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Den Taschendrachen entdeckte ich vor einigen Jahren am Bett meiner Tochter Lena. "Was bist du denn für einer?", fragte ich ihn. Er erzählte mir von sich und seinem Freund, dem kleinen, rothaarigen Rudi. Wie zufällig lagen Papier und Stifte bereit und ich schrieb die Geschichten und Lieder mit. Am nächsten Abend begann ich, meinen Töchtern die Geschichten vorzulesen. Beide bekamen große Augen und hörten gebannt zu. Sie verschlangen jedes Wort, summten die Lieder mit und fragten nach immer neuen Abenteuern. Aus meinen Augenwinkeln sah ich den Taschendrachen scheinbar zufrieden schmunzeln. "Ich möchte gerne, dass mich noch viel mehr Kinder kennenlernen, die Kranken etwas zum Lachen und Singen haben, die Müden eine Gute-Nacht-Geschichte hören. Können wir aus den Geschichten nicht ein Buch herstellen?", wünschte er eines Abends. Nun, das Ergebnis liegt vor Euch und vom Erlös eines jeden Buches wird ein Euro zugunsten der Olgäle-Stiftung für das kranke Kind e.V. gespendet.
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Seitenzahl: 75
Veröffentlichungsjahr: 2014
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R. Seybold
Rudi und der Taschendrache
Erweiterte Online Version
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Intro
Ein paar Worte vorweg
Dicke Luft um Hupfi
Staubiger Schreck
Aufwachen, Mutti
Frau Jansens Brille
Weißt du, wie viel Entlein schwimmen?
Warum arbeitet Papa so viel?
Die Schnullerfee
Der Amba Kumba Eisverkäufer
Ich kann nicht schlafen, Rudi
Igel stacheln
Probleme mit den Zähnen
Käpt'n Rudi und der Seebär Taschendrache
Weihnachten steht vor der Tür
Der fremde Mann
Abschied nach Basa
Noten als PDF Download
Lied: Die nassen Zwerge
Lied: Der Papa hat mich lieb
Lied: Der Amba-Kumba-Eisverkäufer
Lied: Schmutzige Hände
Lied: Der Nasenbär
Bonusmaterial: Audio
Bonus-Geschichte: Prinzessin Schlafmütz´ Geburtstag
Danke
Ihre Hilfe wirkt
Bonusmaterial: Entwürfe
Danke
Impressum neobooks
Impressum: © 2014 Ralf Seybold Herstellung und Verlag: Neonbooks. Erstmalig erschienen bei BoD von 2008-2013 in Auflage 1 und 2. Umschlaggestaltung: Ralf und Maik Seybold Illustrationen: Sabine Berger Musik und Texte: Ralf Seybold Satz und Layout: Maik Seybold Texte, Design, Layout und Bildelemente dieses Buches sind urheberrechtlich geschützt und im Besitz von Ralf Seybold.
Den Taschendrachen entdeckte ich vor einigen Jahren am Bett meiner Tochter Lena. „Was bist du denn für einer?“, fragte ich ihn. Er erzählte mir von sich und seinem Freund, dem kleinen, rothaarigen Rudi. Wie zufällig lagen Papier und Stifte bereit und ich schrieb die Geschichten und Lieder mit.
Am nächsten Abend begann ich, meinen Töchtern die Geschichten vorzulesen. Beide bekamen große Augen und hörten gebannt zu. Sie verschlangen jedes Wort, summten die Lieder mit und fragten nach immer neuen Abenteuern. Aus meinen Augenwinkeln sah ich den Taschendrachen scheinbar zufrieden schmunzeln.
„Ich möchte gerne, dass mich noch viel mehr Kinder kennenlernen, die Kranken etwas zum Lachen und Singen haben, die Müden eine Gute-Nacht-Geschichte hören. Können wir aus den Geschichten nicht ein Buch herstellen?“, wünschte er eines Abends.
Nun, das Ergebnis liegt vor Euch und vom Erlös eines jeden Buches wird ein Euro zugunsten der Olgäle-Stiftung für das kranke Kind e.V. gespendet. Dies gilt sowohl für dieses Taschenbuch, als auch für die robustere Sammelausgabe mit festem Einband.
Mein Dank geht an alle, die sich für den Taschendrachen begeistern konnten und viel Energie aufbrachten, dieses Projekt für einen guten Zweck zu realisieren.
In diesem Buch sind einige Lieder enthalten. Die Noten und Melodien dazu können im Internet heruntergeladen werden. Unter www.rudi-und-der-taschendrache.de gibt es darüber hinaus auch gesprochene Geschichten.
Viel Vergnügen wünsche ich den kleinen Kindern beim Zuhören und den Erwachsenen beim Vorlesen. Den größeren Kindern wünsche ich ausreichend Batterieleistung in der Taschenlampe, wenn sie unter der Decke noch schnell eine Gute-Nacht-Geschichte verschlingen.
Rudi reitet auf seinem Pferd durch den Wilden Westen. Seine feuerroten Haare wirbeln durcheinander. „Juhu! Jaaa! Wir schnappen die Bösewichter! Lauf’ schneller, Hupfi!“ Der vierjährige Junge tätschelt den Kopf seines Pferdes. Natürlich ist es kein echtes Pferd. Klar. Wo gibt es schon ein gelbes Pferd mit blauen Punkten und einem grünen Kopf? Hupfi ist aus Gummi, und Papa hat ihn mit einem Blasebalg aufgepumpt, bevor er zur Arbeit musste. „Kann ich mitspielen?“ Rudi dreht sich um und blickt mit der finster aufgesetzten Miene eines Cowboys zu seinem Freund, dem Taschendrachen. „Nö, ich spiel’ alleine“, ruft er und hüpft wild in seinem Zimmer herum. „Ach, lass’ mich doch mitspielen.“ Rudi möchte den Drachen nicht reiten lassen, auch wenn dieser scheinbar trotzig die Arme hinter dem Rücken verschränkt und von einem Bein auf das andere tippelt. Nein. Das ist sein Pferd und er reitet. Jetzt. Und nachher auch!
Nei-en. Du bist viel zu klein“, antwortet der Junge garstig und sieht, wie sich das Gesicht des Drachens von grün in rosa verfärbt. „Wenn du mich nicht mitspielen lässt, dann bin ich nicht mehr dein Freund.“ Das Rosa wird nun puterrot. „Püh, ist mir doch egal. Dann spiel ich eben mit meinem Hupfi.“ Immer höher und weiter hüpft Rudi. Doch plötzlich – bumm – zerplatzt das Pferd unter dem Jungen. Er landet unsanft auf seinem Popo. Erschreckt blickt sich Rudi um. Hinter ihm steht der Taschendrache und hält sich die Nase zu. Aus den winzigen Nasenlöchern schlängeln sich dunkle Rauchwölkchen. „Das hast du mit Absicht gemacht! Blöder Drache!
Ich will dich nie mehr sehen!“, schreit Rudi und weint über sein zerplatztes Pferd. „Aber, das wollte ich nicht“, entschuldigt sich der Taschendrache bei ihm. „Das ist mir egal. Geh’ weg!“ Rudi sieht den kleinen, grünen Freund mit hängendem Kopf und still weinend zur Zimmertüre gehen. Eine dicke Drachenträne läuft über seine Wange und tropft mit einem Pitsch auf den Boden. Das macht Rudi noch trauriger. Er erinnert sich daran, wie er noch vor wenigen Wochen ganz alleine war, weil Mami keine Zeit zum Spielen hatte. Und eines Tages tauchte plötzlich der Drache in einer Tüte Gummibärchen auf. Er war einfach da und Rudi zunächst ziemlich erschrocken. Seitdem haben sie viel erlebt und oft gelacht. Es wäre schade, wenn der kleine Drache jetzt einfach gehen würde. Rudi steht auf und rennt zu seinem Freund. „Entschuldige bitte, bleib da. Wir sind doch Kumpels, oder?“ Der Taschendrache dreht sich um und fliegt mit seinen kleinen Flügelchen auf Rudis Schulter. „Ich hab’ dein Pferd nicht mit Absicht kaputt gemacht. Ich hatte mich doch nur so geärgert, weil ich nicht mitspielen durfte und da …“ Der Drache stockte.
„Da ist mir mein Feuer einfach rausgerutscht. Es tut mir so Leid.“ Die beiden umarmen und drücken sich. Über Rudis sommersprossige Wange rutscht eine kleine Träne. „Mir tut es Leid, dass ich dich nicht mitspielen lassen und so geärgert hab’.“ Sie schauen sich tief in die Augen. „Jetzt können wir wohl das Kriegsbeil begraben.“ „Aber eine Friedenspfeife wollen wir nicht rauchen. Für heute hatten wir genug Feuer“, lacht ihn der Taschendrache an. An diesem Abend schlafen beide friedlich ein. Rudi in seinem Hochbett und der Taschendrache, wie immer, auf der Fensterbank – und Hupfis Pelle liegt als Tischtuch auf dem Kindertisch.
Ein Rascheln schreckt Rudi aus dem Schlaf. Er schaut sich im Zimmer um. Staubpartikel flimmern in den schmalen Sonnenstrahlen, die durch die Schlitze des Rollladens scheinen. Da ist das Geräusch wieder. Es kommt direkt unter dem Hochbett hervor. Ängstlich flüstert Rudi zu seinem kleinen Freund, der auf der Fensterbank schläft, hinüber. „Taschendrache? Hast du das gehört?“ „Ja“, flüstert dieser zurück, „was ist das?“ „Ich habe keine Ahnung.“ Beide hören angestrengt in den Raum.
Das gruselige Geräusch ertönt wieder, gefolgt von – tapp, tapp, tapp – watschelnden Schritten.
Rudi ruft ängstlich: „Wer ist da?“
Keine Antwort.
Der Taschendrache flattert von der Fensterbank zu Rudi.
„Bestimmt ist es halb so schlimm, wie es klingt.“
„Mich gruselt’s!“
„Du bist doch kein Angsthase, oder?“
„Nein“, antwortet der Junge, „das bin ich nicht.“
„Außerdem bist du schon vier Jahre alt.“
„Fast fünf sogar.“ Der kleine Rotschopf hält kurz inne.
„Aber trotzdem!“
„Okay“, antwortet der grüne Freund, „ich bin bei dir. Kein Grund, ängstlich zu sein. Frag’ nochmal, wer da ist“.
Rudi nickt.
„Wer IST da?“
Wieder keine Antwort.
Stattdessen dringt ein leises Quak unter Rudis Hochbett hervor.
An der Wand ist ein großer Schatten zu sehen.
„Hast du das gehört?“
„Ja“, antwortet der Taschendrache, „und schau’ mal da rüber, an die Wand!“
Rudi zeigt zitternd auf das große Gebilde, das sich auf der gegenüberliegenden Wand abzeichnet.
Oval und zerzaust, wie der Umriss eines großen Monsters, bewegt sich der dunkle Fleck langsam hin und her.
„Iiihh“, ruft Rudi, „ein Monster wohnt unter meinem Bett!“
Der Junge ist den Tränen nah und atmet schnell.
„Oh Gott, was machen wir nur?“
„Beruhige dich!“
Rudi wundert sich, wieso der Drache keine Angst hat.
Gruselt es ihn nicht?
Weiß er vielleicht, was da unter seinem Bett wohnt?
Schließlich kommt er aus einem Land, in dem es jede Menge Monster gibt!
Ich glaube“, der grüne Freund flattert mit seinen kleinen gelben Flügelchen, „ich glaube, wir müssen nachschauen“.
„Lieber nicht!“
Die Augen des Taschendrachens funkeln im Halbdunkel des Zimmers zu Rudi.
„Ich habe eine Idee! Du schaust unter dein Bett und ich stehe genau neben dir.
Wenn es tatsächlich ein Monster ist, dann speie ich Feuer.
Und wenn es sich dann erschreckt, rennen wir schnell aus dem Zimmer, okay?“
Mutig steckt der kleine Junge sein Sommersprossengesicht durch die Bettgitter und blickt unter sein Hochbett.
Sein kleiner Drache klammert sich an seine Schulter, jederzeit bereit, einen Feuerstrahl unter das Bett zu schicken.
„Wer glotzt mich denn so komisch an? Der Rudi ist’s, oh Mann oh Mann.“
Eine fusslig-gelbe Kuschelente watschelt reimend unter dem Bett hervor.
„Quietschi!“, ruft Rudi überrascht,
„Gott sei Dank, du bist’s. Wir hatten schon solche Angst! Aber wo kommst du denn her? Dich habe ich schon gesucht!“
„Gesucht hast du mich? Das glaube ich nicht.“
Verärgert flattert das Stofftier zu Rudi ins Bett und reimt weiter: „Unter das Bett geworfen hast du mich, und das macht mich sehr ärgerlich.“
Rudi erinnert sich, mit der Ente gestern in seiner Spielhöhle gespielt zu haben. Dort hat er sie dann vergessen.
„Und deshalb musst du mir solche Angst machen?“
