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Manche Verbindungen berühren uns tiefer, als Worte es fassen können. Sie rufen uns auf, zu erkennen, zu wachsen und zu unserer eigenen Wahrheit zurückzufinden. Seelenstolz ist die wahre Geschichte einer Reise durch karmische Begegnungen, emotionale Muster und schmerzhafte Seelenverstrickungen. Es erzählt vom Mut, sich selbst nicht länger zu verlieren, sondern sich zurückzuholen. Von der Kraft, Verletzungen nicht als Niederlage zu sehen, sondern als Wegweiser zur eigenen Selbstheilung und inneren Freiheit. Dieses Buch ist für alle, die fühlen, dass sie für mehr bestimmt sind als für Schmerz. Für alle, die bereit sind, den alten Fesseln zu entwachsen und ihre eigene Geschichte in Liebe, Würde und Stolz neu zu schreiben. Seelenstolz bedeutet, deine Wahrheit zu leben. Jetzt.
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Seitenzahl: 146
Veröffentlichungsjahr: 2021
Mein besonderer Dank gilt Kristin Bohse – Autorin und Wegbegleiterin.
Mit viel Herz, Feingefühl und ihrer eigenen Erfahrung als Schriftstellerin hat sie Seelenstolz neu überarbeitet und dem Buch eine kraftvolle Tiefe verliehen.
Durch ihre emotionale Stärke und ihr feines Gespür für die Essenz der Worte hat sie Seelenstolz einen würdevollen Platz gegeben und die Botschaft des Werkes in besonderer Weise bewahrt.
Ihre Hingabe, ihre Liebe zur Sprache und ihr Verständnis für die Seele dieses Buches haben es nicht nur ergänzt, sondern neu erstrahlen lassen.
Danke, liebe Kristin, für deine großartige Arbeit, dein Vertrauen und deine einfühlsame Begleitung auf diesem Weg.
Danksagung
Das andersartige Mädchen
Elisabeth
Richard
Sophias Wandlung
Das alte Kloster
Lehrzeit
Eine außergewöhnliche Begegnung
Die Geschichte beginnt
Im Zwiespalt zwischen zwei Welten
Die geheimnisvolle Klosterfahrt
Die Verlust von Zeit und Raum in Zimmer 110
Der Abschied von Elisabeth
Nachwort: Heimkehr zu sich selbst
Zur Autorin
Inmitten einer schroffen Berglandschaft des englischen Nordens zwischen steilen Gletschertälern und unergründlichen Seen, kam ein Mädchen mit blonden Locken zur Welt.
Ihr Aussehen glich einem Engel und ihre Eltern gaben ihr den Namen »Sophia«, kleideten sie in weiße engelhafte Kleidchen und stellten sie stolz zur Schau. Ihr kleiner Engel sollte herausragen, allerdings auf die Weise, wie sie es sich wünschten. Sie sollte das Musterbeispiel eines »guten«
Mädchens sein und alle in ihrer gesellschaftlich angemessenen Rolle noch überflügeln. Nicken, lächeln, demütig den Kopf neigen und tun, was man von ihr verlangte.
Sophia war besonders, allerdings nicht auf die dressierte Art, wie ihre Eltern es sich wünschten. Sobald Sophia die Worte kannte, die es brauchte um zu beschreiben was sie sah, zeigte es sich, dass sie anders war, als die anderen Kinder ihres Dorfes.
Während die anderen sich um Spielsachen und Spielregeln stritten, wetteiferten wer der bessere, schnellere, schlauere sei, erzählte Sophia von Engeln, die sie begleiteten und beschützten.
Weder ihre Freunde noch ihre Eltern glaubten ihren übersinnlichen Erzählungen. Sie lächelten, streichelten ihr über den Kopf und erzählten ihr, dass es so etwas nicht wirklich gäbe und es Träume seinen und ihre eigene Fantasie. Das würde sie sehen, wenn sie älter sei.
Schlimmer noch: Als Sophia wiederholte was sie sah, lachten ihre Freunde sie aus und sie konnte spüren, wie unangenehm es ihren Eltern wurde. Nachdem sie von ihrem Vater bei einem Familientreffen abgezischt wurde, sie solle aufhören solch einen Unsinn zu erzählen und ihre Mutter es mit einem nervösen Lachen und »in dem Alter haben die Kleinen immer so absurde Ideen!« abtat - vertraute sie sich nur noch ihrer Großmutter Florence an. Sie schien als einzige zu wissen, wovon Sophia sprach.
Florence gab Sophia Halt und allem voran Raum, die Welt zu entdecken, wie Sophia sie sah und half ihr sie zu verstehen. Sie bestärkte das Kind in seinem Anderssein, wie es keiner aus der Familie oder Freundeskreis sonst tun konnte.
Ihre Eltern hatten sich ein Kind gewünscht, das man zeigen konnte und nicht verstecken musste.
Sophias Großmutter aber erkannte, dass ihnen dieser Wunsch gewährt worden war, wenn sie es nur sehen würden. Aber blind vor Normalität konnten sie Sophia nicht das Zuhause oder die Anleitung geben, die sie brauchte.
Solange Florence lebte, erfüllte sie eine Rolle, die Sophias Eltern nicht übernehmen konnten.
Gemeinsam verbrachten sie viel Zeit draußen in der Natur und Sophia lernte eine Menge über Tiere sowie Pflanzen und ihre Heilwirkung.
Eine besondere Freundschaft entwickelte Sophia zu Pferden.
Bis ins Erwachsenenalter hinein verbrachte sie den größten Teil ihrer Freizeit auf einem nahegelegenen Gestüt.
Durch ihr Einfühlungsvermögen und ihre Beobachtungsgabe baute sie schnell Vertrauen zu den Tieren auf. Es fiel leicht, das Verhalten der Pferde und ihre Körpersprache zu verstehen und ihre Bedürfnisse zu erkennen, wenn andere es nicht taten.
Das gleiche Maß an Empathie brachte sie auch den Menschen gegenüber auf, auch wenn sie gelernt hatte ihnen gegenüber nicht zu viel davon preiszugeben, was sie in ihnen sah. Sophia schien etwas auszustrahlen, was die Menschen um sie herum veranlasste von ihren Sorgen und Wünschen zu erzählen, ob Sophia sie nun darum gebeten hatte oder nicht. Es war mehr als ein einfaches tieferes Zuhören, sie fühlte mit ihnen, spürte Emotionen, sah Bilder, Ereignisse oder Menschen aus Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft.
Nicht nur die Reaktion der Menschen aus ihrer Kindheit lehrte sie, dass diese Fähigkeit eine besondere Gabe war, mit der sie achtsam umgehen musste.
Auch heute machte sie immer wieder die Erfahrung, dass sie belächelt wurde, wenn sie zu viel erzählte oder schlimmer: dass sich die Menschen ihr komplett verschlossen und abweisend wurden. Also bewahrte sie vieles was sie sah, anfänglich für sich und vertraute sich nach dem Tod ihrer Großmutter kaum jemandem an.
Zu diesen Erfahrungen erweiterte sie ihr Wissen in Kräuterkunde und fand letztendlich ihre Berufung in der ganzheitlichen Lehre von Körper, Geist und Seele. Auf dem Weg dorthin gab es Zeiten, in denen Sophia an sich und ihren Fähigkeiten zweifelte. Vielleicht stimmte das, was ihre Eltern und Freunde so oft zu ihr gesagt hatten und sie hatte einfach eine etwas zu ausladende Fantasie?
Aber wieso traf sie dann so oft den Kern eines Problems, dass die Menschen ihr gegenüber hatten, den Schmerz, den sie mit sich trugen? Warum wusste sie so schnell ob ihr Menschen die Wahrheit erzählten oder eine Fassade aufsetzen obwohl sie ihnen gerade erst begegnete?
Es gab so viele Fragen, auf die sie keine Antwort hatte.
In solchen Momenten überwandte sie sich und vertraute sich anderen an. Es waren stets ältere, betagte Frauen, denen das Leben bereits gezeigt hatte, dass es mehr gab als diese dünne Schicht des alltäglich Sichtbaren, etwas, was dahinterlag, was das müde Auge nicht sehen konnte.
So auch Mary - eine von Sophias Kunden, die sie in ihrer kürzlich eröffneten Massagetherapie-Praxis behandelte. Auch sie schien hinter das Alltägliche blicken zu können, denn sie sprach Sophia an, als sich folgendes zugetragen hatte, obwohl sie nicht unmittelbar dabei gewesen war.
Sophia hatte einige Tage zuvor einen Kunden behandelt, als dieser plötzlich anfing, sie zu bedrängen.
Ein Gefühl der Hilflosigkeit überfiel sie, sie war wie erstarrt.
Warum nur fühlte sie sich so wehrlos und reagierte so heftig darauf?
Mary offenbarte sich, nachdem ihr Sophia von dem Geschehenen berichtet hatte, als spirituelle Frau und bot Sophia an, ihr mit einer geführten Rückführung Antworten auf die Fragen zu geben, die Sophias Verstand allein nicht beantworten konnte.
Mary führte Sophia in einen Trancezustand, ihr Körper und Verstand trat zurück, aber ihr Geist war hellwach und sie folgte Marys Stimme durch ihr früheres Leben.
Zeit hatte keine Bedeutung, Bilder zogen wie in einem Film an ihrem Auge vorbei, aber es war kein reines Sehen und Hören, sie konnte spüren und schmecken: Wärme, Kälte, Freude, Angst, Hoffnung, Enttäuschung… jeder Moment fühlte sich an, als würde sie ihn noch einmal erleben. Alle auf einmal.
Sie sah: Elisabeth.
Elisabeth lebte im 11. Jahrhundert auf einem kleinen Bauernhof, nahe eines Dorfes, das an einem Fluss und lag der sich durch bewaldete Hügel und niedrige Berge schlängelte.
Sie war eine junge fröhliche Frau, die im ganzen Land für ihr außergewöhnliches Wissen über Heilpflanzen bekannt war.
Selbst in den Kreisen des neuen und alten Adels nahm man ihre Heilkünste in Anspruch.
Eines sonnigen Tages wurde Elisabeth gebeten in die nahegelegene Burg zu kommen, die auf der anderen Seite des Flusses auf einem Berg thronte.
Der Weg dorthin führte sie über Felder die sich unterhalb der Felsen über das Tal ergossen. Am Ufer des breiten im Sonnenlicht glitzernden Flusses entdeckte sie heranwachsende Heilkräuter. Fasziniert von ihrem Duft und ihrer schlichten Schönheit, pflückte sie diese. Sie legte sie zu den anderen Kräutern, die sie für ihren Krankenbesuch von zuhause mitgenommen hatte, in den Korb.
Sie überquerte den Fluss und ging an den üblichen Karren und Reitern vorbei, die das Schloss mit Waren und Nachrichten belieferten.
Als sie die Zugbrücke überquerte, empfing sie ein junger Mann unter dem hohen Torbogen, der beauftragt worden war nach ihr Ausschau zu halten, um sie ans Krankenbett zu führen.
Durch seine freundliche und ausgelassene Art herrschte sofort eine leichte, beschwingte Stimmung zwischen den Beiden.
Sie wunderte sich nur kurz über den teuren Stoff aus dem seine Gewänder waren. Es schien ihr zu nobel für einen einfachen Bediensteten, der dazu abgestellt worden war sie durch die Burg an den Ort ihrer Bestimmung zu führen.
Aber bevor sie sich weitere Gedanken machen konnte, nahm sie ihre Aufgabe gefangen. Sie trat an das schwach beleuchtete Krankenbett, sprach mit dem Kranken, nahm seine Beschwerden in Augenschein und versorgte ihn mit Kräutern und Tinkturen und die dabei stehenden Bediensteten mit Anweisungen, wie er in den kommenden Tagen behandelt werden sollte.
Schließlich wurde sie entlassen und man schien ihr zuzutrauen den Weg allein hinaus zu finden. Am Ende des langen holzvertäfelten Flures angekommen, holte sie der junge Mann ein, der sie zuvor ans Krankenlager geführt hatte.
Er lächelte und begleitete sie hinaus und während er das tat, fragte er nach ihrem Namen, wo sie herkomme und ob sie noch einen weiten Weg vor sich habe.
Während sie sich vorstellte, begleitete er sie hinaus, bis auf die Brücke hinter dem Tor. Der sonst stete Trubel dort war kurzzeitig verklungen, denn die meisten Fuhrleute und Arbeiter, die die Burg für ihre Dienste betraten und verließen, erholten sich in der Gaststube am Fuße des Berges von ihrem Tagewerk.
»Nun, Elisabeth – mein Name ist Richard von Ravenshire, und es war mir eine Ehre, Euch kennenzulernen.«
Sie hielt seinem Blick stand, ein leichtes Lächeln auf den Lippen – halb verwundert, halb nicht. Der Sohn des Grafen/Barons also. Aber ihm fehlte die reservierte Kälte, die viele Burgbewohner an sich hatten. Kein herablassender Blick, keine Angst vor dem gemeinen Volk, keine Distanz, die ihr sonst nur durch ihre Gabe erspart blieb – jener unsichtbare Abstand, der selbst die Höflichsten von den Bauern, Fuhrleuten oder Tavernenwirten trennte.
Er hatte noch Leben in sich, das nicht von Titeln und Macht erstickt worden war. Und während er sie begleitet hatte, war sie mehr gewesen als nur eine Frau, die gerufen worden war, um ihren Dienst zu tun.
In der Burg im Krankenzimmer, hatten die Adligen sie »entlassen«. Doch Richard hatte sie verabschiedet.
Und es sollte nicht das letzte Mal gewesen sein.
Einige Tage später, während Elisabeth in ihrem Garten das Unkraut zupfte und die ersten Beete nach dem Winter für Mangold und Rüben vorbereitete, hörte sie das rhythmische Klappern von Hufen, das sich durch das Dorf näherte.
Sie richtete sich auf und wischte sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht, während ihr Blick zur Straße wanderte. Von hier aus konnte sie den Weg gut überblicken – und sie erkannte ihn sofort.
Richard von Ravenshire ritt auf einem kräftigen, braunen Pferd die Dorfstraße entlang.
Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht, als sie ihn wiedererkannte. Ohne es zu wollen, spürte sie, wie ihr Herz einen Schlag schneller schlug, als er an ihrer Pforte die Zügel anzog.
Sie rechnete halb damit, dass er losgeschickt worden war, um sie nach Tinkturen oder einem weiteren Krankenbesuch zu bitten. Doch zu ihrer größten Überraschung trat er mit einem Lächeln an sie heran – einem Lächeln, das der Sonne selbst Konkurrenz machte.
»Verzeiht mir, dass ich Euch mit meiner Unverfrorenheit von Eurem Tagewerk abhalte«, begann er, mit einem Funkeln in den Augen. »Aber ich hatte schon immer ein Auge für das Besondere. Und ich musste mich vergewissern, ob es nur eine Laune des Tages oder des Lichts war, das an jenem Tage so außergewöhnlich schien.«
Er schwang sich aus dem Sattel und trat näher, sodass er ihr nicht mehr vom hohen Rücken seines Pferdes herab begegnete, sondern auf Augenhöhe, nur getrennt durch die niedrige Hecke. Sein Blick ruhte auf ihr – offen, direkt, als wollte er eine Antwort auf eine Frage, die er nicht laut aussprach.
Etwas leiser fuhr er fort: »Nun kann ich mit Gewissheit sagen – es war keine bloße Laune. Ihr seid wahrlich faszinierend.«
Seine Augen wanderten kurz über ihre Schulter hinweg, über den Garten, das kleine Haus, das sie ganz allein zu bewirtschaften schien. Ein Hauch von Bewunderung lag in seiner Stimme, als er hinzufügte:
»Vielleicht sogar noch mehr als zuvor.«
Es war keine gespielte, keine geheuchelte Bewunderung – das erkannte sie in seinen Augen und noch mehr in der Art, wie er sie behandelte und mit ihr sprach. Wie schon auf der Brücke bei ihrem Abschied: nie von oben herab, nie mit jener Kluft zwischen sich und ihr, die sie sonst stets spürte, wenn sie an das Krankenbett gerufen wurde. Eine unsichtbare Schranke, die immer dann spürbar wurde, wenn es um Menschen ging, die als »höher stehend« galten als das gemeine Volk.
Doch er war anders.
Er war aus freien Stücken gekommen – aus Neugier, aus Faszination. Und er schien unersättlich.
Sie verbrachten viele Stunden miteinander, und noch lange danach blieb er berührt von ihrer Art, die Welt zu sehen.
Bezaubernd in ihrer Klarheit, in ihrer Art, selbst den kleinsten Dingen Bedeutung zu schenken.
In diesen Momenten stand die Zeit still. Woher sie kamen, wohin sie gehen würden – all das spielte keine Rolle. Nur das Hier und Jetzt zählte.
Und weil sie einander so viel geben konnten, trafen sie sich weiterhin. Heimlich. Denn diese Verbindung durfte nicht sein.
Sein Weg war längst vorgezeichnet, gezeichnet von den Erwartungen seiner Familie – und sie war darin nicht vorgesehen.
Die einzige Frage, die sich seine Familie stellte, war nicht, ob er lieben durfte. Sondern nur, wen er heiraten würde. Eine Frau von gleichem Stand – oder eine, die Einfluss und Macht der Familie von Ravenshire noch mehren würde?
Während sie eines Tages im Mai das Essen auf ihrer Feuerstelle zubereitete, waren ihre Gedanken bei Richard.
Anfang des Monats hatten sie sich noch regelmäßig gesehen, doch nun war er seit drei Tagen verschwunden. Keine Nachricht, kein Zeichen. Sie machte sich keine Sorgen – noch nicht. Doch ein leises Ziehen der Sehnsucht lag in ihrem Herzen, stärker als der Hunger, den sie zu stillen versuchte.
Als sie den Haferbrei vom Feuer nahm und mit Butter und einigen Kräutern verfeinerte, hörte sie, wie die Tür aufging.
Richard stand dort, im Schein der Abendsonne und ein wenig außer Atem.
Als er die Tür hinter sich schloss, schien für einen Moment alles in der kleinen Hütte stillzustehen. Er trat zu ihr, langsam, als hätte er sich selbst noch nicht ganz entschieden, ob er sie berühren durfte. Doch dann hob er die Hand, ließ die Finger sanft über ihren Nacken gleiten – und zog sie schließlich an sich.. Mit den Fingern der anderen Hand strich er ihr einige Haarsträhnen aus dem Gesicht.
Er sprach nicht. Es brauchte keine Worte. Seine kräftigen Hände, die über ihren Rücken glitten genügten.
Ihr Herz klopfte immer schneller, alle Gedanken, alle Fragen, falls sie jemals welche gehabt hatte, waren verschwunden. Das einzige was zählte war seine Nähe und die Berührung. Und schließlich und endlich drückte er sie fest an sich und berührte das erste Mal seitdem sie sich begrüßt und verabschiedet hatten, ihre Lippen mit den seinen.
Ihre zuerst vorsichtigen Küsse wurden leidenschaftlicher und intensiver. Er zog sie enger an sich, als wollte er die Distanz zwischen ihnen auflösen. Sie ließ sich treiben, vertraute darauf, dass seine Arme sie hielten.
Er hob sie auf den Tisch, ließ den Stoff ihres Kleides langsam zwischen seinen Fingern herabgleiten. Voller Bewunderung sah er sie an und küsste ihre Brüste. Sie zog ihm das Hemd aus.
Das sanfte Licht fiel auf seinen Körper, betonte jede Linie - und sie ließ ihre Finger über seine Haut gleiten, als wollte sie ihn auswendig lernen.
Elisabeth lehnte sich zurück und legte sich mit ihrem Oberkörper auf den Tisch. Ihre Beine umklammerten seine inzwischen nackten Hüften. Ihre Bewegungen fanden den gleichen Rhythmus, langsam zuerst, dann von ihrer gemeinsamen Sehnsucht getragen.
Seine Hände berührten ihren Oberkörper und sie genoss es, ihn in sich zu fühlen. Ihr Atem und ihre Lust aufeinander nahmen immer mehr zu und er hob sie behutsam hoch und trug sie zu ihrem Bett hinüber.
Er legte sie auf die einfachen Leinen, die sich in diesem Moment wie Samt anfühlten und berührte ihren ganzen Körper.
Es lag ein stummes Staunen in seinem euphorischen Blick, als hätte er so viel Schönheit in seinem Leben noch nie gesehen und noch weniger verdient. Durch seine Blicke und seine Berührungen flüsterte Elisabeth leise in sein Ohr: »Mach weiter so, es ist wunderschön.«
Er lächelte sie liebevoll an und sie liebten sich inniglich. Sein Körper war warm unter ihren Händen, ein sanftes Glühen auf seiner Haut, als hätte die Nacht selbst Spuren hinterlassen. Sie strich ihm über das Gesicht, spürte die Wärme seiner Wange an ihren Fingerspitzen, bevor sie die Hand an ihr eigenes Herz legte – als wolle sie ihn dort bewahren.
Zeit war bedeutungslos, noch mehr noch als bei ihren vorherigen Treffen, Gesprächen und tiefen Blicken. Sie verloren sich in der Nacht, bis Zeit keine Bedeutung mehr hatte.
Irgendwann hatte sich die Dunkelheit in sanftes Morgengrauen verwandelt. Elisabeth hätte es kaum bemerkt, wenn er nicht plötzlich die Stille gebrochen hätte - seine Lippen nur einen Atemzug von ihrem Ohr entfernt.
»Danke, Elisabeth.« Seine Stimme war leise, aber unnatürlich schwer. »Danke - für den schönsten Abschied, den ich mir hätte wünschen können.«
Ihre Finger spannten sich, als wäre es ihr Körper, der sich gegen seine Worte wehrte. Sie hatte die letzten drei Tage damit gerechnet und die letzten Stunden gehofft, es würde nicht bedeuten, dass kam, was kommen musste.
Er atmete tief durch, als müsste er sich selbst dazu zwingen, es auszusprechen.
»Mein Vater hat mir sein Amt übertragen. So Wilhelm es will, werde ich es antreten.«
Seine Stimme war ruhig, zu ruhig. »Ich werde dich nicht wiedersehen können.«
