das Ganze fällt. Aber wie ihr wisst, bemühen wir uns seit Beginn der Rebellion um Versöhnung. Doch dazu gehören beide Parteien.“
Immanuels Trauer schwang in jedem Wort mit, während er leiser fortfuhr: „Leider hat Satan von Anfang an jedes Angebot auf Vergebung und Versöhnung abgelehnt. Nicht wir haben den Krieg erklärt. Ihr wisst, es ist nicht unsere Art, Kriege zu führen. Aber seit Beginn seiner Revolte ist er nur an Konfrontation und Kampf interessiert – um jeden Preis. Auβerdem dürfen wir eine andere wichtige Tatsache nicht übersehen: wir mussten alles geben, um den Schaden, den die Rebellen verursacht haben, zu begrenzen und wieder zu beheben. Dafür haben wir den höchsten Einsatz gebracht, der möglich war. Einen höheren Preis kann niemand zahlen für die Freiheit der Menschen – ja, für die Freiheit im gesamten Universum, als den, den wir bezahlt haben.“
„Das stimmt“, erwiderte Elymia und senkte den Blick. „Es ist nur, weil ich selbst damals so nahe am Abgrund war… fast wäre ich von Satans Bosheit mitgerissen worden. Und deshalb habe ich jetzt so starkes Mitgefühl… aber, ihr habt wirklich alles getan, was möglich war, um dies alles zu verhindern.“
Sie bedauerte ihre Worte des Zweifels. Immanuel war nicht davor zurückgeschreckt, einsam und allein einen fürchterlichen Tod am Kreuz zu erdulden, und sie sollte sich jetzt von Gefühlen der Wehmut und Angst übermannen lassen?
Auch Suriel verstand mit einem Mal: „Du hast recht, Immanuel. Außerdem müssen wir keine Angst haben, denn seit Golgatha ist der Sieg auf unserer Seite. Wir werden alle unsere Kräfte einsetzen, um das Böse erneut zu besiegen, auch wenn es gegen unsere eigenen Artgenossen und gegen unsere alten Freunde geht.“
„Ja, Suriel“, nickte Immanuel, „so ist es. Wir müssen verstehen, dass sehr viel auf dem Spiel steht. Mein Sieg am Kreuz hat zwar ein Tor geöffnet, aber nun müssen wir es offenhalten und weiterkämpfen. Jeder Sieg gegen den Feind ist ein Sieg für Liebe und Freiheit.“
Die beiden Erzengel fühlten sich bei diesen Worten etwas erleichtert. Obwohl die erschreckenden Gedanken an den Krieg, der ihnen bevorstand, nicht sofort verschwanden, fühlten sie die Zuversicht und Hoffnung, dass Immanuels Kraft und Stärke auch diese Herausforderung überwinden konnten.
„Aber - noch etwas Wichtiges!“, setzte er hinzu. „Achtet auf Rochelle und Chamaboth! Ihr seid mit ihnen früher sehr verbunden gewesen, aber sie sind nicht mehr die, die sie damals waren! Ihre Heimtücke ist groβ und nicht leicht zu erkennen! Lasst euch also von ihnen nicht täuschen, wenn wir mitten im Kampf stehen!“
Nachdem sich alle ausgiebig an den Lebensbäumen erfrischt hatten, versammelte sich das Heer wieder auf dem Saphirberg und der Herrscher Eloah segnete es. Jedem einzelnen sprach er Mut und Vertrauen zu, denn er wusste, wie ihnen zumute war und dass freiwillig niemand von ihnen in diesen Krieg gezogen wäre.
Dann erscholl das Horn durch die ganze Stadt. Im Nu erhoben sich die Kompanien der Kampfengel in die Lüfte, bildeten sich zu Divisionen und flogen in riesigen, leuchtenden Formationen noch einmal über die goldene Stadt. Ihre strahlenden Lichtkörper erhellten für einen kurzen Augenblick die goldenen Dächer und Türme, und das Rauschen von Abermillionen Flügeln erfüllte wie ein kräftiger Sturmwind die Luft.
Zurückbleibende Engel und Engelfürsten säumten die Straßen von Salem und winkten zum Abschied. Fragende und sorgenvolle Gesichter, aber auch ermutigende Blicke und laute Rufe mit guten Wünschen begleiteten sie. Jeder hoffte, sie bald wiederzusehen und als Sieger willkommen zu heißen.
Dann drehte das unermesslich riesige Heer in einer letzten schwungvollen Kurve ab und flog der Sternenpforte, dem Ausgang des Reiches, zu. Eloah ließ seinen Himmelsbogen in vielen neuen Farben aufleuch
Wie ein Blitz flitzten sie über eine Strecke von vielen Lichtjahren durch das All, und verschwanden dann in den Wurmlöchern des Virgo-Nebels, einem Galaxienhaufen, der sechzig Millionen Lichtjahre von Terra entfernt lag. Sie beachteten die Planeten kaum, an denen sie rechts und links vorbeischossen, und auch für die sonstige Schönheit des Alls mit seiner besonderen Atmosphäre und Ruhe hatten sie dieses Mal kein Auge. Konzentriert und angespannt blickten sie nach vorne auf Immanuel. Er hatte sich in eine Kriegsgestalt verwandelt, in den Engelfürsten Michael. Er trug nun eine silbern glitzernde Rüstung und flog pfeilschnell vor ihnen her.
Bald waren es nur noch wenige Flugaugenblicke bis zu der Spiralgalaxie von Terra . Auf ihr waren auch die Höhen des Mars, eine kahle, unwirtliche Sphäre oberhalb des Mars, in welcher sich keine bewohnten Planeten befanden.
Auch Manakel flog mit Höchstgeschwindigkeit inmitten des Heeres. Seine zwei großen Flügel schlugen im selben schnellen Tempo wie alle anderen und er fühlte sich in einem großen Gleichklang mit dem Heer und ihrem Heeresführer verbunden. Doch daneben spürte er auch Sorgen, die sich immer heftiger in seine Gedanken schlichen, und obwohl er mit aller Kraft versuchte, positiv zu bleiben und sich auf das vorzubereiten, was ihnen bevorstand, wollte es ihm nicht gelingen. Seine Gedanken rasten von einer Angstspirale in die nächste. Je näher sie ihrem Ziel kamen, desto stärker fühlte er die Feinde, wie einen unwiderstehlichen Sog. Eine Schlacht hatten sie noch nie gekämpft! Was, wenn Satan sich an ihm rächen würde, weil er damals die Flucht aus seinem Heer geschafft hatte? Was, wenn seine Kollegen, die im Dämonenheer geblieben waren, ihn persönlich fertig machen wollten? Und wenn sie ihn zurückzwingen würden? Konnten sie das überhaupt? Hatten sie noch irgendein Anrecht auf ihn, weil er einmal zu ihnen gehört hatte?
Er versuchte, die Zweifel zu verscheuchen, während er seinen Flügelschlag beschleunigte. Er durfte jetzt nicht in eine Abwärtsspirale geraten, es waren lediglich unbegründete Sorgen, die ihn unnötig schwächten. Eloah hatte versprochen, durch Lux in jeder Sekunde bei ihnen zu sein, Immanuel war bei ihnen, und der Kampf hatte noch nicht mal begonnen! Außerdem war er jetzt ein vollkommen wiederhergestellter Engel – wozu sich also verrückt machen? Vielleicht sollte er sich ablenken und an schönere Sachen denken.
Er schielte kurz zu Kahetelle, Phora und Vasariah hinüber, die mühelos mit seinem Tempo Schritt halten konnten. Kopf an Kopf schossen sie neben ihm nach vorne. Wehmütig dachte er daran zurück, wie seine Freunde Mamona und Lemuel immer wieder hinter ihm zurückgefallen waren, wenn sie früher Ausflüge ins All unternommen hatten. Sie waren eben keine ultraschnellen Kampfengel, sondern hatten ihre Begabungen auf anderen Gebieten. Lemuels Sachverstand, Ideen und Erfindungsgeist waren für ihn, Manakel, unfassbar. Und Mamona hatte mit ihrem außerordentlichen Gespür für die Seelenstimmungen anderer den meisten Engeln etwas voraus. Und Pahalia... er hatte sie schon immer besonders gemocht - ihre sanften Augen hatten es ihm vom ersten Augenblick angetan. Ihre besonnene, ruhige Art machte sie zu einer perfekten Friedensstifterin, die sie als Schutzengel auf Terra bestimmt immer wieder sein durfte. Er vermisste sie so sehr, seit sie auf Terra diente! Überhaupt hatte er seit der großen Trauer ganz neue und andersartige Gefühle kennengelernt, Empfindungen, die das ganze Lichtreich nach Luzifers Aufstand erfasst hatten. Es waren fremdartige Gefühle, die das Innerste aufwühlten. Angst, Sehnsucht, Heimweh, Trauer… jemanden vermissen.
„Manakel!“ Phoras Stimme schallte hell an sein Ohr, „Hallo, träumst du? Abbremsen hat Castiella gesagt!“
Manakel blinzelte und sah sich verschreckt um. Fast wäre er in den vorderen Engel hineingeflogen. Die ersten Divisionen hatten bereits begonnen, sich in Reih und Glied aufzustellen, und schnell bremste er ab und fügte sich neben Phora und Vasariah ein. Kahetelle schmunzelte und zwinkerte ihm zu, aber in ihren hellgelben Augen war die blanke Aufregung zu lesen. Groß und unsicher blickte sie um sich und schien, genau wie er, vor dem Moment zu zittern, in dem es losging.
Alle Engel ihrer Division achteten auf Castiella, die ihnen in diesem Moment ein Zeichen zum Aufstellen machte. Blitzschnell formierten sich die Kompanien und Divisionen.
Manakel sah sich verstohlen um, ob vom Feind schon was zu sehen war. Aber es war nur nachtschwarze Finsternis um sie herum. Erleichtert erinnerte er sich daran, dass Satan von ihrer Kommunikation nichts mitbekommen konnte. Das war immerhin eine große Erleichterung! Plötzlich hörte er in seinen Gedanken die Stimme von Engelfürst Michael. Sie klang bestimmt, sehr deutlich und klar, und irgendwie fühlte sie sich sehr beruhigend an. Manakel lauschte gebannt und merkte, wie er sich allmählich entspannte.
„So, ihr Lieben, wir sind da! Ich hoffe, es geht euch allen gut. Ich bitte jetzt die Erzengel mir zu berichten, ob alle Divisionen vollzählig und gut angekommen sind!“
Nachdem die Erzengel das jeweils bestätigt hatten, fuhr Michael fort: „Wie unsere Späher mir soeben berichten, ist der Feind zwar nicht in Sicht, aber er ist schon da, wie ihr sicherlich auch bemerkt habt. An zwei Dinge möchte ich euch noch einmal erinnern: wir verteidigen uns, aber wir greifen nicht an! Und wir lassen uns auf keine Gespräche mit den Feinden ein, sondern kommunizieren nur miteinander und nur über Lux. Dies ist zu unserem eigenen Schutz sehr wichtig!“
Michael fuhr fort, noch einiges zu erklären, doch noch während er sprach, veränderte sich die Atmosphäre. Ganz deutlich konnten alle eine unbestimmte Bedrohung wahrnehmen, etwas Fremdes, das sonst nie im All zu spüren gewesen war. Jedoch keine Bewegung und kein Laut waren auszumachen.
„So, Achtung!“, rief Michael, „Dunkelt euch ab! Wir können es alle spüren, sie kommen näher! Seid mutig und unverzagt, der Sieg ist auf unserer Seite! Ich übergebe nun das Kommando an die Divisionsleiter!“ Alle blieben völlig still, während undurchdringliches Dunkel sie umgab, nur einige Leuchtsonnen in weiter Ferne zauberten glitzernde Punkte um sie herum und ließen schemenhaft die Umrisse des Planeten Mars tief unter ihnen erkennen. Doch auch dort rührte sich nichts und sein rotes Gestein sah unbelebt und kalt aus, wie eh und je.
Die Divisionen hatten sich alle in Stellung gebracht, ein Kampfengel neben dem anderen, schwebend im All, perfekt harmonische Formationen. Schweigend und konzentriert waren sie in geordneten Reihen aufgestellt und warteten gespannt ab.
Da spürten sie es auf einmal ganz deutlich. Sehr subtil machte es weder ein Geräusch, noch war der leiseste Windhauch zu spüren, doch es war plötzlich da und kroch in die tiefsten Winkel ihrer Seelen, kalt und bedrohlich. Eine unerklärlich eisige Stimmung umgab sie jäh, und es schien, als sei die Temperatur im All mit einem Mal noch tiefer gesunken, sodass sie zu frösteln begannen. Es war eine Atmosphäre des Bösen, die sie einhüllte, und die noch niemals so geballt und so spürbar nahe gewesen war.
Die Engel erstarrten, während das Grauen und die Kälte sich tiefer in sie hineinfraßen, sich ausbreitete und wie eine eiserne Zange alle Gedanken lähmte. Hass und Mordlust, rasender Zorn und tiefste Seelenangst prasselten spürbar und so intensiv auf ihre eigenen Gefühle ein, als ob sie selbst zu Werkzeugen und Waffen des Feindes werden sollten. Der Feind wollte sie von innen her angreifen, ihnen Grauen und Entsetzen einflößen und sie schwach machen.
Manakel war unfähig, sich zu rühren. Er hatte gerade ein furchtbares Déjà-vu, denn dieses grauenhafte Gefühl der eisigen Erstarrung kannte er nur zu gut! Genau wie damals, als er sich noch im feindlichen Heer der Dämonen befunden hatte, drohte auch jetzt jede Hoffnung aus seinem Kopf zu entschwinden. Alle Freude, die er mal gekannt hatte, schien in einem einzigen Augenblick ausgelöscht. Nur finstere und kalte Leere machte sich in ihm breit. Panisch blickte er sich um. Phora und Vasariah waren immer noch neben ihm, und Kahetelle stand eine Reihe vor ihm, doch konnte er seine Kolleginnen kaum noch spüren. Er fühlte sich sehr allein und sehr verlassen. Auch Michael und Castiella waren irgendwo vom Dunkel verschluckt und nicht mehr wahrnehmbar. Alle hatten ihre Strahlkraft abgedunkelt und verharrten regungslos in der unheimlichen Finsternis, sodass es schien, als stehe alles still und atme den eisigen Hauch des Todes.
