Schönes Märchen – oder Albtraum? - Patricia Vandenberg - E-Book

Schönes Märchen – oder Albtraum? E-Book

Patricia Vandenberg

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Beschreibung

Die schönsten Dr. Norden Romane in einer Serie zusammengefasst. Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Er sucht nach Hintergründen, nach der Ursache, warum dem Patienten nicht zu helfen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Auf sie kann er sich immer verlassen, wenn es darum geht zu helfen. »Sind die anderen Passagiere schon an Bord?«, erkundigte sich Dr. Daniel Norden bei dem Mann, der ihn, seine Frau Felicitas und die Zwillinge Dési und Jan über das Rollfeld geleitete. Der Horizont flimmerte, das fahle Blau des Himmels vermischte sich mit dem schmutzigen Gelb der Wüste. Die Luft brannte vor Hitze und machte der Familie das Atmen schwer. »Es gibt keine anderen Passagiere, Herr Doktor«, erklärte der Mann freundlich lächelnd. »Sie sind unsere einzigen Fluggäste.« Trotz der Hitze rann ein eisiger Schauer über Fees Rücken. Wieder dachte sie an die beiden Männer, die erst vor einigen Tagen überraschend vor ihrer Haustür aufgetaucht waren, um die Hilfe des über die Landesgrenzen hinaus bekannten Arztes Dr. Norden zu bitten. Der einzige Sohn des Scheichs Ahmed, Prinz Hasher, litt an einer geheimnisvollen Krankheit, die kein Arzt bisher zu heilen oder wenigstens zu lindern vermocht hatte. Die große Hoffnung des Scheichs ruhte nun auf Daniel. Selbstverständlich hatte Felicitas keine Sekunde gezögert und sich bereit erklärt, ihren Mann auf die Reise in den unbekannten Orient zu begleiten. Zwei ihrer fünf Kinder, die Zwillinge Janni und Dési, begleiteten sie. »Ein schönes Flugzeug«, lobte Daniel in die Gedanken seiner Frau hinein. Inzwischen freute er sich auf das Abenteuer, auf das exotische Land mit den fremden Bräuchen und Sitten, auf die unbekannten Menschen und ihre Lebensart. »Der Traum eines jeden Mannes!«, erwiderte der Mann und lächelte Janni zu, der aufgeregt von einem Fuß auf den anderen hüpfte.

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Seitenzahl: 112

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Dr. Norden Liebhaber Edition – 2 –Schönes Märchen – oder Albtraum?

Fee Norden gerät in eine delikate Situation

Patricia Vandenberg

»Sind die anderen Passagiere schon an Bord?«, erkundigte sich Dr. Daniel Norden bei dem Mann, der ihn, seine Frau Felicitas und die Zwillinge Dési und Jan über das Rollfeld geleitete.

Der Horizont flimmerte, das fahle Blau des Himmels vermischte sich mit dem schmutzigen Gelb der Wüste. Die Luft brannte vor Hitze und machte der Familie das Atmen schwer.

»Es gibt keine anderen Passagiere, Herr Doktor«, erklärte der Mann freundlich lächelnd. »Sie sind unsere einzigen Fluggäste.«

Trotz der Hitze rann ein eisiger Schauer über Fees Rücken. Wieder dachte sie an die beiden Männer, die erst vor einigen Tagen überraschend vor ihrer Haustür aufgetaucht waren, um die Hilfe des über die Landesgrenzen hinaus bekannten Arztes Dr. Norden zu bitten. Der einzige Sohn des Scheichs Ahmed, Prinz Hasher, litt an einer geheimnisvollen Krankheit, die kein Arzt bisher zu heilen oder wenigstens zu lindern vermocht hatte. Die große Hoffnung des Scheichs ruhte nun auf Daniel. Selbstverständlich hatte Felicitas keine Sekunde gezögert und sich bereit erklärt, ihren Mann auf die Reise in den unbekannten Orient zu begleiten. Zwei ihrer fünf Kinder, die Zwillinge Janni und Dési, begleiteten sie.

»Ein schönes Flugzeug«, lobte Daniel in die Gedanken seiner Frau hinein. Inzwischen freute er sich auf das Abenteuer, auf das exotische Land mit den fremden Bräuchen und Sitten, auf die unbekannten Menschen und ihre Lebensart.

»Der Traum eines jeden Mannes!«, erwiderte der Mann und lächelte Janni zu, der aufgeregt von einem Fuß auf den anderen hüpfte. »Ich wünsche Ihnen einen guten Flug.« Er sah dabei zu, wie die Familie die Gangway hinaufstieg und im Inneren des Jets verschwand.

»Wo sollen wir uns hinsetzen?«, fragte Dési und sah sich mit glänzenden Augen im Inneren des Luxusflugzeugs um, das wie ein Wohnzimmer aussah.

Bequeme, breite Zweier-Ledersessel mit Tischen dazwischen luden zum Verweilen ein.

Die Familie hatte sich kaum gesetzt und sich unter den kritischen Blicken eines Flugbegleiters angeschnallt, als der Pilot auch schon die Motoren anließ und die Maschine zum Start rollte.

»Die anderen haben jetzt Schule!« Janni drückte sich zufrieden in die weichen Polster.

»Außerdem ist es daheim eiskalt«, fügte Dési grinsend hinzu und drückte die Stupsnase am Fenster platt. »Die anderen müssen ganz schön frieren.«

Als der Jet beschleunigte und mühelos vom Boden abhob, kribbelte es in ihrem Magen. Beim Anblick des Wolkenmeeres unter dem gleißend blauen Himmel, das sich vor ihren Augen ausbreitete, vergaß Désirée dieses Gefühl jedoch schnell und starrte gebannt nach draußen.

»Frieren und lernen«, kicherte Janni vergnügt.

»Aber ihr dürft nicht glauben, dass ihr nicht zur Schule gehen müsst«, mischte sich Fee in die Unterhaltung ihrer jüngsten Sprösslinge ein. »Dieser Abdul hat uns versprochen, dass ihr auf jeden Fall Unterricht bekommen werdet«, erinnerte sie sich an das Versprechen des Mannes, den der Scheich geschickt hatte. »Schließlich weiß kein Mensch, wie lange wir im Reich von Scheich Ahmed bleiben werden.«

»Ich frage mich nur, wer die beiden unterrichten soll«, erwiderte Daniel nachdenklich. »So weit ich weiß, gibt es im Sultanat keine deutsche Schule.«

Fee schickte ihrem Mann einen besorgten Blick. Die Bildung ihrer Kinder lag ihr sehr am Herzen, und der Unterricht der beiden war eine ihrer Bedingungen gewesen, dass die Zwillinge mitkommen konnten.

»Es gibt doch sicher eine Internationale Schule dort. Das wäre mir sogar lieber, weil der Unterricht an solchen Schulen auf Englisch stattfindet«, dachte Fee laut nach und griff nach seiner Hand.

Beide ahnten, dass sie sich auf ein echtes Abenteuer eingelassen hatten. Doch sie hatten keine Wahl gehabt. Wen der Sultan einmal im Visier hatte, den ließ er nicht mehr so einfach gehen. Das war auch der Grund, warum sie seiner Bitte um Hilfe schließlich gefolgt waren.

Schweigend saß das Ehepaar Seite an Seite nebeneinander, erschöpft von der langen Reise. Fee hatte die Augen geschlossen, als der Steward nach überraschend kurzem Flug aus seiner Kabine und auf die Fluggäste zutrat.

»Würden Sie sich bitte anschnallen?«, bat er höflich lächelnd. »Wir beginnen jetzt mit dem Landeanflug.«

*

Als Dr. Nordens Assistentin Wendy den Blindenstock sah, der sich durch die Praxistür schob, sprang sie sofort vom Stuhl auf und eilte, um der Patientin die Tür zu öffnen.

»Vielen Dank, das ist sehr freundlich von Ihnen«, lächelte die junge Frau mit den braunen halblangen Haaren und der dunklen Sonnenbrille im aparten Gesicht. An ihren beiden Knien klaffte die Jeans auseinander. Ein großer Fleck färbte den hellen Stoff dunkel und glänzte feucht.

Wendy starrte entsetzt darauf.

»Du liebe Zeit, Frau Bohde, das sieht ja furchtbar aus!«, entfuhr es ihr. Fürsorglich nahm sie die blinde junge Frau am Arm und führte sie zu einem Stuhl vor dem Wartezimmer. »Bitte nehmen Sie Platz. Ich sage dem jungen Doktor sofort Bescheid.«

»Junger Doktor?«, lächelte Tatjana und tastete vorsichtig nach der Sitzfläche, ehe sie sich niederließ. »Ich hab Dr. Norden ja noch nie gesehen. Aber ehrlich gesagt macht er keinen so jugendlichen Eindruck auf mich«, bemerkte sie keck.

Wendy lachte erleichtert. Wenn Tatjana der Schalk noch im Nacken saß, konnte ihre Verletzung nicht so schlimm sein, wie sie aussah.

»Dr. Norden ist auf unbestimmte Zeit verreist. Sein Sohn hat die Praxisvertretung gemeinsam mit einem anderen Arzt übernommen. Heute ist Danny Norden da«, erklärte Wendy bereitwillig.

»Ich wusste gar nicht, dass der Sohn von Dr. Norden auch Arzt ist.«

»Im Augenblick befindet er sich im Praxisjahr und hat aufgrund der besonderen Situation eine Sondererlaubnis für die Ausübung des ärztlichen Berufs erhalten.« Wendy wusste nicht, dass der Scheich seine Hände in dieser Angelegenheit maßgeblich im Spiel hatte.

»Interessant«, erwiderte Tatjana und hob den Kopf, als sie hörte, wie eine Tür am Ende des Gangs geöffnet wurde. »Ah, da kommt er ja schon«, stellte sie fest, und Wendy lächelte.

Immer wieder war sie von dieser blinden jungen Frau überrascht, die mit so vielen anderen Fähigkeiten ausgestattet war, dass die Sehbehinderung offenbar kein Handicap für sie darstellte.

»Danny, komm schnell. Frau Bohde hat sich verletzt«, rief sie ihrem jungen Chef zu.

Schnell entschuldigte und verabschiedete sich Danny Norden von seinem Patienten – dem letzten des Vormittags – und eilte zu Tatjana, die er an diesem Tag zum ersten Mal zu Gesicht bekam. Mit einem Blick erfasste er die Situation, sah den Blindenstock, der neben ihr an der Wand lehnte, die klaffenden Wunden an beiden Knien.

»Herrje, das sieht ja schlimm aus!«, entfuhr es ihm. Er war noch jung, und es fehlte ihm sichtlich an der Gelassenheit seines Vaters.

»Halb so wild.« Tatjana nahm ihm seine Unerfahrenheit nicht übel.

»Können Sie noch laufen? Oder soll ich Sie hier auf dem Stuhl behandeln?«, fragte Danny besorgt und sah sie unverwandt an. Er wusste, dass sich das nicht schickte, konnte aber genauso wenig den Blick von ihr wenden.

»Natürlich kann ich laufen. Schließlich bin ich nicht hergeflogen«, erwiderte Tatjana frech und griff selbstsicher nach ihrem Stock. »Außerdem müssen Sie mich nicht so anstarren.«

Danny errötete und senkte beschämt den Blick.

»Woher wissen Sie das?«, fragte er, während er ihr verdutzt ins Sprechzimmer folgte.

Tatjana bewegte sich selbstsicher, als kannte sie ihren Weg genau. Geschickt ließ sie den Blindenstock vor ihren Füßen hin und her pendeln.

»Ich spüre das.«

Danny schloss die Tür hinter ihnen und brachte Tatjana hinüber ins Behandlungszimmer. Dort ließ sie sich bereitwillig von ihm zur Liege führen.

Mit kritischem Blick beugte sich der junge Arzt über die Beine seiner Patientin. Es waren schöne lange Beine, und fast wartete er schon auf eine spöttische Bemerkung, als er die Wunden betrachtete.

»Wahrscheinlich tut es zu weh, wenn Sie die Hose ausziehen. Deshalb würde ich vorschlagen, dass ich die Hosenbeine abschneide. Natürlich nur, wenn Sie nichts dagegen haben.«

»Ach, die Jeans ist sowieso zu nichts mehr zu gebrauchen«, winkte Tatjana ab.

So behutsam wie möglich ging Danny ans Werk. Trotzdem stöhnte sie leise und biss die Zähne aufeinander, als er die Hosenbeine behutsam herunterzog und über ihre Knöchel und Füße streifte.

»Wie ist das passiert?«, erkundigte sich Danny Norden und machte sich mit einer Pinzette daran, die Wunden von Steinchen und anderem Dreck zu säubern.

»Ach, ich bin auf der Rolltreppe nach oben gefahren. Da kam mir so ein Dummkopf in der falschen Richtung entgegen«, berichtete Tatjana abfällig und strich sich mit einer Hand eine dunkle Strähne aus der Stirn. »Ich verstehe diese Kindsköpfe einfach nicht«, machte sie ihrem Ärger Luft. »Was ist so lustig daran, verkehrt herum Rolltreppe zu fahren?«

»Ehrlich?« Mithilfe einer Lupe hatte Danny alle Steinchen entfernt und begann damit, die Wunden fachgerecht zu versorgen. Glücklicherweise handelte es sich nur um oberflächliche Verletzungen. Die Knochen waren unverletzt geblieben. »Ich habe keine Ahnung, warum diese Kinder das machen.«

»Das war kein Kind«, widersprach Tatjana so energisch, dass Danny nicht wagte zu fragen, woher sie das nun wieder wusste. Diese junge blinde Frau beeindruckte ihn sehr. Die Art, wie sie mit ihrer Behinderung umging, ihr Selbstbewusstsein imponierte ihm zutiefst. Mal abgesehen davon, dass sie auf eine sehr außergewöhnliche Art ungemein attraktiv war. »Der gute Mann war mindestens 25. Er wollte noch ausweichen. Aber dann ist er an meinem Stock hängen geblieben und hat mich umgerissen.«

»Vorsicht, jetzt brennt es«, warnte Danny, wusch das Blut von den Knien und betupfte sie mit Desinfektionsmittel, ehe er sie großzügig verpflasterte. »Hat er sich wenigstens um Sie gekümmert?«

»Ein paar Passanten haben mir geholfen. Dieser Typ hat sich sang- und klanglos aus dem Staub gemacht.« Als Tatjana sich aufsetzte, streifte ihre Hand Dannys Bein.

»Eine richtige Unverschämtheit!«, schimpfte der junge Arzt empört. Er hatte seine Arbeit beendet und betrachtete die halbnackten Beine seiner Patientin, die von der Liege baumelten. »Was machen wir denn jetzt mit Ihnen? So kann ich Sie unmöglich nach Hause schicken.« Er drehte sich zum Fenster um und sah hinaus in den trüben Tag.

Seit dem Morgen hingen zähe Nebelschwaden in den mit Raureif überzogenen Bäumen und Sträuchern. Mit eingezogenen Köpfen und hochgeschlagenen Mantelkrägen eilten die Menschen an der Praxis vorbei. Plötzlich hatte er eine Idee.

»Ich bestelle Ihnen ein Taxi, das Sie nach Hause bringt. Außerdem bekommen Sie meine Jeans.«

»Ziehen Sie sich zur Arbeit immer um?«, fragte Tatjana neugierig und verdutzte Danny ein weiteres Mal. »Im Augenblick tragen Sie eine weiße Arzthose«, bemerkte sie seine Verwunderung.

Während er seine Jeans aus dem Schrank in der Ecke holte, lachte der junge Arzt ungläubig.

»Langsam aber sicher glaube ich, dass Sie sich einen Spaß mit mir erlauben«, sagte er ihr auf den Kopf zu und sah ihr dabei zu, wie sie die Hose vorsichtig über ihre verletzten Knie zog. »Los, geben Sie schon zu, dass Sie gar nicht wirklich blind sind.«

Als Tatjana mitten in der Bewegung innehielt und die dunklen Brillengläser auf ihn richtete, wusste er, dass er einen Fehler gemacht hatte.

»Einem Arzt hätte ich etwas mehr Feingefühl und Verständnis zugetraut«, erklärte sie schnippisch. »Egal, wie jung Sie sind.«

Dannys Wangen brannten vor Scham, und er senkte den Kopf.

»Tut mir leid«, murmelte er betreten. »Ich wundere mich nur, woher Sie all diese Sachen wissen …«

Tatjana antwortete nicht sofort. Sie hatte den Kopf in Dannys Richtung gewandt, und es machte den Eindruck, als musterte sie ihn aufmerksam durch die dunklen Brillengläser.

»Ich habe zufällig den Stoff Ihrer Hose berührt, vorhin auf der Liege …«, fügte sie etwas weicher hinzu, als wüsste sie, wie sich Danny im Augenblick fühlte.

Seine Verwirrung steigerte sich ins Unermessliche. Er räusperte sich umständlich.

»Oh, okay. Dann soll Wendy mal ein Taxi holen. Bitte kommen Sie übermorgen wieder, damit ich die Wunden noch einmal ansehen kann.«

Bereitwillig ließ sich Tatjana durch den Flur führen. Die weiten Hosenbeine, die sie zweimal umgeschlagen hatte, schlackerten um ihre Beine. Ein Gürtel hielt den Bund auf ihrer schmalen Hüfte.

»Dann bekommen Sie auch Ihre Hose zurück«, versprach Tatjana ihm zum Abschied und streckte Danny die Hand mit den langen schlanken Fingern hin. »Bestimmt bin ich ein sehr aparter Anblick.«

Eine Künstlerhand!, ging es ihm durch den Sinn.

»Einen schönen Menschen entstellt nichts«, erwiderte er spontan.

Tatjana lachte vergnügt und dankte ihm, als er ihr die Praxistür aufhielt. Einen Augenblick stand Danny sinnend in der kühlen Luft und sah ihr nach. Als ob sie seinen Blick im Rücken spürte, drehte sie sich noch einmal um und winkte ihm, bevor sie gut gelaunt ins Taxi einstieg.

In Gedanken versunken kehrte Danny in die Praxis zurück. Im Gegensatz zu Tatjana war er mehr als unzufrieden mit seiner Leistung.

»Wie ein Dilettant«, maßregelte er sich selbst leise. In diesem Augenblick vermisste er seinen Vater und seinen kompetenten Rat so schmerzlich wie lange nicht. Nie hatte er sich so sehr danach gesehnt, mit seinem Vater zu sprechen.

»Wendy, Sie wissen doch sicher, in welchem Hotel mein Vater im Sultanat wohnt«, fragte er die treue Assistentin.

»Im ›Al Majid‹«, kam die Antwort wie aus der Pistole geschossen. Ihr fürsorglicher, fast mütterlicher Blick ruhte auf dem Arztsohn, der zum ersten Mal in seinem beruflichen Leben so eine große Verantwortung allein zu tragen hatte. Sie wusste, was Danny in diesem Augenblick brauchte. »Soll ich die Nummer heraussuchen?«

»Das wäre wahnsinnig nett von Ihnen.« Umgeben von so viel Verständnis fühlte sich der junge Arzt sofort getröstet.

Die Sprechstunde des Vormittags war beendet, und er kehrte ins Sprechzimmer zurück, um ein paar Bemerkungen im Computer festzuhalten. Er hatte sich kaum an den Schreibtisch gesetzt, als das Telefon klingelte.

»Haben Sie die Nummer, Wendy?« Danny zückte einen Kugelschreiber und nahm einen Notizzettel aus der Plastikbox auf dem Schreibtisch.