Schaal Asartan - Hubert Walser - E-Book

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Hubert Walser

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Beschreibung

Ohne es zu bemerken, gerät Captain Cornelia Färber vom Polizeidepartement Saint Paul im Verlauf ihrer Ermittlungen zu einem Mordfall ins Visier eines Serienmörders. Noch ahnt weder sie noch einer ihrer Kollegen, dass sie sich in großer Gefahr befindet. Als aber dem Departement ein Drohbrief, gerichtet an Cornelia zugestellt wird, besteht ihr Chef darauf, dass sie rund um die Uhr Personenschutz zu erhalten habe. Doch das beeindruckt den Mann, der ihr nach dem Leben trachtet nicht im Geringsten, weiß er doch alle Zeit der Welt zu haben. Erst dann, wenn alle sich in Sicherheit wiegen, gedenkt er, Cornelia auf dieselbe grauenhafte Weise zu töten, wie all seine Opfer. Wird es Cornelia und ihren Kollegen dennoch gelingen, den Mann rechtzeitig ausfindig zu machen?

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Veröffentlichungsjahr: 2026

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Inhaltsverzeichnis

Erstes Kapitel

Zweites Kapitel

Drittes Kapitel

Viertes Kapitel

Fünftes Kapitel

Sechstes Kapitel

Siebtes Kapitel

Achtes Kapitel

Neuntes Kapitel

Zehntes Kapitel

Elftes Kapitel

Zwölftes Kapitel

Dreizehntes Kapitel

Vierzehntes Kapitel

Erstes Kapitel

Mittwoch 25.11.2020

„Notrufzentrale, was kann ich für Sie tun?“

„Aus der Wohnung nebenan war vor ein paar Minuten noch schrecklicher Lärm zu vernehmen. Danach sind Schüsse gefallen.“

„Nennen Sie mir bitte ihren Namen und die Adresse, aus der Sie die Schüsse vernehmen konnten.“

„Sofia Staller ist mein Name. Ich wohne in der Livingston Straße Nummer 64, im zweiten Stock, in der Wohnung 3a.“

„Und die Schüsse konnten Sie aus der Nachbarwohnung vernehmen?“

„Ja natürlich konnte ich das. Familie Beinhart wohnt dort in Wohnung 3b.“

„Gut, eine Polizeistreife ist bereits unterwegs. Können Sie mir derweilen sagen, wie viele Personen in der Wohnung leben, aus der Sie die Schüsse vernehmen konnten?“

„Ja selbstverständlich. Herr und Frau Beinhart und ihre beiden Kinder leben dort. Hoffentlich ist ihnen nichts passiert, es ist doch eine so liebe Familie und so gut erzogene Kinder. Vielleicht sollte ich nachsehen, ob ich ihnen irgendwie helfen kann.“

„Nein, tun Sie das auf keinen Fall. Bleiben Sie bitte in ihrer Wohnung und unternehmen Sie nichts. Haben Sie mich verstanden? Bleiben Sie auf jeden Fall dort, wo Sie sich gerade befinden. Unsere Streifenbeamten sind, wie ich schon erwähnt habe, bereits auf dem Weg“, rät jener Beamte aus der Notrufzentrale, welcher Sofia Stallers Anruf entgegengenommen hat. Um aber zu verhindern, dass die Frau sich nicht doch auf den Weg macht, um nachzusehen, verwickelt sie der Mann aus der Notrufzentrale in ein belangloses Gespräch. Kurz darauf ist auch schon das Folgetonhorn eines Streifenwagens von der Straße her zu vernehmen, worauf sich Frau Stallers Nervosität ein wenig legt.

An und für sich ist dieses Siedlungsgebiet mit dem wohlklingenden Namen Sonnfeld am südöstlichen Rand der Stadt Saint Paul, ein ruhiges und beschauliches Wohnviertel mit wenig Verkehr und auch keinen großen Einkaufszentren. Drei-vierstöckige Mietshäuser der gehobenen Preisklasse ergänzen sich dort mit prachtvollen Villen aus der Gründerzeit, als Saint Paul zu einer wohlhabenden Stadt avancierte. Alleen säumen die Straßen, breite Fußgängerwege laden zum Flanieren ein, Parkbänke zum Verweilen. Großzügig angelegte Grün- und Parkanlagen sowie Kinderspielplätze suggerieren eine heile Welt. Und dennoch gibt es Menschen, die sich nicht um diese Harmonie scheren. Sicher, Verbrechen hat es immer schon gegeben und wird es auch immer geben. Die Abgründe der menschlichen Seelen sind weit tiefer, als dass sie vor einer heilen Welt haltmachen würden. Weder hier in dieser Siedlung, noch in Saint Paul oder sonst wo und schon gar nicht hinter verschlossenen Türen.

Deutlich ist das Bimmeln der Türglocke zu vernehmen, nachdem einer der beiden Polizisten, die von ihrer Leitstelle in genanntes Wohnhaus beordert wurden, diese bedient. Doch es rührt sich nichts.

„Polizei! Aufmachen!“, ruft nun sein Kollege, ehe er mit seiner Faust gegen die Tür hämmert. Doch auch dieses Bemühen bleibt ohne Erfolg. Es rührt sich nichts hinter der Wohnungstür, geradeso, als ob niemand zuhause wäre. Also drückt er erneut den Taster der Türglocke. Weil aber auch daraufhin keine Reaktion erfolgt, nimmt er den Drücker der Tür in die Hand, um nachzusehen, ob selbige vielleicht nicht abgesperrt ist. Doch die Tür ist, wie sollte es anders sein, fest verschlossen.

„Polizei! Aufmachen! Wir würden Ihnen gerne ein paar Fragen stellen“, ruft der Mann ein weiteres Mal, während er noch einmal an die Tür klopft. Im selben Moment durchschlägt ein Projektil die Wohnungstür und trifft den Mann an seiner linken Schulter. Sofort meldet sein Partner der Leitstelle den Notfall und dass aus der Wohnung auf sie geschossen wurde. Gleichzeitig hilft er seinem schwer verletzten Kollegen aus dem Gefahrenbereich, um ihm im Anschluss daran Erste Hilfe zu leisten. Er muss aber auch die Wohnungstür im Auge behalten, falls der oder die Schützen durch die Tür kommen sollten.

Zeitgleich mit der Verständigung der Polizeistreife, welche in unmittelbarer Nähe war, wird bei Meldungen von vermeintlichen Schüssen immer eine Sondereinheit der Polizei angefordert. Aber auch Rettungseinheiten und die Abteilung für Gewaltverbrechen werden alarmiert. So dauert es nicht lange, bis es vor dem Haus Nr. 64 in der Livingston-Straße von Polizei und Einsatzfahrzeugen nur so wimmelt. Abwechselnd rot und blau spiegeln sich die Blitzlichter auf dem Asphalt der nassen und mit Schneematsch bedeckten Straße. Die Folgetonhörner der noch immer eintreffenden Einsatzfahrzeuge scheinen sich einen Wettstreit zu leisten, welches wohl am lautesten ertönt. Der am Nachmittag einsetzende Schneefall ist mittlerweile in Regen übergegangen. Aus Nordosten bläst ein eisiger Wind. Männer mit Helmen und schusssicheren Kevlarwesten verteilen sich rund um besagtes Haus, währenddessen ein Teil von ihnen durch den Hauseingang stürmt, ehe sie vor genannter Wohnung stehen.

„Polizei! Aufmachen!“, ertönt es erneut, worauf eine Salve von Schüssen die Wohnungstür durchschlägt.

„Haut ab ihr verdammten Penner oder ich jage das ganze Haus in die Luft!“, ist daraufhin aus der Wohnung zu vernehmen.

„Wir möchten nur mit Ihnen reden. Bitte seien Sie vernünftig und kommen Sie mit erhobenen Händen heraus. Haben Sie das verstanden?“

„Abhauen habe ich gesagt! Alle oder ich leg jeden Einzelnen von euch um“, ertönt es nochmals hinter der noch immer verschlossnen Wohnungstür.

„Dann sagen Sie uns, bevor wir uns zurückziehen, was Sie von uns verlangen. Wir werden auf all Ihre Forderungen eingehen.“

„Ich habe gesagt, ihr sollt euch zum Teufel scheren! Ich brauch euer beschissenes Geld nicht“, brüllt der Mann in der Wohnung, ehe er erneut durch die Wohnungstür schießt.

Um aber etwaige Personen, die sich in der Gewalt des Schützen befinden könnten, nicht zu gefährden, ziehen sich die Männer aus dem Stiegenhaus zum Schein zurück. Zeitgleich gelingt es den Beamten der Spezialeinheit, vom Dach eines Hauses auf der gegenüberliegenden Straßenseite besagte Wohneinheit auszumachen. Mehr aber als einen bewaffneten Mann, der offensichtlich nervös in der Wohnung hin und her rennt, können diese auch nicht ausmachen, zumal die Zielperson immer wieder aus ihrem Blickfeld verschwindet.

„Hallo Thomas“, begrüßt Andreas Neuholzer, der Einsatzleiter der Sondereinheit, den soeben eingetroffenen Stellvertreter der Abteilung für Gewaltverbrechen.

„Hallo Andy, was kannst du mir jetzt schon sagen?“, fragt Thomas seinen langjährigen Freund, worauf ihm dieser mit kurzen Worten die Lage erläutert.

„Wisst ihr schon, wie viele Personen sich in seiner Gewalt befinden oder ob er Komplizen hat? Wurden schon irgendwelche Forderungen gestellt?“

„Weder noch. Auch über sein Motiv konnten wir noch nichts in Erfahrung …“

„Achtung Schütze auf dem Balkon!“, ertönt es plötzlich aus allen Polizeifunkgeräten, ehe ein Mann vom Balkon aus auf die vor dem Haus abgestellten Polizeifahrzeuge mit einer Pistole feuert. Glas splittert, Autotüren werden von Projektilen durchschlagen und es grenzt schon an ein Wunder, dass niemand getroffen und verletzt wird.

„Schütze im Visier. Warte auf Schussfreigabe“, meldet zeitgleich ein Scharfschütze auf dem Dach des gegenüberliegenden Hauses.

„Negativ“, lautet die kurze Antwort des Einsatzleiters der Spezialeinheit.

„Bitte seien Sie vernünftig und legen Sie die Waffe nieder. Sagen Sie uns, was Sie verlangen. Wir sind bereit, all Ihre Forderungen zu erfüllen“, tönt es derweilen aus einem Megafon bei den abgestellten Polizeifahrzeugen, worauf der Mann mit einer weiteren Salve aus seiner Waffe antwortet, ehe er auch schon wieder in seiner Wohnung verschwindet. Über dem Haus kreist mittlerweile ein Hubschrauber der Spezialeinheit, um mit seinem Scheinwerfer die Umgebung taghell auszuleuchten.

„Verdammte Dreckschweine lasst mich in Ruhe oder ich mach euch alle kalt!“, brüllt der Mann, ehe er erneut auf den Balkon stürmt, um diesmal seine Waffe auf den Hubschrauber zu richten. Doch schon nach ein paar Schüssen scheint das Magazin leergeschossen zu sein, worauf er wieder in die dahinterliegende Wohnung zurück stürmt. Für die Männer der Spezialeinheit war die kurze Zeit, als der Mann auf dem Balkon war, die ideale Gelegenheit, um unbemerkt in die Wohnung zu gelangen. Im selben Moment aber als er durch die Balkontür den dahinter liegenden Raum betritt, explodiert vor ihm eine Blendgranate, welche ihn für einen Moment außer Kraft setzt. Der Lärm der Explosion hallt noch immer in seinen Ohren und vor seinen Augen tanzen hunderte Lichtpunkte als zwei Männer der Spezialeinheit bis zu ihm vordringen, ehe sie ihn zu Boden reißen. Verzweifelt versucht sich der Mann aus der Gewalt der Polizisten zu befreien, doch sein Bestreben hat keinen Erfolg. Im Anschluss daran geht alles schnell und der Mann ist in Gewahrsam, ohne dass er weiteren Schaden anrichten oder sonst wen verletzen konnte. Ob er aber alleine in der Wohnung war oder ob es noch weitere Komplizen gibt, das wissen die Männer dieser Spezialeinheit zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht. Auch nicht, ob eventuelle Sprengfallen angebracht wurden, können sie vorerst noch nicht sagen. Aus diesem Grund gilt für sie der Einsatz als noch nicht beendet. Erst als nacheinander die Meldung „Raum gesichert“ ertönt, ziehen sich die Männer der Spezialeinheit zurück, worauf die Einsatzkräfte der Polizei, allen voran die Spurensicherung mit ihren Ermittlungen beginnen können.

Mittlerweile wurde auch die Leiterin der hiesigen Abteilung für Gewaltverbrechen, Captain Cornelia Färber, von ihrem Stellvertreter Thomas Schwarzmann über den laufenden Einsatz informiert. Kurz darauf sitzt sie auch schon in ihrem Auto, um an den Tatort zu fahren, obwohl sie sich in dieser Woche ein paar Tage Urlaub gönnen wollte.

„Captain Färber, was wissen Sie bereits über diese Tat? Ist der Mann von Frau Beinhart der Täter? Frau Färber was können Sie uns zum jetzigen Zeitpunkt über den Tathergang schon sagen? Gibt es Verletzte oder Geiseln? Gibt es Tote? Hat der Mann bereits Forderungen gestellt?“, dröhnt es von allen Seiten auf sie ein, während ihr Dutzende Mikrophone entgegengehalten werden. Es sind aufdringliche Fragen, mit denen eine Meute von Journalisten die eintreffende Leiterin der Abteilung für Gewaltverbrechen hinter der Absperrung bombardiert. Mittlerweile ist Cornelia den Andrang von Journalisten jedoch gewohnt, sodass sie schweigend, ohne auch nur einen von diesen direkt in die Augen zu sehen, sich ihren Weg bis zu ihren Kollegen bahnt.

„Captain“, begrüßt einer der Polizisten, welche nur mit Mühe den Andrang der Journalisten zurückhalten können, Cornelia mit einem saloppen tippen an seine Schirmmütze. Vor dem Eingang zu dem Haus der bereits von Streifenpolizisten abgeschirmt wird, kommt ihr ihr Stellvertreter entgegen.

„Es tut mir leid Cornelia, dass ich dich aus deinem Urlaub geholt habe“, entschuldigt sich Thomas, wohl wissend, dass ihn seine Chefin deswegen nie einen Vorwurf machen würde.

„Wer hat eigentlich die Presse und das Fernsehen so schnell informiert? Wie mir scheint, wissen diese bereits wieder einmal mehr als wir“, fragt Cornelia ein wenig ungehalten.

„Wir wissen leider noch nicht, wer dafür verantwortlich ist. Ich meine natürlich, dass die Übertragungswagen von CTVS-plus zeitgleich mit dem Sondereinsatzkommando hier waren. Dass die Pressefritzen unseren Polizeifunk abhören, das mag wohl eine Erklärung dafür sein, aber warum sie so schnell hier sein konnten, dafür habe ich leider keine Erklärung.“

„Vielleicht hat der Täter seine Tat bei einem der Sender angekündigt. Wurde das schon geprüft?“, fragt Cornelia.

„Nein leider noch nicht. Aber ich werde das sofort in die Wege leiten“, beteuert Thomas, ehe er seine Chefin auf dem Weg zu besagter Wohnung über den letzten Stand der Dinge informiert.

Es ist ein erschreckendes Bild, welches sich den beiden kurz darauf bietet. In der riesigen Küche mit einer imposanten Kochinsel liegt eine blutüberströmte Frau mit weit aufgerissenen Augen rücklings auf dem Boden. Unzählige Schnitt-, Stich- und Abwehrverletzungen verteilen sich auf ihren Armen, ihrem Oberkörper und am Hals. Schon beim ersten Anblick kann Cornelia erkennen, dass für diese Frau jegliche Hilfe zu spät kommt. Ein blutverschmiertes Tranchiermesser, das vermutlich die Tatwaffe sein könnte, liegt in der Spüle. Auf einem Hängeboard oberhalb einer an der Wand stehenden Kommode wurden um ein Familienfoto liebevoll einige kleine Accessoires platziert. Vermutlich Mitbringsel aus einem Urlaub. Auf jeden Fall aber Zeugnis aus einer noch heilen Welt. Genauso wie das Foto, das sie im Anschluss daran betrachtet. Eine junge Familie. Ein Mann mit einem kleinen Mädchen auf dem Arm und eine junge Frau, dem Anschein nach jene, die jetzt erstochen vor ihr liegt, mit einem Kinderwagen, in dem vermutlich ein Neugeborenes zu liegen scheint. Aufgenommen wurde dieses Foto dem Anschein nach der Entlassung der jungen Mutter aus einer Geburtsklinik, weil im Hintergrund noch der Eingang zu selbiger zu erkennen ist.

Es ist eine schöne geräumige Wohnung, liebevoll eingerichtet, und wie es scheint auch stilvoll möbliert. Ein Servierdurchgang mit einer Pendeltür führt in das angrenzende Wohnzimmer mit einem großen Esstisch. Etwas abseits davon lädt eine gemütliche Wohnlandschaft dazu ein, es sich hier gemütlich zu machen. Lediglich der für Cornelias Geschmack zu große und zu laut eingestellte Flachbildfernseher, auf dem in Schleife die Berichterstattung der neuesten Nachrichten läuft, stört diese Harmonie. Beim näheren Betrachten dieser Räumlichkeit fällt ihr auch die reichlich gefüllte Schrankbar mit unzähligen Spirituosen auf, doch das hat vorerst nichts mit dem Fall zu tun. Also nimmt sich Cornelia etwas Zeit, um sich ein Bild vom Lebensstil der hier wohnenden Menschen zu machen. Überrascht von der Größe der Wohnung und den hochpreisigen Einrichtungsgegenständen, die in jedem der Räume anzutreffen sind, kommt sie zu dem Schluss, dass es sich hier um eine Wohnung handeln muss, die aus zwei nebeneinanderliegenden Immobilien errichtet wurde. Alles in allem ist diese Wohnung ein wahres Juwel, das sich wohl nicht jeder leisten kann.

„Nicht schlecht“, sagt Cornelia zu sich selbst, ehe sie sich wieder ihrer eigentlichen Arbeit zuwendet. Zwei Männer der forensischen Abteilung, gehüllt in weißen Ganzkörperpapieranzügen, bemühen sich schon seit einiger Zeit, jeden noch so kleinen Gegenstand zu fotografieren und zu katalogisieren. Unzählige Nummernschilder weisen auf unscheinbar wirkende Dinge hin, die später einmal bei einem Prozess wichtig sein könnten.

„Verfickte Scheiße kann vielleicht irgendwer diesen verdammten Fernseher ausmachen“, flucht Cornelia, ohne zu bemerken, dass ihr Stellvertreter Thomas hinter ihr steht.

„Sorry, tut mir leid“, murmelt sie, hasst sie es doch, Gefühle dieser Art zu zeigen.

„Warum? Die Moderatorin dieses Senders scheint bereits mehr zu wissen als wir“, so die lapidare Antwort eines der beiden Forensiker, ehe er sich nach einem strengen Blick von Cornelia nach der Fernsteuerung umsieht.

„Was wissen wir schon über den Mann, den unsere Leute vom Sondereinsatzkommando hier in der Wohnung festnehmen konnten?“, fragt Cornelia im Anschluss daran ihren Stellvertreter, um über ihren Gefühlsausbruch hinwegzutäuschen. Doch dieser scheint plötzlich irgendwie abgelenkt zu sein, weil er weder auf ihre Frage reagiert, noch sonst etwas von sich gibt. Er starrt nur in einen angrenzenden Raum, den Cornelia noch nicht gesehen hat.

„Hallo Thomas? Aufwachen!“, ermahnt ihn Cornelia, ehe sie ein Bild von der Wand nimmt, um die darauf abgebildeten Personen zu betrachten. Ein junges Paar inmitten einer Reisegruppe, irgendwo an einem Sandstrand.

„Entschuldigung tut mir leid. Aber … die Kinder …“

„Was aber die Kinder?“, unterbricht ihn Cornelia, noch ehe sie eine Vorahnung überkommt.

„Die Kinder. Dieses Schwein hat sie regelrecht hingerichtet“, erwidert Thomas, geschockt und zugleich angewidert von dem, was er sieht. Nicht etwa aus Neugier oder sonstigen Gründen hängt Cornelia daraufhin das Bild, welches sie noch immer in ihrer Hand hält zurück an seinen Platz, um ruhigen Schrittes dem Kinderzimmer entgegen zu schreiten, um sich auch dort, auf das schlimmste gefasst, umzusehen. Es ist ihr Job. Ihr verdammter Job, den sie gleichermaßen liebt, wie hasst. Ja, Cornelia Färber ist Polizistin aus Leidenschaft, obwohl sie in manchen Situationen ihre Arbeit mehr als nur hasst. Es sind jene Momente, in denen sie sich fragt, warum sie sich das alles antut. Im selben Moment kommt Dr. Ludwig Pass, der Leiter der forensischen Abteilung in die Wohnung, um warum auch immer sofort dem Kinderzimmer zuzustreben.

„Diesmal haben Sie sich wirklich nicht viel Zeit gelassen, um die Presse zu informieren, Captain Färber“, tadelt Dr. Pass, Cornelia obwohl die beiden schon seit Jahren ein durchaus ausgewogenes Arbeitsklima miteinander verbindet.

„Es ist mir nicht bekannt, dass von unserer Seite eine Mitteilung an die Medien herausgegangen wäre. Ich habe nicht die geringste Ahnung, von wo oder von wem der Hinweis gekommen sein könnte. Aber Sie haben schon recht. Major Frankenhauser wird das genauso sehen und mir die Schuld daran geben. Aber was soll's, ich komme damit schon klar“, rechtfertigt sich Cornelia mit einem leichten Schulterzucken.

„Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die Schwester der ermordeten Frau Bettina Ehrberger ist. Ich weiß jetzt auch, wo ich die Ermordete und ihre Schwester schon einmal gesehen habe“, meint Thomas dazu. Danach erzählt er den beiden von einem ausführlichen Interview, das er mitsamt einem Bild von den beiden Schwestern erst vor ein paar Tagen in einer Programmzeitschrift gesehen hat.

„Wer ist Bettina Ehrberger?“, fragen Dr. Ludwig Pass und Cornelia zugleich.

„Was, das wisst ihr nicht? Bettina Ehrberger ist die Vorstandsdirektorin des Senders CTVS-plus. Ihr gehören 51 Prozent des Senders. 49 Prozent gehören ihrer Schwester Tamara Beinhart, unserem Mordopfer“, erklärt ihnen daraufhin Thomas.

„Noch nie davon gehört“, meint Dr. Ludwig Pass kopfschüttelnd, ehe er seinen Blick fragend an Cornelia richtet.

„Tamara Beinhart, unser Opfer, war die Programmchefin und kaufmännische Direktorin von CTVS-plus und wohl nicht immer einer Meinung mit ihrer Schwester“, erklärt ihnen daraufhin Thomas.

„Willst du etwa damit sagen, dass Bettina Ehrberger etwas mit dem Mord an ihrer Schwester zu tun haben könnte?“, fragt Cornelia verwundert.

„Schwer vorzustellen, aber nicht auszuschließen. Um mehr zu erfahren, müssen wir uns erst einmal das Verhältnis von unserem Täter, der übrigens der Mann unseres Opfers war, zu Bettina Ehrberger ansehen. Es wäre auch gut möglich, dass der Sender oder besser gesagt einer ihrer Mitarbeiter einen Informanten gehabt haben könnte. Einen Spitzel, der ihnen so manches flüstert. Die Schüsse waren zu hundert Prozent in der näheren Umgebung zu hören. Außerdem passen solche Schlagzeilen genau in das Programm dieses Senders. Allerdings dürfen wir, wie schon erwähnt, nicht außer Acht lassen, dass es sich bei der Ermordeten um die Schwester von Bettina Ehrberger handelt.“

„Woher hast du eigentlich so schnell diese Hinweise bekommen. All diese Informationen sind doch bestimmt nicht aus dem Zeitungsinterview hervorgegangen. Kennst du etwa eine der beiden Frauen persönlich? Thomas, dir ist wohl klar, dass ich dich dann von dem Fall abziehen müsste.“

„Nein ich kenne keine der Frauen persönlich. Vor ein paar Tagen lief im Fernsehen eine Diskussion über die Abschaffung von gewaltverherrlichenden Serien. Im Speziellen über eine ganz bestimmte Serie, in der die Täter immer die Helden sind und die Polizei recht dumm aussehen lässt. Es ist dabei ziemlich heiß hergegangen, zumal die Meinungen der Diskussionsteilnehmer weit auseinandergegangen sind. Bettina Ehrberger und Tamara Beinhart waren ebenfalls als Gäste bei dieser Diskussionsrunde eingeladen. Erfahren habe ich von dieser Sendung aus dem Interview, das in einer Programmzeitschrift zu lesen war.“

„Wie meinst du das, es ist dabei heiß hergegangen?“, fragt Cornelia ein wenig verwundert.

„Na ja, obwohl Bettina Ehrberger und unser Mordopfer Schwestern waren, ging wie schon gesagt ihre Meinung zur Absetzung solcher Serien auseinander. Weit auseinander. Für Frau Ehrberger zählte in der Diskussion nur der Profit, so wie hohe Einschaltzahlen, während ihre Schwester moralische Bedenken hegte. Es sei weder realistisch noch glaubhaft darzustellen, dass die Täter aus diesen Serien letztendlich immer als Helden hervorgehen, wendete sie ein. Außerdem habe die Darstellung von gewaltverherrlichten Szenen absolut nichts mehr mit der wahren Realität zu tun. Daneben wurde von einem weiteren Diskussionsteilnehmer gefordert, alle gewaltverherrlichenden Sendungen sowie solche mit pornografischen Inhalten unverzüglich abzusetzen und aus dem Programm zu nehmen.“

„Dann war also die Ermordete nicht nur Teilhaberin an diesem Privatsender, sondern auch dort beschäftigt. Wem gehörte eigentlich dieser Sender, bevor die beiden Frauen diesen übernommen haben oder haben sie ihn gegründet?“, möchte Cornelia ein wenig verwundert als Nächstes wissen, weil ihr weder die Namen der beiden Frauen noch der Programmschwerpunkt des Senders bekannt ist.

„Der Gründer von CTVS-plus war ihr Vater Edmund Ehrberger. Er gründete den Sender vor mehr als 30 Jahren. Allerdings hieß der Sender damals noch Television 3. Es war ein frei zugänglicher Sender, der weder einem speziellen Decoder noch eine Zugangsberechtigung benötigte oder sonst irgendwie entschlüsselt werden musste. Der Sender wurde jedoch nie so richtig angenommen. Aus diesem Grund liefen dort nur billige Produktionen, Aufzeichnungen von alten Musiksendungen und B-Movis. Erst nach seinem Tod, als seine Töchter den Sender übernahmen, und mit einem neuen Namen zu einem nicht mehr für jedermann frei zugänglichen Sender machten, ging es schlagartig bergauf. Es wurden aktuelle Sportberichterstattungen, Crime Serien, Erotikfilme und auch Pornos aus eigener Produktion in das Programm aufgenommen. Letztere durfte der Sender nach einem Urteil des obersten Gerichtshofes allerdings erst nach 23:00 Uhr ausstrahlen. Vor einigen Jahren kamen dann noch die Ableger CTVS-Sport und CTVS-News dazu. Letztere sind auch ohne Decoder zu empfangen. Mittlerweile ist der Sender zu einem millionenschweren Imperium aufgestiegen, dessen Führung jedoch immer noch in den Händen der beiden Schwestern liegt, wobei Bettina Ehrberger, wie ich schon erwähnt habe, die Mehrheitsaktien besitzen soll. Intern soll es allerdings in letzter Zeit zwischen den beiden Frauen immer wieder zu kleineren Meinungsverschiedenheiten gekommen sein. Doch wie schon gesagt, das Sagen hatte, und hat immer noch Bettina Ehrberger“, weiß Thomas zu berichten.

„Meinungsverschiedenheiten? Was willst du damit sagen?“, fragt Cornelia.

„Na ja. Während Tamara Beinhart auch CTVS-plus zu einem frei zugänglichen Familiensender umstrukturieren wollte, hatte Bettina Ehrberger ein ganz anderes Ziel vor Augen. Um eine möglichst hohe Einschaltquote zu erreichen, sollte ihrer Aussage nach, 24 Stunden am Tag jegliche Art von Unterhaltung angeboten werden. Angefangen von Hardcorepornos über Splattermovies, Snufffilme bis hin zu Dokus wie Porträt eines Mörders oder Schwarze Witwen. Das Ganze natürlich immer wieder unterbrochen von Werbeeinschaltungen der Erotikbranche. Unter uns gesagt: Es würde mich nicht verwundern, wenn diese Frau zum Erreichen ihres ehrgeizigen Zieles über Leichen geht oder vielleicht sogar schon gegangen ist. Ob sie aber auch so weit gehen würde, ihre eigene Schwester zu ermorden oder ermorden zu lassen, das darfst du mich nicht fragen.“

„Dann schließt du aber auch nicht aus, dass diese Frau Ehrberger etwas mit dem Tod ihrer Schwester zu tun haben könnte“, mutmaßt Cornelia.

„Das vorhin war nur so ein Gedankengang von mir. Laut aussprechen möchte ich diesen, meine Meinung, ohne stichhaltige Beweise allerdings nicht. Ihre Verbindungen sollen bis in die obersten Reihen unserer Politiker gehen, abgesehen von einer Heerschar von Rechtsanwälten, die jegliche Rufschädigung des Senders ausnahmslos und ohne Pardon bekämpfen.“

„Wenn dem so ist, dann werden wir dieser Frau gleich morgen einen Besuch abstatten. Außerdem will ich die Namen aller Diskussionsteilnehmer. Was aber können Sie uns jetzt schon hierüber sagen?“, fragt Cornelia im Anschluss daran, Dr. Ludwig Pass, ehe ihr Blick zu den beiden Kindern schweift.

„Die beiden wurden regelrecht mit einem Kopfschuss hingerichtet. Das Mädchen vermutlich zuerst und dann der Junge. Die Blutspuren auf dem Knauf der äußeren Türklinke lassen darauf schließen, dass diese Tat hier nach der Ermordung der Frau geschehen sein muss. Nähers kann ich Ihnen morgen nach der Obduktion der Opfer sagen.“

„Verdammte Scheiße! Was soll das? Sie haben hier nichts zu suchen?“, schimpft Cornelia plötzlich, weil ein ihr unbekannter Mann mit seinem Handy Fotos vom Tatort macht.

„Ihr Handy ist beschlagnahmt und jetzt raus hier, aber sofort!“, donnert Thomas darauf los, worauf ihm der Mann ohne zu Zögern sein Handy übergibt. Dass er das, was er zuvor aufgenommen hat, bereits auf den Server der Redaktion von CTVS-plus übertragen konnte, lässt sein verschmitztes Lächeln auf seinem Gesicht jedoch nicht erkennen.

„Einen Moment noch. Wie sind Sie eigentlich hier hereingekommen? Der Eingangsbereich zu diesem Haus ist doch abgesperrt. Außerdem möchte ich Ihren Namen und Ihre Adresse. Also weisen Sie sich bitte aus“, mischt sich Cornelia ein.

„Ich habe nichts Unrechtes getan! Ich bin Reporter bei CTVS-News. Es ist mein gutes Recht und auch meine Pflicht gegenüber meinem Arbeitgeber über derartige Verbrechen zu berichten.“

„Ausweis habe ich gesagt oder Sie verbringen die kommende Nacht in einer Zelle auf unserem Revier“, belehrt Cornelia daraufhin den Mann, worauf ihr dieser ohne zu zögern seinen Presse- und Personalausweis überreicht.

„Herr Peter Baumschlag, Livingston Straße 64, dritter Stock, Wohnung 2c“, liest Cornelia mit Verwunderung auf dem Presseausweis, ehe sie die Daten mit dem Personalausweis vergleicht.

„Wie gut kannten Sie eigentlich die Familie Beinhart?“, möchte darauf Thomas wissen.

„Natürlich kannte ich Frau Beinhart und ihre Familie, schließlich wohne ich nur einen Stock über ihnen. Außerdem bin ich freier Mitarbeiter bei CTVS-News und CTVS-Plus und somit ist oder besser gesagt war Frau Beinhart irgendwie auch meine Chefin. Ihren Mann Ludwig kannte ich nur flüchtig von einigen Begegnungen im Treppenhaus. Er war wohl eher ein verschlossener Typ. Mehr als dass es mich schockiert, was hier geschen ist, kann ich Ihnen dazu leider nicht sagen.“

„Können Sie nicht, wollen Sie nicht oder dürfen Sie nicht“, fragt Thomas missmutig, worauf ihm der Mann allerdings keine Antwort gibt.

„Also gut, wie Sie meinen. Sie dürfen jetzt in Ihre Wohnung gehen. Falls wir weitere Fragen haben, werden wir uns bei Ihnen melden. Und jetzt raus hier, ehe ich meine Meinung ändere und Sie doch noch aufs Revier bringen lasse“, verwarnt Cornelia den Mann noch einmal.

„Ich denke, es genügt, wenn du hierbleibst. Ich werde zum Revier fahren. Ich möchte noch heute mit Herrn Beinhart eine erste Einvernahme durchführen. Sollte sich etwas Relevantes ergeben, ruf mich bitte an. Andernfalls sehen wir uns morgen bei der Besprechung. Ihnen einen schönen Abend zu wünschen erübrigt sich angesichts dieses Tatortes wohl.“

Mit diesen Worten verabschiedet sich Cornelia von Thomas, von Dr. Ludwig Pass und den Männern der Forensik. Dass sie auf dem Weg zu ihrem Auto dasselbe Szenario wie auf dem Weg hierher erwarten wird, darüber ist sie sich schon längst im Klaren. Dass sie aber mit der Tatsache konfrontiert wird, dass der Sender CTVS-News bereits erste Bilder von diesem Ort des Grauens ausstrahlt, davon weiß sie noch nichts. Erst als sie von einem Reporter eines anderen Senders darauf angesprochen wird, erfährt sie davon. Dennoch ist sie nicht gewillt, auch nur eine einzige Frage der Journalisten zu beantworten. Selbst den Hinweis, auf die womöglich schon morgen stattfindende Pressekonferenz, will sie nicht kommentieren.

Längst hat der abendliche Berufsverkehr, der aus der Stadt führt seinen Höhepunkt erreicht und so dauert es für Cornelia mehr als eine Stunde, bis sie auf die Einfahrt der Tiefgarage des Polizeigebäudes abbiegen kann. Obwohl schon Feierabend wäre, ist das Büro immer noch voll besetzt, als Cornelia aus dem Fahrstuhl kommt. Auf einem der Bildschirme des Leiters der technischen Abteilung, welche dem Morddezernat untergeordnet ist, läuft in Dauerschleife ein Bericht des Senders CTVS-News aus der Livingston Straße.

„Der Verdächtige erwartet Sie schon sehnsüchtig im Verhörraum zwei. Aber machen Sie sich auf etwas gefasst, der Mann ist mit seiner Wortwahl nicht gerade zimperlich“, erzählt einer der anwesenden Streifenpolizisten, welche den Mann herbringen mussten, seiner Chefin.

„Wurden ihm seine Rechte schon vorgelesen?“

„Ist bereits alles geschehen und auf Video gespeichert. Fingerabdrücke, Schmauchspuren und DNA Proben sind bei ihm auch schon abgenommen worden“, verkündet Leutnant Ewald Klein.

„Was wissen wir sonst noch über den Mann? Ist er bereits in unserer Datenbank oder auf irgendwelche Weise strafrechtlich aufgefallen? Häusliche Gewalt? Ruhestörung, Erregung öffentlichen Ärgernis oder sonst ein Delikt? Ich will alles über ihn wissen. Jedes noch so kleinste Vergehen.“

„Nein in dieser Hinsicht hat der Mann eine blütenweiße Weste. Nicht einmal eine Anzeige wegen falsch Parken oder zu schnellem Fahren liegt gegen ihm vor. Er ist in dieser Hinsicht ein unbescholtenes Blatt. Er ist oder besser gesagt war seit 11 Jahren mit Tamara Ehrberger, so der ledige Name unseres Opfers, verheiratet. Die beiden Kinder hießen, Manuela, sie war 10 Jahre alt und Samuel 6 Jahre“, liest Ewald Klein von seinem Computerbildschirm ab, ehe er mit einem Klick die Zusammenfassung der Lebensumstände des Mannes ausdruckt, um diese im Anschluss daran seiner Chefin zu überreichen.

„Gut, dann werden wir uns diesen Herrn einmal vorknöpfen. Sie können die Einvernahme über die Videoanlage mitverfolgen“, sagt Cornelia, ihren Blick an Constable Frank Foßen, einen erst vor Kurzem in ihre Abteilung versetzten und noch recht jungen Kollegen, gerichtet.

„Wo ist eigentlich Thomas?“, möchte Ewald Klein so nebenbei wissen.

„Thomas befindet sich noch am Tatort. Falls sich dort noch etwas Relevantes ergeben sollte, wird er uns sofort informieren. Ansonsten sehen wir ihn morgen. Hat eigentlich unser Täter schon nach einem Anwalt verlangt.“

„Nein. Er besteht darauf, sich selbst zu vertreten. Das hat er uns zumindest beim Verlesen seiner Rechte wissen lassen.“

„Okay, sein Selbstvertrauen scheint er ja noch zu besitzen. Bin nur gespannt, wie lange er das durchhält“, bemerkt Cornelia hämisch.

Es ist ein grimmiger, ein verachtender Blick, den der Mann Cornelia entgegenwirft, als sie gemeinsam mit Ewald Klein den Verhörraum betritt. Bedächtig legt Cornelia zuallererst ihre vor Kurzem angelegte Ermittlungsakte auf den Tisch, rückt ihren Stuhl zurecht, setzt sich und sieht dem Mann erst einmal tief in seine Augen, ehe sie sich vorstellt. Sie tut dies aber nicht aus Respekt vor dem vor ihr sitzenden Mann, sondern weil es das Protokoll eines Verhörs vorschreibt, um vor Gericht auch zugelassen zu werden.

„Warum?“, fragt Cornelia, ohne sich eine vernünftige Antwort zu erhoffen. Stupide, geradeso als ob sie und ihr Partner nicht im Raum wären, scheint der Blick des Mannes durch sie hindurchzugehen.

„Mir wurde gesagt, dass Sie auf rechtlichen Beistand verzichten wollen. Stimmt das?“, fragt Cornelia nach einer Zeit des Schweigens. Doch auch diese Frage bleibt unbeantwortet.

„Na gut. Wie mir scheint, sind Sie nicht gerade gesprächig, obwohl mir von meinen Kollegen etwas anderes berichtet wurde. Ihre Wortwahl auf der Fahrt hierher soll gelinde gesagt recht ausfallend gewesen sein. Aber wie mir scheint, haben Sie sich jetzt wieder beruhigt. Dessen ungeachtet werde ich Ihnen den Ablauf des heutigen Nachmittags aus meiner Sicht darlegen. Sie können ja immer noch Ihr Kommentar dazu abgeben oder mich gegebenenfalls berichtigen. Ihre Rechte wurden Ihnen ja schon vorgelesen. Ihr Name lautet Ludwig Beinhart. Wohnhaft in der Livingston-Straße 64, zweiter Stock, Wohnung 3a. Verheiratet seit 11 Jahren mit Frau Tamara Ehrberger, mit der Sie auch zwei Kinder im Alter von zehn und sechs Jahren hatten. Sie waren bis vor drei Wochen bei einem renommierten Möbelhaus als Filialleiter beschäftigt. Stimmt das so weit?“, fragt Cornelia, ohne eine Emotion zu zeigen. Doch auch auf diese Fragen zeigt der Mann weder eine Reaktion, noch antwortet er darauf.

„Nun denn, wenn Sie nicht gewillt sind, meine Fragen zu beantworten, werte ihr Schweigen vorerst einmal als Bejahung. Gut, dann werde ich mit dem Protokoll meiner Befragung fortfahren. Sie haben heute Nachmittag auf bestialische Weise das Leben ihrer Frau sowie Ihrer beiden Kinder ausgelöscht. Außerdem waren Sie im Besitz von mehreren nicht registrierten und auch für den privaten Gebrauch nicht zugelassenen Schusswaffen. Aufgrund der Beweislage wird ihnen dreifacher Mord, Widerstand gegen die Staatsgewalt, Gefährdung der öffentlichen Sicherheit sowie der tätliche Angriff und die Verletzung eines Polizeibeamten vorgeworfen. Möchten Sie sich dazu äußern?“, fragt Cornelia ein weiteres Mal. Doch auch auf diese Frage reagiert der Mann nur mit Schweigen.

„Sind Sie sich der Tragweite der Ihnen zur Last gelegten Vorwürfe überhaupt bewusst?“, wendet nun Ewald Klein ein. Doch auch auf diese Frage zeigt der Mann weder eine Reaktion noch eine Regung.

„Wie mir scheint, sind Sie nicht gewollt, mit uns zu reden oder zu kooperieren. Dass sich Ihr Verhalten nicht gerade positiv auf unseren Bericht auswirken wird, muss ich Ihnen wohl nicht erklären. Aber es ist Ihr gutes Recht, zu Schweigen. Aus diesem Grund werden wir für heute Schluss machen. Sie dürfen sich schon einmal daran gewöhnen, in einer Arrestzelle über Ihre Tat nachzudenken“, erklärt Cornelia dem vor ihr sitzenden Mann, ehe sie mit ihrem Partner den Verhörraum verlässt.

„Ein sturer Kopf“, meint Ewald, nachdem er die Tür hinter sich zugezogen hat.

„Irgendwann bricht jeder ein. Vorerst haben wir ja noch Zeit. Also meine Herren, ich schlage vor, wir lassen für heute Feierabend. Wir sehen uns dann morgen“, sagt Cornelia, ehe sie einen Streifenbeamten anordnet, den Verdächtigen in seine Arrestzelle zu bringen.

Grell spiegeln sich die Lichter der ihr entgegenkommenden Autos auf der nassen und schneematschigen Schnellstraße, als sich Cornelia nach einem langen Arbeitstag auf den Weg nachhause befindet. Obwohl schon fünf vor halb zehn Uhr scheint sich das allabendliche Verkehrschaos aus der Stadt immer noch nicht aufgelöst zu haben.

„Verdammte Scheiße“, flucht Cornelia, als sie von einem Raser geschnitten wird. Oder war sie es, die unachtsam war?

„Egal, ich muss diesen verdammten Scheißkerl aus meinem Kopf bekommen, aber nicht, bevor ich noch einmal das Verhör Revue passieren lasse. Vielleicht hilft es mir, mich zu konzentrieren“, ermahnt sie sich selbst.

Letztendlich dauert es mehr als eine halbe Stunde, bis sie endlich jene Siedlung im Nordosten von Saint Paul erreicht, in der sie vor drei Jahren einen Anteil eines Reihenhauses, das sie von der Schwester ihres Vaters vererbt bekommen hat. Eine halbe Stunde, in der sie jede Menge Zeit hatte, über den Fall aber auch über ihre weitere berufliche Laufbahn nachzudenken. Eigentlich wollte sie sich zur Abteilung für Wirtschaftskriminalität versetzen lassen. Markus zuliebe. Doch Markus gibt es in ihrem Leben nicht mehr. Er hat sie nach unzähligen Versprechen, sie nächstes Jahr zu heiraten, verlassen. Einfach nur so, nach sieben gemeinsamen und auch glücklichen Jahren verlassen. Er müsse den Kopf freibekommen, um für weitere Projekte gerüstet zu sein. Sie sei ihm dabei nur im Wege, hat er ihr so nebenbei bei ihrem letzten Frühstück gesagt. Ihre Bitte um eine Aussprache am Abend hat er, wie in letzter Zeit so vieles andere, ignoriert. Dabei hatte sie sich schon seit mehr als einem Monat auf ihren gemeinsamen Urlaub auf den Bahamas, den sie in zwei Wochen genießen wollten, gefreut. Alles war schon gebucht. Der Flug, das Hotel, es wäre für sie der perfekte Urlaub gewesen. Doch es sollte anders kommen. Als sie am Abend vom Dienst nach Hause kam, war Markus schon weg. Nur seine persönlichen Sachen hat er mitgenommen. Ein einziges Mal, etwa eine Woche später, hat er sich bei ihr noch einmal gemeldet. Sie sollte ihm seine CD-Sammlung nachschicken. Auf ein Postfach irgendwo in New Orleans. Mehr hatte er ihr nicht zu sagen. Kein, wie geht es dir? Kein, Hallo mein Schatz, wie er sie am Anfang ihrer Beziehung liebevoll immer zu nennen pflegte. Nichts. Nichteinmal verabschiedet hat er sich nach dem Telefonat von ihr. Seitdem hat er sich nicht mehr gemeldet. Funkstille seit etwas mehr als eineinhalb Jahren.

Nur noch einige hundert Meter und schon steht Cornelia mit ihrem Auto vor dem Rolltor ihrer Garage. Ein Luxus, den sie nicht mehr missen möchte, führt doch von dort ein Gang direkt zu den Kellern der darüberliegenden Reihenhäuser, sodass sie das Haus nicht mehr verlassen muss.

Obwohl sich Cornelia im Laufe der Jahre schon an die verstörenden Bilder eines Tatortes gewöhnt hat, gehen ihr die von heute, insbesondere die beiden toten Kinder, nicht mehr aus dem Sinn. Auch nicht, als sie beschließt, sich ein schönes warmes Schaumbad einlaufen zu lassen. Ein Vergnügen, das sie sich ihrer Ansicht nach viel zu wenig oft gönnt. Etwas mehr als eine Dreiviertelstunde später möchte sie den Rest des Abends mit einem Glas Rotwein, ein paar Knabbereien und einem Konzertmitschnitt ihrer Lieblingsband Rolling Stones ausklingen lassen. Die 50 & Counting Tournee war eine Konzerttournee der Rolling Stones zum 50. Bandjubiläum, dessen Abschluss im Juli 2013 mit zwei großen Konzerten im Hyde Park endete. Und Cornelia war bei diesem Konzert live mit dabei. Ein Erlebnis, das sie nie mehr missen möchte.

Es ist schon lange nach Mitternacht, als sie vor dem noch immer laufenden Fernseher erwacht. Längst ist der Konzertmitschnitt zu Ende, ihr Weinglas aber immer noch halb voll.

„Scheiße war wohl doch ein wenig zu anstrengend der gestrige Tag. Austrinken Cornelia und dann ins Bett“, sagt sie zu sich selbst, als sie sich den letzten Schluck Rotwein genehmigen will und dabei ein wenig weiterzappt.

„Jener Mann, der gestern am späten Nachmittag in der Livingston-Straße seine Familie auf bestialische Weise ermordet hat, soll Recherchen unseres Senders zur Folge ein feuriger Anhänger der weit über das Land hinaus bekannten und beliebten Fernsehserie Snuff-Geniale Mörder gewesen sein“, verkündet die Sprecherin der erst vor Kurzem angelaufenen Nachrichtensendung, währenddessen ein Ausschnitt aus dieser Reihe gezeigt wird. Im Anschluss daran weist sie darauf hin, dass die Polizei zwar den Mann in Gewahrsam nehmen konnte, aber bis zum jetzigen Zeitpunkt kein Geständnis erhalten habe. Zuletzt stellt sie noch die Frage in den Raum, ob sich der Mann für seine Handlung eine Anleitung bei einer dieser Serien geholt haben könnte.

Die verstörenden Bilder des letzten Tatortes, einschließlich der ermordeten Kinder in Großaufnahme weisen darauf hin, dass diesem Sender jeglicher Respekt abhandengekommen zu sein scheint. Es zählen nur noch Einschaltquoten. Mit einer Auflistung aller Gewaltverbrechen der letzten Jahre, den dazugehörigen Bildern und der Feststellung, dass die Polizei diesem Problem scheinbar machtlos gegenüberstehe, schließt dieser Beitrag auch schon wieder. Zuguterletzt weist die Sprecherin noch auf die nachfolgende Sendung, eine Wiederholung einer Reportage zum Thema Kapitaldelikte im Staate Minnesota hin. Doch die will sich Cornelia nicht ansehen. Viel Schlaf findet sie in dieser Nacht auch nicht mehr. Zu sehr hat sie dieser Beitrag, sowie die Frage, woher dieser Sender die Bilder bekommen haben könnte, aufgeregt. Schnell ist sie sich im Klaren, dass nur jener Journalist, dem sie sein Handy abgenommen hat, dafür verantwortlich sein kann. Ob sie deswegen aber rechtliche Schritte gegen den Mann einleiten wird, kann und will sie sich jetzt noch nicht beantworten.

Donnerstag 26.11.2020

Es ist 7:30 Uhr, eine halbe Stunde vor ihrem Dienstbeginn, als Cornelia aus dem Lift im vierten Stock des Polizeihauptgebäudes steigt, um wie immer mit ihrer Arbeit zu beginnen. Auf dem Weg zu ihrem Büro kommt sie am Vorzimmer ihres Vorgesetzten, Major Erhart Frankenhauser vorbei.

„Captain Färber! In mein Büro!“, ertönt es von dort, als Cornelia nichtsahnend ihrem Schreibtisch entgegenstrebt. Also folgt sie der Einladung ihres Vorgesetzten. Dem grimmigen Blick nach zu urteilen, den ihr ihr Chef entgegenwirft, hatte dieser eine ebenso kurze Nacht wie sie. Sie ahnt auch schon, dass diese Einladung nichts Gutes zu bedeuten hat.

„Ihnen auch einen wunderschönen guten Morgen, Major“, antwortet Cornelia nicht weniger grimmig, aber auch ein wenig provozierend, weil ihr dienstliches Verhältnis zu ihrem Chef in letzter Zeit nicht gerade als ausgewogen bezeichnet werden kann.

„Wie kann es sein, dass die Medien solche Bilder zeigen können?“, fragt Major Frankenhauser und zeigt dabei auf den Bildschirm eines nostalgisch anmutenden Fernsehers in der Ecke seines Büros. Weder verwundert noch überrascht wendet Cornelia daraufhin ihren Kopf dem Gerät zu, während ihr Chef mit seiner Fernsteuerung den Ton zuschaltet. Es sind die letzten Bilder einer Werbeeinschaltung, die Cornelia dort sieht, ehe die neuesten Schlagzeilen, welche die Morde von gestern beinhalten, von einer charmanten Fernsehsprecherin vorgelesen werden. Obwohl Cornelia in diesem Moment eine bissige Antwort auf der Zunge liegt, vermeidet sie es, ihren Kommentar dazu abzugeben, um nicht weiteres Öl ins Feuer zu gießen.

„Colonel Steinmeier hat mich mitten in der Nacht angerufen, um ihm zu erläutern, was das soll. Können Sie sich vorstellen, was das für unsere Abteilung zu bedeuten hat? Steinmeier hat unsere budgetären Mittel ohnehin schon um ein Viertel gekürzt.“

„Was hat das mit unserem Fall zu tun?“, möchte Cornelia daraufhin wissen.

„Was das mit unserem Fall zu tun hat, das kann ich Ihnen auf ganz einfache Weise erklären. Die Aufklärungsrate unserer Abteilung liegt seit mehr als einem halben Jahr im Keller, was ganz bestimmt kein gutes Licht auf mich und die Arbeit der Polizei wirft. Also auch auf Sie, Frau Färber. Außerdem werde ich durch diese Kürzungen gezwungen sein, weitere Einsparungsmaßnahmen zu veranlassen. Ich muss Ihnen wohl kaum erklären, dass dadurch Ihr Antrag auf eine Büroassistenz in weite Ferne gerückt ist. Also, ich will eine plausible Erklärung, wie es dazu kommen konnte, dass ein Journalist noch während der ersten Beweisaufnahme von einem Tatort Aufnahmen machen konnte“, möchte Major Frankenhauser als Nächstes wissen, währenddessen schon die Schlusssignation der Nachrichtensendung ertönt, um von einer weiteren Werbeeinschaltung abgelöst zu werden.

„Was ist, ich warte auf eine Erklärung“, schimpft Frankenhauser, weil sie nicht sofort auf seine Frage antwortete.

„Der Urheber dieser Fotos, ein Journalist mit dem Namen Peter Baumschlag, wohnt ein Stockwerk über der Wohnung unseres Tatortes. Er muss wohl die Schüsse gehört und womöglich sofort eine Story gewittert haben. Vermutlich hatte er ein zweites Handy bei sich, weil ich ihm das seine sofort abgenommen habe. Im Anschluss daran habe ich diesen Mann nach einer Verwarnung unverzüglich aus der Wohnung verwiesen. Warum der Sender ohne unsere Freigabe solcher Bilder ausstrahlt, werde ich noch heute klären. Ich werde sofort einen Termin bei der Vorstandsdirektorin dieses Senders vereinbaren lassen.“

„Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie uns das weiterhelfen soll, Captain Färber. Aber bitte es ist Ihr Fall.“

„Frau Bettina Ehrberger, so der Name der Vorstandsdirektorin von CTVS, war die Schwester der Ermordeten, die ebenfalls bei diesem Sender als Programmchefin gearbeitet hat. Außerdem sollen die beiden schon des Öfteren Meinungsverschiedenheiten in Bezug auf die Gestaltung ihres Fernsehprogrammes gehabt haben“, weiß Cornelia zu berichten.

„Nun gut, wie Sie meinen. Hat wenigstens Ihre erste Einvernahme schon etwas ergeben? Sie haben diesen Mann doch schon vernommen?“

„Natürlich noch gestern Abend. Leider hat er bei seiner Vernehmung kein einziges Wort mehr von sich gegeben. Er muss sich bei seiner Überstellung hierher wohl zu sehr verausgabt haben. Die Beamten haben mir berichtet, dass er sie fortwährend beschimpft und beleidigt haben soll. Aber Sie dürfen es heute ruhig selbst noch einmal versuchen, obwohl ich bezweifle, dass der Mann überhaupt noch etwas sagen wird. Dessen ungeachtet habe ich noch gestern nach dem Verhör angeordnet, dass der Verdächtige heute Morgen um 8:00 Uhr im Verhörraum zu sein hat.“

„Ich habe nicht das geringste Interesse, Ihnen den Fall wegzunehmen. Sorgen Sie einfach nur dafür, dass wir so schnell als möglich ein Geständnis bekommen. Angesichts dessen, dass der Täter bereits in Gewahrsam ist, habe ich für heute Nachmittag 16:00 Uhr eine Pressekonferenz anberaumt.“

„Wie Sie meinen, Major. Liegt Ihnen sonst noch etwas am Herzen?“, fragt Cornelia provokant. Den Blick, den ihr ihr Vorgesetzter daraufhin entgegenwirft, sagt mehr als tausend Worte. Wohl auch, weil sie sich weigert, ihren Chef mit seinem vollen Dienstgrad anzusprechen.

„Nun gut, wenn sonst nichts mehr anliegt, würde ich jetzt gerne unseren Verdächtigen noch einmal vernehmen. Vielleicht zeigt er sich heute etwas gesprächiger“, sagt Cornelia, um endlich mit der Befragung beginnen zu können. Kurz vor dem Verhörraum wendet sie sich noch einmal um, um Sergeant Frank Vossen, dem Neuling in ihrem Team einen Termin bei Bettina Ehrberger vereinbaren zu lassen.

Es ist, wie Cornelia es vermutet und schon oft erlebt hat. Regungslos seinen Blick stur auf sie und Thomas gerichtet sitzt der Mann nur da, ohne ein einziges Wort von sich zu geben.