Santa sendet SOS - Uwe Goeritz - E-Book

Santa sendet SOS E-Book

Uwe Goeritz

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Beschreibung

"Santa sendet SOS" Altersfreigabe: ab 16 Jahren Seit mehr als zwei Jahren lebt die ehemalige Elfe Svenja bereits als Mensch unter Menschen mit ihrer Partnerin Tina zusammen, da wird sie von ihrer Vergangenheit eingeholt. Eine Nachricht von ihrer Freundin aus der Arktis lässt sie in Sorge zurückblicken. Nach kurzer Bedenkzeit bricht sie mit Tina auf, um das Rätsel dieser Botschaft zu ergründen. Es beginnt eine abenteuerliche und gefährliche Suche durch die kanadische Provinz, bei der es mehr als einmal darauf ankommt, dass sie ihrem Herzen folgt und den Gefühlen vertraut, aber auch Tina muss sich ihrer Vergangenheit stellen, um die Lösung zu finden. In der Fortsetzung der Geschichte "Santas siebente Elfe" muss Svenja zeigen, wie stark eine Liebe und Freundschaft sein können, oder sie wird alles verlieren, was ihr wichtig ist.

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Seitenzahl: 194

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Inhaltsverzeichnis

Anmerkungen und Warnungen

Schneeglanz und Babygeschrei

Ende oder Pause?

Ein Neubeginn?

Schatten im Paradies

Schreck in der Morgenstunde

Beim Ohr einer Elfe!

Ruf in die Ferne

Elfensorgen

Gedankenflüge

In 20 Stunden um die halbe Welt!

Zufällige Bekanntschaften

Über den Wolken

Was man für Freunde alles tut

Glückes Geschick

Nordwärts, egal wie!

Ein Geschenk von Gott?

Hüpfend zum Nordpol

Am Rande der Steppe

Kalte Luft und heiße Liebe

Fliegen, fahren und schwimmen!

Weite weiße Wüste

Gegen die Angst!

Auf den letzten Metern gerettet!

Innerer oder äußerer Dämon?

Verzweifelte Suche

Münchhausens Zopf!

Entgegen jeglicher Vernunft

Verzweifelte Suche

(Fast) Unsichtbare Killer

In Erinnerungen versunken

Ein riskantes Experiment

Die gerettete Retterin

Erst die Belohnung, dann die Arbeit?

Das Ende einer Mission

Vier Freunde, oder fünf oder sechs?

Wilde Weihnachtsfreuden

Anmerkungen und Warnungen

Diese Erzählung sollte Jugendlichen unter 16 Jahren nicht zugänglich gemacht werden.

Ausnahmslos alle Beteiligten dieser Geschichte sind erwachsen und über 21 Jahre alt.

Sämtliche Orte, Figuren, Firmen und Ereignisse dieser Erzählung sind frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit echten Personen, ob lebend oder tot, ist rein zufällig und vom Autor nicht beabsichtigt.

1. Kapitel: Schneeglanz und Babygeschrei

Der Sonnenschein glitzerte auf der weißen Schicht aus vielen Millionen Schneeflocken, die übereinander eine scheinbar endlose Decke von etwa einem halben Meter Höhe ausmachten.

Sie hüpfte leichtfüßig im Nachthemd durch die Gegend und störte sich dabei weder an der zugeschneiten Landschaft noch an der eigentlich klirrenden Kälte.

Ausgelassen ließ sie ihre langen blonden Haare hinter sich her wehen und freute sich einfach an dem wundervollen Winterwetter, wie sie es bereits fast sechs Jahrhunderte lang in ihrer frostigen Heimat gemacht hatte.

Als Kind der Arktis war sie Kälte gewohnt und als Elfe auch davor gefeit, hier einfach so zu erfrieren, denn es war so eine Art von Gefrierschutz bei jeder Weihnachtselfe genetisch eingebaut, und sie konnte sich an der Pracht gar nicht sattsehen.

Eine wellige Fläche erstreckte sich vor ihr in alle Richtungen bis zum Horizont und der leichte Wind wehte hinter ihr ihre Spuren wieder zu, doch plötzlich hörte sie ein leises Schluchzen.

Erstaunt blieb sie stehen und blickte sich um, aber keine andere Seele war weit und breit zu sehen.

Was war das für ein Geräusch?

Abermals war es zu hören und es klang eindeutig wie das Weinen eines kleinen Kindes, aber wo konnte das hier zu finden sein?

Die gleißende Sonne mit einer Hand von ihren Augen abschirmend, schaute sie sich erneut um, doch nirgendwo war auch nur eine einzige Spur zu erblicken.

„Hallo?“, rief sie laut, aber sie bekam keine Antwort, nur das leise Weinen wehte mit dem Wind zu ihr herüber.

Fragend blickte sie sich um, als mit einem Male so etwas wie ein weißer Schleier auf sie zugeflogen kam.

Erschrocken zuckte sie zusammen, erwachte und die wunderbare Schneelandschaft verschwand in der Erinnerung, doch das Weinen war auch weiterhin zu hören.

Verschlafen erhob sie sich aus ihrem Bett, wankte ins Nachbarzimmer und folgte dem kindlichen Schluchzen.

Kurz darauf stand sie am Bett ihrer Tochter Ronja, die wohl einen schlechten Traum gehabt hatte.

Liebevoll hob sie das Mädchen heraus, nahm es in den Arm und ging leise singend mit dem Kind in der Wohnung umher.

Ronja hörte schließlich zu weinen auf und lauschte der uralten Melodie in der fremden Sprache der Elfen, die sie selbst noch so gut kannte.

Einst hatte ihre Ziehmutter Ronja ihr dieses Lied gesungen, wenn sie nachts nicht schlafen konnte, und jetzt tat sie dasselbe mit ihrer Tochter.

Der Kreis schloss sich irgendwie.

Leise trat sie zurück ins Kinderzimmer, wo Ronjas Bettchen neben dem von Tinas Tochter Sofia stand.

Ronja war anderthalb und Sofia zwei Jahre alt, aber zum Glück war Sofia vom Weinen nicht aufgewacht, sondern schlief selig weiter.

Schließlich war auch Ronja wieder eingeschlafen und sie legte die Tochter vorsichtig zurück.

Für einen Moment schaute sie in das schlafende Gesicht der Tochter, dann schlich sie aus dem Zimmer und ging zum Stubenfenster, von dem aus sie auf die langsam erwachende Großstadt hinabblicken konnte.

Vor drei Jahren, fast auf den Tag genau, war sie als Weihnachtselfe auf Abwegen hier auf Tina getroffen, und seit über zwei Jahren lebte sie jetzt schon als Mensch unter Menschen, aber hatte sie sich das damals wirklich so vorgestellt?

Was waren eigentlich ihre Wünsche gewesen, als sie einst das erste Mal hier an diesem Fenster gestanden hatte? Die Liebe zu Tina selbstverständlich, eventuell auch das eigene Kind, obwohl sie das zu der Zeit wohl kaum zu hoffen gewagt hatte, aber sonst?

Hatte sich alles wunschgemäß gefügt?

Ein leichter Zweifel zog um ihr Gemüt und sie ging auf Zehenspitzen zur offenen Schlafstubentür hinüber.

Mit einem Blick in den Raum sah sie Tina, die lang ausgestreckt in ihrem Bett lag und von Ronjas Weinen nichts mitbekommen hatte.

Einst hatten sie sich die Aufgaben geteilt: Tina ging zur Arbeit, sie blieb bei den beiden Kindern, und das hatte damals ganz schön geklungen, aber die Realität mit zwei kleinen Mädchen im Haus war dann doch eine ganz andere gewesen.

Hätte sie jemand vorwarnen können?

Ronja vielleicht, wenn sie die Ziehmutter damals in ihre Pläne eingeweiht hätte, aber sie hatte die ferne Freundin praktisch vor vollendete Tatsachen gestellt, als sie und Tina bereits schwanger waren.

Für Tina hatte sich nach der Geburt ihrer Tochter nicht viel geändert. Noch immer arbeitete sie mit Klaus, dem Vater ihrer beiden Kinder, in derselben Firma, machte praktisch noch immer das, was sie vor ihrem Zusammentreffen auch getan hatte, ging regelmäßig mit Klaus ins Fitnessstudio oder auch mal nach Feierabend in eine Bar.

Und was war für sie anders geworden?

Grübelnd fühlte sie in sich hinein.

Eigentlich alles!

Sie lebte hier in der Stadt und nicht mehr in der Arktis, die Arbeit bestand praktisch nur noch aus dem Bespaßen der beiden Kinder, wobei sie früher die Verantwortung für hunderttausende Kinder gehabt hatte, denn ihre Aufgabe bei Santa Clause war es ja gewesen, einzuschätzen, wer ein Geschenk bekommen sollte und wer zu Weihnachten leer ausging.

Sie war jetzt auch ein Mensch und keine Elfe mehr!

Das kleine Bäuchlein, das sie nach Ronjas Geburt bekommen hatte, versuchte sie seit Monaten wieder loszuwerden, was sich aber ziemlich schwierig gestaltete, denn sie hatte nicht mehr denselben Stoffwechsel, wie früher.

Damals hätte sie kiloweise Plätzchen verdrücken können und hätte dadurch nicht ein Gramm zugenommen, jetzt war das alles anders und sie musste auf ihre Ernährung achten.

Von der Zeit davor war ihr eigentlich nur dieses gute Sehen in der Nacht geblieben, denn das war wohl den Umständen geschuldet, wenn es das halbe Jahr dunkel war, und diese unbändige Freude auf das Weihnachtsfest, die sie sich bewahrt hatte.

Und als echte Tochter einer Elfe war Ronja natürlich wie sie selbst am ersten Weihnachtsfeiertag geboren, was ihr diese Tage selbstverständlich noch einmal um ein Vielfaches wichtiger machte.

Ruhe war in der Wohnung, es war noch früh am Morgen, und sie stützte die Hand neben ihrem Kopf gegen den Türrahmen.

Das magische Glühen in dem Edelstein im Trauring an ihrem Finger fing ihren Blick ein.

Diese beiden Ringe, mit denen sie mit Tina ihr Glück hatte besiegeln wollen, und die Ronja ihr damals ausgesucht und zugeschickt hatte, waren wohl als einziges Zeichen ihrer Liebe geblieben.

Aber warum nur?

Sie war doch damals ein Mensch geworden, weil sie mit Tina zusammenleben wollte.

Was war davon noch übrig?

Nicht mehr viel. Oder doch?

War da noch diese Glut in ihrer Beziehung, die der Ring ihr soeben zeigte?

Leise seufzte sie, denn an manchen Tagen sahen sie sich kaum, obwohl sie ständig zu Hause war.

Tina ging ihren Weg, und wo blieb sie?

Im täglichen Kleinklein der Dinge war die Glut zwischen ihren wohl ein wenig abgekühlt, aber der Ring wollte sie daran erinnern, dass die Liebe noch immer irgendwo in ihr brannte.

Nur wo war sie geblieben?

Traurig riss sie sich von diesem Bild der schlafenden Partnerin los und ging zurück zum Fenster.

Die Stirn gegen das kalte Glas gelegt, dachte sie weiter nach.

Kapitel 2: Ende oder Pause?

Sie erwachte und bemerkte, dass es schon hell war, dann erblickte sie das leere Bett neben sich. Die Bettdecke war zurückgeschlagen und Svenja war nirgendwo zu sehen, aber vermutlich war sie wieder mal bei den Kindern.

Svenja hatte sie einfach schlafen lassen, und dabei hatten sie doch an diesem Tage viel vor!

Gähnend setzte sie sich auf, schaute über die Schulter zum Wecker und sprang aus dem Bett.

„Mist“, stieß sie aus und rannte aus dem Zimmer zum Bad hinüber.

Unterwegs entledigte sie sich hastig der Kleidung und hüpfte unter die Dusche, denn es war schon fast zehn Uhr und sie hatte sich für halb elf mit Klaus zum Lauftraining verabredet.

Warum hatte Svenja sie nicht geweckt, wie es doch am Abend zuvor vereinbart worden war?

Und den Wecker hatte Svenja offenbar auch ausgemacht, denn der hätte um 9:30 Uhr spätestens geklingelt!

Dusche und Zähneputzen wurden gleichzeitig absolviert, und nach nicht einmal zehn Minuten stürmte sie wieder aus dem Bad.

Zum Glück brauchten ihre kurzen Haare nicht so viel Pflege, wie Svenjas lange blonde Mähne.

„Warum hast du mich schlafen lassen?“, fragte sie aufgebracht.

„Erst mal guten Morgen“, entgegnete Svenja, die in der Stube auf dem Sofa saß.

Sie winkte ab und eilte ins Schlafzimmer, um ihre Laufsachen anzuziehen.

Unerbittlich zählte der Wecker die Minuten weiter, und wenn sie sich nicht beeilen würde, dann käme sie zu spät zum Treffpunkt. Und dabei konnte man sich doch jederzeit felsenfest auf sie verlassen.

Svenja war hinter sie getreten, stand mit vor der Brust verschränkten Armen an den Türrahmen gelehnt und gab keinen Ton von sich.

Ihre Augen sagten alles, denn Svenjas Blick schien sie an diese Stelle bannen zu wollen, doch sie musste los.

„Was ist?“, blaffte sie über die Schulter zu Svenja zurück, obwohl sie für eine Diskussion gerade eigentlich keine Zeit hatte.

Seufzend winkte Svenja ab und ging einfach.

„Verstehe einer die Frauen“, schimpfte sie und zog sich die Turnschuhe an.

Ohne weiteren Gruß rannte sie zur Wohnungstür, danach die Treppe hinab, und hetzte dem Treffpunkt entgegen, an dem der Freund aber schon wartete und auf die Uhr zeigte.

„Gerade noch rechtzeitig“, sagte Klaus.

„Svenja hat mich nicht geweckt“, versuchte sie sich zu entschuldigen.

„Wir sollten also heute lieber nicht laufen, sondern reden!“, entgegnete er.

„Wieso?“, fragte sie nach.

„Bei euch beiden ist gerade ziemlich viel im Argen. Oder?“

„Wie kommst du nur auf das schmale Brett?“, antwortete sie gespielt gelassen.

„Ich kenne das nur zu gut. Du schiebst Svenja die Schuld für etwas zu, was du verbockt hast. Was ist los?“

Grübelnd blickte sie den Freund an. Hatte er eventuell recht?

Sie schaute über die Schulter zurück, als würde Svenja jetzt noch hinter ihr stehen, und dachte dabei an den Morgen zurück.

So ganz falsch lag der Freund mit seiner Einschätzung wohl nicht.

Was war da nur los?

„Du solltest mal wieder was mit Svenja unternehmen, und nicht hier mit mir durch den Park rennen!“, setzte Klaus fort.

„Nächste Woche haben wir ja alle Urlaub“, hielt sie ihm entgegen.

„Stimmt. Da fahren wir zu fünft an die Ostsee, aber wirst du da wirklich Zeit mit Svenja verbringen, wenn Ronja und Sofia dabei sind?“, erklärte Klaus und traf damit vermutlich den wunden Punkt der Urlaubsplanung.

Und wohl auch den Kern des Problems an sich, denn durch die Kinder waren sie nie mehr allein.

„Es ist halt schwierig, mit zwei kleinen Kindern im Hause richtig in Stimmung zu kommen“, erwiderte sie dem Freund und grübelte nach, wann das wohl angefangen hatte.

Wirklich erst mit Sofias Geburt?

Das erste halbe Jahr nach Svenjas Rückkehr war wie im Fieber verflogen, wie im Rausch, dann die ziemlich schmerzhafte Geburt, bei der die Freundin ihr hilfreich zur Seite gestanden hatte, und danach?

Sie war auf die Arbeit zurückgegangen und Svenja hatte wie selbstverständlich sofort Sofias Betreuung übernommen.

„Ihr beide braucht eine Pause vom Alltag, sonst wird es das Ende eurer Liebe sein!“, erklärte Klaus mahnend.

Er wollte Svenja wohl ebenfalls nicht verlieren und daher drängte er jetzt auf sie ein.

„Wir brechen das hier ab, du gehst zu Svenja zurück, bringst mir später die Kinder und dann macht ihr beiden mal wieder was wirklich Romantisches miteinander!“, setzte er noch hinzu.

„Du? Und die beiden Kinder?“, fragte sie argwöhnisch nach.

„Meine Mutter freut sich jedes Mal, wenn sie die beiden kleinen Mäuse nach Strich und Faden bemuttern kann“, entgegnete er lächelnd.

„Darauf hätte ich jetzt wetten können, aber der Vorschlag ist klasse. Ich mache mich auf den Weg und danke dir“, erklärte sie.

Klaus nickte ihr zu und lief in den Park. Sie rannte in die entgegengesetzte Richtung wieder nach Hause.

Der Tag, der mit einem sinnlosen Streit begonnen hatte, sollte sich nicht so fortsetzen, denn man sollte nicht streitend auseinandergehen.

Sie betrat die Wohnung und Svenja saß noch immer im Nachthemd auf dem Sofa.

Ihre Tochter Sofia machte in ihrem Baby-rollator die ersten Schritte des Tages und Ronja krabbelte neben Svenja auf dem Boden herum.

Offenbar hatte die Freundin hier alles im Griff und sah sie jetzt so fragend an.

„Du bist ja schon wieder zurück?“

„Ja. Klaus hat mir ordentlich den Kopf gewaschen. Was machst du?“, entgegnete sie.

Der vorherige Zorn war verraucht und sie ließ sich neben der Freundin auf das Sofa fallen.

„Ich habe Agnetha soeben ein paar Zeilen geschrieben und ihr ein neues Bild von den Kindern geschickt“, antwortete Svenja und klappte den Laptop zu.

„Du vermisst sie sehr. Oder?“

„Ein wenig schon, aber mehr vermisse ich uns. Weißt du, Tina, ich habe damals all das aufgegeben, weil ich mit dir leben wollte. Was ist mit uns geschehen?“

„Irgendwie haben wir uns wohl im Alltag verloren“, seufzte sie als Antwort.

„Wir sollten das schleunigst ändern“, erwiderte die Freundin.

„Klaus hat uns angeboten, die Kinder zu sich zu nehmen. Er will mit ihnen zu seiner Mutter. Ursula wird die beiden sicherlich wieder verwöhnen und wir zwei unternehmen mal wieder was gemeinsam!“, erklärte sie.

„Das wäre schön“, entgegnete Svenja und setzte hinzu: „Ursula wird unsere beiden Lieblinge gewiss wieder verhätscheln und es wird dann ein ziemliches Geschrei geben, wenn es danach bei uns wieder andersherum geht.“

„Egal! Du gehst jetzt unter die Dusche und ich mache die Kinder reisefertig!“, drängte sie Svenja jetzt vom Sofa.

„Lass uns zusammen duschen. Das geht schneller“, entgegnete Svenja.

„Das glaube ich nicht“, erwiderte sie schmunzelnd.

3. Kapitel: Ein Neubeginn?

Gemeinsam hatten sie beschlossen, wieder mal an den kleinen See zu fahren, und daher ließen sie das Duschen auch ausfallen.

Sie hatten danach die Kinder in die Kinderwagen gepackt und waren damit zu Klaus gefahren, um sie bei ihm abzugeben.

So richtig behagte es ihr zwar nicht, die beiden Kleinen so unbeaufsichtigt in die Hände ihrer Schwiegermutter zu geben, aber Klaus hatte ihr versichert, dass er besonders Acht darauf geben würde, dass Ursula es nicht erneut mit den Süßigkeiten übertrieb.

Schließlich waren sie mit dem Bus losgefahren und das Wetter versprach einen wirklich herrlichen Sommertag.

Es dauerte eine geraume Weile, in der sie gedankenverloren in dem Gefährt neben Tina saß.

In der Erinnerung hatte sie noch jene Ausflüge, die sie früher immer zum See unternommen hatten, bevor die Kinder ihren Tagesablauf über den Haufen geworfen hatten.

Sie blickte Tina von der Seite an und versuchte, in deren Gesicht zu lesen, aber die Freundin war sonderbar verschlossen und blickte nur starr nach vorn.

Keine Miene verzog sie dabei und sie war scheinbar in ihren Gedanken versunken.

Und somit begann sie ebenfalls, einfach mal über alles nachzudenken, denn sonst kam sie an manchen Tagen mitunter zu keinem einzigen Gedanken.

Die beiden Kleinen forderten sie jeden wachen Augenblick, und danach fiel sie mitunter einfach nur kraftlos und todmüde in ihr Bett.

Vor Jahren, als sie sich sehnlichst ein Kind gewünscht hatte, da hatte sie sich noch nicht im Mindesten darüber Gedanken gemacht, was für eine Mühe und ein immenser Aufwand es war, ein Kind zu betreuen.

Und jetzt hatte sie davon zwei!

Zusätzlich kam wohl jetzt auch so langsam der Zeitpunkt heran, zu dem sie sich überlegen musste, was sie nach der Kinderbetreuung machen sollte, denn im nächsten Jahr kämen die beiden in die Krippe, und was war dann ihre Berufung?

Einst war sie für Millionen Kinder zuständig gewesen und hatte die Listen bei Santa Clause kontrolliert, aber so wirklich hatte sie nichts gelernt, was man in der Menschenwelt zum Broterwerb nutzen konnte!

Möglicherweise hatte sie sich das damals im Überschwang der Glücksgefühle mit diesem Le-ben als Mensch nicht bis zum letzten Punkt durchdacht.

Die Liebe zu Tina und diese Sehnsucht nach einem Kind hatten da wohl irgendwie ihren Blick getrübt.

Noch war aber Zeit, darauf eine Antwort zu finden, und vielleicht konnte ihr Tina dabei helfen, denn die Freundin lebte ja schon länger als Mensch unter Menschen.

Der Bus bremste und hielt an der Station an. Tina erhob sich von ihrem Platz und sie schloss sich der Freundin an.

Händchenhaltend gingen sie zu dem noch gut bekannten Gewässer, aber es war momentan nicht der einsame Platz, den sie beide einst erkundet hatten, sondern eher ein ziemlich lauter Fleck, denn eine Gruppe von Kindern planschte im kühlen Nass.

Eine Schulklasse lernte wohl gerade das Schwimmen, und da störten sie irgendwie nur.

Tina zog sie zur Seite und sie liefen eine Strecke durch das lichte Wäldchen, bevor sie auf der anderen Seite des Weihers einen ruhigeren Platz erreichten.

Dort setzten sie sich ins Gras und sie begann: „Ich möchte dich bitten, mir zu helfen. Ich habe mich da wohl zu unüberlegt in diese ganze Sache als Mensch gestürzt. Jetzt bin ich irgendwie zwi-schen Windeln und Fläschchen gefangen und finde nicht mehr heraus.“

„Vielleicht ist es auch meine Schuld, dass ich dich da einfach mit der ganzen Arbeit betraut habe“, erwiderte Tina und schaute sie an.

Der Blick dieser Augen konnte ihr Herz noch immer schmelzen lassen.

„Ich glaube, du hast da einfach nur das gemacht, was nötig war. Du verdienst das Geld und ich bleibe eben zu Hause, aber als Elfe war es gewissermaßen leichter!“, seufzte sie.

„Wahrscheinlich habe ich einfach nicht nachgedacht, was du so zu bewältigen hast, und es als selbstverständlich hingenommen, dass du dich um die Kinder kümmerst“, gab Tina ihr zurück.

„Das mache ich ja auch ganz gern, aber das andere kam dabei in der letzten Zeit einfach viel zu kurz“, erklärte sie und schaute auf den Teich hinaus.

Die Kinder am anderen Ufer packten soeben lautstark ihre Sachen zusammen und verließen das Ufer des Gewässers.

Still wurde es und sie konnte sogar den Gesang der Vögel im Wäldchen hinter sich hören.

„Ich verspreche dir, dass sich das jetzt ändern wird! Ich werde mir viel mehr Zeit für dich nehmen“, antwortete Tina und gab ihr einen Kuss.

„Wenn Ursula die beiden Kleinen nicht immer so mit Süßigkeiten vollstopfen würde, dann könnte ich die viel öfter zu ihrer Großmutter geben und wir hätten dann allemal Zeit für solch einen schönen und freien Tag für uns!“, erwiderte sie.

„Meine Mutter lebt leider zu weit entfernt und mit Kindern hat sie so rein gar nichts am Hut! Selbst mit mir war sie überfordert“, entgegnete Tina und warf ein flaches Steinchen so über den See, dass es mehrmals auf der Oberfläche aufsetzte und dabei kleine Ringe im Wasser hinterließ.

„Jetzt sollten wir erst mal baden und den kinderfreien Tag nutzen!“, erklärte sie.

„Ich hätte eher Lust auf etwas nicht ganz Jugendfreies!“, antwortete Tina, raubte sich den nächsten Kuss und brachte sie danach unter sich.

Im wilden und stürmisch werdenden Kuss vereint, rissen sie sich gegenseitig die Kleidung vom Leib und liebten sich im weichen Gras.

Sehr viel später stürzten sie sich zusammen in die kühlen Fluten, um ihre vom Liebesspiel erhitzten Körper wieder abzukühlen.

Sich gegenseitig neckend und umeinander schwimmend bewegten sie sich bis zur Teichmitte, bevor sie wieder zur anderen Seite zurück-kehrten, um sich danach nebeneinander im Gras liegend von der Sonne trocknen zu lassen.

Lang ausgestreckt ruhte Tina neben ihr auf dem Rücken, hatte ein Bein angezogen, die Hände hinter dem Kopf verschränkt und blinzelte zur Sonne hinauf.

Und sie konnte die Augen nicht mehr von diesem Anblick lassen, denn die Freundin war kräftiger und durch den Sport im Fitnessstudio auch muskulöser.

Sie selbst hatte durch die Arbeit mit den Kindern ihre eigene Fitness in der letzten Zeit leider etwas schleifen lassen, aber das würde sie ab sofort wieder in Angriff nehmen.

Das hier konnte ein gemeinsamer Neubeginn ihrer Beziehung werden, und sie liebte diese Frau neben sich so unbändig, dass es jedes Opfer wert gewesen wäre.

Schon einmal hatte sie ihre Existenz für Tina aufgegeben, als sie sich dazu entschlossen hatte, als Mensch mit ihr zu leben und nicht mehr als Elfe und ohne sie.

4. Kapitel: Schatten im Paradies

Glückselig drehte sie ihr Gesicht zur Seite und blickte direkt in die Augen von Svenja, die neben ihr auf der Seite lag und sie wohl schon eine geraume Weile beobachtet hatte.

„Schau mich bitte nicht so an. Ich bin etwas aus dem Leim gegangen“, seufzte Svenja und versuchte sich irgendwie so zu positionieren, dass das kleine Bäuchlein nicht mehr zu bemerken war.

Diese Geste war so wundervoll, und sie musste sich einfach zu der Freundin hinüberbeugen, um ihr einen Kuss zu geben.

„Ich finde dich einfach perfekt, so wie du bist“, setzte sie ihr danach entgegen.

„Du hast gut reden! Du hast in deinem Studio fleißig trainiert und ich hätte wohl nicht den Rückbildungskurs schwänzen sollen“, seufzte Svenja.

„Du bist auch so ein ziemlich heißer Feger“, erwiderte sie und rollte sich über die Freundin, die ihrem Ansturm nichts entgegensetzen konnte.

Schnell hatte sie Svenja unter sich gebracht, stützte sich über ihr hoch und betrachtete dieses wundervolle nackte Geschöpf von oben.

„Du hast noch nie viel von deiner Mutter erzählt“, begann Svenja, aber es war jetzt nicht die richtige Zeit, um mit ihr über dieses leidige Thema zu reden.

Konnte sie das nicht irgendwie abbiegen und die verbleibende gemeinsame Zeit für etwas Sinnvolleres nutzen?

„Da gibt es auch nicht viel zu erzählen! Sie lebt am anderen Ende des Landes und basta!“, erklärte sie.

„Aber“, begann Svenja, und sie musste ihr den Mund mit einem neuen Kuss verschließen, um ihr nicht zu viele sinnlose Dinge begreiflich machen zu müssen.

Es war auch so schon schlimm genug, dass Svenja mit ihrer unbedarften Frage so viele schlechte Erinnerungen in ihr heraufbeschworen hatte!

Und obwohl Svenja noch kurz zuvor erzählt hatte, dass sie nicht viel trainiert hatte, war sie doch so stark, sich unter ihr hervorzuwinden und schließlich schnaufend neben ihr im Grase zu liegen.

„Du gibt ja vermutlich doch keine Ruhe, bis du die gesamte unschöne Wahrheit aus mir herausbekommen hast. Oder? Dabei hätte ich viel lieber ganz was anderes mit dir gemacht“, seufzte sie.

„Dazu haben wir doch aber noch jede Menge Zeit. Oder meinst du nicht?“, antwortete Svenja, und ihr Gesichtsausdruck sagte eigentlich alles.

Gespannt schaute Svenja sie an und sie rollte sich auf den Rücken, blickte in die Wolken und holte sich all diese düsteren Kindheitserinnerungen zurück, die sie so lange schon verdrängt gehofft hatte, die aber ziemlich schnell alle neuerdings da waren.