Satu sucht den Winter - Saskia Geisler - E-Book

Satu sucht den Winter E-Book

Saskia Geisler

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Beschreibung

Satus Oma Pilvi ist die beste Oma der Welt. Ob Pfannkuchenwettessen oder Schnakenkrakenjagen: Für Satu sind die Sommer bei ihrer Oma eine Zeit der unbeschwerten Abenteuer. Doch diesen Sommer sind die Dinge anders als sonst. Oma Pilvi geht es nicht gut. Sie vermisst Finnland - und da ist mehr. Zum ersten Mal blickt Satu hinter das Unbeschwerte. Was ist, wenn die, die uns immer aufheitern und für uns da sind, plötzlich selbst Hilfe brauchen? Satu sucht den Winter, um die Sehnsucht ihrer Oma zu stillen. Und erfährt im Angesicht des Verlustes umso mehr, wie wertvoll es ist, füreinander da zu sein.

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Seitenzahl: 141

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Inhalt

Sommeranfang

Die besten Ohrfeigen der Welt

Bewölkter Himmel

Nachteulengeflüster

Ein normaler Ferientag

Sehnsuchtssurren

Wollsockentag

Schnakenkraken

Sommermüde

Der Anruf

Ernst

Überraschungsbesuch

Recherchen

Vorbereitungen

Schnee vorm Fenster

Das große Aufräumen

Abschied

Hin und Her

Ein schwarzer Freitag

Dann eben allein

An Bord

Dem Winter entgegen

Schneeschuhe

Graben

Sommeranfang

Es gibt nichts, was Satu so sehr liebt, wie den Sommer. Denn den verbringt Satu immer bei Oma Pilvi. Oma Pilvi ist einer der ziemlich besten Menschen auf der ganzen Welt. Mit ihr ist jeder Tag ein Abenteuer. Wenn es regnet, springt sie mit Satu durch Pfützen und macht Schlammschlachten oder jagt den Regenbogen. Und wenn die Sonne scheint, fahren sie mit dem Fahrrad zum Badesee oder arbeiten im Garten und machen abends Lagerfeuer. Oma Pilvi wohnt in einem kleinen Dorf. So richtig auf dem Land. Und da gibt es immer was zu tun.

Klar, manchmal kommen Satu die Dinge mit Oma Pilvi mittlerweile etwas kindisch vor. Aber das ist das Beste an Oma Pilvi: Was Spaß macht, macht Spaß, egal, wie alt man ist. Und manchmal vermisst Satu ihre beste Freundin Sara.

Es ist echt komisch, Sara ganze sechs Wochen lang nicht zu sehen. Aber dieses Mal hat Satu endlich ein eigenes Smartphone und kann ihrer besten Freundin also jede Menge Nachrichten schicken. Dann ist das Vermissen nicht so schlimm. Außerdem ist Sara auch fast die ganzen Ferien weg. Mit ihrer Familie in Griechenland.

»Satu?« Mama ruft ins Haus hinein.

Satu muss grinsen. Sie macht die Autotür auf.

»Ich bin schon längst hier!«

Mama lacht. »Dass du mal die erste im Auto bist, kommt ja auch nicht alle Tage vor. Du freust dich wohl auf Oma, was?«

Satu nickt.

Sie hat Oma Pilvi das letzte Mal zu Weihnachten gesehen. Das ist jetzt ein halbes Jahr her, und die letzten Wochen vor den Sommerferien waren so zäh wie die Birkenrinde, auf der Oma Pilvi manchmal kaut. Sie behauptet, das sei gesund. Aber Satu zieht sich schon beim Gedanken daran der Mund zusammen. Brr. Richtig eklig. So eklig, dass es schon wieder witzig ist. Ein Wohlschauer – wie an Riesenspinnen zu denken und sich zu gruseln und gleichzeitig froh zu sein, dass gerade keine einzige Spinne in der Nähe ist. »Dann müssen wir wohl nur noch auf deinen Papa warten«, seufzt Mama und guckt auf die Uhr.

Papa ist meistens spät dran. Es sei denn, es geht um seine Arbeit. Papa ist Oma Pilvis Sohn. Sonst würde er bestimmt gar nicht mitkommen auf die weite Fahrt. Aber so hastet er jetzt aus dem Haus, das Handy noch am Ohr, und schwingt sich hinter das Steuer. Mama und Satu gucken sich an und verdrehen die Augen. Mama zwingt Papa wortlos dazu, das Handy so anzuschließen, dass er es wenigstens beim Fahren nicht weiter am Ohr hält.

Derweil diskutiert Papa ununterbrochen über irgendwelche Zahlen, aber Satu hört gar nicht richtig hin. Sie lauscht dem Motorengeräusch und konzentriert sich auf das Vorfreudekribbeln in ihrem Bauch. In ein paar Stunden wird sie bei Oma Pilvi sein und sich mit korvapuustit den Bauch vollschlagen. Das ist Omas und Satus Lieblingsgebäck. Zimtschnecken, so luftig und lecker wie nur Oma Pilvi sie backen kann. Das finnische Wort bedeutet auf Deutsch Ohrfeigen, und das ist noch etwas, das Satu liebt. Die finnischen Worte haben alle so einen besonderen Klang und lustige Bedeutungen. Pilvi heißt zum Beispiel auf Deutsch Wolke und Satu bedeutet Märchen, und Satu findet es über alle Maßen wundervoll, dass Menschen so heißen können. Zu Oma Pilvi passt ihr Name jedenfalls ganz perfekt. Sie hat wolkenweißes Haar und fühlt sich auch so weich an wie eine Wolke, und weil es bei ihr so furchtbar einfach ist, fröhlich zu sein, fühlt Satu sich auch immer wolkenleicht, wenn sie bei Oma ist. Da quatscht jedenfalls niemand stundenlang am Telefon über irgendwelche dummen Zahlen.

Mama dreht sich zu Satu um. Sie zeigt zu Papa, rümpft die Nase und verdreht die Augen. Satu kichert.

Als Papa wenig später endlich auflegt, sagt Mama: »So, jetzt ist Schluss für heute. Satu und ich haben ja unsere Arbeit auch nicht mitgebracht. Ist schon schlimm genug, dass wir nur ein paar Tage mit Satu mitfahren. Da kannst du diese Zeit wenigstens richtig Urlaub machen und dich jetzt mal mit uns unterhalten.«

Papa seufzt. Dann macht er das Handy aus. Satu kann es erst gar nicht glauben. Aber Papa zwinkert ihr im Rückspiegel zu.

»Das hättest du nicht gedacht, was? Dass ich weiß, wo der Aus-Knopf ist?« Satu muss lachen.

»Nein, denk nur, das hätte ich nicht gedacht.«

»Und weißt du, was du bestimmt noch nicht gedacht hättest?«

»Was denn?«

»Dass ich weiß, dass es bei der Raststätte da vorne richtig gutes Eis gibt und dass ich finde, dass wir uns das jetzt mal alle gönnen können.«

»Nein, das hätte ich wirklich, wirklich nicht gedacht.«

Wenig später sitzen Mama, Papa und Satu an einem kleinen Tisch auf einem Rastplatz, essen Eis und gucken den vorbeifahrenden Autos zu. Satu zählt die roten, Mama die schwarzen und Papa die silbernen. Papa gewinnt und kriegt gleich noch bessere Laune.

»Na, da müssen wir ja aufpassen, dass du uns nicht gleich noch ein Eis spendierst, wenn du so gute Laune hast«, ärgert Mama ihn.

Aber gegen ein zweites Eis hätte Satu eigentlich gar nichts einzuwenden.

Am liebsten allerdings erst, wenn sie bei Oma Pilvi angekommen sind.

Die besten Ohrfeigen der Welt

»Kultaseni, da bist du ja endlich!«

Oma steht schon in der Tür, und als Satu ihre Stimme hört, da wird ihr ganz warm im Bauch. Kultaseni, das bedeutet mein Goldstück, und so eins ist Oma auch, findet Satu. Sie springt aus dem Auto und rennt auf Oma zu, und die nimmt sie in den Arm und sie drücken sich so fest sie nur können.

»Wie schön, dass ihr da seid«, flüstert Oma in Satus Haar, und Satu muss lächeln.

Sie liebt es, wie Oma deutsch spricht. Oma wohnt schon so lange hier, dass sie nie Fehler macht. Trotzdem hört man, dass sie eigentlich aus Finnland kommt. Zum Beispiel kann sie das »sch« nicht richtig aussprechen.

Da kommt immer nur ein s mit einem Gehauche hinterher, das Satu gar nicht richtig nachmachen kann. Aber das macht nichts. Wenn Oma spricht, ist Satu zuhause.

Mittlerweile sind auch Mama und Papa angekommen und nehmen Oma in den Arm.

»Kommt schnell rein, es gibt korvapuustit«, sagt Oma und geht in die Küche.

Satu rennt schon mal vor. Im Flur streicht sie kurz mit der Hand über den alten Messingkompass, der an der Wand hängt und den Oma und sie lieben. Das ist ein altes Ritual. Den Kompass benutzen sie, wenn sie zum Beispiel in den Wald gehen. Er zeigt immer nach Norden, und Oma sagt oft: »Der Kompass zeigt, wo mein Herz schlägt«, und dann streicht sie über das Glas, das die Kompassnadel schützt. Manchmal gibt Satu das einen kleinen Stich. Es tut ihr leid, dass Oma so zwischen zwei Welten leben muss. Aber jetzt hat sie keine Zeit, darüber nachzudenken.

Es geht weiter in die Küche. Und da ist der Tisch gedeckt und alles ist genau richtig, genau, wie es sein soll. Da steht eine Vase mit Sommerblumen und eine große Kanne Kakao und eine mit Kaffee und natürlich eine riesige Schüssel bis obenhin voll mit Zimtschnecken, die noch ein kleines bisschen dampfen, weil sie gerade frisch aus dem Ofen kommen.

»Jetzt bist du wohl doch froh, dass es kein zweites Eis gab, was?«

Papa knufft Satu in die Schulter.

Satu schüttelt den Kopf. »Zimtschnecken gehen immer, da hätte ich auch vorher noch ein Eis essen können.«

Papa lacht.

»Ich bringe eben deine Tasche in dein Zimmer.«

»Können wir dir noch etwas helfen, Pilvi?«

Mama klingt irgendwie komisch, findet Satu.

»Nein, nein, setz dich. Es ist schon alles fertig.«

Oma Pilvi kommt auch an den Kaffeetisch. Erst jetzt bemerkt Satu, dass ihre Oma ganz schön humpelt.

»Was ist dir denn passiert?«

»Ach, alles halb so wild, ich bin gestern im Garten doof gestolpert und umgeknickt. In ein paar Tagen bin ich wieder fit wie ein Turnschuh.«

Satu nickt zufrieden und jetzt steht auch Papa wieder im Zimmer. Er stützt Oma bis zu ihrem Stuhl und dann setzen sich alle. Satu greift sofort zur ersten Zimtschnecke.

»Satu, du sollst doch warten, bis dir etwas angeboten wird.«

Papa runzelt die Stirn. Aber Satu zuckt nur mit den Schultern. Sie weiß, dass Oma auf solche Anstandsregeln genauso wenig Wert legt wie sie selbst.

Oma zwinkert Satu zu.

»Und dann backst du auch noch Zimtschnecken bei deinen Schmerzen.« Mama ist mit dem Thema offensichtlich noch nicht fertig. »Wir hätten dir doch helfen können. Oder Kuchen mitbringen, das wäre doch kein Problem gewesen.«

»Ach, so wild ist das mit dem Fuß nicht. Und ab jetzt ist ja Satu da und hilft mir, macht euch mal keine Sorgen.«

Oma Pilvi lächelt unbekümmert, und auch Satu findet, dass ihre Mama jetzt mal aufhören könnte, so ein Theater zu machen. Stattdessen sollte sie sich lieber auf die korvapuustit konzentrieren. Die sind nämlich so fluffig und lecker wie eh und je. Satu nimmt schon das zweite Hefeteilchen und beißt hinein. Warm sind sie nämlich am allerbesten. Sie kaut und genießt den leichten Geschmack von Kardamom unter dem Zimt. Das ist die finnische Geheimzutat. Durch den Kardamom schmecken die Schnecken nach weiter Ferne und das liebt Satu. Der Kakao ist bei Oma Pilvi auch ganz besonders. Weil sie nämlich viel mehr Kakaopulver nimmt als Satu es zuhause jemals dürfte.

»Oh, ganz vergessen«, prustet Satu mit vollem Mund und springt vom Stuhl.

Sie rennt zu ihrem Rucksack und holt ihr Smartphone heraus. Dann macht sie ein Foto vom Kaffeetisch, ihren Eltern und Oma und schickt es an Sara.

Die schreibt prompt zurück: »Na, hast du dir schon wieder Ohrfeigen eingefangen?«

Satu schickt ein paar Grinse-Smileys zurück. Sara ist einfach die allerbeste Freundin. Sie versteht immer sofort, was Satu meint. Und weiß alles über die Sommer bei Oma Pilvi, auch wenn Sara selbst leider noch nie hier war.

Aber Weihnachten hat sie Oma Pilvi natürlich schon kennengelernt, und die beiden verstehen sich richtig prima.

»Jetzt packst du das Ding aber erstmal wieder weg«, ermahnt Mama.

Aber Satu wollte eh gerade aufhören mit Texten. Schließlich hat sie ihre zweite Zimtschnecke noch gar nicht aufgegessen.

»Was machen wir denn morgen, Oma?«

»Schauen wir mal, wie das Wetter wird. Aber ich fürchte, so lange Wege kann ich eh nicht gehen mit dem Fuß. Richtige Ausflüge müssen wir ein paar Tage verschieben.«

»Macht nichts. Wir finden schon was«, meint Satu.

»Außerdem sind wir morgen noch da. Wir können ja mit dem Auto einen Ausflug machen«, schlägt Papa vor.

Satu nickt begeistert und Mama guckt ganz erstaunt. Dass Papa von sich aus einen Ausflug vorgeschlagen hat, ist schon Ewigkeiten her.

»Jetzt guckt nicht so verdattert. So oft sehe ich meine Mama ja auch nicht, und wir hatten doch gesagt: Ein paar Tage Urlaub sollen es dieses Mal werden.«

»Wer sind Sie und was haben Sie mit meinem Mann gemacht?«, fragt Mama.

Oma Pilvi lacht auf und versucht schnell, dass Lachen wie einen Huster wirken zu lassen, wobei ihr fast der Kaffee aus der Tasse fliegt.

Papa guckt ein bisschen beleidigt.

»So schlimm bin ich nun auch wieder nicht.«

»Nein, schlimmer«, sagen Oma, Mama und Satu im Chor.

Einen Moment ist es still und dann müssen alle so laut loslachen, dass Hahn Egbert draußen im Stall vor Schreck zu krähen anfängt.

Bewölkter Himmel

»Glaubst du wirklich, die beiden schaffen das?«

Satu wollte eigentlich nur Papa fragen, ob der noch ihr Ladekabel hat.

Aber jetzt bleibt sie im Flur stehen und lauscht gespannt. Was meint Mama? Und warum klingt sie so ernst? Papa dagegen spricht ganz unbesorgt. »Klar schaffen die das. Mama hat Satu doch sonst auch immer über den Sommer.«

»Ja, aber es geht ihr nicht gut.«

»Ach, das Bein. Das ist doch schon bald wieder verheilt. Der Ausflug heute hat doch auch prima geklappt.«

Satu hört, wie Papa zu Mama geht. Bestimmt nimmt er sie jetzt in den Arm. Satu will schon klopfen, aber Mama ist noch nicht fertig.

»Eero, es geht nicht nur um das Bein. Hast du gesehen, wie Pilvis Hände manchmal zittern? Und heute hatte ich einmal das Gefühl, dass sie gar nicht so genau wusste, wo wir waren. Es geht ihr wirklich nicht gut.«

Papa seufzt.

»Ich rede morgen mit ihr darüber, okay?«, sagt er. »Aber Satu bleibt trotzdem hier. Sie hat sich so sehr darauf gefreut, und abgesehen davon ist sie doch schon alt genug, auf sich selbst aufzupassen. Die beiden werden sich schon einen tollen Sommer zusammen machen. Ganz sicher. Vielleicht ist es ja sogar ganz gut, wenn sie hier ist. Dann kann sie Mama im Auge haben und dich am Ende beruhigen, dass wirklich alles gut ist.«

Jetzt seufzt Mama. »Wahrscheinlich hast du recht.«

Satu klopft an die Tür.

Mama und Papa sehen ein bisschen erschrocken aus. Bestimmt fragen sie sich, ob Satu schon lange zuhört. Aber sie tut so, als hätte sie nichts mitbekommen. Stattdessen fragt sie schnell nach dem Ladekabel und geht dann wieder in ihr Zimmer.

Da lässt sie sich mit Herzrasen auf das Bett plumpsen. Sie guckt auf die Blumenwiese, die sie letztes Jahr mit Oma an die Zimmerdecke gemalt hat.

»Sternenhimmel kann jeder«, hatte Oma gemeint. »Aber wenn du jetzt die Augen aufmachst, kannst du dir für einen Moment vorstellen, du würdest über einer Blumenwiese schweben und es würde nach Sommer und Sonne und frischem Gras riechen.«

Also hatten sie jede Menge bunter Farbe, am meisten natürlich grün, gekauft und stundenweise gemalt, weil ihnen sonst der Nacken nie mehr gerade geworden und die Arme abgefallen wären.

Oma Pilvi hat wie immer recht gehabt: Wenn Satu ganz schläfrig ist, irgendwo zwischen Traum und Wirklichkeit, dann ist es manchmal so, als würde sie fliegen und unter ihr läge ein Meer aus Sommerblumen. Aber gerade macht Satu der Gedanke an den letzten Sommer eher traurig. Irgendwie fängt dieses Jahr alles so anders an. Und ein bisschen muss sie Mama recht geben: Oma ist nicht ganz so lebhaft wie sonst. Kein Wunder, wenn sie Schmerzen hat. Hoffentlich heilt der Fuß schnell! Eine Nachricht von Sara reißt Satu aus ihren Gedanken.

»Gerade im Hotel eingecheckt. Sieht alles superlangweilig aus hier. Aber wenigstens gibt es einen Pool. Und bei dir so?«

Satu überlegt lange. Soll sie Sara sagen, dass sie sich um Oma sorgt? »Oma ist krank, sonst alles gut«, tippt sie erst in ihr Handy, aber dann überlegt sie es sich anders. Wenn sie aufschreibt, dass es Oma schlecht geht, dann wird es noch viel echter. Und dann wird Sara auch immer wieder danach fragen. Aber bestimmt ist alles wieder ganz wie immer, wenn Mama und Papa erstmal abgefahren sind und Omas Bein verheilt ist.

»Hier alles gut, Mama und Papa fahren morgen und dann startet die Omazeit :) Drücke die Daumen, dass es doch noch lustig wird im Hotel!«

»Jetzt übertreibt mal nicht. Es geht mir wirklich gut!«

Oma Pilvi will nichts vom Thema Gesundheit hören, als Papa es am nächsten Morgen beim Frühstück anspricht.

Satu fällt ein kleiner Stein vom Herzen: Wenn Oma Pilvi sagt, es geht ihr gut, dann geht es ihr auch gut. Warum sollte sie lügen? Zusammen winken Satu und Oma Mama und Papa hinterher. Die beiden wollen noch in ein großes Einkaufszentrum in der Nähe, bevor sie ganz nach Hause fahren. Satu ist erleichtert, dass sie nicht mit muss. Das hatte Mama nämlich erst noch überlegt. Aber jetzt streckt Mama nur noch einmal ihren Kopf aus dem Fenster und ruft: »Meldet euch, wenn etwas ist!«

Und dann winken Papa und Mama aus ihren Autofenstern, bis sie um die Straßenecke verschwunden sind, und Satu hat eines der herrlichsten Gefühle der Welt im Bauch. So etwas Bittersüßes, weil sie traurig ist, Mama und Papa Tschüss zu sagen, und gleichzeitig freut sie sich so unfassbar sehr auf all die Abenteuer der nächsten Wochen.

Erwartungsvoll dreht sie sich zu Oma um.

»Und jetzt?«, fragt sie.

»Und jetzt bin ich zwar leider zu kaputt, um mit dir eine Wanderung zu den geheimen Trollhöhlen zu machen, aber ich würde vorschlagen, wir veranstalten ein kleines Pfannkuchenwettessen.«

»Oh ja!« Satu ist sofort dabei.

»Sollen wir auch Paul einladen?«

Satu grinst. Oma weiß einfach immer genau, was Satu denkt. Paul wohnt am Ende der Straße und ist bei mindestens der Hälfte ihrer Abenteuer dabei. Dieses Wochenende war er noch mit seinen Eltern unterwegs, aber Satu hat eben beobachtet, dass das Auto wiedergekommen ist. Und damit auch Paul.

»Ich gehe los und hole ihn«, ruft sie und rennt so schnell sie kann die Straße hinunter.

Jetzt haben die Sommerferien endlich richtig angefangen!

Nachteulengeflüster