Samuel - W.W. Fereday - E-Book

Samuel E-Book

W.W. Fereday

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Beschreibung

Samuel war Gottes Mann für die Zeit der Not, die Zeit des Verfalls. In Israel war das Priestertum in geistlicher und moralischer Hinsicht auf einem traurigen Tiefstand. Das Königtum in der Person des Mannes nach dem Herzen Gottes bestand noch nicht. In dieser Übergangszeit übte Samuel mehr oder weniger die Funktionen eines Propheten, eines Priesters und eines Königs aus. Dieses leicht verständliche Buch stellt Samuels persönlichen Charakter als eine Beispiel für uns vor. Seine einfache und ungekünstelte Frömmigkeit, seine tadellose Verwaltung und Regierung, sein Dienst in der Fürbitte, seine gewissenhafte Verurteilung alles Bösen ergeben ein so erfreuliches Bild, dass wir alle danach streben sollten, ihn nachzuahmen.

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Seitenzahl: 135

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Die Bibelstellen sind nach der im gleichen Verlag erschienenen „Elberfelder Übersetzung“ (Edition CSV Hückeswagen) angeführt.2. überarbeitete Auflage 2015© Christliche Schriftenverbreitung, HückeswagenUmschlaggestaltung: www.ideegrafik.deSatz und Layout: VCG, www.vvcg.deDruck: Prime Rate Kft., BudapestISBN Printversion: 978-3-89287-403-4ISBN E-Book: 978-3-89287-554-3www.csv-verlag.de

Inhaltsverzeichnis

Einführung

Was ist ein „Mann Gottes“?

Hanna, ihr Gebet und ihr Lobpreis

Der Knabe, umgürtet mit dem Ephod

Die nächtliche Offenbarung

„Ikabod“

Die Stiftshütte ohne Lade

Die Versammlung in Mizpa

Eben-Eser

Prophet und Richter

„Setze einen König über uns ein“

Die Weise des Königs

Saul und die Eselinnen

Die Begegnung Samuels mit Saul

Zelzach, Tabor und Gilgal

Das Los von Mizpa

Die Rettung von Jabes-Gilead

Das Ende des Richtertums

Der Niedergang des Königs

Samuels letzter Besuch bei Saul

„Gehorchen ist besser als Schlachtopfer“

Der Mann nach dem Herzen Gottes

Die Kraft des Geistes Gottes

Samuels Tod

Samuel in Endor

Einführung

Samuel lebte in einer Zeit, die in der Geschichte eines besonderen Volkes eine besondere Bedeutung hatte. Das Volk Israel nahm in den Wegen Gottes einen Platz ein, wie er keiner anderen Nation zuteilwurde. Israel bildet den Mittelpunkt aller Pläne Gottes für die Regierung und Segnung der Erde. Diese armselige, leidende Welt, die in Unordnung geraten ist, wird erst dann wahre Gerechtigkeit und echten Frieden erfahren, wenn Israel wiederhergestellt ist. Dieses freudige Ereignis wird eintreten, wenn der Herr Jesus in Macht und großer Herrlichkeit vom Himmel zurückkommt.

Die Zeit, in der Samuel lebte, hatte Übergangscharakter: Das Priestertum bildete nach dem Tod Moses die von Gott eingerichtete Verbindung zwischen dem HERRN und seinem Volk; doch nun war das Priestertum völlig zusammengebrochen, sowohl moralisch als auch geistlich. Das Königtum in der Person des Mannes nach dem Herzen Gottes bestand noch nicht. Während dieser Übergangsperiode übte Samuel mehr oder weniger die Funktionen eines Propheten, eines Priesters und eines Königs aus. Er war sehr wohl ein Prophet (1. Sam 3,20); sein Ephod, seine Opfer und seine Fürbitte waren priesterlich (1. Sam 2,18; 10,8), und sein Richteramt war in gewisser Hinsicht königlich (1. Sam 7,15–17). Auf diese Weise begegnete Gott den Nöten seines Volkes in schwierigen Tagen.

Samuels persönlicher Charakter ist ein Beispiel für uns alle. Seine Frömmigkeit war einfach und ungekünstelt; er führte eine tadellose Verwaltung; er übte den Dienst der Fürbitte; gewissenhaft verurteilte er alles Böse bei Herrscher und Untertanen – all das zeichnet ein so erfreuliches Bild seines Lebens, dass wir alle danach streben sollten, ihn nachzuahmen.

Was ist ein „Mann Gottes“?

Samuel war nicht nur „der Mann Gottes“, sondern sozusagen der Mann Gottes in der Notzeit. Solche Männer sind immer in Zeiten besonderer Schwierigkeiten und Nöte erschienen – sowohl in Israel als auch in der Geschichte der Kirche Gottes. Wäre die göttlich eingesetzte Ordnung aufrechterhalten worden, wäre ein solcher Mann nicht notwendig gewesen. Aus den frühen Tagen der Christenheit wird uns in den Schriften nicht von solchen Männern berichtet, denn zu jener Zeit war alles in bester Ordnung. Es war eine Zeit, in der alle in der Kirche Gottes „mit dem Heiligen Geist erfüllt“ waren und man sagen konnte, dass „große Gnade auf ihnen allen“ war (Apg 4,31–33). Aber als sie ihre erste Liebe verlassen hatten und Unordnung einzusetzen begann, lesen wir von dem „Menschen Gottes“. Die erste Person, die im Neuen Testament so bezeichnet wird, ist Timotheus (1. Tim 6,11). Ohne Zweifel hat es während der folgenden Jahrhunderte viele solcher treuen Menschen gegeben, und ihre Treue wird am Tag des Herrn auch belohnt werden.

Auch heute gibt es „Menschen Gottes“, denen Gott Gaben gegeben hat. Diese Gaben sind immer gegeben worden, seitdem der Herr Jesus in den Himmel hinaufgestiegen ist und seinen Sitz zur Rechten Gottes eingenommen hat, und diese Gaben werden weiterhin gegeben werden, solange der Leib Christi noch auf dieser Erde ist (Eph 4,7–11). Das zeigt uns, wie treu unser Herr für uns sorgt. Ein Christ kann ein Evangelist, ein Hirte oder ein Lehrer sein oder er kann sogar alle drei Gaben in sich vereinigen, ohne jedoch ein „Mensch Gottes“ zu sein. Dass dies möglich ist, wird wohl kaum jemand bezweifeln.

Was ist denn nun ein „Mann Gottes“? Mose ist der erste Diener Gottes, der diesen Ehrentitel trug. Fünfmal wird er im Wort Gottes so genannt (5. Mo 33,1; Jos 14,6; 1. Chr 23,14; 2. Chr 30,16; Esra 3,2). Sein ganzer Lebenslauf zeigt, wie er auf einzigartige Weise dem HERRN ergeben war. Freudig gab er alle Ehren und Bequemlichkeiten am ägyptischen Hof auf, um sich mit dem unterdrückten Volk Gottes einszumachen. Willig ertrug er die Last der vierzig Jahre der „Erbitterung“ (vgl. Heb 3,8–10), und mit bewundernswerter Geduld ertrug er Israels Murren und Undankbarkeit. Darüber hinaus verwandte er sich bei Gott für das Volk und ging in seiner Fürbitte so weit, dass er aus dem Buch Gottes ausgelöscht werden wollte, wenn Gott dadurch die Sünden des Volkes vergeben würde. Sein Eifern für den Namen Gottes in Verbindung mit dem Volk war wirklich bewundernswert. Sein vertrauter Umgang mit Gott zugunsten seines Volkes, so wie er uns in 2. Mose 32 und 33 berichtet wird, ist fast unvergleichlich. Selbstverständlich war Mose nicht vollkommen – nur Einer war jemals vollkommen –, aber seine Selbstlosigkeit und seine Ergebenheit zeichnen ihn als einen der hervorragendsten Charaktere der biblischen Geschichte aus. Durch Mose erhalten wir eine gewisse Vorstellung davon, was in dem Titel „Mann Gottes“ enthalten ist.

Auch Samuel wurde in seinen Tagen als Mann Gottes angesehen (1. Sam 9,6–10), und das mit Recht. Die Umstände in Israel waren sehr schwierig, als Samuel auf der Bildfläche erschien. Nach Moses Tod wurde das Priestertum das Bindeglied zwischen Gott und seinem Volk; der zivile und militärische Führer kam erst an zweiter Stelle. (4. Mo 27,18–21). Aber in der Person Elis brach das Priestertum völlig zusammen. Obgleich Eli selbst ein frommer Mann war, erlaubte er doch bei denen, die ihm am nächsten standen, Ungerechtigkeiten ernstester Art: „Denn ich habe ihm kundgetan, ... dass seine Söhne sich den Fluch zuzogen und er ihnen nicht gewehrt hat“ (1. Sam 3,13). Seine natürlichen Zuneigungen beeinträchtigten seine Treue gegen den HERRN, und das zog das Verderben des ganzen Volkes nach sich.

Der Zustand des Volkes war genauso verkehrt wie der seines Hohenpriesters. Es waren die Tage, als kein König in Israel war; „jeder tat, was recht war in seinen Augen“ (Ri 21,25). Die letzten Kapitel des Buches der Richter enthüllen uns die schlimmen Zustände, die sich im Land entwickelt hatten.

Auch in dem Haus, aus dem Samuel kam, waren die Dinge nicht in Ordnung. Sein Vater war ein Levit und stammte von Korah ab. Als Korah sich gegen Gott empört hatte, waren seine Söhne gnädig von der Vernichtung verschont geblieben (4. Mo 26,11); später waren sie Torhüter und Sänger im Haus des HERRN. Eine solche Gnade hätte ihr Herz mit tiefer Dankbarkeit gegen Gott erfüllen und sie bereit machen sollen, seinem Willen ergeben zu sein. Aber wir finden, dass Samuels Vater Elkana zwei Frauen hatte; der Name der einen war Hanna und der Name der anderen Peninna (1. Sam 1,2). Wusste Elkana es nicht besser? Sein Handeln brachte Elend ins Haus. Wir werden dabei an die Unruhe in Abrahams Umgebung erinnert, als er Hagar zu Sara hinzunahm.

In Elkana, Samuels Vater, haben wir das Bild eines Korahiten, der Unrecht getan hatte, und in Eli das Bild eines schwachen Hohenpriesters, der Böses duldete in einer äußerst gesetzlosen Nation. Aber statt dass ein beleidigter Gott Gericht brachte, erweckte Er den Mann, durch den Er sein treuloses Volk wiederherstellen und segnen wollte. Diesen Platz nahm nun Samuel in den Wegen Gottes mit seinem Volk ein.

Hanna, ihr Gebet und ihr Lobpreis

In keinem einzigen Fall hat der Geist Gottes eine Frau zum Schreiben der Heiligen Schrift benutzt. Auch hat der Herr Jesus keine Frau in den Kreis der Apostel eingefügt, obgleich Er von Frauen umgeben war, die in der Liebe und Ergebenheit nicht im Geringsten hinter den Aposteln zurückstanden. Aber ebenso wahr ist es, dass einige der edelsten Dichtungen im Wort Gottes aus dem Mund von Frauen kamen. Zu diesen kostbaren geistlichen Schätzen gehören die Aussprüche Mirjams, Deboras, Hannas und Marias von Nazareth.

Hanna war eine Frau des Gebets und wurde die Mutter des betenden Samuels und die Stammmutter Hemans, des Sängers im Tempel (Ps 99,6; 1. Chr 6,33). Zuerst betete Hanna um einen Sohn. In ihrer Not und Bedrängnis weinte sie im Gebet (1. Sam 1,10). Der Mann, der vor allem Volk in enger Verbindung mit Gott stehen sollte, war von Gott so weit entfernt, dass er den Unterschied zwischen einer tief betrübten Frau und einer Betrunkenen nicht erkennen konnte. Gottes Priester sollte sowohl teilnehmend als auch mitfühlend sein, da auch er selbst „mit Schwachheit behaftet“ war (Heb 5,2). Der auferstandene Herr war das alles und noch mehr, aber der Hohepriester Eli war leider nur eine schwache Andeutung eines Vorbildes von Ihm. Nachdem Eli seinen Irrtum erkannt hatte, konnte er nur unklar sagen: „Geh hin in Frieden; und der Gott Israels gewähre deine Bitte, die du von ihm erbeten hast!“ (1. Sam 1,17).

Der Herr erhörte gnädig das Rufen seiner Magd und zu gegebener Zeit wurde ihr Sohn geboren. Sie nannte ihn Samuel, was „von Gott erhört“ bedeutet. Die Mutter weihte ihren Sohn sogleich dem HERRN entsprechend dem Gelübde, das sie während ihres Gebets abgelegt hatte: Samuel sollte ein Nasir für Gott werden. Was für ein wunderbares Beispiel für gläubige Mütter! Denken wir doch ein wenig darüber nach und fragen wir uns, die wir Eltern sind, ob wir für unsere Kinder vor allem wünschen, dass sie abgesondert für Gott leben, oder ob wir wünschen, dass sie sich in dieser Welt, wo Christus nicht ist, auszeichnen und erfolgreich sind!

Wie oft lesen wir in den Aufzeichnungen über die Könige Israels die Bemerkung: „Der Name seiner Mutter war ...“ Hiermit wird sicher angedeutet, dass die Mütter den größten Anteil daran haben, wie sich der Charakter der Kinder, die Gott ihnen anvertraut hat, entwickelt. Auch Timotheus verdankte seiner Großmutter Lois und seiner Mutter Eunike viel (2. Tim 1,5).

Nachdem Hanna ihren Sohn entwöhnt hatte, brachte sie ihn mit einigen Opfern nach Silo in das Haus des HERRN. Der geschlachtete Stier als Brandopfer ist ein Bild von Christus in seiner vollkommenen Ergebenheit bis zum Tod. Das Epha Mehl weist auf seine Erniedrigung als Mensch hin, so wie Gott Ihn sah, und der Schlauch Wein redet von der Freude, die Gott in seinem Sohn fand. In diesen Vortrefflichkeiten, die Christus vor Gott hatte, wurde der Knabe Samuel dem HERRN geweiht. „Und er betete dort den HERRN an“ (1. Sam 1,28).

Hanna bricht nun in einen prophetischen Lobpreis aus. Wenn wir ihr Gebet aufmerksam lesen, stellen wir fest, dass es dem Lobpreis der Maria auffallend ähnelt (Lk 1,46–55). Sowohl Hanna als auch Maria sind treffende Beispiele des treuen Überrests ihrer Zeit. Beide waren von den Zuständen im Volk Gottes tief berührt; beide fühlten, dass von Menschen keine Hoffnung zu erwarten war; beide vertrauten auf Gottes reiche Gnade gegen die, die auf Ihn rechneten; beide vertrauten darauf, dass am Ende Gott über alle Widersacher siegen würde. Lesen wir daher Hannas Lobgesang einmal aufmerksam durch (1. Sam 2,1–10)! Wir erkennen darin einen wunderbaren Ausdruck des Glaubens, der weit über die Umstände jener Zeit hinausgeht. Das Geschenk eines Sohnes allein konnte wohl kaum diesen Lobpreis hervorgerufen haben. Aber vor Gottes Augen stand immer Christus, und Gott benutzte das demütige Werkzeug, die Mutter Samuels, um von Christus als dem letzten Heil für Israel und für diese Erde zu sprechen.

Gottes Absichten standen in Verbindung mit einem König. Die gefallene Priesterschaft war nicht mehr länger Bindeglied zwischen Gott und dem Menschen; eine Änderung stand bevor. Durch die letzten Verse des Buches Ruth wurden wir hierauf schon vorbereitet. Dieses reizende Buch ist zugleich ein Anhang zum Buch der Richter und eine Einführung zu den Büchern Samuel und Könige. Der passende Abschluss ist der Stammbaum Davids (Ruth 4,18–22).

Die Geburt Samuels war zwar der Anlass für Hannas prophetischen Ausspruch bezüglich eines Königs, doch Samuel selbst war nicht für das königliche Amt bestimmt. Der Mann nach der Wahl Gottes erschien als König erst, nachdem der Mann nach der Wahl des Volkes die Nation ins Unheil gestürzt hatte. Und doch ist auch nicht David, sondern Christus der wahre Gesalbte Gottes. Wenn Gottes Zeit gekommen sein wird, wird Christus erscheinen und alle seine Feinde vernichten. Auf diesen Augenblick warten auch wir, denn wir wissen, dass erst dann Gerechtigkeit herrschen wird, wenn der Herr das eiserne Zepter in seiner festen Hand hat. „Der HERR wird hoch erhaben sein, er allein, an jenem Tag“ (Jes 2,11).

Der Knabe, umgürtet mit dem Ephod

Es ist etwas überraschend, wenn wir in 1. Samuel 2,18 lesen, dass der Knabe Samuel „mit einem leinenen Ephod umgürtet“ war, denn Samuel war nicht aus einem priesterlichen Haus, obgleich er ein Levit war. Nur eine einzige Person außerhalb der Familie Aarons, die ein Ephod trug, wird erwähnt: David, als er die Lade des HERRN von Kirjat–Jearim nach Zion brachte (2. Sam 6,14). Diese Umstände zeigen deutlich den Wechsel in den Beziehungen des HERRN zu Israel an. Die aaronitischen Priester übten unter ihrem Haupt, dem Hohenpriester, zwar weiterhin ihre Funktionen im Heiligtum für das Volk aus, aber der Hohepriester war nicht mehr länger das Bindeglied zu dem HERRN. Samuel und David, der Prophet und der König, deuten auf den Kommenden hin, in dem alle Dienste, die den Bedürfnissen der Menschen Rechnung tragen, in gesegneter Weise vereinigt sind.

In einer feierlichen Botschaft an Eli durch einen ungenannten Mann Gottes bestätigt der HERR die Verheißung eines Königs und sagt klar, wo die Priesterschaft in Zukunft stehen sollte: „Ich werde mir einen treuen Priester erwecken, der wird tun, wie es in meinem Herzen und in meiner Seele ist; und ich werde ihm ein beständiges Haus bauen, und er wird vor meinem Gesalbten wandeln alle Tage“ (1. Sam 2,35). Vergleichen wir diesen Vers mit 4. Mose 27,18–23. Dort wird Josua dazu berufen, vor Eleasar, dem Priester, zu stehen, der für ihn das Urteil der Urim vor dem HERRN befragen soll, und „nach seinem Befehl sollen sie ausziehen, und nach seinem Befehl sollen sie einziehen“. Nun musste der Priester, obgleich treu und nach dem Herzen des HERRN, vor dem König wandeln. Ja, noch mehr: Der Titel „der Gesalbte“, der bisher nur dem Hohenpriester zustand, sollte fortan dem König gehören.

Das Buch der Richter zeigt uns den Zustand des Volkes, aber der Schreiber des Buches schweigt sich sonderbarerweise über das Priestertum aus und erwähnt es nur einmal am Rande (Ri 20,27.28). Ein Einfluss der Priester scheint praktisch überhaupt nicht mehr vorhanden gewesen zu sein. Das erste Buch Samuel dagegen beginnt nicht mit dem Zustand des Volkes, sondern gerade mit dem der Priesterschaft – und dieser Zustand war wirklich erschreckend. Eli war beschämend schwach, und seine Söhne, von denen einer sein Nachfolger werden sollte, waren überaus böse. Die Geduld des HERRN war nun zu Ende. Die Ordnung der Dinge, die Gott selbst beim Tod Moses aufgerichtet hatte, musste nun im Gericht enden. Es ist wichtig, noch darauf hinzuweisen, dass Eli und seine Söhne nicht aus der Linie Pinehas' kamen. Gott hatte Pinehas ein ewiges Priestertum wegen seines Eifers und seiner Treue verheißen, als das Volk in den Götzendienst des Baal–Peor verfallen war (4. Mo 25,10–13). Während der ungeordneten Richterzeit war die wahre Linie durch die Familie Ithamars irgendwie beiseitegedrängt worden. Der HERR hatte für den Augenblick darüber hinweggesehen, aber nun war die Stunde des Gerichts gekommen. Eli und seine Söhne verloren das Priestertum wieder, und die Linie Pinehas' wurde wiederhergestellt. Jedoch war von da an nicht der Priester, sondern der König der Gesalbte Gottes, und das Priestertum musste unter ihm dienen.